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wackeln

mhd. bis spez. · 15 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

wackeln verb.

Bd. 27, Sp. 209
wackeln, verb. II. herkunft und verbreitung. das wort läszt sich seit dem 14. jahrh. im hochd. nachweisen und ist mit einem l-suffix, dem diminutiv-iterative bedeutung zukommt, von wacken (s. d.) gebildet, das seinerseits intensivbildung zu wagen ist und zu wägen, wiegen gehört. das ck entspricht einem gg (vgl. z. b. tirol. wgglen Schöpf 794) und so ist das wort wol identisch mit mnd. waggelen, neben dem wagelen steht (Schiller-Lübben 5, 576), mnl. waggelen neben waghelen, nnl. waggelen. die form waggeln wird mehrfach aus nd. mundarten angeführt. ten Doornkaat Koolman 3, 497. Dähnert 536. Frischbier 2, 452. auszerhalb des deutschen entspricht engl. to waggle, n. (aus dem deutschen?) vakle, schwed. vackla, daneben vagla Rietz 786. zu bemerken ist noch die durch nachträgliche onomatopoiie geschaffene form wickeln in verbindung mit wackeln: preusz. wiggeln und waggeln, hess. er kommt gewickelt gewackelt (s. auch die stelle aus Fischart II, 2). — das wort ist nicht von vorn herein gleichmäszig verbreitet und lebt auch jetzt mehr in der gesprochenen, als in der litteratursprache, obgleich es auch dieser in gewissen wendungen unentbehrlich geworden ist. Nieremberger bezeichnet es noch 1753 als mundartlich, auch Klein führt es in seinem provincialwörterbuch 2, 223 an. es wird hauptsächlich durch das md. und nd. getragen, wenn es auch dem obd. nicht fehlt, doch zieht wenigstens das südwestdeutsche anfangs das einfache wacken vor. Diefenbach gl. 313a labare, wackeln (aus einem voc. ex quo), 604b vacillare, wackeln vel schlottern (voc. inc. teut.), vacillans, wackelnde (aus einem voc. rer.). bei Dasypodius, Maaler, Hulsius, Schönsleder kommt das wort nicht vor, aber bei Calepinus (1570) 819 wagglend machen, labefacere; wackeln, schlottern, hin und wider wancken und schwancken, menarsi in quà e'n là. Güntzel 825; wakkelen, vacillare, quatere. Schottel 1439; wackelen, labare, labascere, nutare, titubare. Stieler 2432; wackelen, crollare, tempellare, tentennare. Krämer 1203; wacklen, labare, labascere und wagglen, vacillare. Dentzler 2, 340. alle späteren haben das wort. IIII. gebrauch. II@11) wackeln bezeichnet eine kurze, wiederholte bewegung, nach welcher der sich bewegende gegenstand wieder in seine frühere lage zurückkehrt. das in der litteratursprache eingebürgertere schwanken geht mehr auf nachhaltige bewegungen groszer körper, während wanken besonders die erschütterung von etwas festem betont, vgl. auch das dimin. wankeln. zuweilen von den sternen am himmelsgewölbe: was ist der himmel doch mit so viel tausend faklen, die theils zwahr stille stehn, theils unaufhörlich waklen? Rist Parnasz 683. von der erde: daz schüteln ist zwairlai. daz ain ist, daz daz ertreich gêt wackelnd sam ain schef lanksam und daz ertpidmen ist den vesten und den gepäwen minner schad. K. v. Megenberg 108, 7 Pfeiffer; darüm werden wir uons nit fürchten, wan er schon die erden ümkerte: ünt wan di berge wakkleten dærmạssen dàs si fillen mitten in der mere eines. Melissus 180 Jellinek (ps. 46, 2). sprichwörtlich sagt man: jemand prügeln oder lügen, dasz die heide wackelt (vgl.wahen) und bei einem sehr erstaunlichen ereignis: da soll eine alte wand wackeln. von häusern, bäumen u. dgl.: das haus wackelt, domus nutat. Steinbach 2, 915; derowegen ist es nöthig, dasz es (das haus), wann es wackelt, mit pfeilern und andern understützungen gestützet ... werde. Comenius 538; so er (der biber) denn vermeint, dasz der baum schier fallen soll, sicht er allstreich über sich, wohin der baum hange, ob er wagkle, damit nit etwan im streich der baum auff in falle. Forer thierb. 22b; wie er so schaute, merkte er, dasz der baum, worauf er stand, anfieng zu wackeln; und guckte hinunter, und sah, dasz ihn eben einer umhauen wollte. Grimm märchen (1843) 2, 159; ich sehe den ofen in seiner basis wackeln. Tieck 13, 329; da deucht mich nacht zu seynund in mein angesicht leucht mir nit weit von darein wacklend kleines liecht. D. v. d. Werder erlös. Jerusalem 8, 25; und die laternen gar, was musz ich sehn? die können alle nicht grade mehr stehn. wackeln und fackeln die kreuz und die quer. v. Mühler ged.2 13; es wäre aber ein wunder, wenn die sparsame natur .. das siebzigjährige schwingen der weiblichen zungen ohne absicht veranstaltet hätte. die absicht aber mangelt nicht; es ist dieselbe, warum die blätter wackeln; der ewige pulsschlag der weiblichen zunge soll der erschütterung und umrüttelung der atmosphäre forthelfen, die sonst anfaulte. Jean Paul Siebenkees 2, 47. allgemein von tischen, stühlen, die nicht ganz fest stehen: tisch! ruft das kind, lasz dir gebieten, und stehe fest und wackle nicht! Gellert 1, 62; aber der tisch, wie sehr sie ihn stellt' auf dem höckrichten estrich, wackelte; unter den fusz, der zu kurz war, steckt sie ein scherblein. Voss idyll. 18, 91; jeder stuhl wackelt, auf den ich mich setzen will. Göthe 57, 3 (die wette 1). übertragen: denn der päpstliche stul ist nicht fest und gleichförmig bestanden, sondern gewackelt und bezappelt, dasz ist, was der eine papst und concilium zuvor gesetzt und gelehrt hat, das hat hernacher der ander mit seinen pfaffen verkehret, auffgehaben und umbgestossen. Cramer pommersche chronik (1592) 1, 74. besonders von dingen, die befestigt sind, aber anfangen lose zu werden: wackeln oder wancken, nicht fest sitzen, to wag, wabble, totter. Ludwig 2362; wackeln, nicht fest halten, non firmiter tenere, wann die nägel von etwas ausgehen oder zerbrochen sind. Frisch 2, 413; die hufeisen wackeln, soleae equi labant. Stieler 2432; ein messer das im hefft wackelt, ein wacklender stiel in einer axt. Ludwig 2362; der zimerman nam den goldschmid zu sich, und macheten mit dem hamer das blech glat auff dem ambos, und sprachen, das wird fein stehen, und hefftens mit negeln, das es nicht solt wackeln. Jes. 41, 7 (dagegen in der Schweizer bibel: das es ja nit möchte bewegt werden, ähnlich bei Dietenberger und in der alten bibel); man solle nur einen einigen (pfeil) ausz der buschel herausz ziehen, so wurden die übrigen alle loteren und wackelen und allgemach von sich selbst von einander fallen. Zincgref apophth. 200. ähnlich von den zähnen, den nägeln; hier tritt gern ein persönlicher dativ hinzu: es wackelt mir ein zahn, un dente mi crolla in bocca. Krämer 1203; wackelnde zäne befestigen, mobiles dentes stabilire. Stieler 2432; so bin ich erschrocken, dasz mir die bösen zene im kopf wackeln und leiden ser schwindelt. Schade satiren 2, 252, 12; zu den unter-gerichten gehören ... nasenblut, maulschellen, zähnebluten, so die nicht wackeln. Hayme jurist. lexicon 237; eine maulschelle vergiszt sich wohl bey dem leicht, der sie giebt, aber der, dem die zähne davon gewackelt haben, der denkt eine zeit lang daran. Lessing 1, 243 (der junge gel. 2, 3); die ehrlichkeit wackelt wie ein holer zahn, du darfst nur den pelikan ansetzen. Schiller 2, 83 (räuber 2, 3 schausp.); sogar die nägel selbst verlieren letztlichen ihre krafft, wacklen, lassen nach und werden losz. Albertinus Gusman v. Alfarche 10; wann im hornung die winde wehen, dasz den ochsen die hörner im kopff wacklen möchten, so bedeuts ein gut jahr, sagt mein knan. des abenteurl. Simplicissimi immerwähr. kalender (Nürnberg 1670) 38b. etwas anders wird wackeln vom kopf gebraucht, wo es ein bloszes hin und hergehen bezeichnet: es wackelt ihm der kopf, il capo gli crolla. Krämer 1203; der kopf wackelt oder geht ihm hin und her. Ludwig 2362; etlichen spallt er den scheitel ... etlichen verwirrt er den knickwirten und das kropfbein im hals, dasz ihn der kopf wacklet wie eim hasz am sattel (des jägers). Garg. 205a (324 neudr.); bei allen diesen erzählungen (der neuen Melusine) wackelte mir mitunter der kopf, ohne dasz ich ihn gerade geschüttelt hätte. Göthe 23, 95 (Meisters wanderj. 3, 6). bildlich: mir sente Vallenz armen tropff hatte schon gewacklet mein kopff: habe besorgt. ich müste geben vale Lentz meim jungen leben. Abele 4, 136; lasse dich nicht gelüsten, vor meinem angesicht mehr zu erscheinen, sonst soll dein kopff auf dem rumpffe wackeln. v. Ziegler asiat. Banise (1733) 71. von anderem, das sich am oder im kopf befindet oder daran getragen zu werden pflegt: das ist ja der walzertakt! schrieen die mädchen und begannen um ihn herumzutanzen, bis er wütend aufsprang, dasz ihm der zopf wackelte. G. Keller 1, 193; nichts mehr! ich schweige! — da wackeln ohren, die nicht verstehn. Wieland 21, 4 (Gandalin prol. 35); siehst du, Terpsichore, wie vor vergnügen sogar der faunen langgespitztes ohr wollüstig wackelt? 26, 222 (Midas); du siehst ja, dasz er dir mit dieser wackelnden zunge nicht wohl antworten könnte; er ist betrunken. Lucian 1 (1788), 376; ihm nach desselben weiblein zart wässert das maul, wackelt der bart. Rost teufelsepist. in d. n. berl. monatschr. (1805) 13, 37; mir wackelte eine thrän' im aug'. Claudius I. II 119; und wie ein frisches rosenpaar im lenz ihr ganzer hauptschmuck war, so wackelt itzt das strauszgefieder, ein bunter busch auf ihrem haar, bey jedem schritte hin und wieder. Wieland 9, 163 (an Olympia IV); und tantzen eins mit, dasz ihnen die kappe wackelt. Chr. Weise erzn. 284 (1673); 'wissen sie, wie ich das finde, herr Baumann?' fuhr sie eifrig fort, und die bänder ihrer haube wackelten. Freytag 5, 104 (soll u. h. 4, 5); dabei sah er aber immer ihr (der tante) haubenband wackeln, wie in alter zeit, wenn sie ihm über einen seiner dummen streiche ... ihre meinung sagte. Heyse nov. 5, 116 (vetter Gabriel). von andren körpertheilen: nun hebt sich der schenkel, nun wackelt das bein, gebärden da giebt es vertrackte. Göthe 1, 229 (todtentanz); er möchte ihn sonst vor einen jungen ansehen und ihn über die banck legen, dasz der steisz wackelte. Chr. Weise kl. leute 51 (1675); es wackelt wie am hunde der schwanz. Wander 4, 1722; dem guten menschen wackelte das hertz vor freuden wie ein lämmer - schwäntzgen. Chr. Weise erzn. 294 (1673); sein herz wackelte ihm vor freude wie ein lämmerschwänzchen. Grimm märchen (1843) 1, 131; dem kerln wackelte das herz vor freuden. Chr. Weise erzn. 43 (1673); wie wäre es, wenn wir ihnen eine hofcharge ertheilten? — eine hofcharge! das herz im leibe wackelte. Kotzebue dramat. sp. 3, 249. in andrer bedeutung: aber es sind wort, damit sie ir unsicher gewissen gerne bergen und schmücken wolten, das niemand mercken solle, wie ir hertz inwendig wackelt und webt als ein rohr vom winde bewegt. Luther 3, 342a. übertragen von metrischen gliedern: manche einfältige schmucklose stelle ... würde, eben so einfältig und schmucklos in deutsche hexameter gebracht, entsetzlich fatal und langweilig klingen. hergegen fällt sie recht wohl aus, wenn die ausgereckten, wackelnden hexametrischen in kürzere, straffere jambische glieder zusammen gezogen werden. Bürger 243b. wackeln machen, debilitare, conquassare, infirmare. Stieler 2432; die zähne wackeln machen, labefacere dentes. Frisch 2, 413. bildlich: seit einigen tagen ist hier ein G** und ein R**, ein name, der in Rom die zähne wackeln macht. Winckelmann 11, 231 Eiselein (briefe). daneben auch: wackelnd machen, scrollare, scuotere, dimenare. Krämer 1203; macht es doch nicht wackelnd, do not wag it. Ludwig 2362; einem die zähne wackelnd machen, dentes alicui labefacere. Steinbach 2, 915; dinge von nicht mehr anscheinender erheblichkeit ... haben die grössesten reiche entzweyet, und die kronen der monarchen, die sie beherrschten, auf ihren häuptern wackelnd gemacht. Bode Tristr. Schandt 3, 7. II@22) ein abweichender gebrauch von wackeln stellt sich ein, wenn der mensch zum subject gemacht und das glied des körpers, mit dem die bewegung vollführt wird, durch mit angereiht wird: mit dem leibe, mit dem hindern wackeln. Kirsch 2, 377; mit dem steisze wackeln, cevere. Hederich 2563; mit den füszen wackeln, branler les jambes, mit dem kopfe wackeln, grouiller la tête. Rondeau; ein begüterter mann ... hat das recht, nur mit den lippen ein wenig zu wackeln, wenn ihm jener (mann ohne geld) begegnet. Rabener 2, 228; so wirst du .. einen gar schönen, zierlichen und alleswissenden mann antreffen, der einen schlottrigen gang und ein klares weiberstimmchen hat, immer mit dem halse hin und her wackelt, wohlgerüche weit um sich her duftet. Wieland Lucian 6 (1789), 15; die padrona ächzte ihrem manne zu: 'nun so lachet doch, Momolo!' worauf der signore Bacci gleichfalls losbrach, bedeutend mit dem langen kinn wackelte. Gaudy 2, 101 (tageb. eines wand. schneiderges.); da sitzt meine mutter auf einem stein und wackelt mit dem kopfe. Göthe 12, 245 (Faust I): sie wackelten mit kopf und sterz und sagten: er hat kein gutes herz! Immermann 11, 184 Hempel. von thieren: mit dem schwanz, schweif wackeln, zuweilen statt wedeln. dies wackeln kann auch absolut gebraucht werden, um ein schwanken mit dem ganzen körper zu bezeichnen, ein unsicheres gehen: auf beide seiten wackeln, in utramque partem vacillare. Steinbach 2, 915; wackeln, nicht fest gehen oder nicht fest stehen. Frisch 2, 413; ein wacklender gang, gressus nutabundi. ebenda. besonders von einem betrunkenen: wackelen wie ein trunckener, barcollare, andar barcollando. Krämer 1203. Schmeller2 2, 845; er wackelt. Lichtenberg 3, 74 (unter den 'redensarten, womit die Deutschen die trunkenheit einer person andeuten'); deinem göttlichen vetter, dem wackelnden Silen. Fr. Müller 1, 174. auch sonst: er ... stig die seilleiter den mastbaum auff und ab, gieng auff den zehen auff dem rand, am bort, auff der spitze, wickelt und wackelt. Garg. 283 neudr.; wackelnd, hinckend, als ob sie (das alte weib) tantz. froschmeuseler Hh 8a (II, 4, 4). bildlich: wagt er (der mensch) es jetzt, mit eigenen füszen auf dem boden der erfahrung, wenngleich noch wackelnd, fortzuschreiten. Kant 10, 247. auch vom absichtlichen schwanken beim tanz: oft führt er bei nächtlichen fackeln die reigen der thoren; sie wackeln frohlockend, und träumen nicht harm. F. L. Stolberg 1, 146; jetzt kommen die reitenden diener auch mit üppig lodernden fackeln, sie tanzen ehrbar den fackeltanz, sie springen und hüpfen und wackeln. Heine 2, 491 Elster. von thieren: die ente wackelt; eine ... elster, die wackelnd durch das gras herzugeschritten kam. Immermann Münchh.2 3, 88. auch von den unwillkürlichen bewegungen beim sitzen: wackle nicht! ruft man einem zu, der nicht ruhig sitzt; auf einem stuhl hin und her wackeln. Rondeau. II@33) in verbindung mit adverbiellen bestimmungen kann wackeln die bedeutung von 'sich mit schwankendem, unsicherem gang vorwärts bewegen' annehmen. diese jedenfalls jüngere bedeutung wird von Adelung aus dem gemeinen leben angeführt: die ente wackelt mit; allein nicht gar zu weit. Gellert 1, 111; sie (die glocke) wackelt schnell, man glaubt es kaum. Göthe 1, 224; ich sehe wackeln her die alternde Susanne, die ferne zukunft späht im satz der kaffeekanne. Immermann 14, 78 Hempel; klapp! drückte sein fenster der Isegrimm zu, und wackelt' aufs kanapee wieder zur ruh. Langbein 1, 220; der alte vater, welcher in untröstlichem lachen mit beiden flachhänden seinen wanst hielt, wackelte hinterdrein. Hermes Sophiens reise 4, 427; damit ich in einer so redseligen zeit nicht der einzige stumme sey, und wie die trabanten in der komödie mit weitoffnem munde schweigend über die scene wackle. Wieland Lucian 4 (1789), 81; jeden morgen nahm die alte ihre krücke und wackelte in den wald. Grimm märchen (1843) 2, 416; in der unmittelbarsten nähe des kleinen heilands wackelten zwei noch viel kleinere, höchstens vierjährige geschöpfchen in altfränkischer schäfertracht. Heine 6, 306 Elster. dies wackeln wird zuweilen auch von reiten und fahren gebraucht: der junker ... stieg auf und wackelte auf seiner mähre fort. Weisze kom. opern 3, 23; der mit allerhand dekorationen schwer bepackte wagen ... wackelte indes langsam fort. Eichendorff 2, 160 Dietze. nach er kommt gegangen, gelaufen u. s. w. wird auch er kommt gewackelt (hess. gewickelt gewackelt Crecelius 887) gesagt. Hans, dem diesz alles zugehörte, kam täglich einmahl, zweymahl auch, gewackelt in den hain, und hörte dem vogel zu. Wieland 18, 371 (vogelsang); die glocke glocke tönt nicht mehr, die mutter hat gefackelt. doch welch ein schrecken hinterher! die glocke kommt gewackelt. Göthe 1, 224. II@44) der übertragene gebrauch von wackeln 'unfest, unbeständig sein' reicht weit zurück, ohne gröszere ausdehnung gefunden zu haben. oft liegt näherer anschlusz an eine der eigentlichen gebrauchsweisen des wortes, das schwanken des körpers oder eines gebäudes, eines gerätes vor und z. th. wird das bild weiter ausgeführt: wenne aber der mensche in diser (himmelreich oder hölle) keinem ist, so gêt er mit den crêatûren umb und wackelt her und dar und weisz nit, wâ er dar an ist. theologia deutsch2 42 Pfeiffer; die sibenzehend predig sagt, wie dem bösen feind ist widerzeston, wie Eva wackelet, darumb fiel sie. Keisersberg brösamlin 1, 48b; als wie die lere an sich selbst wackelt, und ungegründet, also auch der gebrauch, und die fruchte dar aus, gantz unbestendig gewachsen. ertzneypuchlein von den fruchten des newen evangelischen lebens. (Frankfurt 1523) B 3a; denn der glaube ist und sol auch sein ein standfest des hertzen, der nicht wancket, wackelt, bebet, zappelt noch zweivelt, sondern fest stehet, und seiner sachen gewis ist. Luther 8, 139b; alles sol sich nach ihrem (der juristen) rechte und kopffe schicken und richten, wöllen widerumb ein wackeln (l. wackelnd) und wanckend werck machen und anrichten in den gewissen der menschen, die wir kaume auffgerichtet und auffs gewisse gefürt haben. tischr. 400a; du (gott) hast zerrüttet alles landt, und es zerstücket und getrannt: du wollest seine brüche heilen, es wackelt sehr an allen theilen. Opitz psalmen 112 (60. psalm); räder, schwerdt und fackeln, die machen offt, dasz muth und freche sinne wackeln. A. Gryphius (1698) 1, 491 (Felicitas); wo das vielfältige greinen ist, dort erkaltet die liebe, dort wacklet die treu, dort verschwindet die einigkeit. Abr. a S. Clara Judas (1687) 1, 36; in der praxi war ihm ein und andere cur von ohngefehr noch so ziemlich eingeschlagen, doch in der theorie alles sehr schwach und elend bestellet, woher denn kam, dasz sein gantzer professions-bau auf einem wacklenden grunde ruhete. Felsenburg 2 (1772), 192; sie sagen, es wären nur fünfe auf dieser insel: wir (angetrunkenen) sind drey davon; wenn die andern beyden so gehirnt sind wie wir, so wackelt der staat (the state totters). Shakesp. sturm 3, 2; es hat in der that den anschein, als wackle der ganze groszbritannische staat und sei dem umsturz nahe. Heine 6, 276 Elster; es ist verdrieszlich, dasz er (Ludwig Philipp) alle freiheitsbäume abschlagen läszt und sie ihres hübschen laubwerks entkleidet, um daraus stützbalken zu zimmern für das wackelnde haus Orléans. 5, 34; Minchen. (zu Hiller) bauen sie auf meine unerschütterliche treue. Stackel. empfindelei. die treue soll schon wackeln, wenn ich es haben will. Kotzebue dram. sp. 3, 243; wenn er .. kaufmann ist, ein geschäft hat, welches auf allen vier beinen wackelt. Gotthelf 9, 182 (wahlängste). auch unpersönlich es wackelt mit etwas, 'steht nicht sicher': mit meiner gesundheit wackelts seit dem anfang des monats immer etwas. mein magen leidet und ich weisz ihm mit nichts zu helfen. Forster briefw. 2, 581. II@55) er wackelt mit dem kopfe kann auch causativ aufgefaszt werden als 'er ruft eine bewegung hervor vermittelst des kopfes'. sicher liegt diese auffassung zu grunde bei an etwas wackeln: und gewisz, wenn an einem zahne viel gewackelt wird, so fällt er endlich aus. Chr. Weise kl. leute 321 (1675); derohalben wackelt' ich so lang an dem zahn, bis ich ihn aus der wurzel hob. Musäus phys. reisen 1, 16; er wackelt am tische oder blosz er wackelt. transitiv wird dies wackeln in der zusammensetzung z. b. etwas loswackeln. II@66) ein transitives wackeln in der bedeutung 'prügeln' wird auch hierher gehören (nach wendungen wie: einen schlagen, dasz ihm der steisz wackelt), kaum liegt zusammenhang mit wacheln, wachteln, das die gleiche bedeutung haben kann, vor. es ist in md. und nd. mundarten weit verbreitet, namentlich auch in den zusammensetzungen durchwackeln, abwackeln, verwackeln, einem etwas aufwackeln u. dgl. Schmeller2 2, 845 (nicht aus dem altbair.). Autenrieth 149. Crecelius 887. Kehrein 436. Schmidt 318. Vilmar 435. Hertel 252. Albrecht 233. Jecht 120 (die vier letzten führen nur durchwackeln an). Bernd 341. Woeste 313. Frqmmann 3, 368 (Mark). Schütze 4, 332. Frischbier 2, 452 (nur in zusammensetzungen): Jude, Jude, schachre nicht! weiszt du nicht, was Moses spricht? Moses spricht: du sollst nicht schachern! ich will dir den puckel wackeln. kinderlied aus Holstein, zeitschr. f. d. myth. 2, 432. II@77) thüringisch wackeln 'fleisch wiegen' Hertel 252 gehört zu wagen 'wiegen', vgl. auch wackel 2. II@88) der inf. wackeln findet sich substantivisch gebraucht: das wackeln, vacillatio. Frisch 2, 413; das wackeln der zähne, labefactio dentium. Kirsch 2, 377; das laub und die millionen gräser waren mäuschenstill, trieben aber nichts desto minder mit hin- und herwackeln allerlei lautlosen unfug, wie mutwillige kinder während einer feierlichen verhandlung. G. Keller 1, 303 (gr. Heinrich).
21334 Zeichen · 367 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    wackelnswv.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +2 Parallelbelege

    wackeln swv. hin u. her schwanken, wackeln, wanken Mgb. 108,7. Theol. 42 ;

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Wackeln

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Wackeln , verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben bekommt. 1. Sich aus Mangel der nöthigen Festigkeit oft hin und …

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    wackeln

    Goethe-Wörterbuch

    wackeln [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. modern
    Dialekt
    wackeln

    Mecklenburgisches Wb. · +3 Parallelbelege

    wackeln 1. schwanken, wanken Mi Nachtr.; ick mag leiwer, dat dat Fleisch 'n bäten wackeln deit mag lieber dickes Vieh Sc…

  5. Sprichwörter
    Wackeln

    Wander (Sprichwörter)

    Wackeln 1. Nicht alles, was wackelt, fällt ein. Frz. : Tout ce qui branle ne tombe pas. ( Lendroy, 239. ) 2. Es wackelt …

  6. Spezial
    Wackeln

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +2 Parallelbelege

    Wa|ckeln n. (-s) 1 scassamënt (-nc) m. 2 (z.B. Rad an der Achse) slanghernamënt (-nc) m. , desmuntamënt (-nc) m. 3 (Taum…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit wackeln

4 Bildungen · 2 Erstglied · 1 Zweitglied · 1 Ableitungen

Zerlegung von wackeln 2 Komponenten

wack+eln

wackeln setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

wackeln‑ als Erstglied (2 von 2)

Wackelnoors

MeckWB

Wackelnoors m. unruhiger Mensch Ro; Ha Red .

wackelnoorsig

MeckWB

wackelnoorsig mit wackelndem Noors: hei geiht so wackelnoorsig Pa Dobb ; Ro Kühl .

wackeln als Zweitglied (1 von 1)

dalwackeln

MeckWBN

dal·wackeln

Wossidia dalwackeln sich wackelnd hinabbegeben: He wickelt un wackelt von 'n Wohrsbarg dal Wo. V. 3, 460.

Ableitungen von wackeln (1 von 1)

verwackeln

DWB

verwackeln , v. : A. legte an, zielte unsicher, die nachbarn schüttelten die köpfe, einer flüsterte: 'o je, er verwackelts' Fr. Th. Vischer …

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „wackeln". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 18. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/wackeln/dwb?formid=W00891
MLA
Cotta, Marcel. „wackeln". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/wackeln/dwb?formid=W00891. Abgerufen 18. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „wackeln". lautwandel.de. Zugegriffen 18. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/wackeln/dwb?formid=W00891.
BibTeX
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