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rüssel

mhd. bis spez. · 14 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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15 in 14 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

rüssel m.

Bd. 14, Sp. 1539
rüssel, m. schnauze des schweines und anderer thiere, rostrum suis Dief. gloss. 500c, proboscis elephanti 460c; mhd. rüeʒel, später mit kürzung des stammvocals rüʒʒel, md. rûssel in sûrûssel Baur hess. urk. 1, 294 nr. 414, ahd. nicht belegt, die form ist als ruoʒil, wruoʒil zu erschlieszen aus ags. wrôt rüssel, und dem ostfries. wrôte, wröte, fröte ten Doornkaat Koolman 3, 578a. auch vermischung mit dem völlig anderen drüssel und drossel begegnet bisweilen, vgl. oben th. 2, 1435 fg. die ursprüngliche bedeutung des wortes als gerät zum wühlen, aufreiszen der erde stellt fest das ags. verbum wrôtan wühlen, ahd. ruoʒan die erde umbrechen: suscitat ruoʒit .. movit agros rooʒit Steinmeyer-Sievers 2, 626, 61. 70; altnord. rôta wühlen, schütteln, erregen, im ablaut zu goth. vratôn, mit gefährt über land ziehen, reisen. Bedeutung. 11) eigentlich: 1@aa) die aufwühlende schnauze des schweines. häufig in zusammensetzungen sau-, schweinsrüssel rostrum porcinum Stieler 1595, saurüssel rostrum suillum Steinbach 2, 321: si (die mastschweine) habent den rüeʒel pei der keln. Megenberg 256, 26; beide geschlecht (zahme und wilde schweine) haben die art, das sie das erdreich mit dem rüssel auffwülen. Ryff thierbuch s. v. aper sylvestris; eine sau ist darum eine sau, weil sie den majoran veracht und mit dem rüssel in alle weiche materie fährt. Chr. Weise erzn. 51 neudr.; dasz die argen säu und esel .. nicht aus mangel an frasz die blumenbeet uns wo durchmäkeln mit schnauz' und dickem rüssel. Voss 3, 113; auch einen schweinskopf trug man auf in einer zinnernen schüssel. noch immer schmückt man den schweinen bei uns mit lorbeerblättern den rüssel. H. Heine 17, 150; bey den thieren bilden sich die muskeln der nase nicht selten zu einem eigenthümlichen organ aus, nehmlich zum rüssel, beym schwein, tapir und elephant. Oken 4, 140. 1@bb) dann die spitz zulaufende fleischige oder haarige schnauze oder nase anderer thiere, z. b. maus, igel u. s. w.: rüssel oder schnoz an den thieren, proboscis Dasypodius. 1@aα) des elephanten, besonders zum ergreifen und ansichreiszen: der (d. h. der slauch) haiʒt ze latein promuscides und ze däutsch slauch oder rüeʒel. Megenberg 136, 14; auf dem schilde glänzet in prächtig gemahltem felde auf bergeshöh' der tiger; das löwenhaupt gekrönt mit golde; geier und büffelskopf; bei hirschgeweih des elephanten rüssel und zahn und das muth'ge einhorn. Herder zur litt. 12, 74; es kam der ernste elephant und küszte ihr die hand mit sammtnem rüssel. Schubart Jupiter u. Semele; als er diesz im geist erwägt, da sieht er aus dem dickicht zween elefanten annahn, ihre rüssel hin und her bewegend. Platen 331a; allein das thier ergreift ihn mit dem rüssel, ihn erhebend setzt es ihn als reiter auf den breiten rücken. ebenda. 1@bβ) des pferdes: der helt von Mabriûle, den rüeʒel und daʒ mûle vil manegem orse dâ verschriet. Konr. v. Würzburg Parten. 21404. 1@gγ) des chamäleons: der rüssel geet im auch vornen härfür vast wie einer kleinen saw. Eppendorf Plin. 8, 32 s. 68. 1@dδ) einiger insekten, meistens zum saugen, z. b. der mücken, schmetterlinge, fliegen, bienen u. s. w. Overbeck bienenwb. 70: sie (d. h. die mücken) nach dem hornigen oder fleischigen rüssel abteilen. Oken 5, 726; der rüssel fehlt (d. h. bei den tagfaltern) nie. 1385; die unterlippe (der immen) trägt ebenfalls freszspitzen und ist bey den bienen in einen rüssel verlängert. 834; was hilft es mir, dasz ich heute von den ungeheuern gelesen habe, die in jedem wassertröpfchen leben, mit kugelleibern oder tausend füszen oder rüsseln oder sägezähnen? Immermann Münchh. 1, 82. 1@d@cc) ohne rücksicht auf naturgeschichtliche bestimmtheit, schon anstreifend an die übertragene bedeutung, in fabeln z. b. vom marder: immittest sah der fuchs des führers rüssel an und sieh, es guckt auf allen seiten das zahnfleisch durch die schnauze vor. Lichtwer 1, 124 (fabeln 4, 4). 22) übertragen. 2@aa) auf die hervorstehende nase oder mund der menschen, besonders in spottender, verächtlicher weise, und zwar 2@aα) als wirklicher körpertheil: Hanolt swertes in der scheide niht vergaʒ, Engelmâr ein schrammen durch den rüʒʒel maʒ nâch dem backen hin ze tal, daʒ ahselbein enzwei. minnes. 3, 200b Hagen; dâ wart Hiltebolden ouch ein riʒ durch den rüʒʒel sîn an diser stunde. iemer muoʒ er haben danc, der im'ʒ so meisterlîchen meʒʒen kunde von den ôren zuo der nasen spiz. 225b; da vacht ich hin wider an seinen rüsel und schlug im zween zen ausz seim drüssel. fastn. sp. 755, 26; ihro hoch- hochwohl- und wohlgeboren (d. h. Fortuna) wann sie sich an ihnen satt gepflegt, schenkt sie hohe rüssel oder ohren, wie sie ein bekanntes thierchen trägt. Bürger 109; dasz .. seine nase all' augenblick' in ihres halstuchs gase behangen bleibt und oft zwey linien blosz den schönen mund von seinem rüssel trennen. Wieland 18, 152; mein gnädigstes fräulein .. soll diese nehmliche nacht mit ihm und seinem höcker und seinem rüssel von nase mit gelbem taback gestopft zu bette gehn. 4, 140. schon verschmelzend mit der unter β angeführten bedeutung: ich wolt zum wenigsten den rüssel auffwerffen und sagen. Luther 3, 346b; darnach wenn solche Thrasones jre heucheley begangen, werffen sie den rüssel auff und sind kühne eisenfresser. wider Hans Worst 61 neudruck; noch vor nacht kömmt ihr barbar, fragt mit aufgeworfnem rüssel: weib, wo hast du meine schlüssel? Gotter 1, 53. 2@bβ) um grobe anmaszende, groszprahlerische art zu reden (maul, maulwerk) auszudrücken Frisch 2, 137c: ir seit furwar dester hoher zu schetzen, wo ir sie (d. h. die bauern) uber den rüszel schlagt. Zöllner zur vorgesch. des bauernkr. 84; schemestu dich nit inn dein hertz, das du für so vielen hochgelerten theologen deinen ruossel darffst auffthun? und gibst grosze kunst fur. Er. Alberus widder Jörg Witzeln mammeluken B 3b; sie schreiben die ungnedigen papisten und ziehens an mit einem groszen rüssel, das man mit den leiischen henden das heilig sacrament habe empfangen. Luther 2, 96a; sonder braucht auch den andern schlüssl und schlagt die sünder auff den rüssl. B. Ringwaldt laut. warh. 281. in besonderem bilde: also wie sich ein ieder helt, gut oder pös auf erd pis in sein gruben, so wescht doch die welt mit im iren rüssel (verspottet, verhöhnt sie ihn). meisterl. fol. 23, nr. 245. 2@b@bb) auf einen menschen überhaupt, verächtlich: rüssel, ein einfältiger mensch, der alles friszt, homo sordidus, qui omnia deglutit. Steinbach 2, 321; dazu zubricht auch dieser rüssel (böse magd) viel leffel, tigel, topff und schüssel. B. Ringwaldt laut. warh. 316. 33) besonderes. 3@aa) in zusammensetzungen, ein wesen mit einem rüssel, z. b. in lang-, kurz- und breit-rüssel (kann man die rüsselkäfer eintheilen). Oken 5, 1635. 3@bb) auch von der rankenden rebe: damals habe ich oft ihre (d. h. der jungfrauenrebe) kleine sammtrüssel betrachtet, mit denen sie sich anzusaugen strebt. Bettina tageb. 41. 3@cc) vom schlund des meeres: ich hab 'ne volle schüssel (d. h. von leichen) der Elbe zugesandt, die hat sie drauf dem rüssel des meeres zugewandt. Rückert der Elster lied von der Leipziger schlacht str. 9. 3@dd) die rüsselartige röhre (linse) eines gebläses, wodurch der wind ins feuer bläst. Jacobsson 7, 124b. 1, 418b. 3@ee) sprichwörtlich, in gemeiner rede: den unsaubern rüssel an einem reiben Schottel 1117c (einen schmähen, verläumden, schimpfen u. ähnl., vgl. oben 2, a, β); in Würtemberg: sie hat einen gespülten rüssel, d. h. sie hat ein frisches, schönes, reines gesicht Schmid schwäb. wb. 443.
7570 Zeichen · 156 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    rüssel

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer)

    rüssel s. rüeʒel.

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    rü̂sselm.

    Mittelniederdeutsches Wb.

    rü̂ssel , m. ( Gen. Sg. -s ) : Schweinefett, Flomen , wāren sô bî der hant können ingekoft wērden als botter kêse spek r…

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Rüssel

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Der Rüssel , des -s, plur. ut nom. sing. ein verlängertes, spitzig zulaufendes Maul an einigen vierfüßigen Thieren und I…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Rüssel

    Goethe-Wörterbuch

    Rüssel 1 röhrenförmige, als Tast-, Greif- od Wühlorgan dienende, fleischige Verlängerung der Nase mancher Säugetiere, in…

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Rüssel

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Rüssel ( Proboscis ), die verlängerte fleischige Nase mit den Nasenlöchern am freien Ende (wie bei der Rüsselrobbe, dem …

  6. modern
    Dialekt
    Ruessel

    Schweizerisches Idiotikon · +4 Parallelbelege

    Ruessel Band 6, Spalte 1456 Ruessel 6,1456

  7. Sprichwörter
    Rüssel

    Wander (Sprichwörter)

    Rüssel 1. Gleiche Rüssel suchen gleichen Salat. – Herberger, Hertzpostille, I, 2, 685. 2. Den unsaubern Rüssel an einem …

  8. Spezial
    Rüssel

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Rüs|sel m. (-s,-) nes (nesc) m. ▬ der Rüssel des Elefanten le nes dl elefant.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit ruessel

55 Bildungen · 51 Erstglied · 3 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von ruessel

rus + -sel

ruessel leitet sich vom Lemma rus ab mit Suffix -sel, mit Umlaut-Wechsel.

ruessel‑ als Erstglied (30 von 51)

rüsselartig

DWB

ruessel·artig

rüsselartig , adj. und adv. die form eines rüssels habend: wie der name besagt, verlängert sich bei ihnen ( d. h. den rüsselkäfern ) der kop…

rüsseler

DWB

russe·ler

rüsseler , m. 1) carptor, reprehensens Stieler 1595 , vergl. zur erklärung unten rüsseln, verb. 3. rüsslerin, f. femina carpens. ebenda. 2) …

ruesseleⁿ

Idiotikon

ruesseleⁿ Band 6, Spalte 1457 ruesseleⁿ -üe- 6,1457

rüsselfisch

DWB

ruessel·fisch

rüsselfisch , m. chaetodon rostratus, eine art klipp- oder bandfische mit walzenförmigem maule. Campe.

rüsselfliege

DWB

ruessel·fliege

rüsselfliege , f. bombylius, eine art fliegen mit vorzüglich langem und dünnem rüssel, womit sie ihre nahrung aus den blumen saugen. Campe.

rüsselförmig

DWB

ruessel·foermig

rüsselförmig , adj. und adv. die gestalt eines rüssels habend: der rüsselförmige kopf ( der langrüssel ) ist länger als der hals und gebogen…

rüsselholz

DWB

ruessel·holz

rüsselholz , n. ein rüsselförmiges holz, bei den holzflöszen auf der Elbe, eine gute vermachstange. Campe.

rüsselicht

DWB

russe·licht

rüsselicht , adj. und adv. einem rüssel ähnlich, mit einem rüssel versehen: und keck auf erneuete waffen taucht er ( der eber ) dem Othryade…

rüsselig

DWB

rus·selig

rüsselig , adj. mit einem rüssel versehen, übertragen, aculeatus, dentatus Stieler 1595 , besonders in zusammensetzungen, dickrüsselig u. s.…

Rüssel II

RhWB

Rüssel II -y- = Peitschenkordel s. Rössel I.

Rüssel III

RhWB

Rüssel III das Wort, im entrundenden Geb. -is-, –e-, sonst -øs- (auch Nfrk) ist nach dem Nhd. bekannt; Pl. wie Sg. oder -lə(n), –əlts m.: 1.…

rüsselkäfer

DWB

ruessel·kaefer

rüsselkäfer , m. curculio, käfer mit einem in einen rüssel ausgehenden kopf. Brehm 4, 1, 130 , mit vielen arten.

Rüsselkeªwer

WWB

Rüssel-keªwer m. Rüsselkäfer (Schädling) ( WmWb ).

Rüsselken

MeckWB

ruessel·ken

Rüsselken im Klöppelreim: Kränzchen war nach Rüsselken, Un dormit reisen se nah Düsselken.

rüsselkranz

DWB

ruessel·kranz

rüsselkranz , m. bei den holzflöszen auf der Elbe, vier zusammengeknüpfte weiden, womit die hölzer, die das flosz zusammenhalten, befestigt …

rüssellos

DWB

ruessel·los

rüssellos , adj. ohne rüssel: und die nasenlöcher ( der rüsselrobben ) .. erscheinen dann zusammengedrückt und oben auf der schnauze liegend…

ruessel als Zweitglied (3 von 3)

Saugerüssel

Adelung

sauge·ruessel

Der Saugerüssel , des -s, plur. ut nom. sing. ein hohler Rüssel gewisser Insecten, den Saft dadurch zu ihrer Nahrung an sich zu ziehen.

saurüssel

DWB

sau·ruessel

saurüssel , m. 1 1) rüssel einer sau oder eines schweines, rostrum porcinum, suis. Stieler 1595 . Frisch 2, 151 a . 2 2) scherzhafte bezeich…

Ableitungen von ruessel (1 von 1)

gerüssel

DWB

gerüssel , n. gleich gerassel: ein gerüssel, strepitus Alberus dict. Bb 2 b ; die mäusz bald hörten das gerüssel, das macht der hauszknecht …

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „ruessel". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 8. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/ruessel/dwb
MLA
Cotta, Marcel. „ruessel". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/ruessel/dwb. Abgerufen 8. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „ruessel". lautwandel.de. Zugegriffen 8. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/ruessel/dwb.
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