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müßig

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GWB
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Eintrag · Goethe-Wörterbuch

müßig

Bd. 6, Sp. 404
müßig mehrf -s-, -ss-;m. gehen’ im Übergang zur Verfestigung 1 untätig, ohne Arbeit, Aufgabe, Beschäftigung a vorübergehend nicht beschäftigt, gerade nicht arbeitend, freie Zeit habend; mehrf mit Litotes ‘nicht m. sein/bleiben’; öfterm. herumlaufen’ uä: ziellos herumschlendern; einmal ‘m-es Herz’ iSv in keiner Liebesbeziehung gebundene Person Er [Gesang der Gondolieri] paßt vollkommen für einen m-en einsamen Schiffer, der auf der Ruhe dieser Canäle in seinem Fahrzeug ausgestreckt liegt, seine Herrschaft oder einen Kunden erwartet, vor Langerweile sich etwas vormodulirt GWB32,347,12 ÜbItal Es ist ein Unglük, Wilhelm! all meine thätigen Kräfte sind zu einer unruhigen Lässigkeit verstimmt, ich kann nicht müssig seyn und wieder kann ich nichts thun. Ich hab keine Vorstellungskraft, kein Gefühl an der Natur und die Bücher speien mich alle an GWBAA61,30 Werth1 I empfand ich..daß meine Neigung für die Mailänderin sich schon entschieden hatte, blitzschnell und eindringlich genug, wie es einem m-en Herzen zu gehen pflegt, das in selbstgefälligem ruhigem Zutrauen nichts befürchtet, nichts wünscht, und das nun auf einmal dem Wünschenswerthesten unmittelbar nahe kommt GWB32,123,2 ItR 20,79,24 Wv I 7 20,376,23 Wv II 15 B41,165,7 Sternberg 21.9.26 B29,166,23 August 9.5.18 151,28 Faust II 5223 b dauerhaft von Geschäften od Arbeit frei α nicht erwerbstätig; einmalm. gehen’ iSv nicht durch regelmäßige Pflichten gebunden sein Er [Goethe] eifert sehr gegen die Behauptung, daß in Neapel so viele m-e Menschen seien. Das Kind von fünf Jahren soll dort schon anfangen zu erwerben GWBGespr(He1,443) Schiller 7.9.88 ich konnte [in Neapel] weder von der geringen noch mittleren Classe, weder am Morgen noch an dem größten Theil des Tages, ja sogar von keinem Alter noch Geschlecht keinen eigentlichen M-en [〉Müßiggänger GWB31,255,19] finden GWB31,308 ItR Var 251,19,17 Wj II 8 uö(selten) β zu einem Leben ohne Erwerbsarbeit, in freier Beschäftigung aus eigenem Interesse od kontemplativer Lebensweise privilegiert; mehrf kategorial ‘M-e/die M-en/m-e Menschen’ mBez auf sich als (Hobby-)Naturforscher od Kunstliebhaber betätigende Privatiers; einmal ‘m-e Leute’ mBez auf Mönche denn noch so häuslich im Hause,|Mögen sie [die Töchter] öffentlich gern als m-e Damen erscheinen GWB1,304 Vs 155 Epist II [Knabe Lenker zu Plutus:] Die Deinen [die Reichen] freilich können m. ruhn,|Doch wer mir folgt hat immer was zu thun GWB151,48 Faust II 5703 Der erste Jäger verlangt nur ein freies und ungebundnes Leben| [Jäger:] Flott will leben und müssig gehn,|Alle Tage was Neues sehn..Drum hab' ich meine Haut dem Kaiser verhandelt GWB40,16,21 EröffnWeimTheat [Oranien zu Egmont:] wie m-e Menschen mit der größten Sorgfalt sich um die Geheimnisse der Natur bekümmern, so halt' ich es für Pflicht..eines Fürsten, die Gesinnungen, die Rathschläge aller Parteien zu kennen GWB8,224,12 Egm II [Martin:] Ich kann die m-en Leute nicht ausstehen; und doch kann ich nicht sagen, daß alle Mönche müßig sind GWB8,13,13 Götz2 I 2,70 WandrersSturmlied 79 46,193,5 Hackert TgbKnight 45,228,4 RamNeffeNachtr I c nicht wirklich eingebunden in das allg Tun u Streben, an einem (wichtigen) Geschehen nicht beteiligt α (allzu) behaglich lebend (aus Mangel an Herausforderungen); einmal ‘jdn aus einer m-en Ruhe herausreißen’; auch: an bloßem Zeitvertreib u (belangloser) Unterhaltung interessiert; wiederholt ‘m-er Leser/Zuschauer’; auch iSv bloß zuschauend (u am Geschehen nicht beteiligt) von der Grille des Selbstmords, welche sich in jenen herrlichen Friedenszeiten bei einer m-en Jugend eingeschlichen hatte GWB28,220,12 DuW 13 Ich wünsche nur daß wir wieder so weit seyn mögen um reden zu dürfen wie dieser Soldat [Rittmeister von Schwanefeld], der, als passionirter Theilnehmer [des Feldzugs], vernünftiger und mäßiger von allem spricht, als die sämmtlichen m-en, philisterhaften Zuschauer GWBB23,384,20 Christiane 1.7.13 Das Publikum, das so gerne Könige ein und absezt um nicht müssig zu seyn, hat auch Mosern uns zum Kanzler gegeben GWBB7,41,18 Merck 8.4.85 51,271,20 ThS III 14 28,154,8 DuW 12 N4,12,10 FlH VI 412,278,9 Bem uWink 52,54,14 ThS IV 11 β eindeutig pejor: passiv, träge, faul; zweimal neben ‘nachlässig’ [Alphons zu Tasso:] Und stellen wir denn Welt und Nachwelt vor,|So ziemt es nicht nur m. zu empfangen GWB10,123 Tasso 458 Willst du immer trüb' und m. bleiben,|Sprach der Knabe, kann nichts Kluges werden GWB2,182 Amor als Landschaftsmaler 12 [Adelheid:] Ich sah statt des acktiven Manns [Weislingen], der die Geschäffte eines Fürstentums belebte, der sich und seinen Ruhm dabey nicht vergass, der auf hundert grosen Unternehmungen, wie auf übereinander gewälzten Bergen, zu den Wolcken hinauf gestiegen war: Den seh ich auf einmal iammernd wie einen krancken Poeten, melankolisch wie ein gesundes Mädgen, Und müssiger als einen alten Junggesellen GWB39,72,28 Götz1 II [Regentin über Egmont:] er schadet uns, und nützt sich nicht. Er nimmt das Ernstliche scherzhaft; und wir, um nicht m. und nachlässig zu scheinen, müssen das Scherzhafte ernstlich nehmen GWB8,191,7 Egm I 8,277,9 Egm V 7,196,13 DivNot d unproduktiv, inaktiv; anthropomorphisierend mBez auf Pflanzen, Lichtphänomene [betr epigenetische Knotenbildung] Die Knoten..sind auch seitwärts nicht m. geblieben; sie haben..wieder Knoten gebildet GWBN7,10,14 Morph Vorarb 1 [Aguilonius behauptet in Zshg mit Theorien über die Entstehung intentioneller Farben] die Farben der Körper seien ruhig, m., träge; das Licht rege sie an, entreiße sie dem Körper, führe sie mit sich fort und streue sie umher GWBN3,274,26 FlH V 2 freie Zeit (u Muße) gewährend, in Muße verbracht; bes ‘m-e Stunde, Zeit’ man hatte immer etwas zu thun und zu kramen, wo sich nur ein m-er loser Augenblick zeigte GWB32,96,2 ItR daß Personen, welche wenig mehr nach Rom bringen als Lust zu sehen und sich zu zerstreuen, mitunter an der grimmigsten Langeweile zu leiden haben, indem ihnen die gewohnte Ausfüllung m-er Stunden in einem fremden Lande durchaus zu fehlen pflegt GWB32,94,17 ItR Ein junger Mann..machte dem Hause seines Gönners ein Geschenk mit diesem ganz eingerichteten Theater, das er ehmals in m-en Stunden zusammen gebaut, geschnitzt und gemahlt hatte GWB21,19,2 Lj I 4 29,191,7 DuW 20 32,343,15 ÜbItal 3 außer Verwendung, mBez auf Werkzeuge od Gliedmaßen: gerade nicht in Gebrauch; mBez auf Akten: gerade nicht in Bearbeitung; auchm. liegen’ iSv (als unverkaufte Ware) liegenbleiben den belebten Tanz des Schnitters, wenn er die m-e Sichel hoch in den Balken geheftet hat GWB37,151,15 Von dtBaukunst 1773 Charon sitzt schwach und gebückt auf seinem Pferde, sieht sich mitleidig um; die linke Hand ist m., und die rechte hält, ebenfalls ohne alle Bedeutung, den Zügel hoch empor GWB491,366,5 Üb:Zeichngn zuCharon [Meyer/G] [Domherr zum Juwelier:] Ich dächte doch, der Schmuck wäre gut bezahlt. Sie finden nicht leicht einen Käufer. Liegt Ihnen das Halsband nicht schon ein Jahr m.? GWB17,171,15 GrCoph III 2 B11,160,17 Voigt 14.8.96 uö(selten) 4 nutzlos, zwecklos, unnötig, unergiebig, entbehrlich, überflüssig, hinfällig, vergeblich Diese hier durch Linien deutlich auseinandergesetzte Operation [mit zwei Prismen] ist ein schwer darzustellender Versuch..Man darf aber diese Figuren nur genau ansehen, so überzeugt man sich leicht, daß der Versuch ganz m. ist..Es ist also auch dieser Newtonische Versuch, wie mehrere, ganz unnütz zusammengesetzt GWBN52,349,25 Üb:Gren Auch schien mir die Frage [die Herders Schrift ‘Über den Ursprung der Sprache’ zugrundeliegt] einigermaßen m.: denn wenn Gott den Menschen als Menschen erschaffen hatte, so war ihm ja so gut die Sprache als der aufrechte Gang anerschaffen GWB27,309,14 DuW 10 [Faust:] So fluch' ich allem was die Seele|Mit Lock- und Gaukelwerk umspannt..Verflucht sei Mammon, wenn mit Schätzen|Er uns zu kühnen Thaten regt,|Wenn er zu m-em Ergetzen|Die Polster uns zurechte legt! GWB14,78 Faust I 1601 Sie sind wohl zusammen ohne mich wo nicht besser. Bey dreyen, die alte Verhältnisse und Erinnerungen sich mitzutheilen haben ist der vierte wenigstens müssig, drum schlich ich mich weg GWBB5,105,4 ChStein [4.4.81] DjG33,398,35 RAnw [15.9.73] Gespr(He2,460) Falk [30.6.09] N3,244,3 FlH V 40,314,28 Üb:Collin,Regulus müßig-einsam zu ‘müßig’ 1b so ist auch mitten in diesem tumultvoll scheinenden Leben [in der Pädagogischen Provinz], das zugleich sehr viel ruhige, müßig-einsame, ja langweilige Stunden bietet, für treuen und gründlichen Unterricht gesorgt GWB251,5,20 Wj II 8 GWBgesellig-m. GWBabmüßigen GWBgemüßigt Syn zu 1 GWBunbeschäftigt GWBuntätig zu 1a GWBunproduktiv zu 1cβ bequem faul gemächlich laß lässig schlaff träge zu 2 frei ledig zu 3 unbenutzt ungebraucht ungenutzt zu 4 nutzlos überflüssig ungenutzt unnötig unnütz vergeblich Lydia QuaasL.Q.
8735 Zeichen · 60 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Müßig

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Müßig , -er, -ste, adj. et adv. Muße, d. i. Befreyung von Geschäften, habend. 1. Im weitesten Verstande, von allen Gesch…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    müßig

    Goethe-Wörterbuch

    müßig mehrf -s-, -ss-; ‘m. gehen’ im Übergang zur Verfestigung 1 untätig, ohne Arbeit, Aufgabe, Beschäftigung a vorüberg…

  3. modern
    Dialekt
    müßigAdj.

    Pfälzisches Wb. · +2 Parallelbelege

    müßig Adj. : 1. 'untätig', mießich (mīsiχ) [KU-Schmittw/O Müller Dietschw 51 Lambert Penns 105]. — 2. a. 'noch nicht als…

  4. Sprichwörter
    Müssig

    Wander (Sprichwörter)

    Müssig 1. Müssig sein bringt nichts ein. – Petri, II, 484. 2. Müssig sein vnd Arbeit meiden bringt manchen in gross leid…

  5. Spezial
    müßig

    Russ.-Dt. Übers. (de-ru)

    müßig праздный, досужий müßige Gespräche - праздные, досужие, лишние, ненужные разговоры

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit muessig

18 Bildungen · 14 Erstglied · 1 Zweitglied · 3 Ableitungen

Ableitung von muessig

muess + -ig

muessig leitet sich vom Lemma muess ab mit Suffix -ig.

Zerlegung von muessig 2 Komponenten

mues+sig

muessig setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

muessig‑ als Erstglied (14 von 14)

Müssiger

Wander

mues·siger

Müssiger 1. Den Müssigen sticht das Bett überall. Wer müssig geht, den nennt Brandt (Nsch.) den »Narresten« unter den Narren und meint, er s…

Müßiggänger

Pfeifer_etym

muessig·gaenger

Muße f. ‘beschauliche Freizeit’. Das nur im Dt. und Nl. nachweisbare Wort ahd. muoʒa (um 800), mhd. muoʒe ‘freie Zeit zu etw., Bequemlichkei…

müssiggänger

FWB

1. ›den städtischen Schichten Zugehöriger, j., der der handwerklichen Erwerbstätigkeit aufgrund seines Wohlstandes enthoben ist‹; 2. ›Müßigg…

Müßiggängerin

GWB

muessig·gaengerin

Müßiggängerin zu ‘Müßiggänger’ bβ; (keiner häuslichen Beschäftigung nachgehende) adlige Dame; im Vergl [ Claudine: ] Lucinde, du? ein frohes…

Müßiggängerisch

Campe

muessiggaenger·isch

○ Müßiggängerisch , adj . u. adv . gleich einem Müßiggänger, dem Müßiggange ergeben; dann auch, im Müßiggange gegründet, aus dem Müßiggange …

Müssiggängerzunft

Wander

muessiggaenger·zunft

Müssiggängerzunft Er gehört in die Müssiggängerzunft. Nach der Stadtverfassung Strasburgs musste jeder Bürger, der nicht dem städtischen Ade…

Müßiggang

Pfeifer_etym

muessig·gang

Muße f. ‘beschauliche Freizeit’. Das nur im Dt. und Nl. nachweisbare Wort ahd. muoʒa (um 800), mhd. muoʒe ‘freie Zeit zu etw., Bequemlichkei…

müssiggang

FWB

1. ›Lebensführung, die infolge von Einkünften außergewerblicher Art der handwerklichen Eigenarbeit enthoben ist‹; 2. ›Müßiggang, Faulheit, T…

Müssiggehen

Wander

muessig·gehen

Müssiggehen 1. Besser müssiggegangen, als übel gewerkelt. – Winckler, XI, 13. 2. Besser müssiggehen als nichts arbeiten. – Eiselein, 479; Si…

müssiggeher

FWB

1. ›Angehöriger einer stadtbürgerlichen Schicht, die von ihrem nicht durch arbeit 6 erworbenen, sondern aus zins und 1rente bestehenden Wohl…

Müssigkeit

Wander

muessig·keit

Müssigkeit 1. Müssigkeit ist des Teuffels küssen. – Pauli, Postilla, 113 b . 2. Verlegene Müssigkeit ist Gott und der Welt leid.

müssigkeit

FWB

1. ›Muße, Abwesenheit jeglicher äußeren alltäglichen Störung‹; damit verbunden (als Möglichkeit): ›religiös-mystisches In-sich-Ruhen, innere…

muessig als Zweitglied (1 von 1)

Unmüßig

Campe

Unmüßig , — er, — ste , adj . u. adv . 1) Keine Muße habend. 2) Nicht müßig, nicht unthätig. Sie waren viel unmüßig wohl fünftehalben Tag. N…

Ableitungen von muessig (3 von 3)

Bemüßigen

Adelung

Bemüßigen , verb. reg. act. welches am häufigsten in Oberdeutschland und den Hochdeutschen Kanzelleyen üblich ist, nöthigen, zwingen, doch m…

Unmüßig

Campe

Unmüßig , — er, — ste , adj . u. adv . 1) Keine Muße habend. 2) Nicht müßig, nicht unthätig. Sie waren viel unmüßig wohl fünftehalben Tag. N…

Vermüßigen

Campe

≠ Vermüßigen , v. trs . nöthigen. Wir haben uns vermüßigt gesehen  in den Kanzeleien. D. Vermüßigen. D. — ung .