stottern,
verb. ,
haesitare lingua, impedite loqui; stoszweise und stockend sprechen; im reden oft anstoszen ( Adelung)
vgl. die ältere erläuterung von '
balbuties': stattern '
ein mangel der rede, da die zung entweders nicht fort will oder sich in währendem aussprechen anstoszt oder den thon einicher buchstaben nicht ausprechen kan' Blancard
mediz. wb. (1710) 82;
ursprünglich niederd. iterativbildung zu stôten (
oben nhd. stoszen
verb. und zur besonderen bedeutung '
mit der zunge anstoszen'
dort II 12;
sp. 537)
so noch ndd. stotern
titubare Diefenbach
gloss. 586
a;
schon im 16.
jahrh. in die hd. schriftsprache übernommen, s. unten belege bei Luther, Fischart;
bei Maaler
jedoch noch nicht verzeichnet; mit umlaut stötteren
noch bei Schottel (1663),
vgl.stötern
balbutire Diefenbach
nov. gloss. 47
a;
im reim auf göttern
bei S.
Dach (
unter 5)
vereinzelt in der neuzeit als norddeutschhaussprachlich bei Hebbel (
s. u.): stottern Stieler (1691)
und neben stockern (
s. oben sp. 86)
bei Steinbach (1734);
elsäss. stotteren
neben statteren (er stattert allewil noch) Martin - Lienhart 2, 620,
die form stattern
auch bei Blancard
a. o. (
s. auch oben th. 10, 2
sp. 1020);
synom. elsäss. weiterbildungen statzelen
neben staxen Martin-Lienhart
a. o. (
dieses wohl unter anlehnung an stocken),
vgl. auch gestax
und unten stotzgen
verb. eine nebenform stuttern Doornkaat Koolman 3, 359
a,
dem im engl. to stutter (
neben einfachem to stut)
entspricht, auch vereinzelt im nhd., so (
im reim auf muttern '
brummen, murmeln'
th. 6
sp. 2824)
bei Weckherlin: den schwachen gibt er (
Bacchus) stärk und muht, den armen gibt er gelt und gut, die stummen macht er mutteren, die redner macht er stutteren
ged. 2, 389.
rein hochd., wenn auch mundartlich beschränkte begriffliche entsprechungen (
schwäb.) gacksen (
th. 4, 1, 1
sp. 1130,
dort 2
b), (
schweiz.) staggeln (
th. 10, 2
sp. 538),
bair. trucken
u. s. w. (
öster.) stickezen, (
tirol.) giggitzen
u. a. norw. stotre 'stottern'
kaum zu neunorw. stota 'stottern' (
die übernahme höchstens durch dieses befördert),
sondern aus mndd. stottern
entlehnt. ein verstärktes gestottern
verb. th. 4, 1, 2
sp. 4244. 11)
im eigentlichen sinne infolge eines sprachfehlers: ich aber gleube, Moses habe eine schwere sprache und zungen gehabt, dasz er gestammelt und gestottert habe Luther 16, 56
Weim.; sie stottert ein wenig, aber es steht ihr nicht übel an Liselotte
br. 6, 444; aber welch ein hof! der chef desselben stotterte so entsetzlich, dasz er nicht ein wort hervorbringen konnte Knigge
roman meines lebens (1781) 1, 157 (Mendelssohn
schr. 1, 35); geschwind, und sprich hurtig! ich wollte du könntest stottern, dasz dir dieser verborgene mann aus dem munde käme, wie wein aus einer enghalsigen flasche, entweder zu viel auf einmal oder gar nicht
Shakespeare 4, 230 (
wie es euch gefällt 3, 2); wider Kamptz, dem erzschergen, der noch immer stottert und darum solche öffentliche rede gern auf ewig verdammen möchte
F. L. Jahn
briefe 98; Mercutio, Mercutio, was geschieht dir? du hast doch sonst nicht gestottert, du klapperst ja ordentlich mit den zähnen Eichendorf
w. 4, 430; er stotterte ohne unterlasz, und doch ward jedes seiner worte von den umstehenden verschlungen Dahlmann
franz. revolution (1848) 225; er (
Ludwig XIII) stotterte, wenn er zu sprechen anfing Ranke
w. 2, 291; vor zeiten gabs ein kleines land, worin man keinen menschen fand, der nicht gestottert Gellert
w. 1, 55.
auch die zunge stottert (Fontane
w. I 2, 567),
so besonders infolge von trunkenheit: meerreuber und reuber auf dem meer sind zweyerley auf den trunken abent, wenn die zunge stottert Luther 8, 696
Weim.; die zung geht auf stelzen; sie stottert, der kopf schlottert Fischart
Garg. 148
neudr. 22)
aus überraschung, bestürzung, verlegenheit u. ä. seelischen veranlassungen, indem sich nur mit schwierigkeit oder überhaupt nicht die rechten worte finden lassen: ich würde auch gestottert haben, denn sie können nicht glauben, was für einen schmerzen der seele ich bei dem wahren accent der englischen sprache fühlte La Roche
fräulein v. Sternheim 212
lit. denkm.; er stottert immer, wenn er was sagen will Lavater (
in schr. d. Göthe-gesellsch. 16, 319); ich sah ihre verlegenheit, sie blickten einander an, stotterten und fragten nach dem preise Göthe 21, 156
Weim. (Klinger
neues theater 2, 214); der junge Siegwart wurde roth und stotterte Miller
Siegwart (1777) 1, 23; stottern sie, suchen sie auszuweichen, so breche man ... ab Knigge
umgang mit menschen (1796) 1, 173; heute wird er (
der stutzer) wispeln, morgen schnarren und übermorgen, wenn er es schön findet, stottern
portraits (
Lpz. 1779) 56; dasz er auf einmal erblasste, stotterte, verstummte Steffens
was ich erlebte 3, 317; Oswald konnte kaum reden ... und endlich stotterte er Holtei
erz. schr. 19, 46; Dietrich war bestürzt, dasz ihn der herzog nicht wieder erkannte, und stotterte Laube
schr. 15, 171; er war sehr verlegen und stötterte Hebbel
br. 3, 254; im gespräch stotterte er oft, eine unbeschreibliche angst befiel ihn, er hatte das ende seines satzes verloren G. Büchner
nachgel. schr. 229; so stotterte der junge mensch, und fast traten ihm thränen ins auge Kürnberger
novellen 1 (1861), 98; der schutzgeist, dems bisher an worten nicht gefehlet, fieng nun zu stottern an Triller
wurmsaamen (1751) 2, 12. 2@aa)
mit angabe des stotternd gesprochenen: ich zitterte vor ihm, stotterte: 'herr ... major! ich bin ...'
der arme mann im Tockenburg 1, 120; 'ich weisz nicht' stotterte ich 1, 67; 'ich schliesze es' stotterte er, ... 'doch bitte ich um verzeihung, aus ihrer physiognomie' Thümmel
reise (1791) 1, 48 (
vgl. auch 8, 36); 'gnädiger papa' stotterte das erröthende mädchen von siebzehn jahren
deutsche erzähler d. 18.
jahrh. 12
lit. denkm.; 'ich danke ihnen, Gretchen', stotterte ich, 'dasz sie meinem wunsche nachgegeben haben' J. Schreyvogel
schr. (1829) 1, 63; 'ich glaubte nicht, dasz sie mich vermissen würden', stotterte er endlich Tieck
schr. 17, 6; 'den sinn? — den sinn? — je nun, den weisz ich nicht', so stotterte der arme wicht Pfeffel
poet. versuche 10, 148; sein gesicht war noch bleicher als gewöhnlich. 'Friedrich' stotterte er, 'du sollst sogleich zum ohm kommen' Annette 2, 286 (W. Raabe
Horacker [1876] 125); 'was hat Christus mit Belial zu schaffen?' stotterte ich Holtei
erz. schr. 22, 269; ein alter klavierstimmer stotterte auf die frage, was Mozart ihm schuldig sei, vor verlegenheit und angst: 'ihro kaiserliche majestät ...' O. Jahn
Mozart 3, 247; Hradscheck war kreideweisz geworden und stotterte: 'ja hast recht' Fontane I 6, 387 (
vgl. auch I 5, 236); 'herr baron, diese frage ...' stotterte frau Kurzmichel Ebner-Eschenbach
schr. 4, 36; 'ich bin ja man blosz der landsmann von das mädchen', stotterte der vermeintliche einbrecher H. Seidel
Leberecht Hühnchen 286; 'und Ramiro? —' stotterte Clara, und entsetzen lähmt die zunge Heine
w. 1, 45
Elster. 2@bb)
mit accus. des inhalts: mitten in der antwort, die er zu stottern angefangen hatte Wieland
Agathon (1766) 1, 236; er stottert ihr entschuldigungen
w. 9, 46 (
Musarion 2); ich erschrak, ich stotterte ein gegenkompliment K. Fr. Bahrdt
leben 4, 232; Leander ward mit freud erfüllt und stotterte willkommen Hölty
ged. 22
Halm; wie verloren in begeisterungen, stottert Ismael entschuldigungen J. D. Falk
satiren 2, 24; hierauf wurde Hermann roth und stotterte einige worte Immermann
w. 5, 27
H.; stottre die zerknirschungsformel 'ich werds nimmer thun' Nestroy
w. 2, 299; er stotterte ungeschickt einige ablehnende worte Laube
w. 2, 239; sie ... stotterte eine entschuldigung O. Ludwig
schr. 2, 162; ich stotterte verlegen 'ja' und einige thatsachen über die natur der schulden G. Keller
w. 1, 152; wie ein nachtwandler ... erwacht er aus seiner betäubung, stotterte einige verwirrte worte G. Hauptmann
bahnwärter Thiel (1892) 39; und in abgebrochnen lauten, die sich seltsam überstürzten, hat er seinen dank gestottert für die grosze, grosze ehre Heine
w. 2, 417
Elster. auch: (
ich) stotterte ...
etwas von längst gehegten wünschen einer solchen bekanntschaft Holtei
schr. 2, 13; er stotterte etwas vom krämer Hedderich, vom sturm, von kurfürsten Willibald Alexis
hosen des herrn von Bredow 1, 194. 2@cc)
mit einer richtungsmäszigen bestimmung wie heraus (
s. auch th. 4, 2
sp. 1047): der magister stotterte etwas von 'alles sei gottes wort' heraus Göthe
gespräche 1, 12
Biedermann; ihr advokat stotterte eine gewisse kritische frage heraus
deutsche erzähler d. 18.
jahrh. 148
lit. denkm.; ich stotterte eine antwort heraus Bauernfeld
schr. 3, 225; endlich stotterte es der eine heraus: 'wodki!' Viebig
das schlafende heer 1, 100;
daneben auch hervorstottern (
th. 4, 2
sp. 1200);
zugleich mit reflex. gehalt hinein (
wie sonst in sich hinein reden
u. ä.): es glückte ihm aber so schlecht, dasz er sich nur immer tiefer in taube worte und widersprüche hinein stotterte und stammelte J. J. Chr. Bode
Thomas Jones 6, 124.
daher: (
gefragt,) so wuszte er nichts, schwieg entweder still oder stotterte etwas unvernehmliches daher Nicolai
reise 4, 748; da wurd sie rot bis in den kragen und stottert da ein zeug daher, wie ihr gewand nicht schön mehr wär O. Ludwig
w. 3, 618.
neben einfachem herstottern (
th. 4, 2
sp. 1167); ich stotterte etwas her, das einem vorwand ähnlich sehen sollte A. G. Meiszner
skizzen (1778) 1, 79; hinstottern: ich weisz nicht, was ich der guten alten für einen vorwand hinstotterte Göthe 25, 1, 195
Weim.; vor (
s. auch unten:) als schmeichler stottern ihm molch und ottern loblieder vor Platen
w. 1, 110
H. 2@dd)
mit adverb. bestimmung: ich will
hier früchte für den winter einlegen, stotterte er verwirrt Tieck
schr. 4, 422; Hermann konnte ... seine verlegenheit nicht bergen. hast du dem vater davon gesprochen? stotterte er leise Holtei
erz. schr. 7, 64; und der föderalist senkt sein auge und schreit nicht mehr verzweifelnd, sondern stottert leise und tonlos Kürnberger
siegelringe (1874) 217; Münchhausen ... stotterte hastig: Immermann
w. 2, 16
H.; und er stotterte lachend, indem er gegen den offizier torkelte: bezahlen ... zahlen sie zuerst ihre schu . schulden, herr lieutenant, e . eh sie di . die leute aufschreiben .. schreiben! G. Keller
w. 6, 304; als Ludewig von Bayerland das heiligenbild erblicket, da kniete er nieder andachtsvoll und stotterte selig verzücket: Heine 2, 172
Elster. 2@ee)
in erweitertem gebrauch, so im hinblick auf eine fremde sprache '
sie nur unvollkommen sprechen; radebrechen u. s. w.': (
du) schämest dich nicht ... der einzige zu seyn, der ... latein stottert Wieland
Lucian 5, 140; deutsch und französisch unter einander stottern Gerstenberg
schlesw. lit. br. 341
lit. denkm.; ich kann nun etwas italienisch und französisch stottern Schubart
br. 1, 177
und so im übergang zum folgenden: (
die lerche versucht) durch einen fremden ton den eignen zu verdrengen und ein canarisch lied mit deutschem hals zu singen; sie stottert tausendmal und wird sich selbst zur last Schwabe
belustigungen 2, 283. 2@ff)
bildlich '
eine sache nur stümperhaft verstehen, erledigen; einer unternehmung nur unvollkommen gewachsen sein u. s. w.' (
vgl. hier als bedeutungsübergang noch besonders den erweiterten gebrauch unter e und den beleg bei maler Müller
unter g)
; so schlagwortartig auf dem gebiete der politik: zum dritten male werden wir ohne zu stottern sie (
die angelegenheit zwischen Deutschland und Napoleon) zum ende führen Görres
schr. 3, 253; es ist ... ein wunderbares ding um die vox dei in unserm lieben vaterlande, sie stottert, schreit dummes zeug
br. 1, 38; auch die officianten huben alle gleich zu stottern an Hoffmann v. Fallersleben
schr. 4, 138. (
literarisch)
im ausdruck der gedanken u. ä.: als er mich allein nahm nach aufgehobener tafel, sagte ich ihm, dasz ich in meiner schrift mit zittern von der grösze des feldherrn etwas gestottert hätte Th. Abbt
verm. w. 6, 32; es geht immer so ..., dasz ich stottere und dasz du mir dann reiner begreiflich machst, was ich wollte Bettine
die Günderode (1840) 2, 231.
erkenntnismäszig (
vgl. auch den beleg bei M. Chr. Irenäus
unter 2
g): ich zittre nur, ich stottre nur, und kann es doch nicht lassen, ich fühl, ich kenne dich, natur, und so musz ich dich fassen Göthe 2, 185
Weim. 2@gg)
im nebeneinander mit entsprechenden begriffen; so neben stammeln
verb. (
th. 10, 2
sp. 648): wir stammlen und stottern, lallen und tallen zwar davon, so vil uns in dieser schwachheit und blindheit ... müglich
M. Chr. Irenäus
spiegel der hellen (1588) 50
a; indessen ist es ihm labsal reden zu können, wenn er auch nur stammeln und stottern solte Hippel
lebensläufe 2, 180; sie stotterte und stammelte (
vor erregung) Laube
schr. 3, 151; sie stammeln und stottern und schwatzen zuletzt! und gleich sind vertroknet die krüge Göthe 1, 207
Weim. neben stocken
verb. (
th. 10, 3
sp. 71;
unter 5); der simple mensch sieht immer zehn auswege, einem beschwernis zu entkommen, wo ein denker oft stockt und stottert maler Müller
w. 3, 147;
begrifflich weiter auseinander liegend: der alte heide, der sich seit so vielen jahren nur mit seinen griechischen autoren herumgetummelt hatte, druckste, stotterte, würgte Holtei
vierzig jahre 1, 162; dazu murmelte und stotterte er (
Hans Unwirsch vor verwunderung über die plötzliche begegnung mit dem major), dasz er nicht wisse, dasz er nicht begreife ... W. Raabe
hungerpastor 2, 27; ich möchte danken, möchte weinen, heulen, und wenn ich stottre, wenn ich lamentire, ists alles meinem könige zu ehren Tieck
schr. 1, 362. 2@hh)
einen stottern machen: auch würde der tadel die nur erschrecken und einschüchtern und sie erst stottern machen Chph. v. Schmid
schr. 6, 199. 33)
adject. verwendung des part. stotternd: der stotternde junge mensch Fr. L. Schröder
dram. w. 3, 55; einen alten stotternden stutzer Pückler
briefw. 2, 267; ein stotternder zweideutler Grabbe
w. 3, 129; (
die nebenperson) des stotternden richters don Curzio im Figaro O. Jahn
Mozart 4, 218.
auch: eine stotternde sprache Rabener
sat. 1, 132; mit einer stotternden stimme (
sprechen) La Roche
fräulein v. Sternheim (1771) 1, 374; wir begrüszten ihn (
einen in das zimmer tretenden ältlichen herrn) mit wenigen ... worten, die er mit bellenden, stotternden tönen erwiderte, so dasz ich mir keine silbe des hottentottischen dialekts enträthseln konnte Göthe 31, 42
Weim.; ein langer hagerer mann mit ganz schneller, fast stotternder aussprache J. Kerner
bilderbuch (1849) 195; es ist eine plage, sich mit solcher stotternden schrift befassen zu müssen Tieck
novellenkranz 3, 306; als Lucinde in stotternder unsicherheit die meldung macht, dasz ... Gutzkow
zauberer v. Rom 1, 47.
praedic. und entsprechend der bildlichen verwendung oben unter 2
f.: der himmel ist auch gar gnädig hierselbst und die warme wintersonne gar nicht lahm und stotternd Görres
br. 3, 557.
gestottert: (
er) schüttete, als er anfing, in einem hohlen bellenden ton, so schnell, dasz ein wort das andere jagte, ein gestottertes anathema über das andere auf den armen Sebaldus aus Nicolai
Seb. Nothanker (1773) 1, 39; die gestotterte phrase der unkunst Platen 303; mit dieser furchtsam gestotterten anrede übergab sie ihm das päckchen und zog sich eiligst zurück Holtei
erz. schr. 12, 18. 44)
adverb. stotternd: etwas stotternd vorbringen
vgl. Wieland
Lucian (1788) 1, 8; nachdem er dreimal die worte ... stotternd wiederholt hatte ... Hippel
kreuz- und querzüge (1793) 1, 497; stotternd und dumpf, dann heftig und gewaltsam sprach und rief er Göthe 23, 295
Weim.; nachdem herr Hilmar sich erst einigemale geräuspert und noch einige tiefe bücklinge gemacht hatte, fing er stotternd an J.
M. Miller
briefw. dreier acad. freunde (1778) 1, 40; ist endlich das längst im busen pochende bekenntnis den furchtsamen lippen stotternd entflohn ... Knigge
umgang mit menschen 2, 87; wenn ich auch nur die hälfte meiner empfindungen dir stotternd gestände A. G. Meiszner
Alcibiades 2, 112; wenn wir des pöbels witz, den man uns ... recht stotternd zugelallt, recht stotternd wieder lallen Eschenburg
beispiele 2, 229; liebe mutter, erwiderte stotternd der jüngling Tieck
schr. 19, 6; stotternd fragen
vgl. Gaudy
w. 2, 128; er setzte stotternd hinzu: ich weisz ... Auerbach
schr. 16, 106; eben war ein kämmerer des königs in der herberge und verkündete stotternd, dasz er dein mahl hierher tragen werde G. Freytag
w. 8, 138; verblüfft und stotternd zog er sich endlich zurück und lief in sein zimmer G. Keller
w. 5, 87.
entsprechend oben 2
f und im gegensatz zu ausdrücklich
im sinne von '
unbestimmt, dunkel u. ä.' fühlte ich die schuld, die ich ... auf mich geladen hatte, obgleich nicht ausdrücklich, nur stotternd Göthe 24, 203
Weim.; ihr jüngern aber, die ihr unverzagt unausgesprochnes auszusprechen wagt, den sinn, woran die hand sich stotternd masz, das unvermögen liebevoll vergasz, ihr seid es, die, was ich und ihr gefehlt, dem weiten kreis der kunstwelt nicht verhehlt 49, 1, 334; (
das mädchen) läszt stotternd kaum im nebel sehen, was sie gethan Blumauer
gedichte (1782) 154. 55)
das stottern (
wie oben das gestotter
th. 4, 1, 2
sp. 4244)
haesitantia Frisch 2, 342
a; das gatzen oder stoddern
titubatio Kirsch (1723)
bei Diefenbach
gloss. 586
a; je mehr von jugend auf das gefühl bei mir wuchs, dasz man ... das wohlgedachte auch gut und ohne stottern hervorgeben solle, ... Göthe 42, 2, 49
Weim.; (
setzen) eine ehre darein, das pensum (
des auswendig gelernten) ohne stottern herzusagen G. Keller
w. 2, 90; du wirst gestehn ohn stöttern, dasz jenes werk gebaut von menschen, dies von göttern S. Dach 510
Österley; aber fing endlich nach einigem stottern der vater der götter an: J. J. Engel
schr. 1, 15; sich ... wie das buchstabiren zum lesen, wie stottern zum recitiren und deklamiren verhalten Göthe 47, 42
Weim.; sie erstickte von unwillen und innerlicher wuth, und mit stottern redete sie weiter Schiller 3, 558
G.; sein erblassen, sein stottern überzeugten uns leider von der wahrheit der anklage Steffens
was ich erlebte 3, 215; zahnloses stottern Nestroy
w. 6, 41; der inhalt der rede ist bewuszt und gewollt und daher erscheint stottern, lallen
u. dgl. als widerspruch Fr. Th. Vischer
ästhetik. 1, 357; nach einigem stottern von seiner und erröthen von ihrer seite waren die liebenden herzen bald wieder einig
M. Meyr
erz. aus dem Ries 1, 37; (
mit) stottern ihre gedanken ausdrücken Auerbach
schr. 11, 87; sonst komm ich wieder in das stottern, das meine zeit und meine besten kräfte zu verzehren droht O. Ludwig
an Devrient 384; da wird lispeln geschwätz, wird stottern liebliche rede Göthe 1, 250
Weim.; mit stottern biet ich die flasche J. H. Vosz
ged. 4, 183; ich kann nicht reden, wie ich mögte, wenn ich dir ins antlitz sehe, und von meinem stottern hast du vorhin wohl genug gehabt Hebbel
w. I 4, 76.
entsprechend oben 2
f: das allgemeine verhältnis erkennet nur gott; deswegen alles menschliche ... sinnen und trachten am ende auf ein bloszes stottern hinauslauft Göthe 37, 337
Weim.; sie sehen, ich habe eigentlich das ganze gedicht umgearbeitet ... hat mein extemporirtes stottern zum erstenmahl ihnen gefallen, so weisz ich, dasz die fleiszige aus- und bearbeitung ihnen nicht hat misfallen können Öhlenschläger im
Göthejahrb. 8, 14.
technisch das stottern einer maschine,
wenn ihre räder keinen gleichmäszigen gang haben Jacobsson; Krünitz 174, 696.