übrig,
adj. u. adv. mhd. überec
mhd. wb. 3, 172
f. Diefenbach 567
a;
nov. gloss. 356
a.
die dreisilbige form in der älteren sprache und mundartlich, schriftsprachlich vereinzelt noch bis ins 18.
jahrh. II.
das adj. I@AA.
in überfluß vorhanden, übermäszig, reichlich. mhd. belege mhd. wb. a. a. o. I@A@11) überley, übrig,
superfluus Corvinus
fons lat. (1646) 348;
überflüssig, sehr grosz, soverchio, superfluo Kramer (1678) 1077
b. I@A@1@aa)
attributiv: 1½
m. deme zimmermanne ... vor oberige arbeit, als her das zimmer langer gehouwen hatte denne syn gedinge was
Marienburger treszlerbuch (1399—1409) 47, 12
Joachim; wa aber ... die schepffen desselben ... gerichts nit bey einander gesessen waren, also das uff ir zusammenpringen uberiger unkoste ... geen wurde
Carolina 73.
häufig mit dem nebensinn '
das rechte masz übersteigend, zu viel, schädlich': für faul fleisch, das in der nasen wächszt: bestreich solch uberig fleisch mit ... Gäbelkover
artzneybuch (1595) 1, 125; Calepinus
XI ling. (1598) 1110
a s. v. polypus; uberiger wein macht durst Seb. Franck
sprüchw. (1545) 1, 90
a; Muskatblüt 84, 71
Gr.; Hans Sachs 4, 243
K.; es wär eyn torheyt den träumen ze gelauben, dann der merteyl solcher von übriger oder zewenig empfangner speisz kämen Arigo
decam. 283
K.; den pomerantzenbäumen soll man die übrige blühe zeitlich abnehmen, sonst verliehren sie ihre kraft Hohberg
georg. cur. (1682) 1, 126; uberige kostigkheit der claidung
quelle [] (1524)
bei Diefenbach-Wülcker 882; Mathesius
leichenreden 78
bibl. d. dtsch. schr. a. Böhmen 4; were der flusz ... dazuomal von überigen regen grosz nit gewesen, es were nit einer ... darvon kommen S. Franck
chron. Germ. (1538) 122
b; überige libe betöret den menschen Joh. v. Neumarkt
Hieronymus 55; obrik bluth (
a. 1420),
s. Diefenbach
nov. gloss. 250
b s. v. menstrium; fieber von ubrigem plut
gloss. 537
a s. v. synocha; schlehenblütwasser ... ist gut für überig gebluot H. Brunschweig
rechte kunst zu distilieren (1500) 106
b; von übrigem geblüte zerplatzen Lohenstein
Armin. 1, 1127; vom übrigen flieszen der weiber Wirsung
artzneybuch (1568) 549
b; für den uberigen flusz der frawen Gäbelkover
artzneybuch (1595) 2, 13; Hohberg
georg. cur. aucta (1715) 3, 503
a; der aderläszer soll sich hyeten ... vor überigem schlafen Gersdorf
wundarzney (1517) XVI 2
b; ubrig hitz (
a. 1429)
bei Diefenbach
nov. gloss. 43
b s. v. aurigo; sowol übrige hitz als grosze keltin (
ist) ein ursach, das eins vor der zeit grauet Wirsung
a. a. o. 39; die augen Israhel waren derdunckelt vor ubrigem alter
gen. 48, 10
erste dtsche bibel. vgl. Münchener museum 3, 122; gleichwie ein fasz, darinnen ein most gieret, also scheumet ... Moses von ubriger freud und gedancken Luther 16, 203
W.; ausz übriger lust des fleyschs 2, 167
W.; ubrige vichische brunst Äg. Albertinus
Lucifers königr. 257
L.: von übrigem hunger (
niederstürzen) Steinhöwel
Äsop 220
Ö.; (
er) thut gar hart mit worten straffen das übrig faulentzen und schlaffen Hans Sachs 19, 249
K.-G.; du solt dich auch hyeten vor übrigem trincken
nützl. buch von ordnung d. gesuntheit (1474) 14
a; sich mit übrigem essen ... überfüllen Paracelsus
opera (1616) 2, 525
H.; Keisersberg
pred. 23
a; Luther 6, 17
W.; Haltaus 1828; Crecelius 2, 836; heubtwehe von übrigem essen und trincken B. Faber
thes. (1587) 212
a s. v. crapula; Hulsius (1618) 2, 182
b; lasse sölch ü. strenkheit underwegen H. Seuse
dtsche schr. 107
B.; ht dich vor uberiger weiszheyt Fischart
prakt. 16
neudr.; Ringwaldt
evang. A 6
b; (
es) kan ihme einer durch übrige eile ja so bald schaden, als durch übrigen verzug Butschky
Pathmos (1677) 344; aus übrigem vorwitz
Reinicke fuchs (1650) 45; aus übriger torheit Grimmelshausen
Simpl. 284
neudr.; wer auff übrig (=
übermäszigen) reichthum tracht, der ... Logau 1, 2, 45
Eitner s. 42.
in der neueren sprache ist der freie gebrauch in dieser bedeutung verloren gegangen, nur mehr redensartlich gebunden, z. b. übrige zeit haben,
reichlich, mehr als genug: Leibnitz
dtsche schr. 1, 230; Göthe IV 21, 261
W. I@A@1@bb)
substantiviert: das übrige,
der überflusz, überfülle: sie haben alle von irem übrigen eingelegt; diese aber hat von irem armut alles was sie hat ... eingelegt
Marc. 12, 44; der ... wende sein überigs zu erbawung des geistlichen tempel Mathesius
Sarepta (1571) 47
a; der pleonasmus, da etwas ubriges gesagt wird, verstellet auch die rede zueweilen nicht wenig Opitz
dtsche poeterei 30
neudr. c) übrig haben,
im überflusz haben: beide uberig haben und mangel leiden
Philipper 4, 12; sie haben übrig zu leben Stephanie
d. jüng.
s. lustsp. (1771) 29, 27; jetzt wolstu drumb berauben mich armen, der nicht vil ubrigs hab Hans Sachs 21, 88
K.-G. I@A@22)
in der sprache der theologen: opera supererogationis das ist ubrige werck und mehr denn das gesetz foddert J. Jonas
bei Luther 6, 411
b Jena; ubrige werck, die mehr als uber gottes gehorsam geleistet waren H. Roth
catechismi pred. (1573) 1, 8
a.
vgl. auch Ph. Heilbrunner
Augsp. confession (1598) 53.
daraus: ein übriges thun,
mehr thun als pflicht: faire plus qu'on n'est obligé Frisch
dict. (1719) 568; Hilpert
dtsch.-engl. wb. 650
c; Schmeller-Fr. 1, 20; Staub-Tobler 1, 60; aber ich wil ein übrigs thun Luther 20, 491
W.; Keisersberg
schiff d. penitentz 23
c;
grillenvertreiber (1605) 2, 193; ein jedweder ein ubriges zu thun sich verwegen musz
acta publica 1, 57
P.; M. Miller
Siegwart2 (1777) 684; ich habe leute gekannt, die, wenn sie sehr freudig waren, gegen einen armen
[] teufel ein übriges thaten Lessing 2, 152
M.; Göthe II 2, 296
W.; Hauff
w. (1890) 1, 24;
M. Meyr
erz. a. d. Ries (1868) 1, 28; G. Keller
ges. w. 2, 216.
scherzhaft im superl.: in der küche nun gar hatte Lotte ihr übrigstes gethan H. Seidel
Leberecht Hühnchen (1899) 252. I@A@33)
aus 1
entwickelt: überflüssig, unnöthig, zwecklos: supervacaneus Alberus (1540) 125
a;
inutilis Schönsleder (1632) H h 7
a; Dentzler
a. a. o. 295
b; also lehret auch Luther ... das ers für ein übrige mühe halte, die unterthonen zu visitieren Nas
das antipap. eins u. hundert (1567/69) 3, 126
a; vil ubriges geschwetz, und das nötigst ... ist uszgelassen Vogelsang-Cochläus
trag. Joh. Hussen (1538) 4
neudr.; unnütze und überige wort, also was du mügest aussprechen mit dreyen oder mit vier wortten, da mach nit zehen oder dreyszig ausz Keisersberg
granatapfel (1510) D 1
d; Luther 23, 246
W.; 18, 145; Zwingli
dtsche schr. 1, 141; Haltaus
a. a. o.; uobrige sorgen,
vane, inutili Kramer
dict. (1702) 2, 1175
c; Ziegler
asiat. Banise (1689) 21; wo der mensch on gnad gottes mocht recht tn, alszdenn hiet Cristus vbrigs geliten vnd vns sein gnad vergebens versprochen B. v. Chiemsee
tewtsche theologey 274; obschon ich der politischen entwickelung Mecklenburgs bisher viele theilnahme gewidmet hatte, so hielt ich doch jetzt eine weitere mitwirkung für übrig Hoffmann v. Fall.
m. leben 5, 41; ich weisz das nicht, und ist auch wohl übrig, jetzt zu fragen Storm
w. (1899) 3, 105.
landschaftlich für lästig, überdrusz erregend, s. Staub-Tobler
a. a. o.; Bettine
scherzt, mit bedeutung 5 (
s. u.)
und 3
spielend: Gering, der immer spricht 'wir übrigen gelehrten' und ganz wahr spricht, denn er ist übrig. lieber todt als übrig sein
br. 1, 143. kommst du nun? jetzt bist du übrig, lasz mich! Fouqué
held d. nordens (1810) 1, 46; O. Ludwig
ges. schr. 2, 353.
vgl. noch Bernd 326; Eckart
nd. sprichw. 533; Anton
oberlaus. wörter (1825—40) 5, 9. sich ü. mache,
sich grosz machen Staub-Tobler
a. a. o. I@A@44) übrig sein, werden eines dinges,
bzw. von etwas,
dessen enthoben, ledig sein. mhd. belege s. mhd. wb. a. a. o.; Haltaus
a. a. o.; Scherz
gloss. 1699; 1709; uberig sein,
onere aliquo levari Schöpper
syn. (1550) G 7
a; Wiederhold (1669) 352
b; 'überig,
enthoben, los und ledig von etwas' Rädlein (1711) 904
a; das was im gar leid, wann er wer der eren gern übrig gewesen
der heiligen leben in d. winterteil (1471) 141
b a; Steinhausen
privatbriefe 1, 32; der marter ubirg sin Diefenbach-Wülcker 882; solcher (
krankheit des trinkens) ... überig zu sein steet allein zu unserem willen Schwarzenberg
büchlein v. zutrinken 9
neudr.; sterbens übrig sein Opitz 3, 55. ü. werden,
liberari Scherz
gloss. 1710; Haltaus 1829; der marter übrig werden
summerteil d. heyl. leben (1472) 114
b b; auff das er des hörzugs überig ... wurd Schaidenreiszer
Odyssea (1537)
vorr. 2. ü. stehen,
überhoben sein: domit wir seiner mutwilligen handlungen hinfurder entladen und uberig steen mochten, haben wir ...
quelle (1518)
bei Diefenbach-Wülcker 882. I@A@55)
was überbleibt, restlich, besonders bei aufzählungen das noch nicht erwähnte, sonstige, andere. die heute herschende bedeutung von übrig,
aber schon mhd. belegt, s. mhd. wb. a. a. o.; von wbb. seit dem 15.
jahrh. theils allein, theils neben 1—4
regelmäszig gebucht: residuus, reliquus, s. Diefenbach
gloss. 494
b,
nov. gloss. 317
b; residuum, quodve ex re quaquam superest. das ubergelassen, uberentzig, uberig Calepinus
XI ling. (1598) 1245
b; Frisius
dict. 173
b s. v. caetera; Garthius (1679), 657
a;
il restante, il rimanente Hulsius (1618) 233
b; Ludwig
teutsch-engl. lex. (1716) 2077; Steinbach 2, 887.
zum theil mit bedeutung 1
verflieszend, z. b. und als sie nun verkaufft hetten, kauffte ihr yede, ... also das sie nit vil überigs gelts behielten Montanus 356
B.; samblet die übrigen procken fein, dasz nichts umbkomm vom gänselein W. Spangenberg
ausgew. dicht. (1887) 52. I@A@5@aa)
attributiv. I@A@5@a@aα) mich aber schickten
s. f. g. mit dem übrigen gesindlein nach dem Hainau zu Schweinichen
denkw. 166; ich und das übrige hauszgesind Grimmelshausen
Simpl. 15
neudr.; ihr wollet gescheider seyn als die übrige (andere) leut, ...
chi'l resto ... de gli huomini Kramer (1702) 2, 1175
c; sonntag ... denck ich
[] von hier wegzugehen. die übrige gesellschaft bleibt wohl noch Göthe IV 8, 9
W.; (du bist) kräftiger als alle übrige männer Tieck
schr. 4, 176; meine eltern und die übrigen gäste Storm
w. (1899) 1, 60;
β) die stube war durch einen ... gang von der übrigen wohnung getrennt Stifter
s. w. 5, 1, 108; er pflegt ... nur pressante sachen abzuthun und läszt die übrigen liegen Göthe IV 8, 14
W.; mit diesen wenigen worten erhalten sie meinen roman ... verzeihen sie mir mein übriges schweigen 21, 123
W.; eine glühende einbildungskraft ..., die ... alle seine übrigen fähigkeiten beherschte Klinger
w. 3, 4.
γ)
temporal: herr, ich gelobe dyr dissen ubrigen tag eynen freyen dinst Luther 10, 1, 1, 690
W.; freundschafft, ... die ... die übrige zeit unsers lebens ... bestehen soll
volksb. v. dr. Faust 4
Br.; (
sie) ritten die gantze uberige nacht
buch d. liebe (1587) 217
d; meine noch übrige lebenszeit Kramer
dict. (1702) 2, 1175
c; ich will meine übrigen tage als äbtissin ausleben Klinger
w. 3, 106; dann, dann wein ich um dich mein ganzes übriges leben Klopstock
oden 1, 58, 11
M.-P. δ)
verengt und prägnant: überlebend, superstes: noch vberig oder bey leben Calepinus
XI ling. (1598) 1424
a s. v. superstes; Arnolphus der einig überige sun und zweig Caroli Magni S. Franck
chron. Germ. (1538) 84
a; in wenig tagen lagen meine drey noch übrigen kinder ... an der nämlichen krankheit darnieder U. Bräcker
s. schr. (1789) 1, 202; Klopstock
Messias 11, 1292.
ε)
überbleibend: die obgenante ubrige sund nach der tauff (=
die nach der taufe im menschen überbleibende anlage zum bösen) Luther 7, 345
W.; sie ... erwehlte dieses einig ubrige mittel, um sich aus ihrer ... schande zu bringen A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 3, 663. I@A@5@bb)
substantiviert α)
bei aufzählungen: etlich sind dem papst, andere dem keyser, die ubrigen gewüssen fürsten underworffen Stumpf
Schweizerchron. (1606) 9
b; einer hatte einen ... stab, der andere einen flintenlauf, die übrigen hämmer und stöcke Göthe 43, 48
W. β) die übrigen,
die nachkommen: seine (
des gottlosen) übrigen werden im tode begraben werden (
vulg.: qui reliqui fuerint ex eo).
Hiob 27, 15.
γ) das übrige,
quod superest Maaler (1561) 444
a;
reliquum, residium Orsäus
nomenclator (1623) 20; Kinderling
reinigkeit (1795) 326.
sowohl concret als abgezogen. I@A@5@b@aaaa) 72
m. sal her uns bescheyden czu gebin uff Michaelis anno secundo ... unde das obirege dornoch alle Michaelis 3
m. handelsrechn. d. dtsch. ordens 231, 29
Sattler; wann man sie (
die waben) zu vil beschneidet, so werden die bynen unwillig, fressen das überig ausz und sterben dann hungers
M. Herr
feldbau (1551) 183
a; das übrig alles soll den chorherren gehören, namlich die underkilchen und Nüdorff Tschudi
chron. helvet. 1, 14; dann ... hat er sie so viel golds heiszen behalten, als viel sie ... ertragen möchtend und das überig von sich werffen Ph. Bech
Agricolas bergwerckb. 6; ich wähle mir etwas (
von den kupferstichen) aus und schicke das übrige ... zurück Göthe IV 35, 226
W.; sie (
die eichhörnchen) bissen die jungen triebe ab und verschleuderten das übrige H. v. Kahlenberg
Eva Sehring (1901) 37.
reliquiae: ir wesen wird verschwinden vnd ir ubriges das fewr verzeren
Hiob 22, 20. I@A@5@b@bbbb) das übrig, was noch weiters zu sagen, ... werdet ihr im folgenden bereitschlag des authors vernemmen Fischart
Garg. 14
neudr.; da sie das übrige der nacht mit threnen hinbrachte A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 2, 119; alles übrige der rolle behandelte sie (
Rachel) mit ... nachlässigkeit H. Laube
ges. schr. (1875—82) 1, 391. I@A@5@cc)
prädicativ in breiter verwendung. α) übrig behalten,
zurückbehalten, sich etwas erhalten, bewahren: er behielt 100 wagen (
von der beute) uberig (
vulg.: quas servavit sibi)
1 chron. 19, 4; also dasz der hertzog von seinem gantzen lande nicht mehr als sieben der geringsten ämbter übrig behalten v. Chemnitz
schwed. krieg 1 (1648) 6, 2; die einwohner trugen so reichlich bey, dasz sie kein geld übrig behielten Nicolai
Seb. Nothanker (1773) 1, 27; die perlenschnur ..., die Wilhelm von Marianens reliquien übrig behalten hatte Göthe 22, 34
W.; wer ... dieses erwäget, der wird wegen der güte gottes keinen scrupel übrig behalten Chr. Wolff
vernünft. ged. v. Gott (1720) 565; die provinzen ... behielten doch ... noch
[] einen rest der ehemaligen freiheiten übrig Dahlmann
franz. revolution (1845) 40. I@A@5@c@bβ) übrig bleiben,
überbleiben: restare Diefenbach
gl. 495
a;
rimanere, verbleiben Kramer (1678) 1078
a; I@A@5@c@b@aaaa) item 146
m. entpfangen von dem gelde, das oberig bleyb, das man us dem treszel nam
Marienb. treszlerbuch (1399—1409) 329; die würme fressen in (
d. leichnam) ..., das nichts mehr überig bleibet denn todtenbeine Luther 34, 2, 122
W.; es war zweifelhaft, ob ... auch nur ein pfennig übrig bleiben würde G. Keller
ges. w. 1, 30; wird dann hernach was übrig bleiben, dasselbig mag ich mir zuschreiben B. Krüger
spiel v. d. bäur. richtern 43; wer nicht kommt zur rechten zeit, musz essen, was übrig bleibt Schellhorn
sprichw. (1797) 80; die kalbsbratenreste samt einigen übrig gebliebenen kartoffeln Fontane I 6, 133. I@A@5@c@b@bbbb) von den scizzen der ersten ausgabe ist nur der nahme und einige liedchen übriggeblieben Göthe IV 8, 342
W.; diese stadt (
Aquileja) wurde so verheert, dasz kaum die spuren übrig blieben, wo sie gestanden hatte br. Grimm
dtsche sagen (1891) 2, 18; thränen sind alles, was uns armen übrig bleibt Klinger
neues theater (1790) 1, 20; wenn ... dir dann noch kraft im herzen übrig bleibt, so ...
w. (1809—15) 3, 140; rechnet man die folgerungen ab ..., so bleibt als reines resultat nur übrig, dasz ... J. G. Forster
s. schr. 4, 20; es bleibet ... blosz übrig zu bedenken, was ... vorkommen kan Chr. Wolff
gedancken v. d. m. thun u. l. (1720) 87; es blieb ... nur übrig, das feuer ... zusammen brennen zu lassen Stifter
s. w. 5, 1, 333; was bleibt uns demnach übrig, als ...
M. I. Schmidt
gesch. d. Dtschen (1778
ff.) 1, 171; Göthe IV 28, 18
W.; bey so bestellten sachen bleibet keine hoffnung übrig, dasz ... Chr. Wolff
vernünft. ged. v. gott (1720) 36; wird es möglich, ... ihnen ... nützlich zu werden, so bleibt mir fast kein wunsch übrig Göthe IV 8, 40
W.; doch sind die schwierigkeiten, die sich der erforschung ... entgegenstellen, so bedeutend, dasz ... das meiste hier noch zu tun übrigbleibt Luschin v. Ebengreuth
münzkunde 2; es bleibt nun aber immer noch die frage nach der möglichkeit des schönen übrig Solger
vorles. über ästhetik (1829) 76, 20; doch blieb mir immer so viel zeit übrig, meinen geist ... in die ... welt fliegen zu lassen U. Bräker
s. schr. (1789) 1, 167; nichts war übrig geblieben als ein stilles ... sehnen Novalis 4, 221
M.; das wenige verschwindet leicht dem blick, der vorwärts sieht, wie viel noch übrig bleibt Göthe 10, 8
W. (
Iphig. 144); es bleibt nichts übrig,
nihil reliquum est nomenclator lat. germ. (1634) 304; dasz den juden ... nichts anders übrig bliebe als der übertritt zum christentum Schleiermacher I 5, 8; Kästner
verm. schr. (1755) 1, 18; Jung-Stilling
w. 3, 13; Göthe IV 23, 88
W.; Laube
ges. schr. 2, 37; Bismarck
ged. u. erinn. 1, 62
volksausg.; S. Brunner
erzähl. u. schr. 1, 349; Holtei
erzähl. schr. 3, 143. I@A@5@c@b@cccc)
verengt u. prägnant für am leben bleiben: sum superstes, ich bleib übrig, leb E. Alberus
dict. genus (1540) 10
a; dasz also keiner vom geschlecht Heinrici mehr überig blieb Micrälius
altes Pommerland (1646) 2, 243; nur ein mägdlein ... bleibt übrig, welches ... den ältern solches erzehlte Nigrinus
von zäuberern etc. (1592) 24; wird einer ... durch die hand des todes dahingerissen, so kettet das die übrig bleibenden gefährten um desto fester aneinander Knigge
umgang mit menschen (1796) 2, 129. übrig geblieben,
überlebend: ich bin der einzige übrig gebliebene Gerstenberg
Ugolino 265
dtsche nat. lit.; E.
M. Arndt
w. 4, 84
R.-M. I@A@5@c@b@dddd)
landschaftlich auch für '
ledig, unverheirathet bleiben',
von mädchen gesagt: Lessing 1, 311
M.; übrig bleiben,
sitzen bleiben Albrecht
Leipz. ma. 226
b; Nestroy
ges. w. (1890
ff.) 2, 182. I@A@5@c@gγ) übrig haben,
besitzen, zur verfügung haben. aa) diese lümmels ... wollen von hunger reden und haben so viel übrig, um den fusel quartweise consumiren zu können Hauptmann
die weber (1892) 18; so ... weist du ..., dasz ich mittel übrig hab mich zu rächen Grimmelshausen 4, 769
K.; da ich kein exemplar mehr übrig habe Görres
ges. br. 3, 31; wir haben
[] keine älteren gedichte des fabelkreises übrig (=
sind uns nicht erhalten) Jac. Grimm
Reinhard fuchs cccxiii; Savigny
beruf unserer zeit (1814) 33; Ranke
s. w. 1, 10. I@A@5@c@g@bbbb) sie aber hätten noch hoffnung und kräffte übrig Lohenstein
Arminius 2, 281
b; nazionen ..., die noch eine saite von mittönender phantasie übrig haben Kretschmann
s. w. 1, 27; Hölderlin
ges. dicht. 2, 269
L.; da habe ich nicht viel ... hoffnung übrig, dasz ... Caroline 1, 4
W.; ich habe keine zeit übrig,
ik heb geen tyd Kramer
dtsch-holl. wb. (1787) 471
b; haben sie eine minute übrig, Lavagna? Schiller 3, 24; 14, 133
G. etwas für jem. übrig haben: ... ich kom in der gestalt bey dir ein spiesz zu holen gut ... hast etwas uberigs für mich, so bitt ich, wie ein bruder dich, du wöllest mir es theilen mit Spreng
Ilias (1610) 172
b.
dann redensartlich: jem. schätzen, ihm geneigt sein: dieselbe (
königin von Holland) hatte, so lange ich in Frankfurt war, viel für mich ü. Bismarck
ged. u. erinn. 2, 48. I@A@5@c@dδ) übrig sein I@A@5@c@d@aaaa)
als rest verbleiben: superesse Frisius
dict. (1556) 1273
a; Emmelius Nn 7
b; wann noch sint 5 iar ubrig des hungers (
vulg.: residui sunt)
gen. 45, 11
erste dtsche bibel; was aber ubrig ist (
an brot), das lasset bleiben (
vulg.: quidquid reliquum fuerit, reponite)
exod. 16, 23; (
der heuschreckenschwarm) sol frässen, was euch uberigs und erredt ist vor dem hagel (
vulg.: quod residuum fuerit grandini)
exod. 10, 5
Züricher bibel (1531); deine (
Gallinas) dreiszig jungen sollen gerächt werden und was noch von ihnen übrig ist, soll ... bestattet werden Brentano
ges. schr. 5, 63. I@A@5@c@d@bbbb)
überlebend, am leben sein: es warn ... dazumalen von Arnolpho noch zween brüeder ... übrig Brandis
gesch. d. landeshauptleute v. Tirol 11; ist noch ein mensch übrig, der meinen nahmen gedencken kan? Chr. Weise
d. grünenden jug. überfl. ged. 212
neudr.; Göthe 24, 279
W.; gefallen sind viele ... und viele noch übrig J. H. Vosz
Od. 70, 495
B.; die letzte bin ich übrig von dem blute des hohen königs Schiller 15, 1, 34 (
Phädra 2, 1). I@A@5@c@d@cccc)
vorhanden, erhalten sein: Calepinus
XI ling. (1598) 531
a; von dem privatleben der alten sind ... wenig spuren mehr übrig Göthe IV 8, 57
W.; Schubart
leben u. gesinn. 1, 29; beispiele trochäischer verse (
im galliamb. vers) sind nicht übrig J. H. Vosz
zeitmessung (1802) 216; I@A@5@c@d@dddd)
bei abstract. subject ganz allgemein: nur noch ein geringer zweifel ist ... übrig, ob ... Ramler
einl. in d. sch. wissensch. (1758) 2, 297; sie sahen, dasz kein mittel der rettung übrig war Bucholtz
Herkuliskus (1665) 407; du schlägst das mittel aus, das uns noch übrig ist? Göthe 9, 55
W. I@A@5@c@d@eeee)
lästig, widerwärtig sein: was andern übrig ... sein möchte, nimt er frölich an
Ruysbroeck 1, 23. I@A@5@c@eε) übrig lassen,
reliquum facere, s. Alberus (1540) 125
a. I@A@5@c@e@aaaa)
mit concret. obj.: und lieszen nichts uberigs von narung in Israel
richter 6, 4; die soldaten lassen wenig ü.,
non lasziano nulla di resto Kramer
dict. (1702) 2, 1175
c; mein kleiner vorrath ..., was mir die dieben ü. gelassen, war aufgezehrt U. Bräker
s. schr. (1789) 1, 197;
M. I. Schmidt
gesch. d. Dtschen (1778
ff.) 3, 194; bienchen bittet schön den mäher ..., dasz vom weiszklee er am rande ihr ein büschel übrig lasse Bücher
arbeit u. rhythmus 4 302. I@A@5@c@e@bbbb)
mit abstract. obj.: ihnen selbst (
war) kein hoffnung des heils dann allein des siegs ü. gelassen Xylander
Polybius (1574) 91; daher bleibt das bild (
Dominikins) ... einigermaszen problematisch und läszt bey allem genusz noch einen wunsch ü. Göthe IV 12, 18
W.; sollte ... diese rechtfertigung noch einige dunkelheit übrig lassen, so Dusch
verm. krit. u. satyr. schr. (1758) b 2
a; (es) lassen die berechnungen ... noch vieles zu wünschen ü. Ritter
erdkunde (1822) 1, ix; das wunderliche pygmäenvolk der menschen liesz ... manches zu wünschen ü. Raabe
hungerpastor (1864) 1, 109; Scheffel
ges. w. (1907) 1, 113; die bedienung liesz zu wünschen ü.
[] Polenz
Grabenhäger 1, 12; Joh. E. Schlegel 4, 194; um keinen zweifel ü. zu lassen, wickle man ... Göthe II 2, 33; Lichtenberg
br. 2, 373; Ranke
s. w. 30, 102. I@A@5@c@e@cccc)
anheimstellen, überlassen: wo ist die wissenschaft, wo ... nichts dem geschmacke, dem gefühle, dem genius ü. gelassen sey? Lavater
phys. fragm. (1775) 1, 55. I@A@5@dd)
adverbiell im übrigen,
sonst: del resto, nel rimanente, per altro Kramer
dict. (1678) 1078
a;
ceterum Kirsch (1723) 301
a; Steinbach 2, 888. der als Herrnhutter im rufe stand, im übrigen aber ein stilles ... leben führte Schubart
leben u. ges. 1, 52.
häufig in spitzenstellung, anknüpfend und zusammenfassend, synon. mit übrigens: im übrigen wird der groszgünstige leser mir nicht in ungutem vermercken v. Chemnitz
schwed. krieg (1648) 1,
vorr. 4; Moscherosch
ges. (1650) 37; Chr. Weise
die 3
ärgsten erznarren 5
neudr.; Prätorius
saturnalia (1663) 41; Göthe 10, 217
W.; Burdach
bei Scherer
kl. schr. 1, vii. IIII.
das adv.: übrig, überentzig,
sopra modo, oltre il dovere, eccessivamente Kramer
dict. (1702) 2, 1175
c. II@AA.
steigernd bei adj. u. adv., in der älteren sprache in breiter verwendung. synon.: sehr, übermäszig, allzu, z. b. vberig manbar Diefenbach
gloss. 566
c s. v. superadultus; vberig alt 168
c s. v. decrepitus; ir vorhoff ist fast überig köstlich Seb. Franck
weltb. 188
a; vil gebirgs und bühel nicht uberig hoch Stumpf
Schweizerchron. (1606) 684
a; welche (
alte stadt) ... mit nicht ü. breiten, doch gleichwol tieffen wassergräben von der neuen abgesondert war Valvasor
ehre d. herzogth. Crain (1689) 4, 2, 472; ihm wolte das volk nicht ü. wol Opitz
Argenis 2, 208; die überschieszende oder ü. grosze quint,
quinta abundans, weil sie ein semitonium minus mehr hat als die reine Walther
musical. lex. (1732) 509; das feur verzähre den, der übrig sicher ist Rompler 1.
geb. s. reimget. (1647) 15; die last von übrig guten tagen reist manchen starken Simson um Stoppe
Parnasz (1735) 56; er ist zum doktor übrig klug Wieland
d. verklagte Amor 1, 152
nat.-lit. 51, 128. übrig sehr,
gar sehr, allzu sehr: eine ... zeit, do sie ubrig sere betrubet war
d. buch geistl. gnaden (1503) 59
a; Gryphius
lustsp. 451
P.; schles. wirtschafftsbuch (1712) 159; ü. reich,
mehr als nötig: Stoppe
Parnasz (1735) 248; das leben ist ü. lang Chr. Weise
polit. redner (1677) 20; hier ist noch speisz ü. vollauf Dähnhardt
griech. dramen 1, 130; ü. genug, übrigs genug,
mehr als genug, s. Hulsius (1618) 2, 46
b; uberig genug sein,
exuberare Sachse
gloss. in Herrigs archiv 47, 447
a; ubrig genug thun,
cumulate satisfacere Schönsleder
prompt. (1647) x 3
b; ubrig gnug haben Kramer
dict. (1702) 2, 1176
a; andere pfaffen und mastbeuche, die nichts thun denn alle unglück anrichten, gibt man uberig genug Luther 24, 679
W.; seyn voriger text ubrig gnug tzwingt, das ... 10, 1, 1, 389
W.; wyr haben ubrig gnug than, wenn wyr ... 10, 2, 37
W.; sintemal sie aus ihren pfründen ü. gnug erheben, dessen sie ... bedörftig Grimmelshausen
vogelnest 2, 357
K.; überigs genueg,
satis superque Aventin 1, 446, 26
L.; Schupp
schr. (1663) 748.
bair.-österr. allgemein, s. Hügel
Wiener dial. 170
b; Stelzhammer
ausgew. dicht. (1884) 1, 29, 4
R.; Rosegger
schr. (1895
f.) II 1, 426. II@BB.
seltener bei verben: o wie reychlich und ubrig ist das evangelium gerochen Luther 10, 2, 136
W.; Dreyfelder
hist. d. hauses Est (1580) 122
a; weil der graf ... seinem feinde übrig gewachsen war, trennte er von seinem flügel ein gutes theil ab Lohenstein
Arminius 2, 1054
a; und so denn gott mein vater gut das gras so lustig zieret, welchs doch nit ubrig (=
sehr lange) tawern thut Ringwaldt
evang. C 6
a; die 12. gebür eines kriegsmans, das er sich nicht übrig (=
allzu prunkvoll) kleiden sol
d. lauter warheit 85 uberig trincken Diefenbach
gloss. 274
b s. v. heluere. in der neueren sprache auszer gebrauch.