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unflätig

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

unflätig adj. adv.

Bd. 24, Sp. 557
unflätig, adj. adv. , gegentheil und verstärkung von flätig. mhd. unvlætic; mnd. unvlêdich; unfladig Schiller-Lübben 5, 85b; mnl. onvladich, onvledich nur in wörterbüchern (s. auch onverlaaten nl. wb. 2113; nl. unverlâtsch Schambach 244b). verbreitung und bezeugung entsprechen im allgemeinen der von unflat. für die studentensprache Kluge 132a; studentensprache und -lied in Halle (1894) 111. unflätig (häufiger als unflät) Staub-Tobler 1, 1228; Fischer 2, 1544; Martin-Lienhart 1, 174a; Schmeller 1, 799; unflötig, unflätig österr. weist. 6, 422, 21. 424, 2; unfléite Tepler ma. (Nassl 11); onfleidech lux. 314b; unfliedig Hönig 185b; unflädeh Bauer-Collitz 108a; Bernd 330; Frischbier 2, 422; unflädsch Dähnert 506a; unfläötsch Danneil 231b; vereinzelt unfläthisch wunderhorn 1, 445. selten unumgelautet unflatig (unflatigem sack Luther 28, 195, 11 Weim.; ei du unflatiger 32, 5, 10 Weim.; nichts mer unflatigs B. von Chiemsee 570), wie flatig neben flätig. vgl. unflätiglich. von den synonymen dreckig, kothig, mistig, schmutzig, unsauber, wüst ist mistig überhaupt selten, wüst, wenn es unflätig II 1 entspricht, in der hauptsache mundartlich; dreckig und kothig werden nur ausnahmsweise übertragen verwendet; unsauber und schmutzig (Weigand 3, 664) erreichen heute, übertragen gebraucht (schmutzige, unsaubere gesinnung, verse u. dgl.), nur einigermaszen die stärke von unflätig, das auch im eigentlichen sinne alle genannten wörter hinter sich läszt. Stosch 2, 408. 4, 106; Teller 2, 50. 80. 297. im übrigen s. unflat. II. der grundvorstellung von unflat entsprechend, ungewaschen illotus Frisius 647b; Maaler 461a. heute nicht mehr empfunden: so komen sie hin zu zum heiligthum des herrn mit unfletigen henden Luther 23, 240, 17 Weim.; solten alle mütter ire unfletigen, schebigten, unreinen kinder verwerffen, wo meinestu das wir weren? 10, 3, 7, 17 Weim.; wo sich freilich der begriff schon merklich erweitert; bald veraltet und nur noch verblaszt erkennbar: solche musz man ... nie mit groben und unflätigen händen berühren Zimmermann einsamkeit 4, 104; im bilde: darumb heb an, wasch unser unfletiges rein, begeus unser dürres, heil wo wir wund sein Bäumker kath. kirchenl. 1, 653. vgl. II 3 e. IIII. nach unflat II B ungeputzt, unschön; und zwar II@11) vorwiegend auf den gesichtssinn bezogen; gegentheil des mhd. vlætec, mnd. vlêdich, mnl. vladich, vledich. nd. einfaches fliedig (Schmeller 1, 788), garstig, häsz lich; unflät garstig Staub-Tobler 1, 1227; ungestalt und häszlich, unflätig Frisius 995a. 1339a; gesindelehe unflêtic und unwêhe (nach unansehnlich hinüberspielend) Herbort v. Fritzlar 1577; gên des clâren schein die engel unflêtig sein mönch von Heilsbronn sieben grade 1594; van den voten wente in de schetelen was nicht unvledighes in em von Absalom quelle bei Schiller-Lübben 5, 85b; der baum, da gottes wort nicht dran war, der unfletigst war, der war der schonste Luther 34, 1, 82 Weim.; vil schöner, auch unfletiger kinder nachtbüchlein 199 Bolte; die jungen gänse sind noch voller stoppeln und unfletigen jungen federn, die noch in der haut stecken Colerus öcon. 67; der pfaw, wan er seine unflätige füsz anschawet, läszt alsbald seine federn sincken Albertin hirnschleiffer 240 (also in ganz anderem sinne als unten 2 d δ); wie unflätig wir auch auszsehen, so deucht sie doch ... als ob wir adonides wären Moscherosch 24; wenn das gold nit durch das feur gereiniget und verkläret wird, so wird es unfletig und verleuret seinen glantz Lehman floril. 3, 330. dann veraltet; wenn Voss antisymb. 1, 296 in unflätiger harpyengestalt sagt, bezieht sich das adj. eigentlich auf die harpyen. s. bed. 2 d γ. ursprünglich scheint unflätig, vom wetter gebraucht, ebenfalls auf den gesichtssinn bezogen zu sein. vgl. schön th. 9, 1465; aber auch kothig (th. 5, 1893); es kreuzen bedeutung 2 d δ und 2 a: das wetter war gantz onfletig Hedio Comines 54; Maaler 461a; dieweil es aber ein sehr unfletige und kalte nacht gewest Spangenberg Mansfelder chron. 452b; heut ziehen sie im ... unflätigem wetter Kirchhof militaris disc. 116; ein unflätiger nasser tag Opitz Arg. 1, 350; unflätiges wetter noch Ettner unwürdiger doctor (1697) 431. auch das auge beleidigend, ungeordnet, ungepflegt, wüst schlieszt hier an: alle die äste solt auch abhauen, welche ... unflätig graglen, dann solche hindern das wachssen der bäume Sebiz 371; unflätigen (wüsten) äckern th. 2, 1408 u. driesch. gegensatz ein fläter, flätiger acker, ein flätes landgut Staub-Tobler 1, 1227; unflätig unordentlich 1, 1228. zu 2 leiten ausdrücke über wie mit unfletigem part städtechron. 3, 197; zeitungslust (1697) 4. II@22) wie das euphemistische unflat II B 2. II@2@aa) von gegenständen der abneigung, eines natürlichen widerwillens (nicht des ekels, s. 2 d), von personen displicens, mucosus, ungeschickt. vgl. unflat II B 2 a. unflätig, abstoszend Staub-Tobler 1, 1228. dagegen flät, flätig geschickt, geeignet ebd. 1227: nos edimus krebs und äll, sind wol so unfletig als ratten, halbfisch, mherspinnen Luther 29, 419, 15 Weim.; die perlen ausz den unflätigen austern herfür suchen Butschky Pathmos 28; in eine so unflätige und langwirige dienstbarkeit (der ehe) Sandrub kurzweil 12 neudr.; und musz nun .. in so unflätiger arbeit (erdarbeiten zur befestigung der stadt) meine zeit zubringen Olearius rosenthal 38a. von personen und thieren. vgl. unflätig mucosus Reyher thes. O ra. unflätig, ungeschickt Spanutius 316. dagegen flät, flätig brav, gewandt, rasch, hurtig Staub-Tobler 1. 1227: sie müssen uns christen für die aller thörichsten, unfletigsten leute halten, so unter der sonnen sind Luther 19, 608 Weim.; sagt myr, fraw Hulda (die kluge vernunft) ... wie seyt yhr denn hie so unflettig und setzt so viel wort hynzu 18, 183, 9 Weim.; der freie wille hat an seinem gewissen einen getreuen, an seinem leib aber einen unflätigen ungetreuen, verderblichen diener Harsdörffer gesprechsp. 2, 170; das nashorn ... nicht grausam, mehr dumm, hornstöszig, unflätig Lavater fragmente 2, 280. ebenso: vordrozzinheit ... machit eme ouch sinen mud unlustig und unfletig ritterspiegel 3254 Bartsch. wie unflat streit: die polnischen herren, so am unflätigsten waren (sich am ärgsten bei dem streite hervorthaten), kannten mich wohl Schweinichen 54. das einfache flätig kann laute, opipare (th. 8, 1728) bedeuten (Staub-Tobler 1, 1227), aber auch schwäbisch flatig mürrisch, übelgelaunt (Fischer 2, 1544). nicht mehr schriftsprachlich. II@2@bb) im sinne der krankheitsbezeichnung unflat II B 2 b: phlegmaticus, koderig, unflätig Golius onomasticon 104; th. 5, 1573; Höfler 151a; Keisersberg bei Frisch (1741) 2, 403c; das der mensch, wenn er messig gessen hatt, das yhm seyn mund, haubt und athem reyner und geschickter ist, denn wenn er gantz nüchtern ist, so er vom schlaff beschwert und unflettig ist Luther 8, 509 Weim. gewebe und schleimhäute sind noch nicht durchgespült (s. II A), er ist verschleimt, koderig: kinder .. die nicht unflätig oder krätzig Sebiz 100; unvledighe dingk an deme magen quelle bei Schiller-Lübben 5, 85b; die melancholiker sehen ... schwarz und unfläthig aus Zimmermann einsamkeit 1, 359. wieder entspricht einfaches flätig: flatiges blut verderbtes, faules (nicht durchgespültes?) th. 3, 1728; Höfler a. a. o. ungewöhnlich. II@2@cc) von unheimlichen geschöpfen, s. unflat II B 2 c: diss ist ... die chymera, das monstrum oder unfletig thier, wölchem die syncretisanten ein schafkleid angezogen Nas eins u. hundert 1, 181a; sie wurden in die wüstenei getrieben, allwo sie von denen bösen geistern kleine wilde und unflätige leute gebohren Amaranthes frauenz.-lex. 51. vielleicht noch bei Voss: ein unflätiges paar kreischender raubvögel mit frauengesicht habe durch liebreizenden gesang den Odysseus angelockt antisymb. 2, 341. doch s. d. II@2@dd) ekel erregend. s. unflat II B 2 d. allgemein: was wider die guten sitten streitet, hat in ansehung unsers verstandes eben die wirkung, die das unfläthige in ansehung unserer sinnen hat J. E. Schlegel ästhet. schr. 202, 12 neudr. insbesondere wie unflat (s. d.): II@2@d@aα) cloaca ... dadurch das unfletig wasser ausz der stat fleust Alberus A A ij a; th. 7, 1204; ein wasser kotig und unfletig Sachs 17, 378, 26 Götze; das Oel, so da trb, wst und unflAetig, widerumb durchsichtig machen Herr feldbau 117b. vgl. I. II@2@d@bβ) non invenies corpus, quod non rotzig und unfletig sei Luther 15, 609, 23 Weim.; den onfletigen uberlauffenden eiter Hedio Tertullian v. d. geduld (1546) e iiib; so ist denn sein (des habichts) gewäl schleimig und unflätig Gessner (1557) 133b; die schaden, nachdem und sie unflätig seind, sollen rein gehalten werden Paracelsus (1590) 7, 78; das secret aus dem tintenbeutel des nautilos heiszt das u. wasser Eppendorff Plin. 9, 117. übertragen: die gärung in Europas innern, die ihren unflätigen schaum gern an jene entfernte küste (Palästinas) spritzte, hatte sich grösztenteils nach absonderung des unrats gelegt Grillparzer 14, 76. II@2@d@gγ) wolt ich liber die erden unfletig machen, denn in sein stul hoffiren Luther 20, 475, 36 Weim.; der onfletig geruch Münster cosm. vii; die eule ist ein wüster, unflätiger vogel, welcher die ort, da er sich haltet, mit seinem koth beschmeisset und beschmitzet Moscherosch 1, 254; der unflätigen guanos Bodmer Noah 43 (2, 163); hyänen 65 (2, 755); Schönaich neol. wb. 256, 2 f. Köster. II@2@d@dδ) wann kombst so unthetig, so kottig, bschissen und unfletig Sachs 7, 69, 27 Keller; die ... das blut Christi mit füszen treten, die seyn gleich ... den unfletigen schweinen, die sich nach der schwemme wieder in den koth wälzen Reinicke Fuchs 1650, 134; die unflätigen sündenschuhe auszziehen Dannhawer catechismusmilch 1, 48; u. gassen Noel Chomel öcon.-physic. lex. 4, 1027; bis er (der mensch) zuletzt an den schuhsohlen seines uhrenkels unflätig (als unflat) anklebt Schiller 2, 441 (räuber 2, 2); aus dem zertretensten und unflätigsten schlamme hervorgegangen H. v. Kleist 3, 275. sagt man heute schon nicht mehr unflätige füsze, schuhe (Kramer 1700, 1, 385c), gassen u. dgl., so noch weniger unflätig sein sordere teutsch.-lat. wblein. 170; dieweil die gassen nicht unflätig seind Dhuez vray guidon (1646) 194; werden Hulsius-Ravellus 374b; übertragen: alle gestlike dink wart unfledich labefactae sunt quelle bei Schiller-Lübben 5, 85b; vgl. ein dreckiges ende; machen Wiederhold 386a; Frisch (1730) 620; Adelung; weil es abends und morgens frieret, dagegen mittagszeit tawet, wirt das zeug ... gantz unflätig gemacht Aitinger (1681) 131; übertragen: macht ich mein erbe unfletig contaminavi, entweihte Luther 19, 418, 12 Weim.; es ist unfletig gehen Kramer 1700, 1, 385c; sich an etwas u. machen ebd.; sie haben übel gethan, dasz sie ihre virtuose füsze auf denen comödien-brettern unflätig gemacht haben sammlung v. schauspielen (1764) 5, 67. II@2@d@eε) vom brot: wan ez unvletic was ein teil väterbuch 4699 Reissenberger; alle unser gerechtigkeit ist wie ein unfletig kleid Jesaia 64, 6; flugschriften 3, 317 Clemen; Bahrdt gesch. s. lebens 1, 307; Stilling 3, 573; vulg. pannus menstruatae justitiae, sept. ὡς ῥάκος ἀποκαθημένης; sich nicht unfletig, sondern reinlich kleiden Barth weibersp. T vib; ein unfletig badt Fr. Wilhelm spr. reg. e e ij a. n. 213; unflätig berutzt Xylander Plut. 355b; ein solche wüste, unflätige, rostige rüstung buch d. liebe 17c; 14a; das unfletige land G. Rollenhagen ind. reis. 89; sie ist unflätig, sie hält das hausz und die gefäsz nicht rein Volckmar dialogi 234; reinlichkeit ... darff man bey den .. Russen, bey welchen es unflätig zugehet, nicht suchen Olearius verm. reisebeschr. 106; teller, better Hohberg 1, 51: überreste unfläthiger berührungen Forster 3, 49; auszer jenen schmutzigen buben und unfläthigen alten Bräker 1, 236; auch nach β, γ weist: dem unfläthigen schlupfwinkel eines wilden thieres Holtei erz. schr. 6, 112. übertragen wie sordidus: die kaufmanschaft ... für unflätig achten Alpin Vergil 93a; dasz sie den handel des bergwercks für ein schlecht, unachtbar ding, auch für ein unflätig werck halten Agricola-Bech bergw. buch 1, 20; Frisius 1226b. II@2@d@zζ) der, des korn unvletec was, vor der not vil baz genas väterbuch 21 307 Reissenberger; so manch unfletigs krut Murner mülle 29, 818; wenn man sibt mit der reiter thetig, so bleibet darinn das unfletig Sachs 19, 111, 10 Götze; mit viel saltz und etwas unfletigen schwefels vermischet Thurneysser magna alchymia 134; die erden ist ... grob ... unflätig Paracelsus 2, 75 A. veraltet. II@2@d@hη) wie unflat θ: unsern unflätigen und stinckenden leib Lindenborn Diogenes 1, 226; ein almanach ist der unflätige kanal, der die indigestionen der musen durch die nasen des publikums flösset Schiller 2, 376. II@2@d@thθ) wie unflat ι: sollen derohalben die mözger ... alles unflötige fleisch, wie der gebrauch, sauber weck schneiden (vgl.η) artikel des marktes Hermagor 1562 österr. weist. 6, 422, 21. wohl als nicht gebrauchsfertig verstanden. ungewöhnlich. II@2@d@iι) wie unflat κ: muszten sie im sitzen fein fleiszig bedecken ihre bein, das nichts unfläthigs gsehen werd griech. dramen 2, 212 Dähnhardt. II@2@d@kκ) wie unflat μ: (von Magdeburg) jetzt liegstu da gestrecket als ein ermordte braut ... geschwollen, stinckicht, schwarz, unflätig und zerschändt Opel-Cohn 221; unter einem unflätigen (geringen) mantel steckt oft herrliche weisheit verborgen Simpl. 2, 277, 15 Keller. veraltet. II@2@d@lλ) wie unflat ν: könde wir die fröude in himelrîch gewegen gein disem jâmertal, sô wêr der werlde wunne smal, valschaft, unflêtic unde blint Hugo von Trimberg renner 23005; wir sullent gedenken, wie unflêtic unser anegenge gewesen ist Alemannia 2, 210; ein armer sundiger, unfletiger und unreyner drecksack Luther 10, 2, 398, 21 Weim.; mancher, der einen gott gefangen zu haben glaubte, sah sich durch ein unflätiges tier genarrt Scherer kl. schr. 1, 522. II@33) ohne euphemismus aufs geistig-sittliche übertragen und zur bezeichnung persönlicher und sachlicher eigenschaften verwandt. s. unflat II B 3. beispiele, die der sinnlichen bed. 2 d noch näher stehen, sind oben schon berücksichtigt. II@3@aa) schmählich, schändlich, gemein; aber mit hinblick auf den sinnlichen untergrund (2 d) weit stärker als die genannten und andern ähnlichen wörter. vgl. dreckig, veraltetes nl. onverlaten snoed, zeer slecht, nl. wb. 10, 2113, nd. unverlâtsch böse, schlecht Schambach 244b: unflêtige wort, tât Lexer 2, 1976; mhd. wb. 3, 336a; mit harter und unfladiger erforderunge quelle bei Schiller-Lübben 5, 85b; dewile averst de hoop ... sick so unfledich anstelleden ebd.; was ist verachtlichers, was unflatigers, was schantlichers, dan eim in sein angesicht zu spüwen Keisersberg passion (1514) 50a; yhrer unfletigen gifftigen bücher Luther 15, 51, 6 Weim.; ein unfletigen bossen Boltz Terenz 25a; sitten Scheit Grobianus 6 neudr.; unflätig gält obscoena pecunia Frisius 964a. vgl. oben 2 d ε; sprachet von ewer sünd und schand garstig, unfletig, unverschampt Rollenhagen froschmeuseler F Va; die ehe wäre ein unreines und unflätiges ding (vgl.u. unkeusch) Widmann Fausts leben 393 Keller; das angesicht .. mit schmincke anstreichen, ist unflätig und huhrisch Comenius janua 174; ich habe einen überaus schändlichen und unflätigen namen Prätorius katzenveit F 5 R; sprache Schottel 146; unflätige und schändliche örter Olearius pers. rosenthal 25a; alle pöbelhafte, unfläthige und unziemliche ausdrücke Gottsched das neueste 9, 691; der ungezogene witz derer, welche nicht satyrisch seyn können, ohne unflätig zu seyn Rabener 1, 98; in einer unfläthigen fresserei Forster 5, 178; mit den unfläthigsten schimpfworten Bräker 1, 57; da sagt mein gemahl, das buch wäre, mit permission zu reden, unflätig Beck kamäleon 78; H. war unfläthig genug, ihm .. die zunge nachzustrecken Gutzkow ritter 8, 29; im königsschlosse der Hohenzollern schrieb er neue unfläthige schmähungen gegen die königin Luise Treitschke d. gesch. 1, 250. ein unflätiger kerl; s. unten f. c. II@3@bb) insbesondere unkeusch, obscoenus Frisius 145a. unflêtic, unkiusche stellt Hugo v. Trimberg im renner 9218 zusammen; das er unflätige unkeuschheit getriben Muglein Valer. Maximus 78b; hilff uns von der unfletigen lust der unkeuschheyt Luther 6, 13, 28 Weim. u. ö.; unfletige secke huren 34, 1, 66, 27 Weim.; unflätige träume Prätorius anthropodemus pluton. 1, 37; etliche, die sich mit jren ... erbaren männern nicht wol betragen, aber mit unflätigen, gailen und unzüchtigen kunden .. vil liber zuhalten Fischart ehzuchtb. 13, 19 neudr.; ich habe mehr als hundert mannspersonen bedienet, da eine frau nur einem einzigen manne aufwarten kan. — du unflätige! vern. tadlerinnen 1, 208; er verwandelte sich bald in ... den Cupido, bald einen unflätigen satyr Wieland I 2, 492; den unflätigen umgang mit frauenzimmern Laukhard leben 2, 179. so auch die unfletigen böck Herman sonntagsevang. 107 neudr. II@3@cc) ekelhaft (vgl. 2 d), auf urtheil und sittliches gefühl bezogen: der was ein unflettiger taufter jud fastnachtspiele 350, 12 Keller; die was dienen dem allerunflätigsten fryhart (lenoni impurissumo) Terenz (1499) 124a; dem sehr unflätigen frawenwürt Boltz 137a; weil jr nu selbs bekennen müsset, welche ein unfletige kirche jr habt Luther H. Worst 42; einen unlüstigen, unfletigen menschen heiszen wir ein saw Agricola sprichw. 621; ein unfletiger und unreiner, geschwollener mensch sieben weisen meister (1565) 91a; die unflätigen Hottentotten Scheibe crit. musicus 52; mönche Bettine Günderode 2, 46; gesindel Holtei erz. schr. 13, 215. II@3@dd) wie unflat B 3 b β unhöflich, unmanierlich, derb, grob, säuisch, viehisch; unflätiger mensch Cyprius bos, Patroclo sordidior Dentzler 324a, wild Staub-Tobler 1, 1228: den unflätigen, groben und unhöflichen, seinen lieben schulern und angenommenen kinden wünschet m. Grobian von Lourdemont vil unförmlicher sitten Scheit Grob. 8 neudr.; knöllisch, unflätig sein ebd. 2; sich .. unflätig bey jederman zu halten ebd. 9; so viel aber jhr essen und trincken anbelangt, ist zuo mercken, dasz sie gantz unfletig darmit sein Höniger hofhaltung des türk. keisers 28; Corvini fons 105; das er ... ein in sitten unfletiger man war Forberger Guicciardini 283a; der wüste, unflätige Thersites Moscherosch gesichte 148; manieren, maul Kramer (1700) 1, 385c; Faber 575a; infame os Frisius 689b; wenn manche unflätige säue die läuse und flöh auff dem tische schlachten Schmidt rockenphilosophie 1, 74; der unflätige Eulenspiegel Scherer lit. gesch. 244. II@3@ee) eine auf die eigenschaft der sündhaftigkeit eingeschränkte bedeutung ist veraltet: dasz er also bleib in dem unflat seiner sünden und noch unfletiger werd Keisersberg hellisch lew b IIa; wenn ich noch zehen mal so unfletig were, habe ich dennoch das blut, das mich reyne und heilig machet Luther 24, 485, 17 Weim.; solche unfletige heiligen (ironisch) 32, 383, 14 Weim.; ich bin ein unfletige sel, er wil mich haben, so bekumpt er mich 11, 196, 36 Weim.; gott strafft jne (den menschlichen geist) als ainn unflAetigen todlich hie mit ungnaden und dort mit ewigem tod B. v. Chiemsee 262; bis derselb geist ... nichts mer unflatigs an jm hab 570. schon nicht mehr bei Abraham a St. Clara: gott kann ... einen unflätigen (groben) sünder in einen gerechten ... verkehren etwas für alle 1, 200. II@3@ff) allgemein in derber, gemeiner schelte (vgl.unflat II B 3 b): tu bist ein unfletige sau, immiscens dei et hominum ordinationem Luther 27, 58, 2 Weim.; du garstige, unflätige sau Grimmelshausen 4, 561, 26 Keller; unangesehen der neidischen und unflätigen säurüssel Neumark fortgepfl. lustw. zuschrift 15; schweig, unflätiger schelm engl. comöd. 96, 35 Creizenach; o du Cyklopen art! unflätige gesellen! Rachel 91 neudr.; wer sich nicht in diese ordnung (der kirche) fügt, wird vom hn. pastor für einen ... unflätigen kerl erklärt Laukhard leben 5, 194. so auch einfaches flätig: du flätiger bengel, kerl, flätangel in nordd. volkssprache. IIIIII. das adj. und besonders das adv. unflätig als ausdruck der steigerung ist aus mundart, standes- und volkssprache langsam und sparsam in die schriftsprache eingedrungen. älteren beispielen eignet regelmäszig eine specifische, nicht die allgemein steigernde bedeutung; z. b. gleich wie der rab, der mammaluk, der so unfletig tob und schrey Fischart nachtrab. 954 s. oben II 3 d. bei der erklärung dieses gebrauches sind nicht nur die ähnlich steigernd verwandten negativen begriffe wie schrecklich, unheimlich, schauderhaft u. s. w. heranzuziehen, sondern auch einfaches flätig, flät, flätsch, die ebenfalls schon eine formal-steigernde bedeutung herausgebildet haben. z. b. flätig nuod gar nichts; flät nid ganz und gar nichts Staub-Tobler 1, 1227; flätig reich, dick, ein flätiger regen u. s. w. volkssprache; vlætsch grât auszerordentlich grosz; vlætsch vêle sehr viele Schambach 271b. auch das subst. unflat (s. d. II B 3 b β) gelangt zu einer art steigernder bedeutung. von mundartenwörterbüchern bezeugen vornehmlich mittel- und niederdeutsche diesen gebrauch. unfleidich adj. ungeheuer, grosz lux. 314b. 'unfläötsch, unflätig ... als bezeichnung des superlativs im gebrauch' Danneil 231b. 'unflätig als ausdruck eines hohen grades und ein übermasz zu bezeichnen; auch schles. unflätig grosz. ein unflätiger kopf, ein groszer, dicker' Bernd Posen (1820) 330. 'unflätig, onflätig von ungewöhnlicher länge, grösze, stärke' Frischbier 2, 422. Adelung schreibt unflätig als ausdruck der intension (unfläthig viel, grosz, sehr) den niedrigsten sprecharten zu; Campe (unfläthiges glück haben) brandmarkt es als verwerflich, für die büchersprache untauglich, landschaftlich. die studentensprache kennt den kraftausdruck am ausgang des 18. jhs. unflätig durstig 1795. Kluge 132a. für die schriftsprache: herr je, so einer geht nicht mit dem tode ab, wenn er nicht durchaus musz. der ist unfläthig reich Holtei erz. schr. 24, 66; da schimpften die beiden unfläthig Scheffel gaudeamus 50; diese (strümpfe) sind nämlich in vielen ringeln übereinandergelegt, geben den waden einen unflätig dicken, tonnenförmigen anschein Steub drei sommer in Tirol 1, 105. —
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Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    unflätigadj. adv.

    Grimm (DWB, 1854–1961) · +1 Parallelbeleg

    unflätig , adj. adv. , gegentheil und verstärkung von flätig. mhd. unvlætic; mnd. unvlêdich; unfladig Schiller-Lübben 5,…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    unflätig

    Goethe-Wörterbuch

    unflätig [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    unflätig

    Elsässisches Wb.

    unflätig Adj. unreinlich Bebelnh. ; ungeschickt, grob Steinb. s. auch Flädi. ‘unflätig sordidus’ Dasyp. — Schweiz. 1, 12…

  4. Spezial
    unflätig

    Russ.-Dt. Übers. (de-ru)

    unflätig непристойный, грубый, непечатный (о лексике), нецензурный (о лексике) ~ste Schimpfwörter - грязные ругательства…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit unflaetig

4 Bildungen · 3 Erstglied · 0 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von unflaetig 3 Analysen

un- + flaetig

unflaetig leitet sich vom Lemma flaetig ab mit Präfix un-.

Alternativen: un-+flat+-ig unflat+-ig

unflaetig‑ als Erstglied (3 von 3)

unflätigen

DWB

unflat·igen

unflätigen , verb. , mhd. unvlætigen, mnd. unvlêdigen, unflätig machen. unflätigen sive verunflätigen Stieler ( s. d. ). flätigen sauber mac…

unflätigkeit

DWB

unflaetig·keit

unflätigkeit , f. , gegentheil des selteneren flätigkeit. mhd. unvlætecheit. mnd. unvlêdicheit. seiner bildung gemäsz bezeichnet unflätigkei…

unflätiglich

DWB

unflat·iglich

unflätiglich , adv. , gegentheil von flätiglich, mhd. unvlæteclîche, wird noch oft im 16. u. 17. jh. in wbb. verzeichnet; zuletzt bei Frisch…

Ableitungen von unflaetig (1 von 1)

verunflätigen

DWB

verunflätigen , v.; spätmhd. Lexer , Jelinek, inquinare, sordidum reddere Stieler 495 : seyn ( des teufels ) angesichte was furig und also g…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „unflaetig". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 14. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/unflaetig/dwb
MLA
Cotta, Marcel. „unflaetig". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/unflaetig/dwb. Abgerufen 14. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „unflaetig". lautwandel.de. Zugegriffen 14. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/unflaetig/dwb.
BibTeX
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  urldate      = {2026-05-14},
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