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staeuben

nhd. bis spez. · 8 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

stäuben verb.

Bd. 17, Sp. 1099
[]stäuben, verb. als factitiv mittels jan-suffixes gebildet zu dem starken verbum stieben (s. u.) mit benutzung des praet. sing. ahd. stoup. (weniger wahrscheinlich zu dem subst. staub wie etwa räuchen, verb. theil 8, sp. 245 zu rauch, m.), mhd. stöuben; dagegen ohne umlaut stouben, das sich zu nhd. stauben (s. o.) stellt. zweifelhaft bleibt in seiner zugehörigkeit ahd. stouban, stoupan. vgl. noch nd. stoven. im übrigen haben sich stieben und stäuben vielfach ihr hausrecht streitig gemacht, vgl. nur beide synonym gebraucht: in Teutschland, in den Alpen, bei den Savoiern und in Piemont stiebe und stäube alles voll unholden Fischart Bodin (1591) 267; wie denn auch stieben gleichsam zum ersatz für stäuben ein schwach flectierendes praet. stiebte mit transitiver function gebildet hat. vgl. andererseits unten 7, sowie die oben gegenüber stauben, verb. gethanen übergriffe (s.stauben 2). 11) den staub emporwirbeln, dasz er wolkicht fliegt, pulverem movere Schottel 1421, Frisch 2, 322a. 1@aa) beim gehen, schreiten, laufen, fahren: 1@a@aα) stäube nicht so! Adelung; der pabst und kaiser und clerisey! haben lange mäntel und lange schwänz, ... trottiren und stäuben zu hellen scharen. Göthe 13, 3 (puppensp. prolog). die füsze stäuben: liebliche ruh, stäubt endlich der fusz in des weges krümme nicht mehr. Klopstock oden 2, 33, 9. staub aufwirbelnd fahren u. s. w.: er rennt nach, der wagen schieszet voraus und im freien sieht er ihn schon hinter seinem schlosze stäuben J. Paul 1, 48 (unsichtb. loge 1); setze dich hier, und lausche nun nicht dem stäubenden rade, noch dem schnaubenden rosz Stolberg 1, 377 (traum); hierher auch: so bricht aus jenem stäubenden gewimmel (des kampfes) der schmucke Fortunatus manches mal: ... bald taucht er auf, bald wieder taucht er unter. Uhland ged. 437 (Fortunat 1). 1@a@bβ) stäubende fahrt, flucht: siehe, da rudelten dort sich die hirsche zusammen, und stürzten laut die stäubende flucht hinab durchs offene blachfeld. Bürger 246b; er, Roin der held und Ferschideward ritten dahin die stäubende fahrt. Rückert Firdosi 2, 147. 1@a@gγ) begrifflich stärker zusammengeschlossen mit dem localen bahn, weg u. s. w.: denn wer träte mit euch in die stäubende bahn, wo es am ziele grünt, säumt euch das nicht im lauf? Klopstock oden 2, 34, 7; wo vom staub und blut der waffen stets die wilde rennbahn stäubet. Arndt 5, 38 (Rösch-Meisner); das ist Italien, das ich verliesz. noch stäuben die wege. Göthe 1, 349; dem geistigen blicke erscheinen die fahnen, erscheinen die heere, das stäubende feld. 2, 43 (Rinaldo). ganz allgemein: das rosz schnaubt dampf und rauch, es stäubt und kracht die erde. J. E. Schlegel 4, 53. 1@a@dδ) mit gröszerer unbestimmtheit es stäubt, der staub wird (in wolken) aufgewirbelt: ich seh' es stäuben von fern, und einen in dem staube kommen. ich kenn' ihn nicht. Klopstock 9, 77 (Salomo 3, 5); und wer bin ich denn, gegen ihn, wenn laut die schlacht ertönt, und es nun gen himmel stäubt! 40, 22 (David 1, 8); und laszt uns sehn, dort stäubt's im sand, dort zieht ein wüthig heer zu land. Göthe 13, 53 (neuestes von Plundersweiler). es stäubt in der ferne stark, heftig; doch wendungen wie er reitet fort, dasz es stäubt Kramer dict. 2 (1702), 916b; es stäubt heute sehr u. ä. ordnen sich vielmehr zu unten 7, a; zweifelhaft bleibt: es stäubt draussen, egli polvere fuori Kramer dict. 2 (1702), 916b. 1@bb) weniger die blosze bewegung und erregung als die entstehung selbst scheint begrifflich unserm wort eingeschlossen: ja ich verschmachtete schier in der stäubenden dürre des sommers. Voss 2, 260 (der bezauberte teufel). 1@cc) in der jägersprache stäubt das federwild, wenn es sich im staube oder sande badet v. Thüngen waidm. pract. 310: [] am morgen gehen sie (die rebhühner) auf die weide, stäuben, wenn die trockenheit des bodens es gestattet, und bleiben dann den tag über fest liegen 200. 1@dd) in der sprache der botanik stäuben die blumen und blüten den männlichen samenstaub (vgl. oben staub II, 1, l, ε [sp. 1077], staubblüte u. s. w.). das korn stäubt in jenem wundersamen augenblick, wo, wie auf ein zeichen, der männliche samenstaub des getreides in einer wolke sich über dem ährenfelde erhebt und bald zur befruchtung wieder niedersinkt; nach kurzer zeit ist das schauspiel schon zu ende: und unten auf besonnter flur seh ich des kornes wellen treiben, in blauen wölkchen drüber stäuben — ein keusch geheimnisz der natur. Storm 8, 248 (auf dem Segeberg); (die staubpilze) bilden in der blatt- und rindensubstanz kleine ... gefärbte gruppen, die oft stäuben, wenn man sie anstöszt Ratzeburg standortgewächse (1859) 73, wo der begriff in 'zerstäuben' schon übergeht. die blumen stäuben duft in dichterischer sprache; verborgen liegt dieser gebrauch in der folgenden stelle bei Rückert 3, 182: und durch den saal hin zog sie die betäubte, bis zu dem orte, wo verdeckt lag Flor in seiner wiege, die von düften stäubte. 1@ee) perrücken stäuben, geben puderstaub von sich, als begleiterscheinung einer bei uns nun vergangenen mode des 18. jahrh. (vgl. auch die belege unter staub II, 1, l, γ, sp. 1077): von heiszen stirnen nicken und stäuben die perrücken wie wolke birgt den blitz. Keller 10, 15 (Panard u. Galet). 1@ff) bei einem kranken thiere, z. b. einem hunde stäubt das fell, hat glanzloses aussehen und giebt beim berühren staub von sich: räudige schaafe lassen die wolle gerne gehen: und wenn der fuchs kranck wird, so stäubet ihm der balg A. Gryphius (1698) 1, 805 (Horribilicribrifax). 22) im übergang schon zu dem begriff 'zerstäuben' vom stark herabfallenden wasser (vgl. entspr. staub1 II, 1, l, θ, sp. 1077 und staub2, wasserfall, weiterhin staubbach u. s. w.). Schönaich (ganze ästhetik in einer nusz) gieszt noch seinen spott über diesen gebrauch: nach der lehre der herren neologisten thut nun der bach das, was man sonst vom sande sagte, jener stäubet und dieser spritzet: wenn also mein kleid voll staub ist, so ist es bespritzet, ... wenn ich aber ins wasser gefallen bin, so bin ich bestäubt, doch ohne guten grund. 2@aa) der bach, die flut u. s. w. stäubt: so schwebet der bogen gottes über der stäubenden fluth des stürzenden stromes! Stolberg 1, 143; vgl.: sie (die sonne) mahlet mit farben des himmlischen bogens die schwebenden wolken der stäubenden fluth. 1, 105. strömt von der hohen steilen felswand der reine strahl, dann stäubt er lieblich in wolkenwellen zum glatten fels. Göthe 2, 58 (gesang der geister über den wassern); euch, kleine wellen, seh' ich stäuben den fels hinab im raschen lauf. Platen 10b; (strom,) der von der höhe herunter in allen farben des regenbogens stäubend und wirbelnd in die tiefe schosz Klinger 10, 126 (Sahir 3, 6). im vergleich: die jahre fliehen hin, so wie ein stäubender bach. Zachariä 2, 291. im bilde: du, meines hymnus feuerstrom! er stäub' und donnr' im thale. Schubart ged. 2, 277. 2@bb) deutlich in dem begriff 'zerstäuben' aufgehend: hochauf bäumen sich die wilden wasser und schauen gierig über den deich in's gesegnete land, weit hinein ihren stäubenden schaum schleudernd Allmers marschenb. 34; mit gleicher wirkung erscheint das passiv: den fallenden sturz gestäubter wasser. Rückert 12, 47. hierher auch der regen stäubt, fällt und rieselt fein herab (vgl. unten staubregen): unbewegt stand die elegante schwarz befrackte gestalt des bräutigams am fenster und sah in den stäubenden regen hinaus Marlitt zweite frau 37. substantivisch mit weiterer bestimmung: der regen [] verwandelte sich in ein dünnes stäuben Ganghofer mann im Salz (gartenlaube 1905 s. 988b). 2@cc) erweiterungen dieses gebrauches. 2@c@aα) das stäubende rennen eines baches u. s. w.: der alte hat den steg erreicht, den durch des wirbels stäubend rennen er eben, eben mag erkennen. v. Droste-Hülshoff 2, 51 (hospiz auf dem gr. S. Bernhard). 2@c@bβ) des baches stäubender nebel: bis er (der sturzbach), aufgefangen von einer vorstehenden felsplatte, ... mit stäubendem nebel die tiefe anfüllt, und die grüne matte weit umher bethauet Stolberg 6, 180. stäubendes silber: so entsenket die erscheinung des Thuiskon, wie silber stäubt von fallendem gewässer, sich dem himmel, und kommt zu euch. Klopstock oden 1, 171, 5. vgl. die bezugnahme auf diese stelle bei Herder 5, 353 (Suphan). 2@c@gγ) als letzter grad solcher erweiterung brücke, welche stäubt, welche ganz von feinem wasserstaub umsprüht wird, vgl. auch die hierauf zielende anschauung des begriffes in dem beleg unter 2, c, α: sendet der berg nicht seine windeswehen auf euch herab von dem beeiszten joch, so kommt ihr auf die brücke, welche stäubet. Schiller 14, 423 (Tell 5, 2). 33) mit ausgesprochenem object: dann der lufft die äschen hin und wider stäubt Stumpf Schwytzerchron. (1606) 153a; der stab wird mir nicht allein von dem staube, den der weg stäubt, wird dem wanderer auch von asche näherer todter bewölkt. Klopstock oden 2, 26, 2; vgl.: (er) stäubte den staub von unsern hallen zur sonn' auf, und liesz sie in schutt zerfallen. Rückert Firdosi 1, 43; was denn auch leicht an eine tautologische verstärkung grenzt: sie (die beiden jungen helden) stäuben nun auf des kaisers bahn den staub des kampfes himmelan. 3, 308. vgl. als sich mehr an 2 anschlieszend: ist er (der sperling) unglücklich, wenn das pustrohr des tölpischen knaben auf ihn zielt, und im nächsten moment rollt er, ein blut stäubendes federklümpchen, das dach herab? Alexis Isegrimm 267. 44) stäuben mit weiterer richtungsangabe in der bedeutung 'stäubend streuen', zumeist mit object: und nam das kalb, das sie gemacht hatten, und verbrands mit fewr, und zumalmets zu pulver, und steubts auffs wasser 2 Mos. 32, 20; im winter aber stahl ich nieszwurtz und stäubte sie an den ort, da man die knaben zu castigiren pflegt Simpl. 1, 625, 5 Keller; ein wenig pfeffer auf die speise stäuben Adelung; er kam an die Donau, setzte sich ans ufer nieder, scharrte den sand mit seinem stock auf, und stäubte ihn ins wasser Miller Siegwart 2, 315. im geistigen bilde: so sind unser augen vil zu dunckel, nach dem der teufel sein mord und blindheit drein gesteubet Mathesius Sarepta (1571) 199b. passivisch gewendet: secht da, der ist genug gestäubt, als käm er vom eschermittwoch Garg. 403 neudr. hierher 'gestäubte tapeten, auf welche sehr feine wolle oder seide gestäubet wird' Adelung und G. Freytags versuch, den begriff 'mehl' hinter der alterthümlich erfundenen kenning gestäubte gabe zu verbergen: was bedeutet die gestäubte gabe, soll sie zu einem opferkuchen für die götter, weil die hände freier jungfrauen den stein gedreht haben? 8, 80 (ahnen 1, 1, 5). 55) durch abstäuben, ausstäuben reinigen u. s. w., doch haben die zusammensetzungen jetzt durchaus die herrschaft; mit innerem object: sy bekleydens mit purpur und stöubend denn den staub ... ab jren antliten Zürcher bibel (1531) 6b; wenn schaaren vorausgesprengter kuriere unsere niederfahrt melden, dasz sich die satane festtäglich herauspuzen, sich den tausendjährigen rusz aus den wimpern stäuben Schiller 2, 44 (räuber 1, 2 schausp.); der leibhusar ... stäubte mit dem schnupftuch den puder vom kleid Hebel 2, 246, 32 Behaghel; oft habe er sich durch ohrfeigen den puder aus den goldblonden haaren gestäubt Uhlands leben 5. verbunden mit andersartigem begriff: erst wenn die orgel schwieg, klappte auch er sein gegesangbuch zu, stäubte sich mit seiner ausgespreizten hand die andacht aus den rockaufschlägen Storm 3, 190 (zwei kuchenesser), eine psychologisch fein beobachtete geste [] von leuten, die sich einem eindruck u. ä. nicht lange hingeben wollen.mit äuszerem object: das zimmer stäuben, es von staub reinigen Adelung; in der landwirtschaft das getreide stäuben, es durch schwingen vom staube reinigen ebenda; hierher auch die betten stäuben, die federn mit einem federwisch in bewegung bringen, so dasz die guten daunen emporfliegen, die schlechten aber liegen bleiben ebenda. mit scherzhaftem beisinn, einem die falten (des wammses) stäuben, eigentlich 'ihn gehörig durchprügeln', dann überhaupt 'ihm einen ordentlichen denkzettel geben': thu frolich zusamen halten, du frommer adel gut und steubt in recht die falten. volkslied auf Albert v. Rosenberg (1545) bei Liliencron 4, 258. (einem) den beutel stäuben, 'ihn gründlich ausleeren': der zehn jahr ein müller war, diesem, das den beutel steubt der, der jhm die mühle liesz, scheint gar billich und erleubt. Logau 2, 9, 37 (ein müller). 66) in anlehnung an das vorige mit beziehung auf die elektrische eigenschaft des katzenhaares: sie (die kräuterfrau) hatte den grauen hauskater auf dem schosz und stäubte ihm sanft die funken aus dem pelz Storm 3, 21 (Hinzelmeier). 77) an stelle von stieben (starkes verb.), zu dem unser wort mit neuer function doch überhaupt erst gebildet ist (dabei hat gewisz die flexion ich stiebe, du steubst u. s. w., welche im älteren nhd. genug vorkommt [s. unten stieben], noch das ihre gethan, um hier die grenzen zu verwischen): 7@aa) stäuben, wie staub umherfliegen, umherwirbeln u. s. w. 7@a@aα) in eigentlicher bedeutung: nemet ewre feuste vol rusz aus dem ofen, und Mose sprenge jn gen himel fur Pharao, das uber gantz Egyptenland steube, und böse schwartze blattern aufffaren 2 Mos. 9, 9; darzu stäubt eim der sand in hals, das verursacht ein unseglichen durst Garg. 352 neudr.; das mehl steubt durch den beutel, pollen per cribrum excussorium ejectatur Stieler 2124; es hat in die stube gesteubet, pulvis in hypocausto considet. ebenda; ein geriesel, wie wenn sand auf estrich stäubt durch schmale rillen. v. Droste-Hülshoff 2, 12 (spiritus familiaris des rosztäuschers); er (gott) ist kein sand, der glitzernd stäubt. 1, 60 (die stadt und der dom). stäubender sand zum löschen der tinte: (der Amor stand) das haupt gewendet vom stäubenden sand, und spiegelte sich in der tinte 1, 188 (sommertagstraum); schutt und moder stäubte durch die luft Treitschke 2, 281; ich ... blickte unverwandt dem wägelchen nach, wie es durch den stäubenden sand zog Storm 9, 62; (er) gosz das wasser in die herdflamme ... eine weile blieb er stehen, bis die stäubende asche sich verflogen hatte 13, 100; die welt werd ehstes das, was in der sonne stäubt. Logau 1, 45, 77; krachend hallte das kreuz! herauf von der wurzel stäubte die erde. Klopstock 5, 54 (Messias 11, 780); wirbelwind und trocknen koth lasz sie drehn und stäuben. Göthe 1, 6, 106 Weim. ausg. (westöstl. divan); der schreiner baut die wiege aus brettern, fest und stark, vom selben stück gezimmert stand nebenbei ein sarg; die späne stäubten sprühend und säg' und hammer klang. A. Grün der letzte ritter6 14. federn und flocken stäuben: bald er (der habicht) dieselb (die taube) pflegt anzuschawen, gebraucht er seine scharffe klawen, zerreist dem thierlein das gefider, so von dem wind stäubt hin und wider Spreng Aeneis 236a; dort stäubt vom baum der flocken pflaum wie leichter blütenregen. Salis ged. (1793) 56; man sah die (schnee)flocken stäuben und wirbeln, von der flamme des herdes beleuchtet C. F. Meyer nov. 2, 93 (hochz. des mönchs); vielleicht schon stäubet der schnee vom huf der schnellen boten, welche 'verworfen sei vom volke der von gott verworfne', melden dem aufgang und niedergange. Stolberg 2, 289 Napoleon (15. jan. 1814). funken stäuben für gewöhnlicheres funken stieben (s.funke 1 theil 4, 1, 595f. und unten stieben, verb.): [] schiebt das reisig der flamme ein, puh, wie die funken knistern und stäuben! A. v. Droste-Hülshoff 1, 339. (bildlich:) es stäuben da noch immer funken von kunstanlagen Schubart leben 2, 22. das laub stäubt: das laub von dem gezweige stäubt, wie sich der zug vorüber treibt. A. v. Droste-Hülshoff 2, 285 (schlacht im Lohner Bruch 1). (blumen)duft stäubt (vgl. oben 1, d): der stäubende duft eurer balsamstaude — meldete mir die milde, die von euch thaute Rückert 11, 309 (makame 12). 7@a@bβ) bildlich, in anlehnung an das vorige): sie (die studenten) studieren und zulesen sich immer, dasz jhnen das lateinische zum halse raus stäubt, wie schimlich brodt Schoch studentenleben D 6b; dasz dir so schäbige redensarten aus dem munde stäuben dürfen? Tieck 3, 253; ich wundre mich nur ... über alle die gelehrten anspielungen, die euch so vom munde stäuben, wie federn vom kissen, wenn das bett gemacht wird Immermann Münchhausen 1, 83. 7@bb) zerstieben, zu staub zerfallen und in nichts verfliegen (vgl. auch unten zerstäuben, verb.) von dem akte der verwesung (vgl. auch staub 5, a und b, sp. 1085ff.): jetzt erwachte sein stäubend gebein. Klopstock 5, 73 (Messias 11, 1081); nicht in der (grabes)kammer, wo die toten stäuben. Hebbel 4, 52, 749 (Siegfrieds tod 1, 1); auch: erde mag zurück in erde stäuben, fliegt der geist doch aus dem morschen hausz! Schiller 1, 183 (elegie auf Weckherlin). verdeutlichend dafür hinstäuben: wil sie mir nicht löschen meinen brand, so werd ich lauter asch und steub hin in den sand. Reinhold reime dich (1673) 87. von dem erduntergang: ruhend hoch auf Tabor, hält er den tieferzitterten erdkreis, dasz der staub nicht vor ihm in das unermeszliche stäube. Klopstock 3, 260 (Messias 5, 325), zu der besonderen verwendung von staub als bezeichnung des erdballs vgl. staub II, 6, sp. 1090; wollt' er; so stäubte die erde ins chaos. Schubart ged. 2, 303. der begriff weiter verdeutlicht: Tristan, umschmeichelt und umtäubt, entsetzt, beglückt, meint, dasz ihm stäubt die welt, all ding, das bei einander, in bunte funken aus einander. Immermann 13, 273 (Tristan u. Isolde II). ganz im bilde: sic transit gloria mundi — also gehet, fleugt und steubet alle pracht und ehr der welt dahin Kirchhof wendunm. 375b. 7@cc) von dem hervorwachsen der weichen milchhaare (vgl. auch oben staub II, 1, l, sp. 1077 und unten staubfeder, staubhaar): ich war damals in der bästen blüt meiner jugend, und sahe man blöszlich die schwartze milchhaar über den leffzen heraus stäuben Simpl. 1, 4, 5, 369. 7@dd) zuletzt auch von menschen und thieren, welche eilig dahinlaufen und dabei den staub aufwirbeln: zogen damit er und Prelingant ... dahin, steubeten und spüreten unerschrocken alle tritt und spuren auss, das wild wer inns holtz oder herauss gangen Gargantua 361 neudr., wo steuben unwahrscheinlicher synonym mit (aus)spüren gebraucht ist. vgl. ebenda: ain haselhun das da fleugt, ain rech das da steubt 74. man darf also nicht verkennen, wie diese gebrauchsweise sich oben unter 1 neue kraft geholt hat; hier kam der riesige Karen gestäubt. Rückert Firdosi 1, 252. der ausgang von I, 1 wird noch deutlicher, wenn steuben im part. praes. mit einem andern wort der bewegung verbunden wird; stäubend laufen, reiten u. s. w.: der hohenflieszische infant jagte aus Italien ... stäubend und keuchend nach Deutschland zurück J. Paul 21, 19 (Titan 1); hab' ihn stäubend reiten sehn. Bürger 291a (Macbeth 1, 6); drauf sah gott hin ins grüne feld, da regt' sich stäubend grosse schaar von wurm und thier und was die welt zum kriechen oder gehn gebar. Herder 6, 73 Suphan (schöpfungslied); [] es schwillt und wirbelt in der luft, und nun wie bienenschwarm gescheucht es stäubend auseinander fleucht. A. v. Droste-Hülshoff 2, 279 (schlacht im Lohner Bruch 1). mit richtungsbestimmendem adverb verbunden: ein heller ruf vereint der rüden heer, es stäubt herbei in freundlichem gewimmel. v. Droste-Hülshoff 218 (Walther 3); und rastlos stäuben die gedanken heim nach ihrem ziel, sich kreuzend wie der schnee. Rückert ged. (1841) 259; (euch jagen,) dasz ihr heulend mir davon stäubt. Keller 10, 234 (apotheker von Ch. 2, 13); als dieses endlich auseinander stäubte, lagen Wilhelm und Joseph ... sterbend bei einander am boden Fouqué gefühle, bilder 1 (1819), 138; plötzlich verstummt die musik, der kreis stäubt auseinander v. Droste-Hülshoff 2, 375 (bilder aus Westphalen). 88) einen stäuben, ihn in eilige flucht jagen, gewisz ein vortreffliches eingehen in den factitiven sinn, das aber ohne die entwicklung unter 7, d kaum zu stande gekommen wäre; auch der einflusz der bedeutung von stöbern, verb. bez. steubern, verb., wird nicht gering anzuschlagen sein: unnd das gevögel viel auff das fleisch, aber Abram stöubet sy davon Zürcher bibel (1531) 15b (1 Mos. 15, 11, wo Luther hat: scheuchte sie davon); unter disen sachen fielen die Teutschen in das römisch kriegsvolk, erlegten's, schluegen's, stöberten's und stäubten's wider ausz Teutschland über den Rein in das römisch reich Aventinus bair. chron. 1, 758, 16; das stürmende wetter stäubt ihn (den feind) schnell vom geschützten ins feld. Klopstock 2, 61 (Hermann aus Walhalla). eine menge auseinander stäuben, nach allen seiten in die flucht jagen: bis Sulla ... die ihm entgegenstehenden reiterhaufen auseinander stäubte Mommsen m. gesch. 2, 153. 99) auf einen stäuben, auf ihn jagd machen: hund, die dem fuchsen die hennen nit liessen zu lieb werden, sonder steubten so offt drob, bis er zuletzt den tod an den hennen frasz ... und von den hunden zerrissen ward S. Franck sprichw. 2 (1541), 29b. vgl. auch mit bloszem accusativ im niederdeutschen: Augustinus schuldiget sik vor gode, dat he underwylen gherne dar na sach, wo de spennen de vleghen venghen, unde wen he gink ouer wech, dat he dar na sach, wo de hunde den hasen stoueden serm. evang. 139a bei Schiller-Lübben 4, 422b. 1010) mit einem steuben, mit ihm auf dem kampfplatz sich messen (so dasz der staub umherstiebt): Israhel ist ein hebreisch wort, damit der grosse engel gottes, so mit Jacob dem ertzvatter am bach Jabok range oder steubete, ihn nach dem eroberten sieg nante Mathesius 130. psalm V 1a.
21651 Zeichen · 335 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Stäuben

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Stäuben , verb. reg. act. welches die thätige Gattung des vorigen Neutrius ist. 1. Staub erregen, Nieders. stuven, im Ob…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    stäuben

    Goethe-Wörterbuch

    stäuben [bisher nicht online publizierter Wortartikel]

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Stäuben

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Stäuben , das Fallenlassen des Kotes bei Feldhühnern.

  4. modern
    Dialekt
    stäubenschw.

    Pfälzisches Wb.

    stäuben schw. : 1. 'etwas mit Pflanzenschutzmittel überdecken, einstäuben', im Obst-, Wein-, Tabakbau, stääwe [ BZ-Stein…

  5. Spezial
    stäuben

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    stäu|ben vb.intr. 1 stöpé (-pa), fá stöp 2 (mit Mehl) sfariné (-nëia).

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit staeuben

31 Bildungen · 0 Erstglied · 27 Zweitglied · 4 Ableitungen

Zerlegung von staeuben 2 Komponenten

stau+ben

staeuben setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

staeuben als Zweitglied (27 von 27)

Überstäuben

Campe

Überstäuben , v. trs . D. Überstäuben. D. — ung. 1. \Uumlacute;berstäuben, ich stäube über, übergestäubet, überzustäuben , ǘberstauben mache…

Únterstäuben

Campe

Únterstäuben , v. trs . ich stäube unter, untergestäubet, unterzustäuben , unterstauben machen, als Staub unter etwas gehen machen. D. Unter…

abstäuben

DWB

abs·taeuben

abstäuben , abstergere: den tisch, die schuhe, das buch abstäuben; die alten stunden stäuben sich ab. J. Pauls unsichtb. loge 3, 180 . auch …

anstäuben

DWB

ans·taeuben

anstäuben , leviter pulvere aspergere, leicht bestäuben: die flügel des schmetterlings sind unten mit gold angestäubt; man thut nur einige s…

aufstäuben

DWB

auf·staeuben

aufstäuben , wie bei Plautus pulverare, intransitiv: die weite laufbahn stäubte, wie wolken, auf. Klopstock 1, 102 ; es stäubt gewaltig auf,…

ausstäuben

DWB

aus·staeuben

ausstäuben , pulverem excutere, dann auch, was das folgende, investigare: steubeten und spüreten unerschrocken alle tritt und spuren aus. Ga…

bestäuben

DWB

bes·taeuben

bestauben , bestäuben , pulvere conspergere, nnl. bestoven, der umlaut schwankend wie in glauben gläuben und ähnlichen, weshalb sich kein in…

durchstäuben

DWB

durch·staeuben

durchstäuben , 1 1. untrennbar, mit staub erfüllen, durchdringen. durchsteuben Stieler 2124 . jener ( der nordwind ) fleugt, wie die fluren …

einstäuben

DWB

eins·taeuben

einstäuben , pulvere conspergere, einpudern: anstatt des zeither gebrauchten haarstaubs, stäubete die fürstin Ada ihr haar mit gemalenem gol…

erstäuben

DWB

ers·taeuben

erstäuben , pulverem excutere, ausstäuben, lüften. bei Maaler 118 b ohne umlaut erstauben, eventilare, vom staub erseuberen.

Nachstäuben

Campe

nach·staeuben

Nachstäuben , v. trs . hinter her stäuben, als Staub oder wie Staub hinter her treiben. D. Nachstäuben .

niederstäuben

DWB

nieder·staeuben

niederstäuben , verb. stäubend niederfallen: aus den sternen stäubte ein warmer regen von lichten pünktchen nieder. J. Paul uns. loge 3, 181…

überstäuben

DWB

ueber·staeuben

überstäuben , v. , untrennb. verbindung. part. überstäubt und überstaubt ( s. d. simplex stauben u. stäuben th. 10, 2, sp. 1097 ff. ). mit s…

Umstäuben

Campe

Umstäuben , v. trs . D. Umstäuben. D. — ung. 1. Úmstäuben, ich stäube um, umgestäubt, umzustäuben , als Staub um sich her verbreiten, 2. Ums…

under stäuben

ElsWB

under·staeuben

under stäube n im Staube. d. h. während der Erdboden recht trocken ist, säen, von der Gerste gesagt. De n Weise n soll m e r inger kleiwe n …

verstäuben

Pfeifer_etym

vers·taeuben

Staub m. ‘(aufwirbelnde) feine Schmutzteilchen’, ahd. stoub (um 1000), mhd. stoup, stoub (germ. *stauba-) und (mit anderer Bildungsweise) mn…

vollstäuben

DWB

voll·staeuben

vollstäuben , mit staub ganz bedecken: und dirnen kehrten itzt die vollgestäubten stufen Löwen schr. (1765) 3 42 . sieh nur, sagt er, eine b…

zerstäuben

DWB

zers·taeuben

zerstäuben , verb. , zu stäuben ( th. 10, 2, 1099); 1) eig. nur trans., a) in staub verwandeln und zerstreuen, z. b. wellen: M. Hartmann sch…

Zustäuben

Campe

zus·taeuben

Х Zustäuben , v. I) trs . mit Staub oder mit etwas dem Ähnlichen zudecken, ganz bedecken. II) intrs . fortfahren zu stäuben. — D. Zustäuben.…

Ableitungen von staeuben (4 von 4)

bestäuben

DWB

bestauben , bestäuben , pulvere conspergere, nnl. bestoven, der umlaut schwankend wie in glauben gläuben und ähnlichen, weshalb sich kein in…

erstäuben

DWB

erstäuben , pulverem excutere, ausstäuben, lüften. bei Maaler 118 b ohne umlaut erstauben, eventilare, vom staub erseuberen.

verstäuben

Pfeifer_etym

Staub m. ‘(aufwirbelnde) feine Schmutzteilchen’, ahd. stoub (um 1000), mhd. stoup, stoub (germ. *stauba-) und (mit anderer Bildungsweise) mn…

zerstäuben

DWB

zerstäuben , verb. , zu stäuben ( th. 10, 2, 1099); 1) eig. nur trans., a) in staub verwandeln und zerstreuen, z. b. wellen: M. Hartmann sch…