nachdenken,
verb. vereinzelt im 15.
und dann häufiger im 16.
jahrh. gebräuchlich: nd. naedenken, nadenken Kil. 310
b. Kramer 1, 211
b. Schambach 142
a.
vgl.nachgedenken. 11)
zurückdenken an (
dativ),
mit gedanken nachfolgen. mhd. mit präpositionaler fügung: er dâhte ouch dikke nâch den zwein. Ulrich v. Türh.
Tristan 1415;
nhd. und ob ich ir (
frau) dan vast nach decht und wolt iren worten auch gelauben.
fastn. sp. 233, 3. 22)
durch denken einem gegenstande näher treten, die gedanken auf ihn richten, ihm denkend nachhängen, um ins klare, zum verständnis, zu einem entschlusse zu kommen. 2@aa)
mit dativ der sache: er mus die geschicht der berümbten leute merken und derselben nachdenken.
Sirach 39, 2; was warhaftig ist .. ist etwa eine tugent, ist etwa ein lob, dem denket nach.
Philipp. 4, 8; der üppigkeit nachdenken,
libidinose cogitare. Maaler 297
c; wan man dem wesen der Teutschen eigentlich nachdenket. Schottel
präf.; versaumet ja nicht, disen sachen wol nach zu denken spaht und früh. Weckherlin 11; sie (
die jugend) liebt nur ihr gemach, denkt künftigem nicht nach. Logau 3, 6, 6
Eitner; der Judas dacht den sachen nach. P. Gerhard 12, 124
Gödeke; wir haben schiffbruch erst im hafen hie erlitten, nachdem wir allerdings die rais schon überstritten, und da nun widerum der heimfahrt nachgedacht. Rompler 131; als er so groszer noth zu peinlich nachgedacht. Hagedorn 2, 69; ich schlosz die augen zu, dacht ihrem liebreiz nach. E. v. Kleist 1, 54; so sprach Adam mit seliger ruh, und seine gefährten dachten mit ihm dem frohen gedanken der erniedrung mit dem versöhner, und von dem letzten tage der erde wonnevoll nach. Klopstock
Mess. 11, 207; wie dürft ich?denk ihm nach: der unschuld blut befleckt mich sehr, und oft flosz dieses blut.
Salomo 5, 6; eine meinung prüfen und ihr nachdenken. Kant 8, 427; sie können sich unmöglich die zeit nehmen, einer stelle, deren sinn ihnen nicht beim ersten anblick in die augen springt, ein wenig nachzudenken. Wieland 8, 225; aber, wie die weiber sind, wenn sie sehen, dasz man über eine kleinigkeit viel wesens macht, so denken sie der sache nach. 265; denkt diesen wenigen und vielsagenden worten recht nach. Klinger 11, 185; ich dachte der ursache nach. Göthe 38, 175; ich beschäftigte mich doch keineswegs diesem widerspruch nachzudenken. 25, 227;
Verrina: du hast uns aufgefordert, einem plan zum tyrannenmord nachzudenken. Schiller 3, 94;
Macbeth zu den mördern: nun? habt ihr meinen reden nachgedacht? 3, 71; die zecher haben stumm und grausend dem wort des hasses nachgedacht. Lenau (1880) 2, 141.
Mit angabe der richtung des nachdenkens. Prodigus: was saget ihr dann zur andern frage?
Joh. v. Bouset: ich musz ihm ein wenig nachdenken in die heilige schrift hinein. J. v. Braunschweig 133
Tittm. 2@bb)
mit präpositionen. Mondekar: ich fühle, dasz ich strafbar bin.
könig: deszwegen vergönn ich ihnen zehen jahre zeit, fern von Madrid darüber nachzudenken. Schiller 5, 185 (
don Carlos 1, 6); weil wenig maler darauf nachgedacht haben. Hackert
bei Göthe 37, 370. 2@cc)
mit abhängigem satz: was aber die heszliche lehre für miszbrauch eingefüret, kan niemandts gnug nachdenken. Melanchthon
apol. augsb. confess. 151; ist es wahr, so denk ein jeder selbst nach, wie der teufel dazu in die faust lacht. Schuppius 645; und da möchte man nachdenken, warum ... Chr. Weise
erzn. 159
neudruck; denkt nur recht nach, wie viele, und wie fleiszige kirchengänger unsre kathedrale ... haben werde. Klopstock 12, 361. 2@dd)
ohne rection, sich denkend beschäftigen, nachsinnen, überlegen: denn do sie mit seinem (
gottes) geschepf umgehen und nachdenken, werden sie gefangen im ansehen, weil die creatur so schöne sind, die man sihet.
weish. 13, 7; ein esel der weisz nie sein bestes zu erwegen, disz volk denkt auch nicht nach. Opitz
lob d. kriegsg. 317; geh in dein herz und denke nach. P. Gerhard 32, 52
Gödeke; er sucht die ursach zu ergründen, denkt lächelnd nach und sieht mir ins gesicht. Göthe 3, 132
Hempel; die nachdenkende seele. Kant 3, 57; Jarno war einen augenblick nachdenkend, dann sagte er zu seinem jungen freunde. Göthe 20, 26; Franz v. Moor nachdenkend in seinem zimmer. Schiller
räuber 2, 1.
sprichwörter: wer wol kann nachdenken, der darf nicht viel fragen. Wander 3, 634; wer wol kann nachdenken, der darf nicht viel nachdenken. 635. 33)
den gedanken eines vorgängers folgen, um sie zu begreifen oder dessen art zu denken sich anzueignen. 3@aa)
intransitiv mit dativ: die praecepta recht verstehen und inen nachdenken lernen.
M. Neander
bedenken 30; ehe wir selbst denken, müssen wir einem andern nachdenken lernen. Engel 1, 263; am wenigsten sind sie (
unsere übersetzer) vermögend, ihrem originale nachzudenken. Lessing 6, 7. 3@bb)
transitiv: ich habe allerlei nachgedacht. Göthe 16, 38; grosze gedanken nachdenken. Niebuhr
lebensnachr. 2, 210.
mit dativ der person: einem einen gedanken nachdenken. Klinger 10, 276; freue dich, höchstes geschöpf, der natur, du fühlest dich fähig ihr den höchsten gedanken, zu dem sie schaffend sich aufschwang, nachzudenken. Göthe 3, 99.
Das object ausgedrückt durch einen abhängigen satz: indem ich nachgedacht, was ich den ganzen tag gemacht. Brockes 1, 141.