Schnake f. (
m.): 1.a. 'Gemeine Stechmücke (Culex pipiens)', die Weibchen dieser Art stechen und saugen menschliches Blut,
Schnok (šnōg) [verbr. südl. WPf SPf VPf Bernhard 166 Bertram § 46 Glass 107 Heeger Tiere II 16 Karch Gimmdg/Muttstdt 235 Mang 115 Müller Dietschw 66 Schandein Ged. 249 Danner Penns 41 Lambert Penns 138],
Schnak (šnāk) HB-Nd'gailb,
Schnouk (šnoug) [KU-Ehw RO-Schweisw BZ-Dierb],
Schnuk (šnūg) [KL-Hütschhs],
Schnack [RO-Imsw],
Schnock [KU-Albess Erdb Jettb HB-Breitft KL-Heimkch FR-Tiefth LA-Mart], Gen.
m.:
der Schnok [ZW-Battw], sonst nur
f.; Pl.
Schnoke (šnōgə) [PS-Erfw, verbr.],
Schnocke (šnogə) [BZ-Silz];
Dim. (oft für nicht näher bezeichnete kleinere Mückenarten gebr.,
vgl. Bed. 1c)
Schneekl (šnēgl) [NW-Frankeck LA-Gommh GH-Kand],
Schnokelche (šnōgəlχə) [WD-Niedkch],
Schnäkelche (šnEgəlχə) [KU-Diedk],
Schnökelche (šnögəlχə) [LU-Limbghf];
Dim. P.
Schnäkelcheʳ (šnEgəlχəʳ) [KU-Eschau];
vgl. Blutsuckler 2,
Breme1,
Bremse1, Bremsenfliege,
Bremsmücke,
Brumme,
Brummer,
Brummse,
Brummsert,
Brummsmücke,
Drescher 2b ek">γ<,
Viehbremse,
Fliege,
Gaulsbremer,
Gaulsmücke,
Kuhmücke,
Libelle 1,
Mücke,
Sauerkrautmücke,
Scheelmücke,
Schuhmacher 3 b
α Zs.:
Brems-,
Bruch-,
Donnerwetters-,
Vieh-,
Gift-,
Kuh-, Rhein-,
Sau-,
Schmeiß-,
Stech-,
Stuben-,
Wasser-,
Weiherschnake; Syn.:
Pfiffler 3,
Pothammel,
Breme1 1 c,
Bremse1 2,
Donnerwettersschnake,
Hakenmann 1 c,
Hundszecke 2,
Moskito,
Mücke 1 b, Rheinschnake,
Sägebock,
Sauschnake,
Schneidergeiß 3,
Schweißmücke,
Sieh1,
Singer 2,
Stecher,
Stechmücke,
Stechschnake,
Summer,
Wassermücke.
D' Schnoke geiə (geigen 3) [LA-Nd'hochstdt].
D' Schnoke hänn mich ganz verstoche [LA-Nd'hochstdt].
Do hot mich e Sch. g'stoch [RO-Als].
Den hot e giftig Sch. gestoch [RO-Dielkch].
Mer kann 's nit aushalde vor Schnoke [LA-Nd'hochstdt]. Wenn nachts die Sch. im Schlafzimmer surren und
ssii, ssii summen, dann sagt der Ehemann: »
Do näwe leit se!« und meint damit seine Frau [LU-Opp].
Forwas die Schnoke dich lieber steche wie mich? [Kraus Putscheblum 17].
Im Weschtrich, so bei Kusel hinne, / Do kann kee Mensch kee Schnooke finne. / Was schloft mer dort so gut un fescht, / Weil em kee Schnook de Kopp verstecht!- / Im Germerschem degege sin / In jeder Schlofstub Schnooke drin [Münch Werke I 74/75].
Schnooke, Schnooke, nix wie Schnooke, / Wo do schwärmen Dag un Nacht [Kühn Palz 69]. »
Filb, siehscht Du dart am Brunnetrook / E Schnook?« »Awaß! ich sieh kaaⁿ Schnook!« / »Ich aach nett! Ei, doo wolle mr geh, / Doo mache mr Schluß! Mr siehn nix mehⁿ!« [Kühn Schnitze II 95].
Moi Ärm un moi Bää sin vun de Schnooke dodal veschtoch [Damm Schoggelgaul 35].
Ma merkt e Schnook nit, wenn se stecht, / un dut deswäh nit zucke. / Geht's so mit meine Sprich, i's recht... / Denoh muß's awer jucke! [Kraus Pädcher 5].
Nau sitzt der Henry dart im Eck / Un dut sei Pfeifel schmooke; / Er blost die blohe Wolke wek, / Un sel vertreibt die Schnoge [Birmelin Penns Gezw. 64].
Die Schnoge sin bang wann die Regewerm blaffe; / Des macht der Blohuschte 'Keuchhusten'
im Buschelsack 'Strohsack'
lache [Birmelin Penns Gezw. 70]. RA.: Wenn ein Vorhaben trotz Bemühungen nicht gelingen will:
's Gewidder soll doch die Schnooke veschlache! [Krieger 46].
Der es so uⁿruich wie e Sch., von einem nervösen, zappelnden Menschen [NW-Kallstdt].
Er is schwach wie e Kapp voll Schnoke [verbr. Gal].
Wann e Sch. werrer dich flieht, fällschde um 'Du bist schwächlich' [KB-Kriegsf].
Der hot sieß Blut, an den gehn alle Schnoke [LA-Gommh].
An dich gehn die Schnoke gärn, du musch scheint's sieß Blut han [PS-Erfw].
Er macht aus ere Sch. e Elefant 'Er bauscht eine kleine Angelegenheit zu einer großen Affäre auf' [KB-Kriegsf].
Er is Schnoke iwwer die Broch treiwe, antwortet man auf eine unsinnige Frage nach dem Tun eines anderen [KU-Dittw],
vgl. Brache 2,
Bruch2 1. SprW.:
In dr Not freßt dr Deiwel Schnoke [Gal-Dornf],
... un der Fuchs Mais (Mäuse) [Gal-Bagbg]. BR.:
Wann im Februar die Schnoke flieje (geiche) uf der Mescht, soll m'r 's Fuder sperre in die Kescht [Schandein Bav. IV,2 378, LU-Oggh]. WR.:
Die Schnoke fliee (fliegen)
, es gibt scheⁿ Wetter [RO-Dörrmosch]. Wenn die Sch. bei schwülem Wetter besondes blutgierig sind, droht ein Gewitter [LU-Altr].
Wann d' Schnoke steche, bleibt 's Werrer schäi [GH-Nd'lustdt].
Wann die Schnoke dowe (toben 2)
am Morje, gibt's Gewitter [RO-Obd].
Wenn die Schnoke owets (abends)
tanze, das bedeit gut Wetter [ZW-Battw].
Wann die Schnoke danze, gebt's schen Wetter [KU-Wahnwg].
Wann d' Schnoke danze, gebt's Rechewedder [BZ-Dierb].
Wenn im (Januar) Februar die Schnoke geiche, misse sie im Märze schweiche [LA-Gommh, NW-Frankeck LA-Nd'hochstdt BZ-Silz GH-Kand].
Wenn 'm Janner d' Schnoke geige, warren se 'm Marz wirrer schweige [GH-Hatzbühl].
Wenn im Hornung die Schnoke geige, müsse sie im Märzen schweige [GH-Kand].
Wenn im Februar die Schnoke singe, wird's noch einmal kalt [LA-Mörzh]. VR.:
Schnak, Schnak, Schnak! / Winziges Tierche vum Rhoiⁿ! / Ich hab dich gern. / Awwer laß des Steche soiⁿ! [LU-Opp]. Derber Spaß: Will man einen lästigen Gast vertreiben, so öffnet man ihm abends kurze Zeit vor dem Schlafengehen die Fenster seines Schlafzimmers, so daß die Sch. hereinkönnen [LU-Opp]. — b. 'Fiebermücke, Gabelmücke (Anopheles)' [LU-Altr]. — c. allg. Bezeichnung für verschiedene, meist kleinere, nicht näher spezifizierte Arten von sehr lästigen Mücken, die zum Teil auch stechen; sie werden besonders von Schweiß angezogen, Pl.
Schnoke [KU-Albess NW-Bobh];
Dim. Schnekelche [KU-Bedb, mancherorts, Jakob Hw. 28];
Dim. Pl.
Schnekelcheʳ [RO-Dielkch PS-Geisbg];
e kläni Sch. [NW-Freinsh];
e klani Sch. [LU-Altr];
klänne Schnoke, die in besonderem Maß lästig sind, sie plagen Bauern bei der Feldarbeit [PS-Erfw];
vgl. Breme1 1 b,
Bruchschnake,
Futtigel.
's as mer a Schnekelche ens Au geflo [RO-Rehborn]. — 2. 'Stubenfliege (Musca domestica)', sie sticht nicht, wird aber lästig, weil sie sich sowohl auf Fäkalien als auch auf Speisen niederläßt,
Schnook (šnōg) [verbr. NPf (in der übrigen Pfalz gilt hierfür Mücke) HB-Jägbg KL-Dansbg Trippstdt PS-Fehrb FR-Kl'karlb LU-Böhl NW-Ellstdt Kallstdt Hamb LA-Birkw Nd'hochstdt, Christmann Kaulb 7 Thielen 101, verbr. Don Gal Rußl Krämer Gal 189];
s. K. 296.
Die Schwalwe jae (jagen)
Schnoke [KU-Schmittw/O].
E Schnook iss, war se aa beherzt - beim erschte Rundflug abgeschterzt [Damm Nachtdischlamp 36]. RA.:
Schnoke köppe (köpfen) 'einer sinnlosen, dabei zeitaufwendigen Tätigkeit nachgehen' [KB-Kriegsf];
ogewwe wie e Tutt voll Schnooge 'sich wichtig tun' [Thielen So rerre mer 116];
lewe (leben)
wie e Schnoog uffem Abtritt 'in Saus und Braus leben' [Thielen So rerre mer 109].
Den(n)e ärjert (ärjern) die Sch. an de Wand [KU-Bedb, RO-Dielkch Sippf KB-Kriegsf Krämer Gal 189 Don-Gert Buch-A'frat Illisch Tereblestie Rußl-Katht Neuliebthal Sulz].
De(n) Kranke ärjert die Sch. an de Wand [RO-Als Dielkch KB-Kerzh LU-Limbghf Muttstdt].
Den hinnert die Sch. an de Wand [KU-Bedb Schmittw/O KB-Kriegsf].
Mir is grad als wenn ich Schnoke gefreß hätt! 'Ich spüre Hunger und mir ist nicht ganz wohl im Magen' [ZW-Battw]. SprW.:
Besser e Sch. im Kraut (en de Supp) als gar käⁿ Flääsch [RO-Dielkch]. — 3. 'Schmeißfliege (Calliphoridae)' [KB-Kriegsf];
vgl. Mistbiene, -fliege, -mücke, -schnäkelchen,
Schmeiße 1,
Schmeißfliege, -mücke, -schnake. — 4. 'Kohlschnake (Tipula oleracea)', nicht stechende langbeinige Mücke,
großi Sch. [ZW-Kl'steinhs]. — 5. übertr. a. 'schmächtiger, etwas bösartiger Mensch',
e Schnok [LU-Opp NW-Kallstdt];
e raulicher Sch. [ZW-Battw]. RA.:
Er is nor e Sch. 'Er hat nicht mehr Kraft als eine Mücke' [LU-Opp];
vgl. Mücke 2 a. — b. 'häßliches Mädchen' [IB-Ensh (Glass 107)]. — 6. Pl., Neckname für die Bewohner von GH-Wörth,
Schnoke [GH-Max'au Rh'zab Wörth, Seebach Neckn. 74],
Schnocke [GH-Mindlach]; für die Bewohner von BZ-Ingh
Schnoke [BZ-Kling, Seebach Neckn. 74], von LU-Fußgh
Schnoke [LU-Fußgh und Umg.], von BZ-Apphf
Schnoke [BZ-Ingh], von KU-Eßw
Schneegelcheʳ [KU-Eßw und Umg.]. Neckreim für die Bewohner von BZ-Ingh,
Ingehämmer Schnoke, reite uf d' Hoke (Haken)
, reite uf d' Boumstecke, kannsch mich am Arsch lecke [BZ-Apphf]; für die Bewohner vom Hemshof, einem Stadtteil von Lu'haf,
Hemsheefer Schnoke danzen uf de Hoke (Haken) [LU-Friesh];
vgl. Hemshöfer. —
Rhein. VII 1539 Schnake II, IX K. 17;
Lothr. 461 Schnok I;
Els. II 497, ALA II 186/187; Schwäb. V 1024; Hess.-Nass. III 317/18; Kluge-Seebold
22 645 Schnake
1; DWb. IX 1151 ff. Schnack, Schnacke, Schnake 2; DWA I 34; Eichhoff WA 101.