grimmig,
adj. ,
erst spätahd. Graff 4, 325 (
vgl. grimmigkeit);
im asächs. früher, aber ebenfalls nur vereinzelt nachzuweisen: grimmag
Hel. 2144 C;
mhd. noch stark hinter grimm
zurückstehend, gewinnt das adj. im verlauf des nhd. die oberhand; auch in den maa. hat grimmig
das ältere grimm
überwunden, soweit sie überhaupt ein adj. dieser stammform besitzen; das scheint aber nur im obd. in gröszerem umfange der fall, vornehmlich im schweiz., Staub-Tobler 2, 734;
weniger im schwäb., Fischer 3, 836;
vgl. Schmeller 1, 996;
sonst noch im thür. Müller-Fraureuth 1, 442;
dem nd. im ganzen fremd (
doch vgl. Mi 29; Fischer
samländ. 108),
schon in mnd. zeit; im nl. dagegen herrschend; vereinzelt grimmecht Diefenbach 531
b s. v. sevire; gelegentlich grüm(m)ig
städtechron. 4, 279
anm. 2; Simon Dach 931
lit. ver.; die bedeutungsentwicklung läuft im ganzen der von grimm
adj. parallel. 11) '
wütend, zornwütig, ergrimmt',
namentlich in jüngerer zeit zuweilen fast gleich '
zornig'
; mhd. noch selten, etwa: des wart der hêrre zornic unde grimmic genuoc
Nib. 206, 4;
auch in den frühen glossaren gegenüber 2
zurücktretend: fremebundus Diefenbach 246
c;
furibundus 253
b;
dementatus nov. gl. 130
a;
vecors 377
b;
erst seit dem 16.
jh. in breiter ausdehnung: rabiosus grimmig wie ein doller hund Bas. Faber
thes. (1587) 679
a; grimmig, wetig, unsinnig, tobend ...
furiosus, rabidus, saevus, rabiosus Henisch 1744; der teuffel ... machet die fursten ... grimmig und zornig Luther 33, 484
Weim.; der mensch konte so grimmig werden, dasz er weder seines noch irgend eines andern lebens schonte Bahrdt
gesch. s. lebens 3, 34;
milder: von natur zu gelassener betrachtung der dinge aufgelegt, werde ich doch grimmig, sobald ich sehe, dasz man dem menschen das unmögliche abfordert Göthe
gespräche 2, 352;
mit präpositionen: (
ein predigen) das dem pöfel die ohren kutzeln und widder die oberkeyt wütend und grimmig macht Alberus
widder Jörg Witzeln G 3
a;
von gott: und bist so grimmig immerdar uber die schafe deiner weid H. Sachs 18, 290
Keller-Götze; Lessing ward so grimmig über das deutsche publikum Gervinus
gesch. d. dtsch. dicht. 4, 359; in Kopenhagen ist man auf die Xenien ganz grimmig Schiller
an Göthe 5, 111
Jonas; statt dessen gelegentlich auch mit dem dativ: mein jüngster bruder mir so grimmig war E.
M. Arndt 6, 162
Rösch-Meisner; das adv. gleicher bedeutung mit vorliebe neben verbis dicendi, zumal increpandi: derselb auch fieng an zu rumorn und den bawren grimmig anplatzt H. Sachs 21, 217
Keller-Götze; namentlich in neuerer sprache sehr häufig: schweig! rief grimmig ausbrechend der könig Laube
ges. schr. 3, 152; grimmig fuhr er seine frau an Langbein 31, 121;
mannigfach übertragen: so vindest du in mit eime grimmigen zornigen urteilenden antlit Tauler
pred. 367, 14
Vetter; ihre augen sind auf eine besondre art angenehm, wenn sie ein wenig grimmig werden Rabener
sämtl. werke 4, 152; die Sabine warf ihm einen grimmigen Blick zu Kotzebue 18, 57; und fuhr ihn mit grimmigen worten an Lohenstein
Armin. 1, 47
b; wand ihm das schwert aus der hand und schleuderte es, in einem grimmigen wurf, weit über den platz hinweg H. v. Kleist 3, 203
E. Schmidt. 22)
wie bei grimm
adj. zeigt sich die durative bedeutung als zustand und eigenschaft am frühesten und reichsten entwickelt, also atrox, saevus Diefenbach 58
a. 531
c. 2@aa)
zumeist von menschen; so schon mhd. öfter: du gewinnest schiere einen sun ... der wirt scherf unde grimmichwider den liut unsælich
Milst. genesis 36, 11; den grimmigen hellischen scharn Hesler
apoc. 16 004;
aber erst nhd. in weiterer ausbreitung, und zwar am lebendigsten in der älteren zeit: wider die macht und gewalt des grimmigen sathans erzherzog Ferdinand
speculum vit. hum. 54
neudr.; Hartman von Grunbach, ein grimmiger und tyrannischer man Schütz
hist. rerum pruss. I, F 3
b; die Paterculus ein frech und grimmig volck nennet Micrälius
Pommerland (1640) 1, 24;
später eingeschränkter, mehr an bestimmte substantiva gebunden: die spinnmädchen erzählen von ... grimmigen riesen Voss
krit. blätter 2, 255; es haben grimmige geister im leben gewalt über mich gehabt Fouqué
zauberring 1, 99; schicke den grimmigen todt, dass er uber mein hertz triumphir
engl. comed. u. traged. (1624) O 6
a; gerade gegen meinen augen über sitzet der grimmige tod Bodmer
abhandl. v. d. wunderbaren 299,
vgl. dazu c
γ;
am besten hält sich der grimmige feind: wanne vil starker grimmiger vigende hastu in dir zuo überwindende Tauler
pred. 13, 16
Vetter; gegen den grimmigen feind des reichs und der christenheit Göthe 13, 1, 249
Weim.; freilich verändert hier die jüngere zeit die bedeutung, s. u. 5 a;
die älteren glossare lassen mancherlei färbungen des sinnes erkennen.: acer Diefenbach 8
c;
barbarus 68
b;
crudelis 159
c;
feralis 230
b;
ferox 231
a;
ferus 231
c;
malignus 344
b;
severus 531
b;
spurius (
i. e. spurcus) 549
a;
tirannus 585
b;
torvus 590
a;
am deutlichsten hebt sich die bedeutung '
hart, grausam'
heraus: got den grymmegen leydigern birget daz schone liecht gemeit der eren und der selekeit
md. Hiob 13746
Karsten; solch plundern ... einen grimmigen tyrannen zu verstehen geben (
soll) Kirchhof
milit. discipl. (1602) 196; o Amor, du grimmiger tyrann! Grimmelshausen
Simpl. 2, 531
lit. ver.; o grimmige jungfrau, princessin meiner sinnen, kan euch dann meine bitt und seuftzen nicht gewinnen Opitz
teutsche poem. 40
neudr.; anders: das die leute hoffertig und grimmig sind, das ist von gott nicht geschaffen
Sir. 10, 21;
die jüngere zeit hat einige mildere nüancen entwickelt: der grimmige präceptor Braun Kerner
bilderbuch 216; ein summendes gewimmel von vielen hundert jungen leuten aus allen ständen, welche jedoch bald von einer gruppe grimmiger kriegsleute zur stille gebracht ... wurden G. Keller 2, 90.
auch der adverbiale gebrauch ist im älteren nhd. reicher entfaltet: wiewol der mann grimmig auf ihn sticht Paracelsus
opera (1616) 2, 583 C
Huser; entgegen Diomedes scharff sein spiesz nach Marte grimmig warff Spreng
Ilias (1610) 69
a; als ihm der augen paar ward grimmigst ausgerissen Gryphius
trauersp. 20
P. 2@bb)
so auch meist von thieren; am fühlbarsten wird der volle bedeutungsgehalt des adj. in gewissen fällen prädicativen gebrauches: warumb seindt die thier gar grimmich, wan sy sich zweyen wellen
proplem. Arestotilis 18
b; je gröser und länger eyne im ist, desto ärger und grimmiger sie auch ist Sebiz
feldbau (1579) 297; inwendig seint sy grimig wolff
erste dtsche bibel 1, 26; hundert grosser grimmiger hunden Wetzel
söhne Giaffers 68
lit. ver.; ein grimmiger hengst
Jer. 8, 6;
mit vorliebe und zur formel erstarrt: ewer widdersacher ... gehet umb und umb als ein grymmiger ... lawe Luther 9, 157
Weim.; nicht viel seltener: das er uns wie ein grimmig beer hin opfer und zureisse Ringwald
evang. H 1
b;
gern auch in verbindungen wie der grimmige drache Jac. Böhme
schr. 4, 94; ein grimmig ungeheuer Gottsched
d. neueste a. d. anmuth. gelehrsamkeit 1, 403;
all dies bis ins 17.
jh. überaus häufig; dann stark zurücktretend: ward ein grimmiger stier herbeygeführt Gersteinberg
schlesw. literaturbr. 255, 30
lit. denkm.; der grimmige tiger entflieht vor seinem schelten Göthe 17, 135
Weim.; nur die wendung grimmiges thier
im sinne '
wildes thier'
hält sich besser: für fewr, für dieb, für kriegesknecht, für der grimmigen thier geschlecht Rollenhagen
froschmeuseler (1595) G 2
a; einen ... verwünschten prinzen, der ... in der haut von einem grimmigen thier im wald herum musz laufen B. v. Arnim
d. buch gehört d. könig 1, 147. 2@cc)
mannigfach übertragen. 2@c@aα)
unter wahrung des ursprünglichen, subjectiven charakters der bedeutung; am nächsten liegt die übertragung auf träger und sitze des grimms beim menschen, gewöhnlich im sinne acer, atrox, saevus: der wirt sprach unsuoze, wan er ein grimmic herze truoc
Lanz. 4453; eine abscheuliche, bösartige, grimmige seele Herder 3, 184;
wirklich geläufig aber nur in wendungen wie: wo er den satan mit grimmigem blicke den göttlichen weltbau durchirren läszt Lessing 8, 50
M.; man hörte Mirabeaus harte, grimmige stimme ... weit durch den saal Dahlmann
gesch. d. frz. rev. 214; weil er das grimmige gesicht des officiers für tapferkeit hielt Miller
Siegwart (1777) 2, 480;
etwas anders: ein hagerer .. mann .. mit eckiger stirn und kleinen grimmigen augen Storm 2, 264;
weiter gern neben substantiven, die mehr oder minder bewuszt als bilder oder substitute persönlicher wesen genommen werden: auf dem feldwege, der aus dem walde und aus der schlimmen, der grimmigen welt gegen ihr heimathdorf hinlief Raabe
Horacker (1876) 196; so .. werden die wünsche deines Schubarts von seinem grimmigen schicksale, wie tauben von stoszvögeln, umher getrieben Schubart
briefe 1, 119;
sehr häufig namentlich von elementen und witterungserscheinungen: wann schon ein grimmiger orcan zuweilen alle kunst (
des steuermanns) besieget Haller
ged. 111
H.; das grimmige meer
mare imperversato Jagemann (1799) 544; wohl stand ich so oft, ... umbraust von grimmigen wettern Herwegh
ged. eines lebendigen (1841) 32;
ähnlich auch: an dem tage, wo eingeschlachtet .. wird gegen den grimmigen winter Jean Paul 3, 11
Hempel; diese subjective färbung der bedeutung tritt überhaupt in neuerer sprache am stärksten hervor: die Gottschedische sprachkunst hat schon mehr solche grimmige anfälle überstanden Nicolai
lit. br. 4, 281; dir ist von dieser wüthenden parthey der grimmige vertilgungskrieg geschworen Schiller 12, 453
G.; selbst neben concretis wie: als nun die sonne ... durch streifnebel gebrochen die grimmigen felsen beleuchtete
jahrb. d. Grillparzergesellsch. 1, 374. 2@c@bβ)
in älterer sprache vielfach weiter von dem persönlichen ausgangspunkt entfernt und fühlbar objectiver, severus, crudelis: hertzog Liupold von Osterreich ... richtet den griemigen krieg also: schad gen schad, prand gen prand
städtechron. 5, 28, 17; die wilden Teutschen (
haben) ihre kunst in dem grimmigen faustrecht begründet Harsdörfer
frauenz. gesprächsp. 2, A 3
a;
namentlich gern von unthaten: seine böse, grimmige, unbarmhertzige übelthaten erschollen weit Kirchhof
wendunm. 2, 218
lit. ver.; er sich mit fewr oder andern grimmigen freffel rechen soll Reutter v. Speir
kriegsordn. 21;
etwas anders neben begriffen wie: alle Griechen weit ubertroffen haben an grimmigem ungerechtem leben Xylander
Polybius (1574) 207; heu! was grimmiger sitten kommen in das Griechenland Kirchhof
wendunm. 2, 15
lit. ver.; auch neben concretis: der grimmig flam (
des blitzes) durchtrang sein hertz Spreng
Äneis 3
a; und lasz in mir dein grimmig pfeil bisz in den tod nicht stecken Ringwald
handbüchl. A 9
b; dem ersten, den ich seh bey meiner liebsten stehn, dem sol ein grimmig schwerdt durch leib und seele gehn Chr. Reuter,
Harlequins hochz. schm. v. 65
neudr. 2@c@gγ)
am fühlbarsten wird die rein objective bedeutung schwer, schlimm, bitter, quälend' neben begriffen wie: wählet der kenner der höhen und tiefen lust und entsetzen und grimmige pein Göthe 1, 228
Weim.; wir sahn's, dich faszt ein grimmig leid Immermann 15, 59
Hempel; grimmig war die noth der helden im streit gegen die seegespenster G. Freytag 9, 227;
ähnlich schon in älterer zeit: ach du fleischliche begierd, ... wie bist du mir in einer stunde verkehret und verwandelt, so scharpf und grimmig geworden?
buch d. liebe (1587) 108
d; also die göttlich grimmich straff dise zwey gar erschröcklich traff H. Sachs 2, 273
Keller; auch concreter: durch beharrlichen fleisz der armut grimmigen stachel zu versöhnen Mörike 1, 90
Göschen;
auf derselben linie liegt: allein die grimmige notwendigkeit zwang ihn, ... den Hieronymus für ertrunken zu halten G. Keller 2, 121;
in älterer sprache gehört hierher vornehmlich der zur formel gewordene grimmige tod;
gelegentlich zwar im sinne eines besonders qualvollen todes: her (
Christus) leit den grimmigen tot Hesler
apoc. 12924; wir ime ewern lasterlichen und grimmigen todt verkünden werden
Aimon (1535) b 2
b;
gewöhnlich aber anscheinend einfach der schwere, bittere tod: sie ilten alle in den grimmigen tot
Rol. 272, 18; (
sein weib) gab willig ihren jungen leib für ihn in den grimmigen todt Spangenberg-Fröreisen
griech. dr. 1, 71
lit. ver. 2@c@dδ)
das 19.
jh. entwickelt die bedeutung saevus, atrox zu ein paar besonderen spielarten; öfter von literarischen erzeugnissen, dem sinne von '
bissig'
nahekommend: könnten sie mir nun so ein recht derbes, etwas grimmiges büchlein über unsre minister schreiben Tieck
schr. 20, 153; am morgen, da die grimmige kritik in der zeitung erschien Laube
ges. schr. 1, 123;
weiter, neben gewissen abstractis, '
wild, verbissen': und machte mich plötzlich mit so grimmiger entschlossenheit an die arbeit G. Keller 3, 222;
anders, aber ebenso jung: bei mir ist sie (
die politik) durchaus grimmiger ernst Gentz
schriften 1, 338. 33)
in gewissem gegensatz zu 1
steht ein erst in neuerer zeit sich entwickelnder gebrauch, der beim subst. grimm
ausgeprägter erscheint: das adj. bezeichnet nicht die ausbrechende, sondern die verhaltene oder versteckte wuth: dasz er .. nicht ohne grimmige hintergedanken das büszerhemd anzog G. Freytag 14, 254;
deutlicher und öfter in fällen wie: da sah der feind, mit grimmiger bewundrung, starr ihm nach! Lessing 3, 369
M. in grimmiger beschämung gehn wir heim H. v. Kleist 2, 25
E. Schmidt; ähnlich auch: wir empfinden tief und grimmig deine schmähliche erniedrigung Klinger 10, 278; der erst miene macht ins wasser zu springen, aber als ihn der schmied bei der jacke faszt ..., grimmig das entkommen aufgiebt O. Ludwig
ges. schr. 2, 74; grimmig steckte der sammler das bescholtene alterthum wieder an seinen platz Immermann 1, 136
Hempel. 44)
ebenfalls erst im 19.
jh. breitet sich ein gebrauch aus, der das adj. mit worten entgegengesetzter sinnesrichtung verbindet, wobei der begriff des wilden mehr oder minder durch den des bitteren oder boshaften gefärbt oder ersetzt ist: eine freude, wilde grimmige freude .. brach in geberde und worten heraus G. Freytag 13, 180; Hackerts antlitz verzog sich zu einem bitter grimmigen lächeln Gutzkow
ritter v. geist 1, 131; lache dann nicht mehr so grimmig, dasz die menschen irrlichter sind Jean Paul
Titan 2, 88;
ähnlich auch: aber bald verzog sich dies gesicht zur graulichen maske, aus der recht bitterer, grimmiger ... hohn herauslachte E. Th. A. Hoffmann 6, 34
Grisebach; schwächer: erwiderte er mit seinem grimmigen humor v.
d. Steinen
naturvölker Zentralbrasiliens 6; das grimmige behagen O. Jahn
Mozart 3, 117. 55)
eine ganz neue sinnesrichtung ergibt sich dadurch, dasz sich der charakterisierenden bedeutung eine quantitierende beigesellt; auch darin übernimmt grimmig
eine function von grimm (
s. d. B 5). 5@aa)
am besten läszt sich das einsetzen und allmähliche erstarken der ins intensive weisenden nebenbedeutung neben gewissen ausdrücken des affects beobachten: wie sehr er gegen der jungfrauwen vorhin in liebe entzündet, übertrifft doch jetz der gehe und grimmige zorn solche liebe weit J. Wetzel
söhne Giaffers 38
lit. ver.; wie gros ist der grymmige zorn gottis uber die sunde der gotlosen Luther 15, 125
Weim.; da krag der römische kaiser einen groszen grimmigen zorn Mittler
dtsch. volksl. 408: in grimmigster erzürnung Raabe
hungerpastor (1864) 1, 51;
diese verbindung mit zorn
im älteren nhd. überaus häufig; erst in jüngerer zeit kommen mehr zur geltung: in so grimmigen hasz hatte des Artabanus liebe .. sich verwandlet A. U. v. Braunschweig
Octavia 1, 75; wenn es etwas gab, was er tief und grimmig haszte G. Freytag 1, 108; der fürstliche stolze verbeiszet die grimmige wuth Göthe 3, 5
Weim.; aber auch neben anderen begriffen wird der übergang der bedeutung '
wild, wüthend'
in eine intensive '
erbittert, heftig, hartnäckig'
fühlbar: häfftiger und grimmiger krieg
bellum acre et magnum Maaler 192
d; bey allem dem angebohrnen muthe ... konnten sie den grimmigen anfall der Jenjitscheri nicht ausstehn Haller
Usong (1771) 68; nachdem wir den grimmigstn widerstand gethan Schnabel
insel Felsenburg 1, 44, 4;
wie denn überhaupt der in jüngerer zeit stark zunehmende superlativische gebrauch wesentlich auf die rechnung dieser bedeutungsentwicklung zu setzen ist; die alte formel grimmer feind (
s. o. 2 a)
erscheint nunmehr überwiegend in dieser gestalt, z. b. dasz ein ungeschickter freund oft mehr schaden thut als der grimmigste feind Göthe IV 31, 2; so entsteht daher die grimmigste feindschaft der ... vernunft gegen den erlöser Jung-Stilling 3, 43. 5@bb)
reiner tritt das intensitätsmoment heraus in der alten wendung grimme kälte: die hund pflegen zu wüten ... in ... schärfster grimmiger kält im winter Sebiz
feldbau (1579) 147; die gröszte hitze in der einen weltgegend und die grimmigste kälte in der andern Hebel 2, 45
Behaghel; der entsprechende adverbiale gebrauch scheint jünger: noch dazu war es im damaligen winter grimmig kalt Rabener
sämtl. werke 3, 48; H. Sachs
sagt statt dessen: nun war es gar grimmig und kalt 9, 180
Keller; wie bei grimm (
s. d. 5 b)
weisen auch hier die belege wenigstens der älteren zeit überwiegend ins südwestl. Deutschland; dort noch heute im dialect, s. Staub-Tobler 2, 734; Fischer
schwäb. 3, 838;
s. u.c;
dazu dann mancherlei ableger: den grimmigen frost unseres winters Prätorius
winterflucht (1678) 304; und grimmig begann es zu frieren Göthe 50, 155
W.; es war grimmig frisch Ulr. Bräker
sämtl. schr. 2, 89;
unter dem einflusz der grimmigen kälte
mögen auch fälle stehen wie: er ging in den grimmigen regen hinaus Göthe 33, 111
Weim.; es war ein grimmiger wind iii 1, 108;
weiter häufig neben begriffen, die ein unlustempfinden ausdrücken: grimmige zahnschmerzen Gutzkow 5, 194; das grimmigste kopfweh G. Keller 5, 58; da faszte den jungen gesellen grimmiges heimweh Frenssen
Jörn Uhl (1902) 140; man musz aber grimmigen hunger haben Göthe 45, 79
Weim.; den grimmigen durst des eigenwillens .. kühlen Schopenhauer 1, 500
Grisebach. 5@cc)
am stärksten hat sich das intensitätsmoment bei adverbialem gebrauch ausgewirkt, wo die bedeutung schlieszlich beim reinen quantitätsbegriff endet; im älteren nhd. pflegt die ursprüngl. bedeutung noch vorzuwiegen: solt uns dann gott nit grimmig plagen H. Sachs 1, 193
Keller; die itzund grimig schreien, wens auf der cantzel stan, mort uber die ketzereien
bergreihen 56
neudr.; dagegen: ich setzte mich .. hinter den letztern (
spieler), der schon grimmig im verluste war H. L. Wagner
theaterst. (1779) 51; grimmig obacht gë
n Staub-Tobler 2, 734;
auch beim adj. zunächst in fällen wie: grimmig zornig seyn
esser' infuriato Kramer
teutsch-ital. 1, 565
c; ich ward grimmig böse über den grobian Laukhard
leben u. schicksale 2, 22; du hast's verdient, es geht dir grimmig schlecht Göthe 15, 326
Weim.; sie hat ja recht, ich that ihr grimmig weh Hebbel i 4, 282;
aber auch: der mensch ist grimmig reich Kotzebue 7, 178; der nam' ist grimmig wunderschön Baggesen
poet. werke 3, 273;
so noch heute in den maa.: grimmig rëcht wär 's-mer
u. dgl. Staub-Tobler 2, 734; grimmig dül, kold, hêt
u. a. Doornkaat-Koolman 1, 686.