lautwandel 53 Wörterbücher · 2,7 Mio. Artikel
Wildcard · " Volltext

Aggregat · alle Wörterbücher

schwül

nhd. bis spez. · 8 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
9 in 8 Wb.
Sprachstufen
4 von 16
Verweise rein
14
Verweise raus
18

Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

schwül adj.

Bd. 15, Sp. 2748
schwül, adj. drückend heisz, erst der neuern schriftsprache vertraut (vgl. Weigand4 2, 673); über das auftreten der form geschwül vgl. oben theil 4, 1, 2 sp. 4011; nachzutragen ist geschwielle, adj. Steinbach 2, 548. die ältere unumgelautete form verschwindet seit der zweiten hälfte des 18. jh. aus der schriftsprache (wol unter einwirkung von kühl), nur dasz sie gelegentlich mit komischer wirkung verwendet wird: schwul, et geschwl, praefocatus, suffocatus propter aestum Stieler 2054; schwul, adj. sagt man bey heiszem wetter, es ist schwul drauszen. Frisch 2, 251c; Adelung schreibt schwühl und kennt es nur im eigentlichen sinne ('ein nur von der luft und witterung übliches wort'), die form schwuhl bezeichnet er als den 'gemeinen sprecharten' angehörig. mir wird ganz schwul bei der sache (derbe sprechweise). Campe; indessen läszt sich der ernsthafte gebrauch von schwul bis ins 19. jahrh. belegen: bei schwulem wetter. Zesen Rosenm. vorr. A 2b; nach der schwulen schlacht. Kosegarten bei Weigand4 2, 673; september trüb und schwul sendet leichen zu tiefen, weil zu dem entenpfuhl wasser holen sie liefen. Arndt ged. (1860) 83; ihrenthalben wird mir, bey der bevorstehenden messe recht schwul. Schmid bei Lessing 13, 302; Minas zug hat mir etwas schwul gemacht. Nieb. leben 3, 406. das wort ist in mitteldeutscher form in die schriftsprache aufgenommen: thür. schwûl oder schwûle Jecht 103a (auch in der schriftsprache schwüle neben schwül, s. unten die belege). Kleemann 21a. Hertel thür. sprachsch. 226. Albrecht 211a. Liesenberg 212; ebenso preuszisch Frischbier 2, 333b, vgl. Hupel idiot. von Lief- u. Esthland 215; im eigentlichen hochd. gebiete ist schwul oder schwül nicht heimisch (vgl. unten unter schwülig), sondern eingeführt, meist nur im übertragenen sinne: es ist mir ganz schwul, mir ist heisz oder bänglich Schmid 489; vgl.schwul, ängstlich, bange (Pfalz) Klein prov.-wb. 2, 150. Sartorius 115 (Würzburg); nd. swool, drückend heisz: swool weder; übertragen: em was dar swool bi to mode, das herz war dabei beklemmt, er war voller angst Dähnert 480b; swool, heisz wie bei gewitterluft brem. wörterb. 4, 1127; vergl. ten Doornkaat Koolman 3, 385a; daneben swûl: da wurr he swuul, da ward ihm bänglich Schütze 4, 240; in der swûlen arbeid, in der heiszen arbeit Schambach 223a, vgl. Danneil 219b. Woeste 266b; in umgelauteter form swl Danneil a. a. o.; vergl. schwele bei Liesenberg Stieger mundart 212; ihr seht, es ist sehr schwel und heis. Voith (Ackermann u. Voith dramen herausg. von Holstein 285, 2105). das adj. swôl ist im alts. unbezeugt, scheint auch in der mittelniederdeutschen schriftsprache nicht vorzukommen (auch nld. zwoel ist erst in neuerer zeit üblich geworden), im ags. begegnet swōl (m. oder n.?), hitze des feuers, der sonne, fiebrische hitze Bosworth-Toller, ebenso swōlig, n., hierzu vgl. ags. swælan, brennen machen, altnord. svæla, mit rauch ersticken, svæla, erstickender rauch, mit anderem ablaut ags. swelan, brennen (s. weiteres unter schwelen sp. 2476, ferner vergleiche das unter schwülig zusammengestellte). gebrauch. in eigentlicher, sinnlicher bedeutung, drückend warm, z. b. bei stiller luft vor dem gewitter: ein schwühler tag, schwühles wetter, schwühle luft. Adelung: in der mittagsstunde eines schwülen sommertages. Musäus volksmärchen 1, 8 Hempel; (freier:) genieszen sie von nun an der früchte, die in den schwülen stunden ihrer krankheit gereift sind. Thümmel reise 7, 65 (1800); das wasser ward nicht trübe ... doch mich wirds nicht mehr kühlen im schwülen. wunderhorn 1, 232 Boxberger; einst reiste meister fuchs zu einem seiner schwäger, im schwülen sommer, über feld. Hagedorn 2, 20 (1771); (ein hain) allzeit anmuthvoll beym schwülsten sonnenscheine. Uz 281 Sauer; der schwühle tag vergeht; der abend bricht herein. Lessing 1, 126; und wenn es dir und deinen freunden schwüle am mittag wird. Göthe 1, 7; ich bin doch müd'; 's ist höllisch schwül. 13, 84; (im bilde:) miszmuth, reue, vorwurf, sorgen schwere belasten's (das herz) nun in schwüler atmosphäre. 3, 25; ihr busen stieg, wie sanft im schwülen wehen der sonnenluft ein weiszes segel schwillt. Schulze bezaub. rose 1, 32; die nacht war schwül. Grillparzer 6, 69. im geschlossenen raume: es ist so schwül, so dumpfig hie. Göthe 12, 141; es ist so schwül hier, so dumpf! feuchter qualm drückt die flamme der lampe. Grillparzer 4, 52. vom duft, heisz, dann auch befangend: ohnmächtig flüstert durch die äste ein wind, von schwülen düften schwer. Göttinger musenalm. 1770, 178; wenn die bäume träumend lauschen und der flieder duftet schwül. Eichendorff (1864) 1, 338. athmen, hauch (im bilde): unter dem schwülen athem einer gesellschaftlichen verlegenheit. J. Paul uns. loge 2, 95. anders gewendet, drückende hitze ausstrahlend: und wieder sinkt zum abend der schwülen sonne lauf. Uhland ged. (1864) 326; erhitzt: stille wird's, es glänzt der schnee am hügel, und ich kühl' im silberreif den schwülen flügel. Brentano ges. schr. 1, 449; schwüler boden, im bilde: diese jovialität trug ein etwas von der natur des schwülen bodens an sich, aus dem sie erwuchs. Ludwig 1, 204 (1891). auf seelische eindrücke, innere stimmungen bezogen, dumpf, beklemmend, bedrückend, ängstlich, beklommen: mir wird ganz schwül bei dem gedanken, schwül ums herz; es herrschte eine schwüle stimmung in unserm kreise, schwüles schweigen u. ähnl.; schon ein fremdes von sünden durchackertes oder angesäetes gesicht beklemmte schwül seine brust. J. Paul uns. loge 1, 30; der mensch, der vor der marter aufrecht blieb, wird oft von der auflösenden schwülen entzückung gebeugt. jubelsen. 178; in stummer, schwüler versenkung in sich selber. komet 2, 138; als müszten sich alle räthsel, die so schwül auf ihm lasteten, lösen. Eichendorff (1864) 3, 131; das leben in dem hause mit den grünen läden begann wieder schwül und schwüler zu werden. O. Ludwig (1891) 1, 354; angst rieselt ihm durch mark und bein; ihm wird so schwül, so dumpf und taub. Bürger 71b; mir wird's so schwül, mir wird's so bang. Göthe 13, 155.
6108 Zeichen · 121 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Schwül

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Schwül , -er, -ste, adj. et adv. ängstlich warm, bänglich oder abmattend warm, wie es im Sommer vor einem Gewitter bey s…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    schwül

    Goethe-Wörterbuch

    schwül beim jungen Goethe auch -hl sowie je einmal -le im Reim auf ‘Kühle’ 1,7 Vs 97 u (in älterer, auch frankf Form) ‘s…

  3. modern
    Dialekt
    schwülAdj.

    Pfälzisches Wb. · +2 Parallelbelege

    schwul , schwül Adj. : 1. 'feuchtwarm, drükkend', schwul (šwūl) [vereinzelt SOPf KL-Kindsb, Schandein Ged. 249 Woll 39 K…

  4. Spezial
    schwül

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    schwül adj. da bampa, cialdin (-s, -a). ▬ schwül sein ester da bampa.

Verweisungsnetz

33 Knoten, 29 Kanten

Tap auf Knoten öffnet Detail · Drag zum Umpositionieren · Scroll zum Zoomen

1-Hop 2-Hop
Filter:
Anchor 5 Kompositum 24 Sackgasse 4

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit schwuel

18 Bildungen · 15 Erstglied · 1 Zweitglied · 2 Ableitungen

schwuel‑ als Erstglied (15 von 15)

schwülch(?)

DWB

schwülch(?) , überzug des bodens mit gras, moos Behlen lex. der forst- u. jagdk. 5, 599 .

Schwülde

RhWB

Schwülde -ø·l.də Barm (veralt.); -:lt Rip Sg. t. f.: Schwüle.

schwülen

DWB

schwülen , verb. , bei Campe verzeichnet, schwül machen, schwüle verursachen: ein gewitter schwület die flur. so bei Rückert : gluth des som…

schwueleⁿ

Idiotikon

schwueleⁿ Band 9, Spalte 1845 schwueleⁿ 9,1845

schwülig

DWB

schwülig , adj. für schwielig: schwülige schlacke, schlacke bei den kupfererzproben, die wenig glänzend und glasig, undurchsichtig und knopf…

schwüligkeit

DWB

schwuelig·keit

schwüligkeit , f. das drückend heisz sein, drückende hitze: schwôuligkait Liesenberg 212 .

schwülken

DWB

schwuel·ken

schwülken , verb. : swülken, nauseare Lexer mhd. handwb. 2, 1382 ; s. das vorhergehende, schwulgern und schwelkern.

Schwülnis

GWB

schwuel·nis

Schwülnis -ss Glut, Hitze; im Exzerpt aus Diez, ‘Denkwürdigkeiten’ 1,271 1) AADiv3,182,15 Plp 184 verschNotizen 1) vgl Vorlage: „und als er …

schwülstel

DWB

schwuel·stel

schwülstel , m. ein dicker, aufgeschwemmter: Bacchus der schwülstet hat reichlich spendiret. Scherffer ged. 88 (1647) .

schwülstig

Pfeifer_etym

schwuel·stig

Schwulst m. ‘überschwengliche, hochtrabende Rede- und Schreibweise, überreicher Schmuck, Überladenheit’, ahd. swulst f. ‘Geschwulst’ (Hs. 12…

Schwülstigkeit

FiloSlov

schwuelstig·keit

Schwülstigkeit , f вычурность , ж → FiloSlov Schwulst, m → FiloSlov Geziertheit, f → FiloSlov Geschraubtheit, f

Schwülstling

Campe

schwulst·ling

Der Schwülstling , — es, Mz. — e , ein bei Schottel vorkommendes Wort (R.), sowol ein schwülstiger aufgeblasener Mensch, als auch ein Mensch…

schwülung

DWB

schwuel·ung

schwülung , f. schwüle: weil sich die matte schwülung strengt. Overbeck Virg. hirtengedichte 27 (1750) .

schwuel als Zweitglied (1 von 1)

geschwül

DWB

geschwül , adj. , verstärktes schwül ( s. d. ). 1 1) bedrückend heisz oder feuchtwarm, aestuans Henisch 1549 : geschwül wetter Ludwig 757 ; …

Ableitungen von schwuel (2 von 2)

geschwül

DWB

geschwül , adj. , verstärktes schwül ( s. d. ). 1 1) bedrückend heisz oder feuchtwarm, aestuans Henisch 1549 : geschwül wetter Ludwig 757 ; …

schwüle

DWB

schwüle , f. für schwiele, s. dieses.