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gran

ahd. bis spez. · 25 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

gran n., m.

Bd. 8, Sp. 1820
gran, n., m. (f.), kleines gewichtsmasz, aus lat. granum '(gersten-)korn', seit der mitte des 15. jhs. nachweisbar, neben verwandtem, aber aus frz. grain bereits früher entlehntem grän (s. d.). gran und grän sind nach herkunft und anwendung deutlich zu scheiden, doch führen formale und begriffliche verwandtschaft gelegentlich zu verwechslungen oder vertauschungen, vgl. z. b. gren (statt gran) für granum, vier gren für siliqua, ceratium bei Junius nomencl. (1567) 361b; (1616) 305a; gran, gren ein kleines gewicht zum probieren, davon 288. auf eine mark gehen bergm. wb. (1788) 240, vgl. auch unten grangewicht. unter 1 a γ sind gran und grän ohnehin zusammengefallen.das genus zeigt, soweit erkennbar, anfangs m. und n. gleichberechtigt, vom 17. bis zum 19. jh. hat das m. (vgl. auch vereinzeltes mlat. granus du Cange 4, 101b) entschieden den vorrang, jüngster gebrauch bevorzugt wieder das neutrum, s. dazu noch Paul dt. gramm. 2, 144. das von Stieler stammb. (1691) 693 und wohl nach ihm bei M. Kramer t.-ital. 1 (1700) 555c angezeigte fem. ist aus dem literarischen gebrauch des wortes nur vereinzelt zu stützen, vgl. mehr danne eyne grane (1465) urk.-buch d. st. Freiberg 2, 191. der pl. lautet vorwiegend grane, doch begegnet älter auch schwache flexion: (acc. pl.) granen Paracelsus opera (1616) 2, 31 H.; sechs granen Er. Francisci lust. schaubühne (1698) 2, 749. umgelautete pluralformen wie fünff grän Gesner thierb. (1563) 30, die gräne Moscherosch gesichte (1650) 1, 173 vielleicht unter dem einflusz von grän. im übrigen herrscht seit alters, wie auch sonst bei maszbegriffen, flexionsloser gebrauch vor: vier gran, einige gran usw. schwache flexion des sg. ist ungewöhnlich: einen granen Gaudy s. w. (1844) 1, 82. schreibung mit -aa- bleibt vereinzelt, s. unten 2 b γ. 11) in eigentlicher anwendung für eine gewichtseinheit, seltener für andersartige maszwerte, vgl. den gleichen ausgangspunkt bei korn (s. d. II 8, 9). meist in absolutem gebrauch, seltener mit substantivattribut in flexionslosem, genitivischem oder präpositionalem anschlusz. seit einführung des grammgewichtes in eigentlicher anwendung auszer gebrauch. 1@aa) als gewicht. ursprünglich, nach antikem vorbild, das gewicht eines gerstenkorns, für das aber meist, der genauigkeit und einheitlichkeit halber, ein getrocknetes pfefferkorn o. ä. eintritt. 1@a@aα) zufrühest, und vorwiegend auf nd. boden, im münzwesen, wo die zwillingsformel korn und gran wohl nicht tautologisch den begriff des feingehaltes umschreibt (wie bei korn II 9 c), sondern korn auf den feingehalt, gran auf das gewicht der münze zielt, vgl. die verbindung korn und gewicht unter korn II 9 d, dazu die gleichfalls vorwiegend nd. (und md.) verbindung grad und korn s. v. grad B 2 a γ ββ: das sie ... eyne muntcze, beide sulbers und goldes, in der genante unnsir stat Danczik haben und halden mogen wff solch korn und gran, alze itczundir gewonlich ist (1457) acten d. ständetage Preuszens 4, 560; das man die müntze im gantzen lande von einerley wirden eines kornes vnd eines granes machte Schütz hist. rer. Pruss. (1592) buch 7, S 3b. deutlich als probiergewicht (sonst üblicher bei grän, s. d. 1 a): doch (soll) niemand zwungen sin, die ('dicken pfennige'), so über 10 gran ze liecht sind, ze nämen (1542) bei B. Haller Bern in sein. rathsmanual. 2 (1901) 261 (oder zu 1grän ?). vereinzelt scheint, in etwas jüngerem gebrauch, anspielung auf den feingehalt einer münze vorzuliegen, in bildlich-übertragenem zusammenhang: ich mein itzt hat er (der münzmeister) einen kauff gethan (mit seiner jungen frau), den ihm gehört ein wunderschöner gran, zwahr disz metall ist für der zeit probirt, doch weisz man, dasz es keine schlakken führt Rist Parnasz (1652) 481. 1@a@bβ) als goldgewicht, seltener silbergewicht, älteren gebrauchs, in der goldschlägerei wie im münzwesen und nach grän (s. d. 1 b) als zweitkleinste maszeinheit. seit alters in genauer bestimmung: lautter goldt hielt am strich 24 karat, welcher karat ains hielt 4 gran Grammateus rechn. auff kauffmanschafft (1518) E 1b; vgl.E 8b; im gold gewicht wird die marck in vier vnd zweintzig karat oder kirat, wo es anderst arabisch, vnd nicht das lateinisch wort grad ist, geteilet, denn gar fein gold sol auff vier vnnd zweintzig karat gradirt sein, ein karat in vier gran, ein gran in drey gren Mathesius Sarepta (1571) 166b; ein marck fein goldt ist 24 karat, ein karat ist 12 gren, drei gren sind ein gran, 288 gren ist ein marck fein goldt Albinus meiszn. bergkchron. (1590) 126; Harsdörffer teutscher secretar. (1650) 1, Ddd 3a; gran u. grän, n., alte goldgewichte. 1 gran = 3 grän = ¼ karat = 0,064788 gramm Mothes ill. baulex. (1882) 2, 515; aus einem halben pfunde sand wusch ... die negerin ... einen gran gold Ritter erdkde (1822) teil 1, 372; bringe mir auch purpurfarbe, einen gran geriebnen goldes Brentano ges. schr. (1852) 3, 14. vereinzelt wohl mit karat (s. d.) verwechselt, das sich seinerseits mit grad mischt: wir nennen das beste gold, das seine vier vnnd zweintzig gran helt, ... auch rein, lauter, fein Mathesius Sarepta (1571) 41b (oder druckfehler für grad = karat, vgl. s. v. grad B 2 a γ αα den Mathesius -beleg). bisweilen auch als silbergewicht, wo aber das messen nach grän (s. d. 1 b) gebräuchlicher war, vgl. 6 gran = 1 lot, 96 gran = 1 mark (gold- u. silbergewicht) Krünitz encycl. (1773) 19, 700. hierher wohl: verehret mir auf den fall ein schön groschen, der ungefähr 9 gran schwer war Schweinichen denkw. (1878) 78. vgl. noch: so kurz und kostbar euer leben auch ist; so verkauft ihr es doch gern für wenig gran gold und silber, die erstgeburt für ein schnödes linsengericht Hippel lebensläufe (1778) 3, 1, 175. 1@a@gγ) als juweliergewicht seltener und hier mit grän (s. d. 1 c) identisch: im juweliergewicht 1 gran oder grän = ¼ karat = 0, 206 gramm Fischer schwäb. 3, 788; vgl.juwelengran bei Prechtl technol. encycl. (1830) 4, 530. hierher: in Ostindien ... bekommet man perlen von 100. granen Abr. a s. Clara etw. f. alle (1699) 2, 98. 1@a@dδ) am gebräuchlichsten als apothekergewicht und als solches bei grän ohne entsprechung. in älterer zeit hier als kleinste gewichtseinheit, soviel wieskrupel,drachme oder quentlein,unze,pfund, 0, 06 gramm: gran, braucht man gerstenkörner schwer dafür, sind also gebildet Ga. in diesen werden gemeiniglich zwentzig für ein scrupel gerechnet. weil man aber bey vns wunderselten die gersten so vollkommen findet, sonder dasz hart dreiszig, etwa viertzig, ein scrupel wegen (= wiegen), so schickt sich basz, dasz ein vollkommen pfefferkorn für I Ga genommen werde, da dann zwentzig gar gleich mit eim (d. i. scrupel) zutreffen Wirsung artzneybuch (1588) 30c; gran, ein korn oder kern, wirdt für ein gewicht braucht, wie man in den rechenbüchern, vnd bey den apoteckern findet, vnd gelten zwantzig gran einen scrupel, drey scrupel machen ein quintat oder drachma, vnd 8 drachma ist ein vntz, das ist 2 loth Heupold dict. (1620) 197; gran, früheres apothekergewicht = 0, 06 g Lueger lex. d. ges. techn. (1894) 4, 754. häufig in älteren rezeptangaben: scamonea V gran (rezeptangabe) Dryander d. ganzen arzenei gemeiner inhalt (1542) 62b; nim ... des besten bisems 3 guter grän Gäbelkover artzneyb. (1595) 1, 47; vnd ob schon einer von zwantzig bisz auff fünff vnd zwantzig gran (einer bestimmten medizin) einnehme, so hat er sich doch nicht zu besorgen Würtz wundartzney (1624) 610. und sonst: woltest du es wohl einem apothecker zu gut halten, wenn er einen oder zween gran einer gefährlichen und gewaltsamen artzeney zu viel gebe, mit dem vorwand, man könte es so eben nicht haben? Scriver seelenschatz (1737) 1, 404a; sie braucht fünf grane niesewurz; in ihrem oberstübchen ist's nicht richtig H. v. Kleist w. 1, 240 E. Schmidt. gern mit anspielung auf die genauigkeit und geringfügigkeit des maszes: liesz die arznei ... ... sich auf gran und skrupel abwägen Müllner dram. w. (1828) 4, 14; und darin fand ich das arcanum ihrer unberufenen helferin als allgemeinen lebensbalsam gran für gran verordnet Immermann w. 5, 112 Hempel. formelhaft: es felt keis gran (oder: grȫnli) (= es ist exakt gewogen) schweiz. id. 2, 741. 1@a@eε) in verwandten, δ naheliegenden anwendungen: ein gran saltz in eine lampen mit oel gethan, ursachet, dasz ein oel nicht so geschwind verzehret wird Hohberg georg. cur. (1682) 1, 204; nun zählte er in einem klümpchen eyer, das einen gran am gewichte ausmachete, mehr als zweyhundert eyer Reimarus wahrheiten d. nat. religion (1766) 595; 60 grane des kalchs wurden erhitzt Lichtenberg br. (1901) 3, 260; 'weshalb regnet es denn (im april soviel)?' 'weil die krauseminze zweitausendzweihundertachtundfünfzig gran wasser trinken musz, wenn sie nur fünfzehn gran schwer werden soll' W. Raabe s. w. I 2, 14 Klemm. auch ganz allgemein, als gewicht in der gewichtsbestimmung überhaupt: einer solchen theilung wirdt kein (bild-) schnitzer zu ewigen zeiten mehr erfunden (wie gott), der (in der schöpfung) also (noch) den minsten gran vnnd vnnützlichsten, zu nutz vnd in etwas lebendigs enden kan Paracelsus opera 2, 2 Huser; auf einer scharfen wage, die jedenfalls, bei einer belastung von 400 gran, noch  gran ausschlag gibt (z. best. d. spezif. gewichts von mineralien) Oken allg. naturgesch. (1839) 1, 106. 1@bb) als längen-, flächen- und körpermasz, hinter a stark zurücktretend, vgl. dazu korn II 8 a, skrupel 1. der messung scheint die breite eines korns zugrundezuliegen, doch weichen die maszangaben z. t. voneinander ab: gran =  schuh = 2, 03 mm (17. jh.) (wofür sonst linie) bei Fischer schwäb. 3, 788; die schuhe einer ruthe, deren zehen eine ruthe machen, werden wiederum in zolle, gran und scrupel eingetheilt; ein schuh hat 12 zoll, ein zoll 10 gran, und ein gran zehn scrupel Fleming d. vollk. teutsche soldat (1726) 44; 'gran ... in der geometrie ist er im längenmaasz der zehende theil eines zolles, der hunderte theil eines schuhes, und der tausende theil einer ruthe ... im flächenmaasz ist er der zehende theil eines riemenzolles ... im cörperlichen maasz ist er der zehende theil von einem balkenzoll ... man pfleget einen gran auch eine linie zu nennen' Wolff mathem. lex. (1747) 601; Krünitz öcon. encycl. (1773) 19, 700; bei Klügel mathem. wb. (1803) nicht mehr aufgenommen. als 'grad' auf dem barometer: woran (an dem barometer) man den digitum 26. 27. und 28. als worinnen sich die höhe des Mercurii zu halten pflegt, in 12 gleiche theile oder gran, vermittelst eingezogener querstrichlein getheilet und hinwiederum einen ieden solchen gran in 10. lineolas oder scrupel abgeschnitten hat Bresl. slg. v. natur- u. medicingesch. (1717) 1, 10; 's wätterglas isch scho um zwe gran abe sitt hütte morge (1853) Seiler Basel 146. im schweiz. auch im übertragenen sinne eines stärkegrades: d' bleichsucht im höche gran schweiz. id. 2, 741. 1@cc) beschränkten gebrauchs für das vorkommen bestimmter stoffe in körnerform oder -gestalt und für die körnigkeit bestimmter materialien; den bei frz. grain, nl. grein und graan viel reicher entwickelten bedeutungen entsprechend. in verschiedenen, aber durchweg singulär bezeugten spezialbedeutungen, vgl. auch dazu korn II 4 a—c. 'hagelkorn': so aber der boreas darein kompt, vnd begreifft jhn (den schneesturm), so coaguliert er jhn, vnnd macht daraus granen, so gross die schneetropffen seyn solten vnd so sie also coagulirt werden, so fallen sie herab Paracelsus opera 2, 31 Huser. 'fruchtkern': die frucht (des granatbaums) hat ein schalen oder rinden, ist innwendig voll harter kern oder granen Lonicerus kreuterbuch (1604) 31a. 'korn, getreide' in kollektivem sinne: habern, gersten, korn, gran, bringet der baur den bürgern an grillenvertreiber (1670) 1, 97, vgl. dazu mundartliche zusammensetzungen wie granhandel, granhändler, -mäkler Frischbier pr. 1, 249. von der körnigkeit des pulvers: man musz sie (die sprengmaschine) mit dem aller feinesten pulver laden so man finden mag, welches man wol darin auff einander schlagen musz (doch dasz es dasz gran oder korn nit verliehre) Wallhausen kriegssmanual (1616) 55. des goldes: man findet das gold in körnern oder granen, in staub und in steinen Acosta America (1605) 98. etwas häufiger für die kugeln am rosenkranz, wie korn II 6, körnlein 1 c: wer den St. Brigitta rosenkranz bettet, gewinnt von jedem gran oder ringel 500 jahr ablasz (1692) bei Schmeller-Fr. bair. 1, 998 mit weiteren nachweisen; gran oder ringlein am rosenkranz (1730) in: schweiz. id. 2, 741. 22) in übertragenem und abgezogenem gebrauch, in dem das wort auf abstraktes, ungegenständliches bezogen ist und dessen ein kleinstes masz bezeichnet. vereinzelt bereits im 15. jh. (s. u.b α), sonst seit dem 17. jh., aber bis in die jüngste sprache hinein und den gebrauch 1 überlebend; vgl. die entsprechende anwendung von mhd. grûz, von korn und körnchen. 2@aa) noch in deutlicher beziehung auf den eigentlichen gebrauch 1 a. so in der antithetischen gegenüberstellung mit anderen, gröszeren gewichtsmaszen, die dann ebenfalls auf ungegenständliches bezogen sind: ein gran verwegenheit ist unter ein gantz pfund der klugheit schon genung Lohenstein Cleopatra (1680) 6; einen gran göttlicher erkäntnüsz schätzte er (der verstorbene) vor wichtiger als gantze centner menschlicher erfindungen Schmolck sämtl. trost- u. geistr. schr. (1740) 2, 684b; ob ich aber geduldig seyn würde eure vorschriften zu befolgen, daran kann der weise einen gran von einem skrupel, ja wohl gar einen ganzen skrupel hegen Shakespeare 6 (1800) 208. ausdrücklich auf den prozesz des wiegens anspielend: (gott) wiegt alles mit gerechtem masse, wiegt jedes gran der menschennoth Lavater handbibl. f. freunde (1790) 3, 11; man wägt die empfindung nach granen Schiller 2, 344 G.; die unermeszlichkeit der liebe nach gran und skrupeln abwägen Tieck aufruhr in d. Cevennen 164 Hendel. in deutlicher beziehung auf 1 a δ: einige grane verstand und viel bosheit ... sind ingredienzien, woraus ironien genug gemacht werden können Cramer nord. aufseher (1758) 3, 69; nimm nämlich zu einem sechszehntel gran sachkenntnisz, den du leicht aus irgend einem alten autor aufschnappen kannst, 65 pfund unverschämtheit, 70 pfund eigendünkel und 2½ tropfen milde Hebbel br. 1, 18 Werner. seltener von 1 a α, β her: (Hamlet:) der gran von schlechtem zieht des edlen werthes gehalt herab in seine eigne schmach Shakespeare 3 (1798) 172. 2@bb) aus der spürbaren beziehung auf den eigentlichen gebrauch ganz gelöst, unmittelbar als umschreibung für ein kleinstes masz, eine winzigkeit von irgendetwas unsinnlichem. 2@b@aα) mit einem substantiv verbunden in verschiedenen formen des anschlusses. vor dem genitiv eines substantivs, vereinzelt früh, aber wohl sicher hierher und nicht zu gran, f. 'haar', das der gleiche autor in gleichem sinne verwendet (s. u.granne 1 c): do hastu (Christus) unsz gesaget van durch susse ler, die von dir ran, wer ausz unsz het den minsten gran wores cristlichen glaubes glan, dem unglauben wer wider span, den wolstu her nit lan Hans Folz meisterlieder 22 A. L. Mayer; ja wenn ein diener ... das hefft der herrschafft in die hand bekäme, wäre dieses doch so süchtig, dasz der allerbeste einen gran der begierde bekäme, die gewalt seines fürsten zu mässigen Lohenstein Arminius (1689) 2, 590b; und dann müszte es doch mit dem teufel zugehen, wenn ich nicht der Shakespeare der zukunft würde, insbesondere wenn noch ein gran Bacherlscher intuition dazukommt G. Keller br. u. tageb. 2, 439 Ermat. daneben häufig ein gran von etwas: für dieses gran von freude werden sie mir auch wohl tagelangen unmuth zurückgelassen haben (1775) Bürger br. 1, 225 Strodtmann; ohne einen gran von narrheit Göthe I 45, 13 W.; vgl. IV 23, 187 W.; auch strenge war hinzugemischt, ein gran von unerbittlichkeit Binding erlebtes leben (1928) 189. in artikel- und flexionslosem bzw. in seiner flexion nicht erkennbarem anschlusz: in allen groszen beyspielen stecke ein gran ungerechtigkeit Lohenstein Arminius (1689) 1, 149b; einen tropfen traurigkeit, ein gran hoffnungslosigkeit Th. Mann Faustus (1948) 346. archaisierend in der lat. wortform: ein granum weisheit misch ich drein, was tun sollst und was lassen sein Weinheber o mensch, gib acht (1937) 5. geläufig in negierender oder einschränkender wendung nicht ein, kein, nur ein gran: verstand hatt er zwar nicht ein gran Götz verm. ged. (1785) 3, 196; nur dasz man freunde hat — und dasz auch die nicht einen gran achtung für meine leistung aufbringen Gerhart Hauptmann einsame menschen (1891) 56; kein gran talent Lavater verm. schr. (1774) 2, 250; jede sache, zu der nur ein gran menschenverstand nöthig ist Thümmel reise (1791) 5, 12; wenn er nur etwas von ihm (Nero) haben wird, ... nur ein gran jener unbeschreiblichen mischung aus grösze, narrheit, majestät und jungenhaftigkeit Feuchtwanger d. falsche Nero (1947) 252. 2@b@bβ) der, ein gran 'ein weniges, eine kleinigkeit', ohne bindung an ein substantiv: wenn eine schlange einen riesen ... an die kleine zehe stäche, würde dieser gran gleichwol den gantzen leib einnehmen Lohenstein Arminius (1689) 1, 178b; hier gilts zu lenken, dort, zu biegen, beugen, hier rückt das recht ein haar und dort ein gran Grillparzer s. w. 5, 161 Sauer. 2@b@gγ) in fügungen mit adverbialer funktion, namentlich (um) einen, keinen gran '(nicht) im geringsten, (nicht) um ein weniges', vgl. dazu den beleg aus Folz 17 A. L. Mayer unter granne 1 c: kein herrligkeit, noch lust, noch hören music an, vermindern seine pein nicht kont vmb einen graan Dietrich v. d. Werder ras. Roland (1636) 3, 229. so namentlich vor einem komparativ: also mühen sich einige, die einen gran wichtiger als die itzt beschriebenen seyn sollen, nichts, als unnöthige grübeleyen ... auf die bahn zu bringen Lohenstein Arminius (1689) 1, c 4b; ich hoffe ..., dasz die musik noch immer um einen gran schlechter als meine arien ausfallen wird Schiller 4, 21 G.; dasz er vielleicht um ein gran mehr unterwürfig und um ein gran weniger frech war Feuchtwanger d. falsche Nero (1947) 69. bis auf den (letzten) gran 'bis zum letzten, bis zum äuszersten': die egyptische schatzung- und fronvögt die armen Israeliten auff den letzten gran auszsaugen Dannhawer catech.-milch (1657) 2, 282 (s. auch s. v. grän 1 e); um aus dem vollen, goldnen strausz (des weines) bis auf den letzten gran heraus den balsamduft zu leeren W. Müller ged. (1868) 2, 51; wenn sie dir weh geweissagt — o gewisz, da sind sie (die götter) treu bis auf den gran Geibel ges. w. (21888)6, 24. 33) bezeichnung einer in Neapel und Sizilien früher gebräuchlichen münze im werte von 6 piccoli, vgl. Krünitz (1773) 19, 700: ich habe anfangs juni von Meurikoffre in Neapel 204 neapolitanische dukati und 83 gran erhalten (1787) Göthe IV 8, 253 W. ital. grano, vgl. Schrötter wb. d. münzkde (1930) 234a.
18921 Zeichen · 357 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 8.–11. Jh.
    Althochdeutsch
    gran

    Etymologisches Wb. des Ahd. (EWA) · +1 Parallelbeleg

    granaAWB f. ō/n-St., granAWB f. i-St., granoAWB m. n-St., seit dem 8. Jh. in Gl.: ‚Barthaar; barba, grano, greno, lanugo…

  2. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    GRANstf.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +12 Parallelbelege

    GRAN , GRÂN stf. scharlach-rother färbestoff, mlat. grana ; afranz. graine . vrischiu kleider, seit von grân ( vgl. mlat…

  3. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    granF.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +3 Parallelbelege

    gran , F. nhd. Ährenspitze, Granne, Barthaar an der Oberlippe Hw.: vgl. mhd. gran (1), mnl. grane, graen E.: as. grana 1…

  4. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    3. Gran

    Adelung (1793–1801) · +11 Parallelbelege

    3. Das Gran , des -es, plur. die -e, eine Art eines kleinen Gewichtes, welches besonders in den Apotheken üblich ist, un…

  5. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Gran

    Goethe-Wörterbuch

    Gran Pl unflekt; einmal eindeutig mask 1 konkr: für ital grano, neapolitan(-sizilian) Münze,  Silberdukaten B8,253,27 S…

  6. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Gran

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +5 Parallelbelege

    Gran , als Goldgewicht = 1 / 2 Loth, als Apothekergewicht = 1 / 20 Scrupel oder = 1 / 60 Drachme.

  7. modern
    Dialekt
    Gran

    Elsässisches Wb. · +3 Parallelbelege

    † Gran f. kleines Gewicht. ‘by einer grëne mynner oder me ungeverlich’ Str. 1482 Brucker 243. Demin.

  8. Spezial
    gran

    Ladinisch-Deutsch (Mischí) · +2 Parallelbelege

    gran [grạŋ] I adj. (gragn, gran(a)) 1 groß, Groß...: na gran cité eine große Stadt 2 (ampl, lerch) geräumig, weit, umfan…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit gran

912 Bildungen · 903 Erstglied · 8 Zweitglied · 1 Ableitungen

gran‑ als Erstglied (30 von 903)

Granacci

Meyers

Granacci (spr. -attschi), Francesco , ital. Maler, geb. 23. Juli 1477 in Florenz, gest. daselbst 30. Nov. 1543, war anfangs Schüler und Gehi…

Granada

Wander

gran·ada

Granada Wer Granada nicht gesehen, der hat nichts gesehen. – Reinsberg VI, 9. Dieses auch in Deutschland bekannte Wort ist der sprichwörtlic…

GranaderGranader

ElsWB

Granadier , Granad er [Krànàtìèr Hi. Steinb. Dü. ; Krànatîarər Dü. ] m. 1. Grenadier. 2. starker grosser Mann. — frz. grenadier. Schweiz. 2,…

granadier(er)

DWB

granadier(er) , m. , s. grenadier ( s. d. 1). dazu noch —

granadiergarde

DWB

granadiergarde , f. : auf die landmilice, das hergestellte reichscontingent und die aufgerichtete granadiergarde Heräus ged. u. l. inschr. (…

granadill(e)

DWB

grana·dille

granadill(e) , grenadille , f. name der passionsblume ( passiflora ) wie frz. grenadille ( seit 1694), auch granadille, vgl. Wartburg frz. e…

granäle

DWB

grana·ele

granäle , f. , vereinzelte metathetische nebenform zu garnele ' kleiner krebs ', sieh s. v. garnat u. vgl. unter 3 granat, m., wo gleiche r-…

granätlein

DWB

granat·lein

granätlein , n. , dimin. zu 2 granat, vgl. granetlin granatus (1495) Diefenbach gl. 268 b : tragen auch im ainen naszloch silberne oder guld…

granaio

GWB

granaio Pl ‘Granaji’ ital: Korn-, Getreidespeicher 46,270,26 Hackert Gert Liebich G.L.

granalie

DWB

grana·lie

granalie , f. , meist granalien, pl., granuliertes, gekörntes metall, vgl. frz. grenaille u. sieh s. v. granalieren, granulieren und körnen …

granalienform

DWB

granalien·form

granalienform , f. , zu granalie ( s. d. ): dasselbe ( gold ) kommt ... in granalienform ... zur probirung Muspratt chemie 3 (1891) 1749 . —

granalienprobe

DWB

granalien·probe

granalienprobe , f. , ' körnungsprobe ': die ... granalienprobe ( für gold ) Muspratt chemie 3 (1891) 1728 . —

granalieren

DWB

grana·lieren

granalieren , vb. , vgl. granulieren, s. auch granalie; wohl nur älter als bezeichnung für eine den münzwert verringernde fälscherpraxis: be…

granalierer

DWB

granalie·rer

granalierer , m. , einer der ( fälschend ) münzen körnt, s. granalieren : item die falsche müntzmacher, kipper, wipper, granalirer und müntz…

granallie

MNWB

garnallie , garnalie (garnallyge) , granallie s. d., gekörntes Metall, Metallkorn (grenaille).

granara

LDWB1

gran·ara

granara [gra·nā·ra] f. (-res) 1 Besen m., Kehrbesen m. 2 Rührbesen m. ◆ granara de rötes Reiserbesen m. ; granara da stria Hexenbesen m . ▬ …

granarium

MLW

granarium (cr-), -i n. script.: grava-: MLW l. 54 . horreum – Kornspeicher, ‘(Getreide-)Kasten’ (in imag.: MLW l. 45) : 1 in univ.: Lex Baiu…

granarius

MLW

gran·arius

granarius , -ii m. administrator, magister horrei – Speicherverwalter, -vorsteher : Wilh. Hirs. const. 1,22 p. 953 C pro signo -i granarii ,…

granasprungal

AWB

grana·sprungal

granasprungal adj. krana-sprungila: nom. pl. Gl 3,425,45/46 ( Schlettst., 12. Jh. ). noch nicht voll mannbar, substant. Knabe, Jüngling: imp…

granasprungalî

AWB

granasprungalî st. f. — Graff VI,399. crana-sprungeli: gen. sg. Gl 2,236,40 ( Rc ). Zeit, da die Barthaare sprießen, Pubertät: [ Vok.-Übers.…

granasprungalī

KöblerAhd

grana·sprungalī

granasprungalī , st. F. (ī) nhd. „Bartsprießen“, Zeit in der die Barthaare sprießen, Pubertät, aufblühende Jugend, Mannbarkeit ne. beard-gro…

gran als Zweitglied (8 von 8)

gehyngran

KöblerAe

gehyngran , sw. V. (2) nhd. hungern ÜG.: lat. esurire Gl Q.: Gl E.: s. ge-, hyngran L.: Hall/Meritt 201

gjalgran

KöblerAn

gjalgran , F. nhd. loses Gerede, Ausflüchte L.: Vr 169b

hyngran

KöblerAe

hyngran , sw. V. (2) nhd. hungern ÜG.: lat. esurire Gl Vw.: s. ge- Hw.: s. hungor; vgl. an. hungra, afries. hungeria*, as. *hungrian?, ahd. …

sangran

KöblerAn

sang·ran

sangran , st. F. (ō) nhd. Jammern, Klagen (N.) Hw.: s. syngva L.: Vr 462b

Ableitungen von gran (1 von 1)

grane

Lexer

grane f. s. gran.