gran,
n., m. (
f.),
kleines gewichtsmasz, aus lat. granum '(
gersten-)
korn',
seit der mitte des 15.
jhs. nachweisbar, neben verwandtem, aber aus frz. grain bereits früher entlehntem grän (
s. d.). gran
und grän
sind nach herkunft und anwendung deutlich zu scheiden, doch führen formale und begriffliche verwandtschaft gelegentlich zu verwechslungen oder vertauschungen, vgl. z. b. gren (
statt gran)
für granum, vier gren
für siliqua, ceratium bei Junius
nomencl. (1567) 361
b; (1616) 305
a; gran, gren
ein kleines gewicht zum probieren, davon 288.
auf eine mark gehen bergm. wb. (1788) 240,
vgl. auch unten grangewicht.
unter 1 a
γ sind gran
und grän
ohnehin zusammengefallen. —
das genus zeigt, soweit erkennbar, anfangs m. und n. gleichberechtigt, vom 17.
bis zum 19.
jh. hat das m. (
vgl. auch vereinzeltes mlat. granus du Cange 4, 101
b)
entschieden den vorrang, jüngster gebrauch bevorzugt wieder das neutrum, s. dazu noch Paul
dt. gramm. 2, 144.
das von Stieler
stammb. (1691) 693
und wohl nach ihm bei M. Kramer
t.-ital. 1 (1700) 555
c angezeigte fem. ist aus dem literarischen gebrauch des wortes nur vereinzelt zu stützen, vgl. mehr danne eyne grane (1465)
urk.-buch d. st. Freiberg 2, 191.
der pl. lautet vorwiegend grane,
doch begegnet älter auch schwache flexion: (
acc. pl.) granen Paracelsus
opera (1616) 2, 31
H.; sechs granen Er. Francisci
lust. schaubühne (1698) 2, 749.
umgelautete pluralformen wie fünff grän Gesner
thierb. (1563) 30,
die gräne Moscherosch
gesichte (1650) 1, 173
vielleicht unter dem einflusz von grä
n. im übrigen herrscht seit alters, wie auch sonst bei maszbegriffen, flexionsloser gebrauch vor: vier gran, einige gran
usw. schwache flexion des sg. ist ungewöhnlich: einen granen Gaudy
s. w. (1844) 1, 82.
schreibung mit -aa-
bleibt vereinzelt, s. unten 2 b
γ. 11)
in eigentlicher anwendung für eine gewichtseinheit, seltener für andersartige maszwerte, vgl. den gleichen ausgangspunkt bei korn (
s. d. II 8, 9).
meist in absolutem gebrauch, seltener mit substantivattribut in flexionslosem, genitivischem oder präpositionalem anschlusz. seit einführung des grammgewichtes in eigentlicher anwendung auszer gebrauch. 1@aa)
als gewicht. ursprünglich, nach antikem vorbild, das gewicht eines gerstenkorns, für das aber meist, der genauigkeit und einheitlichkeit halber, ein getrocknetes pfefferkorn o. ä. eintritt. 1@a@aα)
zufrühest, und vorwiegend auf nd. boden, im münzwesen, wo die zwillingsformel korn und gran
wohl nicht tautologisch den begriff des feingehaltes umschreibt (
wie bei korn II 9 c),
sondern korn
auf den feingehalt, gran
auf das gewicht der münze zielt, vgl. die verbindung korn und gewicht
unter korn II 9 d,
dazu die gleichfalls vorwiegend nd. (
und md.)
verbindung grad und korn
s. v. grad B 2 a
γ ββ: das sie ... eyne muntcze, beide sulbers und goldes, in der genante unnsir stat Danczik haben und halden mogen wff solch korn und gran, alze itczundir gewonlich ist (1457)
acten d. ständetage Preuszens 4, 560; das man die müntze im gantzen lande von einerley wirden eines kornes vnd eines granes machte Schütz
hist. rer. Pruss. (1592)
buch 7, S 3
b.
deutlich als probiergewicht (
sonst üblicher bei grän,
s. d. 1 a): doch (
soll) niemand zwungen sin, die ('
dicken pfennige'), so über 10 gran ze liecht sind, ze nämen (1542)
bei B. Haller
Bern in sein. rathsmanual. 2 (1901) 261 (
oder zu 1grän ?).
vereinzelt scheint, in etwas jüngerem gebrauch, anspielung auf den feingehalt einer münze vorzuliegen, in bildlich-übertragenem zusammenhang: ich mein itzt hat er (
der münzmeister) einen kauff gethan (
mit seiner jungen frau), den ihm gehört ein wunderschöner gran, zwahr disz metall ist für der zeit probirt, doch weisz man, dasz es keine schlakken führt Rist
Parnasz (1652) 481. 1@a@bβ)
als goldgewicht, seltener silbergewicht, älteren gebrauchs, in der goldschlägerei wie im münzwesen und nach grän (
s. d. 1 b)
als zweitkleinste maszeinheit. seit alters in genauer bestimmung: lautter goldt hielt am strich 24 karat, welcher karat ains hielt 4 gran Grammateus
rechn. auff kauffmanschafft (1518) E 1
b;
vgl.E 8
b; im gold gewicht wird die marck in vier vnd zweintzig karat oder kirat, wo es anderst arabisch, vnd nicht das lateinisch wort grad ist, geteilet, denn gar fein gold sol auff vier vnnd zweintzig karat gradirt sein, ein karat in vier gran, ein gran in drey gren Mathesius
Sarepta (1571) 166
b; ein marck fein goldt ist 24 karat, ein karat ist 12 gren, drei gren sind ein gran, 288 gren ist ein marck fein goldt Albinus
meiszn. bergkchron. (1590) 126; Harsdörffer
teutscher secretar. (1650) 1, Ddd 3
a; gran
u. grän,
n., alte goldgewichte. 1 gran = 3 grän = ¼ karat = 0,064788 gramm Mothes
ill. baulex. (1882) 2, 515; aus einem halben pfunde sand wusch ... die negerin ... einen gran gold Ritter
erdkde (1822)
teil 1, 372; bringe mir auch purpurfarbe, einen gran geriebnen goldes Brentano
ges. schr. (1852) 3, 14.
vereinzelt wohl mit karat (
s. d.)
verwechselt, das sich seinerseits mit grad
mischt: wir nennen das beste gold, das seine vier vnnd zweintzig gran helt, ... auch rein, lauter, fein Mathesius
Sarepta (1571) 41
b (
oder druckfehler für grad =
karat, vgl. s. v. grad B 2 a
γ αα den Mathesius
-beleg).
bisweilen auch als silbergewicht, wo aber das messen nach grän (
s. d. 1 b)
gebräuchlicher war, vgl. 6 gran = 1 lot, 96 gran = 1 mark (
gold- u. silbergewicht) Krünitz
encycl. (1773) 19, 700.
hierher wohl: verehret mir auf den fall ein schön groschen, der ungefähr 9 gran schwer war Schweinichen
denkw. (1878) 78.
vgl. noch: so kurz und kostbar euer leben auch ist; so verkauft ihr es doch gern für wenig gran gold und silber, die erstgeburt für ein schnödes linsengericht Hippel
lebensläufe (1778) 3, 1, 175. 1@a@gγ)
als juweliergewicht seltener und hier mit grän (
s. d. 1 c)
identisch: im juweliergewicht 1 gran oder grän = ¼ karat = 0, 206 gramm Fischer
schwäb. 3, 788;
vgl.juwelengran
bei Prechtl
technol. encycl. (1830) 4, 530.
hierher: in Ostindien ... bekommet man perlen von 100. granen Abr. a
s. Clara
etw. f. alle (1699) 2, 98. 1@a@dδ)
am gebräuchlichsten als apothekergewicht und als solches bei grän
ohne entsprechung. in älterer zeit hier als kleinste gewichtseinheit, soviel wie
skrupel,
drachme oder quentlein,
unze,
pfund, 0, 06
gramm: gran, braucht man gerstenkörner schwer dafür, sind also gebildet G
a. in diesen werden gemeiniglich zwentzig für ein scrupel gerechnet. weil man aber bey vns wunderselten die gersten so vollkommen findet, sonder dasz hart dreiszig, etwa viertzig, ein scrupel wegen (=
wiegen), so schickt sich basz, dasz ein vollkommen pfefferkorn für I G
a genommen werde, da dann zwentzig gar gleich mit eim (
d. i. scrupel) zutreffen Wirsung
artzneybuch (1588) 30
c; gran,
ein korn oder kern, wirdt für ein gewicht braucht, wie man in den rechenbüchern, vnd bey den apoteckern findet, vnd gelten zwantzig gran
einen scrupel,
drey scrupel
machen ein quintat
oder drachma,
vnd 8 drachma
ist ein vntz,
das ist 2 loth Heupold
dict. (1620) 197; gran,
früheres apothekergewicht = 0, 06 g Lueger
lex. d. ges. techn. (1894) 4, 754.
häufig in älteren rezeptangaben: scamonea V gran (
rezeptangabe) Dryander
d. ganzen arzenei gemeiner inhalt (1542) 62
b; nim ... des besten bisems 3 guter grän Gäbelkover
artzneyb. (1595) 1, 47; vnd ob schon einer von zwantzig bisz auff fünff vnd zwantzig gran (
einer bestimmten medizin) einnehme, so hat er sich doch nicht zu besorgen Würtz
wundartzney (1624) 610.
und sonst: woltest du es wohl einem apothecker zu gut halten, wenn er einen oder zween gran einer gefährlichen und gewaltsamen artzeney zu viel gebe, mit dem vorwand, man könte es so eben nicht haben? Scriver
seelenschatz (1737) 1, 404
a; sie braucht fünf grane niesewurz; in ihrem oberstübchen ist's nicht richtig H. v. Kleist
w. 1, 240
E. Schmidt. gern mit anspielung auf die genauigkeit und geringfügigkeit des maszes: liesz die arznei ... ... sich auf gran und skrupel abwägen Müllner
dram. w. (1828) 4, 14; und darin fand ich das arcanum ihrer unberufenen helferin als allgemeinen lebensbalsam gran für gran verordnet Immermann
w. 5, 112
Hempel. formelhaft: es felt ke
is gran (
oder: grȫnli) (=
es ist exakt gewogen)
schweiz. id. 2, 741. 1@a@eε)
in verwandten, δ naheliegenden anwendungen: ein gran saltz in eine lampen mit oel gethan, ursachet, dasz ein oel nicht so geschwind verzehret wird Hohberg
georg. cur. (1682) 1, 204; nun zählte er in einem klümpchen eyer, das einen gran am gewichte ausmachete,
mehr als zweyhundert eyer Reimarus
wahrheiten d. nat. religion (1766) 595; 60 grane des kalchs wurden erhitzt Lichtenberg
br. (1901) 3, 260; 'weshalb regnet es denn (
im april soviel)?' 'weil die krauseminze zweitausendzweihundertachtundfünfzig gran wasser trinken musz, wenn sie nur fünfzehn gran schwer werden soll' W. Raabe
s. w. I 2, 14
Klemm. auch ganz allgemein, als gewicht in der gewichtsbestimmung überhaupt: einer solchen theilung wirdt kein (
bild-) schnitzer zu ewigen zeiten mehr erfunden (
wie gott), der (
in der schöpfung) also (
noch) den minsten gran vnnd vnnützlichsten, zu nutz vnd in etwas lebendigs enden kan Paracelsus
opera 2, 2
Huser; auf einer scharfen wage, die jedenfalls, bei einer belastung von 400 gran, noch gran ausschlag gibt (
z. best. d. spezif. gewichts von mineralien) Oken
allg. naturgesch. (1839) 1, 106. 1@bb)
als längen-, flächen- und körpermasz, hinter a
stark zurücktretend, vgl. dazu korn II 8 a, skrupel 1.
der messung scheint die breite eines korns zugrundezuliegen, doch weichen die maszangaben z. t. voneinander ab: gran = schuh = 2, 03 mm (17.
jh.) (
wofür sonst linie)
bei Fischer
schwäb. 3, 788; die schuhe einer ruthe, deren zehen eine ruthe machen, werden wiederum in zolle, gran und scrupel eingetheilt; ein schuh hat 12 zoll, ein zoll 10 gran, und ein gran zehn scrupel Fleming
d. vollk. teutsche soldat (1726) 44; 'gran ...
in der geometrie ist er im längenmaasz der zehende theil eines zolles,
der hunderte theil eines schuhes,
und der tausende theil einer ruthe ...
im flächenmaasz ist er der zehende theil eines riemenzolles ...
im cörperlichen maasz ist er der zehende theil von einem balkenzoll ...
man pfleget einen gran
auch eine linie
zu nennen' Wolff
mathem. lex. (1747) 601; Krünitz
öcon. encycl. (1773) 19, 700;
bei Klügel
mathem. wb. (1803)
nicht mehr aufgenommen. als '
grad'
auf dem barometer: woran (
an dem barometer) man den digitum 26. 27. und 28. als worinnen sich die höhe des Mercurii zu halten pflegt, in 12 gleiche theile oder gran, vermittelst eingezogener querstrichlein getheilet und hinwiederum einen ieden solchen gran in 10. lineolas oder scrupel abgeschnitten hat
Bresl. slg. v. natur- u. medicingesch. (1717) 1, 10; 's wätterglas isch scho um zwe gran abe sitt hütte morge (1853) Seiler
Basel 146.
im schweiz. auch im übertragenen sinne eines stärkegrades: d' bleichsucht im höche gran
schweiz. id. 2, 741. 1@cc)
beschränkten gebrauchs für das vorkommen bestimmter stoffe in körnerform oder -gestalt und für die körnigkeit bestimmter materialien; den bei frz. grain,
nl. grein
und graan
viel reicher entwickelten bedeutungen entsprechend. in verschiedenen, aber durchweg singulär bezeugten spezialbedeutungen, vgl. auch dazu korn II 4 a—c. '
hagelkorn': so aber der boreas darein kompt, vnd begreifft jhn (
den schneesturm), so coaguliert er jhn, vnnd macht daraus granen, so gross die schneetropffen seyn solten vnd so sie also coagulirt werden, so fallen sie herab Paracelsus
opera 2, 31
Huser. '
fruchtkern': die frucht (
des granatbaums) hat ein schalen oder rinden, ist innwendig voll harter kern oder granen Lonicerus
kreuterbuch (1604) 31
a. '
korn, getreide'
in kollektivem sinne: habern, gersten, korn, gran, bringet der baur den bürgern an
grillenvertreiber (1670) 1, 97,
vgl. dazu mundartliche zusammensetzungen wie granhandel, granhändler, -mäkler Frischbier
pr. 1, 249.
von der körnigkeit des pulvers: man musz sie (
die sprengmaschine) mit dem aller feinesten pulver laden so man finden mag, welches man wol darin auff einander schlagen musz (doch dasz es dasz gran oder korn nit verliehre) Wallhausen
kriegssmanual (1616) 55.
des goldes: man findet das gold in körnern oder granen, in staub und in steinen
Acosta America (1605) 98.
etwas häufiger für die kugeln am rosenkranz, wie korn II 6, körnlein 1 c: wer den St. Brigitta rosenkranz bettet, gewinnt von jedem gran oder ringel 500 jahr ablasz (1692)
bei Schmeller-Fr.
bair. 1, 998
mit weiteren nachweisen; gran oder ringlein am rosenkranz (1730)
in: schweiz. id. 2, 741. 22)
in übertragenem und abgezogenem gebrauch, in dem das wort auf abstraktes, ungegenständliches bezogen ist und dessen ein kleinstes masz bezeichnet. vereinzelt bereits im 15.
jh. (
s. u.b
α),
sonst seit dem 17.
jh., aber bis in die jüngste sprache hinein und den gebrauch 1
überlebend; vgl. die entsprechende anwendung von mhd. grûz,
von korn
und körnchen. 2@aa)
noch in deutlicher beziehung auf den eigentlichen gebrauch 1 a.
so in der antithetischen gegenüberstellung mit anderen, gröszeren gewichtsmaszen, die dann ebenfalls auf ungegenständliches bezogen sind: ein gran verwegenheit ist unter ein gantz pfund der klugheit schon genung Lohenstein
Cleopatra (1680) 6; einen gran göttlicher erkäntnüsz schätzte er (
der verstorbene) vor wichtiger als gantze centner menschlicher erfindungen Schmolck
sämtl. trost- u. geistr. schr. (1740) 2, 684
b; ob ich aber geduldig seyn würde eure vorschriften zu befolgen, daran kann der weise einen gran von einem skrupel, ja wohl gar einen ganzen skrupel hegen
Shakespeare 6 (1800) 208.
ausdrücklich auf den prozesz des wiegens anspielend: (
gott) wiegt alles mit gerechtem masse, wiegt jedes gran der menschennoth Lavater
handbibl. f. freunde (1790) 3, 11; man wägt die empfindung nach granen Schiller 2, 344
G.; die unermeszlichkeit der liebe nach gran und skrupeln abwägen Tieck
aufruhr in d. Cevennen 164
Hendel. in deutlicher beziehung auf 1 a
δ: einige grane verstand und viel bosheit ... sind ingredienzien, woraus ironien genug gemacht werden können Cramer
nord. aufseher (1758) 3, 69; nimm nämlich zu einem sechszehntel gran sachkenntnisz, den du leicht aus irgend einem alten autor aufschnappen kannst, 65 pfund unverschämtheit, 70 pfund eigendünkel und 2½ tropfen milde Hebbel
br. 1, 18
Werner. seltener von 1 a
α,
β her: (
Hamlet:) der gran von schlechtem zieht des edlen werthes gehalt herab in seine eigne schmach
Shakespeare 3 (1798) 172. 2@bb)
aus der spürbaren beziehung auf den eigentlichen gebrauch ganz gelöst, unmittelbar als umschreibung für ein kleinstes masz, eine winzigkeit von irgendetwas unsinnlichem. 2@b@aα)
mit einem substantiv verbunden in verschiedenen formen des anschlusses. vor dem genitiv eines substantivs, vereinzelt früh, aber wohl sicher hierher und nicht zu gran,
f. '
haar',
das der gleiche autor in gleichem sinne verwendet (
s. u.granne 1 c): do hastu (
Christus) unsz gesaget van durch susse ler, die von dir ran, wer ausz unsz het den minsten gran wores cristlichen glaubes glan, dem unglauben wer wider span, den wolstu her nit lan Hans Folz
meisterlieder 22
A. L. Mayer; ja wenn ein diener ... das hefft der herrschafft in die hand bekäme, wäre dieses doch so süchtig, dasz der allerbeste einen gran der begierde bekäme, die gewalt seines fürsten zu mässigen Lohenstein
Arminius (1689) 2, 590
b; und dann müszte es doch mit dem teufel zugehen, wenn ich nicht der Shakespeare der zukunft würde, insbesondere wenn noch ein gran Bacherlscher intuition dazukommt G. Keller
br. u. tageb. 2, 439
Ermat. daneben häufig ein gran von etwas: für dieses gran von freude werden sie mir auch wohl tagelangen unmuth zurückgelassen haben (1775) Bürger
br. 1, 225
Strodtmann; ohne einen gran von narrheit Göthe I 45, 13
W.; vgl. IV 23, 187
W.; auch strenge war hinzugemischt, ein gran von unerbittlichkeit Binding
erlebtes leben (1928) 189.
in artikel- und flexionslosem bzw. in seiner flexion nicht erkennbarem anschlusz: in allen groszen beyspielen stecke ein gran ungerechtigkeit Lohenstein
Arminius (1689) 1, 149
b; einen tropfen traurigkeit, ein gran hoffnungslosigkeit Th. Mann
Faustus (1948) 346.
archaisierend in der lat. wortform: ein granum weisheit misch ich drein, was tun sollst und was lassen sein Weinheber
o mensch, gib acht (1937) 5.
geläufig in negierender oder einschränkender wendung nicht ein, kein, nur ein gran: verstand hatt er zwar nicht ein gran Götz
verm. ged. (1785) 3, 196; nur dasz man freunde hat — und dasz auch die nicht einen gran achtung für meine leistung aufbringen Gerhart Hauptmann
einsame menschen (1891) 56; kein gran talent Lavater
verm. schr. (1774) 2, 250; jede sache, zu der nur ein gran menschenverstand nöthig ist Thümmel
reise (1791) 5, 12; wenn er nur etwas von ihm (
Nero) haben wird, ... nur ein gran jener unbeschreiblichen mischung aus grösze, narrheit, majestät und jungenhaftigkeit Feuchtwanger
d. falsche Nero (1947) 252. 2@b@bβ) der, ein gran '
ein weniges, eine kleinigkeit',
ohne bindung an ein substantiv: wenn eine schlange einen riesen ... an die kleine zehe stäche, würde dieser gran gleichwol den gantzen leib einnehmen Lohenstein
Arminius (1689) 1, 178
b; hier gilts zu lenken, dort, zu biegen, beugen, hier rückt das recht ein haar und dort ein gran Grillparzer
s. w. 5, 161
Sauer. 2@b@gγ)
in fügungen mit adverbialer funktion, namentlich (um) einen, keinen gran '(
nicht)
im geringsten, (
nicht)
um ein weniges',
vgl. dazu den beleg aus Folz 17
A. L. Mayer unter granne 1 c: kein herrligkeit, noch lust, noch hören music an, vermindern seine pein nicht kont vmb einen graan Dietrich v.
d. Werder
ras. Roland (1636) 3, 229.
so namentlich vor einem komparativ: also mühen sich einige, die einen gran wichtiger als die itzt beschriebenen seyn sollen, nichts, als unnöthige grübeleyen ... auf die bahn zu bringen Lohenstein
Arminius (1689) 1, c 4
b; ich hoffe ..., dasz die musik noch immer um einen gran schlechter als meine arien ausfallen wird Schiller 4, 21
G.; dasz er vielleicht um ein gran mehr unterwürfig und um ein gran weniger frech war Feuchtwanger
d. falsche Nero (1947) 69. bis auf den (letzten) gran '
bis zum letzten, bis zum äuszersten': die egyptische schatzung- und fronvögt die armen Israeliten auff den letzten gran auszsaugen Dannhawer
catech.-milch (1657) 2, 282 (
s. auch s. v. grän 1 e); um aus dem vollen, goldnen strausz (
des weines) bis auf den letzten gran heraus den balsamduft zu leeren W. Müller
ged. (1868) 2, 51; wenn sie dir weh geweissagt — o gewisz, da sind sie (
die götter) treu bis auf den gran Geibel
ges. w. (
21888)6, 24. 33)
bezeichnung einer in Neapel und Sizilien früher gebräuchlichen münze im werte von 6
piccoli, vgl. Krünitz (1773) 19, 700: ich habe anfangs juni von Meurikoffre in Neapel 204 neapolitanische dukati und 83 gran erhalten (1787) Göthe IV 8, 253
W. ital. grano,
vgl. Schrötter
wb. d. münzkde (1930) 234
a.