[]stäuben,
verb. als factitiv mittels jan-
suffixes gebildet zu dem starken verbum stieben (
s. u.)
mit benutzung des praet. sing. ahd. stoup. (
weniger wahrscheinlich zu dem subst. staub
wie etwa räuchen,
verb. theil 8,
sp. 245
zu rauch,
m.),
mhd. stöuben;
dagegen ohne umlaut stouben,
das sich zu nhd. stauben (
s. o.)
stellt. zweifelhaft bleibt in seiner zugehörigkeit ahd. stouban, stoupan.
vgl. noch nd. stoven.
im übrigen haben sich stieben
und stäuben
vielfach ihr hausrecht streitig gemacht, vgl. nur beide synonym gebraucht: in Teutschland, in den Alpen, bei den Savoiern und in Piemont stiebe und stäube alles voll unholden Fischart
Bodin (1591) 267;
wie denn auch stieben
gleichsam zum ersatz für stäuben
ein schwach flectierendes praet. stiebte
mit transitiver function gebildet hat. vgl. andererseits unten 7,
sowie die oben gegenüber stauben,
verb. gethanen übergriffe (
s.stauben 2). 11)
den staub emporwirbeln, dasz er wolkicht fliegt, pulverem movere Schottel 1421, Frisch 2, 322
a. 1@aa)
beim gehen, schreiten, laufen, fahren: 1@a@aα) stäube nicht so! Adelung; der pabst und kaiser und clerisey! haben lange mäntel und lange schwänz, ... trottiren und stäuben zu hellen scharen. Göthe 13, 3 (
puppensp. prolog). die füsze stäuben: liebliche ruh, stäubt endlich der fusz in des weges krümme nicht mehr. Klopstock
oden 2, 33, 9. staub aufwirbelnd fahren
u. s. w.: er rennt nach, der wagen schieszet voraus und im freien sieht er ihn schon hinter seinem schlosze stäuben J. Paul 1, 48 (
unsichtb. loge 1); setze dich hier, und lausche nun nicht dem stäubenden rade, noch dem schnaubenden rosz Stolberg 1, 377 (
traum);
hierher auch: so bricht aus jenem stäubenden gewimmel (
des kampfes) der schmucke Fortunatus manches mal: ... bald taucht er auf, bald wieder taucht er unter. Uhland
ged. 437 (
Fortunat 1). 1@a@bβ) stäubende fahrt, flucht: siehe, da rudelten dort sich die hirsche zusammen, und stürzten laut die stäubende flucht hinab durchs offene blachfeld. Bürger 246
b; er, Roin der held und Ferschideward ritten dahin die stäubende fahrt. Rückert
Firdosi 2, 147. 1@a@gγ)
begrifflich stärker zusammengeschlossen mit dem localen bahn, weg
u. s. w.: denn wer träte mit euch in die stäubende bahn, wo es am ziele grünt, säumt euch das nicht im lauf? Klopstock
oden 2, 34, 7; wo vom staub und blut der waffen stets die wilde rennbahn stäubet. Arndt 5, 38 (
Rösch-Meisner); das ist Italien, das ich verliesz. noch stäuben die wege. Göthe 1, 349; dem geistigen blicke erscheinen die fahnen, erscheinen die heere, das stäubende feld. 2, 43 (
Rinaldo).
ganz allgemein: das rosz schnaubt dampf und rauch, es stäubt und kracht die erde. J. E. Schlegel 4, 53. 1@a@dδ)
mit gröszerer unbestimmtheit es stäubt,
der staub wird (
in wolken)
aufgewirbelt: ich seh' es stäuben von fern, und einen in dem staube kommen. ich kenn' ihn nicht. Klopstock 9, 77 (
Salomo 3, 5); und wer bin ich denn, gegen ihn, wenn laut die schlacht ertönt, und es nun gen himmel stäubt! 40, 22 (
David 1, 8); und laszt uns sehn, dort stäubt's im sand, dort zieht ein wüthig heer zu land. Göthe 13, 53 (
neuestes von Plundersweiler). es stäubt in der ferne stark, heftig;
doch wendungen wie er reitet fort, dasz es stäubt Kramer
dict. 2 (1702), 916
b; es stäubt heute sehr
u. ä. ordnen sich vielmehr zu unten 7,
a; zweifelhaft bleibt: es stäubt draussen,
egli fà polvere fuori Kramer
dict. 2 (1702), 916
b. 1@bb)
weniger die blosze bewegung und erregung als die entstehung selbst scheint begrifflich unserm wort eingeschlossen: ja ich verschmachtete schier in der stäubenden dürre des sommers. Voss 2, 260 (
der bezauberte teufel). 1@cc)
in der jägersprache stäubt
das federwild, wenn es sich im staube oder sande badet v. Thüngen
waidm. pract. 310:
[] am morgen gehen sie (
die rebhühner) auf die weide, stäuben, wenn die trockenheit des bodens es gestattet, und bleiben dann den tag über fest liegen 200. 1@dd)
in der sprache der botanik stäuben
die blumen und blüten den männlichen samenstaub (
vgl. oben staub II, 1,
l, ε [
sp. 1077], staubblüte
u. s. w.). das korn stäubt
in jenem wundersamen augenblick, wo, wie auf ein zeichen, der männliche samenstaub des getreides in einer wolke sich über dem ährenfelde erhebt und bald zur befruchtung wieder niedersinkt; nach kurzer zeit ist das schauspiel schon zu ende: und unten auf besonnter flur seh ich des kornes wellen treiben, in blauen wölkchen drüber stäuben — ein keusch geheimnisz der natur. Storm 8, 248 (
auf dem Segeberg); (
die staubpilze) bilden in der blatt- und rindensubstanz kleine ... gefärbte gruppen, die oft stäuben, wenn man sie anstöszt Ratzeburg
standortgewächse (1859) 73,
wo der begriff in '
zerstäuben'
schon übergeht. die blumen stäuben duft
in dichterischer sprache; verborgen liegt dieser gebrauch in der folgenden stelle bei Rückert 3, 182: und durch den saal hin zog sie die betäubte, bis zu dem orte, wo verdeckt lag Flor in seiner wiege, die von düften stäubte. 1@ee) perrücken stäuben,
geben puderstaub von sich, als begleiterscheinung einer bei uns nun vergangenen mode des 18.
jahrh. (
vgl. auch die belege unter staub II, 1,
l, γ,
sp. 1077): von heiszen stirnen nicken und stäuben die perrücken wie wolke birgt den blitz. Keller 10, 15 (
Panard u. Galet). 1@ff)
bei einem kranken thiere, z. b. einem hunde stäubt das fell,
hat glanzloses aussehen und giebt beim berühren staub von sich: räudige schaafe lassen die wolle gerne gehen: und wenn der fuchs kranck wird, so stäubet ihm der balg A. Gryphius (1698) 1, 805 (
Horribilicribrifax). 22)
im übergang schon zu dem begriff '
zerstäuben'
vom stark herabfallenden wasser (
vgl. entspr. staub
1 II, 1,
l, θ,
sp. 1077
und staub
2,
wasserfall, weiterhin staubbach
u. s. w.). Schönaich (
ganze ästhetik in einer nusz) gieszt noch seinen spott über diesen gebrauch: nach der lehre der herren neologisten thut nun der bach das, was man sonst vom sande sagte, jener stäubet und dieser spritzet: wenn also mein kleid voll staub ist, so ist es bespritzet, ... wenn ich aber ins wasser gefallen bin, so bin ich bestäubt,
doch ohne guten grund. 2@aa) der bach, die flut
u. s. w. stäubt: so schwebet der bogen gottes über der stäubenden fluth des stürzenden stromes! Stolberg 1, 143;
vgl.: sie (
die sonne) mahlet mit farben des himmlischen bogens die schwebenden wolken der stäubenden fluth. 1, 105. strömt von der hohen steilen felswand der reine strahl, dann stäubt er lieblich in wolkenwellen zum glatten fels. Göthe 2, 58 (
gesang der geister über den wassern); euch, kleine wellen, seh' ich stäuben den fels hinab im raschen lauf. Platen 10
b; (
strom,) der von der höhe herunter in allen farben des regenbogens stäubend und wirbelnd in die tiefe schosz Klinger 10, 126 (
Sahir 3, 6).
im vergleich: die jahre fliehen hin, so wie ein stäubender bach. Zachariä 2, 291.
im bilde: du, meines hymnus feuerstrom! er stäub' und donnr' im thale. Schubart
ged. 2, 277. 2@bb)
deutlich in dem begriff '
zerstäuben'
aufgehend: hochauf bäumen sich die wilden wasser und schauen gierig über den deich in's gesegnete land, weit hinein ihren stäubenden schaum schleudernd Allmers
marschenb. 34;
mit gleicher wirkung erscheint das passiv: den fallenden sturz gestäubter wasser. Rückert 12, 47.
hierher auch der regen stäubt,
fällt und rieselt fein herab (
vgl. unten staubregen): unbewegt stand die elegante schwarz befrackte gestalt des bräutigams am fenster und sah in den stäubenden regen hinaus Marlitt
zweite frau 37.
substantivisch mit weiterer bestimmung: der regen
[] verwandelte sich in ein dünnes stäuben Ganghofer
mann im Salz (
gartenlaube 1905
s. 988
b). 2@cc)
erweiterungen dieses gebrauches. 2@c@aα) das stäubende rennen eines baches
u. s. w.: der alte hat den steg erreicht, den durch des wirbels stäubend rennen er eben, eben mag erkennen. v. Droste-Hülshoff 2, 51 (
hospiz auf dem gr. S. Bernhard). 2@c@bβ) des baches stäubender nebel: bis er (
der sturzbach), aufgefangen von einer vorstehenden felsplatte, ... mit stäubendem nebel die tiefe anfüllt, und die grüne matte weit umher bethauet Stolberg 6, 180. stäubendes silber: so entsenket die erscheinung des Thuiskon, wie silber stäubt von fallendem gewässer, sich dem himmel, und kommt zu euch. Klopstock
oden 1, 171, 5.
vgl. die bezugnahme auf diese stelle bei Herder 5, 353 (
Suphan). 2@c@gγ)
als letzter grad solcher erweiterung brücke, welche stäubt,
welche ganz von feinem wasserstaub umsprüht wird, vgl. auch die hierauf zielende anschauung des begriffes in dem beleg unter 2,
c,
α: sendet der berg nicht seine windeswehen auf euch herab von dem beeiszten joch, so kommt ihr auf die brücke, welche stäubet. Schiller 14, 423 (
Tell 5, 2). 33)
mit ausgesprochenem object: dann der lufft die äschen hin und wider stäubt Stumpf
Schwytzerchron. (1606) 153
a; der stab wird mir nicht allein von dem staube, den der weg stäubt, wird dem wanderer auch von asche näherer todter bewölkt. Klopstock
oden 2, 26, 2;
vgl.: (
er) stäubte den staub von unsern hallen zur sonn' auf, und liesz sie in schutt zerfallen. Rückert
Firdosi 1, 43;
was denn auch leicht an eine tautologische verstärkung grenzt: sie (
die beiden jungen helden) stäuben nun auf des kaisers bahn den staub des kampfes himmelan. 3, 308.
vgl. als sich mehr an 2
anschlieszend: ist er (
der sperling) unglücklich, wenn das pustrohr des tölpischen knaben auf ihn zielt, und im nächsten moment rollt er, ein blut stäubendes federklümpchen, das dach herab? Alexis
Isegrimm 267. 44) stäuben
mit weiterer richtungsangabe in der bedeutung '
stäubend streuen',
zumeist mit object: und nam das kalb, das sie gemacht hatten, und verbrands mit fewr, und zumalmets zu pulver, und steubts auffs wasser
2 Mos. 32, 20; im winter aber stahl ich nieszwurtz und stäubte sie an den ort, da man die knaben zu castigiren pflegt
Simpl. 1, 625, 5
Keller; ein wenig pfeffer auf die speise stäuben Adelung; er kam an die Donau, setzte sich ans ufer nieder, scharrte den sand mit seinem stock auf, und stäubte ihn ins wasser Miller
Siegwart 2, 315.
im geistigen bilde: so sind unser augen vil zu dunckel, nach dem der teufel sein mord und blindheit drein gesteubet Mathesius
Sarepta (1571) 199
b.
passivisch gewendet: secht da, der ist genug gestäubt, als käm er vom eschermittwoch
Garg. 403
neudr. hierher 'gestäubte tapeten,
auf welche sehr feine wolle oder seide gestäubet wird' Adelung
und G. Freytags
versuch, den begriff '
mehl'
hinter der alterthümlich erfundenen kenning gestäubte gabe
zu verbergen: was bedeutet die gestäubte gabe, soll sie zu einem opferkuchen für die götter, weil die hände freier jungfrauen den stein gedreht haben? 8, 80 (
ahnen 1, 1, 5). 55)
durch abstäuben, ausstäuben
reinigen u. s. w., doch haben die zusammensetzungen jetzt durchaus die herrschaft; mit innerem object: sy bekleydens mit purpur und stöubend denn den staub ... ab jren antliten
Zürcher bibel (1531) 6
b; wenn schaaren vorausgesprengter kuriere unsere niederfahrt melden, dasz sich die satane festtäglich herauspuzen, sich den tausendjährigen rusz aus den wimpern stäuben Schiller 2, 44 (
räuber 1, 2
schausp.); der leibhusar ... stäubte mit dem schnupftuch den puder vom kleid Hebel 2, 246, 32
Behaghel; oft habe er sich durch ohrfeigen den puder aus den goldblonden haaren gestäubt
Uhlands leben 5.
verbunden mit andersartigem begriff: erst wenn die orgel schwieg, klappte auch er sein gegesangbuch zu, stäubte sich mit seiner ausgespreizten hand die andacht aus den rockaufschlägen Storm 3, 190 (
zwei kuchenesser),
eine psychologisch fein beobachtete geste [] von leuten, die sich einem eindruck u. ä. nicht lange hingeben wollen. —
mit äuszerem object: das zimmer stäuben,
es von staub reinigen Adelung;
in der landwirtschaft das getreide stäuben,
es durch schwingen vom staube reinigen ebenda; hierher auch die betten stäuben,
die federn mit einem federwisch in bewegung bringen, so dasz die guten daunen emporfliegen, die schlechten aber liegen bleiben ebenda. mit scherzhaftem beisinn, einem die falten (
des wammses) stäuben,
eigentlich '
ihn gehörig durchprügeln',
dann überhaupt '
ihm einen ordentlichen denkzettel geben': thu frolich zusamen halten, du frommer adel gut und steubt in recht die falten.
volkslied auf Albert v. Rosenberg (1545)
bei Liliencron 4, 258. (einem) den beutel stäuben, '
ihn gründlich ausleeren': der zehn jahr ein müller war, diesem, das den beutel steubt der, der jhm die mühle liesz, scheint gar billich und erleubt. Logau 2, 9, 37 (
ein müller). 66)
in anlehnung an das vorige mit beziehung auf die elektrische eigenschaft des katzenhaares: sie (
die kräuterfrau) hatte den grauen hauskater auf dem schosz und stäubte ihm sanft die funken aus dem pelz Storm 3, 21 (
Hinzelmeier). 77)
an stelle von stieben (
starkes verb.),
zu dem unser wort mit neuer function doch überhaupt erst gebildet ist (
dabei hat gewisz die flexion ich stiebe, du steubst
u. s. w., welche im älteren nhd. genug vorkommt [
s. unten stieben],
noch das ihre gethan, um hier die grenzen zu verwischen): 7@aa) stäuben,
wie staub umherfliegen, umherwirbeln u. s. w. 7@a@aα)
in eigentlicher bedeutung: nemet ewre feuste vol rusz aus dem ofen, und Mose sprenge jn gen himel fur Pharao, das uber gantz Egyptenland steube, und böse schwartze blattern aufffaren
2 Mos. 9, 9; darzu stäubt eim der sand in hals, das verursacht ein unseglichen durst
Garg. 352
neudr.; das mehl steubt durch den beutel,
pollen per cribrum excussorium ejectatur Stieler 2124; es hat in die stube gesteubet,
pulvis in hypocausto considet. ebenda; ein geriesel, wie wenn sand auf estrich stäubt durch schmale rillen. v. Droste-Hülshoff 2, 12 (
spiritus familiaris des rosztäuschers); er (
gott) ist kein sand, der glitzernd stäubt. 1, 60 (
die stadt und der dom). stäubender sand
zum löschen der tinte: (
der Amor stand) das haupt gewendet vom stäubenden sand, und spiegelte sich in der tinte 1, 188 (
sommertagstraum); schutt und moder stäubte durch die luft Treitschke 2, 281; ich ... blickte unverwandt dem wägelchen nach, wie es durch den stäubenden sand zog Storm 9, 62; (
er) gosz das wasser in die herdflamme ... eine weile blieb er stehen, bis die stäubende asche sich verflogen hatte 13, 100; die welt werd ehstes das, was in der sonne stäubt. Logau 1, 45, 77; krachend hallte das kreuz! herauf von der wurzel stäubte die erde. Klopstock 5, 54 (
Messias 11, 780); wirbelwind und trocknen koth lasz sie drehn und stäuben. Göthe 1, 6, 106
Weim. ausg. (
westöstl. divan); der schreiner baut die wiege aus brettern, fest und stark, vom selben stück gezimmert stand nebenbei ein sarg; die späne stäubten sprühend und säg' und hammer klang. A. Grün
der letzte ritter6 14. federn und flocken stäuben: bald er (
der habicht) dieselb (
die taube) pflegt anzuschawen, gebraucht er seine scharffe klawen, zerreist dem thierlein das gefider, so von dem wind stäubt hin und wider Spreng
Aeneis 236
a; dort stäubt vom baum der flocken pflaum wie leichter blütenregen. Salis
ged. (1793) 56; man sah die (
schnee)flocken stäuben und wirbeln, von der flamme des herdes beleuchtet C.
F. Meyer
nov. 2, 93 (
hochz. des mönchs); vielleicht schon stäubet der schnee vom huf der schnellen boten, welche 'verworfen sei vom volke der von gott verworfne', melden dem aufgang und niedergange. Stolberg 2, 289
Napoleon (15.
jan. 1814). funken stäuben
für gewöhnlicheres funken stieben (
s.funke 1
theil 4, 1, 595
f. und unten stieben,
verb.):
[] schiebt das reisig der flamme ein, puh, wie die funken knistern und stäuben! A. v. Droste-Hülshoff 1, 339. (
bildlich:) es stäuben da noch immer funken von kunstanlagen Schubart
leben 2, 22. das laub stäubt: das laub von dem gezweige stäubt, wie sich der zug vorüber treibt. A. v. Droste-Hülshoff 2, 285 (
schlacht im Lohner Bruch 1). (blumen)duft stäubt (
vgl. oben 1,
d): der stäubende duft eurer balsamstaude — meldete mir die milde, die von euch thaute Rückert 11, 309 (
makame 12). 7@a@bβ)
bildlich, in anlehnung an das vorige): sie (
die studenten) studieren und zulesen sich immer, dasz jhnen das lateinische zum halse raus stäubt, wie schimlich brodt Schoch
studentenleben D 6
b; dasz dir so schäbige redensarten aus dem munde stäuben dürfen? Tieck 3, 253; ich wundre mich nur ... über alle die gelehrten anspielungen, die euch so vom munde stäuben, wie federn vom kissen, wenn das bett gemacht wird Immermann
Münchhausen 1, 83. 7@bb)
zerstieben, zu staub zerfallen und in nichts verfliegen (
vgl. auch unten zerstäuben,
verb.)
von dem akte der verwesung (
vgl. auch staub 5,
a und b, sp. 1085
ff.): jetzt erwachte sein stäubend gebein. Klopstock 5, 73 (
Messias 11, 1081); nicht in der (
grabes)kammer, wo die toten stäuben. Hebbel 4, 52, 749 (
Siegfrieds tod 1, 1);
auch: erde mag zurück in erde stäuben, fliegt der geist doch aus dem morschen hausz! Schiller 1, 183 (
elegie auf Weckherlin).
verdeutlichend dafür hinstäuben: wil sie mir nicht löschen meinen brand, so werd ich lauter asch und steub hin in den sand. Reinhold
reime dich (1673) 87.
von dem erduntergang: ruhend hoch auf Tabor, hält er den tieferzitterten erdkreis, dasz der staub nicht vor ihm in das unermeszliche stäube. Klopstock 3, 260 (
Messias 5, 325),
zu der besonderen verwendung von staub
als bezeichnung des erdballs vgl. staub II, 6,
sp. 1090; wollt' er; so stäubte die erde ins chaos. Schubart
ged. 2, 303.
der begriff weiter verdeutlicht: Tristan, umschmeichelt und umtäubt, entsetzt, beglückt, meint, dasz ihm stäubt die welt, all ding, das bei einander, in bunte funken aus einander. Immermann 13, 273 (
Tristan u. Isolde II).
ganz im bilde: sic transit gloria mundi — also gehet, fleugt und steubet alle pracht und ehr der welt dahin Kirchhof
wendunm. 375
b. 7@cc)
von dem hervorwachsen der weichen milchhaare (
vgl. auch oben staub II, 1,
l, sp. 1077
und unten staubfeder, staubhaar): ich war damals in der bästen blüt meiner jugend, und sahe man blöszlich die schwartze milchhaar über den leffzen heraus stäuben
Simpl. 1, 4, 5, 369. 7@dd)
zuletzt auch von menschen und thieren, welche eilig dahinlaufen und dabei den staub aufwirbeln: zogen damit er und Prelingant ... dahin, steubeten und spüreten unerschrocken alle tritt und spuren auss, das wild wer inns holtz oder herauss gangen
Gargantua 361
neudr., wo steuben
unwahrscheinlicher synonym mit (aus)spüren
gebraucht ist. vgl. ebenda: ain haselhun das da fleugt, ain rech das da steubt 74.
man darf also nicht verkennen, wie diese gebrauchsweise sich oben unter 1
neue kraft geholt hat; hier kam der riesige Karen gestäubt. Rückert
Firdosi 1, 252.
der ausgang von I, 1
wird noch deutlicher, wenn steuben
im part. praes. mit einem andern wort der bewegung verbunden wird; stäubend laufen, reiten
u. s. w.: der hohenflieszische infant jagte aus Italien ... stäubend und keuchend nach Deutschland zurück J. Paul 21, 19 (
Titan 1); hab' ihn stäubend reiten sehn. Bürger 291
a (
Macbeth 1, 6); drauf sah gott hin ins grüne feld, da regt' sich stäubend grosse schaar von wurm und thier und was die welt zum kriechen oder gehn gebar. Herder 6, 73
Suphan (
schöpfungslied);
[] es schwillt und wirbelt in der luft, und nun wie bienenschwarm gescheucht es stäubend auseinander fleucht. A. v. Droste-Hülshoff 2, 279 (
schlacht im Lohner Bruch 1).
mit richtungsbestimmendem adverb verbunden: ein heller ruf vereint der rüden heer, es stäubt herbei in freundlichem gewimmel. v. Droste-Hülshoff 218 (
Walther 3); und rastlos stäuben die gedanken heim nach ihrem ziel, sich kreuzend wie der schnee. Rückert
ged. (1841) 259; (
euch jagen,) dasz ihr heulend mir davon stäubt. Keller 10, 234 (
apotheker von Ch. 2, 13); als dieses endlich auseinander stäubte, lagen Wilhelm und Joseph ... sterbend bei einander am boden Fouqué
gefühle, bilder 1 (1819), 138; plötzlich verstummt die musik, der kreis stäubt auseinander v. Droste-Hülshoff 2, 375 (
bilder aus Westphalen). 88) einen stäuben,
ihn in eilige flucht jagen, gewisz ein vortreffliches eingehen in den factitiven sinn, das aber ohne die entwicklung unter 7,
d kaum zu stande gekommen wäre; auch der einflusz der bedeutung von stöbern,
verb. bez. steubern,
verb., wird nicht gering anzuschlagen sein: unnd das gevögel viel auff das fleisch, aber Abram stöubet sy davon
Zürcher bibel (1531) 15
b (
1 Mos. 15, 11,
wo Luther
hat: scheuchte sie davon); unter disen sachen fielen die Teutschen in das römisch kriegsvolk, erlegten's, schluegen's, stöberten's und stäubten's wider ausz Teutschland über den Rein in das römisch reich Aventinus
bair. chron. 1, 758, 16; das stürmende wetter stäubt ihn (
den feind) schnell vom geschützten ins feld. Klopstock 2, 61 (
Hermann aus Walhalla). eine menge auseinander stäuben,
nach allen seiten in die flucht jagen: bis Sulla ... die ihm entgegenstehenden reiterhaufen auseinander stäubte Mommsen
röm. gesch. 2, 153. 99) auf einen stäuben,
auf ihn jagd machen: hund, die dem fuchsen die hennen nit liessen zu lieb werden, sonder steubten so offt drob, bis er zuletzt den tod an den hennen frasz ... und von den hunden zerrissen ward S. Franck
sprichw. 2 (1541), 29
b.
vgl. auch mit bloszem accusativ im niederdeutschen: Augustinus schuldiget sik vor gode, dat he underwylen gherne dar na sach, wo de spennen de vleghen venghen, unde wen he gink ouer wech, dat he dar na sach, wo de hunde den hasen stoueden
serm. evang. 139
a bei Schiller-Lübben 4, 422
b. 1010) mit einem steuben,
mit ihm auf dem kampfplatz sich messen (
so dasz der staub umherstiebt): Israhel ist ein hebreisch wort, damit der grosse engel gottes, so mit Jacob dem ertzvatter am bach Jabok range oder steubete, ihn nach dem eroberten sieg nante Mathesius 130.
psalm V 1
a.