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seichen

ahd. bis sprichw. · 17 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
18 in 17 Wb.
Sprachstufen
6 von 16
Verweise rein
48
Verweise raus
49

Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

seichen verb.

Bd. 16, Sp. 168
seichen, verb. mingere; ein hochdeutsch geprägter, fein verhüllender ausdruck für das natürliche geschäft, der, lange zeit unbefangen gebraucht, nach und nach unflätig und gemieden wird, wiewol die heutigen ober- und mitteldeutschen mundarten, in denen das wort ziemlich allgemein lebendig geblieben ist, noch immer reichliche spuren der alten verwendung zeigen. seichen ist causalbildung zu dem starken verbum sîhan leise, tröpfelnd flieszen (vgl. dazu unten seigen und seihen), in der ursprünglichen bedeutung flieszen machen, tröpfeln lassen, von früh ab in dem angegebenen sinn eingeengt: ahd. mingo ihc seiche. Steinmeyer gloss. 3, 247, 59; mingo seicho, seiche, seigo 4, 79, 6; mhd. seichen; mejere seichen, saichin, saichen Dief. 354a; mingere seichen, saichen, seigen 362a; urinare seichen, pysz machen 630b; in das mnd. übernommen, wie umgekehrt das nd. pissen (theil 7, 1869) in das frühnhd. eindringt: sus seichede he eme in de ogen. Reinke de Vos 6311; mnl. mit übergang in den einheimischen lautstand seycken i. pissen, meiere, reddere urinam, exonerare vesicam Kilian; so seict vol uwen ruwen staert und slaetse den wolf in sinen baert. Reinaert 6815; mer Reinaert, de hem sach so bi, sloech sinen ruwen staert, dien hi vol had gheseict, in sijn aenschijn. 6969; mundartlich alemannisch seiche, seije Hunziker 238; in Basel saiche, auch als unzufriedener ausdruck für regnen Seiler 247b; schwäbisch seichen, ironisch in Reutlingen auch für weinen Schmid 489; im bairischen sprachgebiete saichen, soachen, auch in der bedeutung stark regnen, schütten Schm. 22, 212. Schöpf 576. Frommann 3, 526, 34, im wechsel mit brunzen: soicha und bronza Baierns mundarten 1, 52; in Kärnthen sâchen, soachen als verächtlicher ausdruck gegenüber prunzen Lexer 230; im nassauischen saichen, saigen Kehrein 336; in mitteldeutschen mundarten, Hessen, Düringen, Meiszen, Schlesien sêchen, auch in Nordböhmen Frommann 2, 238, hennebergisch säche 5, 455, u. s. w.; bruntzen haiszt man in dem landt (Düringen) saichen und kacken scheyssen. Lindener schwankb. 185 Lichtenstein; die zahlreichen belege der älteren nhd. schriftsprache zeigen das wort in durchaus unverfänglicher, nicht roher verwendung, von menschen und thieren: seichen, meiere, facere urinam Maaler 369b; was ist das lang predigen, warzu ist es gut, die weiber seichen in die stül, die man schlafen. Keisersberg evangelia (1517) 78b; dasz wir scheiszen, seichen, stinken unten und oben. Luther tischr. 190a; wenn die mennlin (der löwen) seichen, heben sie ein bein auf wie die hund. Plinius von Dhaun 103; wo der fuchs hin seicht, da wirt das ort unfruchtbar, wachszt kein kraut mer. Forer thierb. 56a; dasz einer solchen starken brantenwein getrunken, dasz jm nachts vom athem das bett angangen, und wann er nicht von ungefehr im schlaf drein geseycht, drinn verbrunnen wer. Garg. (1590) 199; wo sie darein (in das Schweizer gebirge) seichen, da etzt es .. straszen durch die berg. 436; so waren auch theils (die soldaten) an etlichen orten unwerth worden wie gänsz-mist, so dasz die hund schier an sie saichen mögen. Simpl. 4, 166 Kurz; ins bette seichen, lectum commingere Stieler 1998; aber etleich herren sind so frat, wann man in lang gedienet hat, das ist gen in als wol erchant, als der do saicht an aine want. Vintler blum. d. tugent 6629; sprichwörtlich: sie seichen alle in einen winkel, conspirant, sie halten zusammen. Keisersberg bei Frisch 2, 258b; als aberglaube: item durch ein reiter (sieb) saicht ainew, so tanczt man mit ir gern fur die andern. Grimm mythol.4 3, 418; mit acc.: er seichet blut, perulenta illi urina procedit. Stieler 1998, der für das wort als honestius zu sagen empfiehlt wasserlassen, auf die seite gehen; Frisch 2, 258b bezeugt, dasz seichen nicht in gegenwart ehrbarer leute gesagt werde, Adelung bezeugt, dasz es nur in den niedrigen sprecharten üblich und aus dem gesitteten umgange verbannt sei. seit dem 18. jahrh. ist es denn auch kein wort der schriftsprache mehr. vgl. an-, beseichen.
4043 Zeichen · 52 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 8.–11. Jh.
    Althochdeutsch
    seichen

    Etymologisches Wb. des Ahd. (EWA) · +1 Parallelbeleg

    seihenAWB sw.v. I, im Abr (Kb, Ra): ‚schmelzen; mulcēre‘ 〈Var.: -ehh-, -hh-〉. o-stu- fige Ableitung von sîhan (s. d.); w…

  2. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    seichenswv.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +1 Parallelbeleg

    seichen swv. BMZ harnen, mingere, urinare Dfg. 362 a . 630 b . er seicht, daʒ under im wart ein strûm Ls. 3. 405,346. ze…

  3. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    seichensw. V.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    seichen , sw. V. nhd. seichen, harnen, urinieren Vw.: s. be- Hw.: vgl. mhd. seichen. mnl. seiken Q.: SL E.: s. ahd. seih…

  4. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Seichen

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    † Seichen , verb. regul. neutr. & act. welches im ersten Falle das Hülfswort haben erfordert, aber nur in den niedrigen …

  5. modern
    Dialekt
    seichen

    Elsässisches Wb. · +5 Parallelbelege

    seiche n [sæiə Olti. ; saiə Roppenzw. Heidw. Liebsd. Ensish. Ruf. ; saiaa Su. ; saiχa Dü. Katzent. Horbg. ; saiχə Co.…

  6. Sprichwörter
    Seichen

    Wander (Sprichwörter)

    Seichen Er seicht vor Angst in die Hosen. ( Rottenburg. )

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit seichen

7 Bildungen · 0 Erstglied · 5 Zweitglied · 2 Ableitungen

Ableitung von seichen

sei + -chen

seichen leitet sich vom Lemma sei ab mit Suffix -chen.

seichen als Zweitglied (5 von 5)

abseichen

DRW

abs·eichen

abseichen rinnen lassen [dem unehrlichen Wirt] den wein im vaß abseichen [andere Lesart abtheyen] 16. Jh. NÖsterr./ÖW. VIII 920 [vergleiche …

anseichen

DWB

ans·eichen

anseichen , commingere, anpissen: so werden wir nicht so gut sein, dasz uns die hunde anseichen. Weise comöd. 255 ; so dasz die hund schier …

beseichen

DWB

bese·ichen

beseichen , commingere, bepissen. 1 1) mhd. der knabe gund beseichen ouch frumer liute gewant, und lief dannen wider ze hant. Ls. 2, 591 . n…

Ableitungen von seichen (2 von 2)

beseichen

DWB

beseichen , commingere, bepissen. 1 1) mhd. der knabe gund beseichen ouch frumer liute gewant, und lief dannen wider ze hant. Ls. 2, 591 . n…

verseichen

DWB

verseichen , verb. mit urin beflecken, verderben; zur bezeichnung einer häszlich grünen farbe dient in Leipzig verseecht. Albrecht Leipz. mu…