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gerinnen

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

gerinnen

Bd. 5, Sp. 3709
gerinnen , verstärktes rinnen th. 8, 1020, theilweis mit noch erhaltener ursprünglicher bedeutung der vorsilbe ge- (II, 4, a sp. 1612) 'zusammen'. 11) goth. garinnan, von menschen, zusammenlaufen, zusammenkommen: jah garunnun miþ imma auhumistans gudjans. Marc. 14, 53; so baurgs alla garunnana vas at daura. 1, 33; garinnaima allai in ainamundiþa galaubeinais. Eph. 4, 13; erlaufen, durch laufen erlangen, wobei ga- den begriff des vollständigen, fertigen ausdrückt, s. ge II, 4, c sp. 1612: rinnaiþ, ei garinnaiþ, τρέχετε ἵνα καταλάβητε (den siegespreis). 1 Cor. 9, 24. 22) rennen, feindlich anrennen, vermengt mit gerennen: von Troyge ein ritter .. zu Nestor er geran. Herbort von Fritslar 1422; her sal kunne wol gerîtin, .. wol gedrabin und gerinnen. Rothe rittersp. 2698; gerinnen, gerennen, aggredi, wol angerinnt ist halb gefochten. Henisch 1519. 33) zusammenflieszen: ahd. sô gerinnent (wolchen) in wazerine zasamen, daʒ tie gesamenôte unde ze tropfon wortene bêdiu hara nider fallent. Martianus Capella cap. 15; auf einer aus den süszesten düften des frühlings zusammen geronnenen, leichtschwebenden wolke. Wieland 29, 5 Gruber; lobt den herrn, desz angesicht lächelnd in den spiegel schaut auch des tropfens, der am halm hängt geronnen. Rückert ges. ged. 2, 461; thau gerinnt als perlenthräne. Platen 1, 53; [] bildlich: so mögen die enden von tugend und laster ineinanderflieszen, und himmel und hölle in éine verdammnisz gerinnen. Schiller III, 47 (Fiesko 2, 3); zwei zusammengerinnende völkerschaften. J. Paul Hesperus 1, 195; sich verbinden, vermischen: sein herz vor zorn aufseudt und brünnt, wie kreid und essig zamen grünnt. Thomas Birck comoedia (1590) s. 119. 44) coalescere: ahd. an iro (der mutter des Antichrist) mûʒ gerinnen dû bitterista minna, van ubeler geluste daʒ barn wirsista. Müllenhoff u. Scherer denkm.2 85. 55) flieszen: gerinnen, manare, fluere Henisch 1519; voll gerinnen, durch zusammenflieszen des wassers voll werden: ein hol (höhlung, grube), eʒ was sô kleine, daʒ eʒ nâch sage zwischen naht unde tage vil kûme volleʒ geran. Hartmann Gregorius 3129 Bech. wegflieszen, fortschwimmen, (bildlich) in vergessenheit kommen: schwäb. lasz es grinnen, bring die sache nicht immer wieder in anregung Schmid 434. 66) ausgehen, abstammen von jem., wie der flusz aus der quelle, s. rinnen II, A, 2, b: ub ich kint gewinne, deu werlt vone mir gerinne. Diemer ged. d. 11. u. 12. jh. 13, 23. 77) flüssig werden: geronnen erz, aes fusum Stieler 1611, in entgegengesetztem sinne s. no. 8, f; das eis gerinnt, thaut auf, schmilzt; daher bildlich: drei lautenhauche der flöte, mit der der blinde eine schönere wärmere vergangenheit vor die erstarrte seele zog, löseten sein gerinnendes herz in ein nasses auge auf. J. Paul Hesperus 4, 81. 88) von flüssigen dingen, zusammenrinnen, zusammenlaufen, d. h. einerseits dicklich werden und sich zersetzen, andrerseits fest, starr oder hart werden, ahd. garinnen, girinnen Graff 2, 514, coaculavit karinnit, kirinnit, caran Steinmeyer-Sievers gloss. 1, 84, 12, coit giran 395, 65. 453, 70. 8@aa) von der milch, zusammenfahren: gerinnen als die milch, coagulare. voc. inc. teut. i 1b; gerunnen milch, coagulum Dief. 128b, zusammengezogen die grunnemilch Maaler 194c; mhd. diu gerunnen milch ist trucken. Diemer arzneib. G 2; ad coenam: jedlichem ain gerunnen milch. Tegernseer kochbüchl. in Germania 9, 205; der gaiʒ milch ist gar süeʒ, aber zehant und si gerint, so ist si gar lasterpær. Megenberg 127, 25. 359, 35; so essen wir ungern gerunnen milch. fastn. sp. 1, 344, 5; dort gerinnt die milch und wird ein stehend öl. Haller ged. 38; schnell wie die weisze milch vom feigenlabe gerinnet. Voss Ilias 5, 902, wie feigensaft die weisze schiere milch im hui, da sie kaum umgerüttelt wird, gerinnen macht. Bürger 169a; hastu mich nicht wie milch gemolcken und wie kese lassen gerinnen? Hiob 10, 10; geronnen rahm. Ludwig 746. 8@bb) daher sich zersetzen, sich auflösen, zerrinnen: das ende der tage ist gekommen, .. alles was da ist gerinnet wieder zu elementen. Leisewitz Jul. von Tar. 5, 4; bildlich, stocken und sich zersetzen: der herzog ist wacker und man könnte ihn recht lieben, wenn er nicht durch seine unarten das gesellige leben gerinnen machte. Göthe an frau v. Stein 2, 239. ahd. unpersönlich mit acc. der person und gen. der sache, es steht mir nicht zu gebote, zur verfügung, es fehlt, mangelt mir an etwas, wie im mhd. das unpersönliche zerrinnen mit gen. der sache und dat. (oder gen.) der person Lexer 3, 1077: daʒ lant daʒ heiʒit paradîs. ih mag iʒ lobôn harto,ni girinnit mih thero worto. Otfrid 1, 18, 4, vgl. Notker ps. 80, 2. 118, 30. 8@cc) vom saft der pflanzen, dick, zäh werden: das harz (saft) noch in dem stamme, obgleich erstarret, geliefert oder geronnen, und also nicht in die wurzeln zurückgetreten. Krünitz 22, 59. 8@dd) vom wasser, gefrieren: ahd. girunnana, tesamene gerunnan, (die kalten polarzonen) glacie concretae Steinmeyer-Sievers gloss. 2, 628, 20. 700, 48 zu Virg. georg. 1, 236; bis zum grund in gediegenes eis gerinnen die weiher, Voss Virg. landbau 3, 365. 8@ee) von öl-, fett- und gallertartigen stoffen, die aus dem flüssigen zustand in den festen übergehen: das öl gerinnet. Stieler 1612; öl, das auf marmortafeln zu wäldern gerinnet. J. Paul Kampanerth. 66; gerunnen unschlit Henisch 1526; das fett, das wachs, das inselt gerinnt. Steinbach 2, 295; geronnene, gelieferte, gestockte oder gestandene brühe von kalbesfüszen. [] Ludwig 746; von gallertartiger zahnmasse: eine geronnene, stockende, geschiedene materie. Göthe 60, 203. 8@ff) von feuerflüssigen körpern, sich verdicken, stocken: erstarren, erharten: ich fand das metall (das im guszofen leichtflüssig sein sollte) stehend und zu einem kuchen geronnen. Göthe 35, 211; o weisheit! gottes rath! kaum war die welt geronnen, da priesen dich bereits die neu erschaffnen sonnen. Lichtwer 184; jene sonnen, die aus dem ersten licht zur festigkeit geronnen. Wieland suppl. 1, 44; dann lebe wohl, du liebes erdenrund, du tropfe stein und leimen, der dem schoos des chaos einst entflosz und festgerann. Herder lit. 16, 88. 8@gg) vom blut, sich zersetzen: dasz es (gift) .. wie ein saures lab, in milch getropft, mit plötzlicher gewalt gerinnen macht das leichte reine blut. Schlegel Hamlet 1, 5; zäh oder fest werden, eintrocknen: da du auflegst dein vinger auff den flusz des bluotz bisz es etwas gerinn. Braunschweig chirurg. (1497) 27a, bisz sich das bluot coagulirt oder gerinnt 25b; verstockt gerunnen blut. Henisch 1526; das gerunnen blut. Simpl. 4, 61, 10. 62, 1. 64, 8 Kurz; geronnen geblüt. Woyt gazophyl. 403; zu seiner lust gerann kein menschenblut. Gleim 3, 6; blut, gerinnend, stillet leicht sich selber, überlassen sich verharrscht die wunde. Göthe 40, 399. 8@hh) bildlich, erstarren. 8@h@aα) bei heftigen gemütsbewegungen, wie schreck, grausen, plötzlicher freude: ahd. giran, coit, concrevit Steinmeyer-Sievers gloss. 2, 667, 6. 671, 5 (zu Virg. Aen. 10, 452: frigidus Arcadibus coit in praecordia sanguis, und 12, 905: frigidus concrevit frigore sanguis); wie hoch sein herz ihm schlug, .. sein blut zu schnee gerann. Wieland 21, 299; doch dieses mahl gerann sein ritterliches blut. 17, 243; während sie, geronnen fast zu gallert durch die furcht, stumm stehn. Schlegel Hamlet 1, 2; so bald sie aufblickte, gerann ihr herz vor der nahen schrecklarve. J. Paul bei Campe 4, 270b. 8@h@bβ) vom herzen, das sich verstockt, verhärtet: ahd. iro herce ist gerunnen also milh, verhertet. Notker ps. 118, 70 Wiener hds. 8@h@gγ) in mannigfacher verwendung bei J. Paul im sinne von zusammentrocknen, sich fest zusammenziehen: jahrzehende (haben) dieses gesicht in das zusammen geronnene zerknüllte gesicht voll überlebter hoffnungen ausgedorret. unsichtb. loge 3, 128; sein um mund und nase fest geronnenes lächeln. herbstblum. 3, 161; mehre recensionen gerinnen zu einer kritik, und mehre kritiken erharten zu einem öffentlichen urtheile der jetzigen mitwelt. kl. bücherschau 1, 3.
8053 Zeichen · 174 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    gerinnenstv. I, 3.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +3 Parallelbelege

    ge-rinnen stv. I, 3. BMZ gerinnen, zusammenrinnen. gerunnen milch, coagulum Dfg. 128 c . der gaiʒ milch ist gar süeʒ, ab…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Gerinnen

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Gerinnen , verb. irreg. neutr. (S. Adelung Rinnen ,) welches das Hülfswort seyn erfordert, und von flüssigen Körpern geb…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    gerinnen

    Goethe-Wörterbuch

    gerinnen mehrf im Zustandsperf, auch subst a dick, zäh, flockig werden; von Milch (auch im Bild), austretendem Blut, Pfl…

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Gerinnen

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Gerinnen , s. Herder Coagulantia .

  5. modern
    Dialekt
    g(e)rinnen

    Elsässisches Wb. · +2 Parallelbelege

    PfWB RhWB g(e)rinne n gerinnen, sich scheiden und einen Niederschlag bilden (von ruhig stehendem Blut): Rüe h r's numme …

  6. Spezial
    gerinnen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    ge|rin|nen vb.intr. 1 (in Bezug auf Blut) se imprëne , gní toch 2 (in Bezug auf Milch) jí adöm; gní toch. ▬ die Milch ge…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit gerinnen

3 Bildungen · 0 Erstglied · 2 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von gerinnen

ge- + rinnen

gerinnen leitet sich vom Lemma rinnen ab mit Präfix ge-.

Zerlegung von gerinnen 2 Komponenten

ger+innen

gerinnen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

gerinnen als Zweitglied (2 von 2)

vergerinnen

DWB

verge·rinnen

vergerinnen , verb. hüttenmännischer kunstausdruck, transitiv, mit einem gerinne zur abführung des wassers versehen: einen stollen vergerinn…

zusammengerinnen

DWB

zusammen·gerinnen

-gerinnen , v. , z. b. von der milch, s. o. I 6: wenn nicht ... neue fixsterne aus leuchtendem nebel z. Schopenhauer 5, 142 Gr.; dasz ... di…

Ableitungen von gerinnen (1 von 1)

vergerinnen

DWB

vergerinnen , verb. hüttenmännischer kunstausdruck, transitiv, mit einem gerinne zur abführung des wassers versehen: einen stollen vergerinn…