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kellen

ahd. bis Dial. · 10 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
15 in 10 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

kellen

Bd. 11, Sp. 511
kellen , frieren, ein seltnes und merkwürdiges wort. 11) die reben waren erkollen (erfroren), also das wening wins wart. Stolle thür. chron. 162. so noch erkollen in der Oberlausitz (erdbirnen sind erkollen, etwas gefroren) Anton 8, 5, in der Zips 'halb erfroren' Schröer 68b, in Schlesien erkullen erkältet, erfroren Weinh. 49a. auch verkollen, z. b. die finger sind mir verkollen, im nordöstl. Thüringen, auch bei Leipzig; ostthür. auch verkûln. s. dazu 4. 22) auch das einfache wort lebt noch im fernen osten, deutschungr. kellen und killen, part. gekollen, kälte schmerzlich empfinden (z. b. in fingerspitzen, zähnen). Schröer nachtr. 35b; als beispiel im wb. 68b es költ mich. auf dem Westerwald killen von dem schmerz, der die finger ergreift wenn man aus der kälte in die wärme kommt, de hänn kille meich. Schmidt 79. genau so kellen schon mhd., Scherz 772 bringt versus memoriales aus einer hs. um 1400 (s. das. s. Va, elsäss.?), wie sie die schüler lernten: oriso ilgern (s. 3, 108. 414), geliso sit tibi kellen, dentibus oriso, digitis quoque saepe geliso (offenbar von gelu). 33) es besteht auch nd.: killen, eine kalte empfindung geben, my killen de täne, de finger, de föte. Richey; das brem. wb. dagegen gibt killen als heftig schmerzen überhaupt (killjök juckender schmerz). so ostfries. kellen schmerzen, besonders an den zähnen (kuskelle zahnweh), aber auch 'vor kälte wehe thun' und ebenso holst., vgl. hildesh. kille kälte Fromm. 2, 123. Ferner nl. killen kälten (z. b. wie kaltes brod an den zähnen thut, der tod hat eine killende hand), brennende kälte (killing) verursachen, z. b. mijne voeten killen mij. dazu kil f. kälte, auch kil (flectiert kille) adj. kalt, kältend, killig, bei Kil. killigh alsiosus, minime patiens frigoris. Weiter engl. chill erkälten, gefrieren machen, auch vor kälte schaudern; adj. chill kalt, von kälte starr; subst. chill kälte, schauder von kälte, adj. chilly. 44) es zeigt sich aber, wie im nd., auch in dem md. wort ein ausweichen in sinn und form nach einer andern seite hin. im sächs. Erzgebirge heiszen kranke kartoffeln mit ihren schwarzen stellen verkôln, am Harze getreide, das schwarze körner hat, verkollen; von solchen kartoffeln hört man aber bei Leipzig auch verquollen, in Oschatz, Leisnig dagegen verquollen wieder auch von frosterstarrten fingern. aus Rosswein ferner höre ich, dasz da bergleute sagen, eine erzader ist verkollen, ausgegangen, im praes. aber, wie verquillt, will verquellen; ebendort nennt man erkollen obst das faul wird, holz das astig ist und sich schlecht spalten läszt, christbäume die schlecht gewachsen sind, ausgewachsene kartoffeln; merkwürdig heiszt es dort auch vom eisgange der viel eis auf die ufer geworfen hat, das eis, die eisfahrt ist verkollen, im praes. verquellt, also 'misrät'? in Pegau heiszt es von einem misratenen vergnügen, es ist verkollen. Dáraus spricht unverkennbar das mhd. quëln (qual, quâlen, gequoln) leiden, verquëln verkommen, verderben (s.quälen) mit seinen nebenformen kolen, gekolen, verkolen, s. auch u. erquellen. das erzgeb. verkôln vorhin, das thür. verkûln u. 1 sind in der form nichts als das mhd. verkolen. auch das nd. md. kellen (killen) vorhin erinnert an das mhd. causative quellen peinigen (eig. 'quëln machen') mit nebenform kellen, költ gleich quellet (s. das költ u. 2), und man hat es bisher daraus erklärt. Und dennoch reicht das nicht aus, um alles vorliegende zu erklären. der begriff der kälte, der dem mhd. quëln, ags. cvelan ganz fremd ist, tritt dort zu bestimmt und verbreitet auf, als dasz man jenes kellen nicht zu kalt und seinem stamme ziehen sollte. nur berührung und vermischung mit dem mhd. quëln, quellen liegt vor, wie sie die nähe der formen und begriffe dem sprachgefühl nahe legen muszte; die vermischung ist allerdings, z. b. in dem verquollen von fingern, so vollständig als sie nur sein kann, und sie mag schon in die mhd. zeit zurückreichen. 55) aber es liegt wol vielmehr da ein starkes këllen (kille, kal kullen, gekollen) in trümmern vor, das bedeutsam in den kreis seiner verwandten tritt. die consonantische gestaltung des stamms zunächst zeigt auch kallen gefrieren sp. 68. 69 (nachträglich dazu schwed. källen, käll geronnen, von milch, s. Rietz 382b), das danach um so mehr als unentlehnt gelten mag; diesem kallen mit schwacher form gleicht sich dann das gleichfalls schwache nd. nl. killen, engl. chill. der stamm aber mit einfachem auslaut, also alterthümlicher (s. dazu 2, 324. 3, 140) tritt im nord. auf, aber auch mit dem ablaut i a u: isl. kila f., kalt wasser, kilia f. kalte luft, kilia frieren (hann kilr î nögl, er friert an die fingerspitzen) Biörn 1, 452, altn. kul n. kühler wind (n. kuling), kula kalt werden, kalt wehen, altschw. kolin gefroren, schwed. dial. käla gefrieren, frieren (auch von dem nd. nl. killen in den zähnen oben), kälen durchfroren, kölen gefroren (norw. kalen), als starkes verb mit neuem ablaut altn. kala (kôl, kalinn) gefrieren, bei uns in kühl (s. d.); zu kilia ags. ceolas pl. kalter wind, cile m. kälte, s. Grein 1, 159. 182. auch das durch den ablaut merkwürdige kulde kälte (s. sp. 87, auch bei Rothe thür. chr. c. 96) erklärt sich daher, zugleich zu der gestaltung des stamms in kalt überleitend.
5278 Zeichen · 132 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 8.–11. Jh.
    Althochdeutsch
    kellen

    Etymologisches Wb. des Ahd. (EWA)

    kellenariAWB m. ja-St., seit dem 9. Jh. in Gl., öfters im SH: ‚(Wirtschafts-)Verwalter, Aufseher über die Vorratskammer,…

  2. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    kellenswv.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +4 Parallelbelege

    kellen swv. mit der kelle arbeiten, cementilinire Dfg. 111 b . n. gl. 236 a . kelen, linire Voc. 1482. — mit be-. vgl. D…

  3. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    kellensw. V., st. V.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +2 Parallelbelege

    kellen , sw. V., st. V. nhd. schmerzen, Qual verursachen, Schmerz verursachen, weh tun, im Schmerz brennen Hw.: s. quell…

  4. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    kellen

    Grimm (DWB, 1854–1961) · +1 Parallelbeleg

    kellen , frieren, ein seltnes und merkwürdiges wort. 1 1) die reben waren erkollen ( erfroren ), also das wening wins wa…

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Kellen

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Kellen , Johann Philipp van der , Graveur und Kunstschriftsteller, geb. 19. Juli 1831 in Utrecht als Sohn des Graveurs D…

  6. modern
    Dialekt
    Kellen

    Rheinisches Wb. · +2 Parallelbelege

    Kellen kę·l.ə(n) Erk-Merbeck Wegbg , Heinsb-Arsbeck Birgelen Breberen Myhl Karken Lümb Saeffelen ( -e- ) Schaffr, Kemp-A…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit kellen

26 Bildungen · 17 Erstglied · 8 Zweitglied · 1 Ableitungen

Zerlegung von kellen 2 Komponenten

kel+len

kellen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

kellen‑ als Erstglied (17 von 17)

kellenâri

AWB

kellen·ari

kellenâri st. m. , mhd. kelnære, kelner, nhd. kellner; mnd. kelnêr(e), mnl. kelnare; afries. kelner; aus mlat. cellenarius . — Graff IV,390.…

Kellendanz

MeckWB

kellen·danz

Kellendanz m. einer der Haupttänze der Bauernhochzeit: 'die Hauptköchin des Hochzeitsschmauses steht mit einer großen Kelle am Tisch, und je…

Kellenhusen

Meyers

kellen·husen

Kellenhusen , Dorf im preuß. Regbez. Schleswig, Kreis Oldenburg, an der Ostsee, hat ein Seebad und (1900) 290 Einw.

kellen II

RhWB

kellen II = quellen s. küllen I;

kellen III

RhWB

kellen III = glühen s. küllen III;

Kellenlickerfru

MeckWB

Kellenlickerfru f. spöttische Anrede im Abzählreim: 'Was willst du, alte Kellenlickerfru' Wo. V. 4, 959.

Kellenputs

WWB

kellen·puts

Kellen-puts m. Strukturputz, mit der Kelle aufgetragener Wandputz mit bestimmter Oberflächenstruktur ( WmWb ).

kellenweise

DWB

kellen·weise

kellenweise , adv. mit der kelle, nach kellen: das mehl kellenweise messen. Gotthelf 3, 204 .

kellenāri

KöblerAhd

kellenāri , st. M. (ja) nhd. „Kellner“, Kellermeister, Verwalter, Wirtschaftsverwalter, Aufseher über Keller und Speicher ne. butler, waiter…

kellen als Zweitglied (8 von 8)

afkellen

MeckWBN

Wossidia afkellen den Rahm mit einer Kelle von der Milch abschöpfen, s. Melk 1.

auskellen

DWB

aus·kellen

auskellen , trulla exhaurire, mit der kelle ausschöpfen. bergmännisch.

biskellen

KöblerAhd

bis·kellen

biskellen , sw. V. (1b) nhd. abschälen, schälen ne. peel (V.), peel away ÜG.: lat. (radere) Gl Q.: Gl (11. Jh.) E.: s. bi, skellen (1) W.: m…

erkellen

KöblerMhd

erkel·len

erkellen , st. F. nhd. „sich erkälten“, erfrieren Q.: LexerHW (4. Viertel 15. Jh.) E.: s. er, kellen L.: Lexer 46a (erkellen), LexerN 3, 157…

giskellen

KöblerAhd

gis·kellen

giskellen , sw. V. (1a)? nhd. ertönen machen, erschallen lassen, erklingen lassen ne. make sound ÜG.: lat. (pellere) Gl Q.: Gl (12. Jh.) E.:…

irskellen

KöblerAhd

irskellen , sw. V. (1a) nhd. erschallen, laut erschallen machen, erschallen lassen, ertönen, erklingen lassen, in Erregung versetzen, verwir…

vorkellen

KöblerMnd

vor·kellen

vorkellen , sw. V. Vw.: s. vörquēlen* L.: Lü 505b (vorkellen)

Ableitungen von kellen (1 von 1)

erkellen

KöblerMhd

erkellen , st. F. nhd. „sich erkälten“, erfrieren Q.: LexerHW (4. Viertel 15. Jh.) E.: s. er, kellen L.: Lexer 46a (erkellen), LexerN 3, 157…