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sündigen

mhd. bis spez. · 14 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Pfeifer_etym
Anchors
15 in 14 Wb.
Sprachstufen
7 von 16
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20
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Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)

sündigen

sündigen

Sünde f. (im Sinne des Christentums) ‘Verstoß gegen ein göttliches Gebot’, (allgemein) ‘Übertretung des Sittengesetzes, Verstoß gegen Verhaltensnormen, Verfehlung, Irrtum’, ahd. sunta (8. Jh.), mhd. sünde, sünte, sunte, asächs. sundia, mnd. sünde, mnl. sonde, sunde, nl. zonde, afries. sende, sinde, aengl. syn(n), engl. sin; aus dem Mnd. stammen wohl anord. schwed. synd. Die Herleitung des Wortes bereitet Schwierigkeiten. Schröder in: Zs. f. vgl. Sprachforsch. 56 (1928) 106 ff. versucht, eine Verbindung von Sünde mit dem alten unter Schande (s. d.) behandelten rechtssprachlichen Ausdruck herzustellen. Er erschließt germ. *skṃtjō ‘Scham’ und ein zugehöriges (mit Übergang von m zu n vor Dental) *skantō ‘Schande’, das nach (sonst kaum belegtem) Ausfall von k schwundstufiges germ. *sundjō ergeben habe. Andere sehen in den germ. Formen frühe Entlehnungen in die Kirchensprache aus lat. sōns (Genitiv sontis) Adj. ‘schädlich, sträflich, straffällig, schuldig’, Subst. ‘Schuldiger, Missetäter’ (Ausdruck der römischen Rechtssprache; zur Etymologie von sōns s. unten); vgl. de Vries Nl. 869, ebenso Walter Lehngut im Altwestnord. (1976) 87, der als Ausgangsform für das Germ. vlat. *sontia vermutet, eine als Fem. Sing. aufgefaßte Substantivierung des Adjektivs. Doch nach Frings in: PBB (H) 81 (1959) 427 und vor allem nach Seebold in: Die Sprache 15 (1969) 14 ff. ist germ. *sundjō bzw. (mit Aufgabe des Dentals) *sunjō im Sinne von ‘Schuld für eine strafwürdige Tat’ als alter germ. Rechtsausdruck aufzufassen, der in die Kirchensprache zur Wiedergabe von lat. peccātum ‘Sünde (gegen Gott)’ aufgenommen wird, vgl. ahd. sunta, suntea, asächs. sundia, afries. sende, sonde und aengl. syn(n) ‘Schuld, Vergehen, Sünde’. Als verwandte Bildungen stehen daneben ahd. sunna (9. Jh.), asächs. sunnia ‘wahrer Zustand, gesetzlich anerkannter Hinderungsgrund, Entschuldigung, Notwendigkeit’, anord. syn ‘Wahrheitsbekräftigung’, auch ‘Einspruch, Leugnung’, nauðsyn ‘gesetzlich anerkannter Hinderungsgrund, Notwendigkeit, Zwang’ und got. sunja (aus *sundj-) ‘Wahrheit’ (vgl. auch got. bisunjanē Genitiv Plur. ‘der ringsum Seienden, der Herumwohnenden’). Sie sind mit anord. sannr, saðr ‘wahr, schuldig’, asächs. sōð ‘wahr, Wahrheit’, aengl. sōþ- ‘wahr’ (germ. *sanþ-, *sund- ‘wahr’), außergerm. mit lat. sōns (s. o.), griech. ónt- (ὄντ-) ‘seiend’, aind. satyáḥ ‘wahr, wirklich’ zu *sṇtió-, vgl. aind. sánt- ‘seiend, gut, wahr’, Part. Präs. zu ásti ‘ist’, zusammenzustellen und auf die unter 1sein (s. d.) angegebene Wurzel ie. *es-, schwundstufig *s- ‘sein’ bzw. auf das zugehörige Part. Präs. ie. *sont-, *sṇt- zurückzuführen. Dabei ist für die den Begriff ‘Sünde’ wiedergebenden Ausdrücke eine Bedeutungsentwicklung von ‘das Seiende, Wahre, die Wahrheit’ über ‘festgestellte Schuld, (richtige) Sachverhältnisse, die den gegnerischen Aussagen entgegengestellt werden, Widerspruch, Verneinung’ zu (im christlich-kirchlichen Sinne) ‘Vergehen gegen Gottes Gebot, Böses’ anzunehmen. – Sünder m. ‘wer eine Sünde begeht’, ahd. suntāri (11. Jh.), mhd. sündære, sünder. sündhaft Adj. ‘einer Sünde entsprechend, mit Sünde behaftet, sündig’, steigernd im Sinne von ‘sehr’ (vgl. sündhaft dumm, sündhaft teuer, 19. Jh., doch wohl älter und bereits Ende 17. Jh. sich anbahnend), ahd. sunt(i)haft (8. Jh.), mhd. sündehaft. sündig Adj. ‘mit Sünde behaftet, gegen Gottes Gebot, gegen Sitte und Moral gerichtet’, ahd. suntīg (8. Jh.), mhd. sündec, sündic; dazu (oder als Weiterbildung von mhd. sünden Vb.) sündigen Vb. ‘eine Sünde begehen’, mhd. sündigen; versündigen Vb. ‘schuldig werden’, meist reflexiv ‘sich in Schuld verstricken, sich gegen Gott vergehen, Fehler machen’, mhd. versündigen ‘(sich) in Sünden stürzen, durch Sünden verderben’. Sündenbock m. ‘Mensch, dem unberechtigt alle Schuld zugeschoben wird, ohne daß er wirklich schuldig ist’ (Ende 18. Jh.), eigentlich ‘der Bock, der (nach 3. Mos. 16) die Sünde des Volkes stellvertretend in die Wüste trägt’ (seit dem 17. Jh. belegt), daher auch ‘schlimmer Sünder’ (17. Jh.). Sündenfall m. ‘(schwere) Versündigung’, mhd. sündenval, besonders (nach christlichem Glauben) ‘das Sündigwerden des Menschen’, eingeleitet (nach der Bibel 1. Mos. 3) durch den ‘Abfall von Gott’ des ersten Menschenpaares Adam und Eva (seit 17. Jh.).
4260 Zeichen · 131 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    sündigenswv.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +2 Parallelbelege

    sündigen swv. BMZ sündigen, peccare Fromm. 2,454 b . s. wider Ludw. ; refl. sich versündigen an Roth. R. 1966.

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    ¹sündigenswv.

    Mittelniederdeutsches Wb. · +1 Parallelbeleg

    1 sündigen , ° söndigen (westl.), swv. , 1. im religiösen Sinne Sünde begehen, sündigen. — Abs. meist adverbial bestimmt…

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Sündigen

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Sündigen , verb. regul. neutr. mit dem Hülfsworte haben, Sünde begehen, in der engern theologischen Bedeutung dieses Hau…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    sündigen

    Goethe-Wörterbuch

    sündigen [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  5. modern
    Dialekt
    sündigenschw.

    Pfälzisches Wb. · +2 Parallelbelege

    sündigen schw. : 1. 'Sünden begehen', im religiösen Sinne, sinniche, sindiche, s. Sünde [verbr., Lambert Penns 151 Kräme…

  6. Sprichwörter
    Sündigen

    Wander (Sprichwörter)

    Sündigen 1. Damit ainer sündiget, damit wirt er gestrafft. – Agricola II, 48. 2. Der sündigt zwiefältig, so sich des Fre…

  7. Spezial
    sündigen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    sün|di|gen vb.tr. fá picé, se impiciadrí.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit suendigen

9 Bildungen · 0 Erstglied · 4 Zweitglied · 5 Ableitungen

Zerlegung von suendigen 2 Komponenten

suen+digen

suendigen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

suendigen als Zweitglied (4 von 4)

besündigen

MNWB

besündigen , swv. , Sünde tun; mit Sünde beflecken. Refl. sik b. sich versündigen.

entsündigen

DWB

ent·suendigen

entsündigen , 1 1) expiare, nnl. ontzondigen, reinigen: und solt den altar entsündigen. 2 Mos. 29, 36 ; und sol also das haus entsündigen mi…

versündigen

DWB

ver·suendigen

versündigen , verb. , mhd. seltener als versünden ( s. d. ) Lexer 3, 258 ; nhd. Alberus H h j b ; Stieler 2242 ; Kramer 2, 1040 c ; Frisch 2…

Ableitungen von suendigen (5 von 5)

besündigen

MNWB

besündigen , swv. , Sünde tun; mit Sünde beflecken. Refl. sik b. sich versündigen.

entsündigen

DWB

entsündigen , 1 1) expiare, nnl. ontzondigen, reinigen: und solt den altar entsündigen. 2 Mos. 29, 36 ; und sol also das haus entsündigen mi…

ersündigen

DWB

ersündigen , improbe, flagitiose obtinere: noch schmeichelhafter musz es sein, wenn man die überzeugung damit verbinden kann, diese belohnun…

gesündigen

DWB

gesündigen , verb. 1 1) verstärkte bildung zu sündigen ( s. d. ) noch in den Alsfelder passionsspielen (1501 und später aufgezeichnet ): sel…

versündigen

DWB

versündigen , verb. , mhd. seltener als versünden ( s. d. ) Lexer 3, 258 ; nhd. Alberus H h j b ; Stieler 2242 ; Kramer 2, 1040 c ; Frisch 2…