pfütze,
f. ,
ahd. nach den mundarten puzza, pfuzza, buzza, fuzze
f., puzzi, pfuzi, puzz
n.; mhd. pfütze
f., bütze, butze
f. m.; md. phutze, putze, puzze, putz
f. m.; nhd. pfütze (
früher und mundartlich auch pfutsche, pfütsche, pütsche, pfitze pfitz, pfitsche pfitsch,
auch noch als m. oder n., s. unten);
nd. pute, putte,
ags. pyt
m., altn. pyttr
mit ital. pozzo (
ziehbrunnen), pozza (
pfütze),
franz. puits (
brunnen)
aus lat. puteus,
brunnen, grube, cisterne Diez
4 255. 11)
der gegrabene brunnen, ziehbrunnen, die cisterne, puteus, cisterna Dief. 474
c. 124
a,
nov. gloss. 310
a. 93
b;
ahd.: thô gisaʒ er muadêr ... bî einemo brunnen,thaʒ uuir ouh puzzi nennen. Otfrid 2, 14, 8; ther puzz ist filu diofer. 2, 14, 29; thiu fuzze teof ist (
puteus altus est)
Tatian 87, 3; thê dâr gab uns den phuzi (
qui dedit nobis puteum), her tranc von imo
ebenda; welîches ... ohso in phuzzi fellit (
in puteum cadet) 110, 2; du bist puzza dero quekkon waʒʒero (
puteus aquarum viventium) Williram 71, 1
im gegensatz zu der flieʒʒente brunno 71, 4;
mhd. gevellit der (
ochse oder esel) in eine phuoze. Schönbach
altd. pred. 133, 21; wir lesen, daʒ her Jeremias ... wart gelâʒen in eine phutze eines mannes, der hieʒ Abdimelech. 18, 7;
vereinzelt auch frühnhd.: Hieremias .. must .. darumb gefangen, in ein pfitz geworfen werden. Frank
chron. 30
a; Reinhart und Bartman (
steinbock) von den ziegen zusamen in ein pfützen stiegen, das sie sich beide mochten trenken. Waldis
Es. 3, 27, 2;
neben brunnen: und wurdent all brunnen und pfitzen in bluot verwandelt.
historienbibel 211
Merzd. (
2 Mos. 7, 19); die pflagen usz einer pfützen oder brunnen wasser zu schöpfen. Keisersberg
passion (1514) 34
c;
kurh. pütsche,
die einen tiefen und weiten tümpel bildende quelle der Ems. Vilmar 301. 22)
lacus, palus Dief. 316
a. 408
b: da sich bemelter flusz (
die Brenta) in die adriatische see und pfizen ausgeust. Ernstinger
reisbuch 39; flusz Tanais, der sich in die mäotischen pfützen ausleeret. Stumpf
chron. 2
a.
vergl.lache 4, meerpfütze
bei pfützauster. 33)
besonders die in einer kleinen flachen erdvertiefung angesammelte und stehen gebliebene oder stehende (
unreine, schmutzige)
flüssigkeit, lache, kleiner pfuhl oder sumpf. vergl. wasser-, regen-, mistpfütze. 3@aa)
eigentlich, mhd. (
md.): des heiʒen bluotes pfütze (
blutlache) gap im dô kumberlîchen rouch. Konrad
troj. krieg 35712; nu werft en in die pfütze. Reinbot v. D.
Georg 4698; dîn golt und dîn gestaine wirfe ich in die puze (
var. phuze).
Rolandslied 150, 5; sie trunken ûʒ den putzen. Albrecht v. Halberstadt 448
b;
nhd. wer zeigen duot ein guote strosz und blibt er in dem pfütz und mosz, der ist der sinn und wiszheit blosz. S. Brant 21,
β; wann er (
St. Urban) dann nit gut wetter geit, so wird er in die pfitzen geleit. Fischart
Garg. 50
a; eine pfütze voller frösche. Schütz
altes Preuszen 39; stinkende pfütze (
statt aus einer stinkenden pfütze) trinken.
pers. baumg. 1, 12; (
volk,) geboren umb die flut und umb die rawen pfützen. Opitz (1645) 3, 302; wann der karr steckt im pfützen. J. Doman,
Gödeke elf bücher 1, 230
b; man musz lernen ... an statt weins oder biers wasser und faule pfützen versuchen. Weise
die drei klügsten leute 305; weil er (
esel) aus einer pfützen gesoffen.
polit. maulaffe, vorrede; allen pfitzen die augen ausztreten. 192; zu einem pfütz werden,
stagnare Aler 1536
b; wem die nase jucket, der wird in eine pfitze fallen.
rockenphil. 631 (4, 61); die pfützen, die (
bei regenwetter) voll wasser stehn. Brockes 2, 446; wenn nach starken regengüssen .. auf den vertiefungen des ackers wasser stehen bleibt, und pfützen macht. Lessing 6, 206; pfützen zusammengeleiteten regenwassers. Göthe 27, 52; hier wars, wo mir die noth bewies, dasz man durch sie aus pfützen trinken lerne. Wieland
Idris 3, 25; die frösche singen das klaglied in pfützen (im morast Voss). Stilling
georg. 1, 378.
bair. der pfutsch, die pfütsch Schm.
2 1, 445,
wetterauisch die pitsch Weigand
2 2, 345;
bergmännisch das im grubenbau sich ansammelnde tagwasser, s. pfützeimer,
pfützen. 3@bb)
übertragen und bildlich (
in bezug auf den trüben und schmutzigen, faulen und stinkenden inhalt der pfützen)
mhd. (
md.) der werlde, der sünden, der untugenden pfütze
passional 5, 61. 193, 16. 369, 69; die gebot, dâ mit man den sunder sol ziehen ouʒ der phuzen der unreinen sunden. Schönbach
altd. pred. 18, 11;
nhd. wie der teufel das liebe evangelium durch des bapsts grewel in einen misthauffen und pfützen gefrt hat. Luther 5, 410
a; so sind wir von den hellen bornen zu den pfutzen gerathen, und daraus warm, faul, stinkend wasser gesoffen.
tischr. 1, 53; (
Luther pflegte zu sagen) die Juden trinken ausz den quellen (
der offenbarung), die Griechen ausz dem ablauf und die Römer oder Lateiner ausz der pfützen. Zinkgref 1, 184; die heimlich pfütz und grundsuppe der laster. Frank
morie encom. 7, 7
Götzinger; hie meint etwan ein kaufmann oder kriegsknecht .., wann er ein pfennigle ausz so vil raubs hinwerf, so hab er einmal die gantze pfütz der sünden auszgelärt und gefegt. 74, 9; trenkt sie ausz der hellischen pfütschen (
s.pfuhl, höllenpfuhl)! H. Sachs 3, 24, 6; und stürtzt ihn von der höch herab in die pfütschen als ungemachs. 8, 629, 15; welcher uns hat erlösen thon ausz der pfütschen als ungemachs. 6, 279, 30;
ewigkeit. ihr blinden! ... die ihr vor wahrheit nichts als falsche träum erwischt, und bei den pfützen euch an statt der quell erfrischt! Gryphius
trauersp. 149
P.; Babylon, ein sitz und pfitz der hurerei. Weckherlin 296; über dir mag auch Fortuna gaukeln ... menschen bald auf schwanken tronen schaukeln, bald herum in wüsten pfüzen drehn. Schiller 1, 181;
Bourgognino. schenken sie mir (
die von Gianettino Doria genothzüchtigte) Bertha, ich mache sie glücklich.
Verrina. haben sie lust, junger mensch, ihr herz in eine pfüze zu werfen? 3, 37 (
Fiesko 1, 12); wenn er bei mir am (
im) pette leit, so ligt er bei mir als ein scheit .., sein folen in fremde lachen er schwemt und muet den ser in fremden pfutzen.
fastn. sp. 144, 34; in rauhem silen er also zeucht und kein loch noch pfutzen fleuht. 347, 13; du woltes nie rains wasser nützen, du thest recht sam ain sau in einer pfützen, die sich unsauber köste fleist. 658, 1.