schwänzeln,
verb. ,
weiterbildung zu schwänzen,
mhd. swenzeln,
nur in transitiver anwendung bezeugt. Lexer
mhd. handwb. 2, 1361,
in neuerer zeit meist intransitiv, von Stieler 1954
und Kramer
dict. 2 (1702), 698
a als gleichbedeutend mit schwänzen
bezeichnet, auch von Frisch 2, 242
a, Adelung (
nur vom hunde)
und Campe
gebucht. heute hat es schwänzen
im intransitiven gebrauche völlig verdrängt. vgl. schmeicheln
und schmeichen. 11)
intransitiv. 1@aa)
sich drehend, geziert einhergehen, besonders von frauen, sodasz der rock eine schwenkende bewegung macht, ambulando ostentare se Stieler 1954, als thörichte stolze weiber,
nates jactando inter eundum etiam vestes dependentes jactare ut caudam, fluctuatim ire Frisch 2, 242
b (
doch ist die unmittelbare beziehung zu schwanz,
cauda erst später hineingetragen). Campe. Klein 2, 147 (
Pfalz, Ansbach). Reinwald 1, 150. Schmidt 214. Stalder 2, 360. Schm.
2 2, 643. Hertel
thür. sprachsch. 224. Albrecht 209
a. Jecht 101
b. Kehrein 1, 171. Spiesz 229. Sartorius 114. 148: da kommt meister Friedrichs tochter .. wie sie sich herausgeputzt hat, wie sie schwänzelt. Salzmann
anweisung zu einer unvernünftigen erziehung d. kinder (1788) 43; und nun machte er den gang seiner frau nach, kleine schritte, den kopf in der luft, er spielte mit dem fächer, er schwänzelte, es war die caricatur unserer kleinen coquetten, so neckisch und lächerlich als möglich. Göthe 36, 149; so schwänzelte und tänzelte sie mit angestrengter anmut herum. Keller 4, 97.
freier, mit angabe der richtung: und, weil ich just in meinem beruf ausgeritten war, so machten sie (
frau und tochter) sichs zu nutz, und schwänzelten auf den ball. Wagner
kindermörderinn 26.
in Leipzig wie '
viel herumlaufen' Albrecht 209
a.
die mecklenburgischen bezeichnungen swenzellisch, swenzelpeter,
die auf unsolide lebensart gehen, nd. korrespondenzbl. 9, 84,
schlieszen sich an solche anwendung an. 1@bb)
mit unmittelbarer beziehung zu schwanz,
cauda (
s. dies 2,
c)
caudam agere, clementer, blande movere Stieler 1954, als ein hund,
caudam agitando adulari Frisch 2, 242
a,
liebkosend mit dem schwanze wedeln Adelung. Sartorius 114. 148. Frommanns
zeitschr. 3, 303 (
Vorarlberg),
nach Kramer
dict. 2 (1702), 698
a auch: den schwanz schleppen, schleifen. von der schwenkenden bewegung des schwimmenden fisches: er (
gott) schwänzelt mit dem fisch in der tiefe des wassers und späht im auge des habichts, der in den lüften fliegt. Keller 6, 352.
in dieser stelle wird das wort kaum auf den schwanz allein bezogen, und noch deutlicher tritt die beziehung auf den ganzen körper in der folgenden hervor: das (
ziegen sind gemeint) springt, bockt, bäumt, stöszt, rennt um mich her, das schüttelt sich, rüttelt sich, tänzelt, schwänzelt, hänselt. Immermann 2, 74 (
Münchh. 3, 9)
Boxberger. solche anwendung schlieszt sich eng an a an und zeigt, dasz auch der gebrauch vom hunde zunächst wol auf die schwenkende bewegung des ganzen körpers geht. 1@cc)
im anschlusz daran sagt man es (spöttlicher weise) von einem schmeichler,
caudam jactare alicui, adulantium canum more Frisch 2, 242
b,
schmeicheln, schönthun Campe. Spiesz 229.
die nahe beziehung zu b veranschaulicht der folgende beleg: die republicaner winseln und schwänzeln zu unsern füszen. Oppermann 100
jahre 4, 196.
mit a vermittelt der nächste, wo ein gehen in der art des schmeichelnden hundes, zuthunlichkeit zu beweisen, gemeint ist: darum machte er Annen aus der ferne ein ganz saures gesicht, als ob er in ein essigfasz gerochen und schwänzelte dann wieder freundlich zu ihr, weil eben ein andrer mit ihr sprechen wollte. Arnim
kronenw. 1, 241. schwänzeln
geht überhaupt meist auf eine mit körperlicher schmiegsamkeit verbundene zuthunlichkeit, besonders die verbindung um einen her, herum schwänzeln: gelt, wie unser graf hier war, was er dir da so höflich um einen herschwänzelte und dir so freundlich und manierlich that.
F. Müller 1, 276; schon in der schule sah man, welch früchtgen das geben würde! das schwänzelte um den lehrmeister herum und horchte und schmeichelte und wuszte sich fremdes verdienst zuzueignen, und seine eier in fremde nester zu legen. Schiller
parasit 1, 2.
ohne solche locale zusätze zeigt das wort diese sinnliche färbung aber auch weniger deutlich: (
von Rosenkranz und Güldenstern) dieses leise auftreten, dieses schmiegen und biegen, diesz jasagen, streicheln und schmeicheln, diese behendigkeit, diesz schwenzeln, diese allheit und leerheit, diese rechtliche schurkerey, diese unfähigkeit, wie kann sie durch éinen menschen ausgedruckt werden? Göthe 19, 167,
und zuweilen verschwindet sie ganz: die mutter war so neugierig den schwänzlenden brief ihrer durchlaucht zu lesen. Schubart
bei Strausz
Schubarts leben 2, 398.
vgl.fuchsschwänzeln theil 4, 1, 1, 354. 22)
transitiv. 2@aa)
in älterer sprache den flachs swenzeln,
schwenken (
vgl. 1,
a),
verhüllend für futuere: swentz(e)l, rentz(e)l mir den flachs. Osw. v. Wolkenstein 64, 3, 8. 2@bb)
mhd. ûf swenzeln,
aufputzen (
vgl.schwanz 2,
b): die (
mädchen) zepfelnt sie unde swenzelnt sie ûf, sô sie dannoch kûme vier jâr alt sint. Berth. v. Regensburg 1, 416, 14. 2@cc)
mit einem schwänzchen versehen. Campe.