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schwatzen

nhd. bis sprichw. · 6 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

schwatzen verb.

Bd. 15, Sp. 2349
schwatzen, verb. confabulari, colloqui, babiller Schottel 1412; eine dem deutschen sprachgebiete eigenthümliche intensivbildung von unbekanntem ursprunge, wahrscheinlich mit schwadern, schwatern verwandt, s. daselbst und Kluge5 341a (dagegen denkt Weigand 2, 662 an beziehung zu lat. suadere). mhd. swatzen und swetzen Lexer handwb. 2, 1369; erst seit dem 15. jahrh. in der litteratur belegt (die von Weigand a. a. o. angezogene stelle aus Heinrich v. Melk, von des tôdes gehugde, ist zu streichen; die ausg. von Heinzel liest dafür swanzunde 215): garrire ... schwätzen, schwatzen, schwetzen als ein atzel vel heher. Dief. gloss. 257c (voc. v. 1429; s. Schm. 2, 652); garrulare scwaczen, sweczen. 258a; mnd. und mnl. nicht bezeugt, erst nnl. swetsen garrire, argutari. Kilian, jetzt zwetsen, vgl. Franck 1233 f. die beiden mhd. formen setzen sich im nhd. als schwatzen und schwätzen, bez. schwetzen fort und zwar ist in der ältern sprache die umgelautete form die üblichere. sie herrscht in den ältern wörterbüchern ausschlieszlich, so bei Dasypodius, Maaler, Henisch, Comenius, Corvinus und noch bei Dentzler; nur Hulsius 292b gibt beide: schwatzen oder schwetzen, klappen, babiller, caqueter, iaser. erst Schottel hat schwatzen allein; die folgenden wörterbücher, Kramer, Stieler, Frisch, kennen beide formen, bevorzugen indes schwatzen. Adelung kennt schwätzen nur aus der bibel, Campe als landschaftlich. auch in der litteratur überwiegt schwätzen anfangs; doch läszt sich eine scheidung, etwa nach landschaften, um so weniger durchführen, als bei den umfangreichern und bekannteren autoren, wie Fischart und Hans Sachs, beides bezeugt ist. vielfach ist die zuweisung nicht sicher, da in den flectierten formen du schwätzest, er schwätzt flexionsumlaut, bei schwatzte der sog. rückumlaut im spiele sein kann. die a-formen sind sonst bezeugt bei Alberus, Aventin, Weise, den bergreihen u. a., die ä-formen im buch der liebe, bei Ayrer, Brant, Gryphius, Luther, Micrälius, Opitz, Plattner, Schmelzl, Schupp, Wickram. im 18. und 19. jahrh. gewinnt allmählich schwatzen das übergewicht; doch begegnet schwätzen noch immer sehr häufig, besonders, doch nicht ausschlieszlich, bei süddeutschen schriftstellern. auch jetzt gebrauchen dieselben autoren vielfach beide formen nebeneinander, meistens wird dann schwätzen die mundartliche form, schwatzen die der schriftsprache sein. dies gilt besonders von Göthe, s. z. b. Strehlke wörterbuch zu Göthes Faust 124a; ferner ist beides belegt bei Lessing, Herder, Lenz, Klinger, Schiller, Grillparzer, s. u. weiterhin sind unten belege für schwätzen aus Klopstock, Uz, Fr. Müller, Brentano, Rückert, Immermann, Felder, Vischer, für schwatzen aus Chr. Weisze, Hagedorn, Hölty, Voss, Arnim, H. Heine beigebracht. zuweilen stellt sich ein unterschied der bedeutung ein, vgl.: neuerdings scheinen sich schwätzen und schwatzen fein von einander geschieden zu haben, und jenes nur ein volles gleichsam spielendes und jedenfalls gemüthliches behagen an der unterhaltung, dieses aber eben das übermasz im vergleich zum werth der sache oder der vorgebrachten meinung zu bedeuten. Lazarus ideale fragen s. 258, anm.mundartlich im oberdeutschen: schweiz. schwätzen, reden, sprechen Stalder 2, 361, schwätza Tobler 402a, schwäze Seiler 266b f., schwäb. schwätzen (liebschaft haben mit einer) Schmid 487, ebenso tirol. schwatzen Schöpf 659, bair. Schm. 2, 652, schles. schwetzen, schwutzen (auch für schwuppen, flüssiges verschütten, vgl. unten 6) Weinhold 89a. 11) besonders in der ältern sprache findet sich schwatzen, schwätzen oft ohne tadelnden nebensinn für plaudern, erzählen, reden u. ähnl.: schwetzen, garrire, fabulari, lallare Dasypodius; schwätzen, erzellen, fabulari, argutari, garrire, blaterare, deblaterare Maaler 365c; confabulari, mit einander schwätzen, waschen Corvinus fons lat. 247a; schwetzen mit einanderen, confabulari. der zierlich schwetzen kan, logodaedalus Dentzler 2, 260a; sich vertraulich unterhalten, gemäehlich plaudern: die gelehrten haben lust am spatziren ... es sey dasz sie etwas auszusinnen (zu dichten) oder mit einander zu schwätzen (sprach zu halten) haben. Comenius sprachenth. 932; wie wir also schwätzten, so kompt einer. buch der liebe 192d; wo, gut aufgenommen, der eine freund sich mit essen, trinken und schwätzen unterhielt. Göthe 21, 147; man erdichtete märchen ... man schwätzte bis tief in die nacht und eh man sich niederlegte muszte man gestehen, dasz man sich auf der ganzen reise noch nicht so gut unterhalten hatte. 56, 186; darin saszen allerlei eingefangene singvögel, die beständig piepsten und zwitscherten, während ihre trägerinnen lustig dahin hüpften und schwatzten. H. Heine 3, 21 Elster (Harzreise); sie schwatzten, bis der morgen durchs hüttenfenster schien. Hölty 10 Halm; man tanzt, man schwatzt, man kocht, man trinkt, man liebt, nun sage mir, wo es was bessers giebt? Göthe 12, 212; da war uns keine nacht zu tief zum schwätzen, keine zeit zu lang, um freundliche geschichten zu wiederholen. 14, 41; vater, sprach sie, wie oft gedachten wir, untereinander schwatzend, des fröhlichen tags. 40, 279 (Herm. u. Dor. 5); und doch ist es am rinnenden quell so lieblich zu schwätzen. 310 (7); der gnädige herr kam gegangen, und wie er so gut ist, schwatzte er mit uns. 14, 260 (bürgergen. 4); lasz sie nur immer scherzen, denn sie haben schnell ihr geschäft verrichtet. unter schwätzen und lachen spülte frisch und leicht die welle die schönen kleider rein. 57, 315 (Nausikaa 1, 3); lustige vögel, die gerne schwatzen. Schiller Wallensteins lager 1; wo bliebe da zum schwätzen wohl die zeit, zum kosen mit der freundin, wie du meinst? Grillparzer4 6, 8 (des meeres u. d. liebe wellen 1). vom kosen mit der liebsten: ich schweige gern, entführe nur das mädchen, damit wir bald etwas zu schwätzen haben. Brentano 7, 61; nächten, da ich bei ihr was, schwatzten wir dann dies, dann das. wunderhorn 1, 330 Boxberger; weil ich ihr nicht recht schwatzen kann, sie schneidt mir bald ein kappen (hält mich zum narren). 191. daher in oberd. mundarten geradezu für 'eine liebschaft haben'. Hans schwätzt mit der Grete, liebt sie. Schmid 487. Schöpf 659 (dann auch: unehrbar reden, singen, s. schwatzliedl). — erzählen: die schwester bericht jn aller dingen, und im schwetzen schmöcht sy (schiebt sie hin) jm immerdar die fleschen, auff das sy jn möcht frölich machen. Wickram rollwagenb. 131, 14 Kurz; zu letst hort der edelmann ein wenig auf schwetzen und schweeren (die wahrheit seiner kriegsgeschichten zu beschwören). 132, 19; 'wir haben zeit, und fast kommt mich die lust, zu schwatzen, an.' ... (er) schlug sitzend ein bein über das andere und nahm überhaupt die lage eines mit bequemlichkeit erzählenden an. Grillparzer4 11, 267; erlaupt mir auch ain mal zuo schwatzen! fastn. sp. 338, 18; da besuch' ich ihn öfter dann zu haus ... und schwätz ihm auch von nah und fern wie's drauszen zugeht. Göthe 11, 338. auch von brieflicher unterhaltung: es ist mir leydt genung, den ich wolte von hertzen gern noch lenger mit euch schwetzen, aber gutte nacht! Elisab. Charlotte 3, 608; gute nacht. ich kann heute nicht schwätzen und würde dir wenn ich meinem herzen folgte ... einen ganzen brief voller kreutze schicken. Göthe briefe 6, 43 Weim. ausg.; vergl.: heut abend schwätzt meine feder wie ein specht. an frau v. Stein 1, 261; für reden, sprechen überhaupt (im gegensatz zum stillschweigen oder auch zum schreiben): das schweigen oder schwetzen (im schlaf) ist uns angeboren von natur. Paracelsus opp. (1616) 266 B; unglücklicherweise erbat man sich eine allgemeine stille. also auch schwatzen sollte ich nicht mehr. Göthe 23, 87; ich behielt die worte ... in ohr und sinn, und bediente mich der sprache mit leichtigkeit zum schreiben und schwätzen. 25, 39; der Franzos ist nicht einen augenblick still, er geht, schwätzt, springt, pfeift, singt und macht durchaus einen solchen lärm. 43, 53; sprichwörtlich: me schwäzt wie eim der schnabel gewachse isch. Eiselein 552 (nach Hebel); trunken geschwatzt, nüchtern vergessen. Wander 4, 429, 17. — mit einem schwatzen: aber sihe dorth komt ein man zu uns, mit dem wotten wir gern schwetzen, ob er wott uns den weg weisa. H. J. v. Braunschweig s. 77 Holland; mit den kellnern aller nationen wissen sie (die touristen) geläufig zu schwatzen. Keller nachlasz 47; vgl. auch: sie haben gut schwazen, sie. Schiller kabale und liebe 3, 2; so besonders im imperativ: so sag doch, so schwäz doch! wie bist du davon kommen? räuber 2, 3 schauspiel; worauf kommt denn alles an? schwätz', red'! Lenz 1, 195; na, so reden sie, reden sie, schwatzen sie. 267; vater. lasz sie seyn und rede. Niklas. was denn? vater. schwatze nur. Göthe 11, 101 (fischerin); von der zunge gesagt: da war denn der genusz der schwatzenden zunge fast gleich hoch geschätzt, wie der schmeckenden. Vischer auch einer 1, 367. — am weitesten entfernt sich folgende verbindung vom heutigen sprachgebrauche: der wolberedte mund, der gleich der stoltzen bach sich unverzagt ergosz, der iede zu verletzen und trösten mächtig war, vergasz sein weises schwätzen. A. Gryphius 1, 309. mit bezug auf den inhalt des gesprochenen: zum mindsten schwazt die muse so. Schiller 1, 252. schwätzen mit acc., meist mit einem unbestimmten pronomen: was auch Heyls und sein anhang hab geschwetzt. Fischart groszm. 32 (kloster 8, 568; orig.: quoy que'n ait dit Haly et ses supposts); wir schwatzten viel gutes. Göthe 16, 239; gerecht und warhaftist sein fürstlich durchleuchtigkeit, darumb ist er so sighaft,(ich schwetz nuer die warhait). schlacht von Pavia v. 10, s. Wagner archiv 164; dargegen weisz ein mensch zu jedem was man fragt den namen wie es heisst und was es ist zu schwätzen. Opitz 4, 364; du habest, im grünen, behaglich mit ihnen viel schönes geschwätzt. Klamer Schmidt poet. briefe 66; sie schwatzten diesz und schwatzten das vom seel'gen pfarrer Habermann. Hölty 37 Halm; arglos mit Amalia schwazte sie abwärts mädchengeschwäz. Voss Luise 3, 2, 187; von etwas schwatzen: darumb wöllen wir darvon ein wenig schwetzen. Luther 12, 592, 6 Weim. ausg.; die politici die Franckreich und Welschland besuchet und durchwandert haben .. wissen nichts als von neuen dingen zu schwätzen. Schuppius 408; wie nun die weiber ins gemein ihren höchsten trost in dem haben, dasz sie das leyd vom hertzen abweltzen mögen: also war dieser auch gedienet, dasz sie etwas von ihrer noth schwatzen solte. Weise kl. leute 351; man sezze sich also, so viel wir mitwanderer einer zeit sind, heute mit mir nieder, um — was müde wandrer thun — sich umzusehen, und vom wege hinter und vor uns zu schwazzen. Herder 1, 8 Suphan; ich las nun mit eifer manche bücher, die mich in den stand setzten, von religion zu schwatzen. Göthe 19, 269; zugleich aber ist jedem geboten für sich zu behalten und zu hegen was man ihm als bescheid zu ertheilen für gut findet; sie dürfen weder mit fremden noch unter einander selbst darüber schwatzen. 22, 6; bruder schwatze von büchern und kirchen. Leisewitz Julius von Tarent 5, 5; den fremden besser zu erfreuen, umsteckt der milde wirth den tisch mit dichten meyen ... und schwatzt vom ackerbau, vom wiesewachs, von saaten. Hagedorn 2, 101; sie schwatzte so vertieft, vielleicht, wie ich vermuthe, von pflicht und keuschem stolz und von dem höchsten gute. Uz 296 Sauer; beim pfeifchen schwazt mit ihm von korn- und pferdeschacher sein pfäflein. Voss 6, 181; Gremio, nicht zeit ist's, jetzt von liebe schwatzen. Shakesp. d. widerspenst. zähm. 1, 2; was schwatztet ihr von reichstag und von wahl? Grillparzer4 5, 67 (könig Ottokar 2); und weisz er nicht viel vom tiefen geheimnis, .. so weisz er von den herrlichen bildern doch süsz zu schwatzen. Lenau 1, 215 Koch (der gute gesell). sprichwörtlich: man schwätzt das ganze jahr von der kirbe, endlich ist sie (man kann endlich alles erleben). Schmid 628. jetzt ist diese bedeutung namentlich in hd. mundarten geblieben, so schweiz. schwätzen, reden; er schwätzt wohl, verschieden vom hd. schwatzen oder plaudern. Stalder 1, 361; er schwätzt au vernünftig; er cha nüd schwätza, er ist en stomm; er cha schwätza wie 'ne buech; er cha schwätza wie 'ne tola, kann sehr gut und geläufig reden Tobler 402; euser Mariggeli cha scho schwäze; de hesch guet schwäze! gut reden; schwäz lisli, ätti. Seiler 267a, doch hier auch im sinne von schwatzen (schwäz-mer kai blääch, — kais loch in chopf, us der schuel schwäze u. a.); in Vorarlberg wird schwätza gesagt: '1) allgemein und ohne jede specielle nebenbeziehung, z. b. ma schwätzt, wia eim der schnabel gewachsen ist; 2) von einem gemütlichen und unterhaltenden gespräche ...; 3) auch von einem gespräche über geschäfte und wichtige dinge, z. b. mer schwätzen noch ûs der sach, wir wollen die sache, den handel noch näher besprechen; 4) von der gabe fremder zungen, z. b. er kâ wälsch schwätza; 5) von geschwätzigkeit und redseligkeit; z. b. er schwätzt wia a wîb.' Frommann 3, 298; henneb. 'schwatze wird gebraucht von einem gemütlichen gespräch über gewöhnliche sachen nach der arbeit und zur erholung. daher die stehende redensart der vorübergehenden, wenn abends einige leute auf der gasse stehen oder vorm hause sitzen und sich unterhalten 'bsz schwatzte mitnand?' (was redet ihr miteinander?), worauf dann die stehende antwort 'nert vil!' (nicht viel) folgt 2, 462. der infinitiv substantiviert: ein (sein) schwätzen von etwas haben, favellare etc. far discorso, favella di qualche cosa. ein schwatzen anfangen mit einem. Kramer dict. 2, 703b; einem das schwatzen vertreiben, einstellen. ebenda. 22) in neuerer zeit verbindet man mit schwatzen gemeiniglich einen tadelnden nebensinn, der verschieden gerichtet ist, bald gegen das reden überhaupt, bald gegen das zuviel, bald gegen das nichtige, inhaltsleere reden, letzteres meist verbunden: est enim schwätzen, nugari, nugas agere, puerilia, jocularia, inania, levia, et inepta effutire Stieler 1959; schwatzen, garrire, als ein laster oder fehler. it. wann man eines reden gering machen will, weil es von keiner wichtigkeit. Frisch 2, 244a; vgl. die treffende definition bei Lichtenberg 1, 316: was heiszt schwätzen? es heiszt, mit einer unbeschreiblichen geschäftigkeit von den gemeinsten dingen, die entweder schon jedermann weisz, oder niemand wissen will, so weitläuftig sprechen, dasz niemand darüber zum worte kommen kann, und jedermann zeit und weile lang wird (s. auch Lazarus ideale fragen 258, und die darauf folgende, in der einl. angezogene stelle). — das reden als solches wird getadelt, besonders reden zu unpassender zeit: und darumb söllent ir mann züchtig zwen und zwen, oder drey mit einander vordannen on schwetzen geen (bei processionen). manuale curatorum 120, 1; Johann Bunkel schwatzt zwar immer — nicht wie ein christ — denn die schwatzen nicht — sondern als ob er einer wäre: lebt aber immer wie alle zöllner und sünder auch leben. Wieland suppl. 5, 308; sein leben ist reich an wunderlichen erfahrungen, die er sonst zu ungelegener zeit schwätzend zersplitterte, nun aber durch schweigen genöthigt im stillen sinne wiederholt und ordnet. Göthe 23, 70; aber da war ihm von Korb gar ernst bedeutet worden das schwätzen zu lassen und nur befragt zu reden. Anzengruber3 4, 29; es war (bei dem leichenbegängnis) wieder, als zöge man mit einer wandelnden kaffeevisite; man schwatzt, gestikuliert, lacht. Vischer auch einer 2, 231; wer jn der kirchen stet und swatzt und die lewt hinden und voren schatzt. fastn. sp. 1339; milord! ihr pflegt zu schwatzen, eh' ihr handelt, und seid die glocke eurer thaten. Schiller M. Stuart 4, 6; möge die trauer schwatzen und die langeweile, — das glück ist stumm. H. v. Kleist 1, 88 Hempel (Schroffenstein 5, 1); doch was verlier ich auch die zeit mit schwätzen? Rückert ges. ged. 1, 38. so sprichwörtlich: schwetzen bringt mehr schaden den (als) frommen. Petri Ss 6b; wer übel schwatzt, verliert ein gutes schweigen. Simrock sprichw. 9345; in gegensatz zum handeln gestellt: und als es nun endlich zu handeln galt, traten Görres, Steffens, Schenkendorf, Raumer und andere der besten an die spitze der jugend, die ... anstatt altklug zu schwatzen, das vaterland befreite. Eichendorff poet. litt. 2, 6. laut reden (so selten): brechten, schwätzen, altius, nec sine claro murmure confabulari Henisch 485, 23. — gewöhnlich viel reden, beständig, gewohnheitsmäszig sprechen, wobei dann leicht der nebenbegriff des leeren, nichtssagenden hinzukommt: er schwätzt gern, amat sermones et confabulationes Frisch 2, 244a; wenn einer lang geredt, mus er nicht auch hören? mus denn ein wesscher jmer recht haben? müssen die leute deinem grossen schwetzen schweigen? Hiob 11, 3; wie das römisch reich gar ein geringen anfang gehabt hab, ... ist genueg im teutschen Tito Livio nach der leng beschriben, wil nit von nöten sein, hie vil davon zue swazen. Aventin chron. 1, 261, 25; aber was schwätz ich so lang ... wir wöllen ein mal schweigen, und ein wenig schlaffen. buch der liebe 198c; über dem schwätzen vergeszt ihr den wein und Oranien. Göthe 8, 177 (Egmont 1); ich habe mir das schwätzen und raisonniren angewöhnt. 248 (4); das falsche hat den vortheil, dasz man immer darüber schwätzen kann, das wahre musz gleich genutzt werden sonst ist es nicht da. 22, 254; ein alter schiffer, dessen gliedmaszen, besonders aber die sprachorgane, durch eine von jugend auf geführte harte lebensart stockend geworden, tritt auf, als gegensatz des beweglichen, schwätzenden, schreiseligen volkes. 27, 148; wir hatten es erreicht, dasz wir ... das ganze laut schwätzende publicum zum schweigen brachten. 29, 105; sie waren boshaft genug, ihn drei ganzer stunden lang gottselig schwazen zu lassen. Schiller 3, 559; schwätz nit so viel, Kernbeiszer! Immermann Münchh. 2, 137 (4, 3); das kompt als von ir uppkait dar, das si sin (die rebknechte des weins) nit eben nement war, mit kallen und mit swätzen. teufels netz 11385 Barack; es sindt vil Nabal noch uff erd, die schwätzen me dann jn guot werd. Brant narrenschiff 19, 20; vil schwätzen ist seltten on sünd. 69; usz unnütz red keyn nutz entspringt, schwätzen me schad dann frommen bringt. 84; die leut auff der zungen tragen, ... dazu viel schwatzen und sagen, die zeucht man hoch herfür. bergr. s. 44 neudruck; weil wir noch waren auf der stras, künstw wol schwaczen ubermas. nn, so es icz not thuet krczmb, so stest stilschweigent, wie ein stmb. H. Sachs fastn. sp. 7, 157 neudruck; du werst dich ... abschrecken lan so er schwetzt vil. Schmelzl verl. sohn 9a; und komm', ich hab' des schwätzens überdrusz. Göthe 12, 159; reformation hätt ihren schmaus und nahm den pfaffen hof und haus, um wieder pfaffen 'nein zu pflanzen, die nur in allem grund der sachen mehr schwätzen, weniger grimassen machen. 56, 29. sprichwörtlich: die viel schwatzen, liegen viel. wer gern frägelt, schwatzt auch gern. Simrock sprichw. 9344 f., wer vil schwetzt, der leugt gern vil. Franck sprichw. 2, 116b; viel schwatzen macht unwerth. der kann viel schwätzen, wenn der tag lang ist. Wander 4, 429, 20. 32 (weiteres unter 4). — besonders wird neigung zum schwatzen den weibern vorgeworfen: es ist aber ein töricht, wild weib, vol schwetzens, und weis nichts. spr. Sal. 9, 13; man sagt immer, die weiber schwäzten viel, und wenn die männer anfangen, so hat's gar kein ende. Göthe 11, 96 (fischerin); die alten wiber ich lerne kebeln, swatzen und waschen. Alsfelder passionssp. 438. so sprichwörtlich: er schwätzt mehr als sieben weiber und drei professoren. Auerbach bei Wander 4, 430, 48. — ferner wird dasselbe den Schwaben nachgesagt, vergl. sp. 2144: der Schwab, der gern schwetzet, fraget unsern herrgott, mein leiden gesell, was leutet man da? wegkürzer 13b (s. ferner schwätzenschwäbisch). — viel worte machen, umständlich und planlos reden, vom gegenstande abschweifen: ich schliesze diesen brief, ohne meinen vorsatz erfüllt zu haben. ich schwätzte anstatt zu erzählen. Göthe 38, 58. — in andern stellen wird mehr gewicht auf den nichtigen inhalt des gesagten gelegt, vgl.: mancher schwätzt ein malter, und es ist kaum ein handvoll. quelle bei Wander 4, 428, 10; still und maulfaul saszen wir, wenn philister schwätzten, über göttlichen gesang ihr geklatsche schätzten. Göthe 1, 140; so schwätzt und lehrt man ungestört. 12, 130; der pfaff kann nichts als prahlen und schwätzen. 13, 69; und lasz den kerl tadeln und schwätzen. 152; schweiget! versetzte der könig: es hilft kein schwätzen und schmeicheln. 40, 60 (Reinh. fuchs 4). reden was man nicht genau weisz, unbesonnen ins blaue hinein sprechen, faseln u. ä.: das yetzund unsere schwermer thuen, die da vil davon kunden schwatzen unnd speyen, sunderlich wan sie voll seyen, und schlahens gering hyn, haben nichts davon gefasset, denn das sie davon wissen zureden. Luther 12, 497, 16 Weim. ausg.; jr müsset die warsager und zeichendeuter fragen, die da schwetzen und disputirn. Jes. 8, 19; si (die ärzte) künnen nit mer, denn liegen und swetzen. fastn. sp. 682, 8; ich schwatze, werthes paar! von unerfahrnen dingen. Günther bei Steinbach 2, 537; so schwatzt vernunft, die immer närrsch gewesen: ich glaub indesz, was mein balbier bezeugt. Uz s. 131 Sauer; nicht von jenem vermag ich genau zu verkündigen alles, leb' er oder sei todt; und eiteles schwatzen ist unrecht. Voss Od. 4, 837. sprichwörtlich: damit ich den leuten zeige, dasz ich um ihr denken und fühlen bescheid weisz, nicht davon schwatze wie ein blinder von der farbe. Anzengruber3 5, 10. so um eine rede zurückzuweisen, oder auch um eine frage mit entschiedenheit zu verneinen: Vansen ... die herren betrügen sich am ersten. er sollte nicht trauen. Jetter. was er schwätzt! so ein herr! Göthe 8, 244 (Egmont 4); Moor heftig. sie vergasz mich nicht? Daniel. vergessen? wie schwäzt ihr wieder? euch vergessen? Schiller räuber 4, 3 schauspiel. von erdichteten oder falschen aussagen der dichter: so ist ja der Eridanus ... weder in Griechenland ... noch in Welschland bey dem flusz Pado, oder Po, wie theils poeten schwätzen. Micrälius altes Pommern 1, 6. — schön schwätzen, schmeicheln, mit dativ: einem schön schwätzen, parlar bello ad uno, cioè adularlo, lusingarlo con belle e dolci paroline. Kramer dict. 2, 703b; — schwatzen mit acc.: nun fing er an, und schwätzte allerlei verkehrtes zeug, das darauf hinaus ging: ihr hättet ihn übereilt. Göthe 42, 305 (Götz 2, 13); was schwatzte nicht für zuckersüsze schmeicheleien der junker seinem fräulein vor! Lessing 1, 210; du schwatztest da nichtige worte! Voss Il. 4, 355; denn wer, die welt durchirrend, in Ithaka's fluren gelanget, meiner gebieterin nahet er gleich und schwatzet erdichtung. Odyssee 14, 127. kühner mit acc. des inhalts: denn nun hatte er die schönste gelegenheit, sich vollends zum heuchler auszubilden, indem er ... eine grosze fertigkeit erlangte, moral und religion zu schwatzen, ohne das geringste dabey zu fühlen noch zu denken. Wieland 15, 176; dafür gewöhnlich von etwas schwatzen: den Luther, der viel vom glauben zu schwatzen weis. Alberus widder Jörg Witzeln mammeluken K 5a; er hat .. von seelenruhe, rechenschaft und bettelstab ein langes und breites geschwatzt. Iffland 7, 193 (frauenst. 3, 3); ich habe langes und breites von einer sogenannten blutliebe schwazen gehört. Schiller 2, 26 (räuber 1, 1 schauspiel); thoren sinds, die von ewiger liebe schwazen, ewiges einerlei widersteht. 3, 496 (kab. und liebe 5, 7). mit folgendem inhaltssatze: wo ist der neue zug, der lächerlich genug den thoren zeichnet, der in wolken schifft, und schwätzet, dasz sein volk die Griechen übertrifft? Klopstock 12, 189. endlich sind noch einige feste redewendungen anzuführen: ein langes und breites schwatzen, s. oben; das hundert(st)e ins tausend(st)e schwatzen, garrire, quo neque pes, neque caput unquam appareat. Steinbach 2, 537; schwatzen, was nur ins maul kömmt. ebenda; in den tag hinein schwatzen: sie haben recht, ich habe in meinem briefe an sie ziemlich in den tag hinein geschwatzt. Lessing 12, 61; ich kann auch nicht in den tag hinein schwatzen, wenn ich reden will, sondern ich musz die akten studieren und aktenmäszig reden. Keller 8, 186. — einem nach dem maule schwatzen (derber für nach dem munde reden): die gute frau Nietken ... war eine herzensfreundin von Braka, die ihr sehr gut nach dem maule schwatzen konnte. Arnim 1, 64; habe bemerkt, dasz (in der Schweiz) die wahrheit mehr in's gesicht gesagt wird, als in unserer verschliffenen welt, obwohl oft stroblig rauh; doch wie viel besser diesz, als nach dem maul schwätzen! Vischer auch einer 2, 247; sprichwörter: welcher viel schwetzt, der lieget viel. Dentzler 2, 260a; wer uber tisch vil schwetzen will, der wirdt gewisz nicht fressen vil. Garg. 45a. 33) einen noch stärkeren sinn hat schwatzen nicht selten besonders in der älteren sprache, nämlich klatschen, hinterrücks übles von jemand reden, ihn verklatschen, verleumden: das schwätzen (klappern) das mährlein sagen (deblaterationes ac nugationes). Comenius sprachenth. 925; David aber lies weder man noch weib lebendig gen Gath komen, und gedacht, sie möchten wider uns reden und schwetzen. 1 Sam. 27, 11; der ist eyn narr, der vasszt jnns houbt und lichtlich yedes schwätzen gloubt. Brant narrensch. 101, 2 ('von oren blosen'); hett ich gestoln, geraupt und gemort oder von iemant etwas geschwatzt. fastn. sp. 253, 36; als unglück und ein pös jar müsz dir auf deinen kragen deihen umb dein falsches unnütz zeihen, das du tuost der frommen Demuot ... ich will dich strafen umb dein schwetzen. 348, 19, ebenso 588, 17; ich hab allweg gehört fürwar, es sey gemeinlich als erdicht, ... wenn mancher kömpt inn bösz geschrey, man pflegt zu schwetzen mancherley. Alberus fab. 9, 40; auch thust du hin und wider schwetzen. H. Sachs 3, 3, 8c. ausplaudern, ein geheimnis verraten: ich weltz iren nit sagen, sy hette mögen schwätzen; wen es usz weri kummen, so hette es mich do zmall min läben kostet. Th. Platter 37 Boos; sagte derowegen, er hätte zwar den inhalt gesehen, doch würde er bey dem Florindo grosse verantwortung bekommen, wenn er nicht reinen mund halten wolte. endlich fügte er mit leiser stimme dieses hinzu, ach ihr guter mensch euch betraff das meiste, ich darff nur nicht schwatzen, wie ich will. Weise erzn. s. 30 neudruck; doch erst bezaubr' ich ihn, dasz er nicht schwatzt. Shakesp. d. widerspenst. zähm. 1, 1. so auch in den verbindungen aus der schule, dem hause, der beichte schwatzen; ausz dem hausz schwätzen, auszhin klapperen, dicta foras eliminare Maaler 365d; aus dem hause etc. schwatzen, favellare fuor di casa cioè ridire, rivelare, scoprire i segreti di casa Kramer dict. 2, 703a; aus der schule schwatzen, foris aliquid effutire Steinbach 2, 537; aus der schul schwätzen, ist von schul-kindern genommen, die zu hause sagen was in der schul geschehen, foris effutire Frisch 2, 244a; wann nu hie ain einfeltiges mensch .. also alle dinge seines nechsten verredt, aus dem hausz alle ding schwezt, so sprich ich, es sey verretherey. Joh. Nas an den pfarrer Melchior in Clausen 1573, s. Wagner archiv s. 61, 12; (das) dürfte niemand verraten, dan es wer eben als wan man ausz der schul schwezt. Büdinger hexenproc. von 1630, s. Wolf zeitschrift für deutsche mythologie 1, 274; meîn lieber mann, es hat villeicht ausz der beicht geschwatzt der caplan? H. Sachs fastn. sp. 4 100 neudruck. 44) häufig steht schwätzen mit einem acc. der wirkung; reflexiv sich satt schwatzen: kehre heim, schwätz' dich zuvor satt. Fr. Müller 1, 68; er schwetzet sich trunken. Wander 4, 430, 65; sich los, frei schwatzen: kommt er zum worte, so schwätzt er sich los und wird nicht gehangen. Göthe 40, 108 (Rein. fuchs 6); denn er schwätzt sich nicht durch; ich hab' ihn selber betroffen über der that. 191 (11); sich unsterblich schwätzen: Hircan, der philosoph, will sich unsterblich schwätzen. Cronegk 2, 130. ähnlich: derweil sich so um zwanzig jahre jünger der alte schwatzt. Wieland bei Campe; einen tot, zu tode schwatzen: soll ich dir den mund zuhalten? ... du schwätzest einen zu todt. Klinger theat. 4, 167 (Grisaldo 2, 5); du schwazest mich todt mit den pfählen! Voss Aristoph. 1, 403 (wespen 1215); sie wird mit einfalt und natur mich noch zur närrin schwazen! Voss 4, 41. ähnlich auch: beteuben, taub machen, toll machen, schwetzen, uberteuben. Henisch 340, 9. — einen wohin schwatzen: Adelheid .. nach dem zu rechnen, habt ihr schon manches nachbars ehrliches hausweib aus ihrer pflicht hinausgeschwatzt. Liebetraut. nicht doch, gnädige frau! auf ihre pflicht wollt ihr sagen; denn wenn's ja geschah, schwatzt' ich sie auf ihres mannes bette. Göthe 8, 59; du hast ihn nicht in dein haus geschwazt. Schiller kab. und liebe 1, 1; so auch freier: und daran seyd ihr alle schuld, die ihr mich in das joch geschwatzt, und mir so viel von activität vorgesungen habt. Göthe 16, 95; man hatte sich's von verschiedenen seiten angelegen sein lassen, einen neffen, den sohn ihres verstorbenen bruders, ... aus ihrer gunst zu schwätzen. Anzengruber3 4, 186; ich lass' ihm keine ruh; ich wach' ihn zahm, schwätz' ihn aus der geduld. Shakespeare Othello 3, 3. ferner: du ... möchtest gerne das liebe weib dem wackern manne an den hals schwatzen. Klinger 1, 437. — einem das geld aus der tasche schwatzen: es giebt doctoren, die dafür, dasz sie den kranken .. umbringen, ihre bezahlung für ihre mühe verlangen .. und das geld ist ihnen aus der tasche geschwatzt. Tieck don Quixote5 2, 523 (11, 6). — einem etwas aus dem sinne schwatzen: er antwortete miszvergnügt, die bauern lechzen nach dieser freyheit, und man könne ihnen diesz nicht so leicht aus dem kopf schwatzen. Pestalozzi Lienhard 3, 267; sie sinnt und weisz, was männchen liebt, und macht es ihm noch lieber; kommt auch einmal, was ihn betrübt, sie schwazt es bald vorüber. Voss 1, 189 (Luise 3, 639). im entgegengesetzten sinne: und du hast mir den fluch aus dem herzen geschwäzt (entlockt, abgelistet). Schiller räuber 2, 2 schausp. — die zeit hinschwatzen, mit schwatzen verbringen: wir schwätzen unsre jahre bin, wie ein gespräch. Herder 12, 78 Suphan (90. psalm); lass' uns nicht hier jetzo die zeit hinschwatzen und länger nicht aufschieben das werk! Voss Il. 2, 435. sprichwörtliche redensarten: er schwetzet eim ein nusz von eim baum, (er schwatzt einen) von eim polster, und sesz er drauff. Franck sprichw. 1, 160b; es schwätzt einer den andern von der banck und setzt sich selbst darauff. man schwetzt offt einn vom polster und setzt sich an sein stadt drauff. quelle bei Wander 4, 428, 3. 9; der schwätzt einem ein loch in den kopf. 34 (vgl. 69); er schwätzt dem teufel ein ohr ab. 43 (vgl. Seiler 267a); nassauisch der schwäzt âm die botter vom brud erunner. 33; wan man sie (die 'Rom-bienen') mit gelt salbet, so werden sie so lind, dasz man eyn roszeysen in sie schwetzet. Fischart bienenk. 242b; vor einem listigen viehhändler, welcher die bäche aufwärts schwätzen zu können schien. Felder reich u. arm 208. 55) zuweilen, besonders in dichterischer redeweise, wird schwatzen in freierem gebrauche auch von thieren oder leblosen dingen gesagt, besonders von vögeln: ein schwatzender vogel, un uccello parlante Kramer dict. 2, 703b; ihr vögel, stellt das schwatzen ein. Günther bei Steinbach 2, 537; kein vogel schwatzt auf düstrer ulmen zweigen. Uz 118 Sauer. zunächst von solchen, die menschliche rede nachahmen, wie papageien: einen papagey etc. schwatzen lehren, insegniare à parlacchiare ad un pappagallo. sie schwatzet wie ein papagey. Kramer dict. 2, 703a; und meine papageyen die ich erzogen habe, die schwäzen mit mir, wie ich, werden kranck, lassen die flügel hängen. Göthe br. 2, 97 Weim. ausg. (an Kestner nr. 78); staare: die staare besonders schwätzten das närrischste zeug; der eine rief immer: Paris, Paris, und der andre: Narcisz, Narcisz, so deutlich als es ein schulknabe nur aussprechen kann. Göthe 24, 83. elstern: die elster schwätzet (pica garrit). Comenius sprachenth. 160; nun het der iuncker ein atzel in einer keffin, die kunt schwetzen. Pauli schimpf s. 19 Österley; daher sprichwörtlich: sie (die pfaffen) schwetzen wie hetzen. Fischart bienenk. 193b; vgl. auch heut abend schwäzt meine feder wie ein specht. Göthe briefe 4, 83 Weim. ausg.; im schwetzen sey ein hetz (elster), im fressen Bel der götz. Garg. 45a. doch auch von andern vogellauten, krähen, gackern u. s. w.: um kirchthurm schwatzen schon die dohlen krakrakrakra. Weisze kom. op. 2, 79 (teufel ist los 2, 4); mit gekrümmtem halse steht hoch auf der leiter der haushahn, und kräht freud' in den hof; mit lauten schlagenden flügeln springt er hinab auf den platz, and jeder der schwätzenden weiber strotzt er brennend entgegen. Zachariä tageszeiten 7; wie sumsen im grünen um thymian bienen, wie schwätzet der rab'! Fr. Müller 2, 387. daher sprichwörtlich: er schwatzt wie ein rohrsperling. Wander 4, 430, 58; schles. sie schwutzt wie eine Peiler mastgans (aus Peilau). Weinhold 89a. vom quaken der frösche: sie dachte aber 'was der einfältige frosch schwätzt!' Grimm märchen 2. poetisch ferner vom plätschern des wassers: lasset ihren grimmen wetzen wind und wetter ungestüm, laszt die brummend wellen schwätzen. Spee trutzn. s. 76 Balke (19, 27); dort, wo im schatten schlanker buchen die quelle zwischen blumen schwätzt. Uz 50 Sauer; scheint die welle doch ein schwätzen, lüftlein wie — ein scherzergötzen. Göthe 41, 124 (Faust II, 2); wenn die ströme schweigend rollen .. hört man wol die lerche trillern und das bächlein schwatzend rauschen. Strachwitz ged.8 54. vom winde: und rings umher schwatzt unter laub und zweigen ein sanfter west, und rauhe stürme schweigen. Uz 75, var. von einer uhr: eine grosze wanduhr schwatzte in der lautlosen stille. Spielhagen problematische nat.4 1, 73 (cap. 12). — von personificierten abstracten: eben berührte der schwatzende tag den saum ihres gewandes (der nacht), und schweigend und matt sank er selbst in ihren umhüllenden schoos. Herder 28, 143 Suphan; aber still! erst musz ich sagen, was mir gegen morgen, schwätzend. jüngst ein leichter traum verkündet. Immermann 12, 104 Hempel (Tulif. 3, 5). 66) fernzuhalten ist wol oberpfälz. schwätzen, den durchfall haben Schm. 2, 652, ähnlich schles. schwetzen Weinhold 89a; dazu das subst. öster. schwaz'n, n. durchfall Castelli 253, als fem. Hügel 146b, ung. schwutz, f. Schröer nachtr. 289a, schles. schwutz, m. verschüttete flüssigkeit Weinhold a. a. o. Schm. a. a. o.
34503 Zeichen · 622 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Schwatzen

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Schwatzen , verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, viel und unerhebliche, unüberlegte Dinge reden, ein…

  2. Sprichwörter
    Schwatzen

    Wander (Sprichwörter)

    Schwatzen 1. An vielem Schwatzen erkennt man den Mann. Lat. : Qui multum fatur, stultissimus esse probatur. ( Binder I, …

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit schwatzen

16 Bildungen · 1 Erstglied · 11 Zweitglied · 4 Ableitungen

Zerlegung von schwatzen 2 Komponenten

schwat+zen

schwatzen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

schwatzen‑ als Erstglied (1 von 1)

schwatzen,schwätzen

GWB

schwatzen·schwaetzen

schwatzen,schwätzen auch -zen u -zzen, Kleinschr bei Subst B1,200,21 u B8,263,22 ; PartPrät abgekürzt ‘geschw.’ T1,54,9 u 113,9 ; überwiegen…

schwatzen als Zweitglied (11 von 11)

abschwatzen

DWB

abschwatzen , blandis verbis impetrare, durch geschwätz abnehmen: hat sie ( die frau ) iren freunden ( verwandten ) abgeschwatzt. fastn. sp.…

anschwatzen

DWB

anschwatzen , blandis verbis alloqui, affari, dann auch alicui probare, tribuere, gegensatz von abschwatzen , sonst auch aufschwatzen: das k…

aufschwatzen

DWB

auf·schwatzen

aufschwatzen , verbis inducere: da sie Aurelien die sorge für des kindes erziehung aufgeschwatzt hatte. Göthe 20, 111 ; was ihr da seit zehn…

ausschwatzen

DWB

aus·schwatzen

ausschwatzen , garriendo in vulgus efferre, sowol arglos heraussagen, als in böser absicht ausplaudern, austragen: mein kind, du schwatzest …

b(e)schwatzen

Idiotikon

b(e)schwatzen Band 9, Spalte 2261 b(e)schwatzen 9,2261

beschwatzen

DWB

beschwatzen , beschwätzen , multa loquendo inducere, decipere, bereden: die wahre ursach, warum man sich an die deutschen gelehrten wendete …

einschwatzen

DWB

ein·schwatzen

einschwatzen , sich ins geschwätz, in die rede einmengen, daran betheiligen: kameraden, ihr habt viel von euren abenteuern gekoset, die zum …

überschwatzen

DWB

ueber·schwatzen

überschwatzen , v. , auch umgelautet überschwätzen. untrennb. verbindung: beschwätzen, bereden, woraus weiter betrügen, hintergehen: wa blei…

Verschwatzen

Adelung

versch·watzen

Verschwatzen , verb. regul. act. 1. Durch Schwatzen um etwas bringen. Die Zeit verschwatzen, sie mit Schwatzen zubringen. Seinen Hals versch…

vorschwatzen

DWB

vorsch·watzen

vorschwatzen , verb. , vor- sive fürschwatzen Stieler 1959 ; ebenso beide formen bei Kramer teutschital. dict. 2 (1702) 705 b ; Steinbach 2,…

Ableitungen von schwatzen (4 von 4)

beschwatzen

DWB

beschwatzen , beschwätzen , multa loquendo inducere, decipere, bereden: die wahre ursach, warum man sich an die deutschen gelehrten wendete …

erschwatzen

DWB

erschwatzen , erschwätzen , verbis evincere, erzählen. Stieler 1959 : und wer kan all ihr müh, so sie mit der kinderzucht haben, erschwetzen…

Verschwatzen

Adelung

Verschwatzen , verb. regul. act. 1. Durch Schwatzen um etwas bringen. Die Zeit verschwatzen, sie mit Schwatzen zubringen. Seinen Hals versch…

zerschwatzen

DWB

zerschwatzen , -schwätzen, verb., durch schwatzen belästigen, krank machen: H. Fischer 6, 1150 (-ä-); ich hab ihn ( meinen mann ) recht zerp…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „schwatzen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 15. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/schwatzen/dwb?formid=S21019
MLA
Cotta, Marcel. „schwatzen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/schwatzen/dwb?formid=S21019. Abgerufen 15. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „schwatzen". lautwandel.de. Zugegriffen 15. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/schwatzen/dwb?formid=S21019.
BibTeX
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