sülze,
sulze,
f. (
n.).
herkunft und form. ahd. sulza, sulcia (
ahd. gl. 4, 208, 36
St.-S.),
alts. sultia;
mhd. sülze, sulze,
mnd. sulte,
mnld. sulte, zulte, sult;
nhd. sülze, sulz(e),
nnd. sülte, sulte;
fem. jo-
bildung, im ablaut zu salz,
vgl. Kluge-Götze
etymol. wb. 606, salz
teil 8, 1705; W. Schulze
kl. schr. (1934) 119; sylte
in den nordischen sprachen ist entlehnt aus dem mnd. sulte Falk-Torp
etymol. wb. 1226.
ursprünglich nord. sind einige dialektische formen im norw. und dän. sylt, sylta,
die '
strandwiese, strandsumpf, schlamm'
bedeuten Falk-Torp 1226 (
vgl. unter sülze 1 b).
ins romanische entlehnt sind afrz. souz (>
prov. soulz,
ait. solcio) Meyer - Lübke
röm. etymol. wb. (1935) 696. —
in heutigen mundarten gelegentlich neutr., vor allem in obd. maa. (
s. unten 1 b). sülze
erscheint hd. und nd. mit und ohne umlaut des u: sülze: sulz(e), sülte: sult(e).
im hd. hat das obd. im allgemeinen keinen umlaut gegenüber dem md., vgl. Paul
dtsche gramm. teil 2 § 119
und v. Bahder
grundlagen des nhd. lautsystems 199
ff., bes. 203, 204, 206;
die auseinandersetzung zwischen beiden formen zeigt etwa die ma. des Vogtlandes mit silds
neben sulds,
die umgelautete form mehr nördlich, die andere mehr südlich, s. Gerbet
Vogtland 149
anm. 3.
senkung des u > o (ü > ö)
in rheinischen (söltze
auch Er. Alberus
fabeln 119
ndr.),
ostfränk. und schweizerdt. maa. silz
im rheinfränk. und obers.-thüring. sealze, selse Crecelius
Oberhessen 828. sulds, suls, sulsen, silsen
rhein., südfränk. und bair.; im einzelnen s. die maa.-wbb. —
die schwache form sulsen, sulten
neben der starken in nd. und obd. dialekten: up der sulten to Odeslo
urk. d. stadt Lübeck 8, 363; up der sulten to Luneborg 8, 21; sulds Gerbet
Vogtland 149: sulzn Lexer
Kärnten 246; ein sultzen (
nom. sing.) Guarinonius
grewel (1610) 316. —
apokope des e
nd. vereinzelt: sült Mi
Mecklenburg-Vorpommern 89; Dähnert
plattd. wb. 473
a;
mnld. sult Verwijs-Verdam 7, 2428;
obd. häufiger: sulz
neben sulze,
vgl. Enderlin
Kesswil § 71, 3; sulz Staub-Tobler 7, 900.
bedeutung und gebrauch. da sülze
der sache nach vor allem in den maa. und der umgangssprache, weniger in der schriftsprache heimisch ist, geben die literarischen belege kein getreues bild weder seiner räumlichen und zeitlichen ausdehnung noch seiner verschiedenen anwendungsmöglichkeiten. in neuerer zeit ist sülze
in literar. denkmälern kaum belegt; in der älteren zeit häufig in chroniken (sülze 1); sülze 3
besonders in frühnhd. zeit (
fastnachtssp., Hans Sachs).
als ein wort der küche und des handels neigt sülze
zum austausch und ausgleich zwischen den landschaften. in groszen umrissen gilt für die anwendung in den heutigen maa. folgendes: im nd. ist sülze
vor allem das fleischgericht (sülze 3 c),
in älterer sprache auch '
salzwasser' (1 a);
im md. ist sülze
seltener; hier wird statt dessen solper, sulper, sulber
gebraucht (
s. unter solper
und sulper);
obd. ist sülze
das '
salzwasser' (1 a),
weniger das fleischgericht, gelegentlich '
gallert' (3 b),
bes. früchte in sulz.
nur obd. ist sülze
als '
salzlecke' (2). 11)
natürliches salzwasser. 1@aa) '
salzsole' (
s.sole 1
teil 10, 1; 1447)
und die quelle, die solches salzwasser liefert, '
salzquelle'.
vgl.sulza
salsugo (10.
jh.)
ahd. gl. 1, 524, 33; sulzona, sulcina
salinarum 1, 418, 13; soltz (15.
jh. md.)
salsugo Diefenbach
gl. 509
a; sulza
salsugo Wadstein
kl. alts. denkm. 77, 22.
vgl. auch sulze '
das salzwasser'
bergmänn. wb. (1778) 544; sulze '
soviel wie sole' Dannenberg-Frantz
bergm. wb. (1882) 381; sulze, sülze
soviel wie sole Mothes
baulex. (1882) 4, 290; Veith
bergwb. 483: des berges an einer sît hiez der herzog in graben, unz er die sulz moht gehaben. dâ macht er ein solich sieden dâvon die Salzpurgære schieden von grôzem geniez Ottokar
österr. reimchronik 67592; und der keiser gab zum kloster einen zoll von der sültze, und gab darüber eine handveste, die sültze war unter dem berge, da nun die stadt leit
M. Dreszer
sächs. chron. (1596) 131; diese sültze hat Jaromarus II. ... dem kloster Eldenow gegeben J. Micrälius
altes Pommerland (1640) 6, 572;
in älterer sprache häufig von der alten und berühmten Lüneburger sülze,
so dasz man unter sülze
vielfach gerade diese verstand, vgl. 'sültze,
die sültze
zu Lüneburg, der ort wo sie saltz machen' Ludwig
teutsch-engl. (1716) 1925: desselbigen Otten söhne einer Johann bekam in der teilung mit seinem bruder Albrecht anno 1267 Lunenburg, und wendet grossen fleis auff die sultz, erfindt ein newe ader des saltzwassers
M. Quad
teutscher nation herligkeit (1609) 270; ich habe mit höchster verwunderung vor etlicher zeit die sülze zu Lüneburg besichtiget. dieser brunn wird tag und nacht, jahr aus und ein geschöpfet und wird doch nicht erschöpfet Chr. Scriver
andachten (1721) 569. —
ungewöhnlich ist sulza
für '
salzgestein und salzerde': sulza (11.
jh.)
nitrum Diefenbach
nov. gl. 264
b (
in späteren glossaren wird nitrum durch weytasche, sparglas
oder spat, salzpolvir, -pulver, lutersalz, bergsalz
u. ähnl. wiedergegeben, sieh ebda sowie gl. 381
b);
vgl. dazu mundartlich noch sulzenspat Unger-Khull
steir. 600
a.
in enger verbindung mit dem vorigen auch das werk an solchen salzorten, wo aus der sole salz gesotten wird, '
salzsiederei': sulcze
salina ahd. glossen 3, 717, 52
St.-S.; sulcia
salina 4, 208, 36; soltze (15.
jh. md.)
salina Diefenbach
gl. 508
b (
vgl. dazu salina saltzwerk
in einem voc. von 1462
ebda.); offt he den vorscrevenen sod up der sulten to Odeslo wille buwen edder nicht
urkundenbuch d. st. Lübeck 8,
s. 409; twe pannen herschop unde enen halven wyspel, de wy hebben up der sulten to Luneborch 7,
s. 486 (
v. j. 1432).
latinisiert sultia, sulcia: post imperante Friderico primo Henricus Leo dux allocutus est comitem Adolfum, dicens: ... item conqueruntur, qui sunt Lunenborch, quod sultia nostra devorata est propter sultiam, quam cepistis habere Todeslo Heinrich v. Herford
liber de rebus ... sive chronicon 137
Potthast; sulcia
bei Helmold
chron. Slaw. 145
Schmeidler. vgl. dazu an ihrer stelle sulzer, sul-, sulzstube, sülzmeister,
sieh auch sülfmeister. 1@bb) '
salzlache',
kleinere wasserstellen mit salzhaltigem wasser, vgl. sultza
murium ah. gl. 3, 653, 34; sulza
muria (11.
jh.) 3, 694, 22; sült
eine salzlache, salziger quellengrund Danneil
altmärk.-plattd. ma. 216; sulz
wildlache, eigentl. salzlache Buck
obd. flurnamenbuch 274.
hieraus kann sich die bedeutung '
sumpf, morast'
erklären, soweit sie nicht wie bei sur (
s. d.), sulper (
s. d.)
auf allgemeinerer übertragung beruht, vgl. auch brühe 5,
teil 2, 424.
in nd. und obd. dialekten: sülte
schmutz, morast (
Altena) Woeste
westf. 262
b; sulz,
f. (
n.),
schnee, kot Fischer
schwäb. 5, 1954 (
vgl. auch sulzig,
das schweiz. und im schwäb. '
schlammig, wässerig'
bedeutet, sulziger acker); sults,
n., sumpf, schlamm (
vgl. auch sultsoxt
sumpfig) E. Wipf
ma. von Visperterminen im Wallis 33
u. 79; '
halbflüssiger schnee, straszenkot; schlamm, sumpfiger boden' Staub-Tobler 7, 901.
zu vergleichen sind norw. dial. sylt,
f., '
niedriger strand am meer, der bei hochwasser überschwemmt ist, kleiner salziger sumpf',
ält. dän. und dän. dial. sylt '
strandwiese',
ält. schw. sylta '
schlamm' Falk-Torp
etymol. wb. 1226. 1@cc)
häufig als flusz-, flur- und ortsname, einfach oder in zusammensetzungen, nd., md., hauptsächlich obd., hervorgerufen durch das vorkommen von salzhaltigem wasser in quellen und flüssen, im obd. (
Schweiz)
auch auf sulz '
salzlecken' (
s.sulz 2)
hindeutend (
vgl. Friedli
Bärndütsch 2
und 6; Staub-Tobler 7, 901)
flusznamen: Sölz
im bergischen (Waldbrühl
rhingscher klaaf 209), Sülz
in Bayern, Sulzach
und Sulzbach
in Schwaben; orts- und flurnamen: Sülze
bei Rostock, Sulz, Sulza, Sulzbach, Sulzbad, Sulzberg, Sulzdorf, Sülzenbrunn, Sulzfeld, Sulzmatt
u. a. md. und obd. vgl. dazu die zusammenstellung bei Fischer
schwäb. 5, 1954;
auch Friedli
Bärndütsch 2, 172; 6, 157.
vgl. auch Lexer 2, 1294. 22) '
salzlecke',
nur obd. seit dem 16.
jh. in der jägersprache; salzspeise für das wild (
rotwild und gemsen),
natürliches salz (
vgl. auch sulze
als salzlache, wildlache unter sulze 1 b)
oder vom jäger künstlich bereitete und ausgelegte speise, vgl. 'sulze
eine mischung von salz und leimerde mit einigem beisatz von anis oder anisöl, welche als eine lieblingslecke des rotwildes deswegen bereitet wird, um es mehr an seinen stand zu fesseln' v. Train
waidmannspractica (1838) 311;
auch der ort, wo salzlecken angelegt werden, vgl. ebda: wer trü (
fallen) legen will, mags legen in sulzen und sprung (
v. j. 1500)
bei Staub-Tobler 7, 900; das wiltpret wird gebeiszt (
mit salzspeise gefüttert) und das heiszt man ein sultz J. H. Meichsner
handbüchlein (1567) 23
b (
vgl. sulzen 2); die pfädt und gänge derselbigen refir, da das geschleck und sulzen hingeschlagen werden
haushaltung in vorwerken 229; wo sie (
die gemsen) solche läcke haben, nennens die weidleut sultzen Stumpf
Schweizerchronik (1606) 609
b; auch ist es sehr nützlich, wenn man sultzen oder beiszen daherum macht Döbel
jägerpractica (1754) 1, 133; in der regel haben sie (
die gemsen) in der nähe eines solchen platzes eine kleine quelle, die nicht zufriert ..., vielleicht auch einen felsen, an dem bergsalz (sulz, wie die gemsjäger sagen) ausschwitzt J. G. Kohl
Alpenreisen (1849) 3, 407; man sieht sie (
die pferde in Südamerika) stundenlang an den sulzen verweilen und hier die salzige tonerde belecken Brehm
tierleben (1890) 3, 43
P.-L. 33) sülze
als '
speise'.
in diesem bereich tritt zu dem begriff des salzigen der des geronnenen, gallertartigen hinzu, in der form, dasz entweder beide bedeutungen gleichwertig nebeneinander stehen, oder so, dasz eine von beiden vorherrschend oder gar alleinbestimmend ist. 3@aa) '
salzbrühe',
wie sie beim kochen eingepöckelten fleisches entsteht oder auch beim einmachen und einlegen von kohl und fisch (
hering),
dann '
salzige oder würzige tunke'
zur zubereitung und anrichtung der speisen; in älterer sprache. heute noch in den mundarten; vgl. salsa sulse (15.
jh. md.) Diefenbach
gl. 508
c; suls (15.
jh. md.)
ebda; 'sultz
heiszt auch die füchte so sich sammlet wenn man fleisch insalzt, damit man auch gewont das fleisch zu beschütten, muries' J. Maaler (1561) 395
d; sultz
muria, muries Schönsleder
prompt. germ. lat. (1647) H h h 1
a; sultz an dem hering
tracum est aqua salsa allecum voc. incipiens teut. ante lat. (
Straszburg ca. 1495) x 3
a;
vgl. noch: sülte
salzbrühe Doornkaat-Koolman
ostfries. 3, 364; sulz
salzbrühe Schmeller-Fr. 2, 274;
salzbrühe Schöpf
tirol. 728;
salzbrühe Staub-Tobler 7, 900.
eingemachten weiszkohl (kabis, kabus, kappes,
s. unter kabis,
teil 5, 9)
nennt man auch sülzkohl, sultekol (
s. unter sülzkohl), sültemaus, sültmoos (
s. unter sülzmus)
wegen der salzigen brühe, in die er eingelegt wird; ähnlich sülten raiwen
eingemachte rüben Woeste
westf. 262
b: da waren ... gesottens und gebrätens, mit geseltz gewürtz und sultze ingemachet Niclas v. Wyle
transl. 279
lit. ver.; liesz auch heimlich nach diesen sachen ir fleisch zubereyten und machen inn köstlich sultz und pfeffer ein Hans Sachs 2, 85
Keller; es sollen auch stets allerhandt seuerlichte sülsen, und krefftige tüncken zum essen gebraucht werden J. Struppius
notwend. ... underricht (1564) b 7
a; wollen ir (
der kirche) die decreten ... hinderlich sein, so ... mag ein gelbe sultz oder schwartzen pfeffer drüber machen Fischart
binenkorb (1588) 51
a.
in älterer heilkunde salzige brühe oder irgendein würziger absud: nim das wasser, das an dem sauren kappiskraut ist, man heiszt es sultzwasser, nachtschattenwasser, scheelkraut, rosenwasser, geiszmilch ..., dasz aller vierer halb so viel sei als der sultz oder krautwasser O. Gäbelkover
artzneybuch (1595) 262; oder nimm linden holtz, und bast, thu die oberste rinde herab in ein wasser, lasz es 14 tage stehen, so wirds als eine sultz J. Walther
pferde- u. viehzucht (1658) 88; kräftige sultz, davon morgens und abends ein paar löffel voll allein und warm, oder in einer leiszgesalzenen hennenbrüh zu nemmen Gockelius
curiose beschreibg. (1697) 27.
vgl. noch sulze(en)brühe. 3@bb) '
gallertartige flüssigkeit',
in der sache oft dasselbe wie a,
nur dasz aus dem inhalt mehr das festgewordene ('
gestandene', gesülzte,
s. unter sulzen)
weniger das salzigflüssige betont wird. vielfach ist auch der stoff (
fleisch, fisch, obst u. s. w.),
aus dem die sulze
gekocht wird, mitgemeint (
vgl. unter c).
häufig in gloss. und wbb. verzeichnet: sultz, galrey
galantina gemma gemm. (1508) l 3, 6; sultz, galren,
jus congelatum, gelu in patina Dasypodius
dict. (1537) 438
b; sultz
jusculum gelatum, coactum Dentzler
clav. ling. lat. (1716) 281
b.
das in den ahd. glossen erscheinende '
frigidaria'
ist wie sulza
selbst mehrdeutig; wie aus Diefenbach
gl. 247
c unter frigidarium hervorgeht, bedeutet es murium, salina, z. t. auch glossiert mit cumpost, gumpuszkraut, cappusz (
also eingemachtes verschiedener art)
und galreg:
frigdaria sulza
ahd. gl. 3, 684, 63
St.-S.;
frigidaria sulza 3, 613, 19; 3, 615, 12;
frigidani, gelatina sulze 3, 617, 27;
ferner 3, 717, 52; 4, 202, 15;
zur sache vgl. noch 'sulze
ist ein dicker, zäher saft, der aus den knorpelichten teilen der tiere, als aus kälberfüszen, kälberohren, schweinsfüszen und ohren, fleisch, fischen, hühnern ... meerrettige u. dgl. gekocht, hernach auf vielerlei art und weise gefärbt, und entweder über dasjenige fleisch, daraus es gekocht, oder über andere speisen gegossen, und wenn es gestanden, kalt aufgesetzt wird' Jacobsson
technol. wb. 7, 495
a: (
männer) die iren frawen befelhen ... wartzuo man senf soll essen ... als zu galray oder sultz, das da ist ain neuwe gewonhayt yetz Geiler v. Keisersberg
sieb. schwerter (1510) bb 1
a; gleich als ein stuck fleisch in seiner sultz ligt Paracelsus
opera (1616) 2, 24
c Huser; in ein keller darin stunde allerley brot, müsz, sultzen oder galreyen, eyer, kuchen S. Franck
sprichw. (1541) 1, 108
b; die uberigen als den bodler und andere därm sollen si wol seubern und zu sulz sieden
stadtrecht Nauenburg a. Rh. (1588) 99; die sultz aber oder gelatine, so von eines hahnen, cappaunen, oder hennen zerschnittenem oder zerhacktem fleisch ... gekocht ... wird E. Gocklius
d. eierleg. hahn (1697) 22; darinnen er (
der bärenkopf) so lange kochen musz, bis er weich wird. ist er nun gar, so hebet ihn vom feuer weg und lasset ihn also in der sultze erkalten Amaranthes
frauenzimmerlex. 165.
von fischen: garum ein fischbrüe und sültzen, so man vor zeiten machte aus der saltzbrüe, darine der fisch gelegen Decimator
thes. ling. (1608) 553
b; so man ein sultz darvon bereiten wil, soll man die schüppen ... sieden Forer
Geszners fischbuch (1563) 164
b. —
von früchten, '
gelée' (
hier ist die beziehung zu salz
völlig aufgegeben; es wird nur mehr an das gallertartige gedacht).
in dieser bedeutung besonders in obd. maa. heimisch: sulze
aussud aus früchten Lexer
Kärnten 246; nach jeder mahlzeit kan sie ein wenig quittenschnitze oder die sultz von eingemachten kreusselbeeren geniessen Mauriceau (
Basel 1680) 65.
vgl. dazu bezeichnungen wie holdersulze, himpersulze, ruobnsulze (Lexer
Kärnten 246); pommerantzensültze, zimmetsültze, himbeersültze, birnsültze
u. s. w. (Marperger
küchen- u. kellerdict. [1716] 1135
b) apfelsulz Staub-Tobler
schweiz. id. 7, 901 (
man sagt auch gesulzte äpfel
u. s. w., s. unter sulzen,
vb.). '
jede geronnene, durchsichtige, zitternde flüssigkeit, oder eben so viel als gallert' Voigt
handbuch f. d. geschäftsführung (1807) 2, 473: sternreuspen, die man im sommer und herbst von der sonnen aufgang biszweilen bei den wassern, und an den wegen wie eine sultz findet Hohberg
georgica (1682) 1, 255
a; wann das recht wol gebratene (
fleisch) kalt werde, so erscheinen auswendig auf dem fleisch kleine helle tröpflein wie eine sultz 1, 210; lasz es (
das froschlaichpflaster) kochen, bisz (
es) wie ein sultze oder gallerte wird H. v. Fleming
vollk. soldat (1726) 339
b;
von gestocktem blut Staub-Tobler
schweiz. id. 7, 901;
hierher gehört auch sulzmilch (
s. d.)
oder milchsülze '
dickgewordene milch',
ferner husten-, krankensülze Amaranthes
frauenzimmerlexicon (1773) 2, 3418
f. 3@cc)
fleischgericht, wurstart (
im darm oder in einem geschirr, '
preszsülze' [
s.sülzenpresse], '
napf-'
oder '
topfsülze'),
die fest gewordene brühe mit dem zerkleinerten fleisch (
bes. schwarte, kopf und pfoten von schweinen und kälbern),
aus dem sie gekocht wird, vgl. Amaranthes
frauenzimmerlex. (1773) 2, 3418.
in diesem sinne besonders bezeichnend für die mundarten und die umgangssprache Norddeutschlands: sulte
in salzbrühe eingemachtes schweinefleisch Doornkaat-Koolm.
ostfries. 3, 364; sülte
junges schweinefleisch, so gekocht und in essig verwahrt Richey
Hamburg 279; sulte
brem. wb. (1770) 5, 917; sült Dähnert
plattdt. 473
a; sülte Woeste
westf. 262
b; zylte, sülze
wurstsorte Martin
dialektgeogr. von Waldeck 275; die sülzen Crecelius
oberhess. 828; sülze (sölze) Spiess
Henneberg 249; silze Jecht
Mansfeld 104
a: dar nach gib uns volle kar dar gar, scharpffe sultz mit ochsenfüszen
liederbuch d. Hätzlerin 71
Haltaus; tuschen der bort godes unde vastelavende ghiftme des morghens gropenbraden unde spek twie in der weken, des avendes sulten edder ene halve metwurst (15.
jh.)
urkundenbuch d. st. Lübeck 8, 807; wann er ihn (
den ochsen) hett wol auszgemest, zuschlachten auff das kirbefest, und wolt zurichten ein wolleben, und seinen gesten söltzen geben Er. Alberus
fabeln 119
ndr.; häufig in den fastnachtsspielen: so het wir sulzen und schweinen proten 628, 10
Keller; vgl. 624, 12; 628, 21, 24; 629, 20; 787, 11;
in unflätigem sinn: 183, 26.
für die neuere zeit fehlen literarische belege. 3@dd)
das fleisch (
meist minderwertiger art),
aus dem man sülze
macht, wie sonst caldaunen (
teil 2, 602
u. 5, 61), kitzelfleisch (5, 875), kuttelfleisch (5, 2897), kuttelfleck (5, 2897), fleck (3, 1741); kutteln (5, 2899), kottfleisch (5, 1900),
fast ausschlieszlich in wörterbuchbelegen: bei Diefenbach
gl. (
vgl. auch nov. gl.),
in nd., hd., vor allem md. glossarien seit dem 15.
jh. unter esca (sultze
voc. des 15.
jh. md.),
exta (
sonst auch mit ingeweide, wamme
glossiert),
ocimus (ingeweide
vel sultze 15.
jh. md.),
omasum, omasius (
dafür auch wamme, wampen, wanst, pantze, pletzer, krose, kaldunen, kutteln
u. s. w.),
omentum (
sonst auch: veiszt von dem buch, gedern),
protrimentum (geschnittene caldaunen oder sultzen Kilian),
salsucium (
sonst auch worst, schlachtbrade),
scrutinum (
sonst gecrose),
stripa, succidium, titillicus, tripa. in heutigen mundarten nur rhein- und südfränkisch: sils
gekröse des rindviehs Lenz
Handschuhsheim 70
b; silz
teil des gelings (geling
lunge, leber, herz des schlachtviehs) Schön
Saarbrücken 194
a; sülza
kutteln, kuttelflecke Sartorius
Würzburg 121.
literar.: (
der rat) will, dasz hinfuro die sültz, als da seindt der wand, hertz, miltz, lungen, leber, klein und grosz därm wol gewaschen und gequellet ... mit dem pfundt auszgewogen werden soll
Frankfurter zunfturkunden (1595) 1, 388; einsmahls brachte er sechs pfund sültzen oder rindernkutteln heim Grimmelshausen
Simpl. 286
Kögel. 3@ee)
übertragen; mit beziehung auf das scharfe, saure der salzbrühe: welcher von solcher seiner weisz (
grobheit) wegen ein bloderer, ein gall, ein sultzen von allen ist genennt worden Guarinonius
grewel d. verwüstung (1610) 316; dasz, wenn es mir in den kopf kommen solte, dich ein jahr oder drey in ein closter in die beitze zu legen um dich zu der künftigen maternität recht einzuweichen, du dich gegen diese sülze gar nicht spreizen sollest Lindenborn
Diogenes (1742) 2, 135.
mit beziehung auf sülze 3 b
oder c: es scheinen wohl die alten neigungen ... eine angenehme sultzen, deren man schon gewohnt ist Abr. a
s. Clara
etwas f. alle (1699) 2, 24; ich gehörte mit zu einer klasse rätselvoller verschwörer, die Waldeck als eine saure sülze zum frühstück ... verzehren wollten Fontane
familienbriefe 1, 124.
terminologisch mit beziehung auf sülze
als geronnene, gallertartige flüssigkeit: zellgewebefäden, zwischen welche eine klare, dickliche ... flüssigkeit, die sogenannte Whartonsche sulze abgelagert ist Sömmerring
menschl. körper (1839) 7, 148.
scherzhaft: das heisze wetter obendrein kocht sein geblüt zu sulzen Schiller 1, 251
Gödeke; in obacht er ein mädchen nahm, mit seinen falkenblicken, das ihm das herz im leibe stahl und ihm in heiszer liebesqual das mark zu sulzen kochte E. Fr. Hübner
verwandlungen (1791) 2, 58; dasz ihme die butterbacken schlottern wie ein schweinerne sultz Abr. a
s. Clara
Judas (1686) 1, 150; sonst, wenn ich mich abends ... niedersetzte, da zitterte mir der ganze leib vor zufriedenheit wie sülze Eichendorff
sämtl. w. (1864) 4, 485. 44)
pflanzenname sülte, sültje, sult
an der Nord- und Ostseeküste für die auf den dem meere abgerungenen salzwiesen wachsende meerstrandsaster (
aster trifolium)
und das glasschmalz oder krückfusz (
auch queller genannt) (
salicornia herbacea): sülte, sültje, soltje Doornkaat-Koolman
ostfries. 3, 364; Pritzel-Jessen
volksnamen d. pflanzen 50, 351; während man die salicornia 'sülte' nennt
die natur 16 (1867) 187; während er (
der strandbewohner) früher den sult als futter für schweine und zur bereitung der pottasche massenhaft erntete 188. 55)
zusammensetzungen: auszer in sulzartig (
s. d. an alphab. stelle)
ist der zweite bestandteil ein subst. die md. und obd. zusammensetzungen haben grösztenteils die form sulz-,
daneben einzelne mit sulzen- (-spat, -stück, -trog);
im nd. ist die form meist sülte-, sulte-,
vereinzelt auch sült-
und sülten-.
wörter ohne quellenangabe sieh an alphab. stelle. 5@aa)
zu sülze 1 a (
salsugo, salina):