Eintrag · Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke)
neige swv.
1. nîgen machen, niederbeugen, herabdrücken, deprimere. sîn houbet er neicte Diemer 255,20. si fluhen alle mit geneictem houbet Diemer 177,7. sô sprach er ie den sînen zuo, geneigt ûf sîme stabe Pass. 242,24. daʒ sper gein al der werlde hêrren wart geneiget Walth. 37,16. si neicten diu sper Iw. 259. diu her ze beiden sîten neigten ir sper Alph. 367,3. si neigten ûf die schilde die schefte mit ir kraft Nib. Z. 28,63. si neigten über schilde ze stiche diu starken sper das. 246, 41. hiemite sô neict er daʒ sper Trist. 9164. er sach si knien und die helse neigen Pass. K. 15,19. manegem wart daʒ houbet geneiget sô ze tal, daʒ er muose ersterben Nib. Z. 318,22. einen mit tôde neigen Pass. K. 36,42. eʒ was geneiget, durch den stoss bei der tjoste, ir ietweder alsô sêre, daʒ er dâ vor nie mêre sô nâhen kom dem valle, also neigung hinten über, Iw. 260. daʒ ich dâvon geneigt mich nie, nicht hintenüber gedrückt ward, obwohl durch die kraft des stosses mir der helm abgestochen ward, daʒ wundert dise unde die frauend. 269,7. daʒ ist wâr, daʒ ich die vart gesach daʒ nie, daʒ er dâ von geneigt sich ie das. 291,24. er neigete sînen himel hernider Leys. pred. 28,20. vgl. das. 28,22 und 24. diu sunne hât ir schîn geneiget MS. 1,19. a, weil der winter anfängt. ich wil neigen mînen lîp in iuwer gebot Wigal. 89810. wand si geneiget mite wirt, dadurch gedemüthigt, Pass. K. 297,29. die daʒ gerihte neigent, die das recht beugen, Barl. 95,28. daʒ mîn freude ist geneiget das. 205,37. valsche hôhvart neigen das. 324,39. daʒ er in wolte sweigen und die kraft im neigen Pass. K. 38,24. diu liebe welle mînen kumber neigen MS. 1,11. b. sîn hôher muot wart verkêret in ein leben gar geneiget arm. H. im leseb. 323,37. die heiden er im neigete dâ, unterwarf er sich, Ludw. kreuzf. 148. reclinare wider neygen Diefenb. gl. 233. adclinare neygen das. 10. — daʒ volc got mit bete neigete Pass. K. 664,62, machte, dass er sich zu ihm herabneigte. Christus ist geneiget zu uns und wil uns ûf die hôsten steige bringen Pass. 107,88. — allgemeiner: eine richtung geben. der herre got hatte sîn herze zu der liebe der enelendin kongis tochtir geneigit Ludw. 25,27. an deme rihtære was geneiget drûf der muot Pass. 15,3. des wil ich ouch nu mit gewalt die maget an dich neigen Pass. K. 493,11. einer baʒ geneiget stât zuo den sünden dan der ander Teichn. 93. darnâch als die liute genaigt wâren zürch. jahrb. 52,28, je nachdem sie gestimmt waren. si wurden alle genaigt und willig das. 56,17. den guten was er gutig und geneigit Ludw. 46,33.
2. intransitiv. swenne ich neigen daran Pilat. im leseb. 279,3, mich hinwende. und dô er von in neigete, sich von ihnen wegwandte, unde quam ein lutzil dan, si gerow, daʒ si in hattin gelan ûʒ den handin Jerosch. Pf. 169. d. dar um herabe neigit, steht ab, und lât daʒ strîten nu bestân das. 163. b. appropinquare, zcu neigen oder nahen Diefenb. gl. 34.
3. reflexiv. Gunther sich dô neigte nider zuo der vluot Nib. Lm. 920,2. er neicte sich nâch dem slage, um den schlag zu thun, Iw. 189. er het sich nâch dem slage hin vür geneiget das. 49. dô man sach die sunnen gegen dem âbende neigen sich Mai 180,37. ir kraft sich hât geneiget Teichn. 309. dô wolt er sich nider neigen, sich demüthigen, Diemer 315,16. diz was ein herte herin kleit, darinne si sich neigete Pass. K. 630,41. die mit triuwen wolde sich mîm dienste neigen Marleg. 20,227. der eine muoʒ sich neigen und dem andern dienst erzeigen Teichn. 138. die gein (vgl. ich nîge) der krône sich niht geruochent neigen, die sich gegen die rechtmässige herrschaft nicht unterwürfig zeigen wollen, Frl. 35,5. sô wil ich mich neigen und tuon alleʒ daʒ si wil Walth. 116,21. die liute solten alle sich ze mînem gebote neigen frass, leseb. 584,36. von der verbeugung bei gruss und dank: Alexander neigt sich und gieng enweg Dioclet. 7818. eine richtung einschlagen, sich wenden: dô wart irkant, daʒ sich kegn Nattangin her neigete daʒ selbe her Jerosch. Pf. 144. c. ir vlîʒ sich dar ûf neigete, daʒ si vorterbtin gar sîn lant das. 12. b. allen orden geistlich in grôʒer demut tzu neiget er sich Ludw. kreuzf. 5513.