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Natürlich

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Campe
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Eintrag · Campe (1807–1813)

Natürlich adj, adv

Bd. 3, Sp. 462b
Natürlich, — er, — ste, adj. u. adv. überhaupt, der Natur gemäß, in der Natur gegründet, damit übereinstimmend. 1) I der ursprünglichen Art und Einrichtung eines Dinges gegründet, derselben angemessen. Die natürlichen Eigenschaften eines Menschen, die er von der Natur hat, mit welchen er geboren ist; in Gegensatz von den erworbenen, durch Erziehung  erlangten. Natürliche Fähigkeiten, Triebe, welche die Natur in uns gelegt hat. Die natürliche Gemüthsart eines Menschen. Ein natürlicher Hunger, welchen Menschen und Thiere vermöge ihrer natürlichen Einrichtung d. h. welche ihnen die Natur gegeben hat, empfinden. Natürliche Bewegungen oder Vorgänge im Körper, solche, die nach der ursprünglichen Einrichtung des Körpers, und ganz unwillkührlich erfolgen, als, die Verdauung, die Absonderung der Säfte, der Blutumlauf , welche Ad. nicht gut natürliche Handlungen nennt. Der Wunsch nach Gesundheit und Wohlsein ist ein ganz natürlicher Wunsch. Was kann natürlicher sein, als daß man ißt, wenn man hungert, ruhet wenn man ermattet ist! Die Liebe, die Tugend, die Sünde ist dem Menschen natürlich, der Mensch hat von der Natur Empfänglichkeit, Anlage dazu. Der natürliche Tod, welcher nach den Gesetzen der Natur von selbst erfolgt; zum Unterschiede von einem gewaltsamen. I der Sprache der Gottesgelehrten wird der natürliche, auch, der leibliche oder zeitliche Tod, d. h. der Tod des Körpers, dem geistlichen und ewigen entgegengesetzt. Das natürliche Leben, das thierische, in Gegensatz des geistigen und geistlichen. Die natürliche Gotteslehre oder Religion, welche bloß aus der rechten Anwendung der Vernunft und aus vernünftiger Betrachtung der ganzen Natur entspringt; in Gegensatz einer gegebenen und geoffenbarten. Natürliche Strafen, solche die nothwendig aus den Gesetzen der Natur aus den Verbrechen folgen, in denselben ganz gegründet sind; in Gegensatz der willkührlichen. Natürliche Pflichten, welche uns die Natur auflegt, welche auf Gesetzen der Natur beruhen. Die natürlichen Folgen, welche nach den Gesetzen der Natur aus einer Sache entstehen, ihren Grund allein in der Sache haben. Das folgt daraus ganz natürlich. Natürlich mußte es so kommen. Da etwas was natürlich ist, was nach Gesetzen der Natur, also nothwendig, von selbst aus einer Sache folgt, von jedem Menschen leicht erkannt werden kann, gebraucht man natürlich im gemeinen Leben auch als eine Bejahung, Bestätigung von einer Sache, die sich gleichsam von selbst verstehet. Ungewöhnlich ist es aber natürlich für, von Natur zu gebrauchen. »Alle Menschen sind natürlich eitel.« Weish. 13, 1. I Wasserkunstbaue nennt man es einen natürlichen Fall, oder das Wasser werde durch einen natürlichen Fall in die Höhe gebracht, wenn das Wasser durch Röhren von einem Orte zum andern geleitet wird. I weiterem Sinne ist natürlich, der eigenthümlichen Art und Weise einer Sache gemäß und darin gegründet. Aus der Sache konnte natürlich nichts werden, da sie gleich falsch angefangen war. I einer andern weitern Bedeutung ist natürlich, mit einer Sache zugleich entstehend und in diesem gleichzeitigen Entstehen gegründet. Ältern und Kinder, und Geschwister stehen in einer natürlichen Verbindung mit einander, oder auch, sie sind durch natürliche Bande mit einander verbunden, d. h. die Kinder und Geschwister sind schon durch die Natur so eng mit den Ältern und mit einander verbunden, sie treten gleich bei ihrer Geburt in dieses nahe Verhältniß zu einander. Die natürliche Gesellschaft, die Gesellschaft zwischen Ältern, Kindern und Geschwistern, in welche sie sogleich bei der Geburt treten. Der natürliche Oberherr, unter dessen Oberherrschaft man geboren ist, und dem man von seiner Geburt an unterworfen ist. Der Rauch ist ein natürliches Zeichen des Feuers, weil er nur mit oder bei einem Feuer entstehet. Besonders häufig bezeichnet natürlich, der ursprünglichen Art zu sein gemäß und darin gegründet, mit Ausschließung aller willkührlichen Einwirkungen und Veränderungen von außen, wo es dann überhaupt dem Künstlichen in weiterer und engerer Bedeutung, wie auch dem Gekünstelten, Gezwungenen entgegengesetzt wird. Der natürliche Mensch oder Naturmensch, der im Stande der Natur lebt. S. Natur 1). Ein natürlicher Mensch, der auch in der bürgerlichen Gesellschaft unter gesitteten Menschen, die sich von der Natur mehr oder weniger entfernen, der Natur wenigstens in Hauptsachen getreu bleibt, sich nicht verstellt, offen, vertraulich und einfach ist. I engerer Bedeutung nennt man einen Menschen, besonders ein Kind, natürlich (naiv), wenn sie unter Menschen, die sich von der Natur mehr oder weniger entfernt haben, der Natur gemäß sprechen und handeln, dadurch von der Kunst oder dem Künstlichen der Menschen sehr abstechen und sie beschämen. Sie gefällt wegen ihres natürlichen (naiven) Wesens. Ein natürlicher Einfall. — Die natürliche Freiheit, welche jedes Geschöpf im Stande der Natur genießt. Natürliche Rechte, welche jedem Menschen von Natur zukommen. Die natürliche Erbfolge, wo immer die Kinder von den Ältern erben; zum Unterschiede von jeder andern dnrch Übereinkunft, Vertrag  bestimmten. I natürlicher Verbindung leben, in einer Verbindung, welche bloß das natürliche Bedürfniß und die Neigung schließt; in Gegensatz von jeder andern bürgerlichen oder rechtlichen Verbindung in der bürgerlichen Gesellschaft. Ein natürliches Kind, ein in einer solchen natürlichen, unehelichen Verbindung gezeugtes Kind, welches zu den Rechten anderer Kinder, welche in einer gesetzmäßigen Ehe geboren und eheleibliche Kinder sind, unfähig ist. Der natürliche Tag, der von Aufgang bis zum Untergang der Sonne dauert; zum Unterschiede vom künstlichen im gesellschaftlichen Leben, der von einer Mitternacht bis zur andern gerechnet wird. Ein natürliches Jahr, die Zeit von einem Frühlinge oder Herbste bis zum andern, bei Stieler das Naturjahr. Natürliches Haar, eigenes Haar, in Gegensatz des falschen. Eine natürliche Gesichtsfarbe, die durch Umstände nicht verändert, die nicht gekünstelt ist. Natürlicher Wein, der nicht gekünstelt ist, sondern so, wie er aus der Traube kömmt. Eine natürliche Bewegung, Stellung, eine ungezwungene. Eine natürliche Schreibart, eine ungekünstelte, ungezwungene. Mit Unrecht wird natürlich zuweilen als ein gelinderer Ausdruck für plump, ungeschickt gebraucht, weil man sich verleiten läßt, das von der Natur sich mehr oder weniger entfernende Künstliche und Abgemessene anständig und fein zu nennen. Das kam ziemlich natürlich heraus. Zuweilen heißt natürlich auch weniger künstlich, weniger gesucht, in Gegensatz des mehr Künstlichen, mehr Gesuchten. So ist in der Tonkunst die natürliche Tonleiter eine solche, deren Töne durch keine vorgesetzte Zeichen verändert werden, zum Unterschiede von einer solchen, wo dies geschieht, der vorgesetzten. 2) Der Natur, d. h. der in allen Wesen ursprünglich liegenden und die Verschiedenheiten und Veränderungen an und mit denselben begründenden Kraft als Eins betrachtet, gemäß, darin gegründet, daraus herzuleiten und verständlich; in Gegensatz von unnatürlich, widernatürlich, übernatürlich. Natürliche Begebenheiten, Erscheinungen, Ereignisse, wofür man gewöhnlicher Naturbegebenheiten, Naturerscheinungen, Naturereignisse gebraucht. Das gehet ganz natürlich zu. Die natürliche Zauberei, die Zauberei, d. h. Bewirkung auffallender und dem Unkundigen unerklärbarer Erscheinungen, welche auf ganz natürliche Art, d. h. nach den Gesetzen der Natur hervorgebracht werden. Daher ist der gemeine der Naturgesetze und Naturgeheimnisse unkundige Haufe geneigt, Alles was er nicht begreifen und erklären kann, für nicht natürlich zu halten, und bei solcher Gelegenheit zu sagen, das geht nicht natürlich zu, geht nicht mit natürlichen Dingen zu  3) Zur Natur, sofern der Ibegriff aller Dinge darunter verstanden wird, gehörig. So nennt man natürliche Körper in engerer Bedeutung solche, welche zu einem der drei Reiche der Natur gehören. Dann, der Natur oder einem Gegenstande in der Natur ähnlich, gemäß. Ein natürliches Gemählde, in welchem die Natur treu nachgeahmt ist, welches sie treu darstellt. Das Bild ist ganz natürlich, ist dem Gegenstande, den es vorstellen soll, ganz ähnlich, stellt seine Natur treu dar. Einem etwas sehr natürlich nachahmen. Eine Rolle sehr natürlich spielen. Das sieht natürlich so aus, gerade so, eben so. — Die Steigerung dieses Wortes findet nur in denjenigen Bedeutungen Statt, wo eine Vergleichung möglich ist.
8420 Zeichen · 84 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Natürlich

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Natürlich , -er, -ste, welche Comparation doch nur in einigen Fällen üblich ist, adj. et adv. der Natur gemäß, in der Na…

  2. modern
    Dialekt
    natürlich

    Elsässisches Wb. · +3 Parallelbelege

    natürlich [nàtírlik O.; nàtírlik und nàtírli Hlkr. ; nàtírli K. Z. ; nàtírliχ Str. Wörth Betschd. Han. W. ] Adj. und Adv…

  3. Sprichwörter
    Natürlich

    Wander (Sprichwörter)

    Natürlich 1. Es ist ganz natürlich, dass ein todt Pferd still liegt. Holl. : Het is natuurlijk, dat een dood paard stil …

  4. Spezial
    natürlichadj

    Dt.-Russ. phil. Termini · +2 Parallelbelege

    natürlich , adj естественный , п

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit natuerlich

24 Bildungen · 19 Erstglied · 2 Zweitglied · 3 Ableitungen

Ableitung von natuerlich

natur + -lich

natuerlich leitet sich vom Lemma natur ab mit Suffix -lich, mit Umlaut-Wechsel.

natuerlich‑ als Erstglied (19 von 19)

Natürliche Kinder

Meyers

naturliche·kinder

Natürliche Kinder , die leiblichen Kinder eines Elternpaares im Gegensatz zu adoptierten, dann im gewöhnlichen Sprachgebrauch soviel wie une…

natürlichemang

MeckWB

naturliche·mang

natürlichemang natürlich Reut. 2, 49; natürlichermang 7, 340; natürlichement mit franz. Schreibung Bri. Pl. Nachl. 1, 96.

Natürliche Person

Meyers

naturliche·person

Natürliche Person , nach allgemeiner Rechtsanschauung jeder lebende Mensch. Nicht im Gegensatze hierzu, sondern neben ihr steht die juristis…

Natürliche Religion

Meyers

naturliche·religion

Natürliche Religion , das lediglich auf der vernünftigen Natur des Menschen beruhende religiöse Verhalten im Gegensatz zur geoffenbarten Rel…

natürlicherweise

GWB

natuerlich·er·weise

natürlicherweise auch Getrenntschr; einmal (in Sparformel) elliptisch (vgl 2) 1 aus der Natur der Sache a selbstverständlich, begreiflicherw…

natürlicherwis'

MeckWB

natuerlich·er·wis

natürlicherwis' natürlich, selbstverständlich: natürlicherwis' möt he wat (nämlich zu trinken) utgäben Wa; Ja natürlicherwis' Starben Rotten…

natürlichkeit

DWB

natuerlich·keit

natürlichkeit , f. , mhd. natûrlîcheit, natiurlîcheit, naturalitas. 1 1) die angeborne art und anlage, der naturtrieb: naturlichkeit, instin…

natürlichkeiten

DWBQVZ

natürlichkeiten der sinnlichen und empfindsamen liebe s. Scheffner, Joh. George.

natürlichschön

DWB

natuerlich·schoen

natürlichschön , adj. : werden die liebhaber der poesie an unserm alten dichter ( Logau ) einigen geschmack finden: so freuen wir uns, dasz …

natürlichwahr

DWB

natuerlich·wahr

natürlichwahr , adj. : wir verschwören uns gar zu gern mit dem irrthum gegen das natürlichwahre. Göthe 48, 188 . vergl. naturwahr .

natürlichwürdig

GWB

natuerlich·wuerdig

natürlich vereinzelt abgekürzt ‘natürl.’; mitteldt ‘nadierlich’ Gespr(He2,73) ; subst auch Kleinschr; oft komp u superl. Zu ‘n-er Weise’ s n…

natuerlich als Zweitglied (2 von 2)

unnatürlich

DWB

unnatur·lich

unnatürlich , adj. adv. , gth. v. natürlich. mhd. unnatûrlich; mnd. unnatûrlik; mnl. onnatuurlijc; nl. onnatuurlijk; dän. unaturlig; schwed.…

widernatürlich

DWB

widernatur·lich

widernatürlich , adj. , der natur zuwider. gegenüber unnatürlich ( teil 10, 3, sp. 1205) hat das wort in neuerer zeit » den begriff ' wider …

Ableitungen von natuerlich (3 von 3)

unnatürlich

DWB

unnatürlich , adj. adv. , gth. v. natürlich. mhd. unnatûrlich; mnd. unnatûrlik; mnl. onnatuurlijc; nl. onnatuurlijk; dän. unaturlig; schwed.…

urnatürlich

DWB

urnatürlich (ur- C 4 a und c) Berlepsch Alpen 317 ; Spielhagen 7, 134 .

Vernatürlichen

Campe

Vernatürlichen , v. trs . natürlich machen; wie auch, der Natur ähnlich machen. I engerer und uneigentlicher Bedeutung, ○ Fremdlinge als Bür…