köstlich ,
sumptuosus, pretiosus. II.
Form und nebenformen. I@aa)
mhd. in doppelter, wo nicht dreifacher form, kostelîch
oder kostlîch
und kostenlîch;
das letzte entspricht dem schwachen koste
m. (
gen. kosten),
die ersten dem starken koste
oder kost.
nl. kostelijk,
dän. kostelig,
schwed. kostlig,
norw. kosteleg,
altn. kostligr, kostuligr,
engl. costly. I@bb)
die schwachformige bildung noch im 15.
jahrh. und länger: auch hetten die münch von Hailsbrunn zwen kostenlich höff hie in der stat .., kostenlichen (
adv.) und wol durchbaut.
Nürnb. chron. 2, 191; so köstenlich zu leben. A. v. Eybe
ob eim manne ... 87
b,
die umlautsform wahrsch. auch schon mhd.; in ein vil gute brünne, die was gar köstenlich.
hürn. Seifr. str. 70,
im Leipziger druck 1611 köstentlich. I@cc)
mit unterdrückung des t
mitteld. koszlich
lautus voc. opt. Lpz. 1501 P 2
b,
und noch bei Steinbach 1, 918. 920
und zwar als gewöhnliche form köszlich.
es ist wie kospar
für kostbar I@dd)
zu der md. form kust
gehörig (
sp. 1852
mitte)
md. küstelich
preciosus Dief. 452
a, kustelich
sumptuosus 566
b,
vgl. unter kostbar I,
b. I@ee)
ganz merkwürdig mnd. kostel (
neben kostlik)
Rein. vos 4922, in kostelen kledern Lübbens
gloss. s. 301
a, ein kostel pant,
kostbares pfand Hölscher
geistl. lieder s. 94;
auch nrh. nach kostelheit
sumptuositas Dief. 566
b.
dazu stimmt norw. kostall
mit kosten verbunden Aasen 234
a,
dalekarl. kóstal Rietz 347
b,
altn. kostall Fritzner 364
a. I@ff)
der umlaut schwankt noch nhd.; wie im 15.
jh. kostenlich
und köstenlich
unter b, so noch im 16.
jh. bei Maaler kostlich
und köstlich
wechselnd (II, 1,
b),
während Dasypodius
und noch Schönsleder
nur kostlich
geben. ebenso schwankten früher z. b. kauflich
und käuflich,
wie noch glaublich, gastlich
ohne umlaut sind. die umlautende wirkung des -lich
war nie kräftig genug, um durchzugreifen. IIII.
Bedeutung. II@11)
vom alten kost
aufwand. II@1@aa)
theuer, viel kostend (
so engl. costly).
sumptuosus, vol kost, kostlich.
gemma gemm.; man muosz ietz (
für processe) köstlich redner dingen und sie von verren landen bringen. Brant 71, 21; das der mönsch ist ein bild gottes, so adelich geschöpft und so köstlich erlöset. Keisersberg
eschengr. c 4
a; keiner macht seiner eschen (
asche) einen sollichen köstlichen sack (
von gold und seide). a 3
b; so kostlich essen und trinken ist nie gewesen, solcher bracht und pomp, die welt ist uberausz kostlich worden, do wil nicht mer klecken (
nichts ausreichen), alle ding steigt aufs höchst. S. Frank
laster g 1; aber doch solt ein masz da sein (
im kirchenschmuck) und mehr (
darauf) geachtet werden, das es reiniglich, den köstlich were, was zu gottes dienst verordnet wird. Luther 1, 191
b; dieses kleid ist ein biszgen zu köstlich für mich,
trop cher. Rädlein 559
b. II@1@bb)
aufwand machend, auch mhd., und noch nl. een kostelijk man,
der viel verthut: köstlich sein,
facere sumptus. Maaler 247
b; kostlich, verthig, der vil verthuot und groszen kosten hat,
impendiosus. 250
a; kostlich,
überflüssiglich, sumptuose. das., köstlichen
ambitiose 247
b; dieser reichen köstlichen frawen perlin. Fischart
ehz. 78 (
Sch. 470); (
bilder heiliger frauen) so frei geschmuckt .. wie die köstlichsten cortisanen zu Rom.
bienenk. 1588 159
a,
verschwenderisch, prachtliebend; in denen ausgaben, welche nicht leicht wiederkommen, ist es zugelassen köstlicher und herrlicher zu sein. Schuppius 739. II@1@cc)
daher vornehm, stattlich, prächtig, oder verwöhnt: kostlich,
edel, antiquus, nobilis. Dasyp. 366
d; kostlich und prachtlich bekleidet sein,
delicate vestiri. Maaler 250
a; sich köstlich kleiden. Schuppius 511; es stund nit lange zeit darnach, dem herren kamen gest, es waren eitel (
lauter) köstlich leut, er gab ihns allerbest.
Ambr. lb. 220, 83.
im voc. th. 1482 r 2
a kostlich, lieblich, zartlich, leckerhaftig,
lautus; ein köstlich leben führen,
in deliciis vivere. Stieler 1019; köstliches kleid,
un riche habit. Rädlein. II@1@dd)
besonders auch von schmaus und speisen. II@1@d@aα) kestlichen (
adv.) gelebt mit essen und drinken,
laute vivere, epulari. voc. inc. teut. n 5
a,
man dachte dabei gewiss auch an kost, köste
schmaus oder an kosten
gustare (
wogegen Frisch 1, 539
deshalb sich ausspricht),
vergl. unter köstlichkeit; diser frasz (
eszsucht) ist sich auch verbergen under der gestalt der verachtung kostlicher speisen, und doch in warhait so ist der schleck in der unkostlichen nachgültigen (
billigen) speis. Keisersberg
siben scheiden (
granatapf.) k 4
c; ain armer mensch mag me lust (
wollust) haben und gröszer sich verschulden (
durch gier) mit essen ains pfenningswert kostlichs (
von etwas delicatem für einen pf.) weder ainer der mit vernunft gens und hner isset.
das.; es ligt nit daran, ob du kostliche oder nachgültig ding essest.
das.; es ist besser geringe narung unter einem bretern eigen dach, denn köstlicher tisch unter den frembden.
Sirach 29, 29,
λαμπρός; köstlich speisen,
edulia exquisita, delicata. Maaler 247
b, köstlich und mit sunderen schläcken,
delicate. das.; köstlich essen,
cupediae. Stieler 1018; köstliche bissen,
delicatezze. Rädlein,
vgl. köstlichkeit 2. II@1@d@bβ)
daher denn noch jetzt statt delicat,
doch kräftiger als diesz, z. b.: das war ein köstliches mahl; die äpfel haben einen köstlichen geschmack, schmecken köstlich; aber den übrigen berg bedeckten einzelne stöcke, kleinere trauben tragend, von denen der köstliche wein kommt. Göthe 40, 265; labt er sich mit süszem köstlichen wein. Schiller 111
a.
auch nl. kostelijke spijzen,
delicate. II@1@d@gγ)
bildlich: und ist der tod mit dir ein köstlich-süszes leben. Weckherlin 707; o es ist süsz, es ist köstlich süsz. Schiller 111
a; wie so köstlich wehet die luft von meinen heimatgebirgen! 128
a u. ähnlich mehrfach in gebrauch. II@22)
von hohem oder höchstem werte, wie kostbar 2
und oft damit tauschend, doch oft noch kräftiger. II@2@aa)
im genauen sinne. II@2@a@aα)
von wirklichen wertsachen, es ist z. b. ein lieblingswort Luthers (
fast an jeder stelle mit der var. kostlich): das gold des lands ist köstlich.
1 Mos. 2, 12,
in den LXX καλός,
vulg. optimum; die lere achtet höher denn köstlich gold.
spr. Sal. 8, 10; wem ein tugentsam weib bescheret ist, die ist viel edler denn die köstlichsten perlen. 31, 10; sampt den köstlichen kleinoten.
Dan. 11, 8; gefäsz von köstlichem holz.
off. 18, 12,
τιμιώτατος; von ungefelschster köstlicher narden.
Joh. 12, 3,
πολύτιμος; grosze und köstliche steine (
zum tempelbau).
1 kön. 5, 17. 7, 9; klauben sie (
die bergleute) das erz, und was köstlich ist, thun sie in die trög, was aber gering, in die fäszlein. Bechius,
Agricola bergwerk 214; der köstliche demant. Opitz 3, 211, magnet 2, 43; hier hör ich fast kein wort als klagen, leichgesang, fluch, elend und bereden, und wenn es köstlich ist von leinwand, flachs und fäden. Günther 481; was köstlich wächst in allen himmelsstrichen, wird ausgestellt zur schau und zum genusz auf unserm markt zu Brügg. Schiller 468
a; umsonst verbrannt ist köstlich rauchwerk auf altären. 612
a. II@2@a@bβ)
von kunstsachen und kunstarbeit: (der tag des herrn wird gehen) über alle schiffe im meer und über alle köstliche erbeit.
Jesa. 2, 16; mit den köstlichen gefeszen im hause des herrn. 2
chr. 36, 10; zwei gute eherne köstliche gefesze.
Esra 8, 27,
vgl. die k. kleinote
unter α; es ware ein teutscher gesandter zu Rom, dem zeigten die Römer einen sehr künstlich und köstlich conterfaiten alten schäfer (
ein gemälde). Zinkgref 1653 1, 286.
vgl.kostbar a. e. von kunstarbeit. II@2@a@gγ)
von anderem, dessen wert man sich deutlich macht, indem man es als wertsache nach α (
oder β)
behandelt: wein und vers, je älter, je köstlicher sie werden. Zinkgref 1653 1, 166; so wie der mensch sich des auges köstlichen apfel bewahrt, der vor allen gliedern ihm lieb ist. Göthe 40, 242; über des menschen leben, dem köstlichen schatz, herschet ein schwankendes loos.
ders.; hier gilt es einen köstlicheren preis, das herz des todfeinds ... Schiller 544
b; und trifft es morgen, so lasset uns heut noch schlürfen die neige der köstlichen zeit. 330
a; liebstes kind, du weinest? wehe über den, der diese köstlichen tropfen aus so himmlischen augen presst. 111
b (
kurz vorher kostbar
von ring und diamant). II@2@a@dδ)
von rein geistigen, sittlichen werten: es ist ein köstlich ding, gedültig sein und auf die hülfe des herrn hoffen.
klagl. Jer. 3, 26; darumb musz ir trotzen 'köstlich ding' sein.
ps. 73, 6; es ist ein köstlich ding, das das herz fest werde.
Hebr. 13, 9,
καλόν; wie köstlich sind fur mir, gott, deine gedanken.
ps. 139, 17; und ist nichts köstlichers denn ein keusches weib.
Sir. 26, 20; auf das ewer glaube .. viel köstlicher erfunden werde denn das vergengliche gold. 1
Petr. 1, 7,
πολυτιμώτερον; ich wil euch noch einem köstlichern weg zeigen.
1 Cor. 12, 31,
καθ' ὑπερβολήν; solch seligkeit im himel ... köstlich uber alle freude und güter, wie das gold das höhest köstlichst erz ist. Luthers
br. 4, 80; das köstlichste geschenk des himmels, entschlusz in dem geltenden augenblick. Schiller 193
a; die einsamkeit ist meinem herzen köstlicher balsam. Göthe 16, 6. II@2@a@eε)
auch mit dativ, wie kostbar II, 2,
d: euch nu, die ir gleubet, ist er köstlich (
τιμή). 1
Petr. 2, 7.
es ist wie bei wert, theuer. II@2@bb)
in hundertfältiger verwendung als allgemeines kraftwort, um etwas als auszerordentlich gut, schön, herrlich zu preisen. II@2@b@aα)
von wirklich wertvollem: unser leben wehret siebenzig jahr .. und wens köstlich gewesen ist, so ists mühe und erbeit gewesen.
ps. 90, 10; es ist bisher eitel köstlich wetter gewest. Luther 5, 21
a.
br. 4, 9,
noch jetzt das köstlichste reisewetter, die köstliche frühlingsluft
u. ä.; das waren köstliche tage!; wir haben uns köstlich unterhalten; er ist heute in seiner köstlichsten laune; köstlich schlafen; aber wol dir, köstlich ist dein schlummer. Schiller 6
b; köstliche terrassen und schattige laubgänge. Göthe 43, 250; der garten Boboli liegt köstlich. 27, 179; das ist ein köstlicher einfall!; prechtige gedanken und köstliche anschlege. Luther 5, 484
a; das solche klüglinge sich unterstanden einigkeit oder reformation anzurichten ... und solches mit köstlichem fürgeben zu markt brachten.
ders. in Wackern.
leseb. 3, 1, 203,
in herrlicher darstellung; köstliche beschreibungen. Göthe 53, 69; köstlich gedacht und geschrieben. 29, 120; sein höstliches gemüth. 25, 228. II@2@b@bβ)
aber auch von anderem, was uns augenblicklich entzückt: noch mus dis alles heiszen des Luthers evangelion unter der bank erfür gezogen (das sol ein köstlich gespötte sein). Luther
verantw. der aufgelegten aufrur von herz. Georgen D 3
a,
schon ganz so wie jetzt köstlicher spasz,
über den man auch köstlich lacht.
man sagt so: ich musz euch eine köstliche geschichte erzählen,
die euch köstlichen spasz machen wird. II@2@b@gγ)
das adv. hat auch eine besondere verwendung: welches sie auch, so bald sie es hören, köstlich wol verstehen. Luther 3, 407
a,
wie sonst oft 'trefflich wol',
ganz gut, '
ganz herrlich'
wie man da auch sagt, mit ironischem anklang, wie köstlich
dort wol auch (
vgl. d); vom wundermann hat man euch immer erzählt, nur hat die bestätigung jedem gefehlt, die habt ihr nun köstlich in händen. Göthe 1, 227; den mond zeigt es (
das teleskop) köstlich, mit den planeten will es aber noch nicht ganz gelingen.
an Knebel 227. II@2@b@dδ)
eigen in folg. stelle: so seltner freund ist köstlich zu bewahren! Schiller 666
a,
es könnte für als köstlich
stehn, doch möchte der dichter das kostbar 4
gleich précieux,
sorgfältig im sinne gehabt haben. II@2@cc)
wenig von menschen: als ich die kantische lehre .. zu nutzen suchte, wollte mir manchmal dünken, der köstliche mann verfahre schalkhaft ironisch. Göthe 50, 56; ihr seid immer mein bester, köstlicher junker. Schiller 130
b,
Daniel zu Karl Moor; und nun finde ich euch alle versammelt ... o ihr guten köstlichen gesichter miteinander! Jacobi
Woldemar 1794 2, 278; (
J. Grimm) unter den geistigen häuptern der nation das köstlichste haupt. Gervinus
gesch. des 19.
jh. 8, 57.
So besonders jüdisch - deutsch: er kam in eine grosze statt, darinnen fraget er nach rabbinen. man saget ihm, es wohnete da ein köstlicher mann mit namen rabbi Schefison. Helvicus
jüd. hist. 1, 122; wie ein köstlicher mann musz das gewesen sein, dieweil ihm gott der herr ein so grosz wunder hat gethan. 1, 50
u. o., besonders ein köstlicher rabbi. II@2@dd)
aber auch ironisch (
wie kostbar 2,
f): das ist ein kostlicher kerl! ein köstlicher dummkopf!
der uns '
köstlichen spasz'
macht. schon bei Luther: etliche martern das wort 'donec' und sol heiszen 'darumb das' ... dieser ist ein köstlicher meister, den solt man mit eselsförzen krönen, setzt das hinderst zu förderst. 8, 67
a.
auch im ärger: das ist aber köstlich! uns hier auf der strasze in wind und wetter warten zu lassen!
u. dgl., hier gleich arg
oder dumm. II@33)
früher auch gleich sehr dienlich, zuträglich: auch rhaten die doctores all, dasz zu der gsundheit köstlich ist sich prechen alle monats frist. Scheit
grob. D 4
a; der tamhirz (
dammhirsch) hat ein köstlich gehürn für (
gegen) gift und zu mancherlei krankheiten und schäden. Fischart
ehz. 536
Sch.; caseus und panis sind köstliche fercula sanis.
Garg. 55
a (89
Sch.); es ist ein köstlich ding einem man, das er das joch in seiner jugent trage.
klagl. Jerem. 3, 27,
vulg. bonum est viro.
es ist nichts als anwendung von 2,
b, starkes 'gut',
das ja ebenso gebraucht und mit für, zu
verbunden wird. II@44)
etwas anders gemeint könnte aber folg. sein: da unser land gar sandig ist und anders nichts denn eitel steine, denn es ist nicht ein fett, köstlich erdreich. Luther
tischr. 2, 104; ein land, sunst köstlich und fruchtreich. Weckherlin 232 (
ps. 107, 39),
da scheint zugleich kost
nahrung dahinter zu stecken.