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Hamster

mhd. bis spez. · 21 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Meyers
Anchors
21 in 21 Wb.
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Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Hamster

Bd. 8, Sp. 710
Hamster (Cricētus Pall.), Nagetiergattung aus der Familie der Mäuse (Muridae), plump gebaute Tiere mit dickem Leib, kurzem, dickem Hals, ziemlich zugespitztem Kopf, mittellangen Ohren, großen Augen, sehr kurzem, dünnhaarigem Schwanz, kurzen Beinen, von denen die vordern vier Zehen und eine Daumenwarze, die hintern fünf Zehen besitzen, sehr großen Backentaschen und zwei Paar auffallend großen Nagezähnen, leben in unterirdischen Bauen auf Getreidefeldern des gemäßigten Europa und Asien und speichern im Herbst bedeutende Nahrungsvorräte auf. Der gemeine H. (Kornferkel, C. cricetus L., C. frumentarius Pall., s. Tafel »Nagetiere III«, Fig. 5), 25 cm lang mit 5 cm langem Schwanz, ist oberseits licht braungelb mit schwarzspitzigem Grannenhaar, auf der Schnauze, in der Augengegend und am Hals rotbraun, an den Backen gelb, auf der Unterseite schwarz, an den Füßen weiß, ändert aber in der Färbung sehr stark ab und kommt auch ganz schwarz und ganz weiß vor. Er findet sich vom Rhein bis an den Ob, fehlt in Süd- und Westdeutschland, in Ost- und Westpreußen, ist häufig in Sachsen und Thüringen, bevorzugt mäßig festen, trocknen, fruchtbaren Boden, meidet aber Sandboden, Wald, Gebirge und wasserreiche Niederungen. Sein Bau besteht aus einer großen Wohnkammer, 1 m und mehr unter dem Boden, mit der eine Vorratskammer in Verbindung steht. Den Zugang bildet ein senkrechtes Fallrohr mit enger, kreisrunder Mündung und eine schräg verlaufende, oben erweiterte Fluchtröhre. Alte Rammler graben mehrere Speicher und tragen bis zu 50 kg Getreide ein. Man erkennt den Hamsterbau an dem meist mit Spreu und Hülsen bestreuten Erdhaufen vor der Ausgangsröhre. Der H. ist ziemlich gewandt, klettert leidlich, gräbt vortrefflich, meidet das Wasser, benutzt die Vorderfüße wie Hände und führt mit ihnen die Nahrung zum Munde. Er ist sehr zornig und mutig, wehrt sich erfolgreich gegen jeden Angreifer, fällt in seiner Wut selbst Menschen und Pferde an und ist auch gegen seinesgleichen unverträglich. Daher lebt er einsam in seinem Bau und vereinigt sich nur in der Paarungszeit mit dem Weibchen. Außer Getreide frißt er Kräuter, Wurzeln, Obst etc., lieber aber kleine Vögel, Mäuse, Eidechsen, Schlangen und Insekten. Für den Wintervorrat zieht er Leinsamen, große Puffbohnen und Erbsen dem Getreide vor. Auf Einem Gang schleppt er in seinen Backentaschen gegen 50 g Getreide fort. Anfang Oktober zieht sich der H. in den Bau zurück, verstopft die Röhren mit Erde und verfällt in Winterschlaf. Im Februar oder März erscheint er wieder, gräbt einen flachen Sommerbau und begattet sich Ende April. Das Weibchen wirft Ende Mai und im. Juli 6–18 Junge, die es in der Gefahr nicht verteidigt und, sobald sie 14 Tage alt sind, aus dem Bau jagt. Seine Feinde sind Iltis, Wiesel, Bussarde, Eulen, Raben; wo er häufig ist und dem Ackerbau großen Schaden bereitet, haben die Behörden auf die Einlieferung von Hamstern oft Prämien ausgesetzt. Hamstergräber ziehen gegen ihn zu Felde und finden den Hauptgewinn in dem ausgegrabenen Getreide. Am sichersten vertilgt man den H., wenn man mit Schwefelkohlenstoff getränkte Stücke von altem Sackleinen (15 cm im Geviert) in die Röhren hineinstößt und sie dann sofort verschließt. Dauernder Erfolg ist nur vom gemeinsamen gleichzeitigen Vorgehen aller Grundbesitzer eines Gebiets zu erwarten. Vgl. Flugblatt Nr. 10 der Biologischen Abteilung des kaiserlichen Gesundheitsamtes (Berl. 1901). Das Fell des Hamsters gibt, im zeitigen Frühjahr gewonnen (Maihamster), ein leichtes dauerhaftes Pelzwerk, das ausschließlich zu Futter verwendet wird. Für Zurichtung und Verarbeitung hat sich in mehreren Städten (Halberstadt, Oschersleben etc.) eine eigne Industrie gebildet. Das Fleisch des Hamsters ist genießbar.
3741 Zeichen · 41 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    hamsterstm.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +2 Parallelbelege

    hamster stm. hamster, cricetus, damma, dammula Dfg. 157 b . 165 c . n. gl. 119 b . vgl. Dwb. 4 2 , 323.

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    hamsterM.

    Köbler Mnd. Wörterbuch

    hamster , M. Vw.: s. hāmester

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Hamster

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Der Hamster , des -s, plur. ut nom. sing. ein vierzehiges Thier, welches kleiner als ein Kaninchen, an den Seiten röthli…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Hamster

    Goethe-Wörterbuch

    Hamster in ‘Götz’ als Beute u Nahrung von Zigeunern [ Zigeunerhauptmann: ] wir saüberns Land vom Ungeziefer, essen H. Wi…

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Hamster

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Hamster (Cricetus) , Säugethier aus der Ordnung der Nagethiere u. der Familie der Mäuse, ausgezeichnet durch die Backent…

  6. modern
    Dialekt
    Hamster

    Schweizerisches Idiotikon · +5 Parallelbelege

    Hamster Band 1, Spalte 921 Hamster 1,921 M.

  7. Sprichwörter
    Hamster

    Wander (Sprichwörter)

    Hamster 1. Dem fleissigen Hamster schadet der Winter nicht. – Sprichwörtergarten, 28; Körte, 2547; Simrock, 4250; Deutsc…

  8. Spezial
    hamster

    Ladinisch-Deutsch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    hamster [hạm·ster] m. (-tri) 1 (Cricetus cricetus) ‹zool› Hamster m. 2 ‹fig› Hamsterer m. → raspun, raspadura, rabelnadu…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit hamster

48 Bildungen · 47 Erstglied · 1 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von hamster

hamstern + -er

hamster leitet sich vom Lemma hamstern ab mit Suffix -er, auf Verb-Stamm zurückgeführt.

Zerlegung von hamster 2 Komponenten

ham+ster

hamster setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

hamster‑ als Erstglied (30 von 47)

hamsterartig

DWB

hamster·artig

hamsterartig , adj. : die meisten menschen nun haben etwas elster- oder hamsterartiges und sammeln gerne schätze, .. die sie verbergen bestm…

hamsteraugen

DWB

hamster·augen

hamsteraugen , n. plur.: wenn über meine hüttenschwelle die habsucht ihre hamsteraugen rollt. Kl. E. Schmidt poet. briefe 61 .

Hamsterbacken

PfWB

hamster·backen

Hamster-backen Pl. : 'volle, herabhängende Wangen', spött., Hamschdeʳbacke [verbr.]; vgl. Hamstertasche 1 c. Der hot emol e Paar H. [ NW-Fra…

Hamsterbakke

WWB

Hamster-bakke f. [verstr. WMünsterl Bie] 1. dicke Backe ( WmWb ). — 2. Person mit einer dicken Backe: Dou aule Hamsterbacke! ( Bie Bw).

Hamsterbau

PfWB

hamster·bau

Hamster-bau m. : wie schd., -bau [ KU-Schmittw/O KB-Kriegsf LU-Friesh ]. Südhess. III 82 . —

Hamsterei

LDWB2

Hams|te|rei f. (-,-en) raspamënt (-nc) m. , rabelnamënt (-nc) m.

hamsteren

WWB

ham·steren

hamsteren V. [verstr.] 1. Vorräte zusammentragen, Lebensmittel und Gebrauchsgegenstände horten. — 2. um Lebensmittel bitten, betteln.

Hamsterer

Pfeifer_etym

ham·sterer

Hamster m. Nagetier, das in großen Backentaschen Nahrung speichert und in seinem Erdbau Getreide als Wintervorrat einlagert, ahd. hamustro (…

hamsterfänger

DWB

hamster·faenger

hamsterfänger , m. der den hamsterfang gewerbsmäszig treibt: dasz mancher hamsterfänger nur an dem von zehen bis zwanzig hamstern eingetrage…

Hamsterfahrt

PfWB

hamster·fahrt

Hamster-fahrt f. : ' Fahrt aufs Land, um sich mit Lebensmitteln einzudecken ', Hamschdeʳfahʳt [KU-Herschw/Petth, verbr.]; vgl. hamstern 1.

hamsterfell

DWB

hamster·fell

hamsterfell , n. pellis criceti. Stieler 465 ; hamsterfell ... dient zum unterfutter der gewöhnlichen frauenpelze. Jacobsson 2, 201 b .

hamsterfutter

DWB

hamster·futter

hamsterfutter , n. hamsterfell zu futter: sehr gut gieng es mit hamsterfutter. Leipz. messbericht im Frankfurter journal 1867 no. 296.

hamstergräber

DWB

hamster·graeber

hamstergräber , m. der auf den feldern die wohnungen der hamster aufgräbt und das thier tödtet. Jacobsson 2, 201 b .

hamster als Zweitglied (1 von 1)

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „hamster". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 10. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/hamster/meyers
MLA
Cotta, Marcel. „hamster". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/hamster/meyers. Abgerufen 10. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „hamster". lautwandel.de. Zugegriffen 10. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/hamster/meyers.
BibTeX
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