schurke ,
m. nichtswürdiger mensch. im hochd. seit dem 16.
jahrh. bezeugt, doch findet sich schon ahd. virscurgo
furcifer Graff 6, 542,
welches offenbar eine nominalbildung zu ferscurgan,
repellere, ist (
vgl.schürgen).
zusammenhang beider wörter ist nicht wol zu bezweifeln; auffallend bleibt dabei weniger das vollständige fehlen von zeugnissen aus der mhd. zeit, als die durchgängige verhärtung des g
zu k.
vgl. Kluge5 338
b. Weigand 2, 652.
im nhd. ist schurke
in der schriftsprache sehr gewöhnlich, scheint dagegen in den mundarten nicht beliebt zu sein. von hd. idiotiken verzeichnet es nur Hunziker 233
als schurgg,
auch schorgg.
es findet sich auch nd., schurk, -e Dähnert 418
b. ten Doornkaat Koolman 3, 164
b,
und nl. als schurk (
erst neunl., s. Franck 874
f.),
vielleicht aus dem nhd. entlehnt. ebenso ist es ins polnische als szurek
übergegangen. die form ist entweder schurke
oder schurk,
seltenere nebenformen sind: schork(e),
s. das. (
sp. 1578),
bei Kramer
und Stieler,
ferner: was mache ich denn, wenn mir die schorken nicht gehorsam sein? Weise
böse Cath. 2, 7;
ganz selten schurche
Simpl. 2, 151, 2 (
s. unten 2).
die flexion ist stets die schwache. im gen. sing. findet sich hie und da die erweiterte form des schurkens: wer schurkens genug seyn könnte, mir etwa das schöne sonnenbild vom busen der wahrheit zu stehlen.
Siegfr. von Lindenberg4 4, 308; musz sein herz der beleidigung und kränkung jedes schurkens und böszwichts aussetzen. Klinger
theater 4, 125 (
Grisaldo 1, 1).
einen plural schurkens
s. unter 3.
bedeutung. 11)
im gewöhnlichsten sinne, als starkes schimpfwort: 1@aa) schurk, schurck, schorck,
m. .. raspone, avarone, miserone, tenace, taccagno, it. briccone, birbante, furfante, vigliacco, barro, guidone ... v. schuft. er ist ein rechter schurck, ein ertzschurck; mit solchen schurcken mag ich nichts zu schaffen haben. Kramer
dict. 2, 683
c; schurcke (der,
plur. schurcken),
verbero, homo nihili Steinb. 2, 525; schurck,
verbero Apin.
gl. 488; Hans Schüttlern aber den schalten ifg. vor einen meineider und losen schurken. Schweinichen 1, 308; die industrie eines schurken verhält sich zu eines ehrlichen manns seiner wie ein maximum zum minimum. Hamann 7, 258; im grunde ist es nicht ekelhafter, einen hüpfenden, schmeichelnden, unterthänigen, vergoldeten schurken .. von den pflichten für seine ehre reden zu hören, als einen gesetzten, nüchternen, schwerfälligen, gravitätischen schurken zu sehen
u. s. w. Wieland 3, 130 (
Agath. 12, 7); verständige, kluge schurken kenn' ich dir so gut, als meine kugel. Hippel 1, 261; ich sagte, es gäbe nur zweyerlei leut, brave und schurken. Göthe 8, 70; wo ist der schurke? 14, 273 (
bürgergen. 7);
prinz .. (
bricht eine ruthe ab). so sey denn hiemit zum schurken geschlagen. koth! du verdienst nicht, dasz ich meinen degen an dir verunehre. Lenz 1, 99 (
Menoza 2, 2); wird er nicht entweder umkehren müssen und sich bessern? oder er wird auch in der groszen schule des elends ein schurke bleiben. Schiller 2, 22 (
räuber 1, 1
schauspiel); dieser hier ist selbst ein schurke und doch traut er dem ehrlichen gesicht eines andern. 244 (2, 2
trauersp.); er kannte auch den schatten der kraft nicht, die erfordert wird, um nicht ein schurk und ein tropf auf erden zu werden. Pestalozzi
Lienh. u. Gertr. 2, 141; ich wohnte in der strada fratina bei einem der gröszten schurken von Rom, einem advokaten, der einmal sogar den wagen meines sorglosen reisegefährten verkaufen wollte. Grillparzer
4 15, 89; auf die möglichen grobheiten und handgreiflichkeiten des rothhaarigen schurken drinnen .. baue ich eben meine letzte hoffnung. Hebbel (1891) 9, 121; der gröszte schurke, den je ein sonnenstrahl beschienen. Scheffel
Ekkeh. 154; was? ruft er; A
** hier? wenn mich der könig liebt, so weis ich, dasz er stracks dem schurken abschied giebt. Lessing 1, 33; ihr aug ist blau, durchstralt die ganze seele, prägt selbst dem schurken ehrfurcht ein. Hölty 180
Halm; und die schurken lasz dem büttel, und die narren dem geschlecht. Göthe 3, 172; mit stichelreden, naserümpfen soll jeder schurke mich beschimpfen! 12, 192; muszt all' die garstigen wörter lindern, aus sch—kerl schurk, aus — mach' hintern. 56, 66; zum neuen leben ist der todte hier erstanden, das weisz und glaub ich festiglich. mich lehren's schon die weisen ahnden, und schurken überzeugen mich. Schiller 1, 258; sey's, wer es will! ein niederträcht'ger bube, ein höfling musz es seyn ... ein neid'scher schurke, den meine selbstverdiente würde kränkt. 12, 259 (
Wallenst. tod 2, 6); denn wenn von ruthen die narren und die schurken bluten. Seume 1, 33; vorzüglich sprach ich rund und keck mit narren und mit schurken. 213; es lebt kein schurk' im ganzen Dänemark, der nicht ein ausgemachter bube wär.
Shakespeare Hamlet 1, 1; o welch ein schurk' und niedrer sclav bin ich. 2, 3; ein dummkopf bleibt ein dummkopf nur für sich in feld und haus; doch wie du ihn zu einflusz bringst, wird gleich ein schurke draus. Grillparzer
4 1, 135. 1@bb)
als name verwendet: mit herrn Schurke war es schon eine bedenklichere sache, er hatte der familie wohl genutzt, wenn es ihm gerade auch nutzte; dagegen ihr auch wieder geschadet, vielleicht zu seinem eignen vortheil. Göthe 48, 89 (
vorher ist von vetter Schuft
die rede). 1@cc)
in der anrede: Anton ... (
haben sie mich zu schicken) etwa in den buchladen?
Damis. nein, schurke.
Anton. ich musz das schurke so oft hören, dasz ich endlich selbst glauben werde, es sey mein taufname. Lessing 1, 214 (
d. j. gelehrte 1, 1);
Adrast. (
mit einer bittern verachtung) schurke! 400 (
freyg. 1, 5); da liesz er (
der kaiser), hoch von grimm entbrannt, den herold 'nein trompeten (
in Weinsberg): 'ihr schurken, komm' ich nein, so wiszt, soll hängen, was die wand bepiszt!' Bürger 25
b; von euch schurken keinen spott! Göthe 13, 104; ha! ihr schurken wart! Schiller 1, 345; gott grüsz dich, Merenberg, du schurk und du verräther! Grillparzer
4 5, 117 (
k. Ottokar 4).
vgl.: herr, einen schurken könnt ihr mich schimpfen, aber den dummkopf verbitt ich. Schiller
Fiesko 1, 9. 1@dd)
gern in der fügung schurke von —,
z. b. von einem kerl,
schurkischer, verdammter kerl, u. ähnl.: schurke von einem wirthe! Lessing 1, 509 (
Minna von Barnh. 1, 1); das musz ein schurke von einem soldaten seyn, der ein mädchen anführen kann! 562 (3, 11); da sahst du in einen bach, und da sahst du den albernsten, dummsten, unverschämtesten, langweiligsten, abgeschmacktesten schurken von einem esel, der seit Bileams zeiten jemahls den mund aufgethan hat, nicht wahr? Wieland 11, 310 (
d. Sylvio 4, 2); als nun das pferd fiel und sich überschlug, war der schurke von courier nicht so behend die spitze wegzuwenden. Göthe 33, 288; fliehe vor diesem schurken von
*** und vor dem bastard seinem sohn, die dir auf alle weise nach dem leben stehen. 316.
seltener in unmittelbarer nebeneinanderstellung: Ferdinand .. würden sie vater zu dem schurken sohne seyn wollen, der eine privilegierte bulerin heuratete?
präsident. noch mehr. ich würde selbst um sie werben, wenn sie einen fünfziger möchte — würdest du zu dem schurken vater nicht sohn seyn wollen? Schiller
kab. u. liebe 1, 7. 1@ee)
sprichwörter: den schurken und narren gehört die welt, in schurken und narren theilt sich die welt; nimm einen schurken vom galgen, und er wird dich daran hängen; wenn ein schurke vorangeht, folgt bald ein schurke nach,
u. a. m., s. Wander 4, 392. 22)
im 17.
jahrh. wird schurke
zuweilen in milderem sinne gesagt von einem trägen oder geizigen menschen, auch mit gänzlicher aufgabe der moralischen beziehung von einem menschen ohne geld und in geringen verhältnissen, armer schlucker, armer teufel, schelm: schurk,
m. homo nihili, et contemnendae conditionis, sordidus, ignavus Schottel 1410; schork,
et schurk,
propr. agricola, rusticus, sed deinde pro sordido, ignavo, avaro, homine nihili, et contemnendae conditionis haberi coepit Stieler 1768 (
vgl. auch Kramer
unter 1); die sönderlinge, so sich mit ihrem natürlichen haar behelffen, .. geben damit nichts anders zu verstehen, als dasz sie arme schurchen seyn, die nit so viel vermögten, ein kal hundert ducaten an ein paar schöne barücken zu verwenden.
Simplic. 2, 151, 2
Kurz; wie seine diener ausz betlern und schurcken reiche leute werden. Schuppius 19.
später ist diese verwendung wieder aufgegeben. selten sind sonst freiere gebrauchsweisen, so wenn schurke
scherzhaft von einem dinge gesagt wird, z. b. vom wein: der schurk ist auch so glatt. schenk noch einmahl ein. Fr. Müller 1, 164. 33)
besonderheiten. 3@aa)
bei Fischart
erscheint schurke
als name einer münze: die Fuckart von Augspurg schätztens nicht geringer nach specie bestimpter ablosung, als 900. tausent schurckens, 60. tausent Philippisch Klinghart unverruffen, 50000. Peter von Löven, 40000. Arnolds gulden
u. s. w. Garg. 120
b. 3@bb)
in Schlesien bedeutet schurk(e)
einen tannzapfen, siehe Adelung. Weinhold 88
b: schurke, heiszt nach Meiszners zeugnüsz
in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen,
squamata nucamenta abietum Frisch 2, 234
c,
strobilus Nemnich. 3@cc) schurken
heiszen auch wildlinge, wilde birn- und äpfelbäume Nemnich.