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Glosse

mnd. bis spez. · 14 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Meyers
Anchors
15 in 14 Wb.
Sprachstufen
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Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Glosse

Bd. 8, Sp. 47
Glosse (griech., »Zunge«), Mundart, Dialekt; dann Bezeichnung für Ausdrücke, die einer besondern Mundart angehörten, Provinzialismen, veraltete und daher leicht unverständliche und einer Erklärung bedürftige Wörter, fremdländische Ausdrücke etc.; später endlich Bezeichnung der Erklärung solcher Ausdrücke. Besonders in der alexandrinisch-römischen Zeit beschäftigten sich viele Gelehrte mit der Abfassung von Verzeichnissen solcher veralteten Redensarten oder Glossen (Glossarien), welche die Lektüre der Schriftstellertexte erleichtern sollten. Die Gelehrten, die sich damit befaßten, hießen Glossographen. Der Ausdruck Glossēm (Glossēma) für G. wurde erst in der spätern Zeit gebräuchlich. Dieser Glossarienliteratur gehören die größern lexikographischen Sammelwerke eines Hesychios, Suidas, Pollux u. a. an. Auch die Römer verfaßten in späterer Zeit glossographische Werke, die für die Kenntnis der ältesten Latinität und der Volkssprache (des Vulgärlateins) von Wichtigkeit sind. Eine gründliche Bearbeitung und Sichtung der Glossen ist erst in neuerer Zeit durchgeführt worden; so die der lateinischen Glossen von Löwe und Goetz (»Corpus glossariorum latinorum«. Leipz. 1888–1901, 7 Bde.) und der althochdeutschen von Steinmeyer und Sievers (Berl. 1879–1900, 4 Bde.). – Auch in der Geschichte des Bibeltextes begegnet uns der Ausdruck G. in verschiedenem Sinne. Randglossen kamen bei der Bibel schon sehr früh und um so mehr in Anwendung, als dies Buch häufiger als jedes andre in die Hände solcher Leser kam, denen zahlreiche Ausdrücke und ganze Stellen, als einer fremden Redeweise und einem fernen geschichtlichen oder religiösen Horizont angehörig, unverständlich waren. Weiteres s. Exegetische Sammlungen. – In der Poetik versteht man unter G. eine eigne Art zierlicher Gedichte, welche A. W. und Fr. v. Schlegel aus der spanischen Poesie in die deutsche einführten (auch Variationen genannt). Ein solches Gedicht besteht aus vier Dezimen (s. d.), deren letzte Zeilen zusammengenommen eine gereimte Strophe ausmachen; diese, das Thema genannt, wird meist dem Ganzen vorangestellt. – In der Rechtswissenschaft nennt man G. die Erläuterung zu dem Texte der Justinianischen Rechtsbücher (s. Corpus juris) durch kurze sachliche und sprachliche Anmerkungen, welche die Rechtslehrer an der mittelalterlichen Rechtsschule zu Bologna teils mündlich in ihren Vorlesungen, teils schriftlich dem Text ihres Exemplars beifügten. Ursprünglich waren diese so kurz, daß man sie in den Text unter die betreffenden Worte schrieb (glossae interlineares); bald aber wurden sie ausführlicher und an den Rand gesetzt (g. marginales). Bildeten die Glossen der Juristen eine fortlaufende Erläuterung des Textes, so nannte man sie Apparatus. Von diesen Glossen erhielten später die Juristen, welche Justinians Rechtsbücher auf solche Weise erläuterten, den Namen Glossatoren. Die berühmtesten waren Azo (gest. 1220) und Accursius (gest. um 1260). Accursius unternahm es, aus allen vorhandenen Glossen das Beste zu exzerpieren, um aus diesen Exzerpten eine fortlaufende G. zu den sämtlichen Rechtsbüchern Justinians zu bilden, und fand so vielen Beifall, daß sein Werk in den Gerichten fast gesetzliches Ansehen erhielt. Jetzt versteht man daher unter der G. schlechthin die des Accursius und nennt sie zum Unterschied von den größtenteils ungedruckten frühern Glossen einzelner Juristen Glossa ordinaria. Über die Malbergischen Glossen s. Salisches Gesetz. – In der Umgangssprache sind Glossen soviel wie spöttische, tadelnde Bemerkungen (daher Glossen machen).
3566 Zeichen · 48 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    glosseF.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    glosse , F. nhd. grober Schuh, Überschuh, Pantoffel, Galosche, Kippschuh ÜG.: lat. pruna Vw.: s. klap- Hw.: s. gallotze,…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Glosse

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Die Glosse , plur. die -n, aus dem Griech. und Lat. Glossa, die Auslegung eines unbekannten oder dunkeln Wortes, und zuw…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Glosse

    Goethe-Wörterbuch

    Glosse a schriftl Anmerkung zu erläuterungsbedürftigen Texten, in Form einer selbständigen Abhandlung der Brief wird so …

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Glosse

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Glosse , griech.-deutsch, die Erklärung eines dunkeln Worts; Glossator , der Erklärer; Glossarium , Sammlung solcher Erk…

  5. modern
    Dialekt
    Glosse

    Rheinisches Wb.

    Glosse glǫs Kobl-Kärlich ; -a- Neuw-Elgert , Pl. -sə(n) f.: Strassenrinne, Gosse.

  6. Sprichwörter
    Glosse

    Wander (Sprichwörter)

    Glosse 1. Wer sich an die Glossen hält, kann nicht irren. 2. Glossen so eben wie der Weg im Gebirge. – Eiselein, 242. 3.…

  7. Spezial
    Glossef

    Dt.-Russ. phil. Termini · +2 Parallelbelege

    Glosse , f глосса , ж

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit glosse

18 Bildungen · 16 Erstglied · 2 Zweitglied · 0 Ableitungen

glosse‑ als Erstglied (16 von 16)

Glossēma

Meyers

Glossēma (griech.), s. Glosse .

glossemāker

KöblerMnd

glossemāker , M. Vw.: s. glossemākære*

glossemākære

KöblerMnd

glossemākære , M. nhd. Pantoffelmacher Hw.: s. glossenmākære E.: s. glosse (1), mākære L.: MndHwb 1/2, 124 (glosse[n]māker)

glossendichter

DWB

glossen·dichter

glossendichter , m. , zu glosse 3 b: die herzen der jungen glossendichter lodern sehnsuchtvoll einem huldreichen ja ihres ... meisters entge…

glossenglauben

DWB

glossen·glauben

glossenglauben , m. , verächtlich von dem glauben, der sich auf auslegungen gründet ( s. glosse 1 d): in der väter glossenglauben, das ist, …

glossenhandschrift

DWB

glossen·handschrift

glossenhandschrift , f. , zu glosse 1 f: in der alten glossenhandschrift R a ... ( flieszt ) das lat. nympha mit nimbus zusammen Laistner ne…

glossenliteratur

DWB

glossen·literatur

glossenliteratur , f. , s. glosse 1 f: ( die namen ) kommen fast nur in der glossen- und übersetzungsliteratur vor Hoops waldbäume u. kultur…

glossenmacher

DWB

glossen·macher

glossenmacher , m. 1) ' ausleger, erklärer ', vgl. commentator ein uszleger oder gloszmacher gemma gemm. (1508) f 2 a . besonders von den ju…

glosse(n)māker

MNWB

glossen·maker

glosse(n)māker , glotze(n)māker , -mēker , -êr(e) , m. , Pantoffelmacher, Klippschuhmacher , (klipper, klippekenmāker). —

glossenmāker

KöblerMnd

glossenmāker , M. Vw.: s. glossenmākære*

glossenmākære

KöblerMnd

glossenmākære , M. nhd. Pantoffelmacher, Kippschuhmacher Hw.: s. glossenmākære E.: s. glosse (1), mākære L.: MndHwb 1/2, 124 (glosse[n]māker…

glossenmēker

KöblerMnd

glossenmēker , M. Vw.: s. glossenmēkære*

glossenmēkære

KöblerMnd

glossenmēkære , M. nhd. Pantoffelmacher, Kippschuhmacher Hw.: s. glossenmākære E.: s. glosse (1), mākære L.: MndHwb 1/2, 124 (glosse[n]māker…

glossenwort

DWB

glossen·wort

glossenwort , n. , ' wort, das in glossen ( s. d. 1 f) vorkommt ': sæppe 'abies' ist, wie gesagt, ein bloszes glossenwort Hoops waldbäume u.…

glosse als Zweitglied (2 von 2)

klapglosse

MNWB

klap·glosse

klapglosse (-glotze) Überschuh, Holzpantoffel mit Lederrand oder -kappe (SL). Vgl. 1 klappe, 2 klippe.

randglosse

DWB

rand·glosse

randglosse , f. nota marginalis. Frisch 1, 85 c , in büchern oder schriftstücken: doch eine randgloss lokte izt meinen fürwiz an. Schiller h…