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Moschus

nhd. bis spez. · 10 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Meyers
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11 in 10 Wb.
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Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Moschus

Bd. 14, Sp. 169
Moschus (Bisam), das Sekret, das von dem männlichen Moschustier (s. d.) in einem in der Nähe der Geschlechtsteile liegenden Beutel (Moschusbeutel) abgesondert wird. Man unterscheidet im Handel tongkinesischen (tibetischen, orientalischen) als besten, ferner Yünnanmoschus, Nepal-, Assammoschus und kabardinischen (russischen, sibirischen) M. Der tongkinesische kommt von Schanghai aus in den Handel. Aus den Beuteln genommene Moschussubstanz (M. ex vesicis) wird oft arg verfälscht, doch unterliegen auch die andern Handelssorten der Verfälschung. M. bildet eine anfangs salbenartige, später krümelige, körnige, braune, fettglänzende Masse von bitterlichem, widrig gewürzhaftem, schwach salzigem Geschmack und eigentümlichem, höchst durchdringendem und außerordentlich lange haftendem Geruch, der beim Trocknen der Substanz fast verschwindet, beim Befeuchten aber allmählich wieder stärker hervortritt und vielleicht auf einer eigentümlichen Selbstentmischung der Substanz beruht. Auch beim Zusammenreiben mit schwefelsauren und andern Metallsalzen, mit Sulfuraurat, Kampfer, Mutterkorn, Emulsionen etc. tritt der Geruch sehr zurück, doch nicht immer. Äußerst kleine Mengen von salzsaurem oder schwefelsaurem Chinin sollen den Geruch des M. völlig unterdrücken. An Wasser gibt M. 40–50, an Alkohol 8–10 Proz. lösliche Stoffe ab. M. wurde früher mehr als jetzt als Erregungsmittel, besonders im Todeskampf, arzneilich angewandt. Die Chinesen benutzen den M. seit alter Zeit, zu uns kam er erst durch die Araber; gegenwärtig wird er namentlich zu Parfümen verwendet, in denen er sich stets dadurch verrät, daß sein Geruch unverkennbar zurückbleibt, wenn alle ätherischen Öle verdunstet sind. Aus Schanghai wurden 1901: 1172 Catties (Kistchen mit 25–30 Moschusbeuteln) ausgeführt, davon 154 nach London, 599 nach Frankreich, 314 nach New York, 105 nach Hamburg. – Moschusgeruch findet sich, zum Teil an Drüsensekrete gebunden, noch beim Fleisch des Moschusochsen, beim Bisamschwein (Pekari), bei der Moschusratte, Bisamspitzmaus, beim Ameisenfresser, bei der türkischen Ente, bei dem Ei des Gänsegeiers, dem Alligator, bei den Schildkröten (mit Ausnahme der Landschildkröten), dem Moschusbock (Käfer), dem Moschuspolyp (Kopffüßer) und bei einer Schnecke (Fasciolaria trapezium), deren Deckel (Bisamnagel) früher als Räuchermittel diente, ferner bei der Sambulwurzel (Moschuswurzel, s. Ferula), bei Mimulus moschatus, Malva moschata, Adoxa moschatellina, zwei Ritterspornarten vom Himalaja, sehr schwach bisweilen bei der weißen Rübe etc. Bei Einwirkung konzentrierter Salpetersäure auf organische Substanzen, bei der Bildung der Nitroverbindungen, tritt häufig Moschusgeruch auf. Butyltoluol C7H7. C4H9 (aus Toluol u. Butylchlorid) gibt mit einem Gemisch von konzentrierter Schwefelsäure und Salpetersäure Trinitrobutyltoluol CH3. C4H9. C6H(NO2)3, das weiße glänzende Kristalle mit merkwürdig starkem und andauerndem Moschusgeruch bildet. Eine einprozentige alkoholische Lösung des Trinitrobutyltoluols oder des Trinitrobutylxylols zeigt diesen Geruch nicht, der aber bei Verdünnung mit Wasser alsbald sehr stark hervortritt und bis zu einer Verdünnung von 1 : 3000 an Intensität zuzunehmen scheint. Bei Lösungen von 1 : 5000 ist der Geruch noch deutlich wahrzunehmen. Der Geruch der Lösung von 1 : 3000 kann durch Kochen mit Ätznatronlösung noch bedeutend verstärkt werden, und dies Verhalten ist für die Verwendung der Substanz zum Parfümieren von Seife äußerst wertvoll. Dieser künstliche M. (Tonkinol) kommt mit Acetanilid gemischt in den Handel und dient als ein gutes Surrogat des M., wenngleich geübte Parfümeure den Geruch des natürlichen vom künstlichen M. zu unterscheiden wissen. Über künstlichen M. vgl. auch Bernsteinöl. Vgl. Heusinger, Meletemata quaedam de antiquitatibus castorei et moschi (Marburg 1852).
3852 Zeichen · 41 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Móschus

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Der Móschus , plur. car. ein Nahme, welchen auch der Bisam führet, und welcher so wie dieser unstreitig morgenländischen…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Moschus

    Goethe-Wörterbuch

    Moschus Sekret des asiatischen Moschushirschs, aphrodisierender Duftstoff u Bestandteil bes orientalischer Parfüms u Kos…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Moschus

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +2 Parallelbelege

    Moschus , Bisam , Secret des männlichen M. thieres , eines rehähnlichen Wiederkäuers in den Gebirgen Mittelasiens, in ei…

  4. modern
    Dialekt
    Moschus

    Rheinisches Wb.

    Moschus mǫšus, mo-  nach dem Nhd.; doch myskə (frz. musc) Köln-Stdt , Eup ; -sχə Eup-Raeren , Aach-Stdt ; møskə, –y- S…

  5. Sprichwörter
    Moschus

    Wander (Sprichwörter)

    Moschus 1. Etwas Moschus duftet, viel stinkt. Empfiehlt mässigen Freudengenuss. 2. Moschus riecht gut, auch wenn's der A…

  6. Spezial
    Moschus

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Mo|schus m. (-) müstl m.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit moschus

33 Bildungen · 33 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Zerlegung von moschus 2 Komponenten

mosc+hus

moschus setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

moschus‑ als Erstglied (30 von 33)

moschusduft

DWB

moschus·duft

moschusduft , m. duft des moschus: berauscht von ihrem hauch, von moschusduft und ambrarauch. Freiligrath dicht. 1, 64 .

moschusduftend

GWB

moschus·duftend

moschusduftend vom Haar der Geliebten M. Lockenschlangen GWB 6,417 Vs 12 DivSuleika Var Rüdiger Welter R.W.

moschusgeruch

DWB

moschus·geruch

moschusgeruch , m. geruch von moschus oder wie von moschus: die samen ( des bisamkrautes ) haben den moschusgeruch. Jacobsson 5, 231 a .

moschushyacinthe

DWB

moschus·hyacinthe

moschushyacinthe , f. : süsz, wie bei stiller abendluft, nach einem milden sprüheregen, der moschushyacinthe duft. Bürger 26 b .

Moschusmaus

Campe

moschus·maus

Moschusmaus ) , Mz. — mäuse , eine Art nach Bisam riechender Mäuse auf den Antillen (Mus pilorides ); auch Bisamratte .

Moschusochs

Campe

moschus·ochs

Moschusochs ) , — en, Mz. — en , eine Art Ochsen in Nordamerika, dessen Fleisch nach Bisam riecht (Bos moschatus L .); auch Bisamochs .

Moschusruch

GWB

moschus·ruch

Moschusruch im Vers: Duft von Moschus als die Schönen..|Auf ihre Thiere steigend mich verliesen,|Da floß von ihren Kleide[rn] Moschus Ruch […

Moschustier

Meyers

moschus·tier

Moschustier ( Bisamtier, Bisamziege , Moschus moschiferus L .), einzige Art der Säugetiergattung Moschus L ., die allein die Familie der Mos…