schürgen,
verb. schieben, stoszen, treiben. eine weiterbildung zu schüren (
vgl. daselbst)
mit g-
suffix; wie dieses auf das hd. sprachgebiet beschränkt, doch findet sich scurgan
avertere, expellere, biscurgan,
praecipitare auch in den anfr. (?)
psalmen und Lips. gloss. s. Heyne
kl. and. denkm.2 s. 176
b.
ahd. scurgan, -en, scuregen, scurkan,
trudere, pro-, impellere, impingere, precipitare Graff 6, 542;
mhd. schürgen, schurgen, schorgen Lexer
handwb. 2, 829.
nachtr. 363.
vgl. ferner Grimm
gramm. 2, 48. 295. Andresen
volksetym. 260.
Germ. 7, 97.
Weigand 2, 652.
im ältern nhd. findet sich schürgen
nicht selten noch in der schriftsprache; von wörterbüchern verzeichnen es die folgenden: schürg
exagito Alberus
dict. (1540) m 1
b,
vgl. Weigand
a. a. o.; schürgen, schurgen [..
voc. usat. vers' il basso Reno]
spignere la carriuola d' una ruota, carrivolare, v. schieben. ein fasz bier
etc. schürgen. Kramer
dict. 2, 683
b f.; schergen,
et schürgen,
idem quod schüren,
trudere, et irritare, urgere, impellere, compos. an-
sive zueschergen, beyschergen, weg-
sive hinwegschergen. Stieler 1768; ich schirrge,
removeo, protrudo Steinbach 2, 495.
in neuerer zeit nur noch landschaftlich, besonders in der Schweiz. neben schürgen
finden sich auch die schreibweisen schergen (
s. daselbst, theil 8, 2568), schirgen (
s. sp. 207,
bei Steinbach,
s. oben), schörgen (
sp. 1577)
und schürchen: ich gehe scharren und schürchen um gut, als wollt' ich mich erwürgen.
wunderhorn 2, 474
Boxberger. von neuern mundarten haben folgende das wort erhalten: schweiz. schürgge(n) Stalder 2, 355. Hunziker 233, schürke Seiler 265
b,
bair. schorgen, schörgen, schurgen, schürgen, schargen Schm. 2, 467,
ungar. Schröer 205
a,
schles. schürgen, schergen Weinhold 88
b. Anton 4, 8
f., thür. (schürgen,) schörjen, scherge, schyr Hertel
sprachsch. 222. Keller 41, schürr Regel 269,
hess. schürgen, schorgen Pfister 170. Kehrein 1, 370;
in Aachen schörge Müller-Weitz 221.
von nd. mundarten hat nur das westfäl. das wort übernommen: schürgen Woeste 234
b.
bedeutung. 11)
etwas schieben, fortstoszen Hunziker 233. Anton 4, 8. Kehrein 1, 370,
z. b. d' wäije (
kuchen) inn ofen ine schürke Seiler 265
b,
besonders einen wagen. im stifte Hersfeld sagt man von dem, der einen wagen von hinten schiebt: he schürghet,
von dem vorn ziehenden: he dinset Pfister 170,
ebenso Anton
a. a. o.: daʒ hulzîne phert wart sêre gezogen ... si zugen vore und schurgeten nâch. Herbort v. Fritslar
troj. krieg 16071.
auch in zusammensetzungen, fort-, hinweg-, zurückschürgen: Matuta hat geziert den tag, und Phœbus wagen anmuttig aufgeführt, gar zierlich fortgeschirget auf Thetis bette zu. Scherffer
ged. 511.
thür. sprichwörtlich: s schürrn dan wâchen in de schünn,
schieben den wagen in die scheune, für: angestrengt arbeiten Regel 269. Hertel 222.
absolut: wan he fure, das das hynderste rad queme, do daz fordir rad gestanden hatte, so were he der phande fryhe, und der holczfurster solde eme an helffen schurgen, ab eme das noyd were. Grimm
weisth. 3, 357 (
vom jahre 1449); item ob ein man were, der sein gut ufgeben hett und wolt hinweg zihen und hett ine berawen, und hilt noch in den valthoren, so solten ime die nachgebur helffen zuruck schurgen wider hin in. 888 (15.
jahrh.).
auch etwas auf der schiebkarre fahren, vor sich herschieben Müller-Weitz 221. Woeste 234
b. 22)
treiben, z. b. thiere auf die weide; so in der bauernregel: auf St. Gürgen soll man die küh von der weide schürgen. Simrock
sprichw. 3414. 33)
menschen antreiben, drängen Schröer 205
a, anschürgen Weinhold 88
b,
reflexiv, sich beeilen. ebenda. so besonders mhd., in eigentlichem sinne, absolut: sume stieʒen, sume sluogen, sume schurgten ungevuogen. Walther v. Rheinau 168, 12. 172, 40.
meist in freierer verwendung, (
einen)
wozu anreizen, verleiten: swenn der teufel darzu schürget, daʒ vil manger wirt gewürget. H. v. Trimberg
renner 11552; des leite si der snôde man almêlich von der stat hin dan mit senftir rede schurgin bis zcû der Rômer burgin.
zeitschr. für d. alterthum 17, 246, 18; dô wart darzcû geschurgit, daʒ hê dô wart irwurgit. 223, 22;
reflexiv: wen sich di man in den strît menlich wellin schurgin. 361, 15.
in anderm sinne: daʒ sî gewîhte pfaffen ... mit manchirleie tôten ... von dem lebne schurgeten. Nic. v. Jeroschin 26486. 44)
absolut, in freierer verwendung, an 1
anknüpfend: es hat viel mühe und arbeit, und darff viel fürlegens, schmierens, schiebens, und schürgens, wenn einer hoch nan ans bret kommen soll. Mathesius
Sar. 197
b. — an einem joch schürgen,
ziehen, bildlich: eine solche matron, die dem mann zur hand geht, und mit zugreifft in der hauszhaltung, dasz dem mann nicht die gantze last auff dem halsz liegt, sondern das weib hilfft auch mit schürgen an dem ehjoch, wie ein paar ochsen zusammen gespannet werden. Creidius 1, 361. 55)
mundartliche besonderheiten. 5@aa)
in der Schweiz auch er hat die schuld auf mich geschuorgget,
geschoben Stalder 2, 355. 5@bb)
ferner ein kinderspiel, wobei bohnen, knöpfe u. a. in ein grübchen geschoben werden. Hunziker 233.
vgl.schürgeln 1. 5@cc)
ebenda auch für '
das feuer schüren' Stalder 2, 355;
ebenso in der Zips unterschürgen Schröer 205
a;
vereinzelt auch in der schriftsprache: der einem den brand schürgt,
fax accusationis Dentzler 2, 257
a; und ich selber alle tage in die küche muszte, das feuer auf dem heerde zu schürgen. Pestalozzi
Lienh. u. Gertr. (1831) 2, 22.
vgl. dazu schüren (
einl.)
und: fuirscurigi
succensor ignis. quelle bei Schm. 2, 462. 5@dd)
in Nassau, geld zusammenscharren Kehrein 1, 370. 5@ee)
in der grafschaft Glatz, supprimere aliquam Weinhold 88
b.