Eintrag · Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke)
snit stm. stn.
1. schnitt, hieb, streich, und die dadurch hervorgebrachte wunde. ahd. snit Graff 6, 843.
a. eigentlich. alsô snite ein scharsas zwênzic hâr mit eime snite, alsô tet sîn swert Herb. 8848. man snaid die pheile auʒ im mit manigem scharfen snit Suchenw. 9,79. der schirmet wol für swertes snit MS. 2, 11. b. sô verstilt man ouch daʒ bluot dâ mit, daʒ man spricht ûf wunden snit Teichn. 94. die snîdent hiute leiden snit Karl 9271. ich wânde dich daʒ wâfen mite: nu hât mit leidegem snite Achilles mich beroubet dîn Albr. 31, 136.
b. bildl. behüete dich vor eime snite; der tuot an êren grôʒen schaden dâ mite wart Jûdas überladen: swer in dem snite noch funden wirt, der muoʒ mit im ze helle baden. ich meine untriuwe Winsbeke 38. grimmiger snit, waʒ du manigen hâst versniten Pass. K. 442,45. sîner goukelunge snite in zouberlîcher witze verkarte daʒ antlitze an Faustiniano das. 655,82.
2. ernte, erntezeit. in dieser bedeutung häufig stn. — messis voc. o. 47,40. sumerl. 44,50. Diefenb. gl. 182. der snit Griesh. pred. 2,38. daʒ snit das. 1,22. 2, 42. Leys. pred. 20,34. daʒ heiʒet sîn sâme, daʒ ist sîn snit spec. eccles. 100. sûmunge schat dem snit und schat der sæte Walth. 85,24. die rechten sint sælich die vil gesæt haben, wan ir snit grôʒ wirt Leys. pred. 20, 33. sich hûbin ûʒ wîb unde man in den snit Jerosch. 98. b. îlten von dem snite Ls. 1,292. vor dem snite sô setzet man die phlanzen (quae quisque velit metere, prius debet seminare) Nith. H. 12,39 u. anm. — daʒ was in dem snite in der erntezeit Judith 138,2. 156,4. Megb. 400,14. lât mich heim varn; der acker lît ungarn: dâ bî ist ûf uns daʒ snit Helbl. 1,828. er gert niht heim umb daʒ snit das. 894. — bildl. gewinn. narrensch. 79, 15 u. anm.
3. schnitt eines gewandes, auch allgemeiner zuschnitt, form. sô vindet der einen niuwen funt von einem fremeden snite eines gewandes Bert. 470,30. die bereiten uns den werden man mit dem geziuge und mit dem snite Trist. 4981. sîniu kleider wâren wol bewart an dem snite nâch dem franzoischem site krone 12. b. der roc was niht nâch heiden snite Türl. Wh. 37. b. der sneit dâ manegen niuwen snit in der heiden gewande (bildl. vom kampfe) Karl 5936. — ir banîre vil von spêhem snite Ludw. kreuzf. 1361. umbe und umbe in einem snite wol hundert venster wâren krone 193. b. — meister Gotfrit von Strâʒburc, der sô manegen snit spæhen unde rîchen schône und meisterlîchen ûʒ blüendem sinne hât gesniten und hât sô rîcher rede kleit disem sinne an geleit H. Trist. 20.
4. schneide, schärfe. swaʒ snîdendes an sînem snite wirt gelüppet dâ mite troj. s. 293. c. du hâst der tugende stahele sô wol gescherpfet an dem snite g. sm. 441.