Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
grim
2 ‘wild, unbändig, grausam’
2.1 von Personen(gruppen)
2.2 von Tieren
2.3 als Attribut zu ende oder tôt
2.4 grimme geisel ein Folterinstrument
3 ‘schmerzerfüllt, verzweifelt, voll Jammers’
4 adv. auch intensivierend ‘in besonderem Maße, außerordentlich’
1 ‘zornig, wütend, kampfeswütig’ die helde treip der grimme zorn / zem strîte Wig 10942; dâ wart vil grimme gestriten NibB 1608,4 u.ö.; herre [...], / sint [seid] niht sô grimmes muotes / noch al sô zornic wider mich! KvWSchwanr 1486; dâvon sol ich krimmer / nimmer gegen iu werden gesehen Ottok 6955; der [Christus] was zornig und grimm, ê er mensch würd, wider die hôchvart der engel und wider die ungehôrsam der läut auf erden BdN 161,31; Mechth 3: 21,53; Elmend A 985. – von der Stimme: Polidamas sin zeichen schrei / lute vnd grimme Herb 5248; lûte âne mâze / hôrter [Iwein] eine stimme / clägelich und doch grimme Iw 3830; EnikWchr 19614; Tr 9050; HvNstAp 2979 2 ‘wild, unbändig, grausam’ der sturm was grimme unde hart SAlex 3286; vil sere si in villent [quälen] , si marterent in vil grimme AvaLJ 62,5; ouch sluog im her Liudegast vil manegen grimmen [heftigen] slac NibB 187,1; in die grimmen helle LvRegSyon 1293; Mügeln 36,4 2.1 von Personen(gruppen): dehein man wær sô grimme / des muotes noch des herzen, / hêt er ir jâmers smerzen / und ir grôze klage ersehen, / im wær ze weinen geschehen Wig 7685; also loben wir dih [Christus] geborne / uze der grimmen judescefte Litan 253; Konr 19,62; sin [Cernubiles] lant daz was fraissam, / daz liut daz ist grimme Rol 3767; der kaiser ist also grimme: / erne gefluhet nimer hinne / durh dehainer slachte not. / ia suchet er den tot / unt alle di sine ebd. 8387; Iw 696. – goͮte unde ubele sît Adames cîten sint alle tôt [...] unde erstent iedoch alle gemeinlichen, so der grimme [strenge] rihtare an der iungesten urteile zornlichen chumet Spec 128,11; alsus vert der grimme gottes vient vnd aller der cristenheite mit zorne vnd mit grozeme vbermvͦt UrkCorp (WMU) 93,40. – subst.: die vorvluchten und die grimmen, / die diser werlde walden HeslApk 22694; ÄJud 30 2.2 von Tieren: swenne in sin zorn ane quam, / als ein grimmer ber er bram Herb 2990; er [Isidor] spricht auch, daz der veigenpaum sô grôzer kreft sei, pinde man ainen gar wilden grimmen ochsen dar an, er werd zam und sänftig BdN 322,19. 132,4 u.ö.; Mügeln 214,3; Schrätel 234; Wh 317,6. – von Greifvögeln (vgl. krimvogel und gramvogel ): iedoch geschiht daz oft, daz diu üppigen hüendl vliehent auz den getrewen flügeln der muoter alsô verr, daz si die grimmen vogel hin füerent BdN 193,9. 200,15 2.3 als Attribut zu ende oder tôt: im hete der recke Hagene den grimmen ende getân NibB 2064,4; dînes [Christi] grimmen endes KvWLd 1,124; ir mûzit alle den grimmin tôt kiesin PrMd (J) 344,26; wol ahzec sîner degene beliben dâ zestunt / mit dem grimmen tôde NibB 1615,3; der liebe herre sîn / leit des grimmen tôdes pîn KvWHerzm 348; unz an den grimmen tôt BdN 308,1; Wahrh 76; Wig 6965; Mügeln 166,6 2.4 grimme geisel ein Folterinstrument: anguilla: grimme geisel VocOpt 30.024; scorpio: grimme geisel ebd. 30.025; scorpio: grime geischel oder geluppet [giftig] schos oder tarant VocClos Sc 108 3 ‘schmerzerfüllt, verzweifelt, voll Jammers’ diz ist ein grimmiu nôt, / daz alle mîne [Etzels] recken suln vor in [den Burgunden] ligen tôt NibB 2000,3; des grimmen herzeleides phnehen [Schluchzen] KvHeimHinv 187; si wainten uil grimme Rol 5620. 6745; swie sie vor leide wæren grimme LvRegFr 4346; KvWSchwanr 874; KlageB 1481 4 adv. auch intensivierend ‘in besonderem Maße, außerordentlich’ Adam sin wip erchande so noch sit ist in dem lande; / ich mein ez an die minne der man noch phlegit grimme GenM 21,5; den von Tenemarke was vil grimme leit, / ir herre was gevangen NibB 192,1; ouch ist sô grimme stark der wundernküene man ebd. 872,3 u.ö.; wan im [Jesus] so grimme we beschach WernhMl 9361
MWB 2 926,63; Bearbeiter: Richter