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natürlich

nhd. bis spez. · 12 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

natürlich adj.

Bd. 13, Sp. 455
[]natürlich, adj. , ahd. natûrlîh, mhd. natûrlich und natiurlich, naturalis, auf die natur in ihren verschiedenen bedeutungen bezüglich; meistens den compositionsgenetiv vertretend (natürliches bad, naturbad; natürliche gabe, naturgabe; natürliches recht, naturrecht u. s. w.). II. in bezug auf die schaffende, bildende, verändernde, erhaltende und ordnende kraft und die daraus hervorgehende beschaffenheit der gesammten natur, ihrer theile oder geschöpfe. I@11) natürliche kraft, gewalt, wirkung, natürliches gesetz, recht u. s. w., wie naturkraft, naturgewalt, naturwirkung, naturgesetz, naturrecht: naturlich krafft, virtus naturalis. voc. 1482 x 3a; wi doch die menschait ist verplichen und naturlich chraft entwichen. Kummer Erlauer spiele (15. jahrh.) 6, 21; natürlich würckung und bung, actiones corporis naturales Maaler 303c; natürlich recht und gesetz. Luther 6, 452b; natürliches gesetz. Kant 8, 227; regel der natürlichen wirkungsgesetze. 6, 58; natürliche mittel, natürliche kräfte, physische mittel und kräfte. Schiller 10, 132. I@22) von der natur handelnd, die natur erforschend, naturkundig (nun veraltend): in natûrlichen künsten er was der beste meister. Dioclet. 4447; das heist ein phisicus natürlich chunst. gesta Roman. 3; naturlich kunst, mathesis, philosophia naturalis, phisica. voc. 1482 x 3a; die natürliche weiszheit. H. Sachs 9, 198; sie solten nicht natürliche weiszheit und kunst verkündigen. Arndt vom wahren christenth. (1666) 3, 66; unvollkommenheit der natürlichen philosophia. Schuppius 766; naturlich geschichte, phisionomia Dief. gl. 236c; natürliche geschichte (naturgeschichte). Lessing 8, 83; natürliche geschichte des menschlichen geschlechts. Göthe 19, 269; natürliche wissenschaften (naturwissenschaften). 54, 11; nach so viel natürlichem (von der farbenlehre handelndem) ists doch wohl auch billig zur kunst zurückzukehren! 32, 101. — naturlicher kunster, mathematicus, philosophus naturalis. voc. 1482 x 3a; der natürliche meister, der naturkundige, naturforscher, philosoph. Oberlin 1113. Dief.-Wülcker 779; phisicus, phisiologus, naturlich meister Dief. gl. 236c, philosophus. voc. 1482 x 3a; natürlicher meister, der von natürlichen hendlen redt, physiologus Maaler 303c; Xanthus der natürlich meister würdt morn ein weib nemen. Steinhöwel Äsop 11b; lasz keinen unwissenden herein, sondern allein die philosophos ... das sind die natürlichen ... meister. 16b; Aristoteles, Plato und die andern natürlichen meister. Keisersberg seelensp. 49b; also spricht der natürlich meister Cato. granatapf. B 5c; philosophi, die natürlichen meister und spitzfindigen köpf. Melanchthon zu 2 Cor. 10; nach dem woren (wahren) uszspruch des natürlichen meisters Aristoteles. Gersdorf wundarznei 1; so ist der natürlichen meister ein gemeine sentenz, dasz sie sprechen: quod natura docet, nemo negare potest. Schade sat. 4, 189, 37 (vom j. 1525); natürliche meister, diligentissimi naturae Aler 1455b; auch der natürliche weise: welche (natur) die alt natürling weisen inn ir beschreibung löblich preisen, als Secundus philosophus, Terentius, Valerius u. s. w. H. Sachs 3, 227, 4. I@33) in bezug auf geburt und verwandtschaft I@3@aa) von geburt, von haus aus seiend: ich schätze leute glücklich, die einen vornamen mit einem M haben, weil sie gleichsam natürliche magistri sind. Gerstenberg verm. schr. 2, 77. I@3@bb) wie leiblich (nun veraltet): mein natürlicher grosvater .. meine natürliche grosmutter. Luther 8, 52b; Ismael ist Abrahams fleisch und blut und natürlicher son. ebenda; welcher ist der heiligsten frawen Rebeca natürlicher son. 91b; natürliche geschwister. 126b; weil sie nicht allein den eltern, sonderlich der mutter (als die natürlich tochter) sollte gehorsam sein. briefe 3, 135; natürlicher bruoder von vatter und muoter, germanus frater Maaler 269d; der apt .. zu seiner natürlichen schwester, von der er zwei kinder hat, auch drei huren hielt. Fischart bienenk. (1580) 168b; durch Christum, deinen (gottes) einigen natürlichen sohn. Schuppius 430; wie natürliche brüder und schwestern freundlich miteinander leben. 431. I@3@cc) auszer der (nicht in der natur, sondern nur in der sitte begründeten) ehe erzeugt, unehelich: natürliche oder in ledigem stand erzeugte kinder. Nürnb. reform. 24, 8. clevische rechtsordnung cap. 78 bei Frisch 2, 10a. Zedler 23, 1001; natürlicher sohn, sohn auszer ehe, fils naturel Rädlein 669a; unächte kinder glaubt man itzt weit feiner natürliche kinder nennen [] zu können; welche benennung, nach Logaus zeiten (das ist unrichtig), aus der französischen in die deutsche sprache gekommen ist. Lessing 5, 307; mein meister ... erzog einen einzigen natürlichen sohn bei sich. Göthe 34, 25; man hegte von ihm die vermuthung, dasz er ein natürlicher sohn sei. 26, 136; die memoiren der Stephanie von Bourbon Conti erregen in mir die conception der 'natürlichen tochter'. 31, 84; übrigens wandte er (Philipp II.) alles an, um seine natürlichen töchter allen augen zu verbergen. Schiller 4, 106; die eltern solcher kinder heiszen natürliche eltern. Zedler 23, 986. I@3@dd) natürlicher erbe, durch geburt und verwandtschaft berechtigter, nicht durch testament eingesetzter erbe, heres ab intestato. Stieler 383. Zedler 23, 987. I@3@ee) natürlicher narr, morio. voc. 1482 x 3a. I@3@ff) theologisch der natürliche mensch, s. unter II. I@44) von der natur gegeben, angeschaffen, angeboren: naturlich oder artig, naturalis, genialis. voc. 1482 x 3a; naturlich, angebohren, was die natur mit sich bringt. Rädlein 669a. I@4@aa) äuszerlich: natürlich farb, nativus color Maaler 303c; die natürliche hautfarbe der Kaffern. Kant 10, 49; übertragen: die natürliche farbe eines charakters genügte ihnen nicht .. und so lieszen sie von dem zinnober der übertreibung die frische blutröthe erst bedecken, dann verderben. Börne 1, 97. I@4@bb) innerlich: mhd. von natiurlîcher tôrheit. Boner 99 überschrift; des menschen gestalt und seiner glider schickung bezaichent uns sein natürleich siten. Megenberg 42, 18; nhd. naturlich tugent, virtus naturalis. voc. 1482 x 3a; natürlicher verstand und neigung, ingenium Maaler 303c; natürliche fähigkeit, alacritas naturaliter innata Aler 1455b; natürliche liebe ist zwischen vater und kind. Luther 1, 170a; natürliche neigung zwischen man und weib. 6, 452b; die natürliche liebe der kinder gegen die eltern. Wieland 14, 140; die natürliche liebe eines menschen zum andern. ebenda; eine natürliche empfindung für die schönheit. 186; die antipathie oder die natürliche abneigung eines gegen den andern. Winkelmann allegorie 139; sein natürlicher widerwille gegen die ... tugenden. Wieland 3, 99; die aus dem natürlichen hang entspringende fähigkeit oder unfähigkeit der willkühr. Kant 6, 188; eine natürliche anlage (naturanlage). Göthe 54, 286; der natürliche charakter. Schiller 10, 282; o du weiszt allzugut, dasz unser herz an natürlichen trieben so fest als an ketten liegt. 3, 445 (kabale 3, 6); die natürliche eigenliebe. Börne 1, 288; natürliche religion ... die mit uns gebohren wird und die nicht von dem glauben und von der offenbarung herrühret. Zedler 23, 1010; vernunftmäszige und natürliche religion ist zweierlei. Frankf. gel. anz. (1772) 67, 30 neudruck; das object der natürlichen religion. Kant 1, 90; natürlich rächt, jus naturale Maaler 303c; das natürlich recht ist, so die natürlichen gemeinschaften erhält und befördert. Leibnitz 1, 410. prädicativ mit dativ: der aufrechte gang des menschen ist ihm einzig natürlich. Herder ideen 1, 153; der trieb, herdenweise mit einander zu laufen, der den meisten zahmen thieren natürlich ist. Wieland 14, 141; der glaube an einen gott ist instinet, er ist dem menschen natürlich. Lichtenberg verm. schriften 1, 145; sie hat nicht tanzen gelernt; es ist ihr natürlich. Lessing 1, 465. I@55) in der natur, durch die natur (nicht auf mechanische, willkürliche, künstliche oder wunderbare weise) geschehend, gegeben oder hervorgebracht und in natürlichem zustande erhalten; oft mit dem ausgesprochenen gegensatze. I@5@aa) natürliche begebenheiten, welche in dem reiche der natur vorgehen. Zedler 23, 974; natürliche weltbegebenheiten sind solche, wovon die kraft der natur die wirkende ursache ist. Kant 6, 58; welche behaupten ..., die natürlichen begebenheiten wären viel gröszer als die ... übernatürlichen begebenheiten. Chr. Wolff vern. ged. von gott § 1040; natürliche finsternisse. Arndt vom wahren christenth. (1666) 3, 85; ich hatte so viel mit betrachtung des natürlichen zu thun, dasz ich fürs wunderbare keine zeit übrig behielt. Wieland 19, 33; es ist bei diesem .. mährchen .. ziemlich leicht, das natürliche und wahre von dem wunderbaren zu unterscheiden. 27, 119. 14, 20. I@5@bb) natürliche dinge Maaler 303b c; erkendtnusz aller natürlichen dingen. Paracelsus 1, 239; die natürlichen dinge in dieser sublunarischen welt. Wieland 14, 72; natürliche sachen (gegensatz zu kunstsachen). Göthe 28, 120; das häutel (des ohrs) ist vol natürleichs lufts. Megenberg 11, 12; wann der natürliche (nicht durch einen blasebalg erzeugte) wind töne auf saiten [] hervorbringt. Lichtenberg verm. schriften 6, 9; naturlich bad, termae. voc. opt. 25, 31. Murner narrenbeschw. 62, 21; natürlich wasser, aqua viva Denzler 210b; naturlich (nicht angemachtes) feur. voc. 1482 x 3a; natürlicher stein, saxum vivum. ebenda; natürlicher rusz, kalk u. dgl. Jacobsson 6, 631a; natürliche waaren (metalle u. dgl. im gegensatz zu den manufacturen). 632a; die natürlichen (nicht eingepfropften) zweige. m. 11, 21. 24; natürliche blätter und blumen. Börne 1, 350. 363; natürliche und künstliche producte. Göthe 18, 52; natürliche schlangen. 38, 17; natürlich (nicht falsches) har, coma Aler 1455b; die haare der männer wallen noch in natürlichen locken über die schulter. H. Heine (1876) 6, 139; natürliche (nicht maskierte) gestalt. Wieland 3, 105; sie .. sagte, mit einem herzen, welches brach, und also in seiner natürlichen gestalt erscheinen muste. Hermes Soph. reise (1776) 6, 47. I@5@cc) natürliche besaamung des forstes. Jacobsson 6, 631a; eine natürliche bewässerung, wasserleitung, befestigung, grenze u. dgl. I@5@dd) dasz die mahlerei sich natürlicher zeichen (sichtbarer zeichen, linien, farben) bedienet, musz ihr allerdings einen groszen vorzug vor der poesie gewähren, welche sich nur willkührlicher zeichen bedienen kann. Lessing 11, 155 (dazu Herder krit. wälder 1, 194); mahlen heiszt, einen gegenstand nicht durch blosz willkührliche verabredete zeichen für den verstand andeuten, sondern ihn durch natürliche zeichen vor die sinnliche empfindung bringen. Engel 4, 300. I@66) dem naturzustande entsprechend, ungekünstelt, einfach, ungezwungen, ungesucht, offen, ohne berechnung und absicht. vergl. naiv. I@6@aa) prädicativ: o wie freut es mich mein liebchen, dasz du so natürlich bist. Göthe 1, 161; wir sind bieder und natürlich, und das ist genug gethan. 163; wenn sie sprach, war sie angenehm und natürlich. 27, 14; dieser brief scheint mir ziemlich natürlich zu sein. Gellert (1867) 4, 36. 60. I@6@bb) attributiv: natürliche einfalt. Hagedorn 3, x; das natürliche betragen. Kant 10, 128; die natürliche art zu denken. Gellert (1867) 4, 45; zuweilen kostet aber das leichte, das natürliche in einem gedanken .. die meiste mühe. 19; natürliche schreibart. 30; simpler natürlicher vortrag. Frankf. gel. anz. (1772) 155, 22 neudruck; ihre beschränktheit, deren manirirtes aber sich gar leicht in ein natürliches verwandeln liesz. Göthe 31, 86; zu einer zeit, wo nach Diderots grundsätzen und beispielen die natürlichste natürlichkeit auf der bühne gefordert .. wurde. 24, 148; gelehrte liebhaber, die auch das einfachste natürlichste werk nicht ohne commentar lassen können. 38, 89; die natürliche wahrheit seines charakters. Schiller 10, 436. I@77) der wirklichkeit, dem vorbilde entsprechend, naturgetreu: bair. der bue is der natürli vater, ist dem vater in allem gleich, ist der leibhaftige vater. Schm. 1, 1769 Fromm.; der schmerbauch mit der kahlen platte .. sieht in der geschwollnen ratte sein natürlich ebenbild. Göthe 12, 107; die beschreibungen (Homers) .. kommen uns poetisch vor und sind doch unsäglich natürlich. 28, 243; dem kunstwerk einen solchen gehalt, eine solche form zu geben, wodurch es natürlich zugleich und übernatürlich erscheint. 38, 10. auch das künstliche wird, wenn es naturgetreu ist, natürlich, s. theil 5, 2714. I@88) in der (physischen oder sittlichen) natur und in deren gesetzen und ordnung begründet, daraus hervorgehend und folgend, naturgemäsz: was in dem wesen und der krafft der cörper, das ist in ihrer natur gegründet ist, oder auch seinen grund in dem wesen und der krafft der welt, das ist der gantzen natur hat, das heiszet natürlich. z. e. dasz die sonne auf- und unter-gehet, ist in dem wesen und der krafft der welt gegründet, und demnach natürlich; dasz das wasser in der warmen lufft ausdunstet, ist in dem wesen und der krafft des wassers und der warmen lufft gegründet, und demnach natürlich; dasz der magen die speise verdauet, ist in seinem wesen und seiner krafft gegründet, und demnach natürlich. Chr. Wolff vern. gedanken von gott, der welt u. s. w. § 630, vgl. 1039; der rauch ist ein natürliches zeichen des feuers. § 293; die meinung, dasz leib und seele nicht natürlicher weise, sondern durch den kräfftigen willen gottes in einander würcken. § 764. im einzelnen [] I@8@aa) von weltkörpern und naturerscheinungen: mhd. die planête hânt zwêne genge, einen betwungenlîchen hânt si mit dem firmamente von oriente ... der ander ganc ist der natûrlich ganc, den die planêten hânt von occidente wider daʒ firmamente. Meinauer naturlehre 2; natûrlicher tag, der an der mitten naht ane gât unde zuo mitter naht ûʒ als ein umbecreiʒ. 9. I@8@bb) von der beschaffenheit, veränderung und den physischen verrichtungen des menschlichen körpers: den visch (echinus) schol man niht eʒʒen oder man iʒt den tôt dar an. wan so er geʒʒen wirt, so verändert er den menschen auʒ dem satz seiner natürleichen schickung. Megenberg 251, 26; natürliche handlungen sind diejenigen, welche aus dem wesen des leibes ... nothwendig erfolgen, z. e. dasz der magen die speisen verdauet. Zedler 23, 1001; alle natürliche veränderungen des leibes sind in seinem wesen und seiner natur gegründet. Chr. Wolff a. a. o. § 765; naturliche bewegung der frauen, menstrua mulierum. voc. 1482 x 3a; natürliches werk, die begattung. Wyle frau glück; essen und trincken, weib und kinder zeugen und ander natürliche werck des leibs und dieses lebens treiben. Luther 6, 209a; ire weiber haben verwandelt den natürlichen brauch in den unnatürlichen .. auch die man haben verlassen den naturlichen brauch des weibes und sind an einander erhitzet in iren lüsten, und haben man mit manne schande gewircket. m. 1, 26. 27; dann ihr auch .. wissen solt, dasz er ein doctor der arznei gewesen und deshalben ihm ein schlecht gewissen gemacht, etwan von natürlichen sachen natürlicher zu reden. Fischart Garg. (1590) 8; wenn sie selbst mit unbefangener freimüthigkeit manches natürliche, das man sonst gegen einen andern aus anstand zu verheimlichen pflegt, vor ihm nicht zu verbergen suchte. Göthe 18, 89; besonders in bezug auf die naturgemäsze entleerung des körpers: ein natürliches bedürfnis befriedigen, die natürliche nothdurft (oder blosz die nothdurft) verrichten; fliegen, die uns zuweilen in der natürlichen not auff dem heimlichen gemach wollen in den hindern kriechen. Luther 8, 257a; alles was zum munde eingehet, das gehet in den bauch, und wird durch den natürlichen gang ausgeworffen. Matth. 15, 17. I@8@cc) vom tode: natürlicher tod, mors naturalis Stieler 2289; natürlichen (nicht gewaltsamen) todes sterben, sua morte mori Aler 1455b; der erschröcklich, natürlich dot, der in bringt in die letzten noht. H. Sachs 13, 528, 1; denn das hat kein menschen hertz erdacht noch vor sich selbs erfunden, das der tod ein straffe sei der sünden, sondern haben alle also gedacht und gehalten, als sei es ein natürlicher anfal, gleich wie ein hund oder saw oder ander thier stirbt ... uns lehret die schrifft, das unser tod und sterben nicht natürlicher weise herkömet, sondern eine frucht und straffe ist der sünde unsers vaters Adam. Luther 6, 232b. I@8@dd) von abstractionen: naturlich ursache, ratio naturalis. voc. 1482 x 3a; die natürliche nothwendigkeit. Chr. Wolff vern. ged. von gott § 575; nach den natürlichen und wesentlichen pflichten die freien handlungen auf einen zweck zu richten. Hagedorn 1, 15; der natürliche lauf der dinge. Göthe 25, 336; krankheiten des körpers, mehrentheils die natürlichen folgen der unmäszigkeit. Schiller 1, 164; natürliche erfolge. 10, 281; natürliche verhältnisse. 437; das natürliche bedürfnis eines verliebten, jemand zu haben, dem er sein leiden ... entdecken kann. Wieland 3, 98; ein natürlicher rückschlag. Gervinus 55, 153; prädicativ mit dativ: eines fehltritts wegen, ... der dem heftigen charakter des jünglings sehr natürlich (angemessen) war. Schiller 5, 2, 378 (don Carlos 4, 19). I@8@ee) von der naturgemäszen, von der natur bestimmten lage oder stelle eines gegenstandes: augen, die an ihrem natürlichen platze stehen. Wieland 19, 34; die wörter (eines satzes) von ihrer natürlichen stelle verdrängen (den satz in unrichtige wortfolge bringen). Gellert (1867) 4, 64. I@99) dem laufe der natur oder dem natürlichen zustande gemäsz, normal: natürlicher verlauf einer krankheit, natürlicher gang und verlauf der ereignisse u. s. w.; der plan ist gut angelegt und hat einen natürlichen gang. Frankfurter gel. anz. 140, 29 neudruck; der magen, die gedärme (der leiche) waren natürlich, nur die groszen waren etwas aufgeblasen. Schiller 1, 53. [] I@1010) aus der natur der sache sich von selbst ergebend, leicht erklärlich und begreiflich, selbstverständlich: so ist nichts natürlicher und begreiflicher, als dasz diese untersuchung unterbleibt. Kant 2, 40; die natürliche frage. 5, 74; wir haben uns den ganzen tag nicht allein gesprochen ... und nichts ist natürlicher als dasz man sich nach einer vertraulichen stunde sehnt. Göthe 17, 127; nichts war natürlicher, als dasz ich aufsuchte was uns über diese materie in schriften überliefert worden. 54, 307; dasz hierdurch nichts ausgemacht wurde .. war ganz natürlich. 54, 290; und da ist es wohl natürlich, dasz ich nicht immer weisz wo ich stehe. 27, 285; das ist eine ganz natürliche frage. 52, ix; die natürlichste sache von der welt. Wieland 19, 141; bei allem dem war es natürlich, dasz. 27, 60; er schien diesz für eine .. natürliche folge seiner meinung .. anzusehen. 27, 121; natürlicher weise oder auch zusammengerückt natürlicherweise: natürlicherweise hat das publicum auf die kunst groszen einflusz. Göthe 38, 18; der geist der kunst musz hier natürlicher weise das ganze beseelen. Schiller 3, 532; natürlicher weise ist eher das gegentheil zu vermuthen. Wieland 13, 94; natürlicher weise läszt man sich nicht gern ohne noth schlaflose nächte machen. 19, 144; in ironischem sinne: das haus eines kanzlers ist natürlicher weise eine freistadt der tugend. Lessing 2, 184 (E. Galotti 5, 5). — am natürlichsten, ganz begreiflicher weise, am einfachsten. Kant 6, 51. vergl. th. 1, 275. IIII. der sinnenwelt angehörend, sinnlich, irdisch, körperlich, fleischlich, vergänglich, im gegensatze zu geistig, ewig, unsterblich: es wird geseet ein natürlicher leib, und wird aufferstehen ein geistlicher leib. 1 Cor. 15, 44 und dazu Luther 6, 262a ff.; Adam ist zum ersten ins natürliche leben gemachet. weil aber dasselb auffhöret und ein anders folgen sol .. so mus es nicht abermal natürlich sondern ein geistlich leben sein. 6, 263b; gleichwie unser natürliches leben seine gradus hat, seine kindheit, mannheit und alter: also ists auch beschaffen mit unserm geistlichen und christlichen leben. Arndt vom wahren christenth. (1666) 3, 3; das natürliche liecht im gegensatze zu gnadenliecht 3, 55 (s. naturlicht); du siehst nur das natürliche der dinge .. ich habe das unsterbliche mit augen gesehen. Schiller 13, 317 (jungfr. v. Orl. 5, 4); der natürliche mensch, der mensch in seinem naturzustande nach dem sündenfalle, der sündige, nicht durch die göttliche gnade geläuterte und wiedergeborne mensch. Zedler 23, 1008; der natürliche mensch aber vernimpt nichts vom geist gottes. 1 Cor. 2, 14; der natürliche mensch übertrifft alle thier an boszheit. Arndt a. a. o. 2, 52; da sihestu, was der natürliche mensch in göttlichen dingen vermag? lauter nichts. 3, 55; der natürliche (zeitliche) tod, entgegengesetzt dem ewigen tode.
20703 Zeichen · 413 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Natürlich

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Natürlich , -er, -ste, welche Comparation doch nur in einigen Fällen üblich ist, adj. et adv. der Natur gemäß, in der Na…

  2. modern
    Dialekt
    natürlich

    Elsässisches Wb. · +3 Parallelbelege

    PfWB RhWB natürlich [nàtírlik O.; nàtírlik und nàtírli Hlkr. ; nàtírli K. Z. ; nàtírliχ Str. Wörth Betschd. Han. W. ] Ad…

  3. Sprichwörter
    Natürlich

    Wander (Sprichwörter)

    Natürlich 1. Es ist ganz natürlich, dass ein todt Pferd still liegt. Holl. : Het is natuurlijk, dat een dood paard stil …

  4. Spezial
    natürlichadj

    Dt.-Russ. phil. Termini · +2 Parallelbelege

    natürlich , adj естественный , п

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit natuerlich

35 Bildungen · 19 Erstglied · 13 Zweitglied · 3 Ableitungen

Ableitung von natuerlich

natur + -lich

natuerlich leitet sich vom Lemma natur ab mit Suffix -lich, mit Umlaut-Wechsel.

natuerlich‑ als Erstglied (19 von 19)

Natürliche Kinder

Meyers

naturliche·kinder

Natürliche Kinder , die leiblichen Kinder eines Elternpaares im Gegensatz zu adoptierten, dann im gewöhnlichen Sprachgebrauch soviel wie une…

natürlichemang

MeckWB

naturliche·mang

Wossidia natürlichemang natürlich Reut. 2, 49; natürlichermang 7, 340; natürlichement mit franz. Schreibung Bri. Pl. Nachl. 1, 96.

Natürliche Person

Meyers

naturliche·person

Natürliche Person , nach allgemeiner Rechtsanschauung jeder lebende Mensch. Nicht im Gegensatze hierzu, sondern neben ihr steht die juristis…

Natürliche Religion

Meyers

naturliche·religion

Natürliche Religion , das lediglich auf der vernünftigen Natur des Menschen beruhende religiöse Verhalten im Gegensatz zur geoffenbarten Rel…

natürlicherweise

GWB

natuerlich·er·weise

natürlicherweise auch Getrenntschr; einmal (in Sparformel) elliptisch (vgl 2) 1 aus der Natur der Sache a selbstverständlich, begreiflicherw…

natürlicherwis'

MeckWB

natuerlich·er·wis

Wossidia natürlicherwis' natürlich, selbstverständlich: natürlicherwis' möt he wat (nämlich zu trinken) utgäben Wa; Ja natürlicherwis' Starb…

natürlichkeit

DWB

natuerlich·keit

natürlichkeit , f. , mhd. natûrlîcheit, natiurlîcheit, naturalitas. 1 1) die angeborne art und anlage, der naturtrieb: naturlichkeit, instin…

natürlichkeiten

DWBQVZ

natürlichkeiten der sinnlichen und empfindsamen liebe s. Scheffner, Joh. George.

natürlichschön

DWB

natuerlich·schoen

natürlichschön , adj. : werden die liebhaber der poesie an unserm alten dichter ( Logau ) einigen geschmack finden: so freuen wir uns, dasz …

natürlichwahr

DWB

natuerlich·wahr

natürlichwahr , adj. : wir verschwören uns gar zu gern mit dem irrthum gegen das natürlichwahre. Göthe 48, 188 . vergl. DWB naturwahr .

natürlichwürdig

GWB

natuerlich·wuerdig

natürlich vereinzelt abgekürzt ‘natürl.’; mitteldt ‘nadierlich’ GWB Gespr(He2,73) ; subst auch Kleinschr; oft komp u superl. Zu ‘n-er Weise’…

natuerlich als Zweitglied (13 von 13)

außernatürlich

GWB

ausser·natuerlich

außernatürlich a nicht den Erscheinungsformen u Gesetzmäßigkeiten der Natur entsprechend [ üb patholog Farben ] Wir sprechen .. von krankhaf…

AUSZERNATÜRLICH

DWB2

auszer·natuerlich

DWB2 AUSZERNATÜRLICH adj. DWB2 außerhalb der natur(gesetze) stehend, das natürliche, normale übersteigend: DWB2 ⟨v1688⟩ aber blut weinen ist…

übernatürlich

DWB

ueber·natuerlich

übernatürlich , adj. und adv. 1 1) supernaturalis, naturae leges excedens Dentzler clavis ling. lat. (1716) 296 b ; was weder im wesen, noch…

unnatürlich

DWB

unnatur·lich

unnatürlich , adj. adv. , gth. v. natürlich. mhd. unnatûrlich; mnd. unnatûrlik; mnl. onnatuurlijc; nl. onnatuurlijk; dän. unaturlig; schwed.…

unternatürlich

DWB

unter·natuerlich

unternatürlich , adj. , unter der natur stehend: ewig u. ist und bleibt alle kunst Lavater physiognom. fragm. 3, 43 . individuelle bildung. …

unübernatürlich

DWB

unübernatürlich , adj. , mit un IV D gesteigertes übernatürlich: das man recht nennet unubernatürlicher, unbegreiflicher weise Nigrinus anti…

widernatürlich

DWB

widernatur·lich

widernatürlich , adj. , der natur zuwider. gegenüber unnatürlich ( teil 10, 3, sp. 1205) hat das wort in neuerer zeit » den begriff ' wider …

Ableitungen von natuerlich (3 von 3)

unnatürlich

DWB

unnatürlich , adj. adv. , gth. v. natürlich. mhd. unnatûrlich; mnd. unnatûrlik; mnl. onnatuurlijc; nl. onnatuurlijk; dän. unaturlig; schwed.…

urnatürlich

DWB

urnatürlich (ur- C 4 a und c) Berlepsch Alpen 317 ; Spielhagen 7, 134 .

Vernatürlichen

Campe

Vernatürlichen , v. trs . natürlich machen; wie auch, der Natur ähnlich machen. I engerer und uneigentlicher Bedeutung, ○ Fremdlinge als Bür…