[]natürlich,
adj. ,
ahd. natûrlîh,
mhd. natûrlich
und natiurlich,
naturalis, auf die natur
in ihren verschiedenen bedeutungen bezüglich; meistens den compositionsgenetiv vertretend (natürliches bad, naturbad; natürliche gabe, naturgabe; natürliches recht, naturrecht
u. s. w.). II.
in bezug auf die schaffende, bildende, verändernde, erhaltende und ordnende kraft und die daraus hervorgehende beschaffenheit der gesammten natur, ihrer theile oder geschöpfe. I@11) natürliche kraft, gewalt, wirkung, natürliches gesetz, recht
u. s. w., wie naturkraft, naturgewalt, naturwirkung, naturgesetz, naturrecht: naturlich krafft,
virtus naturalis. voc. 1482 x 3
a; wi doch die menschait ist verplichen und naturlich chraft entwichen. Kummer
Erlauer spiele (15.
jahrh.) 6, 21; natürlich würckung und bung,
actiones corporis naturales Maaler 303
c; natürlich recht und gesetz. Luther 6, 452
b; natürliches gesetz. Kant 8, 227; regel der natürlichen wirkungsgesetze. 6, 58; natürliche mittel, natürliche kräfte,
physische mittel und kräfte. Schiller 10, 132. I@22)
von der natur handelnd, die natur erforschend, naturkundig (
nun veraltend): in natûrlichen künsten er was der beste meister.
Dioclet. 4447; das heist ein phisicus natürlich chunst.
gesta Roman. 3; naturlich kunst,
mathesis, philosophia naturalis, phisica. voc. 1482 x 3
a; die natürliche weiszheit. H. Sachs 9, 198; sie solten nicht natürliche weiszheit und kunst verkündigen. Arndt
vom wahren christenth. (1666) 3, 66; unvollkommenheit der natürlichen philosophia. Schuppius 766; naturlich geschichte,
phisionomia Dief.
gl. 236
c; natürliche geschichte (
naturgeschichte). Lessing 8, 83; natürliche geschichte des menschlichen geschlechts. Göthe 19, 269; natürliche wissenschaften (
naturwissenschaften). 54, 11; nach so viel natürlichem (
von der farbenlehre handelndem) ists doch wohl auch billig zur kunst zurückzukehren! 32, 101. — naturlicher kunster,
mathematicus, philosophus naturalis. voc. 1482 x 3
a; der natürliche meister,
der naturkundige, naturforscher, philosoph. Oberlin 1113. Dief.-Wülcker 779;
phisicus, phisiologus, naturlich meister Dief.
gl. 236
c,
philosophus. voc. 1482 x 3
a; natürlicher meister, der von natürlichen hendlen redt,
physiologus Maaler 303
c; Xanthus der natürlich meister würdt morn ein weib nemen. Steinhöwel
Äsop 11
b; lasz keinen unwissenden herein, sondern allein die philosophos ... das sind die natürlichen ... meister. 16
b; Aristoteles, Plato und die andern natürlichen meister. Keisersberg
seelensp. 49
b; also spricht der natürlich meister Cato.
granatapf. B 5
c; philosophi, die natürlichen meister und spitzfindigen köpf. Melanchthon
zu 2
Cor. 10; nach dem woren (
wahren) uszspruch des natürlichen meisters Aristoteles. Gersdorf
wundarznei 1; so ist der natürlichen meister ein gemeine sentenz, dasz sie sprechen: quod natura docet, nemo negare potest. Schade
sat. 4, 189, 37 (
vom j. 1525); natürliche meister,
diligentissimi naturae Aler 1455
b;
auch der natürliche weise: welche (
natur) die alt natürling weisen inn ir beschreibung löblich preisen, als Secundus philosophus, Terentius, Valerius
u. s. w. H. Sachs 3, 227, 4. I@33)
in bezug auf geburt und verwandtschaft I@3@aa)
von geburt, von haus aus seiend: ich schätze leute glücklich, die einen vornamen mit einem M haben, weil sie gleichsam natürliche magistri sind. Gerstenberg
verm. schr. 2, 77. I@3@bb)
wie leiblich (
nun veraltet): mein natürlicher grosvater .. meine natürliche grosmutter. Luther 8, 52
b; Ismael ist Abrahams fleisch und blut und natürlicher son.
ebenda; welcher ist der heiligsten frawen Rebeca natürlicher son. 91
b; natürliche geschwister. 126
b; weil sie nicht allein den eltern, sonderlich der mutter (als die natürlich tochter) sollte gehorsam sein.
briefe 3, 135; natürlicher bruoder von vatter und muoter,
germanus frater Maaler 269
d; der apt .. zu seiner natürlichen schwester, von der er zwei kinder hat, auch drei huren hielt. Fischart
bienenk. (1580) 168
b; durch Christum, deinen (
gottes) einigen natürlichen sohn. Schuppius 430; wie natürliche brüder und schwestern freundlich miteinander leben. 431. I@3@cc)
auszer der (
nicht in der natur, sondern nur in der sitte begründeten)
ehe erzeugt, unehelich: natürliche oder in ledigem stand erzeugte kinder.
Nürnb. reform. 24, 8.
clevische rechtsordnung cap. 78
bei Frisch 2, 10
a. Zedler 23, 1001; natürlicher sohn, sohn auszer ehe,
fils naturel Rädlein 669
a; unächte kinder glaubt man itzt weit feiner natürliche kinder nennen
[] zu können; welche benennung, nach Logaus zeiten (
das ist unrichtig), aus der französischen in die deutsche sprache gekommen ist. Lessing 5, 307; mein meister ... erzog einen einzigen natürlichen sohn bei sich. Göthe 34, 25; man hegte von ihm die vermuthung, dasz er ein natürlicher sohn sei. 26, 136; die memoiren der Stephanie von Bourbon Conti erregen in mir die conception der 'natürlichen tochter'. 31, 84; übrigens wandte er (
Philipp II.) alles an, um seine natürlichen töchter allen augen zu verbergen. Schiller 4, 106;
die eltern solcher kinder heiszen natürliche eltern. Zedler 23, 986. I@3@dd) natürlicher erbe,
durch geburt und verwandtschaft berechtigter, nicht durch testament eingesetzter erbe, heres ab intestato. Stieler 383. Zedler 23, 987. I@3@ee) natürlicher narr,
morio. voc. 1482 x 3
a. I@3@ff)
theologisch der natürliche mensch,
s. unter II. I@44)
von der natur gegeben, angeschaffen, angeboren: naturlich oder artig,
naturalis, genialis. voc. 1482 x 3
a; naturlich, angebohren, was die natur mit sich bringt. Rädlein 669
a. I@4@aa)
äuszerlich: natürlich farb,
nativus color Maaler 303
c; die natürliche hautfarbe der Kaffern. Kant 10, 49;
übertragen: die natürliche farbe eines charakters genügte ihnen nicht .. und so lieszen sie von dem zinnober der übertreibung die frische blutröthe erst bedecken, dann verderben. Börne 1, 97. I@4@bb)
innerlich: mhd. von natiurlîcher tôrheit. Boner 99
überschrift; des menschen gestalt und seiner glider schickung bezaichent uns sein natürleich siten. Megenberg 42, 18;
nhd. naturlich tugent,
virtus naturalis. voc. 1482 x 3
a; natürlicher verstand und neigung,
ingenium Maaler 303
c; natürliche fähigkeit,
alacritas naturaliter innata Aler 1455
b; natürliche liebe ist zwischen vater und kind. Luther 1, 170
a; natürliche neigung zwischen man und weib. 6, 452
b; die natürliche liebe der kinder gegen die eltern. Wieland 14, 140; die natürliche liebe eines menschen zum andern.
ebenda; eine natürliche empfindung für die schönheit. 186; die antipathie oder die natürliche abneigung eines gegen den andern. Winkelmann
allegorie 139; sein natürlicher widerwille gegen die ... tugenden. Wieland 3, 99; die aus dem natürlichen hang entspringende fähigkeit oder unfähigkeit der willkühr. Kant 6, 188; eine natürliche anlage (
naturanlage). Göthe 54, 286; der natürliche charakter. Schiller 10, 282; o du weiszt allzugut, dasz unser herz an natürlichen trieben so fest als an ketten liegt. 3, 445 (
kabale 3, 6); die natürliche eigenliebe. Börne 1, 288; natürliche religion ... die mit uns gebohren wird und die nicht von dem glauben und von der offenbarung herrühret. Zedler 23, 1010; vernunftmäszige und natürliche religion ist zweierlei.
Frankf. gel. anz. (1772) 67, 30
neudruck; das object der natürlichen religion. Kant 1, 90; natürlich rächt,
jus naturale Maaler 303
c; das natürlich recht ist, so die natürlichen gemeinschaften erhält und befördert. Leibnitz 1, 410.
prädicativ mit dativ: der aufrechte gang des menschen ist ihm einzig natürlich. Herder
ideen 1, 153; der trieb, herdenweise mit einander zu laufen, der den meisten zahmen thieren natürlich ist. Wieland 14, 141; der glaube an einen gott ist instinet, er ist dem menschen natürlich. Lichtenberg
verm. schriften 1, 145; sie hat nicht tanzen gelernt; es ist ihr natürlich. Lessing 1, 465. I@55)
in der natur, durch die natur (
nicht auf mechanische, willkürliche, künstliche oder wunderbare weise)
geschehend, gegeben oder hervorgebracht und in natürlichem zustande erhalten; oft mit dem ausgesprochenen gegensatze. I@5@aa) natürliche begebenheiten, welche in dem reiche der natur vorgehen. Zedler 23, 974; natürliche weltbegebenheiten sind solche, wovon die kraft der natur die wirkende ursache ist. Kant 6, 58; welche behaupten ..., die natürlichen begebenheiten wären viel gröszer als die ... übernatürlichen begebenheiten. Chr. Wolff
vern. ged. von gott § 1040; natürliche finsternisse. Arndt
vom wahren christenth. (1666) 3, 85; ich hatte so viel mit betrachtung des natürlichen zu thun, dasz ich fürs wunderbare keine zeit übrig behielt. Wieland 19, 33; es ist bei diesem .. mährchen .. ziemlich leicht, das natürliche und wahre von dem wunderbaren zu unterscheiden. 27, 119. 14, 20. I@5@bb) natürliche dinge Maaler 303
b c; erkendtnusz aller natürlichen dingen. Paracelsus 1, 239; die natürlichen dinge in dieser sublunarischen welt. Wieland 14, 72; natürliche sachen (
gegensatz zu kunstsachen). Göthe 28, 120; das häutel (
des ohrs) ist vol natürleichs lufts. Megenberg 11, 12; wann der natürliche (
nicht durch einen blasebalg erzeugte) wind töne auf saiten
[] hervorbringt. Lichtenberg
verm. schriften 6, 9; naturlich bad,
termae. voc. opt. 25, 31. Murner
narrenbeschw. 62, 21; natürlich wasser,
aqua viva Denzler 210
b; naturlich (
nicht angemachtes) feur.
voc. 1482 x 3
a; natürlicher stein,
saxum vivum. ebenda; natürlicher rusz, kalk
u. dgl. Jacobsson 6, 631
a; natürliche waaren (
metalle u. dgl. im gegensatz zu den manufacturen). 632
a; die natürlichen (
nicht eingepfropften) zweige.
Röm. 11, 21. 24; natürliche blätter und blumen. Börne 1, 350. 363; natürliche und künstliche producte. Göthe 18, 52; natürliche schlangen. 38, 17; natürlich (
nicht falsches) har,
coma Aler 1455
b; die haare der männer wallen noch in natürlichen locken über die schulter. H. Heine (1876) 6, 139; natürliche (
nicht maskierte) gestalt. Wieland 3, 105; sie .. sagte, mit einem herzen, welches brach, und also in seiner natürlichen gestalt erscheinen muste. Hermes
Soph. reise (1776) 6, 47. I@5@cc) natürliche besaamung des forstes. Jacobsson 6, 631
a; eine natürliche bewässerung, wasserleitung, befestigung, grenze
u. dgl. I@5@dd) dasz die mahlerei sich natürlicher zeichen (
sichtbarer zeichen, linien, farben) bedienet, musz ihr allerdings einen groszen vorzug vor der poesie gewähren, welche sich nur willkührlicher zeichen bedienen kann. Lessing 11, 155 (
dazu Herder
krit. wälder 1, 194); mahlen heiszt, einen gegenstand nicht durch blosz willkührliche verabredete zeichen für den verstand andeuten, sondern ihn durch natürliche zeichen vor die sinnliche empfindung bringen. Engel 4, 300. I@66)
dem naturzustande entsprechend, ungekünstelt, einfach, ungezwungen, ungesucht, offen, ohne berechnung und absicht. vergl. naiv. I@6@aa)
prädicativ: o wie freut es mich mein liebchen, dasz du so natürlich bist. Göthe 1, 161; wir sind bieder und natürlich, und das ist genug gethan. 163; wenn sie sprach, war sie angenehm und natürlich. 27, 14; dieser brief scheint mir ziemlich natürlich zu sein. Gellert (1867) 4, 36. 60. I@6@bb)
attributiv: natürliche einfalt. Hagedorn 3, x; das natürliche betragen. Kant 10, 128; die natürliche art zu denken. Gellert (1867) 4, 45; zuweilen kostet aber das leichte, das natürliche in einem gedanken .. die meiste mühe. 19; natürliche schreibart. 30; simpler natürlicher vortrag.
Frankf. gel. anz. (1772) 155, 22
neudruck; ihre beschränktheit, deren manirirtes aber sich gar leicht in ein natürliches verwandeln liesz. Göthe 31, 86; zu einer zeit, wo nach Diderots grundsätzen und beispielen die natürlichste natürlichkeit auf der bühne gefordert .. wurde. 24, 148; gelehrte liebhaber, die auch das einfachste natürlichste werk nicht ohne commentar lassen können. 38, 89; die natürliche wahrheit seines charakters. Schiller 10, 436. I@77)
der wirklichkeit, dem vorbilde entsprechend, naturgetreu: bair. der bue is der natürli vater,
ist dem vater in allem gleich, ist der leibhaftige vater. Schm. 1, 1769
Fromm.; der schmerbauch mit der kahlen platte .. sieht in der geschwollnen ratte sein natürlich ebenbild. Göthe 12, 107; die beschreibungen (
Homers) .. kommen uns poetisch vor und sind doch unsäglich natürlich. 28, 243; dem kunstwerk einen solchen gehalt, eine solche form zu geben, wodurch es natürlich zugleich und übernatürlich erscheint. 38, 10.
auch das künstliche
wird, wenn es naturgetreu ist, natürlich,
s. theil 5, 2714. I@88)
in der (
physischen oder sittlichen)
natur und in deren gesetzen und ordnung begründet, daraus hervorgehend und folgend, naturgemäsz: was in dem wesen und der krafft der cörper, das ist in ihrer natur gegründet ist, oder auch seinen grund in dem wesen und der krafft der welt, das ist der gantzen natur hat, das heiszet natürlich. z. e. dasz die sonne auf- und unter-gehet, ist in dem wesen und der krafft der welt gegründet, und demnach natürlich; dasz das wasser in der warmen lufft ausdunstet, ist in dem wesen und der krafft des wassers und der warmen lufft gegründet, und demnach natürlich; dasz der magen die speise verdauet, ist in seinem wesen und seiner krafft gegründet, und demnach natürlich. Chr. Wolff
vern. gedanken von gott, der welt u. s. w. § 630,
vgl. 1039; der rauch ist ein natürliches zeichen des feuers. § 293; die meinung, dasz leib und seele nicht natürlicher weise, sondern durch den kräfftigen willen gottes in einander würcken. § 764.
im einzelnen [] I@8@aa)
von weltkörpern und naturerscheinungen: mhd. die planête hânt zwêne genge, einen betwungenlîchen hânt si mit dem firmamente von oriente ... der ander ganc ist der natûrlich ganc, den die planêten hânt von occidente wider daʒ firmamente.
Meinauer naturlehre 2; natûrlicher tag, der an der mitten naht ane gât unde zuo mitter naht ûʒ als ein umbecreiʒ. 9. I@8@bb)
von der beschaffenheit, veränderung und den physischen verrichtungen des menschlichen körpers: den visch (
echinus) schol man niht eʒʒen oder man iʒt den tôt dar
an. wan so er geʒʒen wirt, so verändert er den menschen auʒ dem satz seiner natürleichen schickung. Megenberg 251, 26; natürliche handlungen sind diejenigen, welche aus dem wesen des leibes ... nothwendig erfolgen, z. e. dasz der magen die speisen verdauet. Zedler 23, 1001; alle natürliche veränderungen des leibes sind in seinem wesen und seiner natur gegründet. Chr. Wolff
a. a. o. § 765; naturliche bewegung der frauen,
menstrua mulierum. voc. 1482 x 3
a; natürliches werk,
die begattung. Wyle
frau glück; essen und trincken, weib und kinder zeugen und ander natürliche werck des leibs und dieses lebens treiben. Luther 6, 209
a; ire weiber haben verwandelt den natürlichen brauch in den unnatürlichen .. auch die man haben verlassen den naturlichen brauch des weibes und sind an einander erhitzet in iren lüsten, und haben man mit manne schande gewircket.
Röm. 1, 26. 27; dann ihr auch .. wissen solt, dasz er ein doctor der arznei gewesen und deshalben ihm ein schlecht gewissen gemacht, etwan von natürlichen sachen natürlicher zu reden. Fischart
Garg. (1590) 8; wenn sie selbst mit unbefangener freimüthigkeit manches natürliche, das man sonst gegen einen andern aus anstand zu verheimlichen pflegt, vor ihm nicht zu verbergen suchte. Göthe 18, 89;
besonders in bezug auf die naturgemäsze entleerung des körpers: ein natürliches bedürfnis befriedigen, die natürliche nothdurft (
oder blosz die nothdurft) verrichten; fliegen, die uns zuweilen in der natürlichen not auff dem heimlichen gemach wollen in den hindern kriechen. Luther 8, 257
a; alles was zum munde eingehet, das gehet in den bauch, und wird durch den natürlichen gang ausgeworffen.
Matth. 15, 17. I@8@cc)
vom tode: natürlicher tod,
mors naturalis Stieler 2289; natürlichen (
nicht gewaltsamen) todes sterben,
sua morte mori Aler 1455
b; der erschröcklich, natürlich dot, der in bringt in die letzten noht. H. Sachs 13, 528, 1; denn das hat kein menschen hertz erdacht noch vor sich selbs erfunden, das der tod ein straffe sei der sünden, sondern haben alle also gedacht und gehalten, als sei es ein natürlicher anfal, gleich wie ein hund oder saw oder ander thier stirbt ... uns lehret die schrifft, das unser tod und sterben nicht natürlicher weise herkömet, sondern eine frucht und straffe ist der sünde unsers vaters Adam. Luther 6, 232
b. I@8@dd)
von abstractionen: naturlich ursache,
ratio naturalis. voc. 1482 x 3
a; die natürliche nothwendigkeit. Chr. Wolff
vern. ged. von gott § 575; nach den natürlichen und wesentlichen pflichten die freien handlungen auf einen zweck zu richten. Hagedorn 1, 15; der natürliche lauf der dinge. Göthe 25, 336; krankheiten des körpers, mehrentheils die natürlichen folgen der unmäszigkeit. Schiller 1, 164; natürliche erfolge. 10, 281; natürliche verhältnisse. 437; das natürliche bedürfnis eines verliebten, jemand zu haben, dem er sein leiden ... entdecken kann. Wieland 3, 98; ein natürlicher rückschlag. Gervinus 5
5, 153;
prädicativ mit dativ: eines fehltritts wegen, ... der dem heftigen charakter des jünglings sehr natürlich (
angemessen) war. Schiller 5, 2, 378 (
don Carlos 4, 19). I@8@ee)
von der naturgemäszen, von der natur bestimmten lage oder stelle eines gegenstandes: augen, die an ihrem natürlichen platze stehen. Wieland 19, 34; die wörter (
eines satzes) von ihrer natürlichen stelle verdrängen (
den satz in unrichtige wortfolge bringen). Gellert (1867) 4, 64. I@99)
dem laufe der natur oder dem natürlichen zustande gemäsz, normal: natürlicher verlauf einer krankheit, natürlicher gang und verlauf der ereignisse
u. s. w.; der plan ist gut angelegt und hat einen natürlichen gang.
Frankfurter gel. anz. 140, 29
neudruck; der magen, die gedärme (
der leiche) waren natürlich, nur die groszen waren etwas aufgeblasen. Schiller 1, 53.
[] I@1010)
aus der natur der sache sich von selbst ergebend, leicht erklärlich und begreiflich, selbstverständlich: so ist nichts natürlicher und begreiflicher, als dasz diese untersuchung unterbleibt. Kant 2, 40; die natürliche frage. 5, 74; wir haben uns den ganzen tag nicht allein gesprochen ... und nichts ist natürlicher als dasz man sich nach einer vertraulichen stunde sehnt. Göthe 17, 127; nichts war natürlicher, als dasz ich aufsuchte was uns über diese materie in schriften überliefert worden. 54, 307; dasz hierdurch nichts ausgemacht wurde .. war ganz natürlich. 54, 290; und da ist es wohl natürlich, dasz ich nicht immer weisz wo ich stehe. 27, 285; das ist eine ganz natürliche frage. 52, ix; die natürlichste sache von der welt. Wieland 19, 141; bei allem dem war es natürlich, dasz. 27, 60; er schien diesz für eine .. natürliche folge seiner meinung .. anzusehen. 27, 121; natürlicher weise
oder auch zusammengerückt natürlicherweise: natürlicherweise hat das publicum auf die kunst groszen einflusz. Göthe 38, 18; der geist der kunst musz hier natürlicher weise das ganze beseelen. Schiller 3, 532; natürlicher weise ist eher das gegentheil zu vermuthen. Wieland 13, 94; natürlicher weise läszt man sich nicht gern ohne noth schlaflose nächte machen. 19, 144;
in ironischem sinne: das haus eines kanzlers ist natürlicher weise eine freistadt der tugend. Lessing 2, 184 (
E. Galotti 5, 5). — am natürlichsten,
ganz begreiflicher weise, am einfachsten. Kant 6, 51.
vergl. th. 1, 275. IIII.
der sinnenwelt angehörend, sinnlich, irdisch, körperlich, fleischlich, vergänglich, im gegensatze zu geistig, ewig, unsterblich: es wird geseet ein natürlicher leib, und wird aufferstehen ein geistlicher leib.
1 Cor. 15, 44
und dazu Luther 6, 262
a ff.; Adam ist zum ersten ins natürliche leben gemachet. weil aber dasselb auffhöret und ein anders folgen sol .. so mus es nicht abermal natürlich sondern ein geistlich leben sein. 6, 263
b; gleichwie unser natürliches leben seine gradus hat, seine kindheit, mannheit und alter: also ists auch beschaffen mit unserm geistlichen und christlichen leben. Arndt
vom wahren christenth. (1666) 3, 3; das natürliche liecht
im gegensatze zu gnadenliecht 3, 55 (
s. naturlicht); du siehst nur das natürliche der dinge .. ich habe das unsterbliche mit augen gesehen. Schiller 13, 317 (
jungfr. v. Orl. 5, 4); der natürliche mensch,
der mensch in seinem naturzustande nach dem sündenfalle, der sündige, nicht durch die göttliche gnade geläuterte und wiedergeborne mensch. Zedler 23, 1008; der natürliche mensch aber vernimpt nichts vom geist gottes. 1
Cor. 2, 14; der natürliche mensch übertrifft alle thier an boszheit. Arndt
a. a. o. 2, 52; da sihestu, was der natürliche mensch in göttlichen dingen vermag? lauter nichts. 3, 55; der natürliche (
zeitliche) tod,
entgegengesetzt dem ewigen tode.