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Tinte

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Meyers
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Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Tinte

Bd. 19, Sp. 561
Tinte (v. ital. u. span. tinta, »Farbe«, v. lat. tingĕre, färben), jede zum Schreiben mit der Feder bereitete Mischung. Schreibtinte muß dünnflüssig sein, ohne zu leicht aus der Feder zu fließen, sie darf keinen Bodensatz bilden und nicht dickflüssig, gallertartig werden. Auf der Feder muß sie zu einem firnisartigen Überzug, nicht zu einer bröckligen Masse eintrocknen. Sie darf das Papier nicht mürbe machen, mit dem Alter nicht vergilben, auch die Feder nicht angreifen. Das Schimmeln läßt sich durch eine Spur von Karbolsäure verhindern. Da T. nur unter dem Einfluß der Luft verdirbt, so verdienen Tintenfässer den Vorzug, welche die Berührung der T. mit der Luft möglichst beschränken, wie die artesischen. Diese enthalten einen eingesenkten Trichter, in den immer nur eine sehr geringe Menge T. eintritt, während der Vorrat von der Luft fast vollständig abgeschlossen ist. Auch verschlossene Tintenfässer mit vom Boden seitlich emporsteigendem Halse sind empfehlenswert. Früher benutzte man Tinten aus Ruß (oder einem Farbstoff), Gummi und Wasser, die mit dem Pinsel aufgetragen wurden. Seit dem 3. oder 4. Jahrh. bereitete man eine unsrer alten Gallustinte ähnliche T. Die alte schwarze Galläpfeltinte (Gallustinte) besteht aus einer mit Eisenvitriol versetzten Abkochung von Galläpfeln und enthält gerbsaures und gallussaures Eisenoxydul und Eisenoxyd. Die Eisenoxydsalze sind unlöslich, daher in der T. nur suspendiert und werden durch den Gummigehalt der T. schwebend erhalten. Wenn die Eisenoxydulsalze an der Luft vollständig in Oxydsalze verwandelt sind und sich zu Boden gesetzt haben, so ist die T. unbrauchbar geworden. Das Nachdunkeln beruht auf der Umwandlung der Eisenoxydulsalze in schwarze Eisenoxydsalze. Mit der Zeit aber wird die Gerb- und Gallussäure der letztern durch den Sauerstoff der Luft ebenfalls oxydiert, und die Schrift vergilbt, indem nur Eisenoxyd zurückbleibt. Die neuern Gallustinten enthalten nur gerbsaures und gallussaures Eisenoxydul. Vorbild derselben war die 1855 von Leonhardi in Dresden erfundene Alizarintinte. Man bereitete sie zuerst mit einem Auszuge von Galläpfeln und Krapp (daher der Name), dem Indigolösung, schwefelsaures und holzessigsaures Eisenoxydul zugesetzt wurde. Später ließ man den Krapp fort, ersetzte auch die Indigolösung durch andre saure Flüssigkeiten und färbte die T. mit kleinen Mengen verschiedener Anilinfarben, damit sie hinreichend farbig aus der Feder fließe; das Nachdunkeln findet durch Oxydation erst auf dem Papier statt. Kanzleitinten erster Klasse sind Gallustinten mit mindestens 30 g Gerb- und Gallussäure und 4 g Eisen im Liter. Eine klare Abkochung von Blauholz oder eine Lösung von Blauholzextrakt mit wenig Soda, dann mit chromsaurem Kali versetzt, gibt eine schön blauschwarze, gut fließende T., die schnell trocknet und die Federn nicht angreift. Blauholztinte ist sehr billig (daher häufig Schultinte), eignet sich auch gut zum Kopieren, doch lassen sich die Schriftzüge leichter vom Papier entfernen als die der Gallustinten. Anilintinten sind Lösungen von Teerfarbstoffen mit wenig Oxalsäure, Gummi oder Zucker. Sie liefern viel weniger haltbare Schrift als Gallus- und Blauholztinten, eignen sich aber gut zum Kopieren und sind sehr billig. Kopiertinten müssen mehr Farbstoff enthalten als gewöhnliche Tinten, auch versetzt man sie mit mehr Gummi und etwas Glyzerin. Völlig unauslöschliche Tinten gibt es nicht. Auf einem mit Ultramarin gebläuten Papier liefern aber schon viele unsrer gewöhnlichen Tinten große Sicherheit, weil ihre Säure das Ultramarin zerstört und die Schriftzeichen daher auch nach Entfernung der T. sichtbar bleiben; auf Papier, das mit Ultramarin und Chromgelb grün gefärbt ist, genügt jede T., da man die Schriftzüge auf keine Weise mit chemisch wirkenden Mitteln entfernen kann, ohne einen der Farbstoffe zu zerstören. Die T., mit der die Nummern in die preußischen Staatspapiere eingeschrieben werden, ist schwach angesäuerte Galläpfeltinte und enthält noch salpetersaures Silber und chinesische Tusche. Es ist unmöglich, auf dem genannten grünen Papier mit dieser T. Geschriebenes unbemerkbar zu vertilgen. Ist auf weißem Papier Geschriebenes ausgelöscht worden, so gelingt es oft, die Schriftzüge wieder hervorzurufen, wenn man das Papier in ganz schwache Salzsäure taucht und dann in eine konzentrierte Lösung von gelbem Blutlaugensalz legt. Enthielt die T. auch nur wenig Eisen, so treten die Schriftzüge blau hervor. Als rote T. benutzte man früher eine mit Gummi versetzte Lösung von Karmin in Ammoniak oder einen mit Sodalösung bereiteten, dann mit Weinstein und Alaun versetzten Cochenilleauszug, dem noch etwa Gummi und Alkohol zugesetzt wurde, gegenwärtigs fast nur Lösungen von Teerfarbstoffen (besonders Eosin). Als blaue T. dient eine mit Gummi versetzte Lösung von Anilinblau oder Indigkarmin. Auch eine Lösung von Berlinerblau hält sich sehr gut und greift die Stahlfedern nicht an. Violette T., unter verschiedenen Namen im Handel, ist eine Lösung von Teerfarbstoffen; grüne T. erhält man durch Lösen von Jodgrün in Wasser, sie ist leuchtend blaugrün und kann durch Pikrinsäure nuanciert werden. Gold- und Silbertinte ist eine Mischung von Gummilösung (die etwas Wasserglas enthalten kann) mit Blattgold oder Blattsilber, das auf einer Porphyrplatte mit Honig zerrieben, ausgewaschen und getrocknet wurde. Sympathetische Tinten sind Spielereien, da alle mit ihnen ausgeführten Schriftzüge sichtbar werden, wenn man das Papier stark erhitzt oder mit Kohlenpulver reibt oder mit verschiedenen Reagenzien prüft. Verdünnte Kobaltchlorürlösung gibt unsichtbare Schriftzüge, die beim Erwärmen blau werden und beim Erkalten wieder verschwinden. Enthält die Lösung auch Nickelsalz, so werden die Schriftzüge grün. Schriftzüge mit verdünnten Lösungen von Blei- und Quecksilbersalzen werden durch Schwefelwasserstoff braun oder schwarz, solche mit Kupfervitriollösungen durch Ammoniak schön blau, solche mit Blutlaugensalzlösung auf eisenfreiem Papier durch Eisenoxydsalze blau, solche mit Eisenchloridlösung durch Rhodansalze rot. Beachtung verdienen solche Tinten für den brieflichen Verkehr mit Postkarten. T. zum Zeichnen der Wäsche muß der wiederholten Einwirkung von Seife, Alkalien, Chlor und Säuren widerstehen. Silbertinten liefern recht dauerhafte Schriftzüge, die aber zuletzt auch braun werden und verblassen. Man mischt eine Lösung von Höllenstein (salpetersaures Silber) in Ammoniak mit einer Lösung von Soda und Gummi in destilliertem Wasser und erwärmt die Schriftzüge mit einem Plätteisen, bis sie vollständig schwarz geworden sind. Sehr empfehlenswert ist auch Anilinschwarz (Jetolin etc.). Waren, die der chemischen Bleiche unterworfen werden sollen, stempelt man mit einer innigen Mischung von Eisenvitriol, Zinnober und Leinölfirnis. Auf Weißblech schreibt man mit einer Lösung von Kupfer in Salpetersäure und Wasser. Pflanzenetiketten schreibt man auf blank gescheuertes Zinkblech mit einer Lösung von gleichen Teilen essigsaurem Kupfer und Salmiak in destilliertem Wasser; die Schriftzüge werden bald tiefschwarz und haften sehr fest. T. zur Bezeichnung kupferner und silberner Geräte bereitet man durch Kochen von Schwefelantimon (Spießglanz) mit starker Ätzkalilauge. In Deutschland wurden 1905 eingeführt 1165 dz und ausgeführt 8583 dz T. Vgl. Lehner, Tintenfabrikation (5. Aufl., Wien 1898); Schluttig und Neumann, Die Eisengallustinten (Dresd. 1890); Andés, Schreib-, Kopier- und andre Tinten (Wien 1906); Mitchell und Hepworth, Inks, their composition and manufacture (Lond. 1904); Wattenbach, Das Schriftwesen im Mittelalter (3. Aufl., Leipz. 1896).
7619 Zeichen · 88 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    tinteswf.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +2 Parallelbelege

    tincte , tinte swf. BMZ tinte, incaustum, sepia, tincta (tincte, tingta, tinti, tinde, tinten, dinte, dint, dinten, tink…

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    tinteF.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +3 Parallelbelege

    tinte , F. nhd. ein Karpfenfisch?, Schleie ÜG.: lat. (tenta) E.: Herkunft ungeklärt? L.: MndHwb 3, 972 (tinte)

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Tinte

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Die Tinte , plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, die -n. 1) Ein gefärbter flüssiger Körper, damit zu schre…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Tinte

    Goethe-Wörterbuch

    Tinte [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Tinte

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Tinte , aus dem Lat., zum Schreiben dienende gefärbte Flüssigkeit. Die gewöhnlichste ist die schwarze , welche entweder …

  6. modern
    Dialekt
    Tinte

    Bayerisches Wörterbuch · +4 Parallelbelege

    Tinte Band 3, Spalte 3,1748f.

  7. Sprichwörter
    Tinte

    Wander (Sprichwörter)

    Tinte 1. Die Tinte der Gelehrten und das Blut der Märtyrer ist von gleichem Werthe. 2. Mit Dienten kan ein Handt ein sch…

  8. Spezial
    Tinte

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Tin|te f. (-,-n) tinta (-tes) f.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit tinte

153 Bildungen · 149 Erstglied · 4 Zweitglied · 0 Ableitungen

tinte‑ als Erstglied (30 von 149)

Tinte(n)ber(i)

Idiotikon

Tinte(n)ber(i) Band 4, Spalte 1473 Tinte(n)ber(i) 4,1473

Tinte(n)blüemli

Idiotikon

Tinte(n)blüemli Band 5, Spalte 90 Tinte(n)blüemli 5,90

Tinte(n)blīwīss

Idiotikon

Tinte(n)blīwīss Band 16, Spalte 2000 Tinte(n)blīwīss 16,2000

Tinte(n)blǟschi

Idiotikon

Tinte(n)blǟschi Band 5, Spalte 160 Tinte(n)blǟschi 5,160

Tinte(n)bueb

Idiotikon

Tinte(n)bueb Band 4, Spalte 944 Tinte(n)bueb 4,944

Tinte(n)chübel

Idiotikon

Tinte(n)chübel Band 3, Spalte 116 Tinte(n)chübel 3,116

Tinte(n)epfel

Idiotikon

Tinte(n)epfel Band 1, Spalte 378 Tinte(n)epfel 1,378

Tinte(n)frësser

Idiotikon

Tinte(n)frësser Band 1, Spalte 1328 Tinte(n)frësser 1,1328

Tinte(n)g(e)schir(r)

Idiotikon

Tinte(n)g(e)schir(r) Band 8, Spalte 1174 Tinte(n)g(e)schir(r) 8,1174

Tinte(n)horn

Idiotikon

Tinte(n)horn Band 2, Spalte 1624 Tinte(n)horn 2,1624

Tinte(n)häfeli

Idiotikon

Tinte(n)häfeli Band 2, Spalte 1018 Tinte(n)häfeli 2,1018

Tinte(n)hūs

Idiotikon

Tinte(n)hūs Band 2, Spalte 1733 Tinte(n)hūs 2,1733

Tinte(n)rüerer

Idiotikon

Tinte(n)rüerer Band 6, Spalte 1268 Tinte(n)rüerer 6,1268

Tinte(n)schlëcker

Idiotikon

Tinte(n)schlëcker Band 9, Spalte 514 Tinte(n)schlëcker 9,514

Tinte(n)schmirgel

Idiotikon

Tinte(n)schmirgel Band 9, Spalte 976 Tinte(n)schmirgel 9,976

Tinte(n)schwärzi

Idiotikon

Tinte(n)schwärzi Band 9, Spalte 2213 Tinte(n)schwärzi 9,2213

Tinte(n)schübel

Idiotikon

Tinte(n)schübel Band 8, Spalte 90 Tinte(n)schübel 8,90

Tinte(n)sprutz

Idiotikon

Tinte(n)sprutz Band 10, Spalte 982 Tinte(n)sprutz 10,982

Tinte(n)tolgg(eⁿ)

Idiotikon

Tinte(n)tolgg(eⁿ) Band 12, Spalte 1740 Tinte(n)tolgg(eⁿ) 12,1740

Tinte(n)trǖbli

Idiotikon

Tinte(n)trǖbli Band 14, Spalte 208 Tinte(n)trǖbli 14,208

Tinte(n)tëgel

Idiotikon

Tinte(n)tëgel Band 12, Spalte 1107 Tinte(n)tëgel 12,1107

Tinte(n)töpfli

Idiotikon

Tinte(n)töpfli Band 13, Spalte 978 Tinte(n)töpfli 13,978

Tinte(n)wischer

Idiotikon

Tinte(n)wischer Band 16, Spalte 2150 Tinte(n)wischer 16,2150

Tintebeer

LothWB

tinte·beer

Tinte-beer Strauch mit schwarzen Beeren; Tinte-beerheck f. Schw. Ligusterstrauch (Ligustrum vulgare).

Tintelchen

RhWB

tintel·chen

Tintelchen tintəlχən uWupp 1870 Sg. t. n.: Pünktchen, ein Weniges.

Tinteldose

RhWB

tintel·dose

Tintel-dose tentəl(s)dū:əs, tę-, tintəl- (s. S.) Heinsb , MGladb , Kemp f.: 1. kl. viereckiges Kästchen aus Blech mit Deckel, das mit Asche…

tinteleⁿ

Idiotikon

tinteleⁿ Band 13, Spalte 822 tinteleⁿ 13,822

tinte als Zweitglied (4 von 4)

Geheimtinte

RDWB1

Geheimtinte f симпатические чернила устар. , секретные чернила

mitteltinte

DWB

mittel·tinte

mitteltinte , f. die schattierung zwischen licht und schatten, halbschatten, franz. demi teinte. Jacobsson 2, 194 a : bemerkten, dasz ich du…

schultinte

DWB

schul·tinte

schultinte , f. tinte, womit man in der schule schreibt; sprichwörtlich: er hat die schultinte noch an den fingern und will andere hofmeiste…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „tinte". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 15. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/tinte/meyers?formid=T03187
MLA
Cotta, Marcel. „tinte". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/tinte/meyers?formid=T03187. Abgerufen 15. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „tinte". lautwandel.de. Zugegriffen 15. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/tinte/meyers?formid=T03187.
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