schneuzen,
verb. die nase putzen. II.
form und verwandtschaft. I@11) schneuzen
gehört augenscheinlich in die zahlreiche sippe snu-,
deren grundbedeutung schnaufen, d. h. heftig und hörbar durch die nase athmen, ist. diese liegt vor in den bildungen schnauen (
mhd. snâwen
und snöuwen),
mit ableitendem labial schnauben
und schnaufen (
mhd. snûfen,
nd. snûven,
nl. snuiven),
vgl. dazu schnaupe
und schnupfen,
mit dental schnauden (
mhd. snûden,
ahd. snûdôn
und snûtôn Graff 6, 845),
ferner schnausen
und schnauken, schneuken,
s. diese. die weiterbildung mit t
findet sich auszerhalb des deutschen schon in ags. snŷtan
mungere, emungere, snŷting
sternutatio Bosworth-Toller 893
a,
altnord. snýta Cleasby-Vigfusson 577
a,
dän. snyde,
schwed. snyta.
engl. snŷtan
ist mundartlich als snite
erhalten, in der schriftsprache aber früh durch die schwache ableitung snot (
verb. und subst. rotz, letzteres =
mittelengl. snotte, snothe,
altfries. mnd. snotte,
holl. dän. snot,
ursprünglich *snota-,
von einem starken verb. *sniutan)
verdrängt, s. Skeat 569.
ferner gehört hierher das subst. schnauze,
s. das.; doch hat man schneuzen
wol nicht als ableitung davon zu fassen (
wegen der bedeutung II, 1).
vgl. noch Kluge5 333
b. Weigand 2, 691. Wachter 1452. I@22)
die formen der älteren deutschen dialekte sind: ahd. snûzan Graff 6, 852;
mhd. sniuzen, sneuzen, snûtzen Lexer
handwb. 2, 1040;
mnd. snuten Schiller-Lübben 4, 281
a;
nl. snuiten: snuyten,
holl., vel snutten,
mungere; daneben snotten,
vel snutten Kilian;
vgl.schneutzen,
butzen,
belg. snutten,
emungere, nares purgare Calepin (1570) 497.
glossen zeigen folgende schreibweisen: emungere, hd. snuczin, snutzen, snuczen, sniczen, snewczen, schnutzen,
nd. snuten, utsnutzen Dief.
gloss. 201
b;
mungere, hd. snutzen,
nd. snuten ..
hd. schnutzen, schneutzen, schneitzen, snitzen 371
bf. (schneyczen, schnewczen.
nov. gloss. 259
a);
muncare, schnutzen, schnytzen, snuten 371
b;
screare .. snutzen, schnutzen, schnitzen, schnytzen, schnewtzen, snuytzen (die nasen)
vgl. 520
c; sneiczen, snäyczen die nasen.
nov. gloss. 332
a. I@33)
in der nhd. schriftsprache hat sich jetzt die schreibung schneuzen,
oder, mit unrichtiger anlehnung an schnauze, schnäuzen
festgesetzt. die ältere sprache weist indes daneben noch oft dialektische formen auf, und zwar (
abgesehen von ew, äw
für eu, tz
und cz
für z) I@3@aa)
alemann. schnützen: schnützen, die nasen butzen oder schnützen,
mungere, emungere Maaler 360
a,
ebenso bei Schottel 1407.
ferner bei Keisersberg,
s. II, 2,
a. I@3@bb)
ohne umlaut schnauzen: geschnautzet,
et geschnäutzet;
präs. ich schnautze,
mungo, emungo Steinbach 2, 474. I@3@cc) schneizen (
mitteld. und bair.),
s. oben die glossen und: etlich tragen (
auf die fastnacht) ein frischen menschen kadt auff eim küssin herumb, und wören jm der fliegen, wolte gott sy müszten jm
auch schneitzen und credentzen. Franck
weltb. 131
a,
vgl. II, 2,
d und 4,
d. I@44)
die heutigen mundarten zeigen im allgemeinen die zu erwartenden formen: schweiz. schnüze Stalder 2, 341. Hunziker 229. Seiler 262
a;
bair. schneuzen,
bez. schneizn (ich schneuzet
und hab geschneuzt,
aber auch stark ich schnitz, hab geschnitzen) Schm. 2, 591; schneitzen Schöpf 640;
cimbr. sneutzen
cimbr. wb. 233
b;
fränk.-hess. schnäutzen Schmidt 200. Frommann 2, 551, 16;
henneb. schnöze, schnötze (
prät. schnozt,
part. geschnotzt, geschnözt)
und schnöuze, schnöize (schnouzt, schnoizt — geschnouzt, geschnoizt) 3, 545, 3;
in Aachen schnütze Müller-Weitz 219;
thür. schnize, schnisse Hertel
sprachsch. 217,
nordthür. schnüze Schultze 43
b;
sächs. (
erzgeb.) schnûzen Göpfert 45. —
im nd. nur theilweise üblich, als snüten Dähnert 440
a. Schütze 4, 151 (
auch snütjen). Stürenburg 230
b. ten Doornkaat Koolman 3, 252, snten Woeste 247
a oder snütten Richey 276.
brem. wb. 4, 904 (
Hamburg; in Bremen nur snitjen
vom licht). IIII.
bedeutung. II@11)
die eigentliche bedeutung des schnaubens hat sich mundartlich erhalten; so heiszt schnûzn '
den athem stark durch die nase stoszen' Göpfert 45.
ferner besonders im schweizerischen vom fauchen der katze, s. Stalder 2, 341. Hunziker 229. Seiler 262
a: auf einmal schneuzte es in einer ecke .. eine fremde grosze katze war in die kammer gesperrt, hatte sich bisher ruhig verhalten und wurde nun scheu. Keller 1, 104; eigentlich war es (
die malerin) ein junger maler, denn sie schneuzte wie ein kleines kätzchen, wenn man sie malerin nannte. 7, 89; meine frauenzimmer befinden sich noch nicht im stadium und würden schneuzen wie katzen, wenn ich einen herrn brächte! 8, 243.
vgl. schneuzkatze. II@22)
sonst in der speziellen bedeutung '
die nase reinigen, den rotz ausschnaufen'. II@2@aa) die nase schneutzen:
emungere ... snutzen dye nasen, utsnuten de nasen, utsnuven de nezen Dief.
gloss. 201
c;
mungere .. snuten dye, de nasen. 371
b f.; schneyczen o. reyspen dy nasen.
nov. gloss. 259
a (
vgl. auch screare, s. o. I, 3); schneutzen
mungere Dasyp.; die nase schneutzen (schneubern, schneuben, schneufen),
smoccare, snoffiare, nettare il naso Kramer
dict. 2, 632
a; die nase schnautzen,
nares emungere Steinbach 2, 474; und nit zuo fil butz oder schnütz die nasz, das nitt bluot harnach gang. Keisersberg
irrig schaf F 2
b; das schnupfftuch ist noch gut, die nase dran zu schneutzen. Schoch
stud. leb. D 8
a; seitdem wir alle unsre bürgerssöhne, so bald sie sich die nase am ärmel schneutzen können, dispensando ins heirathen pfuschen lassen. Wieland 15, 138; ich höre sie schon im vorzimmer ihre kehlen stimmen und ihre nasen schneuzen. Arnim 2, 351; indesz er beinahe unausgesetzt tabak schnupfte oder die ungeheure rothe nase schneuzte. Grillparzer
4 15, 54; er schneuzte die nase mit den fingern. Hebel 2, 185;
sprichwörtlich (
vgl. b und e): wer die nasen hart schneutzt, zwingt blut eraus.
spr. Sal. 30, 33; wer zu sehr die nase schnäutzet und die hunde töricht reitzet, gehet blutig offt davon.
ged. d. Königsb. dichterkr. s. 83
neudr. mit scherzhafter verdrehung: Cuntz, steh auff, und gang hinder die nasen, und schneutz die thür.
Ambr. liederb. 234, 2;
vgl. auch: durch die naselöcher fleust der rotz, als durch eine anzucht (drecksiehl) herab, welchen die nasenhaar auffhalten, dasz er nicht heraus treuffe, es sey denn dasz sie geschneutzet werden. Comenius
sprachenth. 250. II@2@bb)
absolut: schneutzen, die nase butzen,
moucher son nez Hulsius 287
b; schneuzen,
emungere nares Stieler 1907; swer den siechtuom hât der sol niht vil sneutzen.
quelle im mhd. wb. 2, 2, 455
b (
arzneib. des 12.
jahrh.); indesz wir nämlich nach dem tischgebet am fenster standen: rief auf einmal die spezialin: 'um gottes willen, hr. rath, schneutzen sie nicht, was haben sie da?' — Stiefel hatte blos sein hemde in der hand. J. Paul
briefe 96;
so sprichwörtlich (
vgl. d): ich hab nit gemeynt ..
violentum non esse diuturnum, dasz zu viel schneützen, machet die nase bluten.
Philander 1, 208; gar zu scharff, gar bald scharten bracht, hart schneutzen, blutig nasen macht. Rollenhagen
froschm. J i 6
b.
von unfreiwilligem schneuzen,
niesen (?): (
ich, der fuchs) fieng an zu kotzen, und zu schneutzen. K 7
a (
dazu am rande: Reynick hat vergiffte feygen gessen). II@2@cc)
die person wird in der ältern sprache im dativ hinzugefügt: einem die nase (den schnabel) schneutzen,
smoccar' il naso, il becco, il grugno ad uno Kramer
dict. 2, 632
a,
oder blosz einem schneuzen;
meist relativisch: sô im der mensche sneutzet.
mhd. wb. 2, 2, 455
b; swen diu naslocher trieffent und im der mensche eins etlichen snäuzet und daʒ niht enhilfet, denselben siechtum heiʒʒent die läute di strauchen.
quelle bei Schm. 2, 805
unten; oft übertragen, s. u. (4,
a). II@2@dd)
die neuere sprache hat dafür den accusativ eingesetzt, einen schneutzen:
smoccare uno Kramer
diction. 2, 632
a; ein kind schnäuzen,
mucum de naso detergere infanti Frisch 2, 212
b; da gibts wild holtzleut, tragen ein dreck auff eim küssen herumb .. wehrn jm der fliegen. o solten sie jhn schneitzen und jm den rotz ablecken.
Garg. 51
a (
vgl. I, 3,
c, ausg. von 1608 F 3
b: ihm schneitzen); madame Fintlein setzte einen topf beiseite, schneuzte eins der kleinen wesen. Ludwig 2, 403. II@2@ee)
so sehr gewöhnlich relativisch: sich schneutzen [die nase],
smoccarsi Kramer
dict. 2, 632
a; sich schnäuzen,
mucum efflare e naso, claudendo digito alteram narium Frisch 2, 212
b;
so schon mnd.: of sik die man wischet oder snut oder spiet oder jeschet oder hustet oder nuset.
Sachsensp. 2, 1, 274 (
lehnr. 68, § 7); also dikke he sic snuten solde, he let er etteliken dot slan.
d. chron. 2, 144, 34;
auch mhd.: swer ob dem tische sniuzet sich, ob er eʒ rîbet an die hant, der ist ein gouch, versihe ich mich. Tanhauser
hofzucht 128; thue dich auch an disch nit schneutzen, das ander leutten nicht thue scheutzen.
meisterl. fol. 23,
nr. 212; lieber Peter, ich bitte euch, setzt die brillen auff die nasen, oder schneutzt euch ein wenig, das euch das heubt leichter und das hirn reiner werde. Luther 3, 75
a; schon der klang seiner nase, wenn er sich schneuzte, könnte dich durch ein nadelöhr jagen. Schiller
räub. 4, 5
schausp.; da hat gehustet, sich geschneuzt Schemjáka. Chamisso 2, 150
Koch; der mensch ist dazu da, dasz er sich schneuzt! Hebbel 2, 146. sich in das schnuptuch schneuzen,
pituitam strophiolo excipere Stieler 1907; der riuspet, swenne er eʒʒen sol, und in daʒ tischlach sniuzet sich, diu beide ziment niht gar wol. Tanhauser
hofzucht 58; vorhin aber hett in sein muoter underweiset, da es ihm von nöten, solt er sich in ein tüchlein, dasz er bey sich trug, schneutzen, so verstunde er das tischtuch. Kirchhof
wendunm. 1, 104
Österley (1, 81); wahrhaftig, meine guten damen, Pedrillo ist ein feinerer kauz als ihr euch einbildet! er schneuzt sich nicht am ärmel, das könnt ihr versichert seyn! Wieland 11, 325 (
Sylvio 1, 4, 2). —
vgl. auch das sprichwort: de sik tô sêr snutet, dm blöt de nse. Tunnicius 1060,
nach spr. Sal. 30, 33 (
s. 2,
a),
in nd. übersetzung: de to sere snutet syne nese, de uthtrecket blod. Schiller-Lübben 4, 281
a;
hd. wer sich lange sneuzt, der blutet zulezt. Eiselein 553; hart schneuzen macht blutige nasen. Simrock
sprichw. 9155;
vgl. auch Wander 2, 305
f.; ferner oben 2,
a und b. II@2@ff)
mit angabe des effectes: herausz schneutzen,
emungere Dasypod.; (er) schneutzt jnen den roten safft ausz der nasen.
Garg. 205
b; als disz geschehen, wird der löwe also erzürnet und erhitzet, dasz er aus der nasen eine katze geschneutzet, welche die mausz stets verfolget. Olearius
pers. reisebeschr. 299
a; sie sneutzte ouf in zwei eiterchlôʒ. Heinr. v. Neustadt
Apollon. 9025. II@33)
auf andere dinge angewendet. II@3@aa)
vom licht: emungere .. snutzen daʒ licht, liecht schnutzen. Dief.
gloss. 201
c;
mungere, snuten eyn liecht
vel abe nemen dye snupen .. das licht snuppen, liecht abbutzen, abbrechen. 371
c; liecht schnewczen
nov. gloss. 259
a; das licht schneuzen,
candelam emungere Stieler 1907;
so schon mnd. nu snutet he myne kerssen,
s. Schiller-Lübben 4, 281
a; der läuchter sey hängig, .. die liechtschnautz (putzer) zur hand, damit soltu ohn unterlasz (offt) putzen, (schneutzen,) dasz der nösel (dacht) nicht verdunckele. Comenius
sprachenth. 745; da .. kam derselbigen bawren einer, stellet sich, als wolte er das liecht schneutzen, leschet es ausz. Kirchhof
wendunm. 3, 239
Österley (4, 263); darum that er das fenster zu, .. schneuzte die lichter, dasz sie heller brannten. Musäus 2, 78
Hempel; sie .. kam aber unaufhörlich wieder, um immer an den tisch, woran beide männer saszen, zu treten und das licht zu schnäuzen. J. Paul
Siebenk. 1, 134; zur aufklärung der Deutschen hast du (
Nicolai) mit Lessing und Moses mit gewirkt, ja du hast ihnen die lichter geschneutzt. Schiller 11, 156. II@3@bb)
von sternschnuppen, indem man die schieszenden meteore gewissermaszen als abfallende lichtschnuppen betrachtet, vgl. Campe;
Jetter .. er (
Egmont) ist so sicher wie der stern am himmel.
Vansen. hast du nie einen sich schneutzen gesehn? weg war er! Göthe 8, 244; der verfertiger des bildes hat ebenfalls diesen sich so auffallend schneuzenden stern wahrgenommen. Tieck
novellenkr. 4, 319; (
der himmel,) den wir mit solcher post so offt zum zorne reitzen, und öffter noch vielleicht, als sich die sterne schneutzen. Caniz 97. II@3@cc) bäume schneuzen,
s. 5. II@44)
häufig steht schneuzen
übertragen. II@4@aa)
mit dem dativ (
im sinne von c?): ze hant wârn sie gar verloschen, und begunden die rede lenken, und daʒ houbt nider senken, als in gesniuzet wære.
ges. abent. 3,
s. 370, 505; ich wil ufwiglen unsre wiber, das sind die rechten rädlitriber (
rädelsführer), die wurdend im fin tapfer schnützen. Manuel 339
Bächtold (
dafür weiter unten: dasz sie uns hulfind in verklagen); dem bapst ward geschneuzt, das er nit wuste, was er darzu sagen solte. Ochini
apol. v. Wirsung (1559) 5, 70. II@4@bb)
einen um etwas bringen, prellen, betrügen, es ihm gleichsam aus der nase ziehen: einen ums geld schnäuzen,
emungere aliquem argento Frisch 2, 212
b;
vgl. Kluge
stud. spr. 123
a;
dieselbe bedeutung hat auch nd. snüten Dähnert 440
a,
holl. snuiten
und dän. snyde;
vgl.snutten ..
emungere pecuniis, fallere: deplumare, deglubere aliquem. germ. schneutzen. Kilian; ich hab den alten das gelt erschepft oder geschneuzt (
argento emunxi senes). Bolz
Terenz 207
a; dieweil sie sehr lieblich von angesicht formiret .. erlangt sie von ir iedem, und schneutzt sie redlich, so lang er ihr anhieng, was sie nur wolte und begeret, nemlich gülden und golt
u. s. w. Kirchhof
wendunm. 2, 536
Österley (3, 245); Edmundus wurde nur bey der nase herum gezogen, und ums geld geschneutzet. Hahn
histor. (1724) 4, 233; allein die beyden guten herrn wurden von meinem stax nicht allein um 200 fl. bey sich habende silber-müntze, sondern über dieses noch um 300 halbe louisd'or geschneutzet.
Felsenb. 2, 375; (
er) musz seine eroberten stüber dem apotheker, oder, wo zu er am meisten geneigt ist, einem quacksalber in die hände geben, und wird dabei geschneutzet. Möser
patr. phant. 1, 174; (
dasz er) eine verfälschte liste von nie gehabten schulden aufgestellet, und seine freunde solcher gestalt ums geld geschneutzt habe. 2, 298; auch ward er, noch an eben diesem tage, von einem gauner um etliche thaler — geschnäuzt (würde ein Römer es nennen,) ohne dadurch um einen heller klüger zu werden.
Emmerich 5, 235; solt er (
der kaiser) dann je nur geizen, möcht dcommissarios schneuzen, ihr beutel ist ganz schwer. Opel-Cohn 297, 48; manch ehrlicher man in der welt wird von ihnen geschneutzt umbb gelt. Herlicius
musicomastix G; dasz der unterschied von einem Davus, einer frechen Pythias, die ihren alten herrn um tausend thaler schnäuzt, und von dem pflegevater eines gottes auch in der art zu reden merklich würde. Wieland
Horazens epist. (1782) 2, 221. II@4@cc) einem den schnabel schneuzen,
verbis vehementioribus prosequi, jurgio adoriri, dictis castigare aliquem Stieler 1907,
vgl.ausschneuzen theil 1, 958;
sonst wird in diesem sinne schnauzen, anschnauzen
gebraucht, vgl. daselbst. II@4@dd) drein schneuzen,
bildlich (?): aber wo der hanswurst stets drein schneitzt oder wider die ehrbarkeit laufende sachen praesentirt werden, die sein nicht verantwortlich, besonders wann solche von jungen leuten besucht werden. Abr. a S. Clara 100
ausb. närrinnen 56. II@55)
in einigen verwendungen berührt sich schneuzen
in der bedeutung mit schneiden,
sodasz vielleicht eine vermischung mit schneizen
vorliegt. so bäume
oder auch bäumen schneuzen: zujetten und den bäumen zuschneutzen, zubeschneiden, zupfrupffen.
Garg. 184
a; Cyrus schneutzt die bäum. 185
b.
ähnlich wird heute snüten
im ostfires. in weitem umfange für '
schneiden, abschneiden, einschneiden, stutzen, kürzen'
gesagt: busken un bômen snüten
oder besnüten, 't hâr
oder de bârt snüten, de oren snüten, besnüten,
stutzen, 't geld besnüten, de höner de flögels snüten laten, ên in sîn lôn besnüten
u. s. w. ten Doornkaat Koolman 3, 252.
im schweizerischen bedeutet schnäutzen, schneutzen
schief schneiden. Stalder 2, 341. II@66)
weitere besonderheiten. II@6@aa)
schweizerisch schnüze
bedeutet ferner II@6@a@aα)
den schnee mit dem schneepfluge wegräumen; II@6@a@bβ) si schnüze,
sich rasch vorbeibewegen (
vgl. 3,
b?) Hunziker 229. Seiler 262
a. II@6@bb)
in Aachen schnuppe
oder schnütze,
naschen, dazu verschnütze, schnützerei,
näscherei, leckerbissen, dazu auch schnütz,
f. näscherin Müller-Weitz 219. II@6@cc)
in der studentensprache für futuere Kluge
stud. spr. 123
a (
belegt um 1740). II@6@dd) dem kärtlein schneuzen
für das kartenspiel: wer dem kertlein so schnewczen kon, des rock die schabn nit kumen on. H. Sachs
fastn. sp. 7, 87, 23
neudruck.