Wossidia
stöten Prä
s. stöt, stöttst, stött, Prät. stödd' (lautl. störr),
Part. stött stoßen: Mi 87
b; Nerg. 166; Kolz 122;
N. Monschr. 5, 274. 1. trans. a.
mit refl. Dat. etw. aufprallen lassen: stöt di nich 'n Kopp an de Lamp! RoRostock@RibnitzRibn; Schlußformel im Märchen: dee 't nich glöben will, dee kann sick 'n Kopp an 'n Aben stöten, denn kann he 't fäuhlen S. Neum. Volksm. 161. b. einen Stoß versetzen oder stoßend von der Stelle bewegen: dei (Fauler) geiht nich wider, as man em stött HaHagenow@RedefinRed; paß up, dat de Bull di nich stött! Witt; Rdaa.: dee (die Geschwängerte)
hett de Bull stött RoRostock@WustrowWustr; em (der bei der Erntearbeit schlapp macht) hett de Austbuck stött allgem.; he (als Bock vorgestellter Alkohol) hett em stött er ist betrunken Ro; auch absol.: wohr di 'n bäten, hei (Pferd) stött schlägt RoRostock@RibnitzRibn; hei sach ut as en Bull, de stöten will Reut. 3, 109; dei (Wagemutiger)
geiht keinen stöten Bull ut 'n Wäg' HaHagenow@RedefinRed; hei geiht up dal (auf eine schwere Arbeit) as stöten Bull (mit großer Kraft) Perd; den Schäpel stöten mit dem Fuß anstoßen, damit die Körner mehr zusammenfallen, daher als Maßeinheit 'n stötten Schäpel Schö; de Bäd'klock stöten
s. Bd. 1, 575 und 577. Mit präpos. Verbindungen,
eig. und bildl., an: denn' kannst licht an 'n Boort stöten er ist leicht beleidigt HaHagenow@BelschBelsch; in: 'wen he ynt ewig Fer wert gestOedt' Gry. Wed. K 3
a; hei (der Teufel) stött em oft in 'n Nacken kommt über ihn, zwingt ihm seinen Willen auf RoRostock@GresenhorstGres; wenn ... em (den Baron) de Herr in 'n Nacken stödd (wenn er seine Herrscherrolle hervorkehrte) Stillfr. Sl. 51; nu stödd Fritzen de Bur in 'n Nacken (sein Bauernhochmut kam zutage) Quitz. 2, 18; denn' stött de Buer in 't Gnick er benimmt sich bäurisch PaParchim@DobbertinDobb; Reut. 7, 190; mit: 'Hee ... stöd (stieß) see mit den Foet' (1711) Kohf. Hg. 9, 2; dei (Verschwender) stött 't (das Geld) mit dei Bein von sick WaWaren@RöbelRöb; 'anno 1577 ... word ein minsche ... mit dem rade gestot' (gerädert) Dietr.
V. Lohe 42; ut: se stöten mi mit Hand un Fot ut 'n Deenst (mit aller Kraft aus meiner Stellung) Nd. Kbl. 3, 27; hei hett em ut 't Brot (aus seiner Stellung) stött SchöSchönberg@SchlagsdorfSchlagsd; von: se (Schwachsichtige) stött de Kaffekann von 'n Disch Ro;
vgl. mit; vör: ne Sak vör 'n Noors stöten sie in großer Hast erledigen RoRostock@RibnitzRibn; dat lett sick nich so vör 'n Noors stöten ebda. c. Stöße versetzen, mit Stoßbewegungen bearbeiten: der Rahm ward stött, mit dem Pümpel im Staffbotterfatt zu Butter gestoßen Wo. Sa.; Eng. Landw. 1, 214; dat Goorn ward stött wird nach dem Auskochen geklopft, um es geschmeidig zu machen Wo. Sa.; gerbersprl. Stöten das Schaben des Felles Wa; übertr.: willen 'n Lütten stöten Karten spielen,
vgl. Koorten döschen (
Bd. 2, 431).
d. zerkleinern, zerstoßen: Tüffel, Kohl stöten zu Viehfutter zerstampfen allgem.; 'dit jar (1599) iss in der loemoele gestoet 572 kume (
s. Kumm 1 c,
Bd. 4, 754) loess' Grab. Lohgerb. 74; gestött Brot 'Mehl' aus geriebenem altbackenem Weizenbrot WiWismar@PoelPoel. e. a. Spr. abstoßen, ernten: 'dat se em muchten roer (Rohr) stoten' (1529) Jb. 9, 81.
f. hineinstoßen; in die Erde stoßen, rammen
s. Pahl 1 b (
Bd. 5, 285); als Stecklinge setzen:
Widen stöten Wo. Sa., Syn. paten; in die Tasche stoßen, stehlen: dat hett he stött (1885) Ro, Wolf 5625; mit Akk. des Ergebnisses: stöt man kein Lock in dei Wand! HaHagenow@WittenburgWitt. 2. intrans. a. aufprallen: dee (großer Junge) stött bald mit 'n Kopp an de Deck Ro;
vgl. 1 a. b. angrenzen: sin Acker stött an min Wisch RoRostock@RibnitzRibn. c. auf etw. stoßen, plötzlich antreffen: hei is bi 't Graben up Water stött Ro.
d. zustoßen: wenn mi wat to Hand stött mir ein Unglück passiert RoRostock@RövershagenRöv; vor Augen kommen: wenn mi dee to Hand stött! Prügeldrohung Wa. e. kräftig, ruckweise einen Ton von sich geben, schlagen: as de Bädklock stöten ded' Bri. 2, 30; wenn de Bäd'klock stött hett Wo. Sag. 1, 112; doch
vgl. 1 b.
f. kräftig, ruckweise hineinblasen: de Wind stött in 'n Schostein SchwSchwerin@PampowPamp; Muskant, stöt int Huurn! MaMalchin@LangwitzLangwitz; auch mit up: dat is (bei lautem Farz), as wenn dei Düwel uppe Posaun stött PaParchim@DobbertinDobb. g. eine Erschütterung empfangen und weitergeben: din Wagen stött œwer dull! HaHagenow@WittenburgWitt; dat Schipp stött,
vgl. Stöter 3 a. 3. rezipr. a. zusammenprallen; im Tanzreim: Seht uns nah 'n Föten ..., Dat wi uns nich stöten Wi; Spielkugeln
stöten sick Wo. Sa. b. einander Stöße versetzen: dei Schap stöten sick gilt als Anzeichen kommenden Gewitters Wi; Rdaa.: dee (Dickschädel) hett 'n Kopp, kann sick mit 'n Bull stöten HaHagenow@RedefinRed; dee hett sick mit 'n narrschen Hamel stött ist verrückt Ro Rostock@LichtenhagenLicht. 4. refl. aufprallen: stöt di nich an de Finsterladen! RoRostock@RibnitzRibn; Rdaa.: Dor hett sick ein stött, Dei hett mihr schäten as blött da liegt ein Kothaufen GüGüstrow@GülzowGülz; scherzhaft: dei Fuust hett sick an 't Og' stött es hat Schläge gegeben RoRostock@LichtenhagenLicht. Für refl. Dativ
s. 1 a. — Zss.: af-,
an-, dal-,
dörch-,
in-, rin-,
rüm-, run-,
rut-, tau-, trecht-, trügg'-, ümher-,
üm-,
up-,
ut-, vör-,
wegstöten; Bullen-, Pahlstöten. — Mnd. stôten, --. — Br. Wb. 4, 1053; 6, 346; Dä. 463
b; Da. 213
b; Kü. 3, 298; Me. 4, 871.