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¹rügge

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Eintrag · Mittelniederdeutsches Wb.

¹rügge m.

Bd. 2-2, Sp. 2304
1rügge (-g-, ruckghe, rucgge, ruͤcge), rücke, rük, °rök (röchg [(Anklam Stb. 1, 185]), m. (Gen. Sg. -s -n rückens [Hartich Sierk 227]; Pl. -n rügge): 1. Rücken des Menschen, hinterer Körperteil zwischen Hals und Lende, „dorsum tergum” (Voc. Strals. ed. Damme), an ērem hö̂vede ôgen r. unde anderen lîves lētmâten (Nic. Gryse Laienbibel 3, M 3), ên krum r., klowe mî den r. (Tönnies Fenne 2, 137), up dem r. eysen kalt den Rücken herunterlaufen, schaudern, vȫr der langen brügge eyset malkem up den r. wê dâr spâde vēl ȫvergeyt me ȫne bewîlen dāl sleyt (Chr. d. d. St. 16, 161), (Rda.:) up dem r.n tô kerkhāve gân bestattet werden (Meckl. Wb. 5, 1030: Nic. Gryse Wedewensp.); — up dem r.n drāgen (eine Last) auf dem Rücken tragen, „Corbis dossuaria, ein Korff den men vp dem ruͤggen drecht” (Chytr.), de hilligen sîn de rechten atlantes dê dat ganze hemmelsche gebûw up ēren r.n drāgen (Nic. Gryse Laienbibel 3, L 1r); — up den r.n leggen auf sich nehmen, dat de lü̂de êne swâre last van uns genāmen hadden und up ēren r.n gelecht [](Hanserec. III 4, 253); — men sal ēm etwas up den r. gēven (wohl:) die Prügelstrafe vollziehen (Johansen Deutsch 322); — up den r.n von hinten (angreifen), in den Rücken (fallen), dat hê de Vrêsen bāven ümme betêhen schulde und sê up den r.n angrîpen (Beninga ed. Hahn 1, 125), in der jacht schindeden unse vründe unse vîgende uppe den r. alsô dat unse vîgende sek under ôgen nî en satten mit ȫrem hôpe sunder got gaf dat de unse ȫn uppe den r. afwunnen (Brschw. Beisp. ed. Mack 11); — tô dem r. binden nach hinten binden, sô bint dat knê tô dem r. vîf dāge (WMM 4, 155). 1.1. (Rechtssymbolik; — dem Dieb werden die Hände auf dem Rücken gefesselt:) achter r./up den r. binden, de hende up dem r. gebunden, alle tît bunde de bö̂se ȫme bê(i)de hende up den r. gelîk ênem dêfe dêmen hengen schal (Oldecop 485), tô hant nam hê des mê(i)sters hande unde bant sê ēm mit grôter schande achter r. alsô ême dêve (Schachb. 73, V. 2015); (auch wird dem Dieb zum offenkundigen Beweis der Tat das gestohlene Gut auf den Rücken gebunden [vgl. Grimm RA 2, 197]:) wêre't dat ê(i)n man den anderen begrēpe mit dü̂ve ... den schal men vangen und bunden bringen vȫr dat richte und schal ēme de dü̂ve binden uppe den r. (Lüneb. StR 62), hîr āver sint sê kāmen mit den klê(i)deren alse de schînbâren dât up den r. gebunden ût der hechte tô rechte (Hans. Gbl. 1887, 98), (wohl ebenso:) heft hî des geldes nicht sô sal men it ēm up den r. leggen (Johansen Deutsch 457). 1.2. (Zuwendung, Beistand:) vrünt in der nôt vrünt in den dôt unde ên vrünt achter r. dat sîn drê veste brügge wörden ôk alle sîne vîende vlügge (Köker ed. Cordes 40; vgl. Reimb. 6 u. ö.); ênem den r. hōlden jemdm. den Rücken stärken, jemdn. unterstützen, de kalvînischen kôplü̂de ût Antwarpen brochten wedderümme îlich gelt tõsāmende und hêlden alsô dem von Conde den r. (Oldecop 618), de könninc von Vrankrîken unde de Venētiâner hêlden datmâl dem pâweste den r. hulpen rü̂ter und knechte betālen (ebd. 404); — °up ênes r. stân jemdm. beistehen, und dan sollen de semptlichen hāveslü̂de met dem hāvesschulten gân und stân ēm op sînem r. und helpen ēm de ungebǖrlichê(i)t vürdēdingen (SL: Barmer Urkk.). 1.3. (Abkehr, Nichtachtung:) (ênem) den r. gēven/kêren/wenden/(be)wîsen sich von jemdm./etw. abwenden, sich umdrehen, jēgen ēn de munt sperren ēn den r.n gēven edder mit untüchtigen gebêrden schêf unde krum vȫr ēn trampende stân (Nic. Gryse Laienbibel 1, M 4), sê kêret tô mî den r. unde nicht dat antlât (Birgitta 35), dat crûzifix ên geswōren []veynt Bêlzebubs tô sîn man meynt dê balt wen hê dat krü̂z men süt den r.n went und nēm de vlücht (Rosarium 121), den r. unde nicht dat antlât wērde ik ȫn bewîsen in dem dāge ȫrer vorlust (Halberst. Bibel Jer. 18, 17), der wârhê(i)t den r. tôgewant de lö̂gen vordēgent (Oldecop 190); — (einem Gerichtstermin) fernbleiben, indeme Gērt van der Hêide dēme rechte den r. unde wê(i)ke gēven sô scholde des klôsters vāget nâ Gērde van der Hêide trachten (Sa. Ho. R. 46), indēme de upgenö̂mede Kaspar nicht jēgenwārdich gekāmen is unde den rechtdāge den r. gēven (Strals. Lib. mem. 6, 101); — sich entfernen, abziehen, sô balde ȫverst de dēnen nōrtmannen und swêden wēderümme den r.n gewent und ût de Vrîslande rûmeden (Beninga ed. Hahn 1, 139), (bes.:) fliehen, de vlucht nēmen und den r.n kêren dat hê(i)t im krîge sik retirêren (Lauremberg 42), dô gaf hê den r. unde vlô ‚terga dedit' (SL: Alex.), et wart nü̂ gesên dat wî den r. gēven wol künne wê gevechten nicht enkünne wê gevlên (E. v. Gandersh. 50, V. 1137). 2. (artikellos in präpos. Vbdgg. mit Tendenz zur adverb. lexikalischen Verselbständigung, vgl. die verschiedenen Komposita u. Ableitungen). — 2.1. umgekehrt. — 2.1.1. (lokal:) achter/ȫver/tô r. mit der Hinterseite voran, rückwärts, ‚retrorsum', alsô de krēvet achter r. krûpet unde lēvet (Goth. Arzneib. 192), Sem unde Yaphet lēden ênen mantel up ēre schulderen unde gingen āver r. unde bedeckeden de hê(i)melken lēde ēres vāders (Lüb. Bibel Genes. 9, 23), de krēvet wart gevrâget wô dat tô quême dat hê tô r. achterwērt ginge (Pietsch Ewangely 231); — (bibl.:) tô r. umgewendet, umgedreht, afgekêrt tô r. mö̂ten sê wērden unde mö̂ten sik schāmen dê mî quât willen (Köln. Bibel Ps. 69, 4); ênem ênen tô r. gēven jemdn. vor jemdm. den Rücken kehren lassen, in die Flucht schlagen, dû hebste mîne vîanden mî gegēven tô r. unde dê mî hātent unde dê schal ik vorderven (Köln. Bibel II Reges 22, 41). — 2.1.2. °(modal:) tô r. gegensätzlich, „Anneke monsters bekende, dat se ... dat Vadervnse to rugge gebedet hefft jn desser gestaldt alsse: Vnse vader bystu nycht, hillich ys dyn name nycht, to kame dyn ryke nycht etc.” (Zs. Schl.-H. Gesch. 28, 294). 2.2. hinter etw. — 2.2.1. (lokal:) tô r. rückwärtig, hinten, „deorsum tuͦ rugke” (Nd. Jb. 1, 24), „Se to rugge, hinder” (De Man 263), „Seorsum / to ruge” (ebd. 259), de kāmer dê dem Karsten Nest tô r. tô nâ steyt (Kremper Stb. 110), de āgetuch dê schal lôpen tô röchg ût (Anklam Stb. 1, 185); — van r. (tô) von hinten (heran), „Van rugghe to dorsetenus a tergo” (Voc. Strals. ed. Damme), de börger villen ût und zwackeden sê van r.n an []zow(Kantzow ed. Gaebel 203), dat oft twê êhegāden up ênen krü̂zwech im velde getrēden ê(i)ne dem anderen van r. tô de hant gegēven unde sik alsô geschê(i)den (Nic. Gryse Spegel M 2). — 2.2.2. (übertr., modal:) achter r./hinder r.n ohne Wissen eines anderen, heimlich, dattû van ênem andern achter r. sechst dat kan dî sülvest weddervâren (Tönnies Fenne 2, 183), achter r.n schelstû mî und vȫr ôgen sechstû mî nichtes mit al (ebd. 169), mit bö̂sen valschen stücken geyt men îderen hinder r.n van den sîdesten bet up den rât (Chr. d. d. St. 36, 466), wes men mî hinder mînen r. süste ȫvergesecht heft hebbe ik ê(i)n dê(i)l wol vornōmen (Ub. Magdebg. 2, 696); vgl. achterrügge, hinderrügge. 2.3. tô r. zurück zum Ausgangspunkt. — 2.3.1. (lokal:) in entgegensetzte Richtung, „Pilam remittere, den ball tho ruͤgge schlaen” (Chytr.), de vlêtende rivêre dwanc sê dat sê tô r. lêpen (Troye 81), sê wolde volgen men dâr wart nicht van sê konde wêr vȫrwērt edder tô r. gân (RV 45, V. 1150), den vôrman mit dem leddigen wāgen tô r. geschicket (Nic. Gryse Laienbibel 2, D 2); — tô r. sên zurückschauen, alle dêde sîne hant an de plôch lecht süt hê tô r. nâ der wērtlĩken êre hê is gōdes rîkes nicht wērdich sprikt unse hêre (Lüb. Tot. 72, V. 1221); — tô r. tên sich zurückbegeben, den Heimweg antreten, alsô vorlêten sê dat hûs mēkeden rosbāre vȫr de vorwundeden ōrdenden ȫre hēr und tōgen wedder tô r. (Renner ed. Höhlbaum 58), dô was grêve Hans tô vrēden tôch wedder tô r. und vorlö̂vede dit krîgesvolk (Renner ed. Klink 1, 232); tô r. tên c. Acc. zurückzerren, (bildl.:) sô vēle alse ên gê(i)stlĩk man an dȫgeden vōrtgeyt sô vēle tüt ēne de wērlde wedder tô r. (Derendorf 417). — 2.3.2. (temporal:) tô r. auf einen best. Zeitpunkt in der Vergangenheit gerichtet, ên jēwelk denke tô r. korte jâr wô vēle sint gestorven hîr unde dâr (Lüb. Tot. 17, V. 63), tô r. sü̂ up den anfanc (Rosarium 88). — 2.3.3. (modal:) tô r. rückgängig, ungültig; — tô r. rôpen/tên (eine Aussage) widerrufen, rückgängig machen, dat hê sîne wōrde scholde tô r. rôpen (Renner ed. Klink 1, 286), de rentenêre vornêmen dat de prêlâten tô r. tōgen vǖrder hülpe tô dônde (Chr. d. d. St. 36, 239). — 2.3.4. (modal:) tô r. sprēken an nicht teilnehmende Partner zwecks Absprache künftigen Vorgehens berichten, Rücksprache halten, wêret āver dat de sāke sô grôt wêre dat sê sek der mit dem râde nicht vormechtigen welden sô scholden sê vōrt tô r. sprēken mit den ganzen ampten gilden unde mê(i)nhê(i)t (Ub. Hildesh. 4, 178); — tô r. tên (eine Angelegenheit) erneut in die Vorinstanz einbringen, men ümme dat stücke dat sê dê gēne dê ēre stat vorswōren hebbet dat sê dê in den stēden tô []nê(i)nen börgeren entvân scholden dat heft ên iēwelk tô r. tōgen in sînen rât (Meckl. Ub. 20, 364). 2.4. tô r. nach hinten. — 2.4.1. (lokal:) nach hinten hin, dô wart de sö̂ge grînende unde lêp jēgen den wulf unde stotte ēne tô r. dāle up dat kamrat (Derendorf 388); sik ȫver r. leggen sich zurückbeugen, tõlö̂se sê mit warmen wātere unde legge dik ȫver r. unde lât sê vlêten in de nēsehölre (Brem. Arzneib. 49), sik tô r. lēnen sich zurücklehnen, im sittende ôk nicht ... tô r. sik lēnen und dēnen sondern rechtup tüchtigen sitten (Nic. Gryse Laienbibel 1, M 2r); (bibl.:) tô r. gekêrt wērden in die Flucht geschlagen werden, dan schȫlen mîne vîanden gekêrt wērden tô r. (Köln. Bibel Ps. 55, 10); — tô r. slân (ein Heer) zurückschlagen, ê(i)n dê(i)l der knechten ... sint wedder tô r. geschlāgen und dat dörch vorrêderîe ût dem lēger (Münst. Gqu. 1, 332); — tô r. wîken zurückweichen, das Feld räumen, mit grôten schāden musten sê tô r. wîken (Beninga ed. Hahn 1, 509), tô r. môt wîken törk unde dôt (Nic. Gryse Laienbibel 1, Ii 2r). — 2.4.2. (temporal:) auf die Vergangenheit bezogen, sô schal hê hālen brêve ût sîner jēgene ... dat al sîne handelinge stâ tô r. alse ên bederve knecht (Lüneb. ZR 229), dô alsô R. düsse dinge tô r. begunde tô denkene unde tô besinnen (SL: Melusina). 2.5. tô r. in Abstand. — 2.5.1. (lokal:) tô r. blîven nicht näher kommen, sich in Entfernung halten (Nic. Gryse Laienbibel 2, K 1r). — 2.5.2. (modal:) tô r. hōlden/tên an der Ausführung hindern, (Rda.:) jümmerdâr ên hâr im nacken hebben dat ēm tô r. hölt wat bö̂ses tô vorrichtende (Nic. Gryse Laienbibel 3, Q 3), ênen tô r. tên jemdn. von etw. zurückhalten, hindern, mîne gü̂de unde mîne woldât dê ik di bewîset hebbe dê scholde dî tô r. tāgen hebben dat dû sôdâne schande unde unêre an den mînen nicht scholdest bewîset hebben alse dû gedân hefst (Derendorf 483), sik tô r. hōlden sich zurückhalten, Abstand von etw. nehmen, derhalven sô mö̂ten wî ... mit unseren ût sande gevlochtenen stricken und lôsgebundenen bēsemrîsen unser valschen religiôn und itz weltkündigen unwârhê(i)t tô r. hōlden up dat wî nicht wîder up ênem vālen pērde beslāgen tô grôter schande und schāden kōmen mȫgen (Nic. Gryse Spegel Ggg 2); — tô r. stân den Vortritt lassen, zurückstehen, (Sprw.:) gelt kan dôn unde lâten gelt kan vȫre gân armût mot tô r. stân (Derendorf 473). 2.6. achter/tô r. getrennt; nichtig. — 2.6.1. (lokal:) tô r. blîven an einem Ort zurückbleiben, nicht mitgenommen werden, doch blê(i)f sîn tôm und hinder tü̂ch tô r. (Renner ed. Klink 1, 426); tô r. setten aussondern, wat it []vȫr hêrinc is dê den cirkel nicht lîden mach up dēme boddeme den schalmen tô r. ûte der rê(i)ge setten bî brȫke den hêrn (Lüb. ZR 237); — wê sîn schip vorlât tô r. durch Verspätung versäumen (DGK 1, 31). — 2.6.2. (modal:) tô r. stân (ein Vorhaben) fallenlassen, aufgeben, tōgen up den hertōgen van Lü̂nenborch ... āverst mit wê(i)nich vrāmen dãrvan sê ôk balde tô r. stunden (Kantzow 96); tô r. trēden (eine Entscheidung) zurücknehmen, wen hê den r. tô ēn kêrede sô trêden sê wedder tô r. (vom christl. Glauben) (SL: Korner); — achter r. lâten, tô r. leggen, achter/tô r. setten, achter den r./tô r. werpen etw. zukünftig nicht beachten, vorsätzlich übergehen, vrende mâge unde al dat natü̂rlĩk unde begērlĩk is unde genö̂chlĩk dat lâten sê achter r. (Veghe ? Wyng. 83), de mönnike van dēme klôstere wêren ... sô wilde geworden dat sê alle gê(i)stlichê(i)t unde dȫgede tô r. lēden (SL: Korner), alle unnütte gedanken achter r. setten (Hedberg 123), wen ên bedrö̂vedes gewēten got und sîn wōrt in der gnâdentît tô r. settet (Nic. Gryse Laienbibel 1, Y 2), sô is de sülftich valsch brêve hîr vȫrhanden dâr K. G. sîn sēgel sô loflĩk vȫr gehangen heft und sô hê düsse bekantnis jo wôrmēde impûgnêren wolde sô schal hê sîn ê(i)gene sēgel doch nümmer strâfen und tô r. werpen können (Livl. Güter-Uk. 2, 449). 2.7. (modal:) achter/tô r. nicht hinreichend, ungenügend, de wîle de karke st. Pêter sik beklāget den têgelhof ône schāden nicht lenger hōlden konden dãrtô gār bouwvellich und in 10 jâren 5000 {Mark} tô r. getêgelt (Zs. Lüb. Gesch. 9, 22); — achter/tô r. blîven rückständig sein, alsô dat de dênst gādes des klôsters unde de gûde wille des vörsten dê dat hadde bestêdiget scholde tô r. blîven (Ribn. Chr. 83), dãrna blê(i)f dat ārbê(i)t am tōrn after r. (Oldecop 22); — tô r. gân sich vermindern, abnehmen, uppe dat rēdelĩkê(i)t vōrtganc krēge und unrēdelĩkê(i)t tô r. ginge unde gedempet wörde (Hanserec. I 6, 502); — °tô r. stân (Zahlungen:) ausstehen, offen sein, vȫr de ê(i)ne rê(i)se heft hê sîne hü̂re entvangen unde de andere rê(i)se steyt ēme noch tô r. (Finn. Ub. 5, 288). 3. Rücken des Tieres, Oberseite des Rumpfes, up dem r.n drāgen (eine Last) auf dem Rücken tragen, „Iumentum clitellarum, Colum dossuarium ..., farcinarium ..., vectarium ..., Veh / dat vp dem ruͤggen drecht / als dar syn Soͤmroß oder esels” (Chytr.), twelf ossen van metāl gegōten drōgen dat grôte vat vul wāters up ēren r. (Veghe ? Wyng. 157). 4. Rückenstück des Schlachttieres, dat hö̂vet de vö̂te den māgen edder r. van dēme swînevlê(i)sche schal men manc anderm gehouwen vlê(i)sche mit gevêrde nicht vorkôpen []sündern vȫr sik allê(i)ne in sünderhê(i)t ungewēgen alse von ōlder hēr in gebrûke gewēsen (Gött. Stat. 272); Rückenstück vom Fisch, de lesse schalmen aldüs snîden unde sellen bê(i)de börgere unde geste wan de r. ûtgesnēden is sô schalme de sîden middene entwê snîden (Hamb. ZR 62). 5. Hautstück oder Fell vom Rücken eines Tieres. — 5.1. aus dem Rücken des Rindes geschnittenes Stück Leder, gār lēder de r. 1 d. hê koft dat tô Lü̂beke ōder wôr dat gekoft is (Hans. Ub. 11, 517), des hebben sik de lepper wedderümme vorsecht allê(i)ne hê(i)le r. und anders nê(i)n ledder tô kôpen (Lüb. ZR 346). — 5.2. Rückenfell des Eichhörnchens (für Kleidungsstücke), welk man wil māken ênen grâwen mantel dê schal wēsen 8 r. lanc unde tô dem vôdere schal hê dôn 6 timmer unde 4 r. unde min nicht (Lüb. ZR 191), (verboten in Luxusordnung 1467:) sê en schal gîne hermelen noch grâwe r. drēgen (Lüb. Ub. 11, 320). 6. den Rücken bedeckender Teil eines Kleidungsstückes, dat apostōlikornât mit spangen streyget dȫr den r. (Pyl Greifsw. K. 1, 48), di nîe kāsel mit den twên r.n liturgisches Obergewand, Kasel mit doppeltem Rückenteil (Wassenberch 132). 7. den Rücken bedeckender Teil der Rüstung, rê(i)sige knechte mit gûten starken pērden r.n krēveten armtü̂gen knêkoppen hö̂vetharnisch und spêten tôm ērnste wol gerüstet (Meckl. Jb. 20, 107). 8. hintere Seite von Gegenständen; — Rückseite eines Möbelstücks, (eines Stuhls:) achter an den r. was hê ront unde nicht vîrkant (Veghe ? Wyng. 140); — rückwärtige Seite, hinterer Teil der Orgel, dat drüdde klavîger tô dem postîf up dem r. (Zs. Hamb. Gesch. 38, 300); — Rückseite eines Schriftstückes, tô/ up dem r. auf der Rückseite, tô r. düsses blādes (Schaph. Kal. 1523 1r), mit ēren ingesēgel tô r. oppe drücket (Sudendorf 6, 177), dat betü̂ge wî mit unseme ingesēgele dat tô r. an dessen brêf geklēvet is (Stend. Urtheilsb. 14). 9. längliche Seite oder Oberseite von etw. — 9.1. ungeschliffene Seite einer Klinge, „Machæra ... Ein lang Schwerdt mit einem ruͤggen” (Chytr.), de mestmāker schal māken ênen bûrerpôk mit ênem stracke r. (Rint. Stat. 85); — êne lanceen dat is ên spêt ... hadde an bê(i)den sîden bî der spînen des r.s recht alse ein vinster unde an dēme middele ên krü̂ze Lanzenblatt (Chr. d. d. St. 37, 5). — 9.2. °Kante des zusammengelegten Tuches, ôk schal nêment wöbbe ûtmēten edder inmēten sunder it sî bî dēme r. mēten bî 10 schillingen (Kieler Burspr. 183, ähnl. ebd. 187; die Erklärung ebd. 114 f. zweifelhaft, vgl. mnl. „soe wat lakenen, die gerigget ziin, als dat men die meten sall by den rigghe” [Br. Middelburg 3, []56]); vgl. °rügget. — 9.3. Oberseite einer Brücke, êne klê(i)ne brügge dê was van glāse up ērem r. (Schachb. 99, V. 2802). — 9.4. erhöhter Teil in einem befestigten Straßenzug, 20 mark kosteden de twê schilde nîe tô settende de ê(i)ne vȫr der Güldenstrâte unde der Echterenstrâte unde de andere tīgen sancte Pêters dōre unde ôk de r. uppe dem Beckerklinte (Chr. d. d. St. 6, 165). — 9.5. längliche Erdanhäufung zwischen Ackerfurchen, „Porca ... de ruͤgge oder hoͤgede twischen twen plochfahren” (Chytr.). — 9.6. langgestreckte Erhöhung in der Landschaft, van dâr vōrt dem r. tô volgende dâr êne kûle gegrāven is an des r.s ende (Livl. Güter-Uk. 1, 197). 10. Feldmaß für ein Ackerstück best. Größe, 6 gr. pacht van ênem r.n ackers (Pomm. Kirchenvis. 2, 59), vȫr di spandouwesche hêide sint 37 kāvelen Weddinc 10 kāvelen und 39 r.n (Berl. Stb. ed. Clauswitz 25), sô unse ê(i)gendôm der marke Stê(i)nôw doch geyt up gensîden dem Karpwēre twelf r.n lanc und brê(i)t (Riedel I 9, 88). 11. °(in einer Datumsangabe:) datum 1334 des middewēkens dô de vasten den r. untwey vêl Mittwoch in der Fastenquatember (Meckl. Ub. 8, 435; vgl. Grotefend 2, 2, 195). rüggeâder, ~armborst, ~bê(i)n, ~blek, ~brâde, ~bringen, ~vôder, ~grât, ~half, ~hâr, ~harst, ~hōlden, ~hōlder, ~hōlderinne, ~knōke, ~krampe, ~krēvet, ~lāken, ~lēder, ~lēne, ~lēninge, ~lenk, ~lôp, ~posetîf, ~rêm, ~schilt, ~sêr, ~sprâke, ~sprēkent, ~sprȫke, ~stellich, ~stellinge, ~stȫninge, ~stük, ~stü̂r, ~tasche, ~toch, ~want, ~wart, rüggenhö̂kerich
18067 Zeichen · 563 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    rügge

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer)

    rügge , rügge- s. rücke, rücke-.

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    ¹rüggem.

    Mittelniederdeutsches Wb.

    1 rügge ( -g-, ruckghe, rucgge, ruͤcge ), rücke, rük, ° rök ( röchg [(Anklam Stb. 1, 185]), m. ( Gen. Sg. -s -n *° rücke…

  3. modern
    Dialekt
    Rüggem.f.n.

    Westfälisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    Rügge m.f.n. [verbr.] 1. Rücken, hintere Seite des Rumpfes beim Menschen zwischen Nacken und Lenden; obere Seite des Rum…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit ruegge

151 Bildungen · 121 Erstglied · 30 Zweitglied · 0 Ableitungen

ruegge‑ als Erstglied (30 von 121)

rüggeâder

MNWB

ruegge·ader

rüggeâder , -âdere , ° rüc- ( rüg- [De Man 184]), f. ( Pl. -en ): Hämorrhoide, de emorroides de r.en (Prompt. med. ed. Seidensticker 194), „…

rüggearmborst

MNWB

ruegge·armborst

° rüggearmborst , -burst , f. ( Pl. -e -bruste -burst ): eine best. Armbrust, mithilfe beider Füße gespannte Armbrust (Wipparmbrust, vgl. Pi…

rüggebêⁱn

MNWB

ruegge·bein

rüggebêⁱn , rüc- , n. : Wirbelsäule, Rückgrat , „spina” (Ahd. Gl. 3, 722 = Nd. Wort 16, 101: Cheltenh. Gl.), de sülve lê(i)de hellehunt nam …

rüggeblek

MNWB

ruegge·blek

*° rüggeblek , n. : den Rücken bedeckender Teil der Rüstung, „Humerale, Ruͤggebleck / dat hinderdeel des harnisches ” (Chytr.).

Rüggeblō¹d

WWB

Rügge-blō¹d Krankheit der Kühe, die schnell den Tod herbeiführt; Milzbrand ( Hfd En).

rüggebringen

MNWB

ruegge·bringen

° rüggebringen , swv. : bei Rückkehr überbringen , wêre ȫre g. râtsamptlĩk bedunken dâr it jümmers dônlĩk edder mȫgelĩk etlĩke râdespersônen…

Rüggebut

WWB

ruegge·but

Rügge-but n. a) Wirbelknochen, Rückenwirbel. — b) Rückgratstück vom Fleisch ( WmWb ).

Rüggeende

WWB

ruegge·ende

Rügge-ende Querbalken einer Harke (in dem die Zähne oder Zinken sitzen) (Frbg.) ( Höx Bh).

Rüggefal

WWB

ruegge·fal

Rügge-fal m. Rückfall. He häff ne Rückfall kreggen z.B. bei einer Krankheit ( WmWb ).

Rüggefuᵉre

WWB

ruegge·fuere

Rügge-fuᵉre f. [ Hal Bek Pad Bür] Mittelfurche im Ackerstück dort, wo das Landstück nach oben gewölbt ist ( Hal Bh).

rüggegrât

MNWB

ruegge·grat

rüggegrât , rüggen- , m. ( Gen. Sg. -s ): Wirbelsäule , Rückgrat, „Spina dorsi, ruͤggegradt / ruͤggeknake ” (Chytr.), (eines Walfisches:) dã…

rüggehalf

MNWB

ruegge·half

rüggehalf , -halve , adv. : (nur in den Vbdgg.:) tô r.-half/-halve(n), van r.-halven auf der Rückseite, „retrorsum hinderwort, to rugghe hal…

rüggehâr

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ruegge·har

° rüggehâr , n. ( Pl. -hâr ) : auf dem Rücken wachsendes Haar, „ Borste de rugge har des swines van deme houede bet to dem sterte jd. seta” …

rüggeharst

MNWB

ruegge·harst

° rüggeharst , m. ( Pl. -e ) : Braten vom Rücken eines Schlachttieres, zwîe r.e von 24 punden (Ub. Hameln 1, 330).

rüggehōlden

MNWB

ruegge·holden

° rüggehōlden , stv. : Unterstützung, Rückhalt geben, ik wil dat stifte und des vorwanten up allen ōrden wôr it tô dônde van nö̂den vortrēde…

Rüggekam

WWB

ruegge·kam

Rügge-kam m. [verstr.] 1. Widerrist (bei Rind und Pferd). — 2. Stück Fleisch aus dem Rücken des Schlachtviehs, vor allem des Schweins. Gause…

rüggeknōke

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ruegge·knoke

rüggeknōke , -knāke , rüggenknāke , m. ( Pl. -n ) : 1. Rückenwirbel, „ Ruggheknake alse en yewelik lidknake efte weruelknake des rugghen spo…

rüggekrampe

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ruegge·krampe

° rüggekrampe , f. : ein best. Haken, Klammer zum Zusammenhalten von Bauteilen, 1 r. ad usum kranonis (Hamb. KR 5, 495).

rüggekrēvet

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rüggekrēvet , rüggen- , m. : Rückenstück der Rüstung aus beweglich verbundenen Einzelteilen , 1 r. up êner harns (Zs. Lüb. Gesch. 6, 468).

ruegge als Zweitglied (30 von 30)

achterrügge

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achter·ruegge

achterrügge , adv. (s. achter), rückwärts, zurück, hinter dem Rücken, hinterrücks. jēgenwārdich ofte a. in Gegenwart oder hinter dem Rücken.

ēselbrügge

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esel·bruegge

ēselbrügge, f. , Eselbrücke (Titel eines Lübecker Fastnachtsspiels v. 1436, Nd. Jb. 6, 27; 27, 13.) — (S. noch „pons asinorum” in der Dimiss…

ȫverrügge

MNWB

oever·ruegge

ȫverrügge (-ruͤgge) , ōver- (auer- , ) adv. : rückwärts, nach hinten, ȫ. gân; wîset ôk ȫ. in de hö̂gede den kelk mit vröuden (Nic. Gryse Spe…

oubrügge

MNWB

*° oubrügge , f. : Brücke über einen Wasserlauf, Aubrücke (Neoc. 1, 604 u. a.).

roggenrügge

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roggen·ruegge

° roggenrügge , m. ( Dat. Pl. -n ) : mit Roggen bebautes Ackerstück von best. Größe, pacht van ênem stücke ackers van 4 r.n (Pomm. Kirchenvi…

tochbrügge

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toch·bruegge

tochbrügge , tōge- , * tochbrücke , f. ( Dat. Sg. -n ; Pl. -n ): Zugbrücke, Ziehbrücke, „Pons, vel ponticulus ver=satilis, eine Schlach = br…

tȫgelbrügge

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toegel·bruegge

° tȫgelbrügge , f. : Zugbrücke, „ Item gegeben 2 mr. vor 1 nie kede unde 1 olde kede to vorbeteren to der togelbrugge vor deme Markendore ” …

vêbrügge

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° vêbrügge , f. , Viehbrücke, Brücke die zur Viehweide führt (Hildesheim).

vlachbrügge

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vlach·bruegge

vlachbrügge „pons vel ponticulus versatilis , ein flachbruͤgge, tochbruͤgge ”.

ȫverruegge

KöblerMnd

ȫverruegge , Adv. Vw.: s. ȫverrügge