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dinte

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

dinte f.

Bd. 2, Sp. 1179
dintetinte,f. atramentum, ahd. dincta tincta Graff 5, 437. mhd. tincte. dinte, mit ausgeworfenem c, erscheint schon im 10ten jahrhundert, vom 16ten an gilt es allgemein. die schwache declination steht fest bis zum 18ten, wo die starke eintritt. im 15ten und 16ten zeigen sich verschiedene formen. tink tinka Voc. 1445, dinkenvasz, dinkenhorn. auch wird, wie bei andern wörtern der schwachen form, dem nom. ein unorganisches n angehängt, dinkn Vocab. 1455. dinten bei Dasypod. 14d. 318d. Serranus Synon. 52b. Diction. 67b. Maaler 91b. Fries 132. Fuchs Mückenkr. 1, 949. 3, 684. Schuppius 317. zwar stellt Henisch dinte auf, schreibt aber rote dinten, bleiche dinten 714. in Baiern gilt noch heute tinken Schmeller 1, 447. ferner timpen 1, 444. tixte, der stetschreiber sol auch sin selbs pirmit und tixten haben Augsb. stadtb. Schmid 125. endlich dimpt dimpten Voc. 1429. timpte dimpte neben dinte Hans von Würtenberg Kochbuch in Haupts Zeitschr. 9, 370, wozu Wackernagel pembsel für pensel pinsel bei Abr. a s. Clara stellt. im niederd. und den damit verwandten sprachen braucht man dafür blak, s. oben 59. Das wort stammt ab von dem latein. tingere, daher bei Ducange tincta und tinctum, ital. und span. tinta. wir schreiben der lautverschiebung wegen besser dinte als tinte. seinem ursprunge nach liegt also nicht notwendig der begriff von schwarzer farbe darin, es kann auch rothe, zumal purpurrothe, goldene und silberne bedeuten. dazu kommt dasz das ital. inchiostro, altven. incostro von ἔγκαυστον die purpurdinte bezeichnet, womit die griechischen kaiser ihren namen unterzeichneten. mit dem begriff von schwarzer dinte ist es übergegangen in das franz. encre, sicil. inga, niederl. enkt inkt, engl. ink, böhm. engaust, pol. inkaust; vergl. Diez Roman. wörterb. 193. 11. unter dinte schlechthin wird jetzt schwarze verstanden, und farbige musz näher bezeichnet werden, rothe, grüne, blaue, golddinte. für geheime nachrichten gebraucht man unsichtbare, sympathetische dinte (J. Paul Siebenkäs 4, 131), die erst durch anwendung gewisser mittel zum vorschein kommt. man hat blasse, zähe, dicke, dünne, flüssige dinte. sie schlägt durch wenn sie auf der rückseite des papiers sichibar wird. sie verblaszt, verschwindet auf dem papier. sie schimmelt leicht. mosige, unsaubere dinten atramentum faeculentum Henisch 714. im mhd. steht häufig tincte und permint zusammen, heute dinte und feder, dinte, feder und papier. dô nam des rîchen küneges kint tinten unde permint Äneide 286, 20. waz mohte mir ein brief getuon, diu tinte und daz permint? 297, 12. er bat daz man im holte tincten unde permint Parzival 625, 13. nam tincten und permint 785, 18. jane schrîbestû mit tinten niht. Welsch. gast 12347. schrîbet ein schrîbære iht, swenner hât der tinten niht? 14014. ist in der veder tinten niht 14024. dû solt mir gewinnen in der gotes minnen tincten veder und permît Alexius 58, 693 Maszm. tincte und permint 111, 557. den hiez er balde bringen tinten und permit Wilh. v. Östreich 11a. wer git mir des himels breit bermit, des meres tiefi ze tinkten Heinrich Suso in Wackern. Leseb. 1, 873, 31. wenn das mer eitel tinten wär Fastnachtsp. 134, 22. geschriben mit der schwarzen dinten Keisersb. Bilger 4a. und ich schreib sie mit tinten ins buch Jerem. 36, 18. dieses kriegsvolk beschreiben, wür mir kaum dreizehen riesz papier und vierzehen masz dinten klecken. Fuchs Mückenkr. 1, 949. solt ich noch die zerbrochnen speer, zerrissene fan, zerhackte wehr und allen unraht hie beschreiben, würd mir kein dinten überbleiben 3, 684. sehet euch mit heirathen wol für, laszt euch feder und dinten wol bezahlen die arbeit für den heiratscontract Schuppius 115. wann das ganze baltische und oceanische meer lauter dinten wäre 317. als Deutschlands zärtlichkeit noch keinen puder rieb, mit stahl und blute mehr als kiel und dinte schrieb. Günther 1063. die feder voll dinte nehmen J. H. Jacobi Woldemar 192. wo man am wenigsten dinte und feder sparen soll, das ist beim aufzeichnen einzelner umstände merkwürdiger begebenheiten Göthe 20, 260. die dinte starrt (ist eingetrocknet), vergilbt ist das papier. 41, 92. in einem kalligraphischen kopierten brief, worin er ihn bei der erbschaft beschwor in seinen instrumenten nichts zu radieren, noch zweierlei dinte zu nehmen J. Paul. ein gelehrter der das ganze jahr neue schlüsse und neue dinte macht, begreift es nicht wie ein mensch leben könne, der kein buch oder keine feder im hause hat, sondern blosz die geborgte gelbe des dorfschulmeisters ders. Siebenk. 3, 13. ob er mit rother dinte sich beschmitzte Uhland Ged. 509. 22. bildlich in redensarten und sprichwörtern. wer so handelt, musz dinte getrunken, gesoffen haben unklug, närrisch sein, sagt man im gemeinen leben. er sitzt in der dinte er ist in verlegenheit, in einer schlimmen lage. du wirst in die dinte kommen in händel geraten, übel ankommen. ir stecken mit mir in der dinten Keisersb. Post. 61, soltestu den man strofen, din gesind strofen, so bistu selber in der dinten ders. Bilger 199b. seid ihr schon in der tinte gewesen? Hippel Lebensl. 3, 155. weil man aber- von alters her gemeinigklich mit schwarzer dinte geschrieben und nach dem höflichen rätzel eine schwarze saat auf weiszem acker gesät hat Mathes. 104a. schrib mit dinten so sicht (das aussieht) wie blut Fischart Garg. 188a. das helfenbein mit dinten weisz machen Frank Sprichw. 5a. es kan sich keiner mit eines andern unthat schön machen, wie mancher sagt, der thuts auch, ists ihme recht, so ist mirs nicht unrecht: aber der so gedenkt, der wäscht sich mit hefen, mit mistlach, schusterschwerz, mit dinten, oder will sich mit kohlen weisz machen, mit einem nassen sack decken Lehmann 203. er kann die dinte nicht halten schriftstellert zu viel Lichtenberg 2, 76. ansehnliche glieder aus collegien gossen da gewöhnlich in die dinte ihres schreibtages einiges abendbier J. Paul Flegeljahre 1, 32. er (ein fürst) hat das füllhorn der ehre in der hand, und ein tropfen dinte von ihr ist öl genug ins feuer für ihn und vaterland ders. Nachdämmerungen 86. sie morden, wie ich leider höre, bald mit der feder, bald mit der flinte: ja sie ersticken des nächsten ehre bald in blut und bald in dinte. Kotzebue Dramat. spiele 1, 67. (wir husaren schlugen auf die feinde) dasz ihnen die rothe tinte lief über den dünnen leib Soltau 2, 473, 5. 33. farbenton, abstufung und übergänge der farben. ital. tintó, französ. teinte. meist bei gemälden, die dinten sind kräftig. halbe dinten halbschatten, helldunkel. das einzelne (in einer landschaft) war alles in der blauen tinte des morgens verschwunden, und das ganze schien in schweigen und ruhe versenkt Göthe 37, 208.
6710 Zeichen · 150 Sätze

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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Dinte

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Die Dinte , S. Adelung Tinte .

  2. modern
    Dialekt
    Dinte

    Rheinisches Wb. · +2 Parallelbelege

    Dinte s. Tinte.

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dinte‑ als Erstglied (30 von 66)

dintenbeere

DWB

dinte·n·beere

dintenbeere , f. 1 1. steinweichsel, prunus mahaleb. 2 2. beere des kreuzdorns, rhamnus catharticus. 3 3. des hartriegels, ligustrum vulgare…

dintenbuch

DWB

dinte·n·buch

dintenbuch , n. ein geschriebenes, nicht gedrucktes buch. ist die ursach das die dintenbücher kein kunst in inen haben, sondern sudlens und …

dintendeutsch

DWB

dinte·n·deutsch

dintendeutsch , n. das man nur in der schrift gebraucht? bub, lang her. ich insinuir dir mein nomination in das herz, verstehst disz dintent…

Dintenfaß

Campe

dinte·n·fass

Das Dintenfaß , des — sses, Mz. die — fässer, ein Gefäß, in welchem man die Dinte zum Schreiben bei der Hand hat. N. D. Blackhorn.

dintenfasz

DWB

dintenfasz , n. atramentarium. tinkenvas incausterium Voc. 1445. tintenvas atramentarium, est vas vel cornu scriptoris Voc. incip. teut. x 4…

Dintenfatt

MeckWB

dinte·n·fatt

Dintenfatt n. Tintenfaß; in einer Sage smitt de Düwel mit 'n Dintenfatt nach den mit ihm Karten spielenden Bauern Wo. Sag. 1, 81.

dintenfinger

DWB

dinte·n·finger

dintenfinger , m. finger mit dintenflecken. nur für weiche weiberhändchen, furchtsame schneider, gelehrte dintenfinger, praktische bartkratz…

dintenfisch

DWB

dinte·n·fisch

dintenfisch , m. dintenwurm, kuttelwurm, sepia officinalis. dintenfisch blackfisch sepia loligo Henisch 714 . wenn er verfolgt wird, gibt er…

dintenfresser

DWB

dinte·n·fresser

dintenfresser , m. librariolus, schreiberle Schönsleder L 2. scholasticus, pedaneus Stieler 899 . s. dintenschlucker.

dintenfresserin

DWB

dinte·n·fresserin

dintenfresserin , f. verächtlich von einer weiblichen person die dinte gebraucht. s. dintenlecker . ihr dintenfresserin ( pl. Dialectica und…

dintenhorn

DWB

dinte·n·horn

dintenhorn , n. die älteste benennung von dintenfasz, ahd. tinctahorn tinctihorn Graff 4, 1037 . tinkenhorn Voc. 1455. tintenhorn kalemal ti…

Dintenkeªwer

WWB

Dinten-keªwer m. Tintenkäfer Mistkäfer ( Rek Lh).

Dintenklaks

WWB

Dinten-klaks m. [verstr.] Dintenkläcks ( Tek Me ) Tintenklecks.

dintenklecker

DWB

dinte·n·klecker

dintenklecker , m. der dinte verspritzt, dintenflecken macht, bildlich von einem verächtlichen schriftsteller. sic ignominiose vocantur stud…

dintenklecks

DWB

dinte·n·klecks

dintenklecks , m. dintenfleck. ( der kastellan auf der Wartburg ) welcher den unauslöschlichen, von Luther gegen den teufel geworfenen dinte…

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APA
Cotta, M. (2026). „dinte". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 17. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/dinte/dwb
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Cotta, Marcel. „dinte". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/dinte/dwb. Abgerufen 17. May 2026.
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Cotta, Marcel. „dinte". lautwandel.de. Zugegriffen 17. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/dinte/dwb.
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