Eintrag · Etymologisches Wb. des Ahd. (EWA)
liogan
loug, lugum, part.prät. gilogan), im Abr und
in weiteren Gl., B, GB, I, T, O, FB, MB,
PfB, WeGB II, NBo, NCat, Ni, Ns, Nps,
Npg, Npw:
‚lügen, (absichtlich oder unab-, lioganti wesan
sichtlich) die Unwahrheit sagen, Unwahres
behaupten, fälschlich behaupten, täuschen,
einen Fehler machen, verneinen; celare, fal-
lere, falsa loqui, falsus (gilogan), fingere,
mentiri, negare‘
‚sich vertun;, gilogan sîn
fallere‘
‚falsch sein; falsum〈Var.: präs. -ia-, -iu-, -vi-; -k-;
esse‘
part.prät. ke-, ge-; -en〉. Der Diphthong -io-
vor a, e, o der Folgesilbe tritt nur im Frk. ein,
im Bair. und Alem. erscheint dafür generell
-iu- (vgl. Braune-Reiffenstein 2004: § 47, 2).
Das anl. h- in hliugit (Abr 1,144,37 [Ra]) ist
etymologisch nicht berechtigt. Inl. -k- (Abr
1,144,37 [Pa, Kb]) und -c- (Gl. im Clm.
6312; vgl. Glaser 1996: 598 f.) ist selte-
ne Graphie für /g/. – Mhd. liegen, mitunter
noch liugen (präs. liuge, prät. louc, lugen,
part.prät. lugen)
‚lügen, die Unwahrheit sa-, iemanne die hulde
gen, täuschen, betrügen‘
liegen
‚jmdm. die Dienstpflicht versagen‘, in
der Paarformel liegen unde triegen
‚lügen, ält. nhd. ganz selten sw.
und betrügen‘
Formen des Prät. (Schiller, Räuber 1, 5 wenn
meine Augen mir nicht lügten; zit. nach Dt.
Wb. 12, 1273), nhd. lügen
‚bewusst die Un-, in ugs. Re-
wahrheit sagen, mit Absicht die Unwahrheit
sagen, um andere zu täuschen‘
dewendungen lügen, dass sich die Balken
biegen (seit dem Frühnhd.), lügen wie ge-
druckt
‚hemmungslos lügen‘. Die unregel-
mäßige Rundung des Wz.vokals in lügen
1341 lioganS1342
beruht auf dem Einfluss der Ableitung Lüge
f. (s. lugî[n]). Der Ersatz von -ie- durch -ü-
setzte sich wohl deswegen durch, weil die
Homonymie mit dem st.v. liegen (s. liggen)
so aufgehoben wurde.