kötze,
f. korb, rückenkorb u. a. II.
Bedeutung und gebrauch. I@11)
korb: citella, sporta, kötze Dief. 127
c 15.
jh. (
rhein.). I@1@aa)
hauptsächlich tragkorb, rückenkorb mit armbändern (Schm. 2, 347, Vilmar 221),
corbis dorsuaria Stieler 1020: dein kötzen ist da worden leer. Ayrer
fastn. 108
b,
vorher korb
genannt (
mit birnen); nam ihn (
den mantel) in ein fränkische kötzen und truge ihn für
das statthor. Kirchhof
wendunm. (1602) 1, 511,
eine kötze
in bestimmter, fränk. form; bei diesem steine ruhte frau Hulda jedesmal aus, wenn sie ermüdeten mädchen, welche zu schwer mit gras, streu oder holz belastet waren,
die kötze abgenommen und getragen hatte. Wolfs
zeitschr. f. myth. 1, 24,
unterfränk.; sah aus wie ein .. bettler und trug eine kötze auf dem rücken, als wollte er milde gaben darin sammeln.
kinderm. no. 46,
hessisch. I@1@bb)
aber auch als doppelkorb den ein esel trägt, s. fastn. sp. 731, 21. 346, 1 (
obscön angewandt). I@1@cc)
auch für vogelkorb, bei Dasyp.
s. v. avis: aviarium, ein vogelkrätze oder kötze, ein ort da man vogel ziehet oder neret. 16
b.
als fischkorb s. II, 1,
a. I@1@dd)
es gilt heutzutage, meist mit nebenform kütze (
s. II, 1),
in Franken, z. b. graskötz, tragkötz, mistkötz, hüenerkötz Schm. 2, 347,
von da wesentlich das Main- und Rheinland abwärts, am Mittelrhein, in Nassau, Niederhessen (Vilmar 221,
mit beschreibung der verschiedenen form des korbes),
auf dem Westerwalde Schmidt 95,
der es auch als pfälz. angibt; auch ins nrh. greifend bei Fromm. 5, 278
b. 281,
in Waldeck Curtze 478
b (
s. auch II, 1,
a),
anderseits südl. ins schwäbische (Schmidt
a. a. o., vergl. übrigens II, 1,
c).
auch nordfränk., im henneb. Reinw. 1, 86. 2, 74,
in der Ruhl Regel 151;
nördl. aber selbst ins nd. gebiet greifend, götting. kœze,
selbst kœte Schambach 110
b,
vgl. II, 2. I@22)
westerw. auch dicker bauch: sie hat eine kötze. Schmidt 95,
eig. wol als futterkorb, freszkorb gedacht. so schon kötz
bauch bei H. Folz,
in der anrede an einen trinker: wann du dein kötz seufest so vol. Kellers
fastnachtsp. 1211.
ebenso nordböhm. kober (
s. d. 1,
b)
bauch, eig. korb, und osnabr. kype
korb (
s. kiepe)
auch für bauch, z. b. he heft syne kype vull,
s. Strodtm. 103. I@33)
andres flechtwerk: sind mit binzen und kötzen, ausz einem gemösz gemacht, bekleidet. Frank
weltb. 1567 197
b. I@44)
merkwürdig für wiege bei Kirsch
cornuc. 1, 572
a:
incunabula, kindswiegen, kötze,
doch wol eigentlich korbwiege. I@55)
fraglich scheint bei Stieler 1020 kötze
als schrank; da er als andere aussprache dafür köde
angibt (
d. i. köte,
s. d.),
auch als korb, so liegt da wol eine vermengung vor. IIII.
Formen und verwandtschaft. II@11)
die formen zeigen ziemliche manigfaltigkeit. II@1@aa) kütze
wird als neben kötze
geltend angegeben nass., fränk., henneb., hier als '
feiner'
von Reinwald 1, 86.
und wie dieser es auch aus Koblenz gibt, so ist es dort überrh. älter bezeugt: und wannie (
für mhd. swanne) er einen weiszen fisch fanget, sol er ihme in den mund speien und die kütz bieten (
hinhalten). felt er in die kütz, so ist er des gehofeners, felt er ausz, so ist er wiederumb des herren.
weisth. 2, 528,
ein fischkorb. trotzdem wird kötze
bei seiner verbreitung auch echt sein. II@1@bb)
der vocal wird theils kurz theils lang angegeben, beides zugleich vom Westerwalde, aus Nassau, kötz
und köz, kütz
und küz (
d. i. eig. küze
u. s. w.) Kehrein 1, 241,
nur lang hess., waldeck., götting., auch pfälz. 'keeze' Reinwald 1, 87 (
vgl. c).
ebenso schwanken kitze
und kieze
gleicher bed. (
sp. 700).
doch wird überall die kurze form die ursprüngliche sein. vergl. die doppelform kitze
und kieze
katze sp. 870. II@1@cc)
als nordschwäb. wird übrigens kätze
angegeben, so aus Schw. Hall von Reinwald 2, 74,
und ebendaher ein älteres zeugnis, 'ketz
tragkorb'
bei Schmid 311,
dessen e
gleich ä
sein wird: ein trunkener redt heraus wie eine ketz die keinen boden hat. Seybold
lustgarten (1677);
auch das pfälz. kêze
unter b könnte daher gehören. so stellt sich aber in kitze, kütze, kätze
völlige ablautung dar. und noch anders im vocal schwäb. käuze (kaize)
f. bäckerkorb der auf dem rücken getragen wird Schmid 304. II@22)
für das alter des wortes ist die frage wichtig, ob es sich auch im nd. bereiche findet. das gött. köte
unter I, 1,
d, zudem als selten bezeichnet, ist als beweis nicht ausreichend, da es der hd. form entstammen kann; merkwürdig wäre daran die rückverschiebung des z
zu t,
die doch wirklich vorkommt (
s. u. kerze).
sonst find ich nur ein engl. wort das zu kitze
stimmt: kit
korb von stroh oder binsen für häringe oder sprotten, doch auch korb überhaupt Halliwell 496
a. II@33)
hohes alter wird ihm aber wol durch folgende merkwürdige gleichungen verbürgt. II@3@aa)
für wiege findet sich ein englisches cott (
auch kleines bett) Halliw. 272
b,
das für kötze
wiege (I, 4)
in frage kommen kann. die wiege heiszt aber hd. auch hotze (Frisch, Dief. 162
b,
nov. gl. 123
b),
und diesz scheint im grunde eins mit schweiz. hutte
korb, hotte Frisch 1, 471
a,
vergl. das. hotzeln
auf dem rücken tragen wie einen korb. also kötze
korb, wiege : hotze
wiege, korb, und beide gleich bis auf die anlautstufe. II@3@bb)
wie aber korb
selbst auch häuschen, hütte ist, schon ahd. (
sp. 1799),
so stellt sich zu jenem hutte
korb überraschend hütte
selbst, und ebenso zu kötze
korb das md. nd. kote
hütte, engl. cot.
beide wortpaare gleichen sich völlig in der sache, in der form dem lautstoffe nach auch, nur die lautstufe des anlauts ist gleichmäszig abweichend. das ganze aber ist ein neuer beweis, dasz in der vorzeit hütten, häuser auch durch flechtwerk, korbwerk hergestellt wurden (
s. sp. 1800
β).
vergl. auch kiepe
korb mit kiffe
häuschen? II@3@cc)
vielleicht findet auch kotze
wollengewebe hier sein unterkommen. es traten dort II, 3
wörter auf mit dem begriff flechten (
s. besonders kaute, kauze
geflochtenes flachsbündel).
das weben ist ja nichts als eine art flechten, und das älteste weben, das doch mit der hand geschehen muszte, war notwendig ein wirkliches flechten. noch jetzt tragen die Gottschewer hirten in Krain mäntel die sie sich von lindenbast machen (3.
jahresber. d. vereins des krain. landesmus. 1862
s. 24),
wie die Inder sich kleider aus bast flechten. für unsere vorzeit gibt eine andeutung gleicher kunst goth. snôrjô
korb, flechtwerk verglichen mit hd. schnur,
für die Slaven vielleicht böhm. koš
korb vergl. mit košile
hemde. ja man könnte kleid
so zusammen bringen wollen mit nd. kloet
korb (
s.klauer 2), klauder
weidicht. II@3@dd)
einen einigungspunkt für unsere wörter und begriffe böte überraschend das finnische, da heiszt kudon
zugleich stricken und weben und —
bauen Renvall 1, 224
b (
ehstn. kuddoma
stricken und weben);
und der finnischen anklänge sind zu viel und zu bedeutsame, als dasz man sie schlechtweg zurückweisen könnte (
s. z. b. unter kanker, kitzeln 3,
a, kocke
haufe 2,
b, kasten 8,
b, kitz II, 5).