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verlesen

mhd. bis spez. · 14 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Pfeifer_etym
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18 in 14 Wb.
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Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)

verlesen

verlesen

lesen Vb. ‘den Sinn von Schriftzeichen erfassen, Schrift durch Sprechen wiedergeben, vorlesen, Vorlesungen halten, auflesen, sammeln, ernten’, ahd. lesan (8. Jh.), Prät. Plur. lārum (mit grammatischem Wechsel von r und s), mhd. lesen ‘auswählend sammeln, aufheben, an sich nehmen, (sich ver)sammeln, in Ordnung bringen, wahrnehmen, erblicken, (vor)lesen, als Lehrer vortragen, Messe lesen, erzählen, berichten’, asächs. lesan ‘sammeln, auflesen, lesen’, mnd. mnl. lēsen, nl. lezen ‘lesen’, aengl. lesan ‘zusammenlesen, sammeln’ (daraus mundartlich engl. to lease ‘Ähren lesen’), anord. lesa ‘auflesen’ (die Bedeutung ‘lesen’ ist aus dem Mnd. entlehnt), schwed. läsa ‘lesen, lernen, studieren’, got. lisan ‘auflesen, sammeln’ sind vergleichbar mit lit. lèsti ‘picken, pickend fressen’, lasýti ‘picken, auslesen, aussuchen, auswählen’, hethit. leššāi- ‘auflesen’ und führen auf eine Wurzel ie. *les- ‘sammeln, auflesen’. Gemeingerm. ist die Bedeutung ‘auflesen, sammeln’, zu der im Dt. und Nl. noch ‘Geschriebenes lesen’ hinzutritt. Dieselbe Bedeutungsentwicklung liegt vor in lat. legere ‘auflesen, sammeln, auslesen, auswählen, (vor)lesen’ und griech. légein (λέγειν) ‘auflesen, sammeln, sagen, sprechen, vortragen, vorlesen’ (s. Legion und Lexikon). Möglicherweise ist für das Germ. vom Aufsammeln und Deuten der zur Weissagung ausgestreuten Runenstäbe auszugehen. Die Bedeutung ‘Geschriebenes lesen’ wird sich unter dem Einfluß von lat. legere entwickelt haben. Die ursprüngliche Bedeutung ‘(auf-, ein)sammeln, auflesen’ ist bis heute in Ähren, Holz, Trauben lesen, die von ‘aussondern, verlesen’ in Linsen, Erbsen lesen bewahrt. Dazu auch Lese f. ‘das Auf-, Einsammeln, Ernte’, besonders ‘Weinernte’ (Anfang 18. Jh.), aus älterem Weinlese (s. unten) gekürzt; Ährenlese f. (18. Jh.), zuvor Ährlese (1700); Auslese f. ‘Auswahl’ (18. Jh.), ‘die ausgewählte Menge, die Besten, Elite, Wein aus ausgelesenen Trauben’ (19. Jh.); Blütenlese f. ‘Sammlung ausgewählter Gedichte oder Prosastücke’ (Ende 18. Jh.), s. auch Anthologie; Nachlese f. ‘das Nachsammeln (von Ähren, Weintrauben), Nachernte’ (17. Jh.); Traubenlese f. (17. Jh.); Weinlese f. (15. Jh.). auslesen Vb. ‘prüfend herauslesen, aussuchen, als untauglich aussondern, zu Ende lesen’, ahd. ūʒlesan ‘heraussuchen, aussondern’ (10. Jh.), mhd. ūʒlesen ‘auswählen, zu Ende lesen’. erlesen Vb. heute noch in gehobener Sprache für ‘auswählen, durch Lesen aneignen’, ahd. irlesan (9. Jh.), mhd. erlesen ‘durch Lesen erforschen, bis zu Ende lesen, erwählen’; dazu erlesen Part.adj. ‘ausgesucht, von hervorragender Qualität’ (16. Jh.), daneben gleichbed. auserlesen Part.adj., mhd. ūʒerlesen. verlesen Vb. ‘Schlechtes, Ungeeignetes aussondern, öffentlich vorlesen’, reflexiv ‘sich beim lauten Lesen versprechen, falsch lesen’, mhd. verlesen ‘öffentlich vorlesen’. belesen Part.adj. ‘durch vieles Lesen gut unterrichtet, gebildet’ (17. Jh.), zu belesen ‘durchlesen, gründlich lesen’ (17. Jh.); vgl. schon Wohlbelesenheit (16. Jh.). Lesebuch n. ‘Buch mit nach besonderen Gesichtspunkten zusammengestelltem Lesestoff, zumal für Schulkinder’ (18. Jh.). Leser m. ‘wer (Bücher) liest’, ahd. lesā̌ri ‘(Vor)leser eines Buches, Traubenleser’ (Hs. 12. Jh.), mhd. lesære ‘(Vor)leser, Weinleser’. leserlich Adj. ‘gut zu lesen, leicht zu entziffern’ (17. Jh.), älter leslich (Ende 15. Jh.), daneben lesenlich (15. Jh.). Lesung f. ‘das Lesen von Büchern, das laute Lesen von Texten, besonders im Gottesdienst’ (15. Jh.), ‘Beratung über Gesetzentwürfe, Haushaltsvorlagen, Verträge im Parlament, in der Volksvertretung’ (2. Hälfte 19. Jh.), nach engl. reading (of a bill), eigentlich ‘Vorlesen eines Gesetzentwurfs’.
3646 Zeichen · 120 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    verlësenstv., sw.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +3 Parallelbelege

    ver-lësen stv. verlesen, in Mh. 2,148 auch sw. gebraucht: aus dem verlesten process, die verleste appellation etc., nebe…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Verlêsen

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Verlêsen , verb. irreg. act. 1. Öffentlich herlesen, vorlesen, aus welchem Worte es verderbt zu seyn scheinet. Es ist in…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    verlesen

    Goethe-Wörterbuch

    verlesen [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. modern
    Dialekt
    verlësen

    Elsässisches Wb. · +2 Parallelbelege

    verlëse n 1. verkündigen: D e r Tëxt v. Dü. Z. D e r Weiw e l het hüte d Kontroll v. Obhergh. Di e Levite n v. Dollern .…

  5. Sprichwörter
    Verlesen

    Wander (Sprichwörter)

    Verlesen Der ist verlesen. Ohne Rettung verloren, dem ist nicht mehr zu helfen. Wol von dem Verlesen richterlicher Urthe…

  6. Spezial
    verlesen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +2 Parallelbelege

    ver|le|sen I vb.tr. 1 (vorlesen) lí dant dadalt 2 (etw. falsch lesen) lí damat, lí falé 3 (namentlich aufrufen) fá l’ape…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit verlesen

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Ableitung von verlesen

ver- + lesen

verlesen leitet sich vom Lemma lesen ab mit Präfix ver-.

Zerlegung von verlesen 2 Komponenten

ver+lesen

verlesen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

verlesen als Zweitglied (2 von 2)

handverlesen

RDWB1

hand·verlesen

handverlesen (kein Bezug zu "рука") лучший, отборный, избранный handverlesener Reis - отборный рис, очищенный рис die Studenten sind handver…

1ȫverlēsen

MNWB

oever·lesen

1 ȫverlēsen , ōver- (aver-) , stv. (3. Sg. Ind. Präs. -lēset -lēst, Imp. Sg. -lēs; 3. Sg. Ind. Prät. -las -lās (-laes); Part. Prät. -[ge]lēs…