klieben ,
findere, spalten, aber mit abweichungen in form und bedeutung. 11) klieben
spalten, starkformig. 1@aa)
mhd. klieben,
praes. ich kliube, wir klieben,
imp. kliup,
praet. ich kloup, wir kluben,
part. praet. gekloben.
ahd. chlioban,
alts. clioBan (clôf, cluBun),
ags. cleófan,
altn. kliufa,
alle in der gleichen starken bildung. von der verwandtschaft s. klauben I,
c. d, vom grundbegriffe das. e, die bed. spalten kann nur eine zufällig auf dem platze gebliebene einzelne seite des grundbegriffes sein, wie dort und hier unter 3
klar wird. ähnlich verhält sich in der bed. ahd. scrufian
findere zu screfôn
incidere, nhd. schrefeln
ritzen, kratzen, auch das spalten musz urspr. ein losarbeiten mit nägeln, zähnen gewesen sein. 1@bb)
im nhd. kommt aber die starke form und damit das ganze wort ällmälich ins gedränge. im 15. 16.
jh. zeigt sichs noch wolerhalten: ich wil das holz klieben und hawen. H. Sachs 5, 230
c; die wimmer (
knorren) musz man mit keiln klieben. 3, 3, 42
c (1588); solch stöck die lassen sich nicht kliebn, thun ein starken holzhacker übn (
anstrengen). Ayrer
singsp. 162
a (3136, 28
K.).
im praet. sg. klob (
wie schob): und traf des helden schiff so grob, das es sich halb vonander klob.
Teuerd. 65, 32.
im part. praet. '
fissus gekloben'
gemma Str. 1518 J 7
a (
aber nur '
findere spalten'
das.).
auch der besonders gefährdete plur. praet. ist noch gut vorhanden: man schosz die heuser das sie kluben, die stain hoch ab der ringsmaur stuben. Soltau 2, 85 (
v. j. 1521),
vgl. klöber; sie (
die geschütze vor Hohenkrähen 1512) sungend, dasz die mauren klubend und pett und pölster zum tach ausz stubend. Uhland
volksl. 472.
der imp. muszte gut nhd. kleub
heiszen, mit alem. vocal klüb (
lang ü): clübe das von einander. Scherz 216.
diesz klübe
kann aber auch schon zu 2
gehören. die bed. ist, wie die beispiele zeigen, sowol trans. als intr. (
gleich sich klieben,
findi),
wie schon mhd. und wie bei spalten. 1@cc)
auch ein bildlicher gebrauch zieht sich aus der mhd. zeit zum nhd. herüber, vom brechen des herzens: der knecht sprach, fraw, bedenkt euch basz, und secht mir in meins herzen vasz ... ir habt ze lang mirs ufgeschoben, bis es mir vor laid ist cloben. Rosenblüt
der mann im garten. Hätzl. 290
b.
in Baiern noch jetzt das herz möcht sich einem klieben Schm. 2, 351.
gleichfalls nach mhd. art für vernichten, vereiteln, wie trennen, spalten
früher, in einem bair. lied von 1519
auf die judenaustreibung in Regensburg: darinnen wöll wir loben Maria die schöne meid, am wagen hat sie geschoben (
uns geholfen), den judenwuecher kloben (
gekloben). Körners
hist. volksl. 108.
vielleicht ist auch alt bairisch das kan i net kliebm,
nicht bezwingen, leisten, es kommt überein mit nicht klein kriegen
sp. 1093 (
i, β). 1@dd)
seit dem 17.
jh. aber musz es allmälich auszer gebrauch gekommen sein. Stieler 978
nennt zwar noch klieben
findere, insecare, holz klieben, kliebung
rima, es ist eine grosze kliebung;
aber Schottel, Rädlein, Ludwig, Schmotther, Steinbach
nennen es nicht mehr, erst der oberdeutsche Frisch 1, 523
a wieder vom holzspalten mit keilen (
dazu intr. aufklieben
rimas agere, zerklieben
diffindere).
auch Adelung
nennt wieder vollständig klieben, klob, gekloben,
als mehr oberdeutsch, intr. das holz ist gekloben,
hat sich gespalten, refl. sich klieben
und trans. holz klieben.
wie es aber die neuern schriftsteller nicht brauchen (
die dichter sollten es doch hegen),
scheint es auch im volke meist erloschen, in Leipzig z. b. ist es unbekannt, spalten
hat seine stelle. dagegen lebt es im bair. gebiete noch, da wird das holz vom holzhacker gekloben,
eine glocke, schüssel ist zerkloben
hat einen spalt, ein geklobener zaun
aus spalten in die man ausgewachsene baumstämme zerkloben
hat, in waldungen. Schmeller 2, 351.
ebenso östr., z. b. in Tirol, daher kliebholz, kliebhacke (
auch kärnt.)
zum holzspalten, wolkenklieber
scherzhaft von dem hute der beamten, officiere Schöpf 324.
daher bei einem Östreicher: der hausknecht, der just scheite klob, lief her mit seinem schlägel (
er kliebt also mit dem keil). Blumauer
Aeneis 7, 63 (
Lpz. 1803 3, 30). 1@ee)
als spuren des abgestorbenen starken zeitworts bleiben aber in der sprache kloben, kluft,
s. auch kluppe, klub, kliebig.
wol erhalten ist es übrigens im schwedischen (klyfva),
bes. in den mundarten (
s. Rietz
s. v. kliova)
und in Norwegen, Island. 22)
schwache nebenformen. 2@aa) klieben
schwach behandelt: und mit Zeus eignem keil kliebt' ich die eich' ihm. Voss
Shaksp. 1, 91 (
sturm 5, 1),
das ist aber nur persönliche willkür. doch auch für nl. klieven,
spalten und sich spalten, wird jetzt kliefde, gekliefd
angegeben (
vgl. d),
wie engl. cleave
im praet. und part. cleft
bildet, obwol part. cloven
noch bekannt ist. 2@bb)
eine berechtigte nebenform ist kloben,
nnd. klöven,
das darum für sich aufzuführen ist; es wird aber seit dem verkommen von klieben
damit vermischt, Ludwigs
teutsch-engl. wb. z. b. stellt klöben
spalten auf mit perf. ich hab es (
das holz) gekloben.
ähnliches bei kiesen
sp. 697.
so ist nd. in klöven
das starke klieven
untergegangen, wie dän. in klöve. 2@cc)
zu klieben
selbst aber gehört eine form kleuben, bair. (kloibm, kluibm),
östr. kloiben Loritza,
bei Castelli gloibn, ausannda gloibn
zerhacken, gloibzaich
n. das werkzeug dazu, und zwar neben dem rechten klieben;
vgl. schwäb. klüben
klaffen Schmid 318.
das ist nicht blosz sache der aussprache oder mundartlicher laune, denn es ist schon mhd. und älter bezeugt. so in dem geislerliede des 14.
jh. bei Closener 86: die erde bidemet, es klübent die steine (
felsen), ir herten herzen, ir süllent weinen. Uhland
volksl. 829.
und im 11.
jh. in der genesis: die zeni chliubint daʒ (
was) man in den munt sciubit.
fundgr. 2, 79. Diemer 110, 3.
also ein praes. mhd. kliuben,
ahd. chliuban
ohne brechung, wie liugen, stiuben
Nib. 553, 2
in B, auch in subst. wie fleuge,
ahd. fliugâ
neben fliege, fliogâ (3, 1773).
die seltsame erscheinung ist wie im bairischen so auch im alem. gebiete besonders heimisch, s. Weinhold alem. gramm. 64. 88. 327,
vgl. J. Grimm
u. fleuge. 2@dd)
aber auch von da Rheinabwärts: chlewbung
fissura Dief. 237
a, kleubin
findere 236
a, kleubunge, cleuvinghe
fixura 237
b,
alles aus mrh. nrh. vocc. des 15.
jh., aus Eltvill u. ä.; daran schlieszt sich endlich nl. kluiven,
freilich in der bed. nagen, knaupeln, aber mit den formen von klieven,
praet. kloof,
part. gekloven (
s. a). Schambach 103
b gibt auch nd. kliuben
spalten, klüft
spaltet (
vgl. sp. 437
unter c),
ein restchen des nd. wortes. 2@ee)
begreiflich griff diese form dann auch über das praes., das ihr eigentlich allein zukommt, hinaus: wenn ers (
der holzbauer das holz) gespaltet (gekleubet) hat, macht er holzhaufen. Docemius
Comenius sprachenthür 529.
so kärnt. giklüep(t), gikloip(t)
neben gikloubn Lexer 160. 33)
kleuben, kneipen. 3@aa)
diese form tritt aber auch in der bed. kneipen auf: vellico, ich pfetze, kleübe. Dasypod. 256
b.
mit alem. vocal beklüben
vellicare Frisius 1351
a, Maaler 56
d (
bildlich).
so noch schweiz. klüben Stalder 2, 110. Tobler 110
a,
auch es chlübt mi im bûch inna
ich habe bauchkneipen Tobler, ufchlüba
wund kneipen 430
b;
bei Stalder
auch bildlich für geizig sein, klüber
geizhals, klüberlich
knapp, spärlich. dasz es nichts als klieben
ist, zeigt die starke form, part. kloba
gekloben Tobler,
sodasz es in der form völlig zum nl. kluiven
stimmt. eigner weise fehlt dafür dort die angabe der bed. spalten, wie schon bei Frisius, Maaler, Dasypodius,
vgl. 4,
b und c. 3@bb)
diese bed. hat aber das ansehen hohen, ja höheren alters als '
spalten',
nach der wahrscheinlichen grundbed. des arbeitens mit den klauen, fingern, s. 1,
a; es berührt sich darin nahe mit klauben knaupeln (
vgl.klüber
geizhals mit klauber
geizhals),
wie in nl. kluiven
beides in form und sinn völlig zusammenfällt, nicht anders in nd. klöven,
md. kleuben (
sp. 1021
d),
nur dasz diese schwach sind, wie klauben.
aber dieses selbst bestand auch in der bed. spalten, z. b. in einem md. voc. des 15.
jh. geclubet
fissus Dief. 237
a,
und schon mhd. (
s. klauben I,
c).
dem liegt also wahrsch. mehr als vermischung und verwechselung zu grunde. 44)
kleiben, kneipen, knaupeln, spalten. 4@aa)
auch schwäbisch besteht die bed. kneipen, aber in der form kleiben ('
nicht klaiben') Schmid 316,
man kleibt
z. b. mit der zange das. 318;
mit dem echten vocal heiszt es klîben
und ist starkformig, part. gekliben: dear Hänsle haet dGraetta in dseittan oft kliiba. Frommann 4, 88, 13,
aus dem 17. jh. 4@bb)
dasselbe alem. klîben
heiszt aber auch knaupeln, gleichfalls stark, part. gekliben: ich sprach zu dir, wo stat es gschriben? du hettests usz dem Moise kliben (
geklaubt), dasselbe do din antwurt was. Uz Eckstein
richstag (
kloster 8, 847). 4@cc)
und spalten, sodasz es alles vorige in sich vereinigt: diffindo, von einander klyben oder schitten.
gemma Straszb. 1518 G 4
c (Dief. 181
b);
im voc. inc. teut. d 6
a cleiben
vel spalten,
findere, scindere, in einer andern ausg. cliben Dief. 236
a; kleibunge
fixura das. 237
b, in stucken zerkleiben Fischart
bien. 1588 251
b; und also das erdrich aufspalt und klibt aus mangel des humors. Paracelsus 1589 4, 65,
sicher ist so gut klîbt
gemeint wie rîch.
auch fränkisch, 15.
jh.: do wârt ir herter denn ein stein, der cleipt (
so in der hs.) von eisen sich enzwein. Bartsch
die erlösung s. 248,
als schlechte schreibung von kleubt
ist es nicht wahrscheinlich, da die hs. euch
u. dgl. schreibt; mhd. im Renner 5281 (
s. die stelle unter keil
sp. 446),
obwol die abgedruckte hs. zuweilen auch nach md. art i
für ie
zeigt, z. b. 20468. 7823.
aber auch im bair. gebiete, noch weit älter: brestent die steine (
beim jüngsten gericht) ... si chlîbent sich enviereu. Diemer 285, 16 (chliebent
fundgr. 1, 198, 28).
wenn noch Stieler 978 kleiben, aufkleiben
nennt, war es vielleicht auch thür., wie fränkisch, es scheint eben allgemein gewesen. 4@dd)
auch nd. und weiter, denn götting. kliwen
spalten bei Schambach 103
b ist zwar nach 'gekliwet holt'
schwach, aber kliwere, kliwer
f. splitter das., waldeckisch kliwwer, klibber
f. scheit, splitte Curtze 477
a. 476
b,
westerwäld. kliwwer
f. mit kliwwern
spalten Schmidt 80 (
s. klibern)
beruhen deutlich auf einem starken alts. klîBan
gleich klioBan.
ebenso weist engl. dial. clive
spalten, cliver
hackmesser Halliw. 256
a auf ags. clîfan
neben cleófan,
von dem auch altengl. claef
spaltete, clift
spalt Stratm. 112. 111,
schott. clivvie
spalt zeugnis geben, wahrscheinlich auch ags. clifer
klaue (
sp. 1025).
daher auch franz. cliver
vom spalten der diamanten (
vgl.kasten 6
a. e.).
also ein weiteres beispiel von gleichzeitiger ausprägung eines stammes in zwei ablautsreihen, wie schîben
und schieben,
vergl. J. Grimm
gesch. d. spr. 852
und unter blei,
auch hier sp. 1145.
s. übrigens auch kneip, kneipen. 55)
seltsam mit der geiseln klieben,
mit der peitsche knallen. weisth. 2, 549 (
vgl.krachen 525),
überrheinisch; vgl. allenfalls das eben so seltsame chlubon
gemimus Graff 4, 547.