trösten,
vb. ,
denominativum zu trost,
solari, consolari (
bzw. solare, consolare),
animare, sublevare, lenire, confirmare; in älteren sprachstufen (
ad-, co-)
hortari, instigare, confortare; promittere securitatem; refl. fidere, confidere, niti. vgl. auch getrösten teil 4, 1, 3
sp. 4556
ff. verbreitung und form. im nordischen und deutschen belegtes wort, dem im gotischen þrafstjan,
im Heliand und im angelsächsischen frôBrean, frouBrean
bzw. frôf(e)rian
entsprechen, deren etymologischer zusammenhang im hinblick auf þliuhan :fliohan
zwar möglich, aber nicht zu erweisen ist; vgl. Braune PBbeitr. 43, 386
f. anm. der ahd. Tatian stimmt mit fluobiren
auch hier zum nördlichen gebrauch. das Keronische glossar kennt beide formen: part. flouerendi
und trôsten (drôsten),
s. Gutmacher PBbeitr. 39, 232
f. das obd. trösten
ist wie das subst. rheinabwärts bis ins niederfränkische vorgedrungen, wo es in den Vergilglossen der Pariser hs. erscheint: (
lenire)
solando troistanne (
ahd. gloss. 2, 707, 21
St.-S.).
dazu kommt ein beleg in der Trierer glossensammlung: consolor troston (1.
sg.) (
ahd. gloss. 4, 199, 51;
vgl. auch 4, 196, 29),
und zweimal ist es in westniederdeutschen denkmälern überliefert, im altsächs. beichtspiegel (Wadstein 16, 27) sera endi unfraha ne trosta so ik scolda,
und in den sog. Essener glossen zu Gregors homilien (Wadstein 64, 13)
spem ... tribuit vuel (
d. i. wel) trostid.
die altostniederfränkischen psalmen haben zweimal (van Helten 68, 21
und 70, 21)
das compositum gitrosten.
vgl. zur wortgeographie Braune
PBbeitr. 42, 383
ff., Frings
Germ. Rom., bes. 16
ff. und oben sp. 901
f. altnord. treysta '
befestigen, sicher machen',
refl. '
vertrauen auf',
schwed. trösta,
dän. trøste,
deren neue bedeutung '
trösten'
aus dem deutschen übernommen ist; vgl. Falk-Torp 1295; Hellquist 1022.
altwestfries. trasta (
nur einmal überliefert, vgl. PBbeitr. 51, 90 [Holthausen]
u. 249 [Sievers];
bei Steller
steht eine falsche form);
altostfries. nicht belegt, doch vgl. trastelic van Helten
zur lexikol. d. altostfries. 336;
nordfries. traste Outzen 364, trãrste Jensen
Wiedingh. 638,
föhr. träst Schmidt-Petersen 138,
westfries. treaste, treastgje Dijkstra 3, 310;
mittelniederld. und holl. troesten
bzw. troosten.
das mittelenglische kennt neben trûsten (
so, mit länge, Stratmann)
vokalisch stark differierende formen: trêsten, trîsten
u. a., daneben bis ins frühneuengl. hinüber auch traist(en), trast
u. ä., deren bedeutung '
fest, stark machen, retten'
neue entlehnung aus dem nordischen wahrscheinlich macht; vgl. Murray 10, 1, 240
c.
neuengl. nur noch to trust '
vertrauen'.
die dialektischen unterschiede in der lautform sind nur gering, da das verb ebenso wie das subst. mehr der schriftsprache als den mundarten zugehört. im rheinischen begegnet die übliche bezeichnung der länge troisten,
schon in den ahd. glossen, s. o., dann z. b. (
Kölner)
städtechron. 12, 276,
ebenso im westfälischen, z. b. Veghe 32, 3
und 6.
weit verbreitet sind entrundete formen, im preuszischen, im mitteldeutschen und im alemannischen: tresten
z. b. S. Grunau
preusz. chron. 1, 524; treesten
und noch weiter verengt trist(e)n Müller-Fraureuth 1, 254;
auch scheinbar diphthongische schreibung trêisten (
Pegnitz, Nab bei Schmeller
maa. Bayerns 74, 353
und Nassl
Tepler ma. 11)
meinen dasselbe; tresta Bühler
Davos 4, 122.
rundung zeigt sich im rheinischen: trüste Hönig
Köln 183
a,
mit übergangsvokal trüeste Rovenhagen
Aachen 148,
und bei Damköhler
Nordharz 197 trūsten,
der aber für das subst. die schriftdeutsche form trost
hat. im bairischen begegnen diphthongierte formen treasten, Schöpf
Tirol 759;
im schwäb. vokalverbreiterung traisten
bei Fischer
schwäb. 2, 406. —
palatalisierung des s: treascht'n gott!
bei Schöpf
tirol. 759; tröšte Bacher
Lusern 408. —
media erscheint im anlaut auszer bei Otfried
und gelegentlich Notker (
z. b. 2, 281
Piper)
auch später hie und da: dresten
N. Heermann
Rosenberg. chron. 130
Klimesch, drosten (
vor 1468) Joh. Wolff
beichtbüchlein 13
Battenberg. bedeutung und gebrauch. an die grundbedeutung von trösten '
sicher machen, fest machen'
schlieszen sich einige anwendungen des wortes an, die dem neueren gebrauch fremd geworden sind; vgl. trost I:
neben '
mut und vertrauen geben'
vor allem das konkrete '
helfen, schützen',
das auch auf den bedeutungswandel des subst. zum konkreten hin einflusz gewonnen hat; vgl. Braune
PBbeitr. 43, 386.
dazu kommt der in älterer zeit, besonders auch noch im frühneuhochdeutschen, sehr häufige reflexive gebrauch sich einer person oder sache trösten
in der bedeutung '
sich verlassen, stützen auf'.
selten, und zwar nur im mittelniederdeutschen, ist intransitiver gebrauch im sinne von '
vertrauen',
der vielleicht erst aus der reflexiven konstruktion erwachsen ist. in neuerer zeit erhält allmählich unter dem einflusz der religiösen anwendung, bei der gott das subjekt des tröstens ist, der abstraktere gebrauch '
jem. seelisch stärken'
das übergewicht. II.
ältere bedeutungen und bedeutungsgruppen. I@11) trösten '
ermutigen', '
vertrauen und mut einflöszen': koning Conrad nam oc dat cruce ... unde beredde sic to der vard mit anderen vorsten. darto tröste se sere abbet Bernard
sächs. weltchronik 213, 37; dese hertoge Magnus ... satte alle sinen muot daran, dat he de Wenede vorstridde, de widerstrevech weren. darto trosten ene Godeschalkes sone ... unde hulpen ime sere
ebda 174, 2; der gûte meister Volkewîn trôste wol die brûdere sîn (
sprach mut zu)
Livländische reimchronik 1948
Meyer; und die burcgrâven bêde mit maniger guoten rede trôsten die burgære Ottokar v. Steier
österr. reimchronik 56696; so underghingen de borgermester unde kemeners ... von radhusen to radhusen, unde trosteden de borger, dat se sik nicht vorlangen leten: 'dat schalde myt der goddeshulpe to eynem guden ende komen'! (
Braunschweig 15.
jh.)
chron. d. dtsch. städte 16, 344; mit den und dergleichen worten rait er zu allen zeugen und haufen, trost und manet sie alle, das best bei ime zu tun
Wilwolt v. Schaumburg 24
lit. ver.; der gute man (
priester zum beichtkind) in albeg tröstet (
ermutigen, anspornen) ze sagen (
sein bekenntnis) Arigo
decam. 26, 5
Keller; ich han yne (
vater und mutter) nit lieplichen und fruntlichen zugesprochen und sie lieplichen mit mynen wortern gedrost Joh. Wolff
beichtbüchlein 13
Battenberg (
vor 1468); derselbig küng trost in sinen briefen das concilium Richental
chronik des Constanzer concils 88
lit. ver.; do ditz alles Julius erfuer und innen ward, hielt er ain gemain, tet ein lange red, trost sein knecht wie er kund und mocht, sties in wider ein herz ein Aventin
bayr. chron. 1, 542
Lexer; das kriegsvolck lassen trösten und ansprechen Fronsperger
bei Fischer
schwäb. 2, 406; dar mede de Russen getrostet unde gesterket moghen werden (
russ.-livl. urkd. 1425)
bei Schiller-Lübben 4, 617; die heydnische herren sind auch kne und unverzagt gewesen und haben dardurch ihr kriegszleut offtmals getrOestet und gehertzt gemacht R. Lorichius
paedagogia principum (1595) 342; (
Pallas) in der Griechen gelAeger gieng, und sie zu trOesten auch anfieng Spreng
Ilias (1610) 50
a;
ähnlich: darauff sein artzet gefragt, wie lang sie in trösten (
mut, hoffnung machen) noch zu leben
bei Fischer
schwäb. 2, 406;
hier ist auch anzuschlieszen: als nu de greve (
der die Friesen angreifen wollte) gewaer wurde, dat de Freesen syner wol getrostet (
bereit, auf ihn zu treffen, unbesorgt) und gerustet weren, toog he voor de Fressen weder over na Hollant Eggerik Beninga
chron. v. Ostfriesland 143
bei Schiller-Lübben 4, 617. I@22)
in der spätmittelalterlichen und frühnhd. chroniksprache sehr verbreitet ist die verwendung von trösten
in der speziellen bedeutung '
sicheres geleit zusagen': es geturste ouch nieman gewandeln in dem lande one ir (
der räuber) geleite und wortzeichen. und wen sü trostent, dem hieltent sü es, wie wol men in nüt getruwete, wan es bOesewihte worent
chron. d. dtsch. städte 8, 487, 13 (
Straszburg); unser herren sint über ein komen, wen sie troestent, den troestent sie von sinre heimuete zu Strasburg in die stat
Straszburger stadtrechte im mhd. wb. 3, 116
b;
ähnlich: wir süllent ouch nieman in die stat trOesten mit unserm wissende ann alle geverde
städtechron. 9, 941 (
Straszburg); (
der vogt) soll die leut auf dem mestage trösten eine meile dar und dannen (
Dettweiler 1380)
bei Schmidt
elsäss. 360
b; do wurbent sy und doeten werben, daz sü der kunig für sich troste, daz sü sich entschuldigen mohtent vor im
städtechron. 8, 46, 35 (
Straszburg); in dem friden kam Achilles gen Troeye, also noch ime gesendet was und getröstet was
ebda 295, 22; in dem vorgenanten jore 1353 kam für künig Karle zuo Spire Cuone von Valkenstein getrOestet (
mit freiem geleit)
ebda 9, 588, 6; din liber geselle, der het mir verschriben, welle ich in zuo mir trösten, so gesehe er dich gar gerne Nicolaus von Basel
bei Schmidt
elsäss. 360
b;
hierher auch dieselben sechtzehen man solten ouch getröstet sin an lip und an gut Justinger
Berner chronik 116
Studer. speziell: (
jem.) des libes trœsten '
einem sicherheit zusagen': wolte men in trOesten des libes, so wolter gein Strosburg kumen für gerihte und sich verentwurten
städtechron. 9, 784, 12
anm. (
Straszburg). I@33)
selten, und aufs mittelniederdeutsche beschränkt, begegnet intransitiver gebrauch in der bedeutung '
vertrauen, glauben, hoffen': hir up so trôstet vri (
rechnet darauf)
Reinke de vos 4192
Lübben; unde troste do nicht langer to leven (
glaubte nicht)
ebda 800; ik troste jo up cherubinne
der sündenfall 1407
Schönemann; ik troste up on (
ihn)
ebda 2922. I@44) trösten
in konkreter bedeutung '
helfen', '
retten', '
schützen'
u. ä. I@4@aa)
allgemein: sumlîche die aber sô senfte sint, die trôstent uber recht des tîvels chint unt liebent in die mäintât Heinrich v. Melk
von des todes gehügede 114
Heinzel; ay Munsalvæsche, jâmers zil! wê daz dich (
Cundrie) niemen trœsten wil
Parzival 318, 30; wa trœstent dich (
den sünder) nu diniu kint, diu in den selben banden sint?
von dem jungesten tage v. 221
Willoughby; wir wurden von im getrost (
Apollonius) der uns usz sorgen hat erloszt Heinrich v. Neustadt
Apoll. 1169
Singer; alles das man dem menschen denne gesagen mag, das trOest in als vil ein als stein Tauler
predigten 161, 26
V.; also ist es darzuo komen, das kain ampt im hoff ist, es werd mit kirchen auszgericht, und gesehent sis dennocht nynder, noch wirt got noch die selen getröst (
durch solche geistlichen) (=
das hilft weder gott noch den menschen) Fr. Reiser
reformation 164
Böhm; auff erd der tügendt qual ermisz. dargegen poszhayt wird getröst (
dem bösen geht es gut), der frümm gilt minder dann der pöst Joh. v. Schwarzenberg
der teutsch Cicero (1535) 152
a; Lamech war hundert zwey und achzig jar alt, und zeuget einen son, und hies in Noah, und sprach, der wird uns trOesten in unser mhe und erbeit auff erden
1. Mos. 5, 29; du sprichst, aine tröst die ander (
eine nonne hilft der andern). ich sag dir gemeincklich ist eine der andern teüfel, das sy einander klöster und örden zuo eng machen ... Eberlin v. Günzburg
sämtl. schr. 1, 26
ndr.; (
der reiche mann wird durch einen brief vor gottes gericht berufen): dort kompt fürwar mein jüngster son, der wird mich trösten an der stat, bald er den brieff gelesen hat Hans Sachs 6, 149
Keller; so die gter selbs ein farend hab und nicht bleiblich seind, wie solten sie dann jemand bestendig trOesten und das zeitlich ewig befriden? Seb. Franck
sprichw. (1541) 1, 132
a; item das gemein volck (
die ersten christen) wercket trüwlich vnd trOesteten einander; wo sy am sichersten mochten bliben, do samleten sy sich Judas Nazarei 15
ndr. I@4@bb)
in bestimmten situationen: I@4@b@aα)
kampf und krieg. (
Obies vater zu Gawan) zuo dirre ungeschihte sol iwer kümfteclîcher tac uns trœsten, wander trœsten mac
Parzival 366, 14; nicht lange darnach kam der könig aus Franckreich ... und andre mehr zu dem könig Gibaldo, ihme ... zu trösten
volksbuch v. geh. Siegfried 66
ndr.; wen si (
die räuber) trostend, ald etwas zuseitend, und glouben versprachend, das hieltend si styff Tschudi
chronicon Helveticum (1734) 1, 463. I@4@b@bβ)
armut: er trôst ouch frömde armen (
half ihnen) Hartmann v. Aue
armer Heinrich 253; wan guottât wart nie verlorn diu gote ûf dienest wirt erkorn. in swelhem namen dû lôstest die armen und sî trôstest, des næme lôn dîns herzen gir. Rudolf v. Ems
guter Gerhard 1860; (
testament) dar nâch shaff ich drithalbe hvndert phvnt, dô man von stifte, da zehen durftigen êbichleich von getrôste werden (
v. j. 1300)
urkunden der Benedictiner abtei zum hl. Lambel in Altenburg 97
Bürger; des geldes schall men geven den clostervruwen alle iar, dar se van sunderliken getrost werden an spise und an dranke (
urkdl. Göttingen 1325)
bei Schiller-Lübben 4, 617; bedenck ain jder ..., wie viel güldener und silberer klainhait dem hailgthum berait werden, da mit vil tausent hauszarmer leut ... ausz gottis gepott getrost solten werden Jacob Strausz
christenlich underricht (1523) a 4
b; begern wir dasz man von des spittels gut nun furhin kein zins me kuff, sunders arm lut domit gespist und getrost werden (1525)
der dtsche bauernkrieg, aktenband 260
Franz; (
ode an seinen gönner) der himmel ist, wo du erscheinst: dir segnen die weisen entgegen, und das getröstete elend weint freudenthränen herab Dusch
verm. w. (1754) 8; (
ich) schnautzt alle die mich baten, an, und trOestet weder weib noch man Barth. Ringwaldt
christliche warnung (1588) f 4
a; de ryken sulen de armen trôsten Tunnicius
sprichw. nr. 406
Hoffmann v. Fall.; I@4@b@gγ)
in krankheit u. ä.: (
aufgabe der edelleute) mit züchtigen worten die betrübten zetrosten Arigo
decam. 48, 21
Keller; trostet de kranken in alle juwen dagen
Reinke de vos 1615
Lübben; es sOellen auch eim krancken zuo louffen die nachburen und ... in trOesten Eberlin v. Günzburg
sämtl. schr. 1, 114
ndr.; ist er kranck ... da solstu ihm trösten, hüllen und decken J. Barth
weiberspiegel (1565) e 1
a; denn wie sol sie (
die hebamme) unverzagt handlen und ander leut trOesten, als deren alle ding kundbar und offenbar sein solte, die selbr verzagt und trostlosz ist, und das nicht kan J. Ruoff
hebammenbuch (1580) 28. I@4@b@dδ)
spezielleres: er (
der gastgeber die gäste) satzte sie vf die benke und hiz den herren schenken nach sines landes sitte, vnd troste sie vnd fragete damitte, was ir gewerp were ('
bewirten'?) Herbort v. Fritzlar
liet von Troye 534
Frommann; herr trost nur deine gest. ich will warlichin thuen das pest
altdtsche passionsspiele h
v. 488
Wackernell; simpulo ... einer der den bräutigam oder seinen nechsten freund, wann er auff der hochzeit herumb gehet, und mit einer solchen schenckkanne die leute realiter trOestet (
vgl.trost V), oder wie es in Franconia ist, der so einem jeden, der geschenckt hat, miscue wider schenckt A. Corvinus
fons latinitatis (1646) 920. I@4@cc)
in mehr oder minder fester verbindung mit hilfe
bzw. helfen;
vgl. auxilior helffen, trOesten Frisius (1556) 150
a: wâ sol ich nu trœsten holn, muoz ich âne helfe doln nâch minne alsolhe riuwe? Wolfram
Parzival 547, 25; zuo dem markîs Terramêres parn (
Rennewart) kom geloufen, niht gegangen. der vrâget in nâch sîner stangen: 'wes sol mich dîn helfe trœsten?' (
wie wirst du uns nun helfen?)
Willehalm 314, 21; nû vûgetez sich in einen tagen, daz si quam so hinab bî des gûten mannes grab, dâ manic mensche wart erlôst, und mit helfe getrôst (
von der blindheit befreit), darzû si hoffenunge ouch trûc
passional 62, 30
Köpke; dîn helfe ist doch verlorn ... unvervangen (
unnütz) ist dîn trœsten Ulrich v. Eschenbach
Alexander 27317; wans eim übel geht, und in der aschen ligt, und man erst darzuo wil küplen, so man solt trOesten und herauszhelfen, der tritt den leydigen erst ins kot Seb. Franck
sprichw. (1545) 1, 66
b; so kumpt zuohand gegen ir (
die im traum in ein einhorn verwandelte herzogin) ein lew, welchem sye ... umb hilff zuogesprochen hat, aber keyner hilff von im getrOestet ward Wickram 1, 74
Bolte. nicht mehr ganz synonym: so freuts ein'n zu helfen ... das helfen und trösten ist dann so süsz, das zutrauen so bequem, alles was man thut, wirkt so a propos Justus Möser
sämtl. w. (1842) 3, 38; drey worte hört man, bedeutungsschwer, im munde der guten und besten, sie schallen vergeblich, ihr klang ist leer, sie können nicht helfen und trösten Schiller 11, 320
G. I@4@dd) trösten '
retten', '
schützen': dô sprach der sî dâ trôste (
errettet hatte), der rîter der des lewen pflac
Iwein 4956; zwâre ich wil iuch trœsten wol, wan ichz ouch bewæren sol
ebda 4339; ob wir wider ze Oransche komen, hânt mirz die heiden niht benomen. ich enhân hie trôstes mêr wan dich: dîn snelheit müeze trœsten mich (
ein pferd wird angesprochen) Wolfram
Willehalm 59, 8; idoch wurden si beide von unserme herren getrôst und ûz gevencnisse gelôst sunder allez ungemach
passional 299, 18
Köpke; man vint auch noch derselben wunder gleichen, die got verhengt den armen und den reichen, päbst, fürsten, herren, den ir list vor unval nicht möcht trösten Oswald v. Wolkenstein 226
Schatz; dergleichen e. fl. gn. mutter seligen hof auch mit einem des alten rats (
besetzt), sie zu trösten und fur uberlaufen (
überfallen) zu bewaren (
v. j. 1525)
chron. der stadt Bamberg 2, 74
Chroust; der von Darbete nicht enliez ... er (
der bischof) enwere mit im albereit zû trôstene wol die cristenheit von der bôsen heidenschaft
Livländische reimchronik 3214
Meyer. I@4@ee)
verschiedenes: er sprichet, möhter einen schaft zerbrechen, trôst in des sîn kraft (
ermutigte, stützte, be- er tæte gerne rîters rât
fähigte ihn),
Parzival 66, 20; dem liebt, die züchtig was, disem liebt die schön vil bas. den tröstet hocher adel ('
imponiert'
oder '
gibt halt'? dem liebt, das vol ist hus und stadel
liederb. der Hätzlerin 268; die selbigen nacht schlieffe die schon Magellona nicht vill vor freuden, ... und begeret, das bald tag wurde, damit sie den graffen trösten möchte seines leydes (
erlösen, mit ablativem genitiv)
die schöne Magelone 69
Bolte; bisz in gott diesen helden (
Gideon) gab, durch zeichen in stercket und tröst, (
beinahe synonym: Israel wurt durch in erlöst
gab kraft) Hans Sachs 1, 212
Keller; I@55) sich trösten '
vertrauen, sich verlassen auf, sich stützen auf'
u. ä., überwiegend mit abhängigem genetiv. I@5@aa)
auf religiösem gebiet: I@5@a@aα) darumm lassend uns ... sprechen zum herrn ... das unser hertz ... sich seiner gnad trOesten mOege
Zürcher bibel (1531) 1, 302
b; (
Christus spricht: nolite timere) ich wyls nicht haben, das man sich vor myr entsecze, szunder man sol sich meyn trosten Luther 34, 1, 315, 22
Weim.; darumb seid unerschrocken, und tröstet euch göttlicher hülff Melanchthon
historia Thome Müntzers (1525)
bei Luther 3, 129
b Jen.; da spricht er, das die christen allein auff das selbig wort stehen sollen, und sich der zuosagung trösten uber alle werck Joh. Nas
d. antipap. eins und hundert (1567ff.) 3, 193
b; dasz sie (
arme sünder) an gottes gnad und barmhertzigkeit nicht verzagen, sondern sich desz teuren verdiensts desz herren Christi trösten ... sollen L. Sandrub
hist. u. poet. kurzweil 94
ndr. I@5@a@bβ) wer gottes martr in ehren hat und sich der tröst in sünden not, des wil got eben pflegen wol hier auff erd mit seiner gnad und dort im ewign leben
bei Fischer-Tümpel 1, 72; (
ein christ) musz christlichen willen und wandel führen. es heiszet nicht nur wissen, und sich des leidens Christi trösten (
geschrieben 1621) Jacob Böhme
s. w. 7, 11
Schiebler; so weisst dargegen mich die gtt' hin auf dein kind und (
ich) trOestt mich seines bluts, dasz es für mich vergossen, sie zeygt mir hAend und fsz aus denen es geflossen Rompler v. Löwenhalt
erstes gebüsch s. reimged. (1647) 7 (
für die andere, aktive interpretation '
die güte versichert mich seines bluts'
fehlen parallelen). I@5@a@gγ) ich tröst mich gottes worts
Zürcher bibel (1531) 2, 29 (
psalm 55); also hat Thomas (
Münzer) in summa zween irrthum geleret, den einen von geistlichen sachen, das man zeichen foddern solt von gott, sich nicht trösten der schrifft Melanchthon
historia Thome Müntzers (1515)
bei Luther 3, 127
b Jen.; giengen nicht ausz der kirchen wider herausz, bisz dasz der segen gesprochen war, und dieses priesterlichen oder vielmehr gottlichen segens trösteten sie sich die gantze woche über J. B. Schupp
schr. (1663) 212. I@5@bb)
im kampf und krieg und auf politischem gebiet, vor allem in der chroniksprache häufig. I@5@b@aα)
auf personen bezüglich: 'sît ir iuch vehtens habt bedâht', sprach er, 'rottiert al iwer maht zeiner schar: diu wirt krefteclich, iwerr helfe trœst ich mich Wolfram
Willehalm 333, 4; der margrâf mac wol trœsten sich mîn, swaz i'm gedienen mac, gefüeget er mir strîtes tac
ebda 296, 12; bis willekomen Hagene,mîn einigez kint. nû mügen sich dîn wol trœsten,die hie bî Sigebande sint
Kudrun 154, 4
Martin; wær aber daz her Philippe sich trôste dheiner sippe, des kunigs oder ander fursten Ottokar von Steier
österr. reimchron. 5460; darauff ich im mit schalborten antbort, das sich di von Nurberg nicht solcher buntnosz drosten gen eueren gnaden in den teigding (
v. j. 1452)
chron. d. dtsch. städte 2, 526 (
Nürnberg); nach kurzer zeite tröstet sich der kaiser seiner fürsten und lehenherren, die mit groszer samnunge im ze hilf komen
volksbuch vom herzog Ernst 243, 32
Bartsch; schad ist, das der jung herr soll sterben, an der vergifften wunden verderben. ein gantz landt sich sein trösten solt Hans Sachs 12, 149
Keller; (
der kaiser zu einem ritter, der sein fernbleiben vom kriegszug entschuldigt) nu hab ich mich dein am paszten getröst (
am meisten auf dich gerechnet)
fastnachtspiele 637, 3
Keller; Gwelph stuond dem bapst bi, der was nun österrichisch und wolt küng Fridrichen gar wol; Gibelin was paierisch und trost sich küng Ludwigs J. v. Watt
chron. d. äbte d. klosters St. Gallen 1, 430; wisse auch, dasz, wie sie sich dresten desz ungerischen undt auch polischen konigs, dasz sie wieder unsz nichts thuen werden
N. Heermann
Rosenbergsche chron. 130
Klimesch; da sie aber an den feynd kommen, zanckten sie sich umb den angriff, welchen die Frantzosen haben wolten, sich ihrer vile und stercke tröstende Stumpf
Schweizerchron. (1606) 15
a; die grossen herren sollen sich eines willigen gehorsamen volcks mehr trOesten dann fester pletze oder stedte
bei Friedrich Wilhelm
sprichwörterregister (1577)
nr. 462. I@5@b@bβ)
mit sachlichem objekt: der jung Constantinus wolt ... sein bruoder ausz dem reich verjagen und allein herr sein, ... trost sich seiner grossen macht Seb. Franck
Germ. chron. (1538) 42
a; nam ihm etliche länder eyn, trost sich seiner macht und seiner helffer Stumpf
Schweizerchron. (1606) 77
a; da zogen ihn herausz entgegen zuo dem streit die von der stadt Crema, und trOestet sich der Mailänder und Brixier hilff Joh. Adelphus
Barbarossa (1535) 26
b; wes tröstu du dich denn? antwort: der groszmächtigen hülfe des königs in Schweden
bei Opel-Cohn
dreiszigjähr. krieg 298; die haiden trosten sich der gröss ihrer menig Ulrich Füetrer
bayer. chron. 110
Sp.; er trOest sich aber zu viel seiner knheit, und strmt barhaupt, und hett den helm von ihm gethan
buch d. liebe (1587) 104
c; welche aber wider die Acarnaner stritten ... haben ... sich irs schnellens schiffens getröst W. Xylander
Polybius (1574) 75. I@5@cc)
in verschiedenen situationen. I@5@c@aα)
mit abstraktem objekt: dîner reine trœste ich mich noch baz danne ich gedienet hân Ulrich v. Liechtenstein
in minnesinger 2, 232
b; baide knge trosten sich ir keckes muotes, biz daz des roten bluotes von in vil wart gegozzen Johann v. Würzburg
Wilhelm von Österreich 8180
Regel; sol iemen sîner kunst genesn, so trœst iuch iwerre sinne (
verlaszt euch auf eure klugheit)
Parzival 523, 11; er trost sich siner unschuld und sye in kein weg entsetzt Fr. Riederer
spiegel d. wahren rhetorik (1493) d 3
b;
fidere brachiis sich seiner stercke trösten Frisius (1556) 164
b; darumb ir sie unbillich allegieren, sie mögen sich auch ewers verstands nit trösten Paracelsus
chir. bücher u. schr. (1618) 289
Huser; lieben landtszknecht, lieben kriegszleut, ich wil mich zu euch aller trew und redlichkeit trösten und versehen Reutter v. Speir
kriegsordn. (1595) 11; ich mich nimmer keines andern rahts mehr trösten wil, denn desz deinen
buch d. liebe 238, 1; (
glück und unglück folgen sich wie die nacht dem tag,) das der unglückhaftig nit verzweifel und der reich glückhaftig mensch sich nit erhebe und trOeste sich des gelücks Albrecht v. Eyb
spiegel d. sitten (1511) e 3
a; die Römer trösteten sich des glücks, das ihn kürzlich zugestanden war Zach. Müntzer
Titus Livius (1562) 290; (
Achill, verliebt in Polyxena) doch tröst ich mich der hoffnung frey, dasz es Priami will noch sey, der mich als seinen tochterman nicht so leicht wird schupffen hindan W. Spangenberg
bei Dähnhardt
griech. dramen 2, 20; da gieng der hauptman herfür, der unns gefangen hett, und knyett nyder für den chönig und patt in, das er uns fristett an dem leben, wann er sich seiner genaden hette tröst und hett uns verhayssen pey seinem aide, er wolt uns sichern an dem leben Hans Schiltberger
reisebuch 14
lit. ver. I@5@c@bβ)
spezieller in meist etwas pejorativem nebensinn, sich auf irdische güter wie schönheit, kraft, reichtum u. ä. verlassen, natürlicherweise besonders in geistlicher literatur: und ir sehent wol daz manig mensche der welte volget umb uppige ere und trOestet sich libes, gemaches und heimtes und frunde Tauler
predigten 85, 15
V.; weles mensche sich der welte pflichtet ... und sich trostet sinre jugent und gewaltes und guotes und adels, des er alles genuog hat in dirre welt, so ist die welt so ungetrwe und so unstete und so falsch
elsäss. predigten d. 14.
jh., in d. Alemannia 2, 198; diu begunde trœsten sich ir schœne, ir lîbes unde ir jugent Rudolf v. Ems
Barlaam und Josaphat 302, 40
Pfeiffer; âne zwîfel, ez sind vil armer liute, die sich irs schatzes trœstent hiute Hugo v. Trimberg
renner 21270
Ehrismann; (
das gebein einer toten spricht): ich troste mich mins stoltzen lib, darzuo was ich ein wankel wib Hugo v. Montfort 74
Wackernell; figurae suae confidere sich seiner hüpsche trösten, oder sich auff sein hüpsche lassen Frisius
dict. (1556) 291
a; nun trost sich Jason seiner manlicher jugent und gedaucht in auch nit unmöglich im zuo thuon, als im der künig ungetrewlich hett vor gezalt
ein hübsche histori von der küniglicher statt Troia (1499) 3
b; (
die Enakssöhne) trosten sich irer sterke und leibs ungeheuren grösse, drückten all ander menschen Aventin
bayr. chron. 1, 49, 20
Lexer; ja du, welcher dich tröstest der stercke deines leibs ... wie kanst du so lyederlich sterben! H. v. Eppendorf
Plinius (1543) 11; niemandt soll sich seines gewalts trOesten oder uberheben G. Mayr
sprüchwörter (1567) a 5
a; di sichs yr mcht trOesten und yres guots auf gros reichtuom truotzende stoltzes muots Schede-Melissus
psalmen 187, 7
ndr.; trOeste dich nit deiner grossen macht Lehman
floril. polit. (1662) 3, 350. I@5@c@gγ)
sprichwörtlich: es sol sich ein jeder seiner handt, und nicht des harnischs trösten
bei Friedrich Wilhelm
sprichwörterreg. (1577)
nr. 742; alter freund, altes weins, und alter schwerter sol mann sich trösten
schöne weise klugreden (1548) 158
b; Eyering
proverborum copia (1601) 1, 36; Petri
d. Teutschen weiszheit (1604) 2, j 1
a; de pedden it (
kröten iszt), de trostet sik des venyns (
gifts) Tunnicius
sprichwörter 47
Hoffmann v. Fall.; de siks telens trôstet, de trôstet sik ôk der galgen
ebda 38. I@5@c@dδ)
mit noch betonterer, intensiverer bedeutung teils des trotzigen oder gar überheblichen: '
sich auf etwas steifen',
teils in juristischem sinn '
auf ein bestimmtes recht pochen', '
sich berufen',
negativ '
sich nicht kümmern um': das magstu inen mit ehren und treuen wol raten, das ist, das sie sich ires glücks nit zu viel trösten oder uberheben Carbach
Livius (1551) 38; diser trost sich seines alten edlen stammens (
tut sich etwas zu gute, protzt mit) so vil, dass er Flaucatum den obgesetzten haussmeyer verachtet Stumpf
Schweizerchron. (1606) 314
b; wer sich eines guten vermögens trösten (
sich rühmen) kan, der darff ... nicht verzweifeln Chr. Weise
polit. redner (1677) 6; der graff tröst sich sins groszen stammens und fürstlichen geblüts, verachtet des keisers gebott (
sich etwas einbilden, pochen auf) Äg. Tschudi
chron. Helv. (1734) 1, 57; swer ietzunt marcgrave do si wont dem niht eren bi, der trOest sich niht der geschiht (
sich berufen, vor- hat er selb eren niht
schieben), Johann v. Würzburg
Wilhelm v. Österreich 17133; jedoch tröst ich mich
M. Ortwini, der spricht von der altiqua poetria und metrischer compilation Fischart
geschichtklitterung 53
ndr.; ich mich nimmer keines andern rahts mehr trösten wil (
mich kümmern um, verlangen, fordern), denn desz deinen
buch d. liebe (1587) 238, 1; euch des bubengeziffers garnichts trösten (
euch nicht darum kümmern), sunder vil mer got bitten, das jrs nit bedörffet Luther 34, 2, 91, 19
W.; und hast du recht getan, dasz du dich unterweilen gleich krank mit ihnen angestellet, damit sie sich auf den schein einer gesellschaft ihres anliegens trösten könten (
sich berufen) Fleming 1, 79
lit. ver. I@5@dd)
im laufe der zeit allmählich zunehmend stehen statt des genetivobjektes präpositionale verbindungen; zunächst auch in, an
und zu;
dann setzt sich auf immer mehr durch. I@5@d@aα)
geistlich: ich wil mich trosten inn dir Luther 25, 78, 1
W.; an wen trOestu dich (
in dem punkte, was das angeht): das du tarst widerstreitten? (
in quo confidis, ut audeas rebellare 4. kön. 18, 20)
erste dtsche bibel 5, 427, 5
Kurrelmeyer; ich solle mich so auff Christus werck trösten, als het ichs selbst than Luther 10, 3, 31, 17
W.; dann die verdampten trösten sich auff kein aufferstehen Paracelsus (1616) 2, 436
Huser; werden sie bald verstehen mügen, das mehr vleys soll gehabt werden, wie man auff gottes wort, durch den priester geredt, vertrawen soll, und darauff sich trösten, denn auff eygene beycht Eberlin v. Günzburg
s. schr. 3, 222
ndr.; darumb ist nu der ... miszbrauch ... das man sich auff der heyligen werck und verdienst tröstet Luther 10, 3, 202, 15
W.; qui vult esse christianus, der troste sich uff die schrifft
ebda 34, 2, 486, 19. I@5@d@bβ)
weltlich: ni drostet iuih in thiu thingthaz iagilih ist ediling Otfried I 23, 45; dárazuô gehábe dih, unde ze lukken díngen netrôste dih Notker 2, 339
Piper; wolten aber dez die stet nicht tün, so wisse, daz wir uns furbaz anders nicht konnen versteen, danne daz wir uns furbaz uff der stet hilfe nicht trosten bedorften (
v. j. 1388)
chron. d. dtsch. städte 1, 148 (
Nürnberg); so uch jemants widder recht wolt mit gewalt, so drost uch uff uns zu Ritzseltz uff die burger, uff 2000 mann (
v. j. 1525)
d. dt. bauernkrieg, aktenbd. 206
Franz; ind up dat geruchte (
von dem sicheren geleit) so troiste sich alle man die des unschuldich was, ind quamen alle to hulden (14.
jh.)
chron. d. dtsch. städte 12. 276, 6 (
Köln); der wolt ouch die von Bern bekriegen und trost sich vast uf sin herschaft von Österich Justinger
Berner chron. 45
Studer; der glychsner wirt sich trösten uf sin hus oder gsind, und wirt nit beston Zwingli
dtsche schr. 1, 312; es ist sich auff den gemeinen man nichts zuo trösten Hedio
Phil. de Comines (1551) 59; schaw du auch, wo du bleiben wilt und forthin wilt behelffen dich! und tröst dich weitter nicht auff mich! Hans Sachs 11, 232
Keller; auff den man sich verlest und trOest derselb erst einen niderstOest
bei Petri
der Teutschen weiszheit (1604
ff.) 2, j 7
a;
mundartlich noch erhalten: i
ch ha
b mi
ch al
s uf mine
n so
hn getröst
et, jetz is
t er g
estorwe
n Martin-Lienhart
elsäss. 2, 767. sich trösten mit
in moderner bedeutung s. IV 2-6. I@5@d@gγ)
intensiviert (
vgl. 5 c
δ)
in verbindung mit trotzen
u. ä. (
die entsprechende substant. verbindung s. o. sp. 921): das wir gottis gnaden erkennen, erheben und uns auff yhn trösten und trotzen, der unszer feynd szo blOed und vortzagt macht Luther 8, 211, 21
W.; hanc epistolam scribit Paulus in eittel freud, trost und trotzt et ponit se in exemplum eius, qui ...
ders. 17, 1, 325, 23
W.; wen es uns woll gehett, szo sein wir keck und trotzigk, ... und trosten uns selber mit grosser bestendigkeitt im glauben (1522) J. S. Egranus
predigten 99
Buchwald; trotzlich trösten, vnd tröstlich trotzen Fischart
geschichtklitterung 105
ndr.; vgl.: trotzen ist trösten J. Prätorius
winterflucht d. sommervögel (1678) 364. I@66) sich trösten '
hoffen'.
der auf die zukunft weisenden bedeutung entsprechend ist die genetivkonstruktion häufiger als in den andern fällen mit einem abhängigen satz verbunden. I@6@aa)
in geistlicher sphäre: vnd der bOesz geyst ... manet mich an meyn altes sündiges leben, dz mocht mir alles nit geschaden, wan mir half vnser herr vnd vnser frow, des wir vns súllen trOesten, vnd also uberwand vnser frowen hilf vnd mein andacht des bOesen feindes krafft
d. summer teil d. heyligen leben (1472) 6
a, b; das nam der kung gar gnedig von uns an und liesz uns sagen, er wellt sich unser zuo söllichem krieg wol trösten Georg v. Ehingen
reisen nach d. ritterschaft 19
lit. ver.; also gehen sie lasz und sicher dahyn, trösten sich der letzten stund, darinn sie denn büszen wöllen, wenn sie nit mehr sündigen können Luther
vorr. zur oecon. Christ. J. Menii (1529) a 2
a; so wir Christum erkennen und wissen wie wir auff ihn vertrawen, und uns sein trösten sollen Melanchthon
apologia d. Augsb. conf. 71
in corpus doctr. christ. (1560) 71; ich tröst mich deiner allermeist, dieweil du cherubinisch heist vnd alle zeitung hörst vnd weist Fischart 1, 135
Kurz; da sich Adam wider zu gott keret, vnd tröstet sich des verheiszenen samens Mathesius
Sarepta (1571) 60
a; vnd musz mich wie andere, allein der genedigen vergebung der sünden, vmb des herrn Christi blut vnnd fürbit trösten
ders. ausgew. w. 1, 7; wie aber? darf ein hertz, das reinen weyrauch zündet in deinem tempel an, sich trösten deiner hold? Lohenstein
Ibrahim sultan (1679) 38; zum drittn verhiesz er das paradisz dem gläubigen schächer gar gewisz des solstu dich auch trösten
bei Fischer-Tümpel 1, 105
b; noch immer zittert er ein wenig vor der hölle und tröstet sich des wiedersehens im paradiese D. Fr. Strausz
w. 9, 2. I@6@bb)
in verschiedenen andern situationen; mhd. auszerordentlich häufig: ich weiz manegen guoten man an dem ich nîde daz si in sô gerne siht durch daz er wol sprechen kan. doch trœste ich mich des einen, si engehœret niht und entet diz lange jâr Reinmar der alte
in: minnesangs frühling 197, 39; nû weiz ich doch ein dinc wol, des ich mich wol trœsten sol ... ich wæne sî (
die minne) in kurzer vrist ein unbillîche sache wol billich gemache
Iwein 1624; sî wolte daz gewis hân, ir kempfe wurde sigehaft, wande sî wol sîne kraft erkande und sich des trôste daz er sî gar erlôste
ebda 6927;
vgl. auch 4162; zuo Gâwân si (
Orgeluse) kom geriten mit alsô zornlîchen siten, daz ich michs wênec trôste, daz si mich von sorgen lôste
Parzival 516, 19; (
Volker zu Giselher:) 'ine weiz wes ir iuch trœstet',sprach der spileman, 'wâ sâht ir ie durch suonesô manegen helt gân mit ûf gebunden helmen
Nibelungenlied 2110, 1
Lachmann; dô trôst er sich gewaltes und guotes manicvaltes, dâmit er ez überkæme, ob er ein ander wîp næme Ottokar v. Steier
österreich. reimchron. 9240; ich trôste mich nû sigenunft, sît ich iuch gesehen hân
ebda 14162; (
die siegreiche königin fordert auf) und swelche (
der gefangenen) wolden gerne leben, daz sich die balde lôsten und sich durch niht trôsten dheiner andern lôsunge
ebda 5140;
vgl. noch 9557; (
das fürstenpaar ist gestorben, ihr sohn die zuversicht des landes) der jungen fruht doch si sich trosten in den swærn Johann v. Würzburg
Wilhelm v. Österreich 19441; spes vil liebe friundîn, wan daz ich mich trœste dîn, sô müest ich gar verderben Lamprecht v. Regensburg
tochter Sion 1172; und wir wissen nicht, wez wir uns versehen odir trosten sullen, wenn sie (
die '
gemeinen städte') ein solche kleine stat in solchen grossen noten lassen Ulman Stromer (14.
jh.)
in: chron. d. dtsch. städte (
Nürnberg) 1, 147; so im söllichs (
eine schlechte frau zu heiraten) vnd mer anndern den weysen vnd gelertten ist begegent, was mchstu dich trOesten Albrecht v. Eyb
dtsche schr. 1, 7, 18; diese geschrifften alle drei (
bitten um zulassung des abendmahls in beiderlei gestalt) hat der bischof alsbald der rö
m. kai. mt.
etc. übersendet; was hierauf erfolgen wird, wissen wirs nicht. wir trösten uns alles guts Primus Truber
briefe 132
lit. ver.; die erfahrung habe ihm offt genung dargethan, dasz er sich in seinem glücke keiner besserung trösten dürffte Chr. Weise
d. drei ärgsten erznarren 175
ndr. I@6@cc)
ähnliche sonderbedeutungen: dô rief ûz grôzem zorneder rise Schrûtan: 'wes wilt du dich trœstendu wunderkleiner man? (
worauf willst du noch rechnen, wie willst du dir helfen) ich trûwe dîner tûsentwol eine hie bestân'
rosengarten a 218; (
die Dänen bedrängen das land mit raubzügen) de hertoge (
von Sachsen) tröste sek lives unde schaden (
machte sich auf alles gefaszt) unde sammede ein vil erhaftich her Eberhard
Gandersheimer reimchronik v. 505
Wolff; die freiheit meldt sich beim stein auf der Pachbuttenwiszen gegen dem schlosz. und ob ain gueter mahn geeilt wurt und tröstet sich der freiheit (
seine rettung in der freiheit suchen) und wan er mit dem fues nicht gereichen möcht und wuerf mit einem huet oder messer darein und der im nachluef thet im ain schaden, derselb wehre verfallen 32 ℔ D
niederösterreich. weist. 4, 29, 7; eins solchen schutzs (
durch die obrigkeit) die frembden sich zu den meszzeiten sonderlich haben zu trösten (
sich zu versehen, zu rechnen auf) als im witwen und waisen haben mochten rechten Marx Mangold
marckschiffergespräch von der Frankfurter mesz (1596) c 2;
noch ältelnd bis zu Göthe
und Schiller: ein interdikt will ich senden singen soll man nicht mehr, noch messe lesen, noch taufen, noch begraben, was es auch sei.desz tröstet euch, neffe (
darauf könnt ihr rechnen, darauf verlaszt euch!) Göthe I 50, 114
W.; mein herz soll alle güte loben, und trösten sich stets ihrer huld Schiller 1, 4
G.; I@6@dd)
nur selten findet sich in der bedeutung '
hoffen'
präpositionaler gebrauch: sed sperauit in multitudine diuitiarum suarum. núbe sih trôsta ze sînemo míchelen rihtuome Notker 2, 201
Piper; filii autem hominum in tegmine alarum tuarum sperabunt ... die trostent sih ze dero dechi dinero fettacho
ebda 3, 110; da trosten sich, beyde, geistlichen vnnd welltlichen tyrannen auff seinen tod Luther 31, 1, 106
W.; hat sich begeben dasz sy sich vmb schirm irer gter ... zuo (
bei) mir vmb hilff trostend vnd versahend Frisius
dict. (1556) 351
a; Germanicus wäre bey den Römern ... nicht so betrauret worden, wenn sie nicht durch seine unterhandlung sich auff die alte freyheit getröstet hätten Chr. Weise
polit. redner (1677) 515. I@77)
in mhd. und frühnhd. zeit finden sich noch zwei gesondert stehende anwendungen des reflexiven trösten,
beide mit der genetivkonstruktion, eine in positiver bedeutungsrichtung, eine mit negativer, besser ablativer funktion des genetivs. die entwicklung oder anknüpfung dieser bedeutungen bleibt undeutlich. I@7@aa) sunder vorsprechen mût wol clagen der man unde antworden, ob her sich schaden trôsten wil, der ime dar ane bejegenen mach (
den schaden auf sich nehmen)
Sachsenspiegel 50, 20
Eckardt; de openbaren sunders dat synt sodane menschen, de ... so verhardet synt in eren sunden und oick so veer van gode ghegaen unde ghetreden synt, dat se sick der schemede ghetroistet (
der schande hingegeben) hebn Joh. Veghe 31, 21
Jostes; ... sy (
die liebenden) in kürcze eynander sehen anrüren und sich ir brinnender liebe trösten (
ihre liebe erfüllen) wölten Arigo
decamerone 273, 37
Keller; item käm aber etwo hernach einer und wolt fräventlich hand anlegen, es wäre edl oder unedl, und wolt sich seines gewalts trösten (
gewalt anwenden), so wer ein iglicher umb 32 pfunt pfening ... oder umb die rechte hand ... zu straffen
niederösterr. weistümer 1, 51; ob schon die dörner stechen, sich tröstet er der pein (
erträgt) Spee
trutznachtigall (1649) 52. I@7@bb) eyn socht so sere de ere, dat he sik der lust vnde des vromen trostet (
sich entschlägt, aufgibt)
bei Schiller-Lübben 4, 617; die dar tu lande quemen (
als ihr schiff untergegangen war), de sik des vorgenomenden gudis ganslich getrostit hadden (
verzichtet)
Livl. urk. nr. 1104 (
v. j. 1374)
bei Schiller-Lübben 4, 617; esz ist auch zu merken das alle holden ... im auflaufen sollen vestiglich bei einander bestehen. wo nit, sollen sie gestrafft werden an leib und an guet von unserer herrschaft ... wer sich dessen darüber trösten wolt (
sich hinwegsetzen über) und schant richtet, den sollen die andern ... bössern mit trucknen schlegen (
v. j. 1641)
niederösterr. weistümer 2, 747;
ähnlich 3, 329; sag ir ... das sy nit ausz bleib, auch das sy sich trOeste desz lands, das sy hat (
das land verlasse): wann sOellen wir leben, unser soll guot rat werden
Tristrant (
prosa) 195
Pfaff. I@88)
dieselbe alte konstruktion des reflexiven sich trösten
mit dem genetiv findet sich auch noch in der übergangszeit, bes. im 16.
und 17.
jh., häufig, wo die bedeutung des verbums selbst schon stärker den neuen begrifflichen inhalt angenommen hat. im laufe der nhd. zeit dringt dann die konstruktion sich trösten mit
oder sich trösten über
durch vgl. unten sp. 978
ff.); aber es mus so gehen, wie Christus sagt: 'der mein brod isset, der trit mich mit füssen'. vnd müssens inn vns fressen vnd uberwinden vnd vns imer des trösten, das es umb iren willen nicht ist angefangen Luther 36, 462, 11
W.; die kunst bleibt wol in ewigkeit trotz neid, hasz, miszgunst, krieg vnnd streit. was anlangt, dasz mans nit recht brauch, mustu dich dessen trösten auch, dasz nicht der kunst sey zu zuschreibn, als ob man sie dardurch vertreibn J. Gilhusius
grammatica (1597) 29; es ist ein erbärmlicher jammer gewesen, dabey man sich nichts, denn allein desz getröstet gehabt, dasz sich ein jeder in diesem schrecken zu einem seligen sterben hat bereiten müssen Binhardus
thüring. chronica (1613) 264; tröste dich dess wartens biss ich wider komme Spee
güld. tugendbuch (1649) 253; des tröst ich mich und hoffe drauff, du wirst auch mir fromm bleiben und aller böser tücke lauff gewaltig hintertreiben Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 414
b; (
leute, die im namen gottes salz auf den acker gesät haben, in der hoffnung, dasz es reichlich wachsen würde) trösteten sich auch dessen, dasz ob sie schon etwas gewinns darvon hatten, so seye doch solcher gewinn, als ein erdwucher, nicht schandlich, sondern von gott gegeben Agyrtas
grillenvertreiber (1670) 46. I@99) trösten '
bürgen', '
gutstehen', '
entschädigen': wil dû die (
jungfrauen) koufen umbe mich, die gibe ich dir und trœste dich daz sî zwivalt gelten dir, swie dû lœsest sî von mir Rudolf v. Ems
d. gute Gerh. 1764; wir hant getrost und gelopt (
bürgschaft geleistet und versprochen), daz wir die burger von Strazburg niemer angrifent
mon. Zoller 1, 286 (
v. j. 1334); wir trœsten und gehaizen für si mit disem brief, daz si die tegedinge unzerbrochen behaltet
ebda 3, 83 (
v. j. 1341); wa er ain pfAerit kovffe, daz du da fúr uns trOestes und sprechest und im dannen helffest umb die 6 ℔ h (
v. j. 1351)
bei Fischer
schwäb. 2, 407. I@1010) trösten '
vertrösten', '
versichern'
; manchmal sogar '
versprechen': eins dinges ich dich trœste (
versichre dich), daz man dirz immer wol vertreit
Iwein 146; ich entrœst iuch niht dar an (
mache euch keine hoffnung, verspreche nichts)
ebda 2125; die leute trostent alle mich nu vil lange (
vertrösten), chum ich dar, daz mir genade wider var
Heidelberger hs. 341, 155
a Rosenhagen; daz er dâvon verdarp, dô er dâmit niht erwarp, des er von in was getrôst (
wozu ihm von ihnen hoffnung gemacht worden war) Ottokar v. Steier
österreich. reimchron. 12143; die stat hette guot genomen von den juden, und hetten sü getroste uf ein zil ... und hettent ouch solichen friden (
vertröstet, zahlung versprochen)
städtechron. 8, 127 (
Straszburg);
vielleicht auch zu I 2
gehörig einen wol auff den sold trösten (
vertrösten oder versprechen) Frisius
dict. (1556) 1078
a; nicht trost mich mit lärer hoffnung Arigo
decamerone 100
Keller. I@1111) trösten
mit sachlichem objekt '
einer sache abhelfen', '
erfüllen'
u. ä.: zu trösten und zu fertigen alle sach (1352)
bei Haltaus 1809; die meyt ir frawen iren willen tröstet Arigo
decamerone 454
Keller; wi Laertes der vatter Vlyssis, bisz auf belengliche widerkunfft seynes abwesenden suns, ausz dem pauwen vnnd tüngen der äcker sein alter tröstet J. v. Schwarzenberg
teutsch Cicero (1535) 33
b; Carolus tröstet den jamer der trostlosen Seb. Franck
Germ. chron. (1539) 73
a; ein betrübnis, so sich kann trösten lassen Bas. Faber
thes. (1587) 773
b;
Ismene: weh mir, wie fürcht ich mich, du arme, wegen dein
Antigone: von wegen mein nur nicht, dein leben tröst allein (
rette dein eignes leben) Opitz
opera (1690) 1, 167; tröste aber deine arche (
erfüllen, befriedigen) Lohenstein
Arminius 1 (1689) 496
a. IIII. trösten
im religiösen bereiche; zur bedeutungsentwicklung in diesen anwendungen sieh oben sp. 954. II@11)
allgemein; gott
als subjekt: et conuersus consolatus es me ... unde bechêrter ze genâdon drôstost du mih Notker 2, 281
Piper; ähnl. 2, 358; got wil sie (
die guten) trœsten iemer me
von dem jungesten tage v. 503
Willoughby; sechs hundert man dâ lâgen tôt ... wie ouch ir aller name sie sô mûze sie got trôsten dort (
im jenseits)
livländ. reimchron. 7337
Meyer; die da truren und weinen hie: got wel selber trosten sie
Alsfelder passionsspiel v. 1969
Grein; gott betrübt niemandt so hoch, er tröstet ihn wider, ist er sonst ein christen
bei Petri
d. Teutschen weiszheit (1604) 1, c 6
a;
vgl. auch 1, f 4
a; ei got, aller betrubten herzen troster, troste mich vnd ergetze mich armen, betrubten ellenden, selbsitzenden man! Joh. v. Saaz
ackermann aus Böhmen cap. 15, 16
Hübner: gott ist ein gott, der reichlich tröstt Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 350
a; so bistu doch deus, in warheit worer, almechtiger got, der die betrübten tröst (1510) P. Stephan Fridolin
dtsche predigten 34
Schmidt. II@22)
in dem konkreteren, stärkeren sinn des helfens, rettens u. s. w.: wol kan ... got die sinen trœsten in nôt Ulrich v. Eschenbach
Alexander 7228; der mir helffen und trosten sol (
umschreibung für gott) Luther 34 1, 313
W.; ähnlich 53, 418; godt almechtich hefft ... vns altidt wnderliken gereddet vnde getrOestet (1534) B. Rotmann
restitution 107
ndr.; ähnlich: getrOestet vnde vpgerichtet 62; wie gott, der herr, ist auff ein zeyt her kummen inn disz jamerthal, zu trösten sie in dem unfal und sein kind zu examinirn Hans Sachs 1, 53
Keller; er tröstt und macht das hertze frey von allem, was uns kräncket Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 345
b;
ähnl. 3, 367
a; ach gott, schlägt mich ein fehler etwa nieder, so heb mich auf und tröste mich doch wieder Neumark
fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1657) 1, 42; alle, die lippen, die für uns beten, alle die herzen, die wir zertreten, tröste und schütze sie, ewiger gott Körner
w. 1, 129
Hempel. II@33)
gelegentlich tritt trösten
in der bedeutung neben das verbum erlösen,
mit dem es (
in der präteritalform)
auch aus reimgründen oft unmittelbar gepaart erscheint. in der mystik kommt oft, wie beim subst. (
s. sp. 915),
ein besonderer bedeutungsakzent hinzu: dise barmherzkeit sol der mensche vinden und ben an sinem gemte inwendig, also das er in ime vinde ein gruntlich getrúwelich mitliden mit sinem nechsten ... und solt mit herzeklicher mitleidunge von gotte begeren das er in trOeste Tauler
predigten 148, 7
Vetter; also nu kummet der minnecliche tag daz sú der liebe got mit ime heim wil fren, die zit irs todes, o kinder, denne ergetzet er sú dis unwissendes und dis vinsternisses, und tuot in denne so vetterlichen und trOestet sú denne
ebda 38, 26; si (
die weisheit) fuor von got wol getrost und sprach 'der mensch wird erlost von der grimmen helle bant' Heinrich v. Neustadt
gottes zukunft 1237
Singer; denk sun, du hattest hie guot tag, dagegen Lazarus armuot pflag; darumb wirt ietz Lazarus tröst und du im hellschen für geröst! Niklas Manuel
Barbali v. 690
Bächtold; wie der gerechte mensch in der zeit in die helle wird gesetzt, vnnd mag darin nicht getröstet werden Johan Arnd
übers. von Thom. a Kempis nachf. Christi (1631) 14.
hierher auch die bekannte bibelstelle aus der bergpredigt: selig seint die do weinent: wann sy werdent getröst
erste dtsche bibel 1, 17;
vgl. auch parad. animae intellig. 72, 16
Strauch; Züricher bibel (1531) 5
a. II@44)
Christus als subjekt des tröstens: drost er sie tho worto sines tothes harto, er iz zi thiu worti; es waron in tho thurfti Otfried IV 15, 1; thaz unsih so irloste ther gotes boto droste
ebda IV, 37, 17; (
Christus beim jüngsten gericht zu den hartherzigen:) du liezze erwenden ee den wein, ee du hetest das hercz mein getrostet oder gelabet damit Heinr. v. Burgus
der seele rat 4409; der (
Jesus) ist so milte und ouch so guot, daz er dir trostet wol den muot
schauspiele des mittelalters 1, 83
Mone; (
Christus sprieht:) den geyst will ich dir geben, der dich yn trubnisz trösten soll Luther
bei Wackernagel
dtsches kirchenlied 3, 5; der eure hertzen labet vnd tröstet, steht allhier Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 324
b;
auch von Maria: mirn kume helfe, ich bin verlorn in lange werndiu leit: rôse âne dorn, nû trœste mich! des ist mir nôt und al der kristenheit! bruder Wernher 76, 12
Schönbach; (
Maria sagt:) die mînen ich wol trœsten kan
Kolmarer handschr. 214
Bartsch. II@55)
der heilige geist als subjekt des tröstens, vgl. tröster sp. 983
und trostgeist
sp. 997: theist ther heilego geist,mit thiu er se drosta sidor meist Otfried V 12, 63; der heilig geist wol trœsten kan alle die er wil trœsten Lamprecht v. Regensburg
tochter Sion 706; sende ... deinen h. geist, der sie in aller trübsal ... tröste Moscherosch
insomnis cura parentum 21
ndr.; heilige dreyfaltigkeit, ... tröst auch meine seele wieder durch das evangelium Benj. Schmocke
sämtl. trost- u. geistr. schr. (1740) 1, 8.
vom engel Cherubin: diu liehten ougen ûf dô swanc Vivîanz und sach den œheim sîn, als in der engel Kerubîn trôste an der selben stat Wolfram v. Eschenbach
Willehalm 65, 9. II@66)
trost der heiligen schrift und ähnliches: (
Silveste) troste sie an gottes geboten
passional 68, 57
Köpke; also hat ein itzlich worth gottis die art, das es erschreckt und trostet, schlegt und heylet, tzubricht und bawet Luther 2, 95
W.; wollen die leute widerumb mit dem wort trösten und auffrichten
ders. 34, 1, 62; also sehen wir, wie wir ynn diesem psalm ... reichlich getröst und gereitzt werden ynn der gerechtickeit zu bleiben und das unglück der feinde mit getroster gedult zu tragen
ders. 19, 336
W.; wir trinkend ... die evangelisch leer us dem waren brunnen ... dasz wir dieselben ... den hungerigen seelen usprechind, damit ir wyslosen conscienzen (
ihr ratloses gewissen) getröst und befestet werdind Zwingli
dtsche schr. 1, 38; diese klaren wort Christi stercken rüsten und trösten gnug unser gewissen widder alles gros rhümen und schreien derjhenigen, so zu sich zihen wollen die namen der kirchen J. Jonas
welch die rechte kirche ist (1534) f 4
a; ... sein heilsames tröstliches evangelium ... dadurch vnsere erste eltern ... sint getröstet vnd zu kindern gottes angenommen, daz sie solten selig werden Dedekind
papista conversus (1596) )( 2
b; ich gloub den worten Christi vest, das tröst mich uf das allerbest: 'das rich der himlen ist der armen' Niklas Manuel
v. papst u. s. priesterschaft v. 676
Bächt.; es (
das göttliche wort) tröstet mich in hertzen, ist meine steiffe handthab
bei Fischer-Tümpel 1, 4
b; Habacuc der prophet, tröstet vnnd stercket das volck, dasz die nicht verzweiffeln solten an Christi zukunfft Daniel Schaller
theologischer heroldt (1604)
vorr. 3. II@77)
trost des priesters: alle werdent si (
die armen seelen) getröst und gerichet von disem priesterlichen amt (
das der oberpriester Johannes verwaltet) Tauler
predigten 166, 3
Vetter; solches haben die lieben Apostel wol gesehen, wie der teuffel seinen samen unter die eheleute seet, und wollen die leute widderumb mit dem wort trösten und auffrichten Luther 34, 1, 62, 26
W.; mitler zeit haben wir in dieser kirchen vnseres thuns gewartet, ... zu gottes ehre, vnnd den leuten ... mit straffen, leren, trösten, vermanen trewlich ... geprediget Joh. Mathesius
Sarepta (1571) 136; es sind gewisslich falsche prediger, die lieblich trösten, so doch die leut böss sind
bei Petri
d. Teutschen weiszheit (1604/05) 1, c 3
b; straffen vnd trösten gehört predigern am meisten
ebda 1, f 1
b; ... musz das nicht schöne andacht erwecken, wenn der mund soll trösten, das hertze aber ist voll bittrer galle
d. wohlgeplagte priester (1695) 165; wie ihr (
prediger) mit dem gedanken an ... das ewige leben trösten und aufrichten könnt J.
M. Miller
prediger fürs landvolk 1 (1776) 35. II@88)
besonders in der beichte, beim abendmahl und in der todesstunde: o we gott, wOel ein bittersz trOesten disz ist (
weil der geistliche beistand fehlt). ich klag nit das ich sterben musz. o we ich klag das ich vnbereyt bin zuo sterben
d. ewigen wiszheit betbüchlein (1518) 50
b; do er (
der beichtvater) in seiner guten gewonheit (
wegen seiner gewohnheit) getröst Arigo
decamerone 23, 7
Keller; vgl. auch 26, 16; (
priester zum beichtkind:) last euch speisen und trencken mit dem himmelbrot des wahren leibs vnnd bluets Jesu Christi, vnsers erlösers, so wirdt ewer verwundt gewissen gehailt vnd ewre betrüebte seel getröst erzh. Ferdinand II.
spec. vit. hum. 29
ndr.; (
die tugend spricht zum sterbenden reichen mann:) lasz hollen dir ein priester dort, der dich tröste mit gottes wort! Hans Sachs
w. 6, 169
Keller; dasz der profosz den genandten Haintz Lentzen sol in sein gewarsam führen, vnd so ers begert, ihme ein priester zuordnen, dasz er seine sünd bekenne, vnd durch ihn (
den priester) zu ewiger seligkeit gewisen vnd getröst werde L. Fronsperger
kriegsbuch 1 (1578) b 5
b; herr beichtvater hat gleich ... die kranke besucht vnd getröstet Chr. Fr. Nicolai
reise d. Deutschl. u. d. Schweiz (1783
ff.) 7, 63; er (
der pfarrer) hat sie vor ihrem übergang in jenes leben noch getröstet und gesegnet J.
M. Miller
briefwechsel dreier ak. freunde 1 (1778) 117; die sterbenden auf dem todtenbette trösten ...
d. neueste a. d. anmuth. gelehrsamkeit (1751
ff.) 3, 276
Gottsched. II@99)
zur formel abgeblaszt: II@9@aa)
auf dem übergang zur formel: den mann mag gott trösten, der sich sol sein lebenlang mit vnglück tragen
bei Petri
d. Teutschen weiszheit (1604/5) 2, u 3
a; tröste gott den herrn, den der knecht lehren musz
bei Körte
sprichwörter 205;
formelhaftes gebet: und nach dem essen ... sprich gott sy gelobt, und tröst gott all gloubig selen
d. ewigen wiszheit betbüchlein (1518) 65
b; gott tröstet die liebe seele J. Prätorius
winterflucht d. sommervögel (1678) 357; gott tröst ire seelen Tschudi
chron. Helv. 1 (1734) 188; gott tröste seine seele in alle ewigkeit! Ulr. Bräker
s. schr. (1789) 1, 185; so tröste gott euch, wie ihr mich getröstet! Zach. Werner
theater (1818
ff.) 3, 38; gottlob, dasz ihr körperlich wenigstens wohl seid. gott tröste euren schmerz Moltke
ges. schr. u. denkwürdigkeiten (1892) 6, 277;
ähnlich heute in vielen mundarten. II@9@bb)
feste beifügung bei erwähnung eines verstorbenen: wie noch in diesem jahre (1788) hr. pastor Götze in Quedlinburg, gott tröst ihn! ein sonst guter naturhistoriker, seinen kindern weisz gemacht hat Lichtenberg
verm. schr. (1800
f.) 9, 385; der kaiser Joseph, tröst ihn gott, und der kaiser Franz J. P. Hebel
w. 2, 212
Behaghel; die frau rath, gott tröste sie, kann mich nicht mehr trösten wie einstens Cl. Brentano
ges. schr. (1852
ff.) 5, 17. II@9@cc)
noch isolierter, als interjektion: seyt wolgemut und tröst euch got! Hans Sachs
w. 2, 37
K.; ja, gott tröst! sagte er, dumm ist er wohl Storm
w. (1899) 7, 166; tröst dich gott Rother
d. schles. sprichwörter u. redensarten 265; godd tröst! Dähnert
plattdtsch. wörterb. (1781) 495;
ähnlich mundartlich fast überall zu belegen. IIIIII. trösten
in der noch heute besonders üblichen bedeutung und anwendung; der hauptton liegt in der seelischen stärkung. III@AA.
in bestimmten situationen des menschlichen lebens. III@A@11)
allgemeiner bei verzagtheit und trauer, betrübnis, gram, anfechtung, schmerz, leid, not u. ä.: dô was dem künege starke leit hern Iweines swære und vrâgte wâ er wære (er wold in getrœstet hân)
Iwein 3243; bruoder markîs, trûric man, ich sol dich trœsten als ich kan Wolfram v. Eschenbach
Willehalm 168, 4; dô ich in grôzem jâmer lac und deheiner slahte vreude pflac Wirnt v. Gravenberg
Wigalois 6232; mit meiner hausfrawen, die was mir auch hold und trost mich und sprach: '... gehab dich wol und verzag nit'
städtechron. 2, 129 (
Augsburg); zuo Abrahams diern Agar kam ir engel vnd hat sy irem truebsal getrœsst Berthold v. Chiemsee
tewtsche theologey 159
Reithmeyer; das weis ich aber furwar, wer gott dienet, der wird nach der anfechtung getrOest, vnd aus der trbsal erlOeset, und nach der zchtigung findet er gnade
Tobias 3, 22;
ähnlich Dedekind
d. christl. ritter (1590) a 8
b; de sick suluest trœsten schal, hefft sick balde genoch bedrouet auer all (
wer sich selbst trösten musz, erntet bald viel trübsal) (1575) Husemann
spruchsammlung nr. 19
Weinkauff; leidestu, so wirstu getröstet
bei Petri
d. Teutschen weiszheit 1 (1605) c 6
a; in noth vnd schweren zeiten tröst eins desz andern leidt J. W. Zinkgref
auserl. ged. 9
ndr.; die trawrigen trösten sich mit ihrem weinen, als wie ein krancker mit dem medico Lehman
floril. polit. (1662) 2, 776; dann wem nicht auch trübsal geschicht, derselb darff keines tröstens nicht Wolfh. Spangenberg
anbind- oder fangbriefe (1623) p 3
b; die worte aber seyn die früchte der zungen, ... welche ... die betrübten trösten Butschky
Pathmos (1677) 306; siehst du aber einen andern (
d. h. einen unglücklichen) in solchen tröste nach vermögen betrübnus und gefahr J. Grob
dichterische versuchgabe (1678) 33; die ehrlichen tanten, welche ... jede betrübte trösten Thomas Abbt
verm. w. (1768) 1, 135. III@A@22)
spezieller bei armut, in krankheit, bei besonderem unglück und wirrnissen (
der konkretere sinn in älteren sprachstufen s. I 4 b). III@A@2@aa) vnd (
der abt) in (
den verarmten jungen mann) tröstet, zuo im sprach er hoffen sölt zu got, der in pringen möchte zuo höherm stant dann er ye gewesen were Arigo
decamerone 68
Keller; einer wolt einen so blut edel, aber gut arm war, trösten, ihm zu gemüth führend, dasz er einer von dem aller altisten vnd edelsten aus gantz Thüringer land were Zinkgref - Weidner
teutscher nation ... weisheit 3 (1653) 50; frau Hinkel war sehr traurig, auch sie muszte ... die kleider von Gockels groszmutter anziehen; ... Gockel hatte viel zu ermahnen und (
über die verarmung) zu trösten Cl. Brentano
ges. schr. 5, 25. III@A@2@bb) er (
Marianus Sozimus) ist niemant widerwertig, beschirmpt die waisen, tröst die krancken Niclas v. Wyle
translat. 18
Keller; darnach erst an dein guot gedenckst, welches du lengest hast verschwendt und verthon mit gesellen bösz, der dich kainer inn deiner kranckhait tröst Montanus
schwankbücher 169
Bolte; aber die krancken besuchen, vnnd trösten, gebühret den geistlichen Comenius
ian. aur. (1638) 906; forschet, ob nicht ein arm kranck mensch vorhanden ... seye? dasselbe erlabet mit einem biszlein ... es wird euch nicht arm machen, vnd den ellenden mercklich trösten vnd erquicken Moscherosch
insomnis cura parentum 113
ndr.; man nehme tausend exempel zu hülfe, so wird sich bey allen zeigen lassen, dasz derjenige am sichersten und kräftigst entröstet (
die kranken), der die sicherste und stärkste hoffnung erwecken kann Gellert
sämtl. schr. (1783) 5, 34; indessen ... ist es mir ... hier gleich sehr übel gegangen, in dem ich einen anfall erleiden muszte, von dem ich drey jahre befreyt geblieben ... für den augenblick tröstet mich am meisten die nähe des geheimen hofraths Stark, der mich täglich besucht Göthe IV 20, 329
W.; ... als der verwundete auf die schwelle des hauses geschleift war, reichte ihm der arzt einen trunk, wusch und verband die wunde und sprach ihm tröstend zu G. Freytag
ges. w. 13, 11. III@A@2@cc)
nach verlornem kampf: alsus trôstens mînen muot, er und mîn juncvrouwe
Iwein 792; der sig ist iwer hiute. nu trœst uns armen liute
Parzival 577, 2; er trôste die boten (
die von verlorenem kampf berichten) und 'wir suln diz ungemach sprach: durch got von himelrîche tragen ...'
Livländ. reimchron. 1975
Meyer. III@A@2@dd)
bei sonstigem unglück: ... und bedacht mich mit meiner hausfrawen, die was mir auch hold und trost mich (
über den vermögensverlust) und sprach: ... wir wöllen wol auszkomen; ich will an dem rad spinnen ...
städtechron. 5, 129 (
Augsburg); dise scena ist voller schreckens vnd argkwons, damit Clinia vnd Clitipko begriffen werden, Syrus aber tröstet sie beid (
im gefängnis) Boltz
Terenz deutsch (1539) 66
b;
vgl. ferner 97
a; wo hat er ie ablasz ausgeteilt, dem, der einen armen kranken heilt, ... den gefangnen tröst, den türstigen trenkt Niklas Manuel
v. papst u. s. priesterschaft v. 543
Bächt.; so wollen wir ... vns frewen in dem glück vnd trösten in der pein Simon Dach
in: Königsb. dichterkreis 91
ndr.; viel zu gütig dazu, als ihr verweise zu geben, da sie noch bebte vor nässe, war er bemüht sie zu trösten Zachariä
poet. schr. 1 (1763) 331; dieser arme mann kam schon im anfang seiner gefangenschaft zu ihm, suchte ihn zu trösten und aufzurichten in seinem unglück Pestalozzi
sämtl. schr. (1819) 2, 364; indessen bemühte sich die wache, mich so gut sie wuszte zu trösten und zu stärken Göthe I 43, 349
W. III@A@33)
bei abschiedsschmerz: III@A@3@aa) swen du sehest weinen,dem trœste sînen lîp (
sagt Gunther beim abschied von der heimat)
Nibelungenlied 1459, 3
Lachmann; ähnl. 70, 2; (
die jungfrau tröstet ihre herrin über die trennung von ihrem geliebten) man sach si clæglich uf sten von der juncvrawen trösten Johann v. Würzburg
Wilhelm v. Österreich 9261; er trœstet auch mit worten lind sein ehegemahel vnd das kind, zoh folgends in den krieg hinausz Joh. Spreng
Ilias (1610) 71
b; (
zum von der geliebten entfernten jüngling) o! jüngling, tröste dich und trockne deine zähren. dein schmerz ist grosz; jedoch er wird nicht ewig währen Cronegk
schr. (1766) 2, 33; bei der mutter war die betrübnisz am gröszten man vermochte fast nicht sie zu trösten, doch bei den schwestern und brüdern war, wie ich vernommen, weniger gefahr Kortum
Jobsiade (1799) 1, 35. III@A@3@bb) wâ sol ich nu trœsten holn, muoz ich âne helfe doln nâch minne alsolhe riuwe?
Parzival 547, 25; mich niemand tröst, und ist mein leiden sicher gross, mein herz das wirt geröst Oswald v. Wolkenstein 18, 33
Schatz; da fieng das gut meitlin an zuo weinen vnd gehuob sich fast vbel, ir muoter trost sie vnd sprach ... 'es sin noch vil hübscher studenten hie ...' J. Pauli
schimpf u. ernst 21
Österley; vgl. ferner Montanus
schwankbücher 8
Bolte; Göthe I 11, 298
W.; lass mir das traurige vergnügen ihn (
meinen früheren verlobten) zu trösten. lasz mich ihm sein unglück verkünden, dasz nicht ein fremder ihm sagt, die betrügerin habe sich heute verheiratet Iffland
theatr. w. 1, 29; sollt ich trost bei den genossen suchen? noch kein fröhlicher hat wahr getröstet Mörike
w. 1, 176
Göschen. III@A@44)
besonders häufig beim schmerz um einen verstorbenen: quam menigi thero Judeono er, drostun thar thio suester Otfried III 24, 3; Gêrnôt und Gîselhêrsprâchen 'swester mîn, nu trœste dich nâch tôde,als ez idoch muoz sîn'
Nibelungenlied 990, 2
Lachmann; ferner 1039, 3; hant mit Marien ungehabe (
seid mit ihr traurig) unt gant mit ir hin zuo dem grabe, tröstent si, des bedarf si wol, wan si ist alles leides vol
schauspiele des mittelalters 1, 240
Mone; Rachel bewaint ir súne: vnd sy wolt nit werden getrost wann sy seint nit
erste dtsche bibel 1, 11
Kurrelmeyer; ähnlich 1, 383
und 5, 164; (
der sohn ist im kampfe gefallen) hertzog Naymas tröstet den keyser, seins bestens vermögens, vnnd sprach: ... setzent ewer vertrawen vnd hoffnung zuo got, vnd tröstent die ewren
hertzog Aymont von Dordons süne (1535) b 4
b; weil der todte nu in der ruge (
ruhe) ligt, so ... tröste dich wider vber jn, weil sein geist von hinnen gescheiden ist
Jesus Sirach 38, 24;
ähnlich 1. Mosis 24, 67; ich will nur so viel sagen, dasz ich fast nicht zu trösten war (
tod der frau) Schnabel
insel Felsenburg 60, 21
Ullrich; doch wagts die feder nicht, dich, teurer fürst zu trösten (
über den tod des bruders) Heräus
ged. u. lat. inschr. (1721) 170; doch hat derselben sanfter tod, in dem empfindlichen verlust, mich sehr getröstet und gestärkt Brockes
irdisch. vergnügen (1721/48) 8, 267; was kann, um dich zu trösten, da wir am grabe stehn, wo all dein glück itzt ruht, was kann ich sagen? Lenz
ged. 255
Weinhold; o, lass das trösten, lass das trösten, du geliebtes weib!verwüstet ist meine brust ... mein bruder ist nicht mehr! Grabbe 1, 51
Blumenthal. III@A@55)
in der liebe, fast ganz auf ältere zeit beschränkt; im mittelhochdeutschen '
erhören',
oft in ziemlich konkretem und grob-erotischem sinne bis ins 17.
jh.: owê daz alle die nu lebent wol hânt erfunden wie mir ist nâch einem wîbe und si mir niht den rât engebent daz ich getrœstet würde noch bî lebendem lîbe Reinmar der alte
in: minnesangs frühling 167, 25; mîn klagendez herze ist jâmers vol, diu in iemer weinet daz bin ich, wan er vil sælic man jâ trôste er wol ze lebenne mich (
beglückte mich, als er lebte)
ders. 168, 25; jane kunde niht gesîn in diser werlde schœnerdeheines küneges wîp, den si lobet ze vriunde,der mac wol trœsten sînen lîp (
kann sich freuen, kann glücklich sein)
Nibelungenlied 1090, 4
Lachmann; ich grüeze die ich grüezen sol, dâ ich mit dienste grüezen hol. frouwelîn, ich meine dich, sît du mit trôste trœstes mich
Parzival 715, 4; ich lebt ouch also (
nämlich froh), troste mich ein sælik wip: nach der senet sich min sender lip Konrad v. Landegg
in minnesinger 1, 352
b v. d. Hagen; ir wiplichiu zuht kund in ergetzen swaz hertzen laides letzen im ie gefüget het; ... sus si in zærtlich trost nu ze allen ziten Johann v. Würzburg
Wilh. v. Österr. 16180;
ähnl. 18543; mich tröst dein rosenvarber munt, der löst auff swäres herzen punt (
fessel) Oswald v. Wolkenstein 40, 44
Schatz; trost mich dein mündli wolgevar
ders. 28, 41; erst het ich freude funden alsô trœste ich irn lîp Ulrich v. Eschenbach
Alexander 22292; Paganino sy (
die entführte frau) nit alleine als der arczte (
ihr ehemann) mit worten sunder süssen wercken tröstet Arigo
decamerone 156
Keller; ich hafft vnd hang in hoffnung lang ich werd erlöst von dir getröst sunst kem ich vmb mein leben Forster
frische teutsche liedlein 14
ndr.; ... als du in getröst hast des (
damit beglückt) so ime am liebsten was Montanus
schwankbücher 230
Bolte; darauf ein jüngling bald, nicht ohne gailhafftes lachen, erhaschet eine nymf, da dan halbnackend sie mit küssen trösten beed ihr grosse hitz, schweisz, müh Weckherlin 2, 377
Fischer; o echo, wird ohn dich alleine hinfort mich nimmer trösten keine? Opitz
teutsche poemata 36
ndr. später nur noch gelegentlich, mit altertümlichem nebenton: traun der mann ist neides werth dem sein gott ein weib bescheert ... denn kein kummer nagt den mann den solch weiblein trösten kann grafen zu Stolberg
ges. w. (1820) 1, 29; o liebliches liebchen! wie tröstest, süsze, mich! kommt, flammen der liebe, begrabet selig mich! E.
M. Arndt
w. 3, 171
Rösch-Meisner; III@A@66)
trost der familie und freundschaft: III@A@6@aa)
die mutter tröstet ihr kind: an ir arm sîn houbt ez leinte (
das Jesuskind) und stille swîgent vaste weinte. lieplîch ez sîn muoter trôste, an sînen süezen munt siz kuoste bruder Philipp
Marienleben 3198
Rückert; die muoter troste ir kindt vnd sprach lasz dir es dancknem sein das ewig hymmelreich ist dein Pamphilus Gengenbach 247
Gödeke; ich will euch trösten, wie einen seine mutter tröstet
Jesaias 66, 13; die eltern konnten die verwünschung nicht mehr zurücknehmen, und so traurig sie ... waren, trösteten sie sich doch einigermaszen durch ihr liebes töchterchen
kinder- u. hausmärchen 1 (1812) 158;
ähnlich: die base ... tröstete ihn (
den von der mutter ausgescholtenen sohn) wie nur die Sannel trösten konnte Otto Ludwig
ges. schr. 2, 328.
geschwister oder kinder untereinander: (
der kleine) Jêsus daz kint güetlich trôste (
über den zerbro- und ez von sînem leide erlôste
chenen krug) bruder Philipp
Marienleben 4436
Rückert; (
bruder von der schwester) ûf ir genâde kum ich hie; si hât mich sô getrœstet ie, ich getrûwe ir wol daz si mir tuot dâ von sich hœhert baz mîn muot
Parzival 722, 26;
ganz selten ist im gegensatz zum subst. das trösten der eltern durch die kinder: ich dürfte mit meinem vater ganz ausdulden! gewürdigt seyn, ihn zu trösten und zu ermuntern! die stütze seines reifern elends! der theilnehmer seiner leiden! Gerstenberg
Ugolino 246
Hamil. III@A@6@bb) mich tröst, das ich drey freunde het, bey den ich ein beystand verhofft Hans Sachs 1, 431
K.; ... freunde, welche in seinen trübsalen ihm trösteten, ... Bahrdt
gesch. s. lebens 1 (1790) 26; er schmachtet nach dem tröstenden anblick seines (
freundes) Grandison Wieland 3, 237
akad.-ausg.; nie hört ich eines freundes tröstend wort Körner
w. 2, 13
Hempel; ach, nun heilet seine wunden, ach, nun tröstet seine stunden gutes wort und freundesruf Göthe I 2, 40
W.; (
Lydia) machte mich zu ihrer vertrauten, und dadurch fand ich mich noch einigermaszen getröstet Göthe I 23, 60
W.; so tröstete vielleicht ein freund, ein redlicher und schlichter, mich Platen
w. 1, 128
Redlich; (
er) wuszte immer dem, was trübe klang, eine freundliche wendung zu geben ... tröstete, wo es des trostes bedurfte, nicht wie ein liebhaber, wie ein alter freund, der es bleiben wird Alexis
hosen 1 (1846) 133. III@A@77)
trost des beispiels; lexikalisch: miseris est solatium habere socium calamitatis. wenn das unglück einen nicht allein trifft, tröstet es Spannutius
schreib- u. sprichwörterlex. (1720) 540; sich mit eines exempel trösten
se alicuius exemplo solari Hederich (1729) 2, 3010; gedenkent an die schOenen roten rosen, die nu versenket sint in daz wiselose wesen des gOettelichen abgrúndes ,..., der da heisset ewikeit, und die vor kurtzen ziten eins tistels natur hatten, do sú in disem jamertal bi uns waren. des sond wir uns trOesten, wenne wir sint von sinen gnaden des selben alle tage wartent Seuse
dtsche schr. 433, 3
Bihlmeyer; (
Christus an die jünger:) tröstet euch meines exempels, das die welt mir auch also gethan hat vor euch Luther 28, 471, 15
W.; mein liebe gspiel dein grosz vnrhu, darin du bist, ist mir gemein, tröst dich, dasz du nicht bist allein: wir müssen das der zeit vertrawen, dasz wir die gärten wider bawen Casp. Scheit
die frölich heimfart 15
Strauch; vnnd als sie ... doch schmal gnug tractiert worden, tröstete
d. Faustus seine gäst solcher gestalt: liebe herrn, ihr sehet hie meine geringe tractation, damit solt ir für gut nemmen
volksbuch vom dr. Faust 92
Petsch; man tröstet sich, dasz die geschichte der wissenschaften, ja die ganze geschichte nur dergleichen aufweist Göthe II 8, 362
W.; tröst er sich mit dem hiesigen adel; — wissentlich oder nicht — bei uns wird selten eine mariage geschlossen, wo nicht wenigstens ein halb duzend der gäste — oder der aufwärter — das paradies des bräutigams geometrisch ermessen kann Schiller 3, 375
Gödeke; tröste eure majestät sich mit anderen majestäten. ein königliches wort ist ein ding — ein ding — ein ding — das nichts ist Büchner
nachgel. schr. (1850) 191; Göthe, immer zweifelnd im einzelnen, und im ganzen des rechten weges so bewuszt und sicher, konnte sich an nichts, auch nicht an Schillers mühseligem ringen trösten und zusammenraffen Gervinus
gesch. d. dtsch. dichtung4 5, 457. III@BB.
besondere bedeutungsnüancierungen des neuhochdeutschen gebrauchs unabhängig von bestimmten situationen. III@B@11)
der sinn des wortes geht in die richtung von '
ermutigen', '
ermuntern'
; der gebrauch ist also in der älteren zeit nicht streng zu scheiden von I 1;
vgl. die beiden ersten belege: (
die magd) die frawen nach allem irem vermügen tröstet und stercket daz auf ze nemen das ir got zuo gesant het (
einen andern liebhaber, als den erwarteten) Arigo
decamerone 64, 4
Keller; (
nach dem tod des vaters) Gisippi freund mit ime und Tito (
seinem bruder) waren, in stercken und trösteten, ein weyb zu nemen, ... Montanus
schwankbücher 107
Bolte; sie zittert, und redt forchtsam gar, und da die beicht fast halb ausz war, schweig sie still, redt kein einig wort, der münch trösts, hiesz sie reden fort Sandrub
hist. u. poet. kurzweil 21
ndr.; Äneas hub sein stimm empor, vnd tröstet nach erlittnem schmertzn, seiner gesellen blöde hertzn Spreng
Äneis (1610) 6
b; wenn alte gäul in gang kommen, seind sie nicht zu halten; ein schimmel trabt so wol, als ein rapp: also tröstet (
gut zureden, ermuntern) ein alter ein jungfraw, die antwortet: aber nicht auff der strasz Lehman
floril. polit. (1662) 1, 13; er selbst (
der feldherr) lobte die seinigen ... schalt die kleinmüthigen, tröstete die verwundeten und halff den gefallenen auff Lohenstein
Arminius (1689) 1, 40
b; (
an die ausziehenden soldaten) wer vor euch niederfällt, den hebt mit bruderarmen auf; wer bebt, den tröstet, brüder! nie vergieszt blut, wenn der feind entwaffnet ist! J. A. Cramer
s. ged. (1781) 2, 312;
syntaktisch besonders: da tröstet an unser ohr das vorwärts der hörner Liliencron
sämtl. w. (1896) 1, 113. III@B@22) trösten '
beruhigen', '
beschwichtigen': do sprach der heilge zu ome vnd troste on vnd sprach: erschrig nicht! ich bin sanctus Quirinus, deme du so lange gedinet hast K. Stolle
thüring. chronik 77
lit. ver.; darumb (
über einen bösen verdacht) ward in Thais als bald trösten
Terenz deutsch (1499) 71
a; einige von uns trösteten diese neugierigen haasen (
feiglinge), andre hingegen hatten noch ihre freude daran, sie dapfer zu schrecken, und sagten ihnen: der feind werde spätestens in vier tagen anlangen, und sey ergrimmt wie der teufel Ulrich Bräker
sämmtl. schr. (1789) 1, 159; gute grille, die ... ... mir oft brachte den tröstenden schlaf Herder 26, 32
Suphan; der vater verwies ihr ihre heftigkeit und tröstete sie mit himbeeren Cl. Brentano
ges. schr. (1852
ff.) 5, 29; (
über den schmerz hinweghelfen) nun will er (
der feind) gar den ganzen stamm (
der deutschen eiche) zerhauen, und tröstet dich: 'ich will euch wilde äste zu einem wohlgefügten haus verbauen' Rückert
s. w. 1, 5
Sauerländer. III@B@33) trösten '
erfreuen', '
beglücken': mich trœst ir schœn, ir kiusche unt ouch ir tugende Reinmar v. Zweter 28, 12
Roethe; all meyn gedangken wasen schwer ... vil hayd vnd höltzer fand ich weyt, vnd tröstet mich der summerzeit J. v. Schwarzenberg
der teutsch Cicero (1535) 150
b; wann es ist ie der berg Zion gleich wie ein grünes zweiglein schon, dess sich tröstet das gantze land Hans Sachs 18, 201, 2
K.-G.; so viel zahlte man mir in der münze von Perugia dafür, und ich ging damit meinen armen vater zu trösten Göthe I 43, 125, 29
W.; nun aber friede tröstend wiederkehret, kehrt unser sinn sich treulich nach dem alten, zu bauen auf was kampf und zug zerstört, zu sichern wies ein guter geist erhalten Göthe I 4, 16
W.; die schauspiele ..., mit denen der könig das hartdienende volk tröstete Niebuhr
röm. gesch. 1, 218. III@B@44) trösten '
auskunft, lehre erteilen': wie er si wölte trösten (
was für gute auskunft er geben könne) Johann v. Würzburg
Wilhelm v. Österreich 17253; dann du hast mich getrOestet vnnd deiner magdt freüntlich zuogesprochen
Züricher bibel (1531) 130
a; also vnderweiset vnd trOestet der engel Zachariam von aussen (
wohl ziemlich synonym)
theatr. diabolorum (1569) 39
a; wer recht wol unterscheyden kan, der richtet keinen irrthum
an. sondern lehrt und tröstet recht (
ziemlich synonym)
bei Petri
d. Teutschen weiszheit (1604) 1, g 6
b; anders ists mit bestimmten thatsachen; die sprechen durch sich selbst, sie ermahnen, lehren, trösten Herder 17, 20
Suphan; 'wenn ich auch', sprach er, 'die wahrheit verfehlte, so hat mich doch diese lehre getröstet, und ich kan sie durchaus nicht entbehren' H. P. Sturz
schr. (1779) 1, 144; es ist die lehre, womit ich mich insgeheim tröste Göthe I 37, 159
W. III@B@55)
spezielle bedeutungen, meist mehr konkreter art: die bergmeister sol man nicht mit ercze sunder mit pfennigen trösten (
entlohnen)
bergrecht Wenzels bei Jelinek 726; vnnd ich wil euch auch guotts thuon das ir sOelichs gethon habid so sygind nun euwere hend getrOestet. vnd sind redlich
Züricher bibel (1531) 148
b (
vulgata: confortentur manus vestrae, et estote filii fortidudinis); drumb setz in dar ein sawern tranck, so bleibt der herren keiner langk. dann geh vnd tröst die grobe kind (
bewirten, unterhalten?) vnd luog ob sie schier truncken sind Scheidt
Grobianus v. 2040
ndr.; habt all acht auffs allerbeste sonst werd ich auch sehr vbel trösten (
übel aufspielen, übel lohnen) Gilhusius
gramm. (1597) 73; er (
Gustav Adolf) tröstet sie (
länder und städte) mit freiheit, frid vnd frewd Weckherlin 2, 285
Fischer: du solst heint auff den abend sehen. tröst du die weil nur deine gäst (
unterhalten) Jacob Ayrer 1967
Keller; zwar nimmt die frauen Freia auf, deren namen sie tragen, und die mädchen tröstet das mädchen Gefion (
sich annehmen, betreuen) ..., und mit der verstorbnen sklaven unterkommen wird gott Thor belästigt Dahlmann
gesch. v. Dänemark 1, 33; (
blümchen im morgentau) sanft getröstet von der gottheit sieht es dem tag der freiheit still entgegen segen, Körner
w. 2, 197
Hempel; noch einmal empfing er aus ihrer hand all die tröstenden butterbrote, allein er dankte ganz anders wie vordem W. H. Riehl
gesch. aus alter zeit (1863) 204; dort hockt er jetza im arrest und pfeift — dasz er sein weillang tröst (
sich hinwegtrösten über) Karl Stieler
ged. 2, 28
Reclam; kein tropfen regen, kein tau tröstete das dürre gras Hans Watzlik
d. pfarrer v. Dornloh (1930) 127. III@CC.
eine allgemeinere, weniger fest greifbare bedeutung zeigt das wort in den anwendungen, wo der einflusz des trostes auf das innere des menschen von höheren kräften, erscheinungen, wertbereichen ausgeht, auch wenn der mensch das grammatische subjekt bleibt. die seelische wirkung, die mit dem worte umschrieben wird, kann nach den verschiedensten bedeutungsrichtungen, auf die verschiedensten bedeutungsebenen laufen: der erhöhung oder vertiefung, der weitung und bereicherung oder der stillen sammlung und mäszigung, der seelischen auflockerung wie der festigung, der sänftigung, linderung, besinnung wie der beschwingung und stärkung, der beglückung, der inneren erquickung u. s. w. III@C@11)
trost der natur u. ä.: iemer an dem morgen sô trôste mich der vogele sanc Reinmar
d. alte
in: minnesangs frühling 155, 2; was ausz der lufft den ackersmann mit singen tröstet vnd erfrewet, spricht lieblich eins das andre an vnd wird zu gleichem gleich getrewet Simon Dach
in: Königsberger dichterkreis 20
ndr.; Aurorens liebliche gestalt ist uns ein tröstender prophete Fr. v. Hagedorn
vers. einiger ged. 15
lit.-denkm.; sie wankt zurück, vom mond begrüszt, der mild sein tröstend licht ergieszt Ulrich Hegener
ges. schr. 5, 141; wer je in den schreckniszen der nacht auf den ersten tröstenden morgenstrahl des lichtes gehoffet hatte Herder 6, 10
Suphan; sollt ihr, so laszt uns ruhen, meine süsze, bis tröstend sich das licht des tages naht
Shakespeare (1797) 1, 211; der nachtwind säuselte tröstend durch den wald E. T. A. Hoffmann 10, 28
Grisebach; du heilest den und tröstest jenen, o quell, so hör auch meinen schmerz! Mörike
w. 1, 237
Göschen; die natur in ihrer stillen, reinen, ebenmäszig wiederkehrenden vegetation liegt tröstend und beruhigend als ein gegensatz zu dem moralischen leben des menschen um uns Gervinus
gesch. d. dt. dichtung4 (1853) 5, 114;
bildhaft (
der gegenstand ist nur träger der stimmung): unglückseliger! geh und gehorch! mein mädchen erwart ich; tröste mich, lämpchen, indesz, lieblicher bote der nacht! Göthe I 1, 252
W.; wie lieblich und nützlich ist das krähen des hahnen, dieser treue hausgenosse ... tröstet den wanderer Cl. Brentano
ges. schr. (1852
ff.) 5, 87;
hierher auch: der malerische Nesselgraben mit dem tröstenden blick hinunter auf das stille gewässer des Thumsees L. Steub
wanderungen im bayr. gebirge (1862) 34. III@C@22)
trost des schicksals: denn ich bin des lebens satt, vnd vom trauren kranck vnd matt: ach! wie kan ich haben, freud, eh mich das glücke tröst, vnd vom alten mich erlöst, dasz er wird begraben
Venusgärtlein 20
ndr.; weil es aber scheinet, es habe der hochmuth den höchsten gipfel seiner vollkommenheit erreichet, und hoffart gemeiniglich vorm fall kömmt, so lasse ich mich trösten, dasz dessen untergang vor der thür ruhet Ziegler
asiatische Banise (1689) 93; wie wohl ist mir! ein günstiges geschicke erhört den wunsch und tröstet mich Gottsched
ged. (1751) 1, 301; als krieger muszte er sich mit dem schicksale trösten Archenholz
England u. Italien (1785) 1, 48; man tröstet sich dasz es eben in diesen irdischen dingen immer dasselbe bleibt Göthe IV 28, 121
W.; soll sie heimgehen, und sich trösten über das, was sie nicht ändern kann? dann hätte sie nie geliebt Schiller 2, 368
Göd.; der tröstende inhalt des lebens, den ich gefunden zu haben wähnte, entschwand meinem innern blicke und ich kam mir nun vor, wie ein wirklicher taugenichts, mit welchem wenig angzufangen sei G. Keller
ges. w. 1, 202. III@C@33)
ähnlich, und nicht scharf davon zu trennen trost der zeit: zwar ich sehe schon von weiten, dasz die zeit mich trösten kan Chr. Weise
der grünenden jugend überfl. gedanken 47
ndr.; güterverlust läszt sich ersetzen, über andern verlust tröstet die zeit Göthe I 41, 1, 20, 23
W.; die zeit entschuldigt wie sie tröstet I 23, 38
W.; die sterne haben stunden, die sterne haben runden, und werden abgelöst, drum schildwach sei getröst Brentano
ges. schr. (1852
ff.) 2, 52; (
vom eigenen tode) doch den einen (
seelenschmerz derer, die mich lieben) tröstet die zeit, und den andern (
körperschmerz) musz man früher oder später ertragen fürst Pückler
briefw. u. tageb. (1873) 3, 263. III@C@44)
trost der unsterblichkeit (
berührt sich gelegentlich mit dem religiösen gebrauch des wortes): (
gefangene christen werden von Türken erschlagen) und do er sach die grossen rach die do geschach, schrey er auff mit heller stym und tröstet die ritter und knecht, ... und sprach: 'gehabt euch wol, alle ritter und knecht, wenn unser plut heutt vergossen wirdt von cristenliches glauben wegen, wann wir ... himmelkind sind vor gott' Schiltberger
reisebuch 6
lit. ver.; müssen wir nicht vielmehr glauben, dasz die freunde der ältern religion ... sich mit einer hoffnung trösteten, die nur ihnen reizend und richtig seyn konnte? Gerstenberg
schlesw. literaturbriefe 257, 7
lit.-denkm.; der alte Voltaire fährt noch immer fort, sich über die sterblichkeit seiner seele durch die unsterblichkeit seines namens zu trösten J. A. Cramer
der nord. aufseher (1758) 1, 146; sie besitzen keine gattin, die ihnen trost einspricht ... keine kinder, deren anblick ihnen noch im tode den tröstenden gedanken einflössen würde: ich sterbe nur zur hälfte; diese sind mein ebenbild, mein fleisch und blut!
theater der Deutschen (1768) 14, 235; so (
mit dem gedanken, dasz gott dem menschen eine seele gegeben hätte) sucht ich ihn oft zu trösten, ob ich gleich selbsten an der unsterblichkeit der seele in mancher düstern stunde zweifelte Schubart
leben und gesinnungen 1, 233;
vgl. auch briefe bei D. Fr. Strausz
w. 8, 37; (
an Bellarmin über den tod Diotimas) ich tröste mein herz mit allerlei phantasien, ich reiche mir manchen schlaftrank; und es wäre wohl gröszer, sich zu befreien auf immer Hölderlin
ges. dicht. 2, 115, 35
Litzmann. III@C@55)
trost des selbstbewusztseins: da ein schriftsteller sich musz gefallen lassen, dasz so manches wunderlich genug genommen und beurtheilt wird, so findet er sich freylich sehr getröstet, wenn seine arbeit einmal bey einem gebildeten individuo als naturprodukt wirkt, und zwar in seiner ganzen breite und tiefe Göthe IV 12, 37
W. (
v. j. 1797); aber der gedanke, dasz er zum prinzen geboren sei, stärkte ihn wieder, so dasz er getrösteter seinem ziele entgegen ging W. Hauff
s. w. 4, 89
Cotta; während seine stirn tröstend ein lorbeerkranz überschattet Fouqué
gefühle, bilder (1819) 1, 179; 'warum trage ich nicht das weisze gewand?' frug Immo zornig, 'andere, die noch jünger sind in der klosterschule, werden dadurch doch ein wenig getröstet' G. Freytag
ges. w. 9, 17. III@C@66)
trost des guten gewissens, erfüllter pflicht u. ä.; lexikalisch: ich tröste mich meines guten gewissens Kramer
teutsch-ital. 2 (1702) 1151; Kirsch
cornucop. 2 (1713) 347; er tröstet sich mit seinem guten gewissen
consolatur se sua conscientia Hederich
dtsch-lat. 2, 3010; das edle bewusztsein erfüllter pflicht tröste mich Gaudy
s. w. (1844) 2, 57. III@C@77)
trost der musik, der poesie, der kunst, der wissenschaft: (
eine himmlische erscheinung fragt einen kranken, warum er nicht fröhlich singe) gehab dich wol, bis frOelich, dir wird nit! du wirst noch ein sOelich gesang tnde, da von got in siner ewikeit wirt gelopt und menig lidender mensch getrOestet Seuse
dtsche schr. 69
Bihlmeyer; vnnd wissend, dasz all ewere künst, lehr, doctorey, bücher,
etc. euch nicht so viel trösten noch zusagen mögen, dasz ihr ein vrtheil mit warheit im harn sagen köndten Paracelsus
op. 1 (1616) 142
c Huser; die philosophie ... hat sich selbst gefürchtet mich zu trösten, ich habe mich ohne weitere zerstreuung meinem schmertz gantz überlassen, ..., weil mir meine philosophie so viel sagte, dasz auf diese weise die empfindung bald stumpf wird Lichtenberg
briefe 2, 45
Leitzmann (
v. j. 1782); musik tröstet und labt das herz mit himmlischem tranke Herder
w. 15, 317
Suphan; und gott hat es aus liebe zum menschengeschlechte so geordnet, dasz wir uns durch freudige melodien, und durch helle gesangsweisen, über das menschliche elend trösten sollen Schubart
ästhetik d. tonkunst 349; mit feinem gefühl ist in dem wehmüthigen D-moll quartett das tröstende andante ... leicht gehalten O. Jahn
Mozart (1856
ff.) 4, 86; genug, ihr meine deutschen brüder, ir würdet gott preisen, der den einsamen tröstet und ihm gesang gibt Schubart
s. ged. (1825) 1.
vorbericht viii; bösen felsweg auf und nieder trösten Hafis, deine lieder Göthe I 6, 6
W.; wenn dann aber ein stümperhafter maler und ein schlechter poet sich damit trösteten, dasz ihr inneres voll hoher ideale sey Hegel
w. (1832
ff.) 6, 279; tröstender, aufweckender gesang hat auch den Griechen im gröszten elende nicht gefehlt J. Grimm
kl. schr. (1864
ff.) 4, 199; das lied tröstet über die lange arbeit hinweg K. Bücher
arbeit und rhythmus4 (1899) 94; bei der einzelarbeit wirkt der gesang wenigstens tröstend und ermunternd oder unterhaltend
ebda 431; die wissenschaft tröstete ihn (
Haupt) nur halb über den undank seiner mitbürger Scherer
kl. schr. 1, 113. III@C@88)
verschiedenartige abstrakta als subjekt des tröstens: die zeit tröstet, der leichtsinn tröstet, die vernunft tröstet, das träumen tröstet, der wechsel tröstet Pestalozzi 9, 480
Seyffarth2; mir wære doch daz leben swære, trôste mich ein anderz liebez trœsten (
hoffnung) niht; wan ich weiz diu inren mære, daz die lieben nieman wan in êren siht. vrô mich doch ein trœsten tuot; lîde ich nôt an mînem lîbe mit gedulde, dast mir an der sêle guot Heinrich v. Frauenberg
in minnesinger 1, 96
b v. d. Hagen; jâ mîn stætiu zuoversiht trœstet mich und anders niht meister Alexander
bei Bartsch
liederdichter 287; und vor andrem tröstet sie der ellenden gemüt mit hoffnung gelükes Stainhöwel
de claris mulieribus 223
lit. ver.; ihr (
der weisheit) mund ist süsz und tröstet schön, wann uns die augen übergehn; Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 417
b; hoffnung tröstet vnd erhelt viel trawrige hertzen
bei Petri
d. Teutschen weiszheit (1604) 1, 4
b; könt ein trost mich trösten; er wäre, dasz Klopstock
oden 2, 73
Muncker-Pawel; hier tröstet keine hoffnung, auf unschuld, auf ruhe des gewissens, auf unbeflecktes leben Klinger
w. 4 (1809) 29; kein tröstendes licht über die rechte der menschen, weder in bürgerlichen noch in politischen verhältnissen Schiller 4, 101
Gödeke; (
das mitleid ist angeredet) neigest dich mit leisem trösten in der schwermut dumpfes ohr Salis
ged. (1793) 12. IVIV.
abgeblaszter gebrauch; jede tatsache, jeder gegenstand, jede handlung kann subjekt des tröstens sein, und je nach der situation kann der begriff des verbums an gehalt gewinnen oder verlieren. meist ist der eigentliche inhalt des trostes durch einen satz ausgedrückt; eine scheidung der verschiedenen bedeutungsnuancen ist unwesentlich. einen bezeichnenden unterschied berührt schon Eberhard: '
also ist aufrichten
und trösten
verschieden nach dem grade der betrübnisz ... und ... nach der grösze der übel ... man wird sagen, dasz man einen, der einige thaler verlohren hat, über diesen verlust zu trösten,
aber nicht, dasz man ihn darüber aufzurichten sucht'
synonymik 1 (1795) 178. IV@11) si sprach 'hêrre, ir sult beginnen vreud mit vreuden schalle: hêr, das trœst uns alle'
Parzival 662, 6;
ähnl. 266, 9; 'si tuot, si entuot, si tuot, si entuot, si tuot.' swie dicke ichz tete, sô was ie daz ende guot. daz trœstet mich: dâ hœret ouch geloube zuo Walther v.
d. Vogelweide 66, 12; 'sît hînaht hie, sît morgen dort', waz gougelfuore ist daz! 'ich bin heime' ode 'ich wil heim' daz trœstet baz
ders. 31, 30; dann ist es nach der fasznacht gricht, da bschend vil närrscher stucken vnd acht man gar nit vmb ein schuo, das soll mich billich trösten, ob es joch schon gat närrisch zu, so schetz mans nit zum bösten Hans Rudolf Manuel
weinspiel v. 32
ndr.; dise aber trösten ir gewissen mit Christus wort, da er spricht: seit klug wie die schlangen
M. Ambach
von tantzen (1543) b 1
a; darzu tröstet mich darneben, das ich gantz vnuerschult von den dreyen fürsten verjagt bin Hartmuth v. Cronberg
schr. 114
ndr.; wasz mich trost ist, dasz ich nicht fürchten darff, ma tante zu überleben, sondern eher sterben werde Elisabeth-Charlotte
briefe 2, 293
Holland; wiewol es mir keine ehr ist, dasz mich die reichschurfürsten der keyserlichen würden entsetzt, so tröstet mich doch daz, dasz sie gleich wol noch bey vnserm geschlecht bleibt Zinkgref
apophthegmata (1628) 54; es (
das gold) stärcket das hertz, erquicket die matten, tröstet die kleinmüthigen Harsdörffer
frauenzimmergesprächsp. 1 (1641) f 1
b; gewann ich immer nicht am meisten mit dir, wenn ich verlor?wenn hast du mir den satz, mich des verlornen spieles wegen zu trösten, doppelt nicht hernach geschenkt? Lessing 3, 40
Lachmann-Muncker; ... das kann euch trösten, die ganze stadt, das ganze land sind von eurer heiligkeit, eurer ... strenge überzeugt Klinger
w. (1809
ff.) 3, 101; das einzige was mich tröstet, ist die überzeugung, dasz neigungen dieser art nur scheinbar sind, dasz ein selbstbetrug dahinter verborgen liegt Göthe I 24, 263
W.; so eben als ich schlieszen will, fällt ein starker schnee und tröstet mich einigermaszen, dasz ich in der nächsten woche die herrliche aufführung der ... passion nicht mitgenieszen kann
ders. IV 29, 84; denn gerade das musikalische wesen eurer charwoche hatte ich lange zu verehren und zu genieszen gewünscht ... um mich aber wirklich rein auszusprechen, so tröstet michs, wenn ich dir sage: bist du recht ehrlich gegen mich gesinnt, so wirst du mich nicht einladen nach Berlin zu kommen
ders. IV 29, 90, 1; Maria Stuart sasz da gefangen, in einem alten Douglas-schlosz mitten im see, und ... wenn sie ... irgend etwas getröstet haben kann, so müssen es die lachsforellen gewesen sein Fontane
ges. w. I 4, 303; über das kommen mancher leute tröstet uns nichts als — die hoffnung auf ihr gehen Marie v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. 1, 29; das, was die alte dame allein bei solchen befürchtungen zu trösten vermochte, war die erkenntnis, dasz Klara ihren bräutigam wirklich liebte W. v. Polenz
Grabenhäger 1, 25. IV@22)
reflexiver gebrauch: bî den liuten nieman hât hovelîchern trôst denn ich: sô mich sende nôt bestât sô schîne ich geil und trœste selben mich Walther v.
d. Vogelweide 116, 36; das ist denn proprie melancholia, das einer also mit den gedancken irr gehet und wolt sich gern trosten Luther 31, 1, 306
W.; derowegen so ist mein will, dasz Juliana meine vertrawete durch das fewer der versuchung gehe ... im fall es vmschlagen solte, so kan ich mich doch trösten, dasz ich meinen begierden ein gnügen gethan
schausp. d. engl. komödianten 263
Creizenach; ach ja, liebe frau mutter, tröstete sich Lorangy, ich habe es sattsam verspühret, dasz sein gemüthe durch meine anmuth so sehr, als der leib verwundet sey Ziegler
asiat. Banise (1689) 158; wenigstens ich werde mich über den verlust dieser drey philosophischen universalrecepte trösten lassen Rabener
s. w. 2, 92; man ... tröstete sich mit den ersparten vierhundert goldgulden, ... Klinger
w. (1809
ff.) 3, 72; Faust tröstete sich, durch eine gute handlung die sündige nacht versühnt zu haben
ders. 3, 108; freute mich immer mehr des nutzens der menschenfreude, die ich durch meine schrift zu veranlassen hoffte, und tröstete mich damit gegen die beschwerlichkeiten und lasten, die ich mir selbst aufgelegt hatte Lavater
physiognom. fragm. 1 (1775) 12.
auszerordentlich häufig und beliebt bei Göthe,
neben rein phraseologischem gebrauch öfter auch wieder die neigung, den gefühlsgehalt des verbums zu verstärken: wir trösten uns miteinander, indem wir in unserm Auerbachs hofe ... sitzen, und ... über die Leipziger lachen IV 1, 82
W.; der druck meiner hefte geht fort; zu gutem vorrath kommt noch einiges glück, und so tröst ich mich in meinem leiden (
katarrhalischer zustand) IV 37, 268; dabey wollen wir uns trösten, dasz das beste uns nichts hilft, wenn wirs nicht verstehen IV 21, 49; doch kann und musz man sich über alles trösten, da es am ende doch auch ganz vortreffliche menschen gibt IV 38, 13; wer wagt es, ihn (
den einsamen liebenden) beglückt zu nennen? und wird er wohl sich trösten können, weil eine sonne ihn und sie bescheint? I 16,160; du gingst vorüber? wie! ich sah dich nicht; ... doch tröst ich mich und du verzeihst mir gern, entschuldigung wirst du mit freude finden; ich sehe dich, bist du auch noch so fern! und in der nähe kannst du mir verschwinden I 4, 31; ihre eigne schranken hat die menschliche natur, seine eigne jedes individuum. über jene wollen wir uns wechselweise trösten Schiller 4, 54
G.; vgl. auch 10, 337; Jenny und Laszberg ... trösten sich nur damit, dasz du die tour wohl bald mal wieder unter besseren umständen machen würdest Annette v. Droste-Hülshoff
briefe 71
Schücking; (
die bauern) trösteten sich in bangen stunden oft damit (
mit den worten eines alten bauern, es würde schon alles werden) Gotthelf
erlebnis eines schuldenbauers (1854) 36; er tröstete sich indessen mit der aussicht, nun jedenfalls ein vierteljahr nicht malen zu müssen, und das wetter ausspähend, ob es gute jagdtage verspreche, machte er sich zum vierten mal auf den weg G. Keller
ges. w. 2, 165. IV@33)
häufig begegnet in dieser allgemeinsten bedeutung die wendung sich nicht trösten (lassen): (
Tobias' vater tröstet seine mutter) sy aber wolt sich nit lassen trösten, sund täglich wütschet sy auf, luoget vmb, vnnd gieng umb alle wäg, da sy meint das er här soll kommen
Züricher bibel (1531) 1, 294
a; min seel hat sich nit wollen trösten lassen, und ich gedacht an gott: da han ich lust funden Zwingli
dtsche schr. 1, 38; derhalb lieff er (
Augustus) mit dem kopff vor onmut wider ein wandt, als Quintilius Varus das heer verfüret ... klaget die erschlagnen vnd wolt sich nicht trösten lassen Seb. Franck
Germ. chron. (1538) 16
b; es sprachen trost, die um mein bette saszen; lieb weibel grämte sich, ging auf und ab, wollt sich nicht trösten lassen und weinte bitterlich Matthias Claudius
w. 191
Behrmann; da fieng sie (
die königstochter) an zu weinen und weinte immer lauter und konnte sich gar nicht trösten
kinder- u. hausmärchen 1, 1; wie ist der menschen treiben mir zuwider! aus ihrem frohsinn saug ich lauter schmerz. vergebens sing ich trost durch meine lieder denn ach! nicht trösten läszt sich dieses herz Hoffmann v. Fallersleben
ges. schr. 1, 15; wilde kinder lassen sich nicht trösten
bei Fischer
schwäb. wb. 2, 406. IV@44)
in imperativischer form, nur noch selten mit abhängigkeit eines satzes oder einer präpositionalen verbindung. in älterer zeit noch mit stärkerem bedeutungsgehalt: trôstet hiu, gisellion, mîne nôtstallon
Ludwigslied 32; daz bedenket, liebiu swester, unt trœstet iweren muot
Nibelungenlied 1022, 3
Lachmann; edele frawe tröst euch seyt guotz mutes Arigo
decamerone 121
Keller; darumb schlag von dir alle schwere gedancken, leb frölich, trOest dich Montanus
schwankbücher 111
Bolte; ähnl. 113; ihr rührt mich, rief ein weib den beiden wittwen zu; doch tröstet euch; ich kann euch rächen Pfeffel
poet. versuche 10, 169;
ähnl. Gottl. Stephanie
s. lustsp. (1771) 38; tröste dich alter, du wirst ihn nimmer an die brust drücken Schiller 2, 24
G.; tröste dich mutter
ders. 14, 111; trösten wir uns damit, dasz der gute Muratori im achtzehnten und nicht im neunzehnten jahrhundert schrieb Fr. Th. Schubert
verm. schr. (1823) 3, 251; tröstet euch, gnädige frau! Göthe I 8, 147
W.; was die persönliche haftbarkeit angehe, so tröste er sich mit dem worte: ultra posse nemo obligatur Bismarck
polit. reden 1, 31
Kohl; trösten sie sich — wird auch vorübergehn! Bauernfeld
ges. schr. 1, 15; 'der herr bekommt eine predigt!' rief sie ihm auf dem korridor entgegen, als er denselben entlang schritt, 'aber trösten sie sich' Gottfried Keller
ges. w. 6, 173; tröste dich, wie du kannst Marie v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. 4, 97;
mundartlich: trösten s ihna
lassen sie es gut sein Jakob
Wien 196; trös
t di
ch mit mir Martin-Lienhart
elsäss. 2, 766. IV@55) sich trösten '
sich abfinden mit': der selbe meister vregit auch warumme die relacien undirscheit machin undir den personen und nicht in deme wesine. da antwortit Hilarius zu: 'ich enweiz ez nicht; ich inkan ez nicht, doch wil ich mich troistin, wan di engle wizzins nicht
paradisus animae intellig. 68, 37
Strauch; schint man den ungetriuwen schalk, ich trœste mich der leide Rumezlant
in: minnesinger 3, 68
a v. d. Hagen; ach miniu lieben kint, nu trOestent uns mit der armuot, die wir haben, bis daz der liehte morgensterne werde uf gende Seuse
dtsche schr. 432, 22
Bihlmeyer; das recht daselben (
an einem hof mit schlechten räten) übel gat, paide mit urtail und geding, so hat das recht ain misseling und darff sich niemand trösten slecht (
etwa '
braucht sich niemand einfach damit zufrieden zu geben'
oder '
kann sich keiner ohne weiteres [
darauf]
verlassen') Oswald v. Wolkenstein 293
Schatz; sprichwörtlich: es musz sich einer mit dem andern trOesten
bei Petri
d. Teutschen weiszheit (1604/05) 2, C c 4
a. (
als beruhigung zu einer gefangenen:) tröstet euch nur in diesem allen, denn ich schwere bey dem gott Pann, das ... ihr nicht das geringste wiederfahren sol
schausp. d. engl. comödianten 195, 22
Creizenach; (
vater und sohn lieben dieselbe frau, die sie verläszt) mein sohn, jünger als ich, wird sich trösten können Göthe I 24, 85, 19
W.; aber wenn du (
der zivilisierte mensch) über das verlorne glück der natur getröstet bist, so lasz ihre vollkommenheit deinem herzen zum muster dienen Schiller 10, 442
G.; wan ich denke, dasz der Mailänder Ulphilas in fünf jahren gedruckt sein kann und eine menge von zweifeln heben wird, so tröste ich mich über mein jetziges herumtappen in vieler finsternisz Jacob Grimm
bei Görres
ges. briefe (1858
ff.) 3, 16; die Kirch-Göritzer müssen sich eben damit trösten, dasz (
bei ihrem schulmeister) jede stunde, die ihrer stadtschule verloren geht, der romantischen schule zugute kommt Fontane
ges. w. I 1, 232; die kantische philosophie schien am leichtesten überwältigt, wenn man sie für ein unterirdisches labyrinth erklärte, der französische vernunftgötze am besten ignoriert, wenn man sich bei dem persönlichen gotte der christen tröstete Gervinus
gesch. d. dtsch. dichtung (1853) 5, 252; (
der sohn will das haus heimlich verlassen, um die vom vater ausgesuchte frau nicht heiraten zu müssen) mein vater wird klagen, und sich hernach trösten Klinger
w. 1, 167. IV@66) trösten '
ersatz bieten', '
entschädigen': Lazarus hat vil bOeses empfangen, des muosz er yetz getrOestet sein
Schweiz. schauspiele d. 16. jh. 1, 39, 60
Bächtold; hertzog Carlen zu MOensterberg ist ein junger hertzog Henricus Wenceslaus II geboren, ist also gegen abgang des eltesten sohns, hierdurch getrOestet worden Heinrich Rätel
Joachimi Curäi chronica d. herzogt. Schlesien (1607) 506; das unsterbliche lob musz die eile der sterblichkeit trOesten S. v. Birken
ostländ. lorbeerhayn (1657) 3
b; gesetzt, Rom ist der sieg, und uns der tod gewisz: ein andres leben folgt, und tröstet uns für diesz Gottsched
dtsche schaubühne 4, 27; ohne dasz der beytritt einiger neuen mitglieder sie für wirklichen verlust ... mit hoffnung tröstete A. G. Kästner
verm. schr. 1 (1755) 49; ich kannte zu Athen ein junges frauenzimmer, welches die natur wegen der häszlichkeit ihrer übrigen figur durch sehr artige füsze getröstet hatte Wieland
Agathon 1 (1766) 71; die holde abendröthe tröstet uns über den kurzen verlust der sonne Fr. Th. v. Schubert
verm. schr. (1823) 3, 39; ihre briefe und nachrichten ... freuen mich und die freunde gar sehr, fahren sie fort uns auf diese weise über ihre abwesenheit einigermaszen zu trösten Göthe IV 10, 164
W. (
v. j. 1794).
in engerer verbindung mit der bedeutung 5: Ismene aber tröstet sich, über den verlust ihrer krone, mit dem prinzen Agenor Joh. El. Schlegel
w. (1761
ff.) 3, 191;
auch umgangssprachlich und mundartlich: i
ch tröst
e mi
ch mit ander
en leut
en Fischer
schwäb. 2, 406. VV.
das participium passivi, gelegentlich selbständig adjektivisch gebraucht, bedeutet in älterer zeit '
entschlossen', '
fest', '
mutig', '
vertrauensvoll',
in jüngerer geht die bedeutung oft in die von '
froh'
über (
vgl. das adj. getrost): er (
der papst) kans auch wissen durch hören sagen, wie seine widerwertige (
widersacher) so gar wol getröstet und bereit seind, ire religion und lere mit gutem beständigem grundt ... zu vertädigen Sleidan
reden 54
lit. ver.; Machaon (
arzt) der trat mitten ein, den könig (
dem verwundeten Menelaus) hiesz getrOestet sein, erstlich den pfeil er an der stett bald ausz der grtel ziehen thet Joh. Spreng
Ilias (1610) 43
b; so gedenken wir aufs erste feuer in die stadt zu schieszen und so sind wir herrn Schwentipol und euer aller getröstet, was uns darob kommen solte oder mag Matthias Waissel
chron. alt. preuss., lifflend. u. churlend. hist. (1599) 69
a; so ist noch erweislich war, das ich dreymahl an dich geschriben, und in getrösteter gutten abgewehrung (
in vertrauensvollem warten?) der antwort darauf sehnlich erwartet Butschky
hd. kanzelley (1666) 1, 63; sie brachten aber den knaben lebendig, und wurden nicht wenig getröstet
apostelgesch. 20, 12; ach, lieber son, nun sey getröst, ich hoff, du solt werden erlöst durch meinen trewen hilff und rath Hans Sachs 17, 117
Keller-Götze; ... so betrete nie ein mann dies ufer, dem der schnelle blick hülfreicher liebe nicht begegnet, und getröstet scheide jeglicher hinweg! Göthe I 10, 91
W.; ähnl. I 22, 54; die mütter, die ihre kinder um sich sahen, schienen getröstet (
beruhigt) Göthe I 25, 48; Hali-Jong ... erfreut über des bruders getröstete rede (
zuversichtliche), ritt einige schritte vorwärts Gutzkow
ges. w. 6, 158.