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hudeln

mhd. bis spez. · 10 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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10 in 10 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

hudeln verb.

Bd. 10, Sp. 1862
hudeln, verb. in zwei hauptbedeutungen, ähnlich denen, die das verwandte subst. hader und das verbum hadern (sp. 109 ff. 117 ff.) entfaltet haben, nur so dasz bei hudeln beide manigfach sich berühren, namentlich wenn die zweite (des zankens, streitens) durch die mittelvorsetllung des schlecht, verächtlich behandelns (unten no. 2, b) an die erste anknüpft. hudeln sagt aus 11) aussehen und art eines fetzens oder lumpens haben. 1@aa) intransitiv, im eigentlichen sinne: schweizerisch hudeln, schlottern, bammeln, reiszen; es hudelt alles an ihm, was man an ihm sieht, ist lumpig. Stalder 2, 59; wann einen der schlag gerührt, ist alles weich und lodlecht, die hut lumlet und lapet: so hudlet alles um einen den die sünde lumlecht gemacht hat, es ist keine dapferkeit da. Keisersberg post. bei Frisch 1, 471b; auch persönlich, einher hudeln, in lumpen gekleidet gehen: in den groszen langen lumpenhosen wie die monstra einher huedlen. Zimmer. chron. 2, 520, 31. — bildlich, vom schlechten wetter, es hudlet, schneit und windet durch einander. Stalder a. a. o. 1@bb) nach der moralischen bedeutung von hudel (oben no. 3), wie ein nichtswerter mensch verfahren; schweizerisch er hudelt nur, führt nur eine schlechte lebensweise. Stalder 2, 59; in der umgebung des Egerlandes, reflexiv er hudelt sich, erweist sich schmutzig, indiscret beim spiele. Fromm. 6, 172. so umherschweifen, bummeln: (wenn) diejenigen von knechten oder trossz, so diesem regiment zuständig, vorhin hudeln oder auszer der ordnung laufen wöllen. Kirchhof milit. disc. 110; gestattet (der hurenweibel) von denselben keinem ... hinvor under oder neben die knecht zu hudeln, bisz so lang der hauff kommen ist auf halben weg. 115; nun giebt es aber an allen orten leute, die nichts glücklicher macht als eine gelegenheit zum faulenzen und hudeln. J. Gotthelf schuldenbauer 94; — kärntnisch hudeln, übereilt und schlecht handeln, arbeiten Lexer 145; ebenso bairisch. Schm. 1, 1055 Fromm.; der reiche wie der arme handwerker wird hudeln. Hamann 1, 31; die arbeit geschwind weghudeln, als handwerkerausdruck. Frisch 1, 471b; weil sie ir meszstrudeln selbst nicht verstehn, was sie da hudeln. Fischart dicht. 3, 61, 160 Kurz. selbst von eiligem getreibe: nun in dem hin und widerlaufen und hudlen warden sie ainandern so unbekannt, das kaine mehr grundtlichen wissen mocht, welches die herzogin oder wer aine oder die ander wer. Zimmer. chron. 1, 510, 17. 1@cc) transitiv, etwas von einander hudeln, zerreiszen, zerfetzen: ich sagte darauf zu ihr, es wäre gleichwohl schad, dasz sie diese schriften (ein manuscript) so von einander hudelte; wann sie noch bei einander wären, so wolte ich ihr gern etwas darvor verehren. Simpl. 4, 209 Kurz; niederdeutsch: wiltu mi de wundel hudeln in stücken? Lauremberg 2, 168 Lappenb. 22) hudeln, zanken, plagen, scheren. 2@aa) von einem ernstlichen herumschlagen: der waltbruder Maltgisz .. hat sich sein lebenlang nie so dapper wie ein wapner mit allem seim pilgerstab wider die Zarrazenen gehalten, als hie unser bruder Jan wider die Pieroscholler mit seiner kreuzstangen: hei der solt abt zu Fulda werden, der könt mit den bischoflichen von Hildesheim auf dem tag umb die session herum hudlen. Garg. 207a. vergl. auch aushudeln theil 1, 889; kompt sein weib auch darzu, hudelt ihn ubel ausz, reiszt es ihm ausz den händen. a. weiszh. lustg. 407. 2@bb) einen hudeln, plagen, quälen, scheren, schlecht behandeln, ist im gegensatz zu den bisher angeführten bedeutungen, in der schriftsprache sehr verbreitet, auch bei schriftstellern norddeutscher heimat, aber erst aus der neuern sprache zu belegen: hudelen, contemnere, contemptim instare, daidagner, mespriser Schottel 1338; hudeln, vexare, illudere, contemnere, contemtim instare, vellicare Stieler 804; hudeln, nugari Hederich 1333; hudeln, vexare, exagitare Frisch 1, 471b; bairisch einen hudeln, oder in der reimenden verbindung hudeln und pudeln, achtlos und zugleich hart behandeln, quälen. Schm. 1, 1055 Fromm.; der (richter) hudelt sie nach seinem gefallen. Chr. Weise kl. leute 202; sich durch ceremonien ... geduldig hudeln lassen. Kant 10, 146; fiel gar einer, so ward er mit losem muthwillen gehudelt. Stolberg 8, 353; hudeln den armen schelm, den sie nicht fürchten. Schiller räuber 1, 2; die bauern wie das vieh hudeln. Auerbach dorfgesch. 1, 131; vier scenen haben mich fünf wochen schon gehudelt. Günther 1097; doch dasz stets eingedenk er sei, die freiheit sei ein goldner schatz, so hudelt man ihn erst, herr spatz. Bürger 20b; alles andre thäten sie (tyrannen und kaiser) hudeln und schänden, den soldaten trugen sie auf den händen. Schiller Wallenst. lager, 11. auftr.; und wenn so einen denn die liebe weidlich hudelt. Göthe 7, 44; wie sonst von einem übel: der schwären hudelt mich über die maszen, ulcus vehementissime me urit et cruciat. Stieler 804. oft in der fügung einen ungehudelt lassen, ungehudelt bleiben: ich nebst einigen andern blieb ungehudelt. Felsenburg 1, 89; anderer leute angefangene arbeit aber ungehudelt lassen. 3, vorrede; wenn wir nur mit einem schiffe ungehudelt von Amsterdam hinweg kämen. 3, 5; laszt mich mit euren possen ungehudelt. J. E. Schlegel 2, 59; meinen freund Ogul soll er ungehudelt lassen. Wieland 6, 62 (59); dasz .. sie mich mit solchen schulpossen ferner ungehudelt lassen sollen. Lessing 10, 225. 2@cc) sich hudeln mit etwas, sich mit etwas plagen, quälen, scheren: ich mag mich mit keinem kleinen buche hudeln, sondern ich wil gleich aus diesem groszen buche lesen lernen. Felsenb. 2, 404; das subject hat sich von den ersten academischen jahren an mit hofmeistern hudeln müssen. Hamann 3, 162; wer sich mit groben filzen hudelt, zum lohn wird mit undank besudelt. Lehmann 1, 22; sich um etwas hudeln, scheren, bekümmern: was hudelst du dich drüm, quid tu haec moraris? non laborandum est tibi ea de re. Stieler 804; ach die grafen hudeln sich nicht viel um drittehalb groschenstücke. Chr. Weise comöd. 299; so werden wir uns viel drum hudeln ob wir solche hungerleider kriegen oder nicht. 310; wolten uns wenig darum hudeln und stets antworten. J. Prätorius Saturnalia (1663) 130; was hudelt ihr euch um das stück. Felsenb. 2, 435. 2@dd) sich hudeln auch sich scheren im sinne von fortgehen (vgl.forthudeln 2, theil 41, 20): hudel dich fort apagesis Hederich 1333; hudelt euch von einander. Chr. Weise comöd. 47.
6400 Zeichen · 113 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    hudelnswv.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer)

    hudeln swv. schnell u. oberflächl. etw. machen Zimr. chr. 1. 510,17 ; einher h., nachlässig gehen ib. 2. 520,31. vgl. Sc…

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    hudelnsw. V.

    Köbler Mnd. Wörterbuch

    hudeln , sw. V. Vw.: s. hudelen

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Hudeln

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Hudeln , verb. reg. act. welches nur im gemeinen Leben üblich ist, und eigentlich ein hin und her Bewegen, ein Wedeln zu…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    hudeln

    Goethe-Wörterbuch

    hudeln 1 liederlich arbeiten, pfuschen schickt mir der Kerl ein Paar [ Eheringe für Kestner u Lotte ] so gehudelt und ge…

  5. modern
    Dialekt
    hudelnschw.

    Pfälzisches Wb.

    hudeln schw. : 1. de Backowe huddle 'den Backofen mit einem nassen Hudel 1 a von den letzten Kohlen säubern' [ Gal-Dorn…

  6. Sprichwörter
    Hudeln

    Wander (Sprichwörter)

    Hudeln 1. Hudeln (streiten) macht keine Nudeln. – Boebel, 146. 2. Er muss sich hudeln und pudeln lassen. – Eiselein, 516…

  7. Spezial
    hudeln

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    hu|deln vb.intr. slobré (-ra), stamberlé (-lëia).

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit hudeln

5 Bildungen · 0 Erstglied · 3 Zweitglied · 2 Ableitungen

Zerlegung von hudeln 2 Komponenten

hud+eln

hudeln setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

hudeln als Zweitglied (3 von 3)

schudeln

DWB

schud·eln

schudeln , verb. 1 1) sich übereilen, leichtsinnig sein, landschaftlich Fulda bei Campe, übereilt arbeiten Schmid 454 , vielleicht mit schüt…

verhudeln

DWB

ver·hudeln

verhudeln , verb. wertlos machen. zu hudeln ( th. 4, 2, 1862). eigentlich zu einem hudel d. i. fetzen, lumpen machen. die zusammensetzung gi…

vorhudeln

MNWB

vor·hudeln

+ * vorhudeln , swv. , entstellen, beschädigen (Lauremberg).

Ableitungen von hudeln (2 von 2)

verhudeln

DWB

verhudeln , verb. wertlos machen. zu hudeln ( th. 4, 2, 1862). eigentlich zu einem hudel d. i. fetzen, lumpen machen. die zusammensetzung gi…

zerhudeln

DWB

zerhudeln , verb. , wie zerhadern sowohl zerfetzen, zerreiszen wie zanken bedeutend, s. hudeln th. 4, 2, 1862; 1) meist als adj. zerhudelt z…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „hudeln". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 12. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/hudeln/dwb
MLA
Cotta, Marcel. „hudeln". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/hudeln/dwb. Abgerufen 12. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „hudeln". lautwandel.de. Zugegriffen 12. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/hudeln/dwb.
BibTeX
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