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grimmig

ahd. bis spez. · 15 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

grimmig adj.

Bd. 9, Sp. 358
grimmig, adj. , erst spätahd. Graff 4, 325 (vgl. grimmigkeit); im asächs. früher, aber ebenfalls nur vereinzelt nachzuweisen: grimmag Hel. 2144 C; mhd. noch stark hinter grimm zurückstehend, gewinnt das adj. im verlauf des nhd. die oberhand; auch in den maa. hat grimmig das ältere grimm überwunden, soweit sie überhaupt ein adj. dieser stammform besitzen; das scheint aber nur im obd. in gröszerem umfange der fall, vornehmlich im schweiz., Staub-Tobler 2, 734; weniger im schwäb., Fischer 3, 836; vgl. Schmeller 1, 996; sonst noch im thür. Müller-Fraureuth 1, 442; dem nd. im ganzen fremd (doch vgl. Mi 29; Fischer samländ. 108), schon in mnd. zeit; im nl. dagegen herrschend; vereinzelt grimmecht Diefenbach 531b s. v. sevire; gelegentlich grüm(m)ig städtechron. 4, 279 anm. 2; Simon Dach 931 lit. ver.; die bedeutungsentwicklung läuft im ganzen der von grimm adj. parallel. 11) 'wütend, zornwütig, ergrimmt', namentlich in jüngerer zeit zuweilen fast gleich 'zornig'; mhd. noch selten, etwa: des wart der hêrre zornic unde grimmic genuoc Nib. 206, 4; auch in den frühen glossaren gegenüber 2 zurücktretend: fremebundus Diefenbach 246c; furibundus 253b; dementatus nov. gl. 130a; vecors 377b; erst seit dem 16. jh. in breiter ausdehnung: rabiosus grimmig wie ein doller hund Bas. Faber thes. (1587) 679a; grimmig, wetig, unsinnig, tobend ... furiosus, rabidus, saevus, rabiosus Henisch 1744; der teuffel ... machet die fursten ... grimmig und zornig Luther 33, 484 Weim.; der mensch konte so grimmig werden, dasz er weder seines noch irgend eines andern lebens schonte Bahrdt gesch. s. lebens 3, 34; milder: von natur zu gelassener betrachtung der dinge aufgelegt, werde ich doch grimmig, sobald ich sehe, dasz man dem menschen das unmögliche abfordert Göthe gespräche 2, 352; mit präpositionen: (ein predigen) das dem pöfel die ohren kutzeln und widder die oberkeyt wütend und grimmig macht Alberus widder Jörg Witzeln G 3a; von gott: und bist so grimmig immerdar uber die schafe deiner weid H. Sachs 18, 290 Keller-Götze; Lessing ward so grimmig über das deutsche publikum Gervinus gesch. d. dtsch. dicht. 4, 359; in Kopenhagen ist man auf die Xenien ganz grimmig Schiller an Göthe 5, 111 Jonas; statt dessen gelegentlich auch mit dem dativ: mein jüngster bruder mir so grimmig war E. M. Arndt 6, 162 Rösch-Meisner; das adv. gleicher bedeutung mit vorliebe neben verbis dicendi, zumal increpandi: derselb auch fieng an zu rumorn und den bawren grimmig anplatzt H. Sachs 21, 217 Keller-Götze; namentlich in neuerer sprache sehr häufig: schweig! rief grimmig ausbrechend der könig Laube ges. schr. 3, 152; grimmig fuhr er seine frau an Langbein 31, 121; mannigfach übertragen: so vindest du in mit eime grimmigen zornigen urteilenden antlit Tauler pred. 367, 14 Vetter; ihre augen sind auf eine besondre art angenehm, wenn sie ein wenig grimmig werden Rabener sämtl. werke 4, 152; die Sabine warf ihm einen grimmigen Blick zu Kotzebue 18, 57; und fuhr ihn mit grimmigen worten an Lohenstein Armin. 1, 47b; wand ihm das schwert aus der hand und schleuderte es, in einem grimmigen wurf, weit über den platz hinweg H. v. Kleist 3, 203 E. Schmidt. 22) wie bei grimm adj. zeigt sich die durative bedeutung als zustand und eigenschaft am frühesten und reichsten entwickelt, also atrox, saevus Diefenbach 58a. 531c. 2@aa) zumeist von menschen; so schon mhd. öfter: du gewinnest schiere einen sun ... der wirt scherf unde grimmichwider den liut unsælich Milst. genesis 36, 11; den grimmigen hellischen scharn Hesler apoc. 16 004; aber erst nhd. in weiterer ausbreitung, und zwar am lebendigsten in der älteren zeit: wider die macht und gewalt des grimmigen sathans erzherzog Ferdinand speculum vit. hum. 54 neudr.; Hartman von Grunbach, ein grimmiger und tyrannischer man Schütz hist. rerum pruss. I, F 3b; die Paterculus ein frech und grimmig volck nennet Micrälius Pommerland (1640) 1, 24; später eingeschränkter, mehr an bestimmte substantiva gebunden: die spinnmädchen erzählen von ... grimmigen riesen Voss krit. blätter 2, 255; es haben grimmige geister im leben gewalt über mich gehabt Fouqué zauberring 1, 99; schicke den grimmigen todt, dass er uber mein hertz triumphir engl. comed. u. traged. (1624) O 6a; gerade gegen meinen augen über sitzet der grimmige tod Bodmer abhandl. v. d. wunderbaren 299, vgl. dazu c γ; am besten hält sich der grimmige feind: wanne vil starker grimmiger vigende hastu in dir zuo überwindende Tauler pred. 13, 16 Vetter; gegen den grimmigen feind des reichs und der christenheit Göthe 13, 1, 249 Weim.; freilich verändert hier die jüngere zeit die bedeutung, s. u. 5 a; die älteren glossare lassen mancherlei färbungen des sinnes erkennen.: acer Diefenbach 8c; barbarus 68b; crudelis 159c; feralis 230b; ferox 231a; ferus 231c; malignus 344b; severus 531b; spurius (i. e. spurcus) 549a; tirannus 585b; torvus 590a; am deutlichsten hebt sich die bedeutung 'hart, grausam' heraus: got den grymmegen leydigern birget daz schone liecht gemeit der eren und der selekeit md. Hiob 13746 Karsten; solch plundern ... einen grimmigen tyrannen zu verstehen geben (soll) Kirchhof milit. discipl. (1602) 196; o Amor, du grimmiger tyrann! Grimmelshausen Simpl. 2, 531 lit. ver.; o grimmige jungfrau, princessin meiner sinnen, kan euch dann meine bitt und seuftzen nicht gewinnen Opitz teutsche poem. 40 neudr.; anders: das die leute hoffertig und grimmig sind, das ist von gott nicht geschaffen Sir. 10, 21; die jüngere zeit hat einige mildere nüancen entwickelt: der grimmige präceptor Braun Kerner bilderbuch 216; ein summendes gewimmel von vielen hundert jungen leuten aus allen ständen, welche jedoch bald von einer gruppe grimmiger kriegsleute zur stille gebracht ... wurden G. Keller 2, 90. auch der adverbiale gebrauch ist im älteren nhd. reicher entfaltet: wiewol der mann grimmig auf ihn sticht Paracelsus opera (1616) 2, 583 C Huser; entgegen Diomedes scharff sein spiesz nach Marte grimmig warff Spreng Ilias (1610) 69a; als ihm der augen paar ward grimmigst ausgerissen Gryphius trauersp. 20 P. 2@bb) so auch meist von thieren; am fühlbarsten wird der volle bedeutungsgehalt des adj. in gewissen fällen prädicativen gebrauches: warumb seindt die thier gar grimmich, wan sy sich zweyen wellen proplem. Arestotilis 18b; je gröser und länger eyne im ist, desto ärger und grimmiger sie auch ist Sebiz feldbau (1579) 297; inwendig seint sy grimig wolff erste dtsche bibel 1, 26; hundert grosser grimmiger hunden Wetzel söhne Giaffers 68 lit. ver.; ein grimmiger hengst Jer. 8, 6; mit vorliebe und zur formel erstarrt: ewer widdersacher ... gehet umb und umb als ein grymmiger ... lawe Luther 9, 157 Weim.; nicht viel seltener: das er uns wie ein grimmig beer hin opfer und zureisse Ringwald evang. H 1b; gern auch in verbindungen wie der grimmige drache Jac. Böhme schr. 4, 94; ein grimmig ungeheuer Gottsched d. neueste a. d. anmuth. gelehrsamkeit 1, 403; all dies bis ins 17. jh. überaus häufig; dann stark zurücktretend: ward ein grimmiger stier herbeygeführt Gersteinberg schlesw. literaturbr. 255, 30 lit. denkm.; der grimmige tiger entflieht vor seinem schelten Göthe 17, 135 Weim.; nur die wendung grimmiges thier im sinne 'wildes thier' hält sich besser: für fewr, für dieb, für kriegesknecht, für der grimmigen thier geschlecht Rollenhagen froschmeuseler (1595) G 2a; einen ... verwünschten prinzen, der ... in der haut von einem grimmigen thier im wald herum musz laufen B. v. Arnim d. buch gehört d. könig 1, 147. 2@cc) mannigfach übertragen. 2@c@aα) unter wahrung des ursprünglichen, subjectiven charakters der bedeutung; am nächsten liegt die übertragung auf träger und sitze des grimms beim menschen, gewöhnlich im sinne acer, atrox, saevus: der wirt sprach unsuoze, wan er ein grimmic herze truoc Lanz. 4453; eine abscheuliche, bösartige, grimmige seele Herder 3, 184; wirklich geläufig aber nur in wendungen wie: wo er den satan mit grimmigem blicke den göttlichen weltbau durchirren läszt Lessing 8, 50 M.; man hörte Mirabeaus harte, grimmige stimme ... weit durch den saal Dahlmann gesch. d. frz. rev. 214; weil er das grimmige gesicht des officiers für tapferkeit hielt Miller Siegwart (1777) 2, 480; etwas anders: ein hagerer .. mann .. mit eckiger stirn und kleinen grimmigen augen Storm 2, 264; weiter gern neben substantiven, die mehr oder minder bewuszt als bilder oder substitute persönlicher wesen genommen werden: auf dem feldwege, der aus dem walde und aus der schlimmen, der grimmigen welt gegen ihr heimathdorf hinlief Raabe Horacker (1876) 196; so .. werden die wünsche deines Schubarts von seinem grimmigen schicksale, wie tauben von stoszvögeln, umher getrieben Schubart briefe 1, 119; sehr häufig namentlich von elementen und witterungserscheinungen: wann schon ein grimmiger orcan zuweilen alle kunst (des steuermanns) besieget Haller ged. 111 H.; das grimmige meer mare imperversato Jagemann (1799) 544; wohl stand ich so oft, ... umbraust von grimmigen wettern Herwegh ged. eines lebendigen (1841) 32; ähnlich auch: an dem tage, wo eingeschlachtet .. wird gegen den grimmigen winter Jean Paul 3, 11 Hempel; diese subjective färbung der bedeutung tritt überhaupt in neuerer sprache am stärksten hervor: die Gottschedische sprachkunst hat schon mehr solche grimmige anfälle überstanden Nicolai lit. br. 4, 281; dir ist von dieser wüthenden parthey der grimmige vertilgungskrieg geschworen Schiller 12, 453 G.; selbst neben concretis wie: als nun die sonne ... durch streifnebel gebrochen die grimmigen felsen beleuchtete jahrb. d. Grillparzergesellsch. 1, 374. 2@c@bβ) in älterer sprache vielfach weiter von dem persönlichen ausgangspunkt entfernt und fühlbar objectiver, severus, crudelis: hertzog Liupold von Osterreich ... richtet den griemigen krieg also: schad gen schad, prand gen prand städtechron. 5, 28, 17; die wilden Teutschen (haben) ihre kunst in dem grimmigen faustrecht begründet Harsdörfer frauenz. gesprächsp. 2, A 3a; namentlich gern von unthaten: seine böse, grimmige, unbarmhertzige übelthaten erschollen weit Kirchhof wendunm. 2, 218 lit. ver.; er sich mit fewr oder andern grimmigen freffel rechen soll Reutter v. Speir kriegsordn. 21; etwas anders neben begriffen wie: alle Griechen weit ubertroffen haben an grimmigem ungerechtem leben Xylander Polybius (1574) 207; heu! was grimmiger sitten kommen in das Griechenland Kirchhof wendunm. 2, 15 lit. ver.; auch neben concretis: der grimmig flam (des blitzes) durchtrang sein hertz Spreng Äneis 3a; und lasz in mir dein grimmig pfeil bisz in den tod nicht stecken Ringwald handbüchl. A 9b; dem ersten, den ich seh bey meiner liebsten stehn, dem sol ein grimmig schwerdt durch leib und seele gehn Chr. Reuter, Harlequins hochz. schm. v. 65 neudr. 2@c@gγ) am fühlbarsten wird die rein objective bedeutung schwer, schlimm, bitter, quälend' neben begriffen wie: wählet der kenner der höhen und tiefen lust und entsetzen und grimmige pein Göthe 1, 228 Weim.; wir sahn's, dich faszt ein grimmig leid Immermann 15, 59 Hempel; grimmig war die noth der helden im streit gegen die seegespenster G. Freytag 9, 227; ähnlich schon in älterer zeit: ach du fleischliche begierd, ... wie bist du mir in einer stunde verkehret und verwandelt, so scharpf und grimmig geworden? buch d. liebe (1587) 108d; also die göttlich grimmich straff dise zwey gar erschröcklich traff H. Sachs 2, 273 Keller; auch concreter: durch beharrlichen fleisz der armut grimmigen stachel zu versöhnen Mörike 1, 90 Göschen; auf derselben linie liegt: allein die grimmige notwendigkeit zwang ihn, ... den Hieronymus für ertrunken zu halten G. Keller 2, 121; in älterer sprache gehört hierher vornehmlich der zur formel gewordene grimmige tod; gelegentlich zwar im sinne eines besonders qualvollen todes: her (Christus) leit den grimmigen tot Hesler apoc. 12924; wir ime ewern lasterlichen und grimmigen todt verkünden werden Aimon (1535) b 2b; gewöhnlich aber anscheinend einfach der schwere, bittere tod: sie ilten alle in den grimmigen tot Rol. 272, 18; (sein weib) gab willig ihren jungen leib für ihn in den grimmigen todt Spangenberg-Fröreisen griech. dr. 1, 71 lit. ver. 2@c@dδ) das 19. jh. entwickelt die bedeutung saevus, atrox zu ein paar besonderen spielarten; öfter von literarischen erzeugnissen, dem sinne von 'bissig' nahekommend: könnten sie mir nun so ein recht derbes, etwas grimmiges büchlein über unsre minister schreiben Tieck schr. 20, 153; am morgen, da die grimmige kritik in der zeitung erschien Laube ges. schr. 1, 123; weiter, neben gewissen abstractis, 'wild, verbissen': und machte mich plötzlich mit so grimmiger entschlossenheit an die arbeit G. Keller 3, 222; anders, aber ebenso jung: bei mir ist sie (die politik) durchaus grimmiger ernst Gentz schriften 1, 338. 33) in gewissem gegensatz zu 1 steht ein erst in neuerer zeit sich entwickelnder gebrauch, der beim subst. grimm ausgeprägter erscheint: das adj. bezeichnet nicht die ausbrechende, sondern die verhaltene oder versteckte wuth: dasz er .. nicht ohne grimmige hintergedanken das büszerhemd anzog G. Freytag 14, 254; deutlicher und öfter in fällen wie: da sah der feind, mit grimmiger bewundrung, starr ihm nach! Lessing 3, 369 M. in grimmiger beschämung gehn wir heim H. v. Kleist 2, 25 E. Schmidt; ähnlich auch: wir empfinden tief und grimmig deine schmähliche erniedrigung Klinger 10, 278; der erst miene macht ins wasser zu springen, aber als ihn der schmied bei der jacke faszt ..., grimmig das entkommen aufgiebt O. Ludwig ges. schr. 2, 74; grimmig steckte der sammler das bescholtene alterthum wieder an seinen platz Immermann 1, 136 Hempel. 44) ebenfalls erst im 19. jh. breitet sich ein gebrauch aus, der das adj. mit worten entgegengesetzter sinnesrichtung verbindet, wobei der begriff des wilden mehr oder minder durch den des bitteren oder boshaften gefärbt oder ersetzt ist: eine freude, wilde grimmige freude .. brach in geberde und worten heraus G. Freytag 13, 180; Hackerts antlitz verzog sich zu einem bitter grimmigen lächeln Gutzkow ritter v. geist 1, 131; lache dann nicht mehr so grimmig, dasz die menschen irrlichter sind Jean Paul Titan 2, 88; ähnlich auch: aber bald verzog sich dies gesicht zur graulichen maske, aus der recht bitterer, grimmiger ... hohn herauslachte E. Th. A. Hoffmann 6, 34 Grisebach; schwächer: erwiderte er mit seinem grimmigen humor v. d. Steinen naturvölker Zentralbrasiliens 6; das grimmige behagen O. Jahn Mozart 3, 117. 55) eine ganz neue sinnesrichtung ergibt sich dadurch, dasz sich der charakterisierenden bedeutung eine quantitierende beigesellt; auch darin übernimmt grimmig eine function von grimm (s. d. B 5). 5@aa) am besten läszt sich das einsetzen und allmähliche erstarken der ins intensive weisenden nebenbedeutung neben gewissen ausdrücken des affects beobachten: wie sehr er gegen der jungfrauwen vorhin in liebe entzündet, übertrifft doch jetz der gehe und grimmige zorn solche liebe weit J. Wetzel söhne Giaffers 38 lit. ver.; wie gros ist der grymmige zorn gottis uber die sunde der gotlosen Luther 15, 125 Weim.; da krag der römische kaiser einen groszen grimmigen zorn Mittler dtsch. volksl. 408: in grimmigster erzürnung Raabe hungerpastor (1864) 1, 51; diese verbindung mit zorn im älteren nhd. überaus häufig; erst in jüngerer zeit kommen mehr zur geltung: in so grimmigen hasz hatte des Artabanus liebe .. sich verwandlet A. U. v. Braunschweig Octavia 1, 75; wenn es etwas gab, was er tief und grimmig haszte G. Freytag 1, 108; der fürstliche stolze verbeiszet die grimmige wuth Göthe 3, 5 Weim.; aber auch neben anderen begriffen wird der übergang der bedeutung 'wild, wüthend' in eine intensive 'erbittert, heftig, hartnäckig' fühlbar: häfftiger und grimmiger krieg bellum acre et magnum Maaler 192d; bey allem dem angebohrnen muthe ... konnten sie den grimmigen anfall der Jenjitscheri nicht ausstehn Haller Usong (1771) 68; nachdem wir den grimmigstn widerstand gethan Schnabel insel Felsenburg 1, 44, 4; wie denn überhaupt der in jüngerer zeit stark zunehmende superlativische gebrauch wesentlich auf die rechnung dieser bedeutungsentwicklung zu setzen ist; die alte formel grimmer feind (s. o. 2 a) erscheint nunmehr überwiegend in dieser gestalt, z. b. dasz ein ungeschickter freund oft mehr schaden thut als der grimmigste feind Göthe IV 31, 2; so entsteht daher die grimmigste feindschaft der ... vernunft gegen den erlöser Jung-Stilling 3, 43. 5@bb) reiner tritt das intensitätsmoment heraus in der alten wendung grimme kälte: die hund pflegen zu wüten ... in ... schärfster grimmiger kält im winter Sebiz feldbau (1579) 147; die gröszte hitze in der einen weltgegend und die grimmigste kälte in der andern Hebel 2, 45 Behaghel; der entsprechende adverbiale gebrauch scheint jünger: noch dazu war es im damaligen winter grimmig kalt Rabener sämtl. werke 3, 48; H. Sachs sagt statt dessen: nun war es gar grimmig und kalt 9, 180 Keller; wie bei grimm (s. d. 5 b) weisen auch hier die belege wenigstens der älteren zeit überwiegend ins südwestl. Deutschland; dort noch heute im dialect, s. Staub-Tobler 2, 734; Fischer schwäb. 3, 838; s. u.c; dazu dann mancherlei ableger: den grimmigen frost unseres winters Prätorius winterflucht (1678) 304; und grimmig begann es zu frieren Göthe 50, 155 W.; es war grimmig frisch Ulr. Bräker sämtl. schr. 2, 89; unter dem einflusz der grimmigen kälte mögen auch fälle stehen wie: er ging in den grimmigen regen hinaus Göthe 33, 111 Weim.; es war ein grimmiger wind iii 1, 108; weiter häufig neben begriffen, die ein unlustempfinden ausdrücken: grimmige zahnschmerzen Gutzkow 5, 194; das grimmigste kopfweh G. Keller 5, 58; da faszte den jungen gesellen grimmiges heimweh Frenssen Jörn Uhl (1902) 140; man musz aber grimmigen hunger haben Göthe 45, 79 Weim.; den grimmigen durst des eigenwillens .. kühlen Schopenhauer 1, 500 Grisebach. 5@cc) am stärksten hat sich das intensitätsmoment bei adverbialem gebrauch ausgewirkt, wo die bedeutung schlieszlich beim reinen quantitätsbegriff endet; im älteren nhd. pflegt die ursprüngl. bedeutung noch vorzuwiegen: solt uns dann gott nit grimmig plagen H. Sachs 1, 193 Keller; die itzund grimig schreien, wens auf der cantzel stan, mort uber die ketzereien bergreihen 56 neudr.; dagegen: ich setzte mich .. hinter den letztern (spieler), der schon grimmig im verluste war H. L. Wagner theaterst. (1779) 51; grimmig obacht gën Staub-Tobler 2, 734; auch beim adj. zunächst in fällen wie: grimmig zornig seyn esser' infuriato Kramer teutsch-ital. 1, 565c; ich ward grimmig böse über den grobian Laukhard leben u. schicksale 2, 22; du hast's verdient, es geht dir grimmig schlecht Göthe 15, 326 Weim.; sie hat ja recht, ich that ihr grimmig weh Hebbel i 4, 282; aber auch: der mensch ist grimmig reich Kotzebue 7, 178; der nam' ist grimmig wunderschön Baggesen poet. werke 3, 273; so noch heute in den maa.: grimmig rëcht wär 's-mer u. dgl. Staub-Tobler 2, 734; grimmig dül, kold, hêt u. a. Doornkaat-Koolman 1, 686.
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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 8.–11. Jh.
    Althochdeutsch
    grimmîgadj.

    Althochdeutsches Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    grimmîg adj. , mhd. grimmec, grimmic, nhd. grimmig; as. grimmag, mnd. mnl. grimmich. — Graff IV,325. grimm-ig-: nom. sg.…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Grimmig

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Grimmig , -er, -ste, adj. et adv. Grimm, d. i. einen mit Verzerrung des Gesichtes verbundenen Grad des Zornes habend, un…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    grimmig

    Goethe-Wörterbuch

    grimmig im Vers auch synkopiert: -mm’g-; reichl 160 Belege, etwa die Hälfte (zu gleichen Teilen) in 2 u 3; oft je nach P…

  4. modern
    Dialekt
    grimmig

    Schweizerisches Idiotikon · +6 Parallelbelege

    grimmig Band 2, Spalte 734 grimmig (I) 2,734

  5. Sprichwörter
    Grimmig

    Wander (Sprichwörter)

    Grimmig Grimmig wie ein Löwe. [Zusätze und Ergänzungen] 2. Wär' sie grimmig wie ein Löwe und brummig wie ein Bär, hat si…

  6. Spezial
    grimmig

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    grim|mig adj. 1 (zornig) dessené (-ná, -nada), ri (ri, ria) 2 scialdé (-dá, -dada) 3 (wütend) furius (-sc, -iosa) 4 soz …

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit grimmig

15 Bildungen · 15 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von grimmig

grimm + -ig

grimmig leitet sich vom Lemma grimm ab mit Suffix -ig.

Zerlegung von grimmig 2 Komponenten

grim+mig

grimmig setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

grimmig‑ als Erstglied (15 von 15)

grimmigen

DWB

grimm·igen

grimmigen , vb. , erzürnen, ganz seltene causativbildung zu 1 grimmig: dar umb so bedunckt mich, daz er von uns syge ze gütigen mit diensten…

grimmighassend

GWB

grimmig-hassend zu grimmig 1aγ Ohnerachtet des grimmig-hassenden Widerstrebens der Physiko-Mathematiker [ gegen die Fl ] B49,152,17 Boisseré…

grimmgheit

AWB

grimmig·heit

grimmigheit st. f. , mhd. grimmecheit, grimmikeit, nhd. grimmigkeit; mnd. grimmichê i t. — Graff IV,325. grimmig-heite ( BB ), grimic- ( WB …

grimmigironisch

GWB

grimmig·ironisch

grimmig-ironisch zu grimmig 1aγ; mBez auf eine als Lobgedicht in Distichen abgefaßte polem Xen-Kritik 5 1 ,302 XenNachl 225 = B11,288,4 Schi…

grimmigkeit

DWB

grimmig·keit

grimmigkeit , f. , in bedeutung und gebrauch mit dem subst. grimm im ganzen identisch; im älteren nhd. recht häufig, seit dem 18. jh. nur no…

grimmigkeit

FWB

1. ›Zorn, Wut; Ärger, Unmut (als spontane Reaktion); Jähzorn (als Eigenschaft); wilder ungezügelter Mut, Kriegslust; Übermut; Hochmut‹; 2. ›…

grimmiglich

DWB

grimmi·glich

grimmiglich , bis ins 19. jh. nicht selten als adv. zu grimmig gebraucht; dem mhd. auch als adj. ganz geläufig, s. mhd. wb. 1, 574 b ; Lexer…

grimmigschmerzhaft

GWB

grimmig·schmerzhaft

grimmig-schmerzhaft zu grimmig 1aα Achill, grimmig-schmerzhaft, warf sich über ihn [ den von Memnon erschlagenen Antilochos ], Rache schwöre…

grimmigsophistisch

GWB

grimmig·sophistisch

grimmig-sophistisch zu grimmig 1bα [ im bildl Zshg für Newtons Theorie ] der grimmig sophistische Drache 35,258,11 TuJ 1806 Gert Liebich G.L…

grimmigstoßend

GWB

grimmig-stoßend zu grimmig 1bγ [ eines der wunderbaren Vorzeichen bei der Taufe des Humanus ] ein Geier | .. sich bei Tauben niederließ; | N…

grimmigwild

GWB

grimmig·wild

grimmig-wild zu grimmig 1bα; von Personifikationen Haß und Wuth .. entflöhn, die grimmig wilden 43,370,19 Cell II 13 → ingrimmig plutonisch-…

grimmigære

KöblerMhd

grimmigære , st. M. nhd. Wüterich, Grausamer Q.: Hiob (1338) (FB grimmigære), PfzdHech E.: s. grimmic, grimmen W.: nhd. DW- L.: Lexer 76b (g…