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unbedacht

mnd. bis spez. · 13 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

unbedacht adj. adv.

Bd. 24, Sp. 252
unbedacht, adj. adv. , im allgemeinen gegentheil des part.-adj. bedacht, wohlbedacht. mhd. unbedâht mhd. wb. 1, 346a; Lexer 2, 1752; mnd. unbedacht Schiller-Lübben 5, 16a; Lübben-Walther 427b; mnl. onbedacht mnl. wb. 5, 208; nl. wb. 10, 925; n. ubetænkt ordb. 7, 338a; schwed. obetänkt. in den heutigen mundarten wenig bezeugt, z. b. onbeduecht Luxemb. 313b. umbedacht Hutten; mit onbedachtem sinn Knebel chr. v. Kaisheim 348; unbedohte rede städtechron. 8, 87, 13; Keisersberg post. 4, 27a u. o. mit wahrung der alten länge unbedǎcht Stainhöwel de cl. mul. 266. die heutige hauptbedeutung 'ohne gehörige aufmerksamkeit auf seine handlungen und deren folgen, und darin gegründet, wofür doch unbedachtsam und unbedächtig üblicher sind' (Adelung 4, 831), gelangt erst etwa vom 17. jh. ab zur herrschaft; gebrauch und bedeutung der älteren zeit sind bedeutend mannigfaltiger. unter den synonymen steht ihm heute unbesonnen am nächsten, ferner schon unüberlegt, übereilt, voreilig, unabsichtlich, unbeabsichtigt, unversehens u. a.; alle diese übertrifft unbedacht, wie denken und bedenken die vorstellungen des besinnens, überlegens, übereilens, beabsichtigens, versehens u. s. w., durch umfang und allgemeinheit des begriffs Eberhard-Lyon nr. 55. 233; Sanders (1894) 2, 293. bei der bedeutungsentwicklung ist sowohl von bedenken als von sich bedenken ausgegangen. AA. adj. A@II. der ältere gebrauch. A@I@11) erst allmählich löst sich unbedacht, obwohl die grundsätzliche trennung im mhd. schon vollzogen ist, aus den verbalen verbindungen; verbale und nominale auffassung verflieszen in einander: ein unbedachtes uobel (malum inopinatum), wenn das kumpt, ist dester schwerer Albr. v. Eyb d. schr. 1, 84, 4; der jüngst tag würt kummen unbedocht Keisersberg post. 4, 26b; das unbedacht (ohne gute, verdienstliche meinung, gedankenlos gegebene) almosen Berth. v. Chiemsee 552; die unbedachten (zufälligen, unbeabsichtigten) anblicke Ambach vom zusauffen d iib. verbal: der usz gantzer tieffe seines hertzen ... die passion durchsuocht, so werden im vil unbedachte (neue, die früher nicht zum bewusztsein gekommen) stück zuofallen Keisersberg pass. 15c; vgl. wer will die lebensläng und unbedachte zeiten Messiä mit gepräng des danckens ganz ausbreiten! Treuer d. 1, 329. von bedenken prospicere (th. 1, 1223, 2; Vondel nl. wb. 10, 928): welchen ein wyb nit bendig macht, der ist doch worlich unbedacht Schweiz. sp. 2, 279. 4210 Bächtold. verbale litotes: das babst und keyser ouch disz nit unbedocht haben Keisersberg 21 art. 7 Dacheux. A@I@22) sich bedenken mit genitiv (th. 1, 1223, 4) wirkt in der verbindung eines dinges unbedacht nach; die bedeutung ist: ich habe es mir noch nicht überlegt, nehme anstand, bedenken, bin nicht gewillt, es zu thun: ich bin der ding noch unbedacht H. Sachs 17, 71, 14 Keller-Götze u. ö.; ich bin sein noch gantz unbedacht Wickram 1, 299, 2; buch der liebe 249, 1; dessen bin ich noch unbedacht Frey 46, 26. auch immemor: solcher haylsamen leer unbedacht H. Sachs 22, 3, 19 Keller-Götze. ad rem non praeparatus: wie er ... der sachen unbedacht zugegen seie Fischart ehzuchtb. 292, 6. A@I@33) es folgt ein inf. oder ein abh. satz. non intentus: unbedacht kind zeperen Berth. v. Chiemsee 248. absolut: unbedacht, dasz ähnlich wie unangesehen, dasz quamvis: unangesehen und unbedacht, dasz sie selbs sagen Luther (1556) 6, 101b; unbedacht, das sölcher fal nächsts tags auch an jm ist Schwarzenberg Cic. 81v; er (Lavater) zerstört die zartesten seelenkräfte unbedacht, dasz dies eine art selbstmord des geistes ist Gervinus gesch. d. d. dicht. 5, 261. 470. A@I@44) unverdächtig Schiller-Lübben 5, 16a. A@I@55) wie im mnl. (wb. 5, 209, 2) die bedeutung bewusztlos, unbewuszt entwickelt ist, sagt Luther: ich byn itzt nicht truncken noch unbedacht, ich weis, was ich rede 26, 500 Weim. unbewuszt: dasz ich unbedacht meine pflicht erfüllt habe Keller 1, 346; vgl. mhd. wb. 1, 346a. die bedeutung inopinus, inopinatus (Niger Abbas 2607 f., 51) noch bei Opitz: unbedachte freude Arg. 1, 725; vgl. das adv. A@I@66) wortspielend: ach wie bist du doch so blind und im däncken unbedacht! P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 318. A@IIII. während früher unbedacht oft, ohne einen tadel auszusprechen, noch in blosz occasioneller bedeutung stand, hat der in der neueren sprache herrschende gebrauch (s. o. Adelung) den mangel an bedacht, nachdenken, überlegung als dauernde üble eigenschaft zur voraussetzung. demens unbesinnt, unbedacht Frisius 385a. A@II@11) von personen: jer narren unbedacht Brant 6, 51 Zarncke; wir hettent yetz, das gott erbarm, pfaffen, münch und ouch die nunnen als unbedacht und unbesunnen Murner narrenb. 45, 122 neudr.; unbedachte, unerfahrne bauwmeister Kirchhof mil. disc. 12; ihr unbedachtes volk, was wolt ihr viel verreisen Fleming 1, 126; ein unbedachter liebhaber Göthe 9, 133 Weim.; er ist zu rasch, zu unbedacht, zu plötzlich Shakespeare 1, 57 (Romeo u. Jul. 2, 2); er war immer jäh und unbedacht Freytag 8, 284. auch subst.: still doch, du unbedacht Fouqué bilders. 4, 172. A@II@22) von thieren: der unbedachte strausz pflegt in den sand zu nisten Opitz (1690) 3, 40. comparativ: kein thyer .. ist im schrecken unbedachter (als der mensch) H. v. Eppendorff Plin. 4. A@II@33) häufiger als von personen wird in der neueren sprache unbedacht von sachen und begriffen aller art gebraucht: got will nit lassen gälten solich thorlich unbedacht ... gelübden Eberlin von Günzburg 1, 31 neudr.; unbedachte trewme Petrus de Cresc. 63b; aus unbedachter hast Ringwald lauter warh. 224; ausz unbedachtem muth Paracelsus op. 1, 492 a; vgl. unverdacht; ein unbedachtes wort Gryphius trauersp. 31; mit unbedachten schritten Rachel 37 neudr.; weil ihr unbedachter fusz nie auf rechten weg will gehen narrenspiegel bei Zarncke narrensch. 2; die rasenden, mit ihrer unbedachten dienstfertigkeit Schiller 12, 304 (Wallensteins tod 3, 16); der rückschlusz ... würde ein sehr unbedachter sein Mommsen staatsr. 1, 417; in einem unbedachten augenblick Moltke 2, 221; nl. wb. 10, 927b; unbedachtes kritisieren Polenz Grabenhäger 1, 234; adverbial steigernd unbedacht freches wort Scherer lit.-gesch. 56. substantiviert: etwas unbedachts Amadis 1, 19; das unbedachte, was Luther je that Gervinus gesch. d. d. dicht. 3, 24. den steigerungsformen steht nichts im wege. s. 2. BB. adv. B@II. ähnlich wie beim adj. A I in mannigfaltiger bedeutung, wobei immer noch von einem tadel abgesehen wird, den der neuere gebrauch mehr oder weniger voraussetzt. B@I@11) ohne überlegung, überlegtes handeln, ohne vorsatz, verdienst, ohne zuthun: wurt ainer solchen frowen umb ir schlechtes bitten zuogesagt so ringfertiglich unbedǎcht, als ob es ain hirtenküslin were Stainhöwel de clar. mul. 266; unbedacht und unangeschlagen tugenden wirken Keisersberg bilg. 99; vgl. o. sp. 142; wie unbedacht yhr tale benefitium acciderit Luther 27, 354, 11 Weim.; ausz lautter gnaden unbedacht und unnvorsehens 10, 1, 348 Weim.; (gott) schickt dem volck helf durch sein macht durch weg vor hin gar unbedacht H. Sachs 2, 143, 5 Keller; das jm (dem pfaffen) zuohanden kompt unbedacht ein person, welche solicher ee fro ist als der pfaff selbs Eberlin v. Günzburg 2, 82 neudr.; also dasz dem menschen ohngefehrd und unbedacht in sein gemüth falt, was er thun soll Paracelsus op. 2, 509. B@I@22) bewusztlos, unbewuszt, sorglos: wer aber unbedacht stirbt, dem ist schwAer der todt Albr. v. Eyb spiegel k vib (oder hier unvorhergesehen? s. 3); unwettende offt thom minnesten unbedacht Rotmann rest. 80 neudr.; als ich an eyner sambstag-nacht gieng durch den waldt gar unbedacht H. Sachs 3, 586, 3 Keller; diesem folgten andere lieder .., gefühlvoll und originell .. oder unbedacht nachahmerisch Keller 6, 69. B@I@33) inopinanter, extemplo, extempore: so die feint unbedacht kumen Albr. v. Eyb eheb. (1472) 44a; umbedacht, wie dirs nur eyngefallen, davon geredt Hutten 2, 182, 25; und sagt mir alsdann herwider, wie jhrs befunden unbedacht, wie hoch man jetzt die artes acht Gilhusius gramm. 18; ein blitz, der schnell und unbedacht herab schlägt Opitz op. 2, 268. B@IIII. in dem heute gewöhnlichen tadelnden sinne: aber uns beschicht recht, so wir unbedacht unsern groszen fynd haben ze schirmen genomen wider den klainern Stainhöwel Äsop 112; der do unbedacht hinein plumpt wie ein blind pferd Luther 18, 612 Weim.; vgl. plumpsweise oder unbedacht Hohberg georg. 1, 13; er alweg unbedacht gehandlet hat Hedio chron. 184a; dasz in ihren handlungen sie nicht unbedacht noch hitzig durchgehen Moscherosch insomnis cura 34 neudr.; nur nicht so rasch und unbedacht gethan Göthe 4, 286 Weim.; obgleich man diese bezeichnung (seekönige) .. viel zu unbedacht hinnimmt Dahlmann gesch. v. Dänemark 1, 65. 12; als es kam an's ausbezahlen, masz der büttel unbedacht ... ihm der prügel vier statt acht Rückert 1, 89. unbedachter weise, sache: in einer schlehten unbedahten wise Suso 300, 8 Bihlmeyer; unbedachter weisz fast rühmet Kirchhof wendunm. 2, 19; auf unbedachte weise Harsdörffer secret. 1, f f viib; die unbedachterweise in eine falle gerathen waren J. Grimm kl. schr. 1, 49. er wolte ... nichts ... schnell oder unbedachter sach glauben Xylander Pol. 256. sprichwörtlich: reden unbedacht hat bald schaden bracht Franck sprichw. 2, 68a; viel waschen unbedacht hat offt dem menschen schaden bracht Eyering 2, 351; wan in ain ding eiln unbedacht hat manchen in grosz schaden bracht 2, 313; Agyrtas grillenvertr. 269 u. o. anderes Wander 4, 1419. —
9578 Zeichen · 232 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    unbedachtAdj.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +2 Parallelbelege

    unbedacht , Adj. nhd. „unbedacht“, unverdächtig, unüberlegt Hw.: vgl. mhd. unbedāht (1) Q.: Birgitta 95 E.: s. un... (1)…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Unbedacht

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Der Unbedacht , plur. car. der Gegensatz von dem Hauptworte Bedacht, der Mangel der pflichtmäßigen Überlegung oder Aufme…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    unbedacht

    Goethe-Wörterbuch

    unbedacht [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. modern
    Dialekt
    unbedacht

    Bayerisches Wörterbuch · +2 Parallelbelege

    unbedacht Band 3, Spalte 3,1547

  5. Sprichwörter
    Unbedacht

    Wander (Sprichwörter)

    Unbedacht 1. Unbedacht hat manches schon ans Licht gebracht. – Eiselein, 423; Simrock, 10627. Lat. : Lingua lapsa verum …

  6. Spezial
    unbedacht

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    un|be|dacht adj. 1 (unüberlegt) nia ponsé, zënza ponsé 2 (voreilig) cun prescia. ▬ unbedacht e Handlung aziun fata zënza…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit unbedacht

7 Bildungen · 7 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von unbedacht

un- + bedacht

unbedacht leitet sich vom Lemma bedacht ab mit Präfix un-.

Zerlegung von unbedacht 2 Komponenten

unbe+dacht

unbedacht setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

unbedacht‑ als Erstglied (7 von 7)

unbedachtheit

DWB

unbedacht·heit

unbedachtheit , f. , nl. onbedachtheid nl. wb. 10, 928; seit Campe verzeichnet; gegentheil des ziemlich unüblichen bedachtheit; durch das vo…

unbedachtsam

DWB

unbedacht·sam

unbedachtsam , adj. adv. , gegentheil des frühnhd. bedachtsam: inconsideratus unbedachtsam, unbedacht Frischlin nomencl. (1591) 172 ; mnl. o…

Unbedachtsamer

Wander

unbedacht·samer

Unbedachtsamer 1. Beim vnbedachtsamen muss ein handel durchgehen vnd solten alle Nonnen keine Kinder haben. – Lehmann, 807, 6. 2. Der Unbeda…

unbedachtsamhēt

KöblerMnd

unbedachtsamhēt , F. nhd. „Unbedachtsamkeit“, Unüberlegtheit Q.: Chyträus (1582) E.: s. un... (1), bedachtsamhēt W.: s. nhd. Unbedachtsamkei…

unbedachtsamkeit

DWB

unbedachtsam·keit

unbedachtsamkeit , f. , gegentheil von bedachtsamkeit Frischlin nomencl. 172 ; inconsideration, .. unbedachtsamkeit Kinderling 280 . vereinz…