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Müßig

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Adelung
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9 in 8 Wb.
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Eintrag · Adelung (1793–1801)

Müßig

Bd. 3, Sp. 329
Müßig, -er, -ste, adj. et adv. Muße, d. i. Befreyung von Geschäften, habend. 1. Im weitesten Verstande, von allen Geschäften, von aller Arbeit, befreyet, ohne dabey auf die Sittlichkeit dieser Befreyung zu sehen. 1) Eigentlich. Er kann nicht einen Augenblick müßig seyn. Die Pferde stehen müßig im Stalle, haben nichts zu thun. Müßig da sitzen. Der Hausvater sahe Arbeiter am Markte müßig stehen, Matth. 20, 3. 2) Figürlich, auch von leblosen Dingen, für ungebraucht. Sein Geld müßig da liegen lassen, ohne damit zu wuchern, ohne es nutzen. Der müßge Panzer hing an der berusten Wand, Zach. Ingleichen unbeschäftigt. Müßige Schultern haben, kein Leiden zu tragen haben. Wie auch für unwirksam. Alles, was der Verstand erkennet, und es nicht so erkennet, daß es das Herz billiget und liebt, ist eine müßige Erkenntniß, Gell. Aber für leer, unbewohnt, wie Matth. 12, 44, wenn der unsaubere Geist wieder kommt, findet er das Haus müßig, gekehret und geschmückt, ist es im Hochdeutschen ungewöhnlich. 2. In einigen engern Bedeutungen. 1) Muße, d. i. übrige Zeit nach pflichtmäßigen Beschäftigungen habend; wo es nur von der Zeit gebraucht wird. Keine müßige Stunde haben. Seine müßige Zeit wohl anwenden. Auch als ein Nebenwort ist es hier nicht üblich. 2) Auf eine unerlaubte Art der Geschäfte und pflichtmäßigen Beschäftigung beraubt. Seine Zeit müßig zubringen, in unerlaubter Muße. Ein müßiges (geschäftloses, unthätiges) Leben führen. Müßig gehen, nichts thun, da man arbeiten sollte; im Nieders. laveien gehen, (Holländ. laffen,) leddig gaan, ledig gehen, flinkfüsten, eigentlich mit eingeschlagenen oder eingeschlungenen Armen einher gehen. 3) * Einer Sache müßig gehen, mit der zweyten Endung, sie fliehen, zu vermeiden suchen, ist im Hochdeutschen veraltet. Einer Person müßig gehen, sie meiden. Ein schlimmer Sinn muß meiner müßig gehen, Opitz. Ps. 101, 4. Die bey der Lieb in Arbeit stehn, Die wird man fast beständig sehn Der andern Arbeit müßig gehn, Logau, sie fliehen, meiden. Anm. Bey dem Notker muozzig, bey dem Hornegk muzzig. Das Hauptwort die Müßigkeit ist nicht üblich, ob es gleich in der ersten weitern Bedeutung gar wohl gebraucht werden könnte. Für den zweyten Fall der zweyten Bedeutung ist Müßiggang eingeführet. S. Muße. In der letzten dritten Bedeutung scheinet es zunächst zu meiden zu gehören.
2331 Zeichen · 49 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Müßig

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Müßig , -er, -ste, adj. et adv. Muße, d. i. Befreyung von Geschäften, habend. 1. Im weitesten Verstande, von allen Gesch…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    müßig

    Goethe-Wörterbuch

    müßig mehrf -s-, -ss-; ‘m. gehen’ im Übergang zur Verfestigung 1 untätig, ohne Arbeit, Aufgabe, Beschäftigung a vorüberg…

  3. modern
    Dialekt
    müßigAdj.

    Pfälzisches Wb. · +2 Parallelbelege

    müßig Adj. : 1. 'untätig', mießich (mīsiχ) [KU-Schmittw/O Müller Dietschw 51 Lambert Penns 105]. — 2. a. 'noch nicht als…

  4. Sprichwörter
    Müssig

    Wander (Sprichwörter)

    Müssig 1. Müssig sein bringt nichts ein. – Petri, II, 484. 2. Müssig sein vnd Arbeit meiden bringt manchen in gross leid…

  5. Spezial
    müßig

    Russ.-Dt. Übers. (de-ru)

    müßig праздный, досужий müßige Gespräche - праздные, досужие, лишние, ненужные разговоры

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit muessig

18 Bildungen · 14 Erstglied · 1 Zweitglied · 3 Ableitungen

Ableitung von muessig

muess + -ig

muessig leitet sich vom Lemma muess ab mit Suffix -ig.

Zerlegung von muessig 2 Komponenten

mues+sig

muessig setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

muessig‑ als Erstglied (14 von 14)

Müssiger

Wander

mues·siger

Müssiger 1. Den Müssigen sticht das Bett überall. Wer müssig geht, den nennt Brandt (Nsch.) den »Narresten« unter den Narren und meint, er s…

Müßiggänger

Pfeifer_etym

muessig·gaenger

Muße f. ‘beschauliche Freizeit’. Das nur im Dt. und Nl. nachweisbare Wort ahd. muoʒa (um 800), mhd. muoʒe ‘freie Zeit zu etw., Bequemlichkei…

müssiggänger

FWB

1. ›den städtischen Schichten Zugehöriger, j., der der handwerklichen Erwerbstätigkeit aufgrund seines Wohlstandes enthoben ist‹; 2. ›Müßigg…

Müßiggängerin

GWB

muessig·gaengerin

Müßiggängerin zu ‘Müßiggänger’ bβ; (keiner häuslichen Beschäftigung nachgehende) adlige Dame; im Vergl [ Claudine: ] Lucinde, du? ein frohes…

Müßiggängerisch

Campe

muessiggaenger·isch

○ Müßiggängerisch , adj . u. adv . gleich einem Müßiggänger, dem Müßiggange ergeben; dann auch, im Müßiggange gegründet, aus dem Müßiggange …

Müssiggängerzunft

Wander

muessiggaenger·zunft

Müssiggängerzunft Er gehört in die Müssiggängerzunft. Nach der Stadtverfassung Strasburgs musste jeder Bürger, der nicht dem städtischen Ade…

Müßiggang

Pfeifer_etym

muessig·gang

Muße f. ‘beschauliche Freizeit’. Das nur im Dt. und Nl. nachweisbare Wort ahd. muoʒa (um 800), mhd. muoʒe ‘freie Zeit zu etw., Bequemlichkei…

müssiggang

FWB

1. ›Lebensführung, die infolge von Einkünften außergewerblicher Art der handwerklichen Eigenarbeit enthoben ist‹; 2. ›Müßiggang, Faulheit, T…

Müssiggehen

Wander

muessig·gehen

Müssiggehen 1. Besser müssiggegangen, als übel gewerkelt. – Winckler, XI, 13. 2. Besser müssiggehen als nichts arbeiten. – Eiselein, 479; Si…

müssiggeher

FWB

1. ›Angehöriger einer stadtbürgerlichen Schicht, die von ihrem nicht durch arbeit 6 erworbenen, sondern aus zins und 1rente bestehenden Wohl…

Müssigkeit

Wander

muessig·keit

Müssigkeit 1. Müssigkeit ist des Teuffels küssen. – Pauli, Postilla, 113 b . 2. Verlegene Müssigkeit ist Gott und der Welt leid.

müssigkeit

FWB

1. ›Muße, Abwesenheit jeglicher äußeren alltäglichen Störung‹; damit verbunden (als Möglichkeit): ›religiös-mystisches In-sich-Ruhen, innere…

muessig als Zweitglied (1 von 1)

Unmüßig

Campe

Unmüßig , — er, — ste , adj . u. adv . 1) Keine Muße habend. 2) Nicht müßig, nicht unthätig. Sie waren viel unmüßig wohl fünftehalben Tag. N…

Ableitungen von muessig (3 von 3)

Bemüßigen

Adelung

Bemüßigen , verb. reg. act. welches am häufigsten in Oberdeutschland und den Hochdeutschen Kanzelleyen üblich ist, nöthigen, zwingen, doch m…

Unmüßig

Campe

Unmüßig , — er, — ste , adj . u. adv . 1) Keine Muße habend. 2) Nicht müßig, nicht unthätig. Sie waren viel unmüßig wohl fünftehalben Tag. N…

Vermüßigen

Campe

≠ Vermüßigen , v. trs . nöthigen. Wir haben uns vermüßigt gesehen  in den Kanzeleien. D. Vermüßigen. D. — ung .