Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)
Kastanie f.
Kastanie f.
Kastanie f. Baum und eßbare Frucht der Edelkastanie, dann auch (auf Grund der Ähnlichkeit der Früchte) Baum und ungenießbare Frucht der Roßkastanie (s. d.). Ahd. kestin(n)a (11. Jh.), mhd. kesten(e) (erhalten in südd. Keste) sind entlehnt aus lat. castinea, einer Variante zu lat. castanea, die in nordital. und mittelital. Mundarten fortlebt. Vgl. Germania Romana 2 (1968) 165 ff. Ahd. (Hs. 13. Jh.), spätmhd. castānie (neben mhd. kastāne) und durch Luther (Castanee) gefördertes Kastanie geht direkt auf lat. castanea zurück. Dieses ist aus griech. (kárya) kastáneia (κάρυα καστάνεια) ‘Früchte des Kastanienbaumes’, zu kástanon (κάστανον) ‘Kastanie’, entlehnt. Die weitere Herkunft ist ungeklärt. Die thessalische Stadt Kastaná͞ia oder Kastanéa (Κασταναία, Καστανέα) ist nach dem Baum, nicht umgekehrt der Baum nach der Stadt (wie antike Etymologen zu deuten suchen) benannt. Herleitung aus armen. kask ‘Kastanie’, kaskeni ‘Kastanienbaum’ ist kaum möglich, da kask im Altarmen. unbekannt, kaskeni nur einmal im 12. Jh. nachgewiesen ist. Vermutlich stammt sowohl das griech. wie auch das armen. Wort aus einer vorgriech. ägäischen Sprache. Vgl. 1, 863. Die Redensart für jmdn. die Kastanien aus dem Feuer holen ‘für jmdn. eine unangenehme, gefährliche Aufgabe übernehmen’ (17. Jh.) entstammt einer ursprünglich orientalischen, von La Fontaine verbreiteten Fabel, in der ein Affe eine Katze veranlaßt, geröstete Kastanien aus dem Feuer zu holen, die er dann verspeist. – kastanienbraun Adj. (17. Jh.).