gerinnen ,
verstärktes rinnen
th. 8, 1020,
theilweis mit noch erhaltener ursprünglicher bedeutung der vorsilbe ge- (II, 4,
a sp. 1612) '
zusammen'. 11)
goth. garinnan,
von menschen, zusammenlaufen, zusammenkommen: jah garunnun miþ imma auhumistans gudjans.
Marc. 14, 53; so baurgs alla garunnana vas at daura. 1, 33; garinnaima allai in ainamundiþa galaubeinais.
Eph. 4, 13;
erlaufen, durch laufen erlangen, wobei ga-
den begriff des vollständigen, fertigen ausdrückt, s. ge II, 4,
c sp. 1612: rinnaiþ, ei garinnaiþ,
τρέχετε ἵνα καταλάβητε (
den siegespreis).
1 Cor. 9, 24. 22)
rennen, feindlich anrennen, vermengt mit gerennen: von Troyge ein ritter .. zu Nestor er geran. Herbort von Fritslar 1422; her sal kunne wol gerîtin, .. wol gedrabin und gerinnen. Rothe
rittersp. 2698; gerinnen, gerennen,
aggredi, wol angerinnt ist halb gefochten. Henisch 1519. 33)
zusammenflieszen: ahd. sô gerinnent (wolchen) in wazerine zasamen, daʒ tie gesamenôte unde ze tropfon wortene bêdiu hara nider fallent.
Martianus Capella cap. 15; auf einer aus den süszesten düften des frühlings zusammen geronnenen, leichtschwebenden wolke. Wieland 29, 5
Gruber; lobt den herrn, desz angesicht lächelnd in den spiegel schaut auch des tropfens, der am halm hängt geronnen. Rückert
ges. ged. 2, 461; thau gerinnt als perlenthräne. Platen 1, 53;
[] bildlich: so mögen die enden von tugend und laster ineinanderflieszen, und himmel und hölle in éine verdammnisz gerinnen. Schiller III, 47 (
Fiesko 2, 3); zwei zusammengerinnende völkerschaften. J. Paul
Hesperus 1, 195;
sich verbinden, vermischen: sein herz vor zorn aufseudt und brünnt, wie kreid und essig zamen grünnt. Thomas Birck
comoedia (1590)
s. 119. 44)
coalescere: ahd. an iro (
der mutter des Antichrist) mûʒ gerinnen dû bitterista minna, van ubeler geluste daʒ barn wirsista. Müllenhoff
u. Scherer
denkm.2 85. 55)
flieszen: gerinnen,
manare, fluere Henisch 1519; voll gerinnen,
durch zusammenflieszen des wassers voll werden: ein hol (
höhlung, grube), eʒ was sô kleine, daʒ eʒ nâch sage zwischen naht unde tage vil kûme volleʒ geran. Hartmann
Gregorius 3129
Bech. wegflieszen, fortschwimmen, (
bildlich)
in vergessenheit kommen: schwäb. lasz es grinnen,
bring die sache nicht immer wieder in anregung Schmid 434. 66)
ausgehen, abstammen von jem., wie der flusz aus der quelle, s. rinnen II,
A, 2,
b: ub ich kint gewinne, deu werlt vone mir gerinne. Diemer
ged. d. 11. u. 12. jh. 13, 23. 77)
flüssig werden: geronnen erz,
aes fusum Stieler 1611,
in entgegengesetztem sinne s. no. 8,
f; das eis gerinnt,
thaut auf, schmilzt; daher bildlich: drei lautenhauche der flöte, mit der der blinde eine schönere wärmere vergangenheit vor die erstarrte seele zog, löseten sein gerinnendes herz in ein nasses auge auf. J. Paul
Hesperus 4, 81. 88)
von flüssigen dingen, zusammenrinnen, zusammenlaufen, d. h. einerseits dicklich werden und sich zersetzen, andrerseits fest, starr oder hart werden, ahd. garinnen, girinnen Graff 2, 514,
coaculavit karinnit, kirinnit, caran Steinmeyer-Sievers
gloss. 1, 84, 12,
coit giran 395, 65. 453, 70. 8@aa)
von der milch, zusammenfahren: gerinnen als die milch,
coagulare. voc. inc. teut. i 1
b; gerunnen milch,
coagulum Dief. 128
b,
zusammengezogen die grunnemilch Maaler 194
c;
mhd. diu gerunnen milch ist trucken. Diemer
arzneib. G 2; ad coenam: jedlichem ain gerunnen milch.
Tegernseer kochbüchl. in Germania 9, 205; der gaiʒ milch ist gar süeʒ, aber zehant und si gerint, so ist si gar lasterpær. Megenberg 127, 25. 359, 35; so essen wir ungern gerunnen milch.
fastn. sp. 1, 344, 5; dort gerinnt die milch und wird ein stehend öl. Haller
ged. 38; schnell wie die weisze milch vom feigenlabe gerinnet. Voss
Ilias 5, 902, wie feigensaft die weisze schiere milch im hui, da sie kaum umgerüttelt wird, gerinnen macht. Bürger 169
a; hastu mich nicht wie milch gemolcken und wie kese lassen gerinnen?
Hiob 10, 10; geronnen rahm. Ludwig 746. 8@bb)
daher sich zersetzen, sich auflösen, zerrinnen: das ende der tage ist gekommen, .. alles was da ist gerinnet wieder zu elementen. Leisewitz
Jul. von Tar. 5, 4;
bildlich, stocken und sich zersetzen: der herzog ist wacker und man könnte ihn recht lieben, wenn er nicht durch seine unarten das gesellige leben gerinnen machte. Göthe
an frau v. Stein 2, 239.
ahd. unpersönlich mit acc. der person und gen. der sache, es steht mir nicht zu gebote, zur verfügung, es fehlt, mangelt mir an etwas, wie im mhd. das unpersönliche zerrinnen
mit gen. der sache und dat. (
oder gen.)
der person Lexer 3, 1077: daʒ lant daʒ heiʒit paradî
s. ih mag iʒ lobôn harto,ni girinnit mih thero worto. Otfrid 1, 18, 4,
vgl. Notker
ps. 80, 2. 118, 30. 8@cc)
vom saft der pflanzen, dick, zäh werden: das harz (
saft) noch in dem stamme, obgleich erstarret, geliefert oder geronnen, und also nicht in die wurzeln zurückgetreten. Krünitz 22, 59. 8@dd)
vom wasser, gefrieren: ahd. girunnana, tesamene gerunnan, (
die kalten polarzonen)
glacie concretae Steinmeyer-Sievers
gloss. 2, 628, 20. 700, 48
zu Virg. georg. 1, 236; bis zum grund in gediegenes eis gerinnen die weiher, Voss
Virg. landbau 3, 365. 8@ee)
von öl-, fett- und gallertartigen stoffen, die aus dem flüssigen zustand in den festen übergehen: das öl gerinnet. Stieler 1612; öl, das auf marmortafeln zu wäldern gerinnet. J. Paul
Kampanerth. 66; gerunnen unschlit Henisch 1526; das fett, das wachs, das inselt gerinnt. Steinbach 2, 295; geronnene, gelieferte, gestockte oder gestandene brühe von kalbesfüszen.
[] Ludwig 746;
von gallertartiger zahnmasse: eine geronnene, stockende, geschiedene materie. Göthe 60, 203. 8@ff)
von feuerflüssigen körpern, sich verdicken, stocken: erstarren, erharten: ich fand das metall (
das im guszofen leichtflüssig sein sollte) stehend und zu einem kuchen geronnen. Göthe 35, 211; o weisheit! gottes rath! kaum war die welt geronnen, da priesen dich bereits die neu erschaffnen sonnen. Lichtwer 184; jene sonnen, die aus dem ersten licht zur festigkeit geronnen. Wieland
suppl. 1, 44; dann lebe wohl, du liebes erdenrund, du tropfe stein und leimen, der dem schoos des chaos einst entflosz und festgerann. Herder
lit. 16, 88. 8@gg)
vom blut, sich zersetzen: dasz es (
gift) .. wie ein saures lab, in milch getropft, mit plötzlicher gewalt gerinnen macht das leichte reine blut. Schlegel
Hamlet 1, 5;
zäh oder fest werden, eintrocknen: da du auflegst dein vinger auff den flusz des bluotz bisz es etwas gerinn. Braunschweig
chirurg. (1497) 27
a, bisz sich das bluot coagulirt oder gerinnt 25
b; verstockt gerunnen blut. Henisch 1526; das gerunnen blut.
Simpl. 4, 61, 10. 62, 1. 64, 8
Kurz; geronnen geblüt. Woyt
gazophyl. 403; zu seiner lust gerann kein menschenblut. Gleim 3, 6; blut, gerinnend, stillet leicht sich selber, überlassen sich verharrscht die wunde. Göthe 40, 399. 8@hh)
bildlich, erstarren. 8@h@aα)
bei heftigen gemütsbewegungen, wie schreck, grausen, plötzlicher freude: ahd. giran,
coit, concrevit Steinmeyer-Sievers
gloss. 2, 667, 6. 671, 5 (
zu Virg. Aen. 10, 452:
frigidus Arcadibus coit in praecordia sanguis, und 12, 905:
frigidus concrevit frigore sanguis); wie hoch sein herz ihm schlug, .. sein blut zu schnee gerann. Wieland 21, 299; doch dieses mahl gerann sein ritterliches blut. 17, 243; während sie, geronnen fast zu gallert durch die furcht, stumm stehn. Schlegel
Hamlet 1, 2; so bald sie aufblickte, gerann ihr herz vor der nahen schrecklarve. J. Paul
bei Campe 4, 270
b. 8@h@bβ)
vom herzen, das sich verstockt, verhärtet: ahd. iro herce ist gerunnen also milh, verhertet. Notker
ps. 118, 70
Wiener hds. 8@h@gγ)
in mannigfacher verwendung bei J. Paul
im sinne von zusammentrocknen, sich fest zusammenziehen: jahrzehende (
haben) dieses gesicht in das zusammen geronnene zerknüllte gesicht voll überlebter hoffnungen ausgedorret.
unsichtb. loge 3, 128; sein um mund und nase fest geronnenes lächeln.
herbstblum. 3, 161; mehre recensionen gerinnen zu einer kritik, und mehre kritiken erharten zu einem öffentlichen urtheile der jetzigen mitwelt.
kl. bücherschau 1, 3.