getöse,
n. ,
verstärkte bildung zu dem masc. dôz,
sonus, sonitus, fragor Graff 5, 237;
schall, geräusch, getöse mhd. wb. 1, 373
a.
in der neueren sprache ist das grundwort untergegangen, dagegen hat sich aus dem verbum diuzen (
mhd. wb. 1, 372
b), tosen (Maaler 404
c u. a.)
ein verbalsubstantiv entwickelt, das in Schweizer mundarten als neutrum tos, toosz (Stalder 1, 292), getos (Hunziker
Aargauer wb. 103)
erscheint und um die wende [] des vorigen jahrhunderts in die litteratur eindringt (
vgl.kampfes tos
bei Rückert 1, 80),
wo es in der form getose
theils von gelegentlichen bedürfnissen des reims, theils auch in bestimmten begriffsschattierungen neben getöse
begünstigt wurde. II.
grundbedeutung, erstes auftreten, formen. I@11)
das grundwort ist vor allem bei Notker
viel gebraucht, es nimmt bezug auf geräusche, die von wasser und wellen herrühren; selten, dasz andere schallwirkungen herangezogen werden, für diese liegt das tertium comparationis in der kraftsteigerung des geräusches: ward míchel doz déro waʒʒero,
multitudo sonitus aquarum Notker (
psalm 76, 18)
Hattemer 2, 271 (menige des lutes dere waʒʒere,
in der Trierer und Windberger version Graff 356; manchvalt der suzunge [
zu susen, sausen?] der waʒʒere.
Trebnitzer psalmen; anders gewendet bei Luther 77, 18).
in der mittelhochdeutschen dichtung breitet sich der verwendungskreis des grundwortes aus; als wesentliches merkmal prägt sich hier immer mehr das dynamische moment aus, wie es sich namentlich in den synonymen zeigt, mit denen dôz
sich verbindet, vgl. mhd. wb. 1, 373
a: sie hôrten allenthalben ludem unde dôz. von liuten und von hunden der schal was so grôʒ, daʒ in dâ von antwurte der berc und ouch der tan.
Nibelungen 883, 1
Lachmann u. a. die zusammengesetzte form ist litterarisch erst in der mitte des 13.
jahrhunderts bezeugt, so bei Rudolf v. Ems
und bei Seifrid Helbling: mîniu wort niht underbrich, dû solt stille swîgen; niht guot ist ze gîgen in der müle gedœze. S. Helbling 3, 193
Seemüller. die bedeutung ist dieselbe wie beim grundworte, nur dasz dem zusammengesetzten in folge seiner litterarischen verwendung in späterer zeit ein ganz anderer bedeutungsumfang sich anschlosz. die beziehung auf das flieszende wasser bleibt dem wort auch im compositum als vornehmstes moment gewahrt; diesz bethätigt sich namentlich darin, dasz hier alle stufenfolgen der kraftwirkung nebeneinander vereinigt bleiben, während in allen andern verwendungen getöse
für die höchste kraftsteigerung eines geräusches eintritt. daher ist in bezug auf thierstimmen und auf musikalische instrumente die verwendung sehr eingeschränkt und auf kriegerischem gebiete setzt es deutlich der klangwirkung der waffen, wie sie getön
hervorhebt, den waffenlärm entgegen. am menschen hebt getöse
in erster linie die starken geräusche hervor, bei denen mehrere betheiligt sind. in diesen letzteren verwendungen berührt es sich nahe mit getümmel,
mit dem es sehr oft engere verbindungen eingeht. I@22)
nicht belegt ist getöse
bei Luther;
ebenso tritt es in bestimmten mundarten zurück; im Hessischen erscheint statt getöse
das oben besprochene töbs Vilmar 412.
auf niederdeutschem boden findet sich unser wort nur in denkmälern, die in litterarischem austausch mit Oberdeutschland stehen und die sonstigen germanischen parallelen stehen hier aus, während die reiche verwendung in oberdeutschen mundarten wiederum auf den ausgangspunkt der bedeutung zurückweist, auf das geräusch des vom berge stürzenden wassers. I@33)
in vocabularien ist nur —
und auch dieses vereinzelt —
das simplex belegt, unter dem sich freilich bei der geringen widerstandsfähigkeit des präfixes vor dem dental in den mundarten auch das compositum verbergen kann: brasslung oder dœs
wird aus Altenstaigs
vocabular schon von Frisch 2, 378
c belegt, vgl. Diefenbach-Wülcker 361.
um so gröszer ist die rolle, die unser wort in den wörterbüchern spielt. bedeutende unterschiede machen sich geltend: kurze vermerke in dem einen, längere ausführungen in dem andern, wobei dann nicht blosz die meist gebrauchten verwendungen aufgeführt werden, sondern wo ein ungemein manigfaltiger bedeutungsgehalt ausgebreitet wird. I@3@aa) getösz,
strepitus, susurrus, fragor Dasypodius A 7; getösz, ein starcker und häfftiger ton,
sonor, strepitus, fremitus, sonitus Maaler 177
c; tumultus, getösz Cholinus Frisius 874
a; getösz, gerausch,
strepitus, crepitus, erschrockenlich getösz oder rauschen, gerausch des wassers oder dergl.,
susurrus Henisch 1586. I@3@bb) getösz,
bruit, murmure, tintamare, trepinement Duez (1593) 191
b.
ebenso Hulsius (1640) 2, 165
a;
risonanza, ribombatia, strepito, rumore, fracasso Hulsius (1618) 166
b.
ähnlich Castelli (1730) 1307 (
tumulto, fragore)
u. a. I@3@cc) getös,
sonitus, strepitus, tumultus Stieler 325;
ähnlich, nur mit belegen, Steinbach 2, 826;
bei Frisch 2, 378
treten beispiele aus der älteren sprache auf. getöse,
ein gerumpel, gerassel, [] geknarre, noise, crash or pudder, rustling, rumbling, rattling, clattering, clashing, crashing, craking, clapping, flapping, snapping, chattering, bustling. teutsch-engl. wb. (1716) 766 (
hier auch zahlreiche beispiele und erweiterungen s. unten). I@3@dd) getöse, ein starker, verworrener schall. Adelung 2, 636 (
mit gut gewählten beispielen); Stosch (1772) 2, 138
ff. setzt getöse
gegen geräusch, getümmel, gepolter, geprassel, gerassel
als das allgemeinere und umfassende wort fest: getöse kann von einem jeglichen lärmen gebraucht werden, es mag ihn verursachen, was da will;
im besonderen grenzt Stosch getöse
von getümmel
ab, welch letzteres immer auf eine mehrheit von lebenden wesen sich beziehe. I@44)
formen. I@4@aa)
der stammvocal zeigt in den älteren denkmälern auch am substantiv vielfach noch anlehnungen an die schwankenden formen des verbums, dessen ablautsstufen er widerspiegelt. in den handschriften der offenbarungen der Adelheid Langmann
wechseln gedvzze
und gedözze,
vgl. geduis
in der Kölner reimchronik und gedeusz
bei Seb. Fischer.
zur quantität, die mit der frage der apokope des auslautenden e
in verbindung steht, vgl. c. I@4@a@aα)
der umlaut tritt in oberdeutschen denkmälern von anfang an als herrschend auf, die unumgelauteten formen finden sich in mitteldeutschen und niederdeutschen belegen: da was schall ind gedois der bruloch starck ind groes.
Karlmeinet 292, 4. I@4@a@bβ)
in späterer zeit ist die form getose
weniger eine lautliche als eine stilistische und etymologische abweichung. je mehr das verbum tosen
den mundartlichen charakter abstreift und in der litteratur, vor allem der poesie, raum gewinnt, um so enger empfindet das sprachgefühl den zusammenhang zwischen verbum und substantiv. Campe 2, 352
unterscheidet zwischen getöse
und getose,
welch letzteres er als verbalsubstantiv zu tosen
faszt, ebenso Heyse 1, 572: getose,
anhaltendes tosen,
vgl. auch getose,
das starke bauch- oder flankenschlagen eines zu rasch gelaufenen jagdhundes Thiel
landwirtsch. lex. 4, 406. I@4@a@gγ)
in der litteratur verwendet zunächst die dichtung die beiden neben einanderstehenden formen im dienste des reims: Schiller, Platen, Rückert, Gries, Leuthold, Lingg, Schack
reimen getose, getos
auf entsprechende formen wie schoosz, grosz
u. a. auszerhalb der reimstelle erscheint die unumgelautete form zuerst bei Baggesen,
sodann ebenfalls als zeichen einer gehobenen sprache bei Grillparzer;
deutlich macht sich hier auch bald mundartlicher einflusz wie bei Auerbach
oder die neigung für alterthümliche formen bemerkbar, wie bei Fouqué
und Hebbel. I@4@bb)
der anlautende dental hat die media viel früher mit der tenuis vertauscht, als diesz bei getön geschah. die letzten spuren der media lassen sich bei oberdeutschen schriftstellern des 16.
jahrh. und in vocabularien verfolgen, die wörterbücher weisen durchaus die tenuis auf und in verbindung damit ist auch in der litteratur die schreibweise schon im 16.
jahrh. auffallend übereinstimmend. I@4@cc)
wie bei verwandten bildungen steht auch hier im umlaut die in der mündlichen sprachform durchgeführte apokope und die von der obersächsischen litteratursprache gepflegte vollere endung im kampf. die apokopierte form schwankt zwischen getös
und getösz,
das namentlich in oberdeutschen mundarten die kürze des stammvocals bezeugt. für Schillers
Fiesko zeigt das Mannheimer bühnenmanuscript die form getösz (3, 311, 2),
was spätere modernisierungen in getös
und getöse
änderten (3, 311,
anm., vgl. auch 3, 129).
in den allgemeinen erörterungen über die frage der apokope wurde unser wort im besonderen herangezogen: wenn ich nicht gezische und getöse sagen soll, so musz ich mir noch weit weniger geblüte und gemüthe erlauben. Herder (
gegen Bodmers grundsätze der deutschen sprache s. 8) 3, 302. IIII.
bedeutungsentwicklung. II@11)
die beziehung auf das flieszende wasser wird als alterthümlich durch die eigenartige entwicklung gekennzeichnet, die sie im volksmunde gewonnen hat; gedösz
bezeichnet in oberrheinischen urkunden des 13.
jahrh. nicht blosz das rauschen des wassers überhaupt, sondern diese bezeichnung überträgt sich auf ein bestimmtes rauschendes wasser, gedösz
wird der name für bestimmte gewässer und deren umgebung: har umbe han wir im verseczet allez daz guot, daz uns an höret in dem tal ze Noppenowe, underscheidenlichen von dem gedösze hin hinder (
wasserfall eines im sommer meist sehr kleinen baches neben der zerstörten burg zu Oppenau).
vertrag des grafen K. v. Fürstenberg 1298
zeitsch. gesch. Oberrheins 4, 282; so einer in unser junkhern wälden floszholz hauwet, der hinder jnen
[] gesessen ist, der git von einem hundert sechs schilling pfenig. was aber hinderm gedös verbauen wirt, das git nitz.
Oppenauer hubrecht (15.
jh.) Grimm
weisth. 4, 511.
vgl. auch den flusz Töss
im Thurgau, den schon Frisch 2, 378
anführt; vgl. das stammverwandte Diessen
bei Schmeller
2 1, 247. ein bilgrim gieng durch einen wald .. zuletzt ward jm der pfad auch wuost, darauff er gieng, wald wild vnd bösz, kam in ein wüstes wilds gedösz. B. Waldis
Esopus 4, 60
Kurz. II@1@aa)
diese beziehung auf das wasser erhält dem worte auch noch in späterer zeit seine grundbedeutung, bei der das dynamische moment an und für sich ausgeschlossen bleiben kann: entspringt (
der Schwalbacher weinbrunnen) vnden schier am end der Müntzenbach auff der lincken hand, nahe bey der straszen ausz einem berg heraus mit eim siedenden getösz und auffwallen, wie ein siedender kessel. Tabernaemontanus
wasserschatz 12; ein grünes gestäud, dadurch das wasser flosz mit rauschendem getösz. Weckerlin 766,
vgl. theil 8, 307; verliebt ist mein gekose genug, dein auge hell und lose genug, lasz lauschen uns dem falle des quells, wer hörte sein getose genug. Platen
gaselen 87;
vgl. ein wasser das sanft rauschet und toset. Maaler 326
b; getösz eines flieszenden wassers,
murmur Dasypodius Q 7; murmur, ein gemürbl, gebrümbl, getösz, eygentlich aber das getösz vnd rauschen des wassers. Simon Roth K 8; getösz des wassers
mormorio dell aqua Hulsius (1618) 166
b u. a. II@1@bb)
es ist jedoch natürlich, dasz auch bei der beziehung auf das wasser das geräuschvolle der lautgebung in den vordergrund tritt und die eigenartige form derselben mehr zurückdrängt. dieses moment musz sich frühzeitig entwickelt haben, weil es den untergrund für übertragene bedeutungen bildet, die schon im 13.
jahrh. belegt sind (
s. unten): bist toll, das dich ermanst ins wasser, wenn d' nit schwimmen kanst und gibst dich in ein solch gedösz. B. Waldis
Esopus 4, 54
Kurz; erschrockenlich getösz oder rauschen,
horrisonus, fremitus Maaler 177
c; getös, gesause oder gebrause des meers,
the roaring or raging of the sea. teutsch-engl. wb. (1716) 766; getöse des windes und der wellen. Adelung 2, 636; das meer .. schlagt und pufft die inseln und felsen mit groszen getösz und gewalt.
Simplicissimi alberner briefsteller (1725) 10; und wie im lauen lenz, wenn sich die nacht verkürzet, der aufgelöszte schnee von hellen felsen stürzet; mit rauschendem getös in öde thäler dringt. Zachariä
renommist 5.
ges.; fernher rauschte der flusz zwischen feldern und hügeln und hainen und felsenwänden mit majestätischem getöse. Geszner (1801) 2, 72 (
Daphne 2); tempische thale: wodurch Peneos, vom untern Pindus hervorgestürzt, mit schaumigen wogen einherrollt, und in gewaltigem fall von flüchtigen dämpfen umwallte wolken zusammenzieht und hoch mit bespritzung die wälder überthaut, mit getöse nicht blosz das nähere müdend. Voss
Ovid 1, 6.
verwandl.; wann sie darauf einschlurfte die salzige woge des meeres; senkte sich ganz inwendig ihr trübes gemisch und umher scholl furchtbar der fels vom getö
s. Voss
Odyssee 12, 242
in der ausgabe von 1806; (
in der ersten heiszt es: und ringsum donnerte furchtbar der fels); dann sing ich in der harfen donner in des krystallmeers getöse dein unentweihteres lob, Jehovah! Schubart (
dank für die harfe) 3, 17; und wie er tritt an des felsen hang, und blickt in den schlund hinab, die wasser, die sie herunter schlang, die Charybde jetzt brüllend wiedergab, und wie mit des fernen donners getose entstürzen sie schäumend dem finstern schoose. Schiller (
taucher) 11, 221; indem ich im dunkeln das wasser entlängst schlich, und ringsum nur wildes gebrause antreffend, endlich schaute, wie sich ein betretener fuszpfad gerade in das getos hinein verlor. Fouqué
Undine cap. 6; und wär's dir denn so schwer, diesz öde land und seine wüste meeres-einsamkeit freiwillig zu verlassen und dem könig aus höll' und nacht zu folgen in die welt? es ist ja gar kein land, das noch zur erde gehört, es ist ein preisgegeb'nes riff .. dies stürmen in den lüften, dies getose der wellen, dies gekeuch des feuerbergs! Hebbel
Siegfrieds tod 1, 2;
[] er hatte geführt mich an den rand, wo in das bodenlose der schacht zu meinen füszen schwand. von unten scholl dumpfes getose aus der höhlung hervor, als wär's das brausen eines verborgenen meer'
s. A. v. Schack
deutsche dicht. 6, 118
a. II@22)
vom wasser aus wird die bezeichnung auf andere elemente der natur übertragen: getöse
berührt sich hier mit getön,
sofern auch dieses das dynamische moment zum ausdruck bringt. theilweise ist die wortwahl hier von stilistischen neigungen einzelner schriftsteller abhängig, andererseits kennzeichnet sich in getöse
das seltsame, wunderbare, ungeheure des geräusches. II@2@aa) do ich also lak, do hort ich ein gedözze als in dem sumer, wenn ein grozzes weter komen wil.
offenbarungen der Adelheid Langmann 57
Strauch; ein allgemeiner grausz, geräusch, getösz, getümmel, als ob der höllen sitz wär nu mehr in dem himmel, vermischet den abgrund, das erdreich und den luft; aufspalten sich behend mit plitzen, schröcken, wunder, die wolcken und den grund erböbet bald der dunder. G. R. Weckherlin (
Gustav Adolfen ebenbild 91) 2, 292
Fischer; wie wann der schwarzumwölkte süd .. am regenvollen himmel brüllet, und ihm aus Scythien, in schauernd eis verhüllet, der kalte nord entgegenzieht; von ihrem kampf die luft erzittert, der erden veste bebt, und im erschrocknen hain, was sich nicht beuget, kracht und splittert, und alles taumelnd seufzt, vom furchtbarn sturm erschüttert: so nahm getös und lärm den ganzen tempel ein. Uz (
briefe) 2 (1769), 240; und in des donners brausenden getösen entführt er sie mit seinem machtgebot. Körner 1, 135; welch getöse der föhn heut wieder treibt! als ob der böse vom Gellihorne pfeift, es zu zerreiszen.
Z. Werner 24.
februar 1; es hebt sich von fern ein dumpf getos, es löste vom berg die lawine sich los. Lingg 2; der wind wehet, wo er will, und du hörest sein getöse. Scheffel
Ekkehart 385
als übersetzung des evangeliums Johannis 3, 8 (Luther: sein sausen;
cod. teplensis und andere: stimme). II@2@bb) ich hör in dem walt ein gedösz, ein rüllen, reiszen und gestösz, nicht weisz ich doch, was es mag sein, ich will gleichwol warnemen mein. schau! dort sih ich ein wilden wurm. Ayrer (
Wolffdieterich) 1162
Keller; darauf bewegte sich der erdboden unter meinen füszen, tisch und stuhl wankten, und das ganze haus machte ein seltsames getöse. Zschokke (
Hermingarda) nov. (1856) 7, 285; da wird es unter der erde laut von furchtbarem getos. Rückert 3, 187. II@2@cc) (ungeheures getöse verkündet das herannahen der sonne.)
Ariel: horchet! horcht dem sturm der horen! tönend wird für geistes-ohren schon der neue tag geboren. felsenthore knarren rasselnd, Phöbus räder rollen prasselnd, welch getöse bringt das licht! es trommetet, es posaunet, auge blinzt und ohr erstaunet, unerhörtes hört sich nicht. Göthe (
Faust 4671) 41, 6; und luft und himmel brennen mit getos. Gries
Bojardo 1, 23, 43; viel freundlicher als wenn ein vulkan sich aufthut und sein sprühendes getös ganze gegenden mit untergang bedroht. Göthe (
Meisters wanderjahre 2, 10) 22, 175. II@2@dd) do was iʒ im (
dem teufel) vil leit vnd machete michel gruowesal vffeme kirchove vnd grosz gedoze.
predigten des 14.
jahrh. Leyser 72, 18; o lasz uns knien die heil'gen anzurufen! sieh! unter diesen stufen, unter der schwelle siedet die hölle! der böse, mit furchtbarem grimme, macht ein getöse, Göthe (
Faust 4459) 12, 239. II@33)
die thierwelt nimmt nur bescheidenen antheil an dem verwendungskreise unseres wortes; auch hier prägt sich ein deutlicher gegensatz gegen getön
aus. II@3@aa, II@3@a@aα) und die vische suln sich samen oben vf daz wazser vnd suln michel gedoze haben. vnd machen mit irre stimme.
predigten des 14.
jahrh. Leyser 61, 23. II@3@a@bβ)
an die unter 1
besprochenen bedeutungen knüpft wol auch [] getösz der schlangen
an Hulsius (1618) 166
b; getösz der schlangen,
siflement (1640) 2, 165
a. II@3@a@gγ) getose,
das starke bauch- oder flankenschlagen eines zu rasch gelaufenen jagdhundes Thiel
landwirtsch. lex. 4, 406. II@3@bb) wie wenn ein rauher bär aus Lapplands kalten wäldern .. sein befrornes haupt unwillig aufwärts hebt, den lichten schnee zerscharrt, mit breiten tatzen gräbt; doch wenn sein feiger feind auf ihn zu gehn verweilet, er wiederum zurück in finstre wälder eilet, mit brummendem getös zu seinen höhlen irrt: so murrt der renommist. Zachariä
renommist 4.
ges. II@3@cc) pusûnen snarren, dasʒ eʒ in die luft erhal, dar zuo von liut und rossen solch gedœze daʒ erbidemen des meeres wâc vor ir ankomen mehte.
Lohengrin 505, 6
Rückert; also sprach er und horchte. man hörte der stampfenden pferde fernes getöse sich nahn, man hörte den rollenden wagen, der mit gewaltiger eile nun donnert unter dem thorweg. Göthe (
Herm. u. Dor.) 40, 243. II@3@dd) wo ainer kam dem andern gnaw so mainet er, es wer die saw; .. so dettens den mit schais vnd schnawffen diesem lauten gedes zuo lauffen. H. Sachs (
der blinden kampf mit d. sau)
neudr. 126, 375. II@44)
der mensch steht im mittelpunkte eines weit ausgedehnten verwendungskreises für unser wort. es sind nicht so sehr werkzeuge, die eigens zur lautgebung bereitet sind, wie bei getön;
ebensowenig tritt die stimme mit reicherer entwicklung in den vordergrund, der schwerpunkt liegt vielmehr in der vereinigung aller factoren, mit denen geräusche hervorgerufen werden können. II@4@aa)
den eigentlichen boden für diese entwicklung bietet der kampfplatz, das schlachtfeld. II@4@a@aα)
in diesem zusammenhange allein treten auch musikinstrumente in den dienst unseres wortes: nû hôrt man der pusûnen snar unt von tampûr gedœze.
Lohengrin 619, 7
Rückert; mit den trompeten und des kriegs getösen. heiszt Tasso seine keusche stimm' erschallen, nicht blosz am kampf ein ritterlich gefallen, nein, heil'gen muth in das gemüth zu flöszen. Schlegel (
ged.) 1, 320; wenn den krieger wild getöse, tromm'l und pauken, aufgeregt, er den feind in aller blösze, schmetternd über länder schlägt. Göthe (
loge, verschwiegenheit) 3, 71.
denn auszerhalb dieses zusammenhanges werden musikinstrumente nur ausnahmsweise auf unser wort bezogen: sie gingen und sangen eigene thaten, zur schmach und unsterblichen schande verurtheilt. unterm getös gespaltner, sie hatten donner gespalten! dumpfer, entheiligter harfen, verstimmt zu den tönen des todes, sangen sie's her. Klopstock
Messias 2, 408. II@4@a@bβ) nû hete sich der tac erhaben. daʒ her reget sich mitalle an allen sîten hie und dâ. der sunnen schînen het verirt des tages grâ: vil manec gedœz sich hebende wart mit schalle.
Lohengrin 203, 10
Rückert; dar was so michel gedoys von dem her, dat do lach.
Karlmeinet 105, 22
u. a. Keller; als aber der legionen drommeten alle zusammen erschalleten, vnd das gantze heer ein grosz getösz machet, auch das zeichen geblasen ward, da theten die pfeil mit einander so dick und mannigfaltig abgehen, dasz bei hellem tag ein schwäre tunckelheit eynbrach.
übersetzung des Josephus (1751),
jüdische kriege (3, 19) 72
b; rastet er dort, und sehnte sich doch nach schlacht und getöse. Bürger (
Ilias 1, 492) 3, 247; also wuchs das getos bei des sämmtlichen haufens heranlauf fürchterlich und es vermehrte die nacht der tobenden aufruhr. Baggesen 2, 365; fruchtlos, dasz im gemach dem dräun grauser speer', und dem stahl gnosischer rohre du ausweichst, und dem getösz', und dem ereilenden Ajax! doch, o zu spät! liegt das verbuhlte haar einst von blutigem staub' umklebt! Voss
Horaz oden 1, 15 (
strepitum); welch getöse? wo entsteht es? welch gewaltiges erschüttern? sind es stiere vor dem schlachtbeil, wild gethier im grimmen kampfe? nein! Buccovalas zum kriege fünfzehnhundert kämpfer führend streitet zwischen Kerasovon und dem groszen stadtbezirk. flintenschüsse wie des regens, kugeln, wie der schloszen schlag. Göthe (
neugriech.-epirot. heldenl. 4) 3, 226;
[] hören sie das kriegerische getöse in meinem schlosz, was sie fürchten, ist wahr — gehn sie zu bette gräfin — morgen will ich die herzogin weken. Schiller (
Fiesko 4, 14) 3, 129; im nämlichen augenblicke war ich auch schon, ohne zu wissen wie .. einem wetterstrahle gleich durch das dichte gedränge geschlagen, denn ohne bewustsein vernahm ich nur ein dumpfes getöse um mich her. als ich nach einigen sekunden wieder zu mir kam, fand ich mich auf der brust eines soldaten kniend wieder. Tieck (
Phantasus) 5, 445; sagt, wollt ihr, verstummt einst des kampfes getös, als beute vertheilt sein, um kargen erlös vertauscht nach dem werth der kunst, die sidonische frau'n euch gelehrt? Leuthold
Penthesileia 8; sprach's; mahnte den lenker; und feurig und grosz hinflogen die rosse; es wuchs das getos und endlos, entfacht von Eris, erscholl das getümmel der schlacht.
Penthesileia 6. II@4@a@gγ) getöse der waffen,
armorum strepitus et fremitus Steinbach 2, 826; ein getöse von waffen,
rustling, or rattling of armes; getöse von degen,
a clashing of swords. teutsch-engl. wb. (1716) 766; diesen in fünfzig schiffen gebot obwaltend Achilleus. doch nicht diese gedachten des schrecklichen waffengetöses; denn nicht war, der jetzo geordneten schaaren voranging. still ja lag in den schiffen der muthige renner Achilleus, zürnend des mägdleins wegen. Voss
Ilias 2, 686; wie tief in der feldschlacht sterbend ein gottesleugner sich wälzt; der kommende sieger, und das bäumende rosz, der rauschenden panzer getöse, und das geschrey, und der tödtenden wuth, und der donnernde himmel stürmen auf ihn. Klopstock
Messias 4, 6; die rund genabelten schilde prallten gegen einander; es erhub sich ein lautes getöse. Bürger (
Ilias 4, 449) 3, 410; alle anwesenden ritter erregen ein getöse mit ihren lanzen und schilden, und geben zeichen des muths. Schiller (
bühnenanweisung zur jungfr. v. Orl. 1464) 13, 220;
Alba: prinz Karlos und ich begegnen diesen mittag uns im vorgemach der königin. ich werde beleidigt. wir erhizzen uns. der streit wird etwas laut. wir greifen zu den schwerdern. die königin auf das getöse öfnet das zimmer. Schiller (
dom Karlos 2, 13) V, 1, 134. II@4@a@dδ) nach dem gieng an die schlacht. vom gschütz war ein gedösz, von rossen ein gestösz, ein stechen unde hawen. H. Sachs (
landtsknechtspiegel) 3, 478
Keller. II@4@bb)
vom eigentlichen kampfes- und schlachtenlärm gehen nun manigfache abweichungen der bedeutung und der verwendung des wortes aus: II@4@b@aα) wenn es gilt, zu herrschen und zu schirmen, kämpfer gegen kämpfer stürmen auf des glückes, auf des ruhmes bahn, da mag kühnheit sich an kraft zerschlagen und mit krachendem getös die wagen sich vermengen auf bestäubtem plan. Schiller (
das ideal und das leben) 11, 57; ich stand im kreis des fröhlich lauten volks, um mich der wagen und des kampfs getöse. Grillparzer (
Sappho) 4
5, 176. II@4@b@bβ) dar en was neman gram, mer blyde, vro ind gemeyt, want dar herschaff gereit ind mancher hande wonne, dat ich gesagen kunne. da was schall ind gedois, de bruloch starck ind groes.
Karlmeinet 292, 4
Keller; im 1549 jar kam hieher gen Ulm, des kaysers Karolus des 5 sein sun, mit namen Philiphs brintz, von Hispanien .. wie er nun zu vnser frawen thor ist hinausz kumen, da hat sein vor dem thor gewartet, Jorgen Frechten des schuhmachers weyb mitt iren 6 kinden, vnd das jüngst sauget kind hat sy in aim kisse getragen, alda ist sy in angefallen, vnd in angeschryen um gnad von wegen ires mans, aber er hat ir sprach nitt verstanden, vnd auch etwa ir gschray nitt gehert, vor dem gedeüsz oder getimel des folcks. Sebastian Fischer
chronik von Ulm 154, 1
Veesenmeyer; strepitus, ein getösz, getümmel. Meder
vocab. graec. lat. germ. (
Ulm 1620) 121; aus der ferne tönte ein brausen herauf, dazwischen einzelne schreie, wie geräusch der fernen brandung und gekrächze der möven, zuweilen wurde es auf minuten still, dann erhob
[] sich aufs neue das getöse und rauschen näher und drohender. G. Freytag (
aus einer kleinen stadt) 13, 299. II@4@b@gγ) nun pfeil und bogen her, die hunde vor, dasz von des jagdlärms hallendem getos der grüne wald ertöne nah und fern! Grillparzer (
gastfreund) 5
5, 10. II@4@b@dδ) bekanntlich rührte sich der Rodensteiner anno 48 wieder, 14 tage vor dem ausbruch der revolution in Paris. der bürgermeister von Reichenbach ward geziemendst benachrichtigt von den leuten: getöse, wagengerassel, hundebellen. Birlinger
Alemannia 14, 261. II@4@cc)
bedeutenden antheil an der entwicklung des wortes nehmen auch die einzelnen organe des menschen. II@4@c@aα) ein getösz oder schall machen mit dem schlagen oder stoszen,
plodere Dasypodius Q 7; getösz machen mit schlagen oder stoszen,
far rumore Hulsius (1618), 166
b;
faire bruit en frappant des mains Hulsius (1640) 2, 165
a; spalken,
mit getösc herumtoben Voss (
anmerkungen zu dem gedicht '
die geldhapers')
ges. ged. 2, 210; und als im nebenzimmer am tragbalken ein kloben eingeschraubt zu sehen war, hing das schwein sogleich dort um kunstmäszig zerstückt und bereitet zu werden .. in demselbigen zimmer, wo wir die operation vornahmen, lagen die kinder in reinlichen betten, und aufgeweckt durch unser getöse, schauten sie artig furchtsam unter den decken hervor. Göthe (
campagne in Frankreich) 30, 117. II@4@c@bβ) ein getöse mit den füszen,
rustling or stamping. teutschengl. wb. (1716) 766; aber die jäger durchsuchten das waldbewachsene bergthal: voran liefen die spürenden hund', und hinter den hunden gingen Autolykos söhne; doch eilte der edle Odysseus immer voraus, und schwang den weithin schattenden jagdspiesz. allda lag im dichten gesträuch ein gewaltiger eber. .. jener vernahm das getös von den füszen der männer und hunde, welche dem lager sich nahten. Voss
Odyssee 19, 444; und als ich die augen dahin richtete, erblickte ich die bildsäule der himmlischen, und sie schritt mit langsamem gange vorwärts .. er hörte nichts, wiewohl der fuszboden mit jedem schritt der bildsäule bidmete; sah auch nicht um, von wannen das getöse kam, sondern füllte seinen becher. Zschokke (
Hermingarda) novellen 7, 294. II@4@c@gγ) getöse der backen, so man die backen auffblaset vnd ein getösz machet,
scolpus (
für sclopus) Dasypodius Q 7.
ebenso in späteren wb. vgl. Corvinus 747; da nieste Telemachos laut, und ringsum scholl vom getöse der saal. Voss
Odyssee 17, 542. II@4@dd)
die menschliche stimme als solche wird nicht gerne mit getöse
in beziehung gesetzt; wo diesz doch geschieht ist sie meist nur begleiterin anderer geräusche oder es wird ein verworrenes geräusch gekennzeichnet, das auf einer mehrheit von stimmen gewöhnlich beruht. II@4@d@aα) man konnte das getöse in der schenke sehr weit hören. Adelung 2, 636; getös oder getümmel auf einem marktplatz.
teutsch-engl. wb. (1716) 766; gedrückt vom widrigen geschicke, lasz' ich das stadtgetös, und pflücke ein blümchen auf der au'. Schubart
glück der empfindung; dazu der unerträgliche nerven zerrüttende lärm der von einem vulkanischen menschengetose durchbrausten stadt und auszer dem Posilipp und Capo di Monte für spaziergang oder fahrt gar keine flucht aus diesem unerträglichen getose möglich. Stahr
ein jahr in Italien 2, 88; mittlerweile ich meinen hut nahm, entstand ein getöse im nebenzimmer .. das getöse ward stärker. ich hörte männerstimmen. Zschokke (
Hermingarda) 7, 284. II@4@d@bβ) do hoif sich ein groisz geduis.
d. städtechron. 14, 955 (
Köln); das getösz des forchtsamen volcks. Rihel
Livius 389; wie wenn ein groszes volck von rednern wird beweget, sich der zu der parthey, der zu der andern schläget, ein murmelndes getös die stille luft durcheilt; die zwietracht drauf das volk in zwo parteyen theilt. Zachariä
renommist 1.
ges.; jeder theil hatte gewisse papierne posaunen zu seinem dienste, die mit einem lauten, oft beschwerlichen gekreische vor dem bilde hergiengen; indessen ihnen die gegenparthey mit kleinen hellen stutzerpfeifchen antwortete. ich hörete höhnisch lachen und mitunter auch schimpfen: ja einige warfen so gar mit kothe nach dem helden des gegentheils und diese schienen wohl eifrige, doch nicht eben die fürchterlichsten feinde zu seyn. indessen wuchs der streit, und das getöse nahm überhand Uz (
briefe) 2, 239 (1769);
[] stärker fanden sie bald das gedränge. da war um die wagen streit der drohenden männer, worein sich mischten die weiber, schreiend. da nahte sich schnell mit würdigen schritten ein alter, trat zu den scheltenden hin; und sogleich verklang das getöse. Göthe (
Herm. u. Dor.) 40, 286; in der that, war das getöse, das sowohl die herren als die bedienten machten, zu laut, als dasz ich alles hätte verstehen können. Wieland
Lukian (1798) 6, 346; denn welche stentorhälse könten das getöse überschreien, das in unsern theatern widerhallt. Wieland
Horaz (1801) 2, 68; der lauteste lärmen des beifalls, den ich je .. gehört hatte, war nur ein schwaches getöse gegen dieses unbeschreibliche toben. Tieck
dramaturg. blätter 2, 166. II@4@d@gγ) er wolte in der höle mit uns nicht reden, aber so bald er herausz kam, sagte er uns die ursache, nemlich dasz sie die art an sich (
hätte): wan man darin ein groszes getösze hätte, dasz alsdan die gantze insul davon erschüttere.
Simplicissimus (6, 26)
neudruck 582. II@4@d@dδ) sei nur nicht böse und lasz das getöse. Rückert
makamen. II@4@ee)
übertragene verwendungen knüpfen an die unter d besprochenen bedeutungen an: es lebt die welt in solchem gedösz. das arg nennt's gut, das gute bösz. B. Waldis
Esopus 4, 45
Kurz; wie wenn auf einmal in die kreise der freude, mit gigantenschritt, geheimniszvoll nach geisterweise ein ungeheures schicksal tritt. da beugt sich jede erdengrösze dem fremdling aus der andern welt, des jubels nichtiges getöse verstummt und jede larve fällt. Schiller (
macht des gesanges) 11, 16; durch mich (
die architectur) ist es (
Petersburg) ein kaisersitz geworden, ein paradies der herrlichkeit und grösze stieg unter meiner zauberruthe schlag, jetzt rauscht des lebens lustiges getöse, wo vormals nur ein düstrer nebel lag. Schiller (
huldigung der künste) 15, 1, 10; um so mehr haben general-akziskollegien darauf zu sehen, dasz grosze poetische genies — im grunde taugt keines zu einem gescheidten kammer- oder kanzleiverwandten — vom 10. jahre bis zum fünfunddreiszigsten in lauter besuch- schreib- und votierzimmer herumgehetzet werden, ohne in eine stille minute zu kommen; sonst ist keines in einen archivar, oder registrator umzusetzen. daher hält auch das marktgetöse der groszen welt allen wuchs der phantasie glücklich am boden. J. Paul
unsichtbare loge 1, 184; das leben ist, zu tosen mit der welt, die tost, und endlich stumm zu gehn aus den getösen. Rückert (
makamen) 11, 344; der mensch ist gut, er hat nur viel zu schaffen, und wie er einzeln dies und das besorgt, entgeht ihm der zusammenhang des ganzen. des herzens stimme schweigt, in dem getöse des lauten tags unhörbar übertäubt; und was er als den leitstern sich des lebens, nach oben klügelnd, schafft, ist nur verzerrung. Grillparzer (
Libussa 5) 8
5, 217. II@55)
concrete gegenstände erscheinen meist in verbindung mit menschlicher thätigkeit als träger eines geräusches;
selten, dasz diese unausgesprochen bleibt, oder ganz wegfällt. II@5@aa) niht guot ist ze gîgen in der müle gedœze. S. Helbling 3, 193
Seemüller; ein eg die kam auch in das spiel, die hat der zapffen also viel, die tantzt mit einem besenstil und theten beid meisterlich springen. der tantz der ward so eng und gros in diesen schewren und solch gedos.
von einem schlüsselkorb, wie es jm gieng auf der hochzeit. Ambraser liederb. 140, 92; getöse oder gerassel einer kutsche,
the wattling of coach. teutsch-engl. wb. (1716) 766; die wagen machen ein widerwärtiges getöse auf der gasse. Adelung 2, 636. II@5@bb) ein getöse von etwas, so da fällt,
bouncing noise; von etwas, so da zerspringet oder sich spaltet oder von einander reiszet,
a crack, or a cracking noise. teutsch - engl. wb. (1716) 766. IIIIII.
gebrauch. III@11)
der plural wird selten und erst von neueren dichtern gebraucht, so von Schlegel, Tiedge, Rückert, Körner:
[] da kam, um zu erlösen der bruder aus der nacht, gefahren mit getösen der bergmann in den schacht. Rückert
ges. ged. 1, 95. III@22)
syntactische verbindungen. III@2@aa)
mit adjectiven. das älteste und verbreitetste beiwort hebt das dynamische moment hervor: michel gedoys
im Karlmeinet; grosz getösz,
grand bruit Hulsius 2, 165
a; lautes starkes getös Kraft
deutsch-lat. lex. (1843) 1, 1151; der kopf war ihm ganz wirbelig vor dem vielen getose. Auerbach
neues leben II, 2, 17.
die besondere eigenart des geräusches wird verhältnismäszig selten in adjectiven ausgeprägt: krachendes, raschelndes getöse;
bei Zschokke
begegnet sehr häufig ein seltsames getöse,
womit das verworrene, unbestimmte gekennzeichnet wird. die gröszte mannigfaltigkeit der attribute entfaltet sich bei den übertragenen verwendungen. III@2@bb)
substantiva treten im genetiv zu getöse,
bald als subjectiver, bald als qualitativer genetiv; in beiden fällen verengert sich die verbindung gerne zur composition. III@2@b@aα, III@2@b@a@11)) allenthalben begleitet vom schrecklichen kriegesgetöse. Bürger 228
b,
vgl. theit 5, 2272; im schlachtengetos — ein rühmlicher tod ist das herrlichste loos Leuthold
Penthesileia 6; (
kaiser Konrad) rückt heran mit kriegesschaar und reisigen getöse. Bürger 25
b,
vgl. theil 8, 748.
vgl.waffengetöse
unter II, 4,
a, γ. III@2@b@a@22)) bremengeschwürm und wespengetös
im titel von Fischarts
bienenkorb. III@2@b@a@33)) in der müln gedœze. S. Helbling 3, 193; marktgetöse, stadtgetöse
s. oben. III@2@b@a@44)) mit des gewissens hämmerndem getöse. Lenau
marionetten 3.
ges. III@2@b@bβ) fern auf bergen vernimmt der hirt ihr (
der ströme) donnergetöse. Bürger 218
b,
vgl. theil 2, 1243; auch der donner des zahlreichen geschützes dünkte mich gering gegen das sturmgetöse des sogenannten kleingewehrfeuers. Varnhagen
denkwürdigkeiten 2, 215; mit lautem schaumgetöse stürzt die Bude (
flusz) vor sich hin. Stolberg 1, 70,
vgl. theil 8, 2369. III@2@cc)
verbindung mit verbis. III@2@c@aα)
als subject verbindet das substantiv sich selten mit charakteristischen verben: vil manec gedœz sich hebende wart.
Lohengrin 203, 10
Rückert; sogleich verklang das getöse. Göthe 40, 286. III@2@c@bβ)
das object finden wir am häufigsten neben machen: ein getöse machen
schon in den predigten des 14.
jahrh., vgl. auch II, 4,
c, α;
daneben: massen zu hören, die aus den ungleichartigsten theilen zusammengesetzt, nur murmeln, nur getöse geben, das das ohr nicht reinigen kann, und das also auch nur als schall vor die seele tritt. Herder (
kritische wälder) 4, 108.
vgl. ein getösz von sich geben;
gewählter: ein getöse erregen. Rondeau-Buxtorff 253.
die wenigst anschauliche verbindung ein getöse haben
zeigt sich schon in den predigten des 14.
jahrh., ebenso im Simplicissimus. ganz vereinzelt ist die verbindung mit receptiven verbis: ein getösz in oren nit mögen leiden. Maaler R
b.