Martin
die volle Form, auch für den Heiligen, ist selten u. erst unter dem Gefühl der Derbheit der mdl. Formen jüngst nachgebildet, u. zwar Rhfrk, Mosfrk
ma·r.dīn [Nahe
madin; Koch-Urschmitt
mę·r.dīn; Siegld
mardinəs], sonst
ma·r.tīn [selten
-tīnəs; Heinsb auch
martīn , NWErk neben
martīn auch
mərtī:n ; Malm
marte·ŋ.; Eup
martę·ŋ.]; Kurzf. Rhfrk (selten)
mērdə; Mosfrk
mērtə(n), –īa(r)d-; Rip
mEətə(n) –Ea(r)t-, –ēə-, –īə- u.
-təs; Nfrk
mEətə, –ēə-, -īə- [Selfk
mEət; MGladb-Kleinenbr
mēətə u.
mętəs; Geld auch
martə für den Hl.]; Siegld
dinəs; Eup, Dür, Jül, Aach, SNfrk, Geld
tīnəs [NWErk, Kemp, Geld
-i-; Eup, Jül-Lich, Geilk-Beggend, Düss-Stdt
tīn; Eup
tintš]
m.: 1.a. der hl.
M., im Rip, Nfrk meist
zint(er) Mäərte(n), –təs, genannt, vielfach Patron der ältesten Kirchen der Rheinlande; sein Tag in Bauernregeln, als Termintag, in Volksbräuchen stark hervortretend. —
Bauernregeln. Em Allerhellegemoss (-messe)
os mer des Wonters (Schnie) gewoss (gewiss);
wonn hen dann noch net mag (kommen),
wart hen net langer os (als)
Mäərtesdag Prüm-Ihren, in Var. Allg. (
s. Allerheiligen).
Küt Martin em wisse Bart, wird der Wöngter streng on hart Sieg-Fussh, nach dem Nhd. Verbr.;
hät de Martin en weisse Kapp, es de Wänter lang net ab Neuw.
M. weiss nicks mih verheisst Altk-Bachenbg.
Wann om sent Mearte völl Niəvel es, dann es der Wengkter e Kengk (Kind) Kemp-Waldniel.
Wenn et of Märdesdag rent (regnet)
ane Dron (Träne),
dann kammer de Kellerdir of losse stohn dann gibt es viel Wein Kobl-Winning.
Sankt Märte het me lever düərn (dürr)
wie nass; su hält mer et och met Andreas Bo-Mehlem.
Op Martinsdag natt (nasses)
Weər tor Hand, folgt en Wenter met Onbestand; wenn awwer de Sonn schint woll, en strengen W. folgen soll Ruhr, nach dem Nhd.
En hell St. Martin brengt en düster Krestfest Geld-Leuth, nach dem Nhd.
Es ze Märte Sonnescheng (-schein),
trett ne kale Wengkter en Dür-Geich.
Wann et Märtesdag früs (friert),
hät de Wänter den Hals zerbrouche Sieg-ODollend, Remschd.
Wann et op Märdesdag friert, dat et en Gans dreht, dann ös der Wönder gebrochen Altk-Bachenbg, Verbr. mit Var. (
s. bei Gans), —
es dem W. der Hals gebr. Gummb-Nümbrecht.
Wann et för Martini früst un ist (eist),
dann wörd me des Wintersch nich wis (gewahr) Gummb-Dümmlinghsn.
Lit (liegt)
Mäərtes Schniə, deht de Fröəte (Früchten)
wiəh Geld-Leuth.
Sankt Martin setzt sich schon mit Dank om warmen Owen of de Bank Bernk-Erden.
St. M., Feier en't Kamin! Mos (o. O.).
Op sent Märte vonge de Weəver an et Oətele (uchteln)
an die Weber fingen an, bei der Lampe zu arbeiten Eup.
Möt Allerhelge ös de Röb (Rübe,
et Krut)
rip, möt St. Märten ös Plöckestit (Zeit, dass sie gepflückt wird);
dem et dann net poss (passt),
sett met St. Andreas fos (fest) Kemp, Kref, Geld-Leuth.
Zent Märte, de Äppel habbe Sterte (Sterze) Kemp-Dülken, —
hant de Ä. golde Sterze Jül-Tetz, —
sind de Ä. vergete Mörs-Rheinbg.
Johannes daft (tauft)
se (die Äpfel),
Jakobes salzt se, Michel bricht se, M. isst se uMos.
Et eas kän Fra eso krank, se hat Mirdesdag ihren Strangk (Flachs gesponnen) Merz-Nunk, Mosfrk.
Lorenz mät de Flege (Fliegen),
Bartelemies fänd (pfändet)
se, Mechel fängk se, Märten hängk se Eusk-Billig, Rheinb-Schönau.
Merdesdag es de Schleck (Schnecke)
beim Has Bernk-Hinzerath.
We völl öm Neujoəhr freit, öm Posche (Ostern)
bräut, M. träut, öm Kres et döck (
oft)
bereut MGladb-Rheind. —
Termintag. Am M.tage wird noch heute allg. (nicht Birkf) die Pacht für gepachtetes Ackerland bezahlt (auch für die
Ziele, Stägen (Steigen), die Zahlungen für gesteigertes Land Rhfrk, Mosfrk); deshalb die RA.:
De Merden as e strengen Her Mos, —
ös enen harden Mann Mörs, —
ös e strengen Patreiner Merz-Mond.
De Lätt (Leute)
graulen (fürchten)
de Merten Bitb-NWeis (veralt.).
Zint Märte et Betahle neit vergeəte! Kemp.
Mäərtesdag es dem Bur et Fell rif Sieg-ODollend.
Ze zent Mäərt wiərd der Bur aleərt Jül;
zint Märte ze Perd mät (macht)
de Boren alert (munter) Jül, Köln-Stdt, Trier-Stdt;
Biərtesdag (diese Form nur in dieser RA.)
kemmt ze Perd un micht de Bauer a. Bitb-Stdt Seimerich.
Wann zint Märte küt gerije (geritten),
wird den Bur der Bül (Beutel)
geschnije (geschnitten) Bergh-NEmbt.
Es Märte verbei, es der Bur kene Dag mih frei Jül (veralt.).
St. Micheel mahnt, St. Martin bezahlt Malm-Bülling.
Zingk Mäərtes on z. Pötterschdag (22. II.)
send för vill Buren schro (böse)
Dag Wippf-Bechen.
Zi Mäərte hät en Kouh geschlacht, et Fell an der Jüd verkaucht (-kauft),
zi M., zi M.! Heinsb. Die Krähen rufen M.tag:
Paach! Bo-Sechtem.
Belcher (welcher)
es de längste Dag fir de Bauer? der M.tag,
wenn e vill Pacht ze bezahle hat May-Kollig.
M. es Mart (Markt)
on (in)
der Kirch on (u.)
schmal on der Kich Bernk-Rapperath. — Nur noch verstreut im Rhein. ist der M.tag Gesindewechseltag (
s. Wk. V 10). — Die Wiesen sind zur Weide frei (offen) vom M.tage bis 1. April Ahrw-Fronr,
van Ütterwarts (Vorfrühling)
bös St. Märten Mörs; der Gemeindehirt (Schäfer), am Wendelinstage (sonst Michelst.) angestellt, musste am M.tage ein Fässchen Branntwein zum besten geben Prüm-GrKampenbg. —
M.dag han de Junge de Büngede (Baumgärten)
gepach sie stehen ihnen nun offen Sieg-ODollend. — Das Abendläuten um 10 Uhr dauert vom Gertrudentag bis
M. Zell-Sohren. — Am M.tage dürfen die Armen des Ortes die Obstbäume
lennen Nachernte halten Koch. —
Volksbr. Der M.abend gehört zu den sogen.
Hofabenden, an denen reichlich u. festlich gespeist wird WEif;
Michelsdag en Hohn, Märdesdag en Koh, Dreikinneksdag e Schwein liəst (lässt)
sech got Hihwend sein Bitb-Mettend. — Bes. für das Rhein. kennzeichnend ist das
Martinsfeuer am M.abend, wobei nach der Karte des Volkskundeatlas ein Kerngeb. an der uMos, in der OEif, an der Ahr,
n. Ahr bis Bo, Sieg, NWWesterw u. Selfk, Kemp mit einzelnen Restpunkten nach allen Seiten mit Feuer auf den Höhen, mehrwöchigem Heischen (
s. dutzen, stutzen) um Brennmaterial hervortritt (ohne Betteln um andere Gaben); einige solcher Heischelieder:
Dat mer kinne danze, get us e paar Knuppe (Baumwurzeln),
da koche mir us Suppe; get us en alde Mann (Korb),
da ginn mer heidann; get us en alde Korf, da ginn mer of e anner Dorf; ri, ri, reiche Bauer, steuer us ebbes fir't Merdesfauere, ri, ri, ri, en Schanz owwer (oder)
en Bäusch Strih! May-Hatzenport. Bei dem Einsammeln geraten die Jungen der verschiedenen Stadt- oder Dorfteile (Ober- u. Unterdorf) oft aneinander, u. Trutzlieder erschallen,
z. B. Hailije sankt Mertes met denne siwwe Kerze, met denne s. Rode (Ruten),
die Nas soll blode; Blot laift en et Bäckerschhaus; brengt mer en halwe Weck eraus, mir aine, dir aine, annere Kenner gar kaine. Stiwwele, St., Stang, fer der Kastergass (Castorgasse)
hammer kai Bang; kom, giht er met en et Gäss-che, da haue mer der Kastergass et Schäss-che; Stiwele, St., Stang, fer der Weissergass hammer kai Bang usf. Kobl.
Heilege zant Mäətes, dat wor en gode Mann, de deilt senge Mantel met enem arme Mann; Kliefuss (-fuchs),
bi heisch de Fuss; brot em düt, br. em dat, get es jet en de Knappsack; ech han noch weit ze reise bes bei de Kobes Kaise; Mäəstesovend, M., mach de weite Wüərsch (Würste);
et sitz en al Katz em Schank (Schrank),
die friss öch all de W.! Ahrw-Westum, —
met enem arme Mann; get os jet ze rode, get os jet ze brode, mer han noch weit eröm ze gohn; dotz, d., dillejedotz, gef os en al Mäərtesbotz (-hose);
al Ühmche Krom, gef ons en Büərd Rom (Stangen)
! Ahrw-Heimersh.
Enne, denne, däss-che, geft us en alt Fäss-che (
Räss-che)
; enne, denne, dih (hih), get ons en Beisch Strih; enne, denne, Dorf, get ons ne ale Korf; enne, denne, dicks, get ons en Schachtel Ficks; we nicks get; de wiərd gestipp (gestüppt)
; we nicks brängt, de wiərd gehängt! uMos. — Im übrigen in der Karte gekennzeichneten Geb. herrscht das milde Betteln um Geld u. Esswaren unter Fackeltragen (ausgehölte Runkeln mit Kerze) vor, wobei gesungen wird:
Zint Mäərte, Äppel on Bire send geəte, Mangen (Körbe)
on Körf send verbrangk (in Erinnerung an das früher auch hier herrschende M.feuer),
dat stenkt (stüft) dur et ganze Jülicker Langk! Erk (u. so mit Var. durch das ganze zweite Geb.). — Im NBerg
Mäten sengen um Spende:
Martin Luther sengen wir, treten vor der Heimat Tür; geft us en Appel, haffe (haben wir)
wat te knatschen; geft us en Beer, dann koffe (kommen wir)
nich mä weər; Frau, geft wat, Fr., geft wat, op et Johr weər wat, lot us nich so lang hie stonn usf. Hier wohnt ein reicher Mann,
de us Gott wat gewen kann, die Äppel on die Bearen, die Nötte gonnt woll met; Frau usf.
Hie van dänn bis Bokum mövve (mögen wir)
en Pott voll koken; hie van dänn bis Blankensten leive (legen wir)
de Bene all öweren (übereinander)
! Elbf-Dönbg. — An der Ruhr u.
n. Ruhr.
Sönte Mattes Vögelkes häbb so roje Kögelkes (Kapuzen),
flegen all ömmer öwwer de Rhin, wollen so gern en paar Äppelkes siehn usf. Rees-Isselbg. — Statt (oder früher daneben) des M.feuers sprangen die Kinder über eine in der Stube aufgestellte brennende Kerze;
kafupp, zint Meərte! rief man dabei; wer
dat Kerzke ütsprong, wurde
gebollärsst wurde von zwei andern am Kopfe u. an den Beinen angepackt u. dreimal mit den Hinterbollen auf die Erde gestossen; dann durfte es beim weitern Springen einmal nicht mitspringen Geld, Kemp. — In Mörs (u. einmal aus Klev bezeugt) bestand die Sitte, dass an der Zimmerdecke eine mit Zuckerwerk, Obst u. einigen Kartoffeln oder bitterschaligen Rüben gefüllte Tüte (
Märtessack) aufgehängt wurde; diese wurde angezündet, u. die Gaben fielen zum
Grubbelegreff unter die Kinder. — Im SNfrk ist der
Bockertskok (Buchweizenkuchen) das Gebildbrot des M.abendes, früher dazu noch die
Muhrenpapp ‘Möhrenbrei’, gestovt aus Milch u. Möhren; es musste von beiden solange gegessen werden, als man noch über einen Korb Äpfel oder einen
Holtstock springen konnte, deshalb der Spr.:
zink M. ritt (reitet)
von de Böstert no de Schirik (Bauernschaften)
un holt sich ene gesotene (gesalzenen)
Hering; he frett öm op un kotzt en ut, dann schmitt he öm de Dür herut MGladb-Helenabrunn; die grösseren Kinder (die Fackelträger) zerstreuen sich nach dem Umzuge u. gehen zu den Häusern mehr oder minder befreundeter Familien u. nehmen heimlich die Buchweizenkuchen weg, die man sie stehlen lassen will (
et Koksteəhle)
; op sent Martes Oəwend kriege de Kender Sent Marteskückskes en Sälfmelk (Salbeimilch) Geld-Schravelen. — In Eup-Raeren wurden noch um 1900
de Bomm gelüət mit brennenden Fackeln die Obstbäume beleuchtet. —
Trutzlieder der Kinder.
Sent Marte, s. M., dij Kuhwe häwwe Starte, dij Kalwer h. Ohre, dann trecke wej s. M. bej dij Ohre! Geld-Kevelaer.
Zint Märte, z. M., de Kuh hät siəve Sterte! Kemp-Hubert.
Heissa zent M., de Kalver häbben Hörnder on krupen alt in de Dörnder; h., z. M.! Kemp-Breyell.
Sint M. häj en Kouh geschlaeht; die K. wor fett, et Kalf wor mager, s. M. mott de Knöckskes knage! Geld-Stdt.
Sank Martin, s. M., dat wor ene guje Kerl; hei ging bej Stabelmanns Tei in de Kos on frot sech satt för nen halwe Grosch! Mörs-Rheinbg. — RA.:
Sint Mäərten es ene Freəter bezieht sich auf das o. geschilderte reichliche Kuchenessen; wird einem hierbei zu viel zugemutet:
dat es s. M. tou ene Geck gemäckt Geld-Leuth; auch allg.
mak kene Geck van s. M., et es (woər) ene hellege Mann! übertreibe nicht, treibe es nicht zu toll, missbrauche meine Güte nicht Kemp, Kref, Geld, Mörs, Klev.
Potz Mäərte, dat es wohr! Ausruf Dür 1880.
Den früs (friert)
wie ne Schnider öm sint Mäərte MGladb-Rheydt. — b. der ziemlich verbr. Vorn. (heute meist die volle
nhd. Form). Neckr.
Jülechs Mäərte schleiht de Tromm (Trommel)
met Geərte! Ahrw-Sinzig.
Hannmärter (Johann
M.) Neckn. derer von Kreuzn-Daxw. — 2. übertr. a. persönl.
mīrdə durchtriebener Kerl Birkf-Idar. — b. sachl.
mērdən Kaffeekessel Bitb-Geichl.