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hammel

mhd. bis spez. · 16 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

hammel

Bd. 10, Sp. 310
hammel , vervex, multo. 11) der begriff den wir heute mit dem worte verbinden, scheint ihm nicht von alten zeiten her eigen und noch im mhd. nicht bezeugt. ahd. begegnet das adj. hamal, durch welches mutinus (l. mutilus) übersetzt wird Graff 4, 945, mit einem compositum hamalstat richtplatz, calvaria 6, 641, was auch im mhd. hamelstat fortlebt, das auszer dieser bedeutung noch die des zerrissenen, abschüssigen terrains hat; ferner mit einem verbum pihamalôn truncare, mutilare, das auch im ags. hamelian, engl. hamble die knieflechsen durchschneiden und so lähmen, wiederkehrt. ein selten vorkommendes mhd. subst. hamel drückt einen abgehauenen stamm, klotz, stange aus, auf der ein habicht festgebunden wird: eʒ stuont ze einen stunden ein habech ûf einen hamel gebunden, als man noch dicke sihet tuon. Haupts zeitschrift 7, 356. vergl. unten das verbum hammeln in der bedeutung 1. 22) auf einen verschnittenen und so verstümmelten schafbock wird das wort erst, soviel ersichtlich, im spätern mittelalter bezogen (denn ein ahd. hamal muliones, was man in multones gebessert hat, Graff 4, 945, ist verdächtig): vervex hammel Diefenb. 615a; hamel muto (für multo), aries castratus voc. inc. theut. h 8b; vervex ein verschnitner widder, hammel Dasyp.; ein hammel wirdt auf teutsch genent der wider welchem verschnitten ist. Forer thierb. (1583) 142b; mit der mehrzahl die hämmel: der widder, der hemel, der böcke, der ochsen. Hesek. 39, 18; viel guter feiszter schaf und hämmel. Wickram rollw. 72; einige hämmel aus einer heerde wegzutreiben. Schiller 855; vorzüglich in der neuern zeit hat auch die mehrzahl hammel statt: wenn sie mir alle hammel von ganz Tibet versprächen. Kotzebue werke 18, 63. 33) einige nebenformen finden sich schon früh, so ein r statt des auslautenden l: multo hamer Diefenb. 371a (niederdeutsch, 15. jahrh.); häufig und namentlich mitteldeutsch ist die umgelautete form hämmel im singular: vervex hemel Dief. 615a; er stahl einen hämmel. Musäus kinderkl. 91; es gilt meinen besten hämmel, gib nur einem bauren geld, der kaum weisz was disch und schemmel, wo ers nicht bringt in die welt? Neumark lustwäldchen 103. Die verlängerung der kurzen stammsilbe, die im schrifthochdeutschen nicht stattfindet, geht durch eine reihe von mundarten, namentlich durch alle niederdeutschen, so hamel bei Dähnert, Schambach, im brem. wörterb., haomel und häömel Danneil 77a, im Oldenburgschen hâmel, hömel Fromm. 6, 82; aber auch durch oberdeutsche, henneberg. hâmel (mit gleichem plural), am Düringer walde hæmel 4, 310. 44) indes hat sich der begriff des wortes nicht durchgängig in der oben 2 genannten weise festgesetzt, in Baiern heiszt hämmel neben vervex auch ein männliches schaf das keine hörner hat, es sei verschnitten oder nicht. Schm. 2, 191, wie lat. mutilus zugleich verstümmelt und hörnerlos bezeichnet; im Oldenburgschen ist das wort mit verändertem stammvocal hummel auf hörnerloses rindvieh bezogen Fromm. 3, 496; vergl.hummel, hummelbock. 55) hammel wird auch der unverschnittene schafbock, widder genannt: es stunden vil schöne grosze zottichte hammel, mit schwarzer woll bedeckt, ausz denen nam ich die aller sterkisten und rauhisten, knüpfte ye drei und drei .. mit widen oder pästen aneinander, und under drei hämmel band ich alle mal ainen menschen, also das der mitler hammel trug, die eussern zwen auf der seiten halten hulfen. under allen war ain wider, an lenge, grösze, sterke und schöne alle andere übertreffend. Schaidenreiszer Odyssea 39a bei Fromm. 6, 83. 66) hammel für castrat, eunuch: allein es blieb dabei, er wolte kein hammel sein. Chr. Weise erzn. 50. vgl. hämmling. 77) hammel, ein schimpfwort für einen unwerten menschen, in Tirol für einen geistesschwachen Fromm. 5, 447; in Nassau für eine unreinliche person Kehrein 183, in Schwaben für eine gutmütige, auch einfältige weibsperson Schmid 259. in dem folgenden aber für eine ausschweifende dirne: und eine jede dieser garstigen hämmel zeigete ein paar platte fleischlappen an der brust, welche, wann sie angekleidet waren, in die höhe gerückt wurden, jetzo aber auf den bauch hinunter hiengen. Happel acad. rom. 35. 88) es wird aber auch als kosewort verwendet, so in Baiern: du lieber hämmel! Schm. 2, 191; namentlich häufig in der verkleinerungsform hämmelchen, s. d. 99) man sagt sprichwörtlich er ist dumm wie ein hammel, geduldig wie ein hammel. eine redensart, mit der man ein vorher abgebrochenes gesprächsthema wieder aufnimmt: um auf besagten hammel zurück zu kommen, ist zunächst nicht einheimisch, sondern begegnet am frühesten in französischer fassung revenons à nos moutons, die sich nach Littré auf eine farce des 15. jahrh., l'avocat Pathelin von Pierre Blanchet zurückführen läszt, in welchem ein process wegen unterschlagener hammel verhandelt wird. Fischarts kehrt zu seinen hämmeln Garg. 129a, von dem knaben Gargantua gesagt, der seine kinderstreiche immer von neuem beginnt, ist mit anklang an diese redensart gebildet (Rabelais: retournoit à ses moutons). aber geläufig und sprichwörtlich verwendete er sie nicht, denn Rabelais' retournans à nos moutons, je dy que .. im 1. cap. des Gargantua umschrieb er frei: aber laszt uns den wider auf unsere hämel widerbringen, davon uns der bock gebracht hat. ich sprich das .. Garg. 30a. Recht eingebürgert in Deutschland scheint die redensart erst durch Kotzebues lustspiel die deutschen kleinstädter zu sein, wo dieselbe in frischer weise angewendet wird: der bürgermeister von Krähwinkel erzählt dasz der amtmann von Rummelsburg einen hammel der Krähwinkler stadtherde gepfändet habe, er wird in seiner erzählung unterbrochen, knüpft aber dieselbe mit den worten wieder an: wiederum auf besagten hammel zu kommen. werke 18, 62. in dieser oder freierer fassung erscheint die phrase nun öfter: doch um wieder auf besagten hammel zu kommen, im collegium des herrn geheimraths Schmalz hörte ich das völkerrecht. H. Heine 1, 247; besagten hammel anlangend, hat uns die solostimme recht freundlich angelächelt. Castelli allgem. musical. anzeiger, Wien 1831, s. 127. 1010) mundartlich weit verbreitet ist hammel in der bedeutung kotrend an einem kleide (vergl.behammeln 1, 1325), so wol in Niederdeutschland, brem. wb. 2, 575, als auch in Oberdeutschland, Schm. 2, 191; im Göttingenschen daneben auch bei thieren die klunkern von mist oder dreck, welche sich der wolle oder den haaren anhängen. Schamb. 73a. hier klingt das engl. hem saum, rand, einfassung an, das als eingebogener theil eines kleidungsstücks eben auch auf jenes mehrfach erwähnte alte ham krumm (sp. 307) zurückführt. das deutsche hammel, als weiterbildung hiervon, berührt sich hiernach mit dem oben 1—9 aufgeführten hammel vervex zwar nach wurzel und bildungslauten, hat aber selbständig einen weit abliegenden begriff entwickelt. 1111) im hennebergischen heiszt hammel auch der tannen- und fichtenzapfen. Fromm. 4, 311.
6931 Zeichen · 108 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    hammelstm.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer)

    hammel stm. s. hamel.

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    2. Hammel

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    2. Der Hammel , des -s, plur. die Hämmel, in Ober- und Niedersachsen, ein geschnittener Schafbock; ein Schöps. Daher der…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Hammel

    Goethe-Wörterbuch

    Hammel einmal ‘Hamel’ a als Tierbezeichnung in früher Übs-Übung DjG 3 1,21,28 Labores juv [1757] b für (geringwertiges) …

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Hammel

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Hammel , soviel wie Schöps, s. Schaf .

  5. modern
    Dialekt
    Hammel

    Elsässisches Wb. · +9 Parallelbelege

    Hammel [Hàml allg.; Pl. Haml] m. 1. männliches Schaf. Rda. Loss de n H. brunse n lass die Dinge nur ungehindert ihren Ga…

  6. Sprichwörter
    Hammel

    Wander (Sprichwörter)

    Hammel 1. Achter öwer, segt Berg, häst minen Hammel nich sehn? – Hoefer, 52. 2. Hammel und Rind munden gut, wenn sie nur…

  7. Spezial
    Hammel

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Ham|mel m. (-s,-) 1 castrun (-s) m. 2 cern de castrun f. 3 (Dummkopf) tec m.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit hammel

213 Bildungen · 185 Erstglied · 28 Zweitglied · 0 Ableitungen

Zerlegung von hammel 2 Komponenten

ham+mel

hammel setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

hammel‑ als Erstglied (30 von 185)

Hammel I

SHW

Hammel I Band 3, Spalte 73-74

Hammel II

SHW

Hammel II Band 3, Spalte 75-76

Hammelbug

SHW

Hammel-bug Band 3, Spalte 75-76

hammel als Zweitglied (28 von 28)

Abzugshammel

DRW

abzug·s·hammel

Abzugshammel wie Anzugshammel [denen forstbedienten wird inhibiret,] von den hirten keine an- oder abzugs-hammel zu fordern, sondern sich an…

Anzughammel

DRW

anzug·hammel

Anzughammel Hammel als Naturalabgabe, die von jeder in den Wald eingetriebenen Herde an die zuständigen Forstbediensteten zu leisten ist bdv…

bellhammel

DWB

bell·hammel

bellhammel , m. vervex sectarius. Henisch 274 , nnl. belhamel, der widder, dem eine glocke um den hals hängt, auf deren geläut die übrigen s…

dreckhammel

DWB

dreck·hammel

dreckhammel , m. ein mensch der sich unreinlich hält, alles besudelt Bernd Deutsche sprache in Posen 42 . man hört es auch an andern orten, …

Dummel-Hammel

Idiotikon

Dummel-Hammel Band 2, Spalte 1273 Dummel-Hammel 2,1273 o.

fetthammel

DWB

fett·hammel

fetthammel , m. schöps: hastu denn gar nichts gehört von den fetthammeln? Arnim schaub. 2, 267 .

garsthammel

DWB

garst·hammel

garsthammel , m. unflätiger mensch. 1 1) von unreinem wesen überhaupt, äuszerlich und innerlich: ein unflat, garsthamel und sawschelm. Melan…

Geizhammel

Wander

geiz·hammel

Geizhammel Es ist ein wahrer Geizhammel. Lat. : Cumini sector. ( Philippi, I, 102. )

H_s;rdehammel

Adelung

Der H_s;rdehammel , des -s, plur. die -hämmel, an einigen Orten, der Schafbock. An andern wird der Leithammel oder Bellhammel, weil er die g…

haushammel

DWB

haus·hammel

haushammel , m. 1) stallschaf. Nemnich. 2 ) bezeichnung eines menschen der sein leben nur mit besorgung häuslicher geschäfte hinbringt. in F…

leithammel

DWB

leith·ammel

leithammel , m. hammel der zum anführen einer herde abgerichtet ist. Nemnich 4, 823 ; sectarius vervex, leydhamel Alberus X 3 b ; du muszt e…

Maihammel

DRW

mai·hammel

Maihammel, m. eine Abgabe vgl. Hammel 1607 AltenbergUB. II 479 [urk.?] [der Graf hat] den zwang des gemahls, die rauchhuner und jahrlichs ma…

misthammel

DWB

mist·hammel

misthammel , m. für einen unfläthigen oder unsaubern menschen: solte mich erst ein solcher misthammel bei denen leuten recommendiren, lieber…

neidhammel

DWB

neid·hammel

neidhammel , m. ein recht neidischer mensch, als neidischer hammel gedacht, schon im 16. jahrh. gebräuchlich: ein neidhemmel, wie Zoilus gew…

Nīdhammel

Idiotikon

Nīdhammel Band 2, Spalte 1269 Nīdhammel 2,1269

Pachthammel

DRW

pacht·hammel

Pachthammel, m. Hammel als Pachtabgabe vgl. Hammel, Pachtferken, Pachthuhn (I), Pachtschwein die vette pachthaemels sullen tusschen den juff…

Rīthammel

Idiotikon

Rīthammel Band 2, Spalte 1269 Rīthammel 2,1269

Sanghammel

DRW

sang·hammel

Sanghammel, m. Hammel als Entlohnung für das Absingen eines Wettersegens durch den Pfarrer 1558 uö. RhJbVk. 9 (1958) 159 Anm. 158

Schuldhammel

DRW

schuld·hammel

Schuldhammel, m. kastrierter Schafbock als Abgabe; auch durch eine Geldzahlung ablösbar vgl. Hammel, Ramm, 1Schöps, Schuldschwein wehret sae…

Schwābe(n)hammel

Idiotikon

Schwābe(n)hammel Band 9, Spalte 1707 Schwābe(n)hammel 9,1707 u.

stierhammel

DWB

stier·hammel

stierhammel , m. , schafbock, zu 1 ster ( sp. 2389), s. Zincke allg. öc. lex. (1744) 3201 .

streithammel

DWB

streit·hammel

streithammel , m. , streitsüchtiger, zänkischer mensch. vorwiegend umgangssprachlich ( vgl. Campe 4 [1810] 709 a ; Pansner schimpfwb. [1839]…

trifthammel

DWB

trift·hammel

trifthammel , m. , naturalabgabe für weidebenutzung ( vgl. triftgeld): jeder schäfer gibt 1 trifthammel und 1 mailamm 1537 zu Cleinern ... i…

zeithammel

DWB

zeit·hammel

-hammel , m. , zweijähriger hammel, vgl. -bock: allg. haush. lex. 3, 82; Schmeller-Fr. 2, 1161 ; H. Fischer 6, 1109 ; Adelung; Campe ; jähri…