grimmigkeit,
f. ,
in bedeutung und gebrauch mit dem subst. grimm
im ganzen identisch; im älteren nhd. recht häufig, seit dem 18.
jh. nur noch selten; '
im hochdeutschen ungewöhnlich' Adelung
unter grimmig;
vgl. auch grimmheit. 11)
zunächst furor Diefenbach 253
c;
furia 253
b;
sevitia 531
b;
mit einem nachklingen der grundbedeutung von grimm: er begundte ... vor grimmigkeit die zän auff einander beissen
buch d. liebe (1587) 274
d; er hängt den schweif, zieht mich am kleid und bleckt die zähn voll grimmigkeit Brentano 2, 82;
dem begriff des zorns sich nähernd: das sie ausz groszer grimmigkeit stoszt ausz so unbescheidne wort Spangenberg-Fröreisen
griech. dramen 2, 287; er (
hat) die kauffer und verkauffer mit grosser grimmigkeit vertrieben ... ausz dem tempel Aeg. Albebtinus
zeitkürzer (1603) 28
b;
vielfach mit zorn
verbunden: Unfalo wolt nit mer fragen aus rechtem zorn und grimigkeit
Teuerdank 126, 43
Gödeke; in grosser grimmigkeit und in harten zorn
buch d. liebe (1587) 273
b. 22)
zumeist mehr dauernde eigenschaft als momentaner zustand. 2@aa)
atrocitas Diefenbach 58
a;
ferocitas 231
a;
feralitas nov. gl. 170
b; daz rede ich doch dar umbe niht, daz ich entsitze ir (
der Griechen) grimmekeit Konr. v. Würzburg
troj. 18723; lotterbuoben und spilleüt, die sein grimmigkeyt erweychen mögen (
quae feritatem eius emolliant) Mich. Herr
sittl. zuchtbücher (1536) 50
b;
häufig von thieren: aber er (
der leopard) wirt nümmer sô zam, daz er seiner grimmichait vergezz Konr. v. Megenberg
buch d. natur 145, 18; des löwens grimmigkeit Henrici
ernst-, scherzh. u. sat. ged. 4, 104;
vielfach nüanciert: austeritas Diefenbach 63
a;
torvitas 590
a;
livor 334
b;
asperitudo nov. gl. 38
a;
immanitas 210
b; grimmigkheit, stoltze, hochmut, ubermut,
ferocia, ferocitas Henisch 1744;
im ältesten beleg im sinne '
bosheit': in grimicheite han ich gesundot Graff 4, 325;
gern als '
härte, strenge'
: severitas Diefenbach 531
b; der fürst kert sich von dem stuol der erbärmd zuo dem sitz der grymmikeit
buch d. beispiele 19
lit. ver.; es herschen auch die lang und sicher, die da nit die forcht von irer grimmigkeit wegen, sonder die lieb irer gütigkait halb iren burgern eingiessen H. Boner
Herodian (1532) 2
b;
nicht minder häufig für '
grausamkeit': ez ist ain grimmichait, daz wir unser prüeder twingen in unser dienst Konr. v. Megenberg
buch d. natur 492, 9; er hatt ein lust und wolgefallen an grimmigkeit
pro deliciis crudelitas illi fuit Frisius
diction. (1556) 1059
b; aber die türkische grimmigkeit und zitische grausamkeit seiner feinde war so eisern Zesen
verschmähete majestät (1661) 172;
auch concreter '
grausame that': ich ... dancken dyr ... der grymmikeit so sy an dyr begiengent
der ew. wiszheit betbüchl. (1518) 116
b;
pluralisch: die arme christenheit empfand die grimmigkeiten des wüterichs so hart, als nie vor diesen zeiten Treuer
dtsch. Dädalus 1, 372. 2@bb)
seltener in einer mehr objectiven verwendung, '
schrecklichkeit, härte, pein': daz her (
Christus) die selben quale des todes in der grimmekeit von sinem willen ie geleit Hesler
apoc. 1093; ich zittre zwar, wenn ich bedenke der bittren marter grimmigkeit Mühlpfort
teutsche ged. 52;
auch in der verbindung mit tod
scheint das subst. meist so empfunden: in forhten sin uf die grimmekeit des gemeinen dodes Schmidt
elsäss. 155
b (
aus pred. des 14.
jhs.); das wir der grimmigkait des todts entflohen Schaidenreiszer
Odyssea (1537) 35
b;
freilich auch, bei personificiertem tod,
im sinne von a: daz sie ihm (
dem tod) aber in die ander hand mahlen ein hacken, spaten, beil oder spiesz, damit zielen sie auff des todes grimmigkeit Prätorius
hundert auserlesene abdankungen (1663) 398. 33)
wie grimm
auch mit quantitierender bedeutung, '
heftigkeit': grimmigkeit der schlacht
Amadis 24, 544;
noch deutlicher: grimmigkeit der hitze Jac. Böhme
morgenröte 2; bis ihm endlich die grimmigkeit der kälte die beine umbfressen Prätorius
winterflucht d. sommervögel (1678) 380; die krankheit sei diesmal von einer erschrecklichen grimmigkeit Laube
ges. schr. 14, 253.