Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
hemde stN.
2 übertr.
1 allg.: camisia: hemide SummHeinr 1:322,81; dô versnait er ir [...] daz hemede joch daz roklîn Kchr 12765; Parz 127,2; ein igelich brûder sal haben zwei hemede, zwei nidercleit, zwei pâr hosen, ein roc StatDtOrd 108,22; ainen mantel trüg sy an, / [...] dar under ain rylich hemd GTroj 20275; sô dir daz wazer brâht werde, sô seihe iz einhalp durch dîn hemede in ein ander vaz Barth 141,29. – bezogen auf die Beschaffenheit: si truoc ze nâhest an ir lîch / ein herte hemede hærîn Tr 15657; Parz 437,24; Litan 1062; RvEBarl 7327; ir hemde was ein sactuoch Iw 4928; ein klein flähsîn hemde StrDan 3806; hemde und bruoch von buckeram Parz 588,15; siben hemede linin Pass III 173,55. – kleine (wîz, blanc, sîdin) hemde, Bekleidung für vornehme Personen: cyclades: hemade SummHeinr 2:207,62; ir hemede daz was cleine, / wîz unde wol genât En 1696; an ir [der Königin] was werlîchiu wât, / ein hemde wîz sîdîn Parz 192,15; Er 1542; sus was gemuot der rîche man. / er fuort von guoten sîden an / ein hemde wîz alsam ein snê UvLFrd 181,3; nv bot man dar der kvͥnegin / ein hemede kleine sidin, / blanch alse ein sne, vil reine genat TürlArabel *A 278,28; Rab 650,5; NibB 976,2; Wig 10531; frowe, man het bereit mir / ein hemede, daz ist so klvͦg, / daz nie frowe bessers getrvͦg TürlArabel *A 252,3. – spez. ‘Unterhemd’ ein hemde was dar under Wig 760; der [ kneht ] in einem hemde / was mit im komen dar, / mantels und rockes bar Ottok 60856; von spil loufet maniger in blôzem hemde Renner 10189; ain plosser rock ist sein claid, / uber ain hemde an gelayt HvNstAp 20186; Tauler 353,22. – als Zeichen für Blöße, Verletzlichkeit, Büßertum o.ä.: [die Königin] blicte ûf und sah ir man. / si hete niht wanz hemde an: / umb sich siz deckelachen swanc Parz 800,30; und wâren ir [der gefangenen Lunete] in den stunden / die hende gebunden, / ir cleider von ir getân / und niuwan ir hemde an verlân Iw 5154; ich stân aleine in mînem hemede [Nachthemd] , / unde ich gedenke an dich, ritter edele MF:Kürenb 2:4,1; dc sie drie sunnentage in dirre gegenwertigen vasten vor dem cruce ze vronemessen offentliche vn̄ ane geuerde gan solen, [...] baruuͦz vn̄ in den hemden UrkCorp (WMU) 2130,41; do [in der Taverne] sitzet einre in eime hemede. / zuht ist ime gar fremede NeunMänner (G) 316 Anm.. – daz hemde üeben ‘das Hemd benutzen’ sô heiz ir von der sunnen wart, / daz si vil selten in den tagen / an ir iht kunde vertragen / niwan ir hemede al eine, / daz wîze, daz reine: / sus liebet ir daz hemede an. / dô siz üeben began, / biz daz siz über üebete Tr 12819. – in einem Gottesurteil (vgl. GrimmRA 2, 568): si slouf in ain hemede, / daz dar zuo gegerwet was. / [...] daz hemede si dô zunten. / in ainer luzzelen stunden / daz hemede gar ab ir bran, / daz wahs an daz pflaster ran. / der frowen arges niene was Kchr 15506. – bildl.: daz uns mûre noch want / noch sô vil sô ein hemde / [...] underwîlen scheide [dass uns nicht einmal ein Hemd trennt] ZwBüchl 661 2 übertr.: si truͦg an ir rainú klait: / ain hemd und ain rok, dar ob / ainen gaisthlichen mantel got zelob WernhMl 12581; so zúhet si an ein hemede der sanften demuͤtekeit Mechth 1: 44,18. – sprichw. ‘der scheint ein Narr zu sein, dessen Hemd um eine Elle länger ist als der Rock’ swes hemde gêt dem rocke vor / einer ellen, er dunkt ein tôr WälGa 2065
MWB 2 1353,13; Bearbeiterin: Herbers